Pirckheimer-Blog

Jens-Fietje Dwars

Do, 01.01.2026

Klaus Bellin: Was bleibet aber. Schriftsteller in der DDR. Porträts. Bucha b. Jena: quartus-Verlag 2025. KlBr., 198 S., ISBN 978-3-947646-68-5, für 16 Euro.

Gelesen übers Jahr: Klaus Bellins „Was bleibet aber“- 32 Porträts

Als Porträtist ist Klaus Bellin, der Ende des eben vergangenen Jahres seinen 90. Geburtstag feierte, eigentlich uneinholbar. In zahlreichen Bänden und Features für den Rundfunk, in Artikeln und Aufsätzen hat der Berliner so ungezählte Biografien auf höchstem literarischem und essayistischem Niveau verfasst, einige dieser Werke, etwa zu Kurt Tucholsky und seiner Frau, zu Anna Seghers oder zu Heinrich Böll, gehören zum Besten, was man an gegenwärtiger biografischer Publizistik zu lesen bekommt. Viele dieser WerkeAugenblicke der Literatur, Bankett für Dichter oder Gegenwelten seien genannt – dürften mehr zu einer gelebten Literaturgeschichte der Gegenwart beitragen als so manche hochtrabende wissenschaftliche Affirmation. So ist es auch mit dem neuesten Band Bellins: Was bleibet aber, auf ein ikonisches Zitat Friedrich Hölderlins bezogen, porträtiert in 32 Texten bekannte und auch weniger bekannte Schriftsteller der DDR, die heute zum Teil schon längst dem Vergessen anheimgegeben sind. Bellin spannt dabei den Bogen weit von Johannes R. Becher, dessen tragische Vita noch einmal zum Tragen kommt, über Hermlin und Fühmann bis hin zu Elmar Faber, seines Zeichens einer der bedeutendsten Verleger des selbsternannten Leselands. Die Großen und Nobelpreisverdächtigen wie Christa Wolf oder Johannes Bobrowski, Brecht oder eben Seghers, mit denen Bellin vertraut war, sind selbstverständlich dabei. Zugleich wird in dem Buch sehr viel zur Ehrenrettung derer getan, deren Name heute kaum noch klingt. Klaus Bellin beschreibt zudem die Ambivalenz dieser Jahre: Emigranten, die, in der BRD verschrien, verspottet, in die DDR gingen, dort lebten und schrieben, an ein besseres Deutschland glaubend und selbst schwer enttäuscht wurden; Iden, die auch die Dagebliebenen und Nachgeborenen trafen. Oder das seltsame Zwischen-den-Stühlen-Sein Stefan Heyms, der aus den USA nach Europa zurückkehrt und nach und nach bei anfänglicher Privilegiertheit in die kruden Mühlen der DDR-Kulturpolitik gerät und dies aber mit größter Würde aussitzt. Weiterhin treten auf: Fritz Rudolf Fries, Brigitte Reimann, Jeanne Stern, Armin Müller, Volker Braun, Walter Kaufmann, Hans Mayer u. a. essentielle Teile der Phalanx der DDR-Literatur. Erschienen ist das Büchel in der Weißen Reihe des quartus-Verlags, begründet und herausgegeben von Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars. Der Toplesetipp für den Neujahrstag!

(André Schinkel)

Sa, 20.12.2025

Das neue Heft der "Marginalien" ist eben erschienen. Es enthält auf 128 Seiten vieles an Wissenswertem und Bedenkensschönem für alle Bücher-Vernarrten.

Marginalien: Heft 259 erschienen

Pünktlich vor dem Fest ist die neue, die 259. Ausgabe der Marginalien, der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der Pirckheimer-Gesellschaft, bei den Pirckheimern und auf den Gabentischen der Sammler und Abonnenten eingetroffen. Das Heft 2025/4, das als Winternummer unter der bewährten Ägide von Redaktionsleiter Till Schröder den Jahrgang beschließt, ist dieses Mal jenen starken Ichs, sowohl bei den Buchschöpfern wie auch bei den Produkten als quasi Individuen selbst, auf der Spur. Um Joachim Ringelnatz und seinen Verleger Heinrich Barchfeld in Leipzig geht es im ersten Beitrag des Heftes von Karsten Hommel. Im Anschluss lobt und porträtiert Jens-Fietje Dwars die Grand Dame, ja, und „Bäumin“ Gerda Lepke, die für die 259 auch die Originalgrafische Beilage des Hefts liefert – stets eine von vier Offsetlithografien mit dem Titel Tänzerin, die den Mitglieder-Exemplaren der Zeitschrift beigelegt sind. Ferner geht es da um Otto Spamer und James Joycens Ulysses (die Riege seiner gestalteten Ausgaben) und: um Horst Dieter Gölzenleuchter, dessen Werk gerade im Literaturhaus Magdeburg zu sehen ist – um den Europa Almanach, und die reiche und so wohlgelungene Jahrestagung der Gesellschaft im September in Hannover. Es gibt gleich fünf Trauerbekundungen für den großen Büchermacher Jens Henkel aus Rudolstadt; und im ABC der Druckkunst unter dem sprechenden Titel Zwischen Alchemie, Handwerk und Kunst etwas heute Spezielles: Janine Kittler und Michael Barthel stellen den Lichtdruck vor, für den es in Leipzig eine der letzten Werkstätten gibt. Die von Thomas Glöß gestaltete Typografische Beilage fragt nach 250 Jahre Goethe in Weimar – Glücksfall oder Verhängnis? Der Rezensionsteil feiert die Sürrealistische Revolution, das Slanted Magazine und ein betörendes Rabenbuch von Carla Schwiegk und Matthias Jackisch, dessen Vorzugsausgabe damit vergriffen sein sollte. Wie gewohnt gibt’s Neues aus der Pirckheimer-Gesellschaft und Wissenswertes für Bücher- und Grafikfreunde im Servicebereich, auch Hinweise zu relevanten Ausstellungen, Mitgliederzuwachs wie Ehrentagsinfos. Den Bibliophilen entführt das Heft, dem Titel der beiliegenden Vorzugs-Grafik des am Schluss der Nachrichten besprochenen Märchenbands Die Ein-Wunsch-Fee von Jens-Fietje Dwars folgend, und so soll es ja nach einer anstrengenden Zeit auch sein, zum Jahrwechsel in den Garten der Träume.

