Pirckheimer-Blog

Empfehlung für den Bibliophilen

Mi, 11.02.2026

Martha (Irene Leps): "Nachts zwischen den Büchern".

„Nachts zwischen den Büchern“

Das neue Kinderbuch von Martha Irene Leps, Künstlerin und Erzählerin aus Zerbst (Anhalt)

Es war einmal – eine kleine Hexe, die ein neues Zuhause suchte, nachdem sie die Hexenschule absolviert hatte und nun „groß und schlau genug geworden war“. Natürlich war sie trotzdem klein von Gestalt, aber das ist ja relativ, wenn es um Größe geht, wie wir alle wissen. Es gäbe viele Lieblingsplätze, die sie sich als neuen Wohnort vorstellen konnte, doch irgendetwas war immer: eine fiese Kreuzspinne, die ihre Nähe als Nachbarin nicht wollte oder das Schild Räumungsverkauf im Papierwarenladen, in dem sie sich auch ein Leben hätte vorstellen können. Sie nahm sich von dort wenigstens einen Flugbleistift mit, denn einen Besen hatte sie nicht dabei. Die Hexe folgte neugierig einigen Kindern, die in ein großes Haus gingen, und dort fühlte sie sich sofort am wohlsten! Inmitten von Büchern einer Bibliothek. 

Nachts zwischen den Büchern hat die Künstlerin Martha Irene Leps alias Martha ihr neues Buch für alle, die Bücher lieben, genannt, das sie, wie alle ihre Kinderbücher, zum sofort Gernhaben liebevoll und ideenreich verfasst und illustriert hat. Die großen Doppelseiten können jede für sich als Solitär stehen. Sie sind bunt, doch nicht grell, und ganz Marthas grafischem Talent entsprechend harmonisch, ausdrucksstark und vollflächig gestaltet. Die Bücher, zwischen denen die kleine Hexe wohnt, sehen aus wie richtige Bibo-Bücher – mit Banderole und Nummer, und sie tragen richtige Namen wie richtige Bücher. Schließlich sind wir ja auch in einer richtigen Bibliothek. Sie sind zugleich Anregungsgeber und stabiles Element der Welt, an denen sich gut auch eine imaginierte Hängematte befestigen ließe, nicht nur die der kleinen Hexe, in die sie sich mit einem – hexfix! – kleingezauberten Buch begibt, nachdem sie ihre Zudecke, die sie immer dabei hat, darin aufgeschüttelt hatte ... Die Darstellungen und die Geschichte, die Martha erzählt, vermitteln trotz neuer und unbekannter Umgebung Ruhe und eine selbst geschaffene Ordnung. 

Aufmerksam beleuchtet die Mondfrau das Geschehen und den spannenden Krimi, der sich ein paar Nächte später, nachdem die kleine Hexe sich ein Buch von Hans Christian Andersen –, ja, kleingehexfixt hatte, entspann, denn sie stellte fest, dass einige Seiten des Buches ziemlich zerrupft und beschmiert sind. Ursache dafür sind zwei Monster, die sich an den Büchern vergehen, so dass Märchenfiguren von den zerfressenen und beschmierten Bücherseiten vertrieben werden und hilflos umherirren. Die kleine Hexe rettet sie und sammelt sie mithilfe ihres Flugbleistiftes auf. Und sie wäre ja nicht erfolgreich von der Hexenschule gekommen, wenn sie keine Lösungen gegen die Unwesen finden würde, und das, obwohl das Seitenfressermonster ein großes Stück von ihrem Zauberspruchmerkheft abgebissen hat. Die Monster werden am Ende gebannt. Und es ist nicht die einzige unaufdringliche Botschaft dieser Geschichte, nämlich, dass jeder seine Monster zwischen zwei Buchdeckeln fesseln könnte, und wenn es auch ohne Zauberspruch länger dauerte und bestimmt mehr Arbeit machte – doch wer weiß von uns schon, wie viel Kraft so ein Zauberspruch kostet, und vor allem einer, der Gutes bewirkt. 

Nachts zwischen den Büchern eignet sich hervorragend als Abendlektüre, wenn man es allein, egal, in welchem Alter, oder mit dem Kind oder Enkel auf dem Schoß liest und betrachtet, der spannend schönen Geschichte folgt und die vielen Details nach und nach gemeinsam entdeckt. Es weckt in jedem Fall das Interesse an Büchern, am Lesen, am Nutzen einer Bibliothek und vielleicht auch am Schreiben, am Hinein- oder Wegschreiben von Unliebsamem und auch Erfreulichem, an allem, das man gern zwischen zwei Buchdeckel legen möchte. Und wer weiß, vielleicht erlebt die kleine Hexe ja noch mehr Abenteuer, die Martha uns demnächst erzählen wird. (Martha, das ist Martha Irene Leps: Nachts zwischen den Büchern, bei www.martha-art.de – oder aber über die E-Mail martha_art@yahoo.de – bei der Autorin bestellbar, ISBN 978-3-00-083054-9, 17 Euro.)

