Pirckheimer-Blog

Mo, 09.10.2023

2023 schon ab dem 20. Oktober: die "artbook.berlin".

artbook.berlin 2023: 20. bis 22.10.

In diesem Jahr findet die von Cornelius Brändle (corn.elius) und Hanneke von der Hoeven veranstaltete artbook.berlin im Kunstquartier Bethanien am Mariannenplatz 2 in Berlin-Kreuzberg nicht erst im November, sondern in Kürze, nämlich vom 20. bis 22. Oktober statt. Die Messe für Künstlerbücher und Editionen wartet dabei wieder mit einer Vielzahl illustrer Ausstellerinnen und Aussteller, von der Herzattacke bis zur Sonnenberg-Presse und von Julienne Jattiot bis Hans Schlimbach, auf. Und natürlich werden auch die Pirckheimer mit einem Stand dabei sein und ihre Arbeit, ihre Editionen und Publikationen präsentieren. Ein Wiedersehen mit den vielen Freunden des schönen Künstlerbuchs, der neuesten Grafik ist garantiert. Auf nach Kreuzberg!

(André Schinkel)

So, 08.10.2023

Neue Ausstellung im Radierverein München ab 12.10.

Jung, divers, drei Jahresgaben

Am kommenden Donnerstag eröffnet die jährliche Mitgliederausstellung des Münchener Radiervereins im Verbund mit der Präsentation der drei diesjährigen Jahresgaben. Unter dem Titel jung&divers bezeugen die in den letzten Jahren neu aufgenommenen Künstlermitglieder des Vereins mit ihren Arbeiten die Vielfalt der heutigen Druckgrafik. Linolschnitte, Siebdrucke, Radierungen und Lithografien werden neu interpretiert, Grenzen ausgelotet und die Techniken erweitert. Schwarzweiß weicht der Farbe, der Auflagedruck dem Unikat. Ein Besuch der Ausstellung lädt dazu ein, Druckgrafik neu zu entdecken und sich von der lebendigen Druckszene im Verein zu überzeugen. In der Ausstellung werden Werke von Eva Blanché, Jette Flügge, Wolfgang Folmer, Philipp Hennevogl, Aron Herdrich, Stefanie Hofer, Sarah Huber, Florian Huth, Heehyun Jeong, Margot Krottenthaler, Marco Stanke und Richard Vogl gezeigt. Die Jahresgaben 2023 von Melissa MayerGalbraith, Raimund Reiter und Katharina Ulke werden im Rahmen der Ausstellung ebenfalls präsentiert. Der Vorstand des Radiervereins lädt herzlich zur Vernissage am 12. Oktober um 19 Uhr in die Galerieräume des Vereins ein. Viele der Ausstellenden werden anwesend sein. Die Ausstellung ist bis zum 04. November 2023 zu den regulären Öffnungszeiten des Radiervereins, von Mittwoch bis Freitag jeweils 15 bis 19 Uhr, sowie am ersten Samstag des Monats von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Darüber hinaus lädt die Galeristin des Vereins, Laura Etz, herzlich zur Langen Nacht der Münchner Museen am 14.10. ein. Die Galerie ist an diesem Tag zusätzlich von 18 bis nachts um ein Uhr geöffnet. Alle weiterführenden Informationen finden sich auf der Webseite des Radiervereins.

(Radierverein München/Pressemitteilung)

Fr, 06.10.2023

Im Angebot: ein früher Kolumbus-Druck von 1493.

Ein Brief von Christoph Kolumbus (1493) bei der Christie’s-Auktion

Seit 05.10. wird ein Brief von Christoph Kolumbus, die erste gedruckte Americana, bei Christie’s Fine Printed Books and Manuscripts including Americana (Estimate bei: 1.000.000 bis 1.500.000 Dollar) angeboten (Columbus, Christopher (1451–1506): Epistola Christofori Colom: cui etas nostra multu[m] debet: de Insulis Indie supra Gangem nuper inve[n]tis. Translated by Leandro di Cosco. [RomeStephan Plannckafter 29 April 1493])Das Dokument ist die früheste verfügbare Ausgabe der Briefe von Christoph Kolumbus an den spanischen König Ferdinand I. von Aragón und Königin Isabella I., in denen die erste Reise eines Europäers nach Amerika beschrieben wird. 

Acht Monate vor der Abfassung des Schriftstücks war Kolumbus von den spanischen Monarchen auf die Suche nach den (west-)indischen Inseln geschickt worden. Der Brief des Kolumbus, die darin geschilderten Ereignisse veränderten die Geschichte, indem sie eine dauerhafte Verbindung zwischen den Kontinenten über den Atlantik schufen. Der Inhalt des Dokuments veränderte die Art und Weise, wie die Menschen die Welt sahen. Die drei Schiffe Niña, Pinta und Santa Maria stachen am 03. August 1492 von Palos de la Frontera aus in See, den kürzesten Weg über den Atlantik nach Asien zu finden. Kolumbus nahm seinen Reiseweg über die Kanarischen Inseln. 

Diese Route war einer der wichtigsten Beiträge zur Erforschung des Atlantiks. Schließlich erreichten seine Schiffe Kuba, das er zunächst mit Chipanga verwechselte und dann endlich für das chinesische Festland hielt. Im Dezember erreichte er den Ort, der während seiner Zeit in der Region am wichtigsten werden sollte, eine Insel, die er Hispaniola nannte. In einem Brief berichtet er von positiven Gesprächen mit den dortigen Häuptlingen und stellt fest, dass sie viele Goldgegenstände besitzen. Der erste Bericht über Kolumbus’ Entdeckung des Atlantischen Ozeans erschien in einem Folio mit zwei Blättern, das im März oder April 1493 in Barcelona auf Spanisch gedruckt wurde, möglicherweise bevor Kolumbus selbst dort ankam. Es enthielt den Text eines handschriftlichen Briefes (der nicht mehr erhalten ist), den er von Lissabon aus an Ferdinand und Isabella schickte. 

Dieses Dokument befindet sich heute in einer einzigen Kopie in der New York Public Library. Glücklicherweise kam die Nachricht von Kolumbus gerade zur Zeit der Erfindung des Buchdrucks, so dass sie sich schnell in Europa verbreiten konnte. Ein einziges Exemplar der spanischen Quarto-Ausgabe ist in der Biblioteca Ambrosiana erhalten. Es war jedoch die unmittelbar darauf folgende lateinische Übersetzung, die das größte internationale Publikum erreichte und die Nachricht von der Reise des Kolumbus über den Kontinent verbreitete. Die ersten Drucke dieser Latein-Übersetzung sind zwei in Rom hergestellte Ausgaben, die Stephen Plannck, einem mit der päpstlichen Kanzlei verbundenen Drucker, zugeschrieben werden. Beide Ausgaben wurden zwischen dem 29. April und dem 15. Juni gedruckt. Nachdem sie einige Wochen nach Kolumbus’ Rückkehr vergriffen waren, verbreiteten sich diese Exemplare in zahlreichen anderen Städten und wurden innerhalb eines Jahres nachgedruckt und übersetzt; insgesamt neun Ausgaben aus dem 15. Jahrhundert sind erhalten.