(André Schinkel)

Mo, 01.12.2025

Die Ein-Wunsch-Fee von Jens-Fietje Dwars erfüllt nur einen Wunsch statt den üblichen dreien, "um die Menschen zu lehren, dass sie auf ihre Wünsche acht geben." Das Buch erschien bei quartus in Bucha bei Jena und drei Ausstattungen zu 20, 60 und 90 Euro. Jens-Fietje Dwars hat in dem Haus, in dem auch die "Marginalien" erscheinen, mehrere Buchreihen, u. a. 'Edition Ornament' (nebst Weißer Reihe), begründet.

Buch des Monats Dezember – „Die Ein-Wunsch-Fee“ von J.-F. Dwars

Alles nur Märchen? Ein Maler, der nicht davon ab kann zu malen, getrieben vom Wunsch, das eine Bild zu schaffen, das jedem gefällt. Eine Schriftstellerin, die nicht aufhören kann zu schreiben, getrieben vom Wunsch, das eine Buch zu schreiben, das die Gesamtheit des Lebens abbildet. Ein Zehnkämpfer, der nicht aufhören kann zu siegen und darüber einsam wird, weil sich keine Gegner mehr finden. Ein Arzt, der jede Krankheit erkennt, sie aber nicht heilen kann und darüber sein Lächeln verliert. Die Kunstmärchen von Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars machen es einem nicht einfach, an Happy Ends zu glauben. Und doch tragen sie Lösungen in sich. Ähnlich den Brechtschen Geschichten vom Herrn Keuner, liegt die Didaktik in dem, was nicht ausgesprochen ist. Der Kniff: eine Ein-Wunsch-Fee, die von sich behauptet, „sie wolle nur einen Wunsch erfüllen“ statt den üblichen dreien, „um die Menschen zu lehren, dass sie auf ihre Wünsche acht geben.“ Das Märchenhafte der Dwarsschen Geschichten liegt in der Moral, nicht im fantastischen Funkeln seiner Ausschmückung. Das klingt nüchterner, als es ist: Es liegt ein großer Zauber in der Spannung, zu welch kurzsichtigen Wünschen sich die Personen hinreißen lassen: Was haben sie nun wieder nicht bedacht? Man ist schnell verleitet, auch sein eigenes Wunscharsenal zu überprüfen. Eingefasst in ganzseitigen Tuschezeichnungen des Autors und vielen Vignetten in Weinrot durchzieht den schmalen Band eine gelungene Leichtigkeit. Der Moment zählt, die Pointe, die Möglichkeit des Weiterdenkens durch Weglassen von überflüssigen Details. Das gilt für Bild wie Text gleichermaßen. Wer sich noch mehr ins Schauen vertiefen möchte, dem sei die Vorzugsausgabe empfohlen: In einen Schuber gehüllt liegt dem Band eine weitere Lithografie bei – treffend Garten der Träume betitelt, den ersten 15 Exemplaren auch noch eine Handzeichnung aus den Buchentwürfen. Traut man sich Wünsche ob der möglichen Konsequenzen überhaupt noch zu? Ein Buch der Anstöße. (Jens-Fietje Dwars: Die Ein-Wunsch-Fee und andere Märchen für Kinder von 9 bis 99. Bucha bei Jena: Edition Ornament im quartus-Verlag 2025. 72 Seiten, 13,5 × 21,5 cm, Fadenheftung, Festeinband, mit Tuschezeichungen des Autors in Weinrot. Vorzugsausgabe in 75 Exemplaren mit einem Handabzug der Steinzeichnung Garten der Träume, gedruckt von Christian Müller (Wurzbach) – geliefert in moosgrünem Buchschuber. Normalausgabe (20 Euro), Vorzugsausgabe Nummer 1–15 (90 Euro), Nummer 16–75 (60 Euro), ISBN 978-3-947646-67-8. Text erscheint auch in den Marginalien 259.)

(Till Schröder)

Sa, 13.09.2025

Soeben erschienen: Das neue Heft der "Marginalien".