(Sabine Raczkowski)

Sa, 31.01.2026

Jubiläum: Pirckheimer auf Touren

Pirckheimer auf Touren: Im Jubiläumsjahr unserer Gesellschaft ruhen wir uns nur ein klein wenig aus mit Rückblicken und Festivitäten. Wir werden auch dies tun – vor allem in Nürnberg beim Jubiläumstreffen –, aber 70 Jahre Pirckheimer sind für uns Anlass, wie gewohnt aktiv in die Öffentlichkeit zu gehen. Wir werden in Kooperationen Präsenz zeigen und bei verschiedenen Veranstaltungen und Messen auftreten. Den Auftakt macht unser Mitglied Marie-Pierre Bonniol im Februar (06.–22.02.) mit einer Ausstellung in Bielefeld (Viktoriastraße 24, 33602 Bielefeld) in den Räumen des Kunsthauses Artists Unlimited. Die Pirckheimer sind Medienpartner. Die Schau kreist um eine Idee des Schriftstellers Richard Brautigan aus seinem Roman Die Abtreibung (1971): als eine Sammlung unveröffentlichter Manuskripte. In den 1990ern erweckte Todd R. Lockwood diese fiktive Bibliothek als The Brautigan Library in den USA zum Leben mit nun beinahe 400 Bänden. Bonniol kuratiert Werke der Sammlung und lud ihre Mutter, die naive Malerin Danielle Bonniol-Ferrus, ein, die besondere Bücherei Brautigans/Lockwoods in Bildern zu kommentieren. 

Außerdem stellte Bonniol anlässlich unseres Jubiläums eine Filmreihe für Kinder mit Kurzfilmen über Bücher zusammen, die 2026/2027 in deutschen Städten gezeigt werden soll. Näheres zu den Terminen folgt online und in den Marginalien.  – Im März beginnt für die Pirckheimer die Messe-Saison. Wir sind wieder präsent auf der Leipziger Buchmesse (19.–22.), der BuchDruckKunst in Hamburg (am 11. und 12. April) – sowie bei der artbook in Berlin im November. In Leipzig bieten wir dem neuen Buch der Bücherkinder über Einhörner eine Bühne – und ein Dokumentarfilm zur Kulturgeschichte des Einhorns wird im Juni auf Arte laufen, der in Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini in Potsdam auch die Bücherkinder in ihrem Tun filmte. In der Woche gleich nach unserem Jahrestreffen in Nürnberg im September sind wir Medien- und Programmpartner der Rare Book Week in Berlin, veranstaltet vom Verband Deutscher Antiquare und anlässlich der Tagung der Internationalen Vereinigung der Antiquare (ILAB) vom 14. bis 20. September in Berlin. Die Rare Book Week bietet Veranstaltungen an verschiedenen Orten Berlins und eine dreitägige Buchmesse im Kronprinzenpalais. Neben der Einbindung ins Programm werden wir auch als Pirckheimer-Gesellschaft mit einem Stand vor Ort sein, der auch das Jubiläum der PG abbildet. 

Im Jubiläumsjahr schenkt unser Mitglied Nikolaus Topic-Matutin von der Neuhauser Kunstmühle ein bei ihm erschienenes Künstlerbuch der Malerin Marika Voß der Staatsbibliothek zu Berlin. Die Übergabe am 19. März 2026 samt Podiumsgespräch mit der Künstlerin wird organisiert von der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg. Im Juni liest Pirckheimer-Freund Christoph Links in der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern Günther Uecker (Johannes-Stelling-Straße 29, 19053 Schwerin) in Kooperation mit unserer Gesellschaft aus seinem neuen Buch Verschwundene Verlage. Ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte und unterhält sich auch mit Till Schröder über die Geschichte der Pirckheimer und ihre Rolle im Buchland DDR. Der Link zum Buch findet sich hier. Dies ist ein erster Ausblick ins Jubiläumsjahr unserer Gesellschaft, weitere Vorhaben und Veranstaltungen sind in Planung. Alle Mitglieder sind eingeladen, das Jubiläum ebenfalls als Anlass für eigene Veranstaltungen zu nehmen, Kooperationen anzuregen. Der Vorstand unterstützt gern. 

Auf geht’s in weitere 70 Jahre.