Der Brief, der bei Christie’s versteigert wurde, befand sich über hundert Jahre lang in einer Schweizer Privatsammlung. Beschreibung des Dokuments, wie es beim Anbieter nachzulesen ist: Quarto (201 x 140 mm). vier Blätter, mit Wasserzeichen einer Waage innerhalb eines Kreises auf dem inneren Bifolium (einige verstreute Wachsflecken). Nordeuropäisches Kleisterpapier aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert auf Karton. Diverse Bleistiftvermerke auf dem vorderen Passepartout aus Privatsammlung, in der es sich seit fast einem Jahrhundert befindet. Das Objekt kann unter der im Folgenden verlinkten Webseite des Hauses in Augenschein genommen werden.

(Maria Bogdanovich)

Do, 05.10.2023

Dr. Markus Heinz. | © by Carsten Immel (Stabi Berlin)

Erfolgsgeheimnis der Homann-Karten: Vortrag in Oldenburg

Wie schafft es im 18. Jahrhundert ein Mann von etwa 38 Jahren und ohne großen finanziellen Hintergrund, einen auf Karten spezialisierten Verlag auf die Beine zu stellen? Am 12. Oktober 2023 um 19 Uhr, beleuchtet Dr. Markus Heinz (Staatsbibliothek zu Berlin) im Rahmen der aktuellen Ausstellung in der Landesbibliothek Oldenburg zum Thema die Erfolgsgeschichte des Homann-Verlags in Nürnberg. Es war seinerzeit kein leichtes Unterfangen, einen auf Karten spezialisierten Verlag zu führen. Johann Baptist Homann (1664–1724) gelingt es – und das im Jahr 1702, als in halb Europa der Spanische Erbfolgekrieg und der Nordische Krieg zu Handelsbeschränkungen und Unsicherheit führten. Der Nürnberger Verlag hält lange seine marktbeherrschende Stellung und beliefert zwischen etwa 1710 und 1780 große Teile Europas östlich des Rheins mit Karten. Mit seiner knapp 150-jährigen Verlagsgeschichte ist Homanns Verlag ein gutes Beispiel für langfristige Untersuchungen an der Entwicklung von Verlagsprogramm, Herstellungstechnik, Vertrieb und Nutzung, findet Markus Heinz. Der Homann-Experte studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Salzburg und Wien und beschäftigte sich im Zuge von Forschungsprojekten und seiner Dissertation über mehrere Jahre mit dem Homännischen Verlag. Seit 2002 ist er stellvertretender Leiter der Kartenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin und Leiter der Kommission für die Geschichte der Kartographie der Deutschen Gesellschaft für Kartographie. Der Eintritt zum Vortrag ist frei.

(Landesbibliothek Oldenburg/Pressemitteilung)

Mi, 04.10.2023

Die Villa der Akademie "Haus Sonneck" in Großjena.

Über „Die Kunst der Gestaltung“

Wie bereits seit 2017 treffen sich jeden Herbst auf Einladung des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt e. V. junge und gestandene Autorinnen und Autoren des Landes zum Austausch in der idyllischen Akademie „Haus Sonneck“ in Großjena oberhalb des Zusammenflusses von Saale und Unstrut im Blütengrund, der zwischen Naumburg und Bad Kösen liegt. In diesem Jahr geht es bei dem Treffen, das neben Werkstätten (Werkstattleitung: Christine Hoba) auch eine Lesung in Schulpforta und einen Besuch des ganz in der Nähe liegenden Max-Klinger-Hauses beinhaltet, um die Nähe von Literatur und Grafik, Buchkunst und -gestaltung. Als Dozenten werden erwartet: Karoline Schliemann, Kuratorin der Grafischen Sammlung des Grassi-Museums, und der junge Autor und Klopstock-Förderpreisträger Aron Boks, der am Sonnabend des vom 27. bis zum 29.10.23 stattfindenden Treffens zu Willi Sitte und Christa Wolf sprechen wird. Wie in jedem Jahr werden die Beiträge der Tagung in einer Anthologie gesammelt und unter dem Titel des Treffens: Die Kunst der Gestaltung, zur Leipziger Buchmesse im März 2024 im Mitteldeutschen Verlag veröffentlicht.

(André Schinkel)

Di, 03.10.2023

Noch bis 08.10. in Berlin: "World Framed" (hier: Matt Mullican und Jorinde Voigt) im Kupferstichkabinett.

„World Framed“: Zeichenkunst im Berliner Kupferstichkabinett

Noch fünf Tage, bis zum 08.10.2023, ist die erfolgreiche Ausstellung World Framed im Berliner Kupferstichkabinett (Besuchereingang: Matthäikirchplatz, 10785 Berlin) zu sehen. Die erfolgreiche Kooperation zwischen dem Kupferstichkabinett und der Schering Stiftung begeht im Jahr 2023 ihr 15-jähriges Jubiläum. Aus diesem feierlichen Anlass wird die daraus hervorgegangene Sammlung zeitgenössischer Zeichenkunst mit einer Sonderausstellung gewürdigt. Der Bestand umfasst nun über 130 Arbeiten aus den 1970er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart von 30 hochkarätigen, nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern, darunter N. Dash, Nadine Fecht, Dan Graham, Julie Mehretu, Matt Mullican, Carsten Nicolai, Tomás Saraceno und Jorinde VoigtSich dem forschenden Künstler-Blick, sich der Verbindung von Kunst und Wissenschaft zu widmen, bildet den Schwerpunkt der Sammlung Schering Stiftung im Kupferstichkabinett. Im Fokus steht die zeitgenössische, abstrakte Zeichenkunst, dessen Ausgangspunkt die Linie und dessen variantenreiche Ausformulierung bildet. Auch werden die Grenzen, Grenzerweiterungen und Medienübergriffe in der Zeichnung thematisiert. Die Schau war von einem umfangreichen Beiprogramm flankiert, es erschien ein Katalog. Die in der Gemäldegalerie gezeigte Dürer-Schau zum Einfluss des Nürnberger Genies auf die Renaissance ist noch bis zum 15.10.2023 zu sehen.

(Kupferstichkabinett Berlin/Pressemitteilung)

So, 01.10.2023

Soeben erschienen: Der "Hamburger Bothe", Nr. 18.