Marginalien: Heft 258 erschienen

Schon in Blickweite der Jahrestagung der Pirckheimer-Gesellschaft in Hannover, die am nächsten Wochenende stattfindet, wird soeben die neue Ausgabe der Marginalien, der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der Gesellschaft ausgeliefert. Es handelt sich um das insgesamt 258. Heft (Ausgabe 2025/3) des Journals, das aufgrund seiner thematischen Wichtung ziemlich einzig in der deutschsprachigen Zeitschriftenlandschaft dasteht, das nun dritte Heft unter der gestalterischen Ägide von Pirckheimer-Freund Thomas Glöß. Ausgabe um Ausgabe erarbeitet das Redakteursteam unter Leitung von Chefredakteur und stellvertretendem PG-Vorstand Till Schröder samt Beistand und Zulieferung diverser Autorinnen und Autoren ein gut gefülltes Heft zu nahezu allen grafischen und bibliophilen Themen und Genres auf 128 Seiten. Für die Ausgabe 258 sind dies: Erich Mühsam und seine Verleger (Erik Glossmann), Sklaverei in den Bilderbüchern der Aufklärung (Jürgen Overhoff), Briefmarken aus Künstlerhand (Norbert Grewe) sowie außerdem die Zwölf Artikel aller Bauernschaft von 1525 (Wolfgang Schmitz), die illustren Ganymed-Jahrbücher (Jens-Fietje Dwars) und ferner Ein Morgenstern aus 120 Händen (Heike Schnotale). Bernhard Hampp schreibt über das in Büchern abgelegte Pflanzenwissen der Jahrhunderte, Katrin Nitzschke über Fritz Löffler und Till Schröder über die größte Bibelseite der Welt, Uwe Klos interviewt Peter Zaumseil, der für das Heft die originalgrafische Beilage in vier teils handkolorierten Holzschnitten fertigte. Beiden, die in Ostthüringen leben und wirken, ist da ein so berührendes wie aufschlussreiches Gespräch gelungen. Im Rezensionsteil geht es um Praxisbücher zur Illustration wie den dritten Band der Literarischen Wanderungen durch Mitteldeutschland – und Kenner Fritz Jüttner gibt einen so schnurrigen wie eigenwilligen Abriss zur Bücherfrucht des Klopstock-Jahres. Die Typografische Beilage widmet sich noch einmal dem Bauernkriegsjahr. Am Ende des Heftes stehen in gewohnter Weise die Rubriken Aus der Pirckheimer-Gesellschaft und Nachrichten für Bücher- und Grafikfreunde sowie sich den Themen der Gesellschaft widmende Ausstellungstipps für den gesamten deutschsprachigen Raum. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 02.08.2025

Dr. Jens-Fietje Dwars wird 65. | © Sylwia Mierzynska

Jens-Fietje Dwars: 65. Geburtstag

Jens-Fietje Dwars, ein Freund der Künste, der Dichter, Erzähler, Zeichner, Grafiker – verdienter Pirckheimer-Freund zudem, Redaktionsleiter des Palmbaum seit langem und Redaktionsmitglied der Marginalien, feiert heute am 02. August seinen 65. Geburtstag. Der promovierte Philosoph und Germanist, der selbst als Autor, Ausstellungsmacher, Herausgeber, Filmemacher reüssiert, begeht den Ehrentag im Angesicht eines umfangreichen Werks: Zum halbrunden Geburtstag stehen zwei äußerst lesenswerte Bücher an, der Erzählband Wie ich den Kommunismus verlor ... die Essay-Kollektion Erfolg ist ein Irrtum. Dwars begründete gleich mehrere schöne Buchreihen, gefüllt mit Texten und Grafiken, viele der Beiträgerinnen und Beiträger gehören zur Creme ihrer Szene. Schön auch die Beinahe-Zwillingsschaft mit seinem bewunderten Freund Wilhelm Bartsch, der just heut seinen 75. begeht und von dem Jens-Fietje Dwars zwei Bände Gedichte herausgab. Für sein Werk ist Jens-Fietje Dwars mit dem Grimme-Preis und zuletzt mit dem Walter-Bauer-Preis geehrt worden – und es bleibt zu wünschen, dass seine Aufsätze und Porträts für die Marginalien den Pirckheimern noch viele Jahre erhalten bleiben. Lieber Jens-Fietje, von Herzen alles Gute ... bleiben wir unbeirrt!

(André Schinkel)

So, 06.07.2025

Holger Brülls: "böser garten", Gedichte. Mit einer Algrafie von Gerda Lepke (Cover und Frontispiz). Bucha bei Jena: quartus-Verlag 2024 (Die weiße Reihe, hrsg. von Jens-Fietje Dwars, Bd. 24). 88 S., Kl.-Broschur, ISBN 978-3-947646-57-9, 15 Euro.

Buch des Monats I: „Böser Garten“

Die Bücher, die unter der Ägide von Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars im quartus-Verlag in Bucha bei Jena erscheinen, sind ein wenig das Maß für gute Hoffnung heute, dass es nach wie vor schöne Exemplare dieser Spezies der Aufbewahrung von Menschenwissen gibt und: geben soll. Insgesamt vier Reihen hat Dwars im Editionshaus, in dem auch die Marginalien mittlerweile zuhause sind, begründet; und in der Weißen Reihe ist Ende des letzten Jahres bei weitem nicht das erste Buch, aber die erste größere Lyriksammlung von Holger Brülls erschienen, der, promovierter Kunsthistoriker, als Konservator am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle tätig ist. Als Wissenschaftler gilt Brülls unter anderem als Koryphäe für religiöse Bauten und Glasmalerei, als Dichter schlägt er einen körnigen und kantigen, gewissermaßen antiromantischen Weg ein: böser garten heißt der Band, der auf knapp 90 Seiten, flankiert von einer Algrafie von Altmeisterin Gerda Lepke auf dem Cover wie dem Frontispiz, blüht und vergeht, sich in Frage stellt und doch die ganze Zeit existiert. So beschreiben es auch die Linernotes auf der Klappe, den Haupttext als String des Buchs paraphrasierend, überaus treffend: „Hass, Wut, Gier, Zorn, alle elementar-irdischen Triebkräfte gedeihen, wuchern in diesem Garten, dieser Welt. Und doch ist sie ein Garten – von eigentümlicher Schönheit. Das Ausleuchten der entzauberten Welt in schnoddrig alltäglicher, bewusst nicht gehobener Sprache, ist eine andere, eine zeitgemäße Sehnsucht nach dem Licht, nach einer Schönheit ohne Schein.“ Nun, in der Tat ist es ein wenig wie in kontemporärer elektronischer Musik: eine Verletzlichkeit, die aus der digitalen Kühle kommt, auf der einen Seite; eine repetitive Kantigkeit, wie sie in manchem EBM-Club der abgewickelten „Blauen Banane“ (den Sound der verloschenen Hochöfen und Fabriken imitierend) nachwummert, auf der anderen. Und doch ist, wie gesagt, dieses Nachsinnen, ja, Nachrufen und nicht zuletzt -raunzen nicht allein kalt, nicht allein zynisch, vielmehr schimmert durch die Krudität der Ära das Mögliche, das mit der Menschenwerk versehen und betan ist, noch hindurch. Noch, und es ist natürlich auch von Enttäuschung die Rede, die diesen Autor, der in seiner Profession dem Schönen anheim ist, das eben von der possiblen Gnade erzählt, zu der Homo sapiens befähigt ist oder war. Und wie von der Scheu: „einmal ging ich durchs haus / belangloses verrichtend / vorbei an drei rücken abends // da fiel mich / aus dem dunkeln / der schrecken / rücklings an // eines tages vielleicht / bin ich in diesem haus / in dem ich niemals / allein war / allein ...“ Spooky ist das, und erschütternd zugleich. Und es zeigt sich eben durch die Geradheit der Worte bleich der Faden dessen, das eben zu ihnen führte.  Oder es ist auch alles ganz anders. Gut jedenfalls, dass dieser erste vollständige Band Gedichte von Holger Brülls nun vorliegt. Ja, und gut, dass es Leute wie Dwars gibt, die dafür eine Weiße Reihe erfunden haben. 

(André Schinkel)

Mi, 02.07.2025

Überblick und Detail: Die "Marginalien 257" nebst der excl. originalgrafischen Beilage von Bernhard Jäger.

Marginalien: Heft 257 erschienen

Das jüngste Heft der Marginalien, der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift für Buchkunst & Bibliophilie der Pirckheimer-Gesellschaft (Ausgabe 257, Heft 2025/2) ist soeben erschienen und ausgeliefert worden. Es ist das zweite Heft im erneuerten Design, das von der Redaktion um Pirckheimer-Freund und stellvertretenden Vorstand der Pirckheimer-Gesellschaft, Till Schröder, seit 2017 verantwortet wird. Das Motto der neuen Ausgabe kann sich, wie man bereits im Editorial lesen kann, mit dem Aspekt des Spurenlesens im weitesten, im tragischen wie im schönen Sinne des Worts beschreiben lassen. So widmet sich Stefan Soltek dem Werk von Bernhard Jäger, seiner Buchkunst und Grafik, und flankiert auf diese Weise die originalgrafische Beilage der Ausgabe, die zweifarbige Offsetlithografie Schauspieler von 1976, gedruckt nach einem unveröffentlichten Motiv Bernhard Jägers von Stephan Rosentreter. In Auflage gibt es 650 signierte und nummerierte Exemplare, das Blatt liegt allen Heften für Mitglieder exclusiv bei. In der Rubrik Fundsache gibt es den faszinierenden Beitrag Leonhard Thurneyssers Bebaiōsis agōnismou von 1576 – ein Unikat in der Bayerischen Staatsbibliothek, der sich mit einer so schillernden Persönlichkeit wie auch einem solchen Thema befasst: den überaus ungewöhnlichen Forschungen Thurneysser zum Thurns und deren Nachwirkungen bis ins vorletzte Jahrhundert. Ekkehard Schulreich würdigt mit Kurt Wolff würde das gefallen Peter Hinkes 2025 seit nunmehr 35 Jahren bestehende Connewitzer Verlagsbuchhandlung in Leipzig, die der Verfasser in bester Tradition sieht, die an berufener Örtlichkeit fortgeführt wird: Bücher verkaufen und Bücher machen in Personal- und Haus-Union. In der Verlagsbuchhandlung erscheinen seit der Wendezeit Bücher in liebevoller Gestaltung und mit hohem Wiedererkennungswert, unter anderem auch eine Werkausgabe zu Andreas Reimann – ein gutes Beispiel, wie Bücher in regulärer Ausgabe schön sind und werthaltig bleiben bis in die Gegenwart. Einer weiteren berührenden Spurensuche widmet sich Till Schröder in seinem Text Aschepartikel als Symbol einer Katastrophe. Der Maler Hannes Möller im Interview über sein Bibliotheken-Projekt beschädigter und verbrannter Bücher. Der Maler stellt die in Mitleidenschaft, etwa beim großen Band der Anna Amalia 2004, gezogenen Exponate in den Mittelpunkt seiner Kunst, gibt ihnen so in drei Werk-Komplexen Würde und Anwesenheit – im Gespräch gibt Möller tiefgehend Auskunft über seine Motivation. Joachim Möller schreibt zu den Illustrationen zu Jonathan Swifts Gulliver’s Travels (1726), Peter Arlt zu den Lesezeichen in der Buchsammlung Otto Kaysers. Weitere Highlights sind die Aufsätze von Sebastian Fitzner zu einer lang vergessenen Sternenkarte und Jens-Fietje Dwars zu einem Theodor-Fontane-Unikatbuch von Moritz Götze, das sich, in Emaille, John Maynards annimmt. Es folgen Rezensionen sowie Nachrichten zur Arbeit der Pirckheimer im Speziellen, zur Bücherwelt im Allgemeinen und: Ausstellungshinweise am Ende.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 02.04.2025

Der "Hamburger Bothe" Nr. 27 ist soeben erschienen.