Hamburger Bothe 18 erschienen

Soeben ganz frisch erschienen ist der Hamburger Bothe in der Oktober-Ausgabe (Heft 18), wie die Herausgeber Rudolf Angeli und Peter Engel mitteilen. Im Editorial wird die berührende und gleichsam zweckmäßige Geschichte der Gründung des Journals, das in der Corona-Zeit als Ort und Verständigungsorgan der norddeutschen Pirckheimer-Mitglieder entstand, noch einmal kurz erläutert. Mittlerweile hat die Zeitschrift, als Ergänzung, ja, und zweites Mitteilungsblatt neben den Marginalien, eine interessierte Leserschaft im gesamtdeutschen Raum. Interessenten können sich die jeweils neue Hamburger-Bothe-Ausgabe über die Email-Adresse Rudolf_Angeli@web.de digital bestellen und zukommen lassen. Und die neue Folge hat es in sich: Neben einem Hinweis auf die bald kommende Ausstellung von Jürgen Meyer Jurkowski gibt es in der zweiten Ausgabe der neuen Rubrik der Werkstattberichte einen tiefen Einblick in die selbige von Rainer Ehrt, der den Pirckheimern schon lange verbunden ist. Abel Doering verweist in der Bibliophilen Empfehlung auf Nico Rosts Goethe in Dachau von 1948, den erschütternden KZ-Bericht, der zu den Klassikern des Genres wurde. In Freundschaften und tiefe Einblicke in die Zeit berichtet Reinhard Grüner von seinem Leben als Sammler und Thomas Glöß von den Editionen des Leipziger Bibliophilen-Abends; und im primären Teil stellt die Hamburger Autorin Sigrid Behrens ihren Text Jetzt vor. Die Schriftstellerin wird am 08. November des Jahres im Säulenkeller der Patriotischen Gesellschaft in der Hansestadt lesen. Und schließlich gibt es die Rezensionsschau und einen Lesungsbericht zu Urs Heftrichs im Verlag Angeli & Engel zweisprachig erschienenen Band Gehäuseschutt/House of Rubble, enthaltend Reime und Fotos des Dichters und Gelehrten ... das dritte Buch des Verlags.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 30.09.2023

Wiederentdeckt: Lessings "Die Juden", mit Stichen von Baldwin Zettl verlegt in der Edition Ornament.

Neu – Ein Lessing-Stück zum 80. Geburtstag von Baldwin Zettl

Ein Lustspiel mit dem Titel Die Juden? Darf man darüber noch lachen? Lessings Stück von 1749 flimmert vor unseren Augen. Die Nachgeschichte verwandelt seine Worte in Sprengsätze: Sie seien „gottloses Gesindel“, Betrüger, Diebe und Straßenräuber, sagt ein Gutsverwalter, der sich als Jude verkleidet hat, um seinen Herrn zu überfallen. Das Buch ist die Wiederentdeckung eines Textes, der zuletzt vor zwanzig Jahren von George Tabori am Berliner Ensemble inszeniert wurde. Lessing gab als Erster jenen alltäglichen Antisemitismus dem Verlachen preis, der seit Jahrhunderten von Hass und Neid zehrt. Ein Lachen, das im Halse stecken bleibt. In einem Lustspiel ohne Happyend, das uns zwingt, genau hinzusehen, alles in Frage zu stellen, keiner vorgefassten Meinung zu trauen. Baldwin Zettl, Meister des Kupferstichs, hat Bilder zum Stück geschaffen. Sie zeigen die Figuren in ihrer zeitlosen Gegenwärtigkeit: als Typen, die uns auch im Hier und Heute noch begegnen. Das Buch erscheint zum 80. Geburtstag des Künstlers in der Edition Ornament, herausgegeben und gestaltet vom Pirckheimer Jens-F. Dwars. Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft können das Buch zum Sonderpreis von 12 statt 18 EUR bestellen unter www.edition-ornament.de oder per Mail: jens.dwars@t-online.de. Dort erfahren sie auch Details über die beiden Vorzugsausgaben des Bandes, die in Buchkassetten mit Originalabzügen der Kupferstiche geliefert werden. (Gotthold Ephraim Lessing. Die Juden. Ein Lustspiel in einem Aufzug. Mit Kupferstichen von Baldwin Zettl, hrsg. und gestaltet von Jens-Fietje Dwars, Edition Ornament im quartus-Verlag: Bucha bei Jena 2023, Farbdruck, Fadenheftung im Festeinband, 72 Seiten, 12 x 19,5 cm, ISBN 978-3-947646-56-2, Normalausgabe: 18 Euro, zudem erscheinen zwei Vorzugsausgaben des Bands in Buchkassetten.)

(Jens-Fietje Dwars/Pressemitteilung)

Fr, 29.09.2023

200 Jahre alt: Antiquariat Heckenhauer in Tübingen.

200 Jahre alt: J. J. Heckenhauer

Eben vom Tübinger Bücherfest zurück, lädt das traditionsreiche Antiquariat J. J. Heckenhauer, das in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag begeht, bereits zur Stuttgarter Antiquariatsmesse vom 26. bis 28. Januar 2024 in der süddeutschen Metropole wie auch zur Exposition zum Ehrenfest ein. Vom 07. Oktober bis 16. Dezember 2023 wird die Jubiläumsausstellung 200 Jahre J. J. Heckenhauer im Hesse-Kabinett am Holzmarkt 5 in der Hölderlin-Stadt zu sehen sein: dienstags, mittwochs und samstags jeweils von 11 bis 17 Uhr. Die Ausstellungs-Eröffnung findet am 06.10. ab 18 Uhr statt. Auch einige Raritäten sind im Antiquariat eingetroffen. So schreibt Betreiber Roger Sonnewald: „Kürzlich konnten wir einige seltene Titel von Immanuel Kant erwerben, darunter auch die Erst-Ausgabe Zum ewigen Frieden, der leider auf der Erde Utopie bleiben wird …“ Möge sich das schnell ändern. Alle Angebote des ehrwürdigen Hauses finden sich auf der Webseite des Antiquariats. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 28.09.2023

Fritz Nolde, das Aquarell "In der Zelle" von 1934.
Karl Nolde: "In der Zelle", Feder und Tusche, um 1934.

Nolde und Nolde in Wittenberg

In der Wittenberger Cranach-Stiftung, dem ehemaligen Wohnhaus der Cranachs, stellt Pirckheimer-Freund Dr. Gerd Gruber wieder Werke aus seiner Sammlung aus, und erneut richtet er den Blick auf weniger bekannte und in Vergessenheit geratene Künstler: Fritz und Karl Nolde aus Leipzig. Die Exposition befindet sich mitten im Herzen der ehemaligen kursächsischen Hauptstadt, und die Gebäude, in denen sie gezeigt wird, gehören zum engen Umkreis des UNESCO-Weltkulturerbes der Lutherstätten in Wittenberg und Eisleben (Markt 4, 06886 Lutherstadt Wittenberg).

Söhne eines Tischlers, wurden sie in Leipzig geboren, Karl im Jahr 1902 und Fritz zwei Jahre später. Beide studierten nach einer Berufsausbildung an der Staatlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe und wurden Mitglied der Leipziger Ortsgruppe der Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler (ASSO). Wegen ihres Engagements für die KPD wurden beide verhaftet und zu Zuchthausstrafen verurteilt. Karl Nolde war 19331935 inhaftiert, nach seiner Freilassung emigrierte er in die Tschechoslowakei und danach über London in die USA. 1937 wurden zwei seiner Werke als „entartete Kunst“ aus Museumsbesitz beschlagnahmt. Karl Nolde starb 1994 erblindet in Mexiko.