Hamburger Bothe 27 erschienen

Frisch zum Monatsbeginn ist die neueste Ausgabe des Hamburger Bothen, des Periodikums der nördlichen Pirckheimer, Heft 27, erschienen. „Liebe Pirckheimer, liebe Freunde des schönen Buches, unsere Serie mit Meistern der Illustration, die wir mit Svato Zapletal und Pétrus Akkordéon gestartet haben, ist jetzt bei dem Künstler Moritz Götze angelangt, den uns in dieser Ausgabe Jens-Fietje Dwars sehr intensiv vorstellt, die beigegebenen farbigen Werkbeispiele des Künstlers verstärken noch den Eindruck“, schreiben die beiden Hamburger Herausgeber Rudolf Angeli und Peter Engel. Und: „Wir werden diese Serie fortsetzen.“ Die schöne neue Welt schockgefroren heißt die Würdigung von Dwars, der den halleschen Künstler und seine weithin gerühmte Arbeit auch als Illustrator porträtiert. Neben Hinweisen zur BuchDruckKunst am kommenden Wochenende, zum Nord-Treffen der Pirckheimer am 01.05.2025 in der Schnittke-Akademie gibt es Beiträge von Engel selbst (Melchior Vischer und Reiseeindrücke aus Südosteuropa), den Zeitsprung in den Wandsbecker Bothen zum 01. April 1775 sowie jüngste primäre Texte: Mit seinen Drei Ansichten von Wallace Stevens tritt Urs Heftrich, der 2023 mit seinem mehrsprachigen Band Gehäuseschutt im Verlag Angeli & Engel reüssierte, samt einer längeren Erläuterung zu den Gedichten. Apropos Verlag: Natürlich soll nicht der neueste Angeli-&-Engel-Band vergessen werden, der eben in Berlin im Druck ist und für den im Heft zur Subskription eingeladen wird: Mit Övelgönne – Zeichnungen gegen den Strich steht von Klaus Waschk bereits das dritte Werk an, das in dem kleinen, feinen Verlagshaus erscheint. Der Hamburger Bothe ist unter Rudolf_Angeli@web.de für alle erhältlich.

(André Schinkel)

Mo, 30.12.2024

Heft 2024/4 (255) der "Marginalien", der Zeitschrift für Bibliophilie und Buchkunst der Pirckheimer, ist soeben erschienen und beendet den Jahrgang. Die Ausgabe ist wieder mit Informationen, Aufsätzen und Porträts zu vielen bibliophilen Themen reich gefüllt. Unter anderen wird noch einmal das sehr erfolgreiche Jahrestreffen der Pirckheimer in der Ottostadt Magdeburg im frühen Herbst gewürdigt.

Marginalien: Heft 255 erschienen

Zum Jahresabschluss gibt es nochmal ein üppig gefülltes Heft der Marginalien zu vermelden, der Zeitschrift für Bibliophilie und Buchkunst der Pirckheimer-Gesellschaft, das soeben als Ausgabe 2024/4 mit der laufenden Nummer 255 erschien und den Jahrgang beschließt und wohl bei den meisten Pirckheimer-Freundinnen und -Freunden schon, wie auch der festliche Gruß des Vorstands der Gesellschaft evoziert, unterm Weihnachtsbaum lag. Die 128 Seiten, die der leitende Redakteur und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Pirckheimer, Till Schröder, im Verbund mit seiner deutschlandweit arbeitenden Redaktion der Marginalien vorlegt, bieten jede Menge Lesestoff und gutes Anschauungsmaterial für die Rauhnächte: Zum Auftakt schreibt Peter Engel über Die Graphischen Bücher Kurt Wolffs und zeigt, dass dessen Verlag seit jeher auch ein bibliophiler war ... Und Matthias Wehry führt mit Teil vier von Lug und Betrug im Buch das Alphabet der Hinterlist fort. Redaktionsmitglied Jens-Fietje Dwars porträtiert in der immer wiederkehrenden Rubrik Zu Besuch im Atelier den renommierten Weimarer Künstler Walter Sachs, der zugleich die grafische Beilage für das Heft, den Holzschnitt Karnickel und Schlange, beitrug, und rezensiert tiefer im Heft den neuen Gedichtband von Lutz Rathenow, der im Verbund mit Katja Zwirnmann entstand und mit zehn originalen Blättern preiswert im Verlag Ralf Liebe zu haben ist (der Blog berichtete). Es gibt Porträts zu Wilhelm Niemeyer und Armin Abmeier, jawohl, und mit Peter Hoffmann wird ein Pirckheimer-Freund interviewt, der seinen 100. Geburtstag (!) feierte. Das ABC der Druckkunst zieht eine kleine Zwischenbilanz, Robert Grieger und Till Schröder lassen das feine Jahrestreffen in Magdeburg Revue passieren, und letzterer schaut sich zudem in Straßburg, 2024 die UNESCO-Welthauptstadt des Buches, um. Reimar Riese erinnert schließlich an Rudolf Marx, den Verleger der Sammlung Dieterich. Auch in der Typografischen Beilage gibt es mit einer Causerie von Michael Kleeberg Hochkarätiges. Weitere Rezensionen, so die von Wolfgang Schlott und Ernst Braun, eine abschließende Würdigung des Klopstock-Jahrs sowie die Nachrichten aus der Gesellschaft und Informationen für Bücher- und Grafikfreunde im Anhang beschließen in gewohnter Manier die Ausgabe. Die Redaktion, wissen informierte Quellen, sichtet bereits Themen fürs nächste Heft ...