Fritz Nolde befand sich 1934–1935 und erneut 1941–1943 in Zuchthaushaft. Unmittelbar aus dem Zuchthaus wurde er in das Strafbataillon 999 geschickt. Aus englischer Kriegsgefangenschaft kehrte er 1947 nach Leipzig zurück und starb 1980 in Potsdam. Von den fast einhundert Werken (Aquarelle, Zeichnungen und Ölbilder) die sich von beiden Künstlern in der Sammlung Gruber befinden, werden etwa fünfzig in der Ausstellung gezeigt. Neben farbintensiven Aquarellen aus den 1920er Jahren sind auch Zeichnungen zu sehen, die in der Nazihaft entstanden. Ebenso werden in der Schau Kopien von Dokumenten, wie Gerichtsurteile, Gefängnisunterlagen und schließlich das Dokument, in dem Karl Nolde 1940 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, gezeigt.

Um die beiden Künstler, die nicht mit Emil Nolde verwandt sind, wieder etwas bekannter zu machen, erschien eine kleine Publikation mit 32 Seiten und 23 Abbildungen, die für 4 Euro plus Versandkosten zu beziehen ist bei: Cranach-Stiftung Wittenberg, Markt 4, 06886 Lutherstadt Wittenberg, auch ein Bezug über das Internet und per Telefon ist möglich, über die Webseite der Stiftung: www.cranach-stiftung.de, die Mailadresse info@cranach-stiftung.de und die Telefonummer (03491) 42 01 90Die Ausstellung in Wittenberg ist bis zum 28.01.2024 zu sehen.

(Gerd Gruber/Pressemitteilung)

Am 24.09.23 wurde in Gotha ein neuer Pirckheimer-Vorstand gewählt. Vorsitzender des Vorstands ist nun Matthias Haberzettl (li.), der auch weiterhin in der Mitgliederbetreuung aktiv bleibt. Neben ihm als neuer Schriftführer Robert Grieger, zuständig für Presse- und Projektbetreuung. Als stellvertretender Vorsitzender im Amt bestätigt wurde Till Schröder (2. v. re.); neu im Vorstand sind Hans Rabenbauer (re.) als Schatzmeister und gleichsam wie Haberzettl die Mitgliederbetreuung verantwortend sowie Daniel Reynolds (u.), ebenfalls Presse-/Projektbetreuung.

Grüße aus Gotha – Informationen zum Jahrestreffen 2023

Erfolgreiches Jahrestreffen und neuer Vorstand gewählt

Am Wochenende vom 22. bis 24. September fand das 50. Jahrestreffen der Gesellschaft in Gotha statt. Dies wurde durch Peter Arlt und die Thüringer Regionalgruppe organisiert, worüber wir sehr glücklich und dankbar sind; es gab ein volles und abwechslungsreiches Programm. Ein ausführlicher Bericht folgt demnächst im Blog und erscheint in den Marginalien im Dezember.

In diesem Jahr fand turnusgemäß die Wahl eines neuen Vorstands statt. Da mehrere Mitglieder des vorherigen Vorstands nicht mehr antraten, fand sich eine neue Konstellation, die kandidierte und einstimmig auf der Mitgliederversammlung am 24. September gewählt wurde. Nunmehr Vorsitzender des Vorstands ist der Mathematiker Matthias Haberzettl (Augsburg), dem bereits im Vorgängervorstand die Mitgliederbetreuung oblag und die er neben dem Vorsitz weiterhin begleitet. Im Amt als stellvertretender Vorsitzender bestätigt wurde der Journalist Till Schröder (Berlin). Neu im Vorstand sind der Betriebswirt Hans Rabenbauer (Bobingen) als Schatzmeister und ebenfalls die Mitgliederbetreuung verantwortend, der Projektmanager Robert Grieger (Berlin) als Schriftführer, zuständig für Presse- und Projektbetreuung, und der Designhistoriker und Schriftgestalter Daniel Reynolds (Krefeld), ebenfalls für die Presse- und Projektbetreuung.

Die Pirckheimer-Gesellschaft bedankt sich bei den ausgeschiedenen Mitgliedern des Vorstands von ganzem Herzen. Unser Dank gilt dem langjährigen Vorsitzenden Ralph Aepler (2015–2023), dem Schriftführer und Messeorganisator Ralf Wege (2015–2023), dem Schatzmeister Thilo Berkenbusch (2020–2023) und der Mitgliederbetreuerin Jutta Osterhof (2015–2023). Ohne sie alle stünde die Gesellschaft nicht da, wo sie heute ist. Dieser Dank gilt selbstverständlich auch allen Unterstützern, aktiven Mitstreitern und den Regionalgruppen unserer Gesellschaft.

Auf der Mitgliederversammlung wurde außerdem ein neues Beitragsmodell verabschiedet. Seit 2010 konnten wir den Beitrag 13 Jahre lang stabil halten. Angesichts der sprunghaften Teuerung vor allem bei Papier, Druck und Versand für die Marginalien in den letzten zwei Jahren kommt die Gesellschaft um eine Erhöhung nun nicht mehr herum, will sie die Qualität der Zeitschrift und Grafikbeilagen nicht gefährden, die von großer Strahlkraft für die Pirckheimer und darüber hinaus sind. Nach einem regen Austausch über Bedenken, Möglich- und Notwendigkeiten wurde das erarbeitete und vorgestellte Beitragskonzept des Vorstandes bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen. Dieses Beitragsmodell findet ab 01.01.2024 seine Gültigkeit. Vollmitglieder (Inland) zahlen nunmehr 115 Euro, Vollmitglieder (Ausland) 130 Euro, Institutionen (Inland) 170 Euro, Institutionen (Ausland) 185 Euro. Bei Junioren, Familienmitgliedern und Unterstützern ändert sich nichts. Hier kann die bisherige Beitragshöhe gehalten werden: Junior (Inland) 30 Euro, Junior (Ausland) 45 Euro, Familienmitglied 15 Euro, Unterstützer 20 Euro. Die Erhöhung für Vollmitglieder ist merklich, aber abgewogen. Monatlich gesehen entspricht das etwas über 2 Euro Mehraufwand – der Preis einer Tasse Kaffee.

Das nächste Treffen steht bereits an: Wir freuen uns auf den Besuch von Magdeburg in 2024. Und darüber hinaus auch auf 2025: Denn die Versammlung folgte dem Vorschlag eines Mitgliedes, das übernächste Treffen in Hannover zu organisieren. 

(Der Vorstand)

Mi, 27.09.2023

Reihe "Perlen der Literatur" – die ersten 25 Bände.
Einige Erstausgaben und (teils in Sondereinbänden) anderweitige Vorlagen der Klassiker der Moderne.

Input: 25 „Perlen der Literatur“

„Kleine Perlen erhalten die Freundschaft!“ Ja, so formuliert es der Hamburger Verleger des Input-Verlags, Ralf Plenz. Nun, so unerheblich ist das Geschmeide der Reihe Perlen der Literatur, die seit 2021 im „kleinen, aber feinen“ Verlag in der Freien Hansestadt an der Elbe erscheint, gar nicht mehr: Mittlerweile liegen in der fest in dunkelblaues Leinen gebundenen und mit einem je eigens Band für Band gestalteten Umgebinde versehenen Edition 25 feine Bände vor, allesamt bahnbrechende literarische oder anderweitig den sprichwörtlichen Lauf der Dinge beeinflussende Werke des letzten und vorletzten Jahrhunderts: von Gottfried Keller, der in Band 24 mit einer Novelle reüssiert, über Friedrich Nietzsches Streitschrift (Bd. 22: Zur Genealogie der Moral), späte Prosa Franz Kafkas (Bd. 10) bis Maria Montessori (Das Geheimnis der Kindheit, Bd.e 25 und, in Planung, 26) etc. In dem ursprünglich für die Herausgabe eines Autorenratgebers gegründeten Verlag fällt die sanfte Hinwendung zu den schönen, bibliophilen Veröffentlichungen auf. Auch gibt es im Beiprogramm der Perlen-der-Literatur-Reihe einiges Herzerfreuendes zu entdecken, ein feines wie ambitioniertes Notizbuch etwa, in der gleichen blaudunklen und so augen- wie händefreundlichen Aufmachung. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt. In ihrem – durch Zufall eponymen – Blog schreibt Verena Lüthjen etwa dazu: „Mit Hardcover, Fadenheftung, Leinenbezug, Prägung und Premium-Papier wirbt der Verlag für diese Buchreihe, die den Namen meines Blogs hier trägt – ein Zufall, ja, das ist wirklich ein Zufall, das eine Buchreihe und ein Blog namensgleich zusammenkommen. Nun, während ich literarische Perlen mehr finde als suche, oder sie auf mich auf unterschiedlichen Wegen zugerollt kommen, stellt der Verleger Ralf Plenz diese in seinem Verlag her und gestaltet sie kalligrafisch mit. Ein Team von Germanisten, Anglisten, Romanisten, Buchhändler, Bibliothekare, Psychologen und Viellesern, wie er auf seiner Internetseite schreibt, stöbern im Dschungel der hauptsächlich im 19. und 20. Jahrhundert erschienenen Klassiker, ein kleiner Beirat wählt sodann die Titel aus, die teilweise leicht bearbeitet, gekürzt und sprachlich modernisiert werden.“ Solange das noch geht, ist die Welt nicht ganz verloren, möchte man meinen. Eine feine Sache, diese Perlen.

(André Schinkel)

Mo, 25.09.2023

Line Hoven stellt in Brandenburg an der Havel aus.

„Völlerei“ in Brandenburg (Havel)

Zur Ausstellungseröffnung zu Line Hoven: Völlerei – Grafik und Buchillustration lädt am 07.10. um 16 Uhr die Galerie „Sonnensegel“ in Brandenburg an der Havel (Gotthardtkirchplatz 4/5, 14770 Brandenburg an der Havel) ein. Die Grafikerin Line Hoven beschäftigt sich nach eigener Auskunft mit der „gefährlichsten Art zu zeichnen.“ Ihr bevorzugtes Arbeitsmaterial ist der Schabkarton, eine mit Porzellanerde überzogene Pappe, die mit schwarzer Farbe versiegelt wird. Mit einem Cutter kratzt die Künstlerin auf der dunklen Oberfläche des Kartons zarte Linien heraus, welche sich in feinsten Schraffuren bzw. Strukturen bündeln und sich durch die Freilegung des kreidigen Zwischengrunds klar von der samtigen Oberschicht abheben. Das augenzwinkernde Diktum von der Gefährlichkeit der Methode kann vordergründig auf den Umgang mit dem scharfen Werkzeug bezogen werden, meint aber eigentlich, dass die Technik kaum Fehler verzeiht. Korrekturen durch Überschwärzen nicht gelungener Bilddetails sind nur partiell möglich. Solches Nacharbeiten hat Line Hoven allerdings nur selten nötig. Ihre Illustrationen sind Kompositionen in Schwarz-Weiß, die den zugrundeliegenden Text nicht einfach bebildern, sondern kommentieren. Diese Illustrations-Auffassung der preisgekrönten Künstlerin offenbart sich insbesondere in der Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Jochen Schmidt. Die Grafiken aus den zwei gemeinsamen Buchprojekten Paargespräche und Paargespräche – together forever stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Line Hoven und Jochen Schmidt werden zur Ausstellungseröffnung anwesend sein und drucken mit den Vernissage-Gästen ein Künstlerplakat, signieren Drucke und Bücher. Die Exposition ist bis zum 08.03.2024 zu sehen. Die Galerie ist Montag bis Freitag 08 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

(Galerie „Sonnensegel“/Pressemitteilung)

So, 24.09.2023

Bezaubernd: Danilo Pockrandts Wunderwesenbuch.

Büchel des Monats: „Das Lepomu“

„Woran erkennt man ein Folmtutel ...? Warum weigert sich der Lammtroll, Hände auszubilden? Und welche Frage stellt sich das Lepomu tagein, tagaus …“ So wundervoll, wie das Werk selbst ist, teasert der Klappentext des im Hasenverlag erschienenen neuesten Streichs von Danilo Pockrandt – ein Buch, randvoll mit den herrlichsten Wesen, bei denen man versucht sein möchte, an ihre Existenz zu glauben. Der hallesche Buchkünstler, Grafiker und Autor Pockrandt hat sich: teils aus Verschreibern, teils aus der Tiefe des ihm eigenen Staunens an der Welt heraus, auf 100 Seiten eine total zaubrige Bande ausgedacht, sie selbst gezeichnet, ihnen einen Bestimmungstext und im Fußraum jeder Seite noch eine Art „letztes Wort“ gegeben, dass es eine Freude ist. Weiter heißt es im Teaser: „Die feinen, farblich reduzierten Tuschezeichnungen kommen heiter-unterhaltsam daher und werden gewürzt durch kurzweilige Charakterisierungen. Beim Blättern in diesem Band eröffnet sich eine Welt voller Wunderwesen, die uns verwandt und fremd zugleich erscheint. Ein Bilderbuch, auch für Erwachsene!“ Ein Exponat, vor dem auch mancher Pirckheimer nicht gefeit sein dürfte. Sei’s drum, wenn’s der Freude dient. Das Lepomu und andere Wunderwesen. Ein Bestimmungsbuch kommt im Hardcover im Format von 21 x 21 cm zu seinem Besitzer, es hört auf die ISBN 978-3-94537-787-1 und kostet schüchterne 25 Euro. Was für ein Buch: ein Handbuch, feiernd die Fantasie.

(André Schinkel)

Sa, 23.09.2023

Winckelmann-Museum in Stendal in der Altmark.
Per Flodings Reproduktion einer Handzeichnung von François Bouchers „Apollon et Daphné“. Die Schau in Stendal ist mit vielen Leihgaben aus Trier bestückt.