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 09.09.2024

"Dreibart anfassen" heißt der zweifarbige Stempel- und Körperdruck, den Hendrik Schrat für die Beilage der neuen "Marginalien" schuf. Die zwei Figuren des Künstlers waren auch im thüringischen Wahlkampf unterwegs und liegen nun 650-mal der Ausgabe bei.

Marginalien: Heft 254 erschienen

Soeben und pünktlich zur in Kürze anstehenden Jahrestagung der Pirckheimer-Gesellschaft ist es erschienen: das neue Heft der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der Gesellschaft, mit dem schönen Titel Marginalien. Insgesamt ist es seit Anbeginn der Herausgabe das 254. Heft, das seit einigen Jahren in Bucha bei Jena im quartus-Verlag seine editorische Heimat hat. Und wie immer hat Chefredakteur Till Schröder mit seiner Crew eine feine und ausgewogene Auswahl aus dem, was das Herze der/des Büchersinnigen bewegt, zusammengebaut. So wird der mit Leaves of Grass und Song of Myself unsterblich gewordene Walt Whitman (1819–1892) in gleich zwei Beiträgen geehrt und gewürdigt: Volker Probst geht der Historie seiner Whitman-Sammlung nach, Moritz Lampe untersucht das Nachleben der Texte Walt Whitmans am Weimarer Bauhaus. Unter dem Titel Geist und Gestaltung schreibt Ernst Falk zur Geschichte der ehrwürdigen und eben stolze hundert Jahre alt gewordenen Büchergilde Gutenberg in den Jahren der Gründung, von 1924 bis 1933. Und Jens-Fietje Dwars porträtiert Oskar Wolff (1799–1851), dessen Gedicht Die nobeln Passionen (1842) in der Kürzfassung von Dwars die typografische Beilage des Heftes stellt. Apropos, Beilage ist auch das Stichwort für den Fortgang des Heftes: Die originalgrafische selbige für die Mitgliederhefte der Marginalien kommt dieses Mal von Henrik Schrat, der in seinem Atelier in Berlin besucht wurde. Für sie ließ er Dreibart und Trude, die auch in Greiz zu Wahlkampfehren kamen, wiederauferstehen. Matthias Wehry führt das Alphabet der Hinterlist fort, Peter Arlt würdigt Werner Oechslin; der Verlag Das Kulturelle Gedächtnis wird zudem von Lektorenlegende Thorsten Ahrend vorgestellt. Zwei Beiträge bekunden die Trauer um Harald Kretzschmar, der im Sommer starb. Das Heft wird beschlossen von einem Teil Rezensionen sowie Nachrichten und Mitteilungen für die Gesellschaft. 

(André Schinkel)

Sa, 17.08.2024

Ehrenlesung für Gerd Mackensen in Sondershausen.

17.08.: Lesung für Gerd Mackensen

Es sei mit dem heraufkommenden Morgen nochmal an die heute stattfindende Lesung zu Ehren von Gerd Mackensen in Sondershausen (Kunsthaus unter den Linden, Margaretenstraße 22a, 99706 Sondershausen) erinnert: Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars, der mit dem, wie es in der Einladung sehr schön heißt, „Malerfürsten aus Thüringen“ wiederholt engst zusammenarbeitete, lädt um 11 und um 16 Uhr ins Atelier zu zwei Veranstaltungen, die die Bücher Goethe: Erotica und Ateliergespräche zum Thema haben, herzlich ein. Zu den erotischen Texten fertigte Mackensen eine Vielzahl hochvitaler Kunstwerke, die den ganzen Band durchziehen; in den Ateliergesprächen ist er einer von 28 porträtierten Bildermachern aus Ostdeutschland. Beide Bücher sind in der von Dwars herausgegebenen, in der gegenwärtigen Buchlandschaft einzigartigen Edition Ornament erschienen. Die Werke Mackensens werden gehängt sein, die Galerie ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Sondershäuser Veranstaltung findet aus Anlass des ersten Todestags von Gerd Mackensen statt. 

(André Schinkel)

Fr, 02.08.2024

Im neuen "Bothen" besprochen: Gotthold Ephraim Lessings Stück "Die Juden", erschienen in der Edition Ornament, mit den feinen Grafiken Baldwin Zettls.