„Unschuldige Betrügereien“

Unschuldige Betrügereien. Reproduktionsgrafik nach Handzeichnungen – mit den Leihgaben der Graphischen Sammlung der Universität Trier ist die neueste Ausstellung der Winckelmann-Gesellschaft (Winckelmann-Gesellschaft e. V. mit Winckelmann-Museum, Winckelmannstr. 36–38, 39576 Stendal) bestückt, die am 23. September eröffnet wird und bis zum 26. November 2023 gezeigt wird. Die Handzeichnung gilt, insbesondere in Gestalt der schnell hingeworfenen Skizze, als das persönliche Signum von Künstlerinnen und Künstlern schlechthin. Sie erscheint damit als unwiederholbar. Der Versuch ihrer Vervielfältigung nun stellt eine der großen Unternehmungen und einen Motor technischer Innovationen in der Druckgrafik des 18. Jahrhunderts dar, einer Zeit, in der das theoretische wie sammlerische Interesse an der Zeichnung an Bedeutung gewann.

Die Ausstellung zeigt Werke bedeutender Druckgrafikerinnen und -grafiker auf diesem Feld, wie etwa Gilles Demarteau (1722–1776), Cornelis Ploos van Amstel (1726–1798) sowie Francesco Bartolozzi (1727–1815), Per Gustaf Floding (1731–1791), Maria Katharina (1747–1794) und Johann Gottlieb Prestel (1739–1808), Richard Earlom (1743–1822) oder Adam von Bartsch (1757–1821). Die dabei auftretende große Bandbreite druckgrafischer Verfahren lässt den großen Einfallsreichtum erkennen, der nötig war, um vor der Erfindung der Lithografie 1797/1798 den besonderen Charakter der Handzeichnung zu imitieren. Mit Radierung, Camaieu-Schnitt, Mezzotinto, Punktier- und Crayonmanier, Aquatinta und weiteren bekannten Verfahren erzielten die Reproduzenten eindrucksvolle augentäuscherische Effekte bis zur fast vollständigen Faksimilierung des Originals.

Die Ausstellung versammelt Blätter aus bedeutenden Mappenwerken nach Handzeichnungen der Zeit, darunter auch einige Blätter aus dem Kompendium von Reproduktionsstichen des Radierers Bernard Picart (1673–1733), das 1734 postum unter dem Titel Impostures innocentes (etwa: Unschuldige Betrügereien) erschien. Anders als der Titel vermuten lässt, zielte Bernard Picart jedoch nicht auf Täuschung. Vielmehr sollten Gemälde und Zeichnungen verschiedener Meister in der Reproduktion dem direkten Vergleich zugänglich gemacht werden. Auf diese Weise begründeten solche Mappenwerke wie die Impostures innocentes oder der etwa zeitgleich entstandene, ungleich berühmtere Recueil Crozat (1729) ein Publikationsformat, das eine Vielzahl neue Wege ebnete.

Die Ausstellung wirft somit auch Schlaglichter auf die Kunstkennerschaft des 18. Jahrhunderts und ruft einmal mehr in Erinnerung, wie sehr Kennerschaft und Kunsthistoriographie lange Zeit auf Bilder angewiesen waren, für die zwar unisono „Originaltreue“ in Anspruch genommen wurde, die jedoch ihre Vorlagen mitunter recht eigensinnig wiedergaben. Die Exposition war zuvor vom 15. Februar bis 31. März im Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München zu sehen. Zur Schau ist ein Katalog, herausgegeben von Stephan Brakensiek und Ulrike Keuper, erschienen: Unschuldige Betrügereien. Reproduktionsgrafik nach Handzeichnungen, Trier 2023 (Kataloge der Sammlungen der Universität Trier, Band 10). Das Winckelmann-Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eingang befindet sich in der Winckelmannstraße 38. Der reguläre Eintritt beträgt 7 (ermäßigt 5) Euro, es gibt eine Reihe Rabattsysteme für den auch nur teilweisen Besuch der Einrichtungen des Hauses. Das Museum in Stendal ist mittlerweile barrierefrei zugänglich. 

(Winckelmann-Gesellschaft e. V./André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 21.09.2023

Aus der "Poesie am Wegesrand". | © Claudia Richter

Buchpräsentation der „Poesie(n) am Wegesrand“ in Bleicherode

Am kommenden Samstag lädt der Förderverein Dichterstätte Sarah Kirsch e. V., um 14.30 Uhr zu einem poetischen Nachmittag in die Alte Kanzlei in Bleicherode (Alte Hauptstraße 131, 99752 in Bleicherode) ein. Der Verein, der in diesem Jahr seine Wirkstätte in Limlingerode, dem Geburtsort der großen Dichterin und Büchnerpreisträgerin aus dem Südharz, verlor, setzt damit seine umfangreiche und für den Landstrich elementare Kulturarbeit, die über viele Jahre mit dem aktiven, segensreichen Tun von Heidelore Kneffel verbunden war, fort. Die Meisterin der Einbandkunst und vielfache geehrte Buchkünstlerin Claudia Richter sowie Lyriker und Pirckheimer-Freund André Schinkel aus Halle an der Saale werden dort ihr gemeinsames Kunst-Projekt Poesie am Wegesrand vorstellen. Claudia Richter ist Absolventin der halleschen Kunsthochschule, die Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Bucheinbände, Künstlerbücher, Grafik und die Fotografie. André Schinkel ist als Autor, Herausgeber, Lektor und Redakteur tätig, er schreibt Gedichte, Essays und Erzählungen, die in zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Im Winter 2020 sammelte Claudia Richter am Wegesrand Pflanzenreste und Verwelktes, fotografierte das Gefundene und transformierte das Unscheinbare und Unbeachtete in Fotogravuren. So entstanden neun grafische Arbeiten, von denen sich André Schinkel zu neuen Texten inspirieren ließ. Der Original-Kassette mit den Gravuren und zwölf Texten des Autors folgte 2021 eine „Volksausgabe“ in Buchform, alle Fotovorlagen und die Texte enthaltend, die für schlanke 30 Euro bei der Künstlerin erwerbbar ist. Am Sonnabend werden beide das Entstandene in Wort und Bild vorstellen. Alle Interessierten sind dazu herzlichst eingeladen.

(Neue Nordhäuser Zeitung/Pressemitteilung)

Di, 19.09.2023

Schloss Friedenstein, Blick zur Ostseite, wo sich die Forschungsbibliothek befindet. | © Peter Arlt
Die Jubiläumsausgabe 250 der "Marginalien" – hier samt originaler Grafik-Beilage, dem Kupferstich "Il bulino" vom Meister Baldwin Zettl. | © Till Schröder
Plakate künden schon vom großen Ereignis: dem 50. Pirckheimer-Jahrestreffen in Gotha. | © Peter Arlt

In Gotha: Von Dürer bis Theremin

50. Jubiläumstreffen der Pirckheimer-Gesellschaft in Gotha

Im Januar 1957 erschien im Ostteil Berlins ein unscheinbares Heftchen von 16 Seiten Umfang: Marginalien – Blätter der Pirckheimer-Gesellschaft. Was sich da um „Buchmenschen“ wie Wieland Herzfelde, Arnold Zweig und Werner Klemke gegründet hatte, war eine kleine Sensation: ein Hort für Büchersammler, Grafik- und Exlibrisfreunde, kurz – für Bibliophile. Ein Wort und eine Tradition, die die junge DDR eigentlich als vermeintlichen Auswuchs bürgerlichen Dünkels ablehnte. Es erwuchs eine Buchkunst fördernde Gemeinschaft aus heute über 600 Mitgliedern mit lebendigen Regionalgruppen, Jahrestreffen, Buchpublikationen, Grafikeditionen und immer noch den quartalsweise erscheinenden Marginalien, mittlerweile pro Ausgabe 128 Seiten und eine Originalgrafik zeitgenössischer Künstler umfassend, mit einer gesamtdeutschen Redaktion.

In Gotha nun trifft sich die Gesellschaft vom 22. bis 24. September zu einem Jubiläum. Die Bücherfreunde feiern ihr 50. Jahrestreffen. Nicht ohne Grund in Gotha: Einer ihrer Mitgründer, Max Frank, war in den 1960er Jahren Direktor der Forschungsbibliothek Gotha, und schon in eben jener Auftaktausgabe der Marginalien stellte man anlässlich der sowjetischen Rückgabe der Kriegsbestände nach Thüringen eine Vermutung an: „Ihrem Charakter nach wird die Gothaer Bibliothek Schwerpunktaufgaben übernehmen, die weder in der Deutschen Demokratischen Republik noch in der Bundesrepublik gepflegt wurden. Sie wird einen Typ erneuern, der bisher als abgetan galt: die Gelehrtenbibliothek.“ Wie steht es denn nun um diese „Gelehrtenbibliothek“ 66 Jahre später? Dieser Frage gehen die Teilnehmer des Treffens unter anderem nach. Die Bibliothek öffnet exklusiv ihre Türen zu Schätzen wie orientalischen Handschriften islamischer Gelehrsamkeit, mittelalterlich illuminierten Handschriften, seinem UNESCO-gefeierten Weltdokumentenerbe.

Auf dem Programm steht noch mehr: Mit einem Harfen-Konzert in der Schlosskirche tauchen Besucher am Freitag, dem 22.9., ein in die Musik der Zeit Willibald Pirckheimers, Namenspatron der Gesellschaft. Der Nürnberger Humanist und Büchersammler war ein enger Freund Albrecht Dürers. Dass dieser Pirckheimer mehrfach porträtierte, zeigen Kupferstiche im Spiegelsaal des Schlosses, die dort Kupferstichen von Baldwin Zettl begegnen. Der Künstler Thomas Offhaus stellt im Kunstforum seine exklusiv für das Treffen geschaffene Grafik vor, unter anderem mit einer Performance am Theremin, dem sphärisch-klingenden Avantgarde-Instrument der 1920er Jahre, vielen nur noch aus Soundtracks utopischer Filme ein Begriff. Die Teilnehmer durchstreifen die Gothaer Altstadt, begrüßt und geführt durch Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch.

Zwei weitere Programmpunkte sind offen für jeden Interessierten: Am Samstag, dem 23.9. um 14.30 Uhr eröffnet der Gothaer Professor Peter Arlt die von ihm kuratierte Ausstellung originalgrafischer Neujahrsgrüße im Spiegelsaal von Schloss Friedenstein mit Grafiken von Künstlern wie Klaus Süß, Egbert Herfurth oder Hans Ticha. Und im Anschluss führen ab 15.30 Uhr der Darmstädter Physik-Professor Norbert Grewe und seine Frau Christiane im Vortrag durch ihre in 50 Jahren entstandene gemeinsame Sammlung an Buchkunst von Jugendstilillustration über Künstlerbücher und Pressendrucken bis Science-Fiction. Für Pirckheimer sind Bücher nicht nur Wissensspeicher. Sie sind auch Zeugen – von Epochen, Haltungen, Gestaltungsmoden und Vorbesitzern. Bücher atmen lebendige Geschichte. Die Pirckheimer lieben Bücher genau aus diesen Gründen. Eine lebendige Gesellschaft von Kunstinteressierten feiert in Gotha Wirkung und Ästhetik des Buchs in Zeiten digitalen Wandels. Mehr zu Programm und Teilnahmebedingungen für die Tagung finden sich auf der Webseite der Pirckheimer: www.pirckheimer-gesellschaft.org.

(Till Schröder)

So, 17.09.2023

Ausschnitt aus der Schlaraffenland-Karte, gedruckt bei Homann in Nürnberg, nach 1694. | © Bild: LBO
"Tabula Frisiæ Orientalis", Nürnberg, 1730. | © LBO
Der digitale Kartentisch, zur Verfügung gestellt von der Jade Hochschule. | © Foto: Östreicher, LBO

Kartenschätze aus dem Verlag Homann Nürnberg in Oldenburg

Noch bis zum Oktoberende 2023 zeigt die Landesbibliothek Oldenburg repräsentative Karten und Atlanten aus dem Verlag Homann in Nürnberg. Der von Johann Baptist Homann (1664–1724) im Jahr 1702 gegründete Verlag entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert sehr schnell zum bedeutendsten Her­steller von Landkarten und Atlanten. Die Bibliothek präsentiert eine Auswahl von Homann-Karten aus der 2022 erworbe­nen, rund 500 Blätter umfassenden Kartensammlung von Michael Remmers aus Wilhelmshaven, darun­ter Welt-, Länder-, Städte- und Sternenkarten, Kartierungen des historischen Oldenburger Lan­des und Umlands, Anschauungstafeln mit der Ausrüstung von Kriegsschiffen/Befestigungsanla­gen, fiktive Karten wie die zum Schlaraffenland.

Die Homann-Karten zeichnen sich durch ihre hohe Qualität in Papierauswahl, Kupferstich und Kolorierung aus. Die exakte ‚Vermessung der Welt‘ steht bei ihnen nicht so sehr im Vordergrund wie die Thematik: Auf einer Karte der Weihnachtsflut von 1717 ergänzen Bilder von Wettergöttern und ein ausführlicher Ereignisbericht die kartierte Reichweite der Überschwemmungen. Michael Recke (Emden) hat das Konzept und den Katalog der Ausstellung von insge­samt rund 60 Karten entwickelt. Ergänzt wird sie um mehrere Atlanten, einen digitalen Kartentisch sowie Karten der beiden gleichsam bedeutenden Augsburger Verleger Tobias Lotter (1568–1631) und Matthäus Seutter (1678–1757) aus Leihgaben der Bestände verschiedener Bibliotheken und aus Privatbesitz.