Hamburger Bothe 23 erschienen

Frischer geht es nicht in diesem heißen und blasenschlagenden Sommer: Am gestrigen 01. August erschien ganz layoutfrisch die neue, die 23. Ausgabe des Hamburger Bothen unter der Ägide der Pirckheimer-Freunde Rudolf Angeli und Peter Engel. Auf vierzehn pickepacke mit bibliophilem Engelsstaub belegten Seiten geht es wieder um alles, was das aufgeregte Herze des Bücherfreunds, des Büchernarren wie des Büchermanikers bewegt. Das Journal, neben den Marginalien nunmehr zum wichtigen Verständigungsorgan unter den Pirckheimer-Freunden geworden, entstammt noch der Stille des Corona-Wahnsinns, als es nicht statthaft war, gemeinsam die Köpfe über den Blättern und Einbänden, die die Welt bedeuten, zusammenzustecken; mittlerweile aber zeugt der Hamburger Bothe auch über die Lockdown-Agonie weit hinaus von der Vitalität der Gesellschaft ... und das ist auch gut so. Was gibt es im neuen PDF zu lesen. Zum einen empfehlen die Herausgeber die William-Blake-Schau in der Hamburger Kunsthalle, die vom 14. Juni an und noch bis zum 08. September in der Freien und Hansestadt zu sehen ist. Angeli und Engel verweisen zugleich darauf, dass es eine der wenigen Ausstellungen, die umfassend das Werk des Meisterlichen würdigen, außerhalb Großbritanniens seit vielen Jahren ist. Abel Doering verweist in der Empfehlung für den Bibliophilen auf eine Seltenheit aus der frühesten DDR-Zeit: Der verwundete Sokrates von Bertolt Brecht (1898–1956), die Erzählung aus den Kalendergeschichten eröffnete 1949 die Reihe Unsere Welt im neu gegründeten Kinderbuchverlag, damals noch in Berlin und Dresden beheimatet. Dann wird der Münchner Radierverein e. V. vorgestellt von Paul Hennig, gibt’s wieder einen Schnipsel aus dem Wandsbecker Bothen und Blicke auf das Janosch-Zentrum, die Stiftung Illustration sowie einen Primärtext von Cornelia Manikowsky. Und schließlich: Die Rezension zu G. E. Lessings Die Juden, wunderbar ediert von Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars, die ein Ereignis zudem sind im Verbund mit den herrlichen Stichen von Baldwin Zettl, der damit zugleich zum 80. geehrt wird. Wenn es ihn nicht schon gäbe, man müsste ihn erfinden, den Hamburger Bothen. Unter der E-Mail Rudolf_Angeli@web.de ist er zu haben. Wer möchte, kann auch um Post-Zustellung fragen.

(André Schinkel)

Do, 25.07.2024

17.08., Sondershausen: Lesung für Gerd Mackensen.

Ehrenlesung für Gerd Mackensen

Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars, dessen Verdienste als Herausgeber, leitender Redakteur des Palmbaum sowie Ausstellungs- und Filmemacher Legion sind, lädt zur Ehrenlesung für Gerd Mackensen (1949–2023), dessen Tod sich in diesem Sommer am 20. August zum ersten Mal jährt, nach Sondershausen ins Kunsthaus unter den Linden (Margaretenstr. 22a, 99706 Sondershausen) ein. Er schreibt: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Sommer des vergangenen Jahres riss ein Herzinfarkt Gerd Mackensen aus dem Leben – im Zenit seines Schaffens. Am Samstag, dem 17. August 2024, erinnert das Kunsthaus unter den Linden in Sondershausen an den Maler. Das Haus, in dem sich sein Atelier befand, steht mit einer kleinen Galerie seiner Arbeiten von 10 bis 18 Uhr offen. Da die Räumlichkeiten begrenzt sind, lese ich zweimal, um 11 und um 16 Uhr, aus zwei Büchern in Erinnerung an den Maler: aus den Ateliergesprächen, in denen ich 28 Bildermacher aus dem Osten porträtiert habe, und aus Goethes Erotica, zu denen Gerd Mackensen lebenspralle Farbzeichnungen schuf. Der Geheimrat ist nicht nur der meistzitierte Autor deutscher Sprache, er war fast hundert Jahre lang auch der meistzensierte. An den Wänden hängen die Arbeiten, die der Maler und Zeichner für das Buch zu Papier brachte. Die Lesung findet im Rahmen der Reihe Der besondere Ort des Thüringer Schriftstellerverbandes statt, gefördert vom Lese-Zeichen e. V. und der Thüringer Staatskanzlei. Bitte vormerken und an mögliche Interessenten weitersagen!“ Die genannten Bücher erschienen beide unter der Ägide von Jens-Fietje Dwars, der im quartus-Verlag insgesamt vier Buchreihen begründet hat, am bekanntesten wohl die Edition Ornament, die gute Texte in Symbiose mit bedeutender Kunst und hervorragender Gestaltung bringt. Ja, und auch die Marginalien, zu deren Redaktion Dwars gehört, werden mittlerweile bei quartus verlegt. Die Lesung zu Ehren von Gerd Mackensen findet am 17. August im Sondershäuser Kunsthaus statt. Hingehn!

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 12.06.2024

Wulf Kirsten (1934–2022) wird am Vorabend seines 90. Geburtstags im Literaturhaus Halle gedacht.