Der Kartentisch ist sicher eines der Highlights der Ausstellung, zur Verfügung gestellt wurde er von der staatlichen Jade Hochschule, die Filialen in Elsfleth, Wilhelmshaven und Oldenburg betreibt. Am gestrigen Sonnabend fand auch eine erste öffentliche Führung des Kurators statt: Ab 10 Uhr bot die Landesbibliothek einen kostenfreien Einblick in die Kartenschätze aus dem Verlag Homann Nürnberg. Michael Recke, Karten-Experte und Kurator der Ausstellung, erklärte Wissenswertes über die Machart und Geschichte der hochwertigen Landkarten und Atlanten. Es wird im Verlauf der Exposition noch fünf weitere Führungstermine mit dem Spezialisten zur Materie geben: am Donnerstag, den 21. September, 17 Uhr; Samstag, den 30. September, 10 Uhr; Donnerstag, den 05. Oktober, 17 Uhr; Samstag, 14. Oktober, 10 Uhr; und am Finissage-Samstag, 28. Oktober, um 10 Uhr. Auch wird zum Vortragsabend am Donnerstag, den 12. Oktober, um 19 Uhr geladen: Dr. Markus Heinz, der stellvertretende Leiter der Kartenabteilung in der Staatsbibliothek zu Berlin, spricht zum Erfolgsgeheimnis der Homann-Karten – auch hier ist die Teilnahme kostenlos.

Die Ausstellung Kartenschätze aus dem Verlag Homann Nürnberg wird seit dem 25. August und noch bis zum 28. Oktober 2023 in der Landesbibliothek zu Oldenburg (Pferdemarkt 15, in 26121 Oldenburg) gezeigt. Die Schau ist jeweils von Montag bis Freitag 10 bis 19 und am Sonnabend von 9 bis 12 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. An Feiertagen bleibt die Bibliothek geschlossen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Kartenschätze aus dem Verlag Homann in Nürnberg, dem größten Produzenten von Landkarten und Atlanten im 18. Jahrhundert, herausgegeben von Corinna Roeder, die Texte stammen von Michael Recke (Oldenburg: Landesbibliothek Oldenburg 2023. Schriften der Landesbibliothek Oldenburg, 75). Er kann für 12 Euro im Haus erworben werden.

(Landesbibliothek Oldenburg/André Schinkel/Pressemitteilung)

Webseite neu – bei der Galerie Druck & Buch in Wien.

Druck & Buch: Webseiten-Update

Nach einem Relaunch ist die neue Webseite der Galerie Druck & Buch in Wien (Berggasse 21/2, A-1090 Wien, neben dem Freud-Museum) online. Das teilt die Betreiberin der Galerie, Susanne Padberg, soeben mit. Auf der Seite ist neben Informationen zu aktuellen und grundlegenden Angelegenheiten (Ausstellungen, Angebote, Besucherservice etc.) auch die komplette Künstlerbuch-Bibliographie des Hauses einzusehen: 300 und nicht selten auch verfilmte originalgrafische Werke sind da zu bewundern. Die Galerie in der österreichischen Metropole hat sich ganz dem Wesen der Buchkunst und der Druckkunst verschrieben und macht immer wieder mit internationalen, viel beachteten Expositionen auf sich aufmerksam. Noch bis zum 03. Oktober kann man die Ausstellung Scored Pages mit Arbeiten von Emily McVarish sehen. Sie ist in der Woche 11 bis 18 Uhr geöffnet.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 16.09.2023

Die Auszeichnungen im "National Collegiate Book Collecting Contest" stehen fest, die Preisverleihung findet am 23.09. im Whittall Pavilion der LoC statt.
Joshua Shelly von der Duke University erhält für “Alte Bücher in Haifa: (Re)building a German Jewish Library in the 21st Century” den zweiten Preis im alljährlichen "National Collegiate Book Collecting Contest" der Zeitschrift "Fine Books & Collections". In seinem Projekt beschäftigt sich Shelly mit dem Aufbau der verlorenen Bibliothek eines deutschen Juden. Es ist die zweite Ehrung, die er dafür erhält.

Joshua Shelly: „(Re)building a German Jewish Library“

Die Preisträger des Wettbewerbs für junge Sammler stehen nun fest – am 22. September 2023 werden die Auszeichnungen des jährlichen National Collegiate Book Collecting Contest im Whittall Pavilion der Library of Congress verliehen. Erster Preis: Ishaan Prasad (vom Harvard College) für Confessions of a Former Sheep Thief: Ten Years of Exploration in Typography. Zweiter Preis: Joshua Shelly (Duke University) für Alte Bücher in Haifa: (Re)building a German Jewish Library in the 21st Century. Den dritten Preis bekommt Enrique Vazquez (Yale University) für die Tales of the Midwestern Northwoods. Und der Essay-Award beim Preis geht an Nichole Nomura (Stanford University) für ihre Classroom Editions of Twain’s The Adventures of Huckleberry Finn.

Joshua Shelly ist Ph.D. der Germanistik an der Carolina-Duke University. Er wurde zu dieser Sammlung durch einen Aufsatz inspiriert, auf den er während der Arbeit an seiner Dissertation in einem Archiv stieß. Alte Bücher in Haifa, veröffentlicht in Paris in den 1930er Jahren, beschreibt die Erfahrung eines deutschsprachigen jüdischen Mannes, der versucht, seine verlorene Bibliothek auf dem Gebrauchtbuchmarkt von Haifa wieder aufzubauen. Joshuas Sammlung konzentriert sich auf die Werke, die für die deutschen Juden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wichtig waren. 

Shelly merkt dazu an: „Ob ich mich auf der Suche nach einem bestimmten Titel durch das Internet klicke, die Bücherschränke in Berlin durchstöbre oder in einem Buchladen in Jerusalem blättere: Meine Entscheidung, ein Buch in meine Sammlung aufzunehmen, wird von Faktoren wie dem physischen Zustand des Buches, dem Preis – sofern er angemessen ist – und meinem eigenen eigenwilligen literarischen Geschmack bestimmt.“ Bereits zu Jahresbeginn gewann Joshua den ersten Preis in der Kategorie der Ehemaligen im Andrew T. Nadell Book Collectors Contest, der von den Friends of the Duke University Libraries gesponsort wird, für seine Sammlung. Dies brachte ihm einen Geldpreis ein und ermöglichte seine Teilnahme am nationalen Wettbewerb.

Der National Collegiate Book Collecting Contest wurde 2005 von der Zeitschrift Fine Books & Collections ins Leben gerufen, um die besten Leistungen von College- und Universitäts-Studenten auf dem Gebiet des Büchersammelns zu würdigen. Der Sammler-Bewerb wird gemeinsam von der Antiquarian Booksellers’ Association of America (ABAA), der Fellowship of American Bibliophilic Societies (FABS) sowie dem Grolier Club gesponsort und zudem von der Rare Books and Special Collections Division der Library of Congress unterstützt. Die Presseinformationen finden sich hier.

(Maria Bogdanovich/Pressemitteilung)