Eine Hommage an Wulf Kirsten

Es ist in der Aurora seines 90. Geburtstags, zu dem es im halleschen Literaturhaus einen Abend für den Lyriker, Erzähler, fulminanten Anthologisten und Förderer sowie Freund der Künste Wulf Kirsten (1934–2022) geben wird. Die Präsentation im Literaturhaus kreist dabei um sein wichtiges wie segensreiches Wirken im Allgemeinen wie sein Buch Nachtfahrt, das Autor, Herausgeber, Filme- und Austtellungsmacher sowie Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars als Band 2 seiner Essay-Reihe im quartus-Verlag Bucha bei Jena im letzten Jahr herausgab. „Lebensgesättigte Literatur“ – so urteilte die Frankfurter Allgemeine Zeitung über den ersten Nachlassband des großen Dichters, der, viele Jahre in Weimar lebend, zudem der Nestor der thüringischen Literaturszene war. Am 20. Juni präsentieren Jens-Fietje Dwars und Susanne Theumer, die eine lange Künstlerfreundschaft mit Kirsten verband und die die Edition als Grafikerin begleitete, das Buch, das erzählende und erinnernde Prosa vereint. Ein Abend für die „aufgeraute Sprache“ dieses Schreibers, ja, und des Wanderers, den man mit Recht als „Landschafter“ bezeichnet, und die kongeniale Komplizenschaft Susanne Theumers, flankiert von Wilhelm Bartsch, ebenfalls eng verbunden mit Wulf Kirsten, der aus dem gemeinsamen Briefwechsel lesen wird. Kirsten, der aus Sachsen stammte, gehört in seiner Generation zu den bedeutendsten Lyrikern, er wird zu den Vertretern der zuerst von Georg Maurer protegierten und Adolf Endler postulierten Sächsischen Dichterschule gezählt und entfaltete neben einem umfangreichen eigenen Werk (Gedichte, Erzählungen, Aufsätze und Essays) ein auf ähnliche Weise bedeutsames Wirken als Entdecker und Publizist. Sein Werk wird von seinem Sohn Jens Kirsten gepflegt. Die hallesche Hommage für Wulf Kirsten findet am 20. Juni, dem Vorabend seines runden Geburtstags, um 19 Uhr im Grünen Salon des Literaturhauses in Halle (Bernburger Straße 8, 06108 Halle an der Saale) statt, der Eintritt beträgt 10 (ermäßigt 8) Euro. Kirstens große Lyrikbibliothek, die zu den bestsortierten und umfangreichsten in der Literaturszene zählen dürfte, ist im Übrigen in der Anna Amalia Bibliothek (Platz der Demokratie 4, 99423 Weimar) seiner Wahlheimatstadt aufgestellt, in der er sicher einer der intensivsten Nutzer war. Empfehlung! Mit der nachgelassenen Prosa Nachtfahrt erschien ein weiteres wichtiges Werkdokument dieses Autors.

(André Schinkel)

Do, 09.05.2024

Einband des neuen "Palmbaum" – von Sighard Gille.

Neuer „Palmbaum“ erschienen

Goethe und Beethoven schauen sich an, wenn wir das Cover des neuen Palmbaum, das erste Heft für 2024, des Literarischen Journals aus Thüringen – das auf drei Dekaden seiner Existenz zurück- und eben auch vorausblicken kann, in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit und ein Segen für den Freund der schönen und in die Tiefe gehenden ... der gut gemachten Zeitschrift, aufklappen. Nun, und sie tun das seltsam verquer: Der eine Meister steht Kopf, während der andere bribbelbrubblig einherblickt. Das hat wohl, selbst wenn die Radierung Sighard Gilles, eines der bedeutenden Vertreter der Leipziger Schule, zwanzig Jahre alt ist, mit dem gewählten und bearbeiteten Titelthema des aktuellsten Palmbaum-Hefts: Welterbe Thüringen? Glanz und Elend der Kleinstaaterei, vermittelnd zu tun. Gille selbst, gebürtiger Eilenburger, Jahrgang 1941, kommt denn auch in dem Porträt des Redaktionsleiters und Pirckheimer-Freunds Jens-Fietje Dwars in einer schönen Annäherung zu Bild und Stimme ... Diese Dwars-Porträts gehören zum Besten, was man momentan in der Auseinandersetzung mit bildender Kunst zu lesen bekommt – ja, dem Porträtisten gelingt es immer wieder, Credo und Quintessenz dessen, was die Erwählten treibt und hält, bestechend einzufangen. Auch die Kleinstaaterei der DDR, mit der die Künstler einst zu kämpfen hatten, leuchtet auf, aber das Leitthema greift dazu noch viel tiefer: mit den auf Thuringia bezogenen Beiträgen von Astrid Ackermann, Claudia Schönfeld, Detlef Ignasiak, Klaus Bellin, Rolf Schneider und Anne Viola Siebert, nebst Seitenblicken nach Weißenfels und ins Anhaltische. Im Primärteil gibt es Gedichte von Altmeister Peter Gosse, von Ron Winkler und Thomas Böhme, Prosa von Landolf Scherzer und B. K. Tragelehn, gefolgt von einem feinen Interview-, Essayistik- und Redeteil unter anderem mit Dietmar Ebert und Nancy Hünger und der umfangreichen Rubrik Rezensionen, auch dies mittlerweile selten in diesem rasenden Jahrhundert. Dwars gelingt im Bund mit seinem Redaktionsvize Ulrich Kaufmann auf 220 Seiten ein ums andere Mal das sanft-schöne Wunder, ein hohes Maß an Information und literarischem Input in Kohärenz mit einem guten Stück Publikation zu bringen, das man gern in der Hand und unter dem Auge hat. Ja, und selbst wenn man hier noch viel Interessantes zu erkunden hat, das sei gesagt, eigentlich ist man neugierig schon wieder, was das nächste Heft bringt. Und das ist ein Wert in dieser wackligen Zeit, die uns umgibt. (Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen, Heft 1/2024, Bucha bei Jena: quartus 2024, KlBr, 220 Seiten, Einband von Sighard Gille, ISSN 0943-545X, Einzelheft: 12 Euro, Jahres-Abo: 23 Euro.)

(André Schinkel)