(Till Schröder)

Sa, 24.01.2026

Ab 31.01. zu sehn: Jessica Backhaus, "Plate 31", 2025.

Fotografie Forum in Frankfurt – „Shadows Might Dance“ ab 31.01.

Die Robert Morat Galerie lädt zur Ausstellung mit Jessica Backhaus in das Fotografie Forum Frankfurt (Braubachstraße 30–32, 60311 Frankfurt am Main) ein. Die neue Exposition der 1970 in Cuxhaven geborenen, deutsch-amerikanischen Künstlerin, die 2005 mit dem Band Jesus and the Cherries ihren Durchbruch feierte, steht unter dem Titel Shadows Might Dance und wird vom 31. Januar bis zum 26. April 2026 in der Mainstadt gezeigt. Die Vernissage der Schau findet am 30.01. um 19 Uhr im Fotografie Forum Frankfurt statt. „Shadows Might Dance ist Jessica Backhaus’ bisher umfang­reichste institutionelle Aus­stellung. Zu sehen sind Werke aus acht Serien sowie zahlreiche Bücher aus den vergangenen 25 Jahren. Ihre Erkundungen, Collagen und sorg­fältig komponierten Still­leben ermöglichen eine bislang einzig­artige Begegnung mit Backhaus’ Werk, das sich im Spannungs­feld zwischen Foto­grafie, Malerei und Objekt­kunst entfaltet“, heißt es in den Liner-Notes zur Ausstellung. Zur Schau der Fotografin, die europa- und amerikaweit ausstellt und deren Foto-Bände bei so renommierten Verlagen wie Thames & Hudson (London) und Kehrer (Heidelberg) erscheinen, gibt es ein umfangreiches Rahmen- und Begleitprogramm – mit Künstler-Rundgang (31.01.). Führungen (10.02., 10.03., 21.04., je 15 Uhr, und jeden Mi 17 Uhr) sowie Galerie-Gespräch (17.04., 18 Uhr) und Workshop mit Jessica Backhaus (18./19.04., je 10 bis 17 Uhr); dieser unter dem Titel Abstrakte Dimensionen. Die Führungen zu den 15-Uhr-Terminen werden jeweils von den Kuratorinnen der Exhibition: Celina Lunsford beziehungsweise Andrea Horvay, angeboten. 

(André Schinkel via Christian von Hoffen/Pressemitteilung)

Do, 22.01.2026

H. D. Gölzenleuchter & Rainer Küster lesen in Witten.

Lesung mit H. D. Gölzenleuchter & R. Küster in der „Bodegas Rioja“

Zu einer Lesung mit Horst Dieter Gölzenleuchter, dessen Ausstellung Worte und Bilder soeben, initiiert von Sigrid und Ralf Wege, im Magdeburger Literaturhaus zu Ende ging, und Rainer Küster lädt am 06. Februar 2026 die Weinhandlung Bodegas Rioja in Witten (Bochumer Straße 40, 58455 Witten) ein. Die beiden dabei stellen ihr gemeinsames Mappenprojekt Weidenrösslein vor, das acht parodistische Texte und eine VfL-Erzählung Küsters sowie zwei Holzschnitte von Gölzenleuchter enthält. Zur Lesung dieser Texte wird es auch ein Gespräch der Schöpfer geben, in dem sie erklären, wie denn das Rösslein auf die Weide kommt. Und im Anschluss liest H. D. Gölzenleuchter, selbst seit Jahrzehnten auch literarisch tätig, aus seinem Lesebuch, herausgegeben von der Westfälischen Literaturkommission. Die Parodien Rainer Küsters beziehen sich auf bekannte Texte, Lieder und Gedichte, von Heinrich Heine, Bertolt Brecht und natürlich: den Giganten der deutschsprachigen Literatur, Johann Wolfgang von Goethe. Leibliches Wohl garantiert, Eintritt frei, es beginnt: 19 Uhr. 

(André Schinkel via Till Schröder/Pressemitteilung)

Sa, 10.01.2026

Findet im Mai statt: Die 'artGrafik Ahrenshoop' 2026.

Vorblick auf Ahrenshoop – im Mai

Vom 14. bis zum 17. Mai 2026 ist es wieder soweit und findet die nächste artGrafik Ahrenshoop zwischen Meer, Sand, Wiese und Bodden auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst statt. Die Messe für zeitgenössische Druckgrafik, Fotografie, Zeichnung und Künstlerbücher lädt wieder ein in die Strandhalle Ahrenshoop (Dorfstraße 16b, 18347 Ahrenshoop). Die vom Pirckheimer-Freund aus dem benachbarten Ribnitz-Damgarten, Henry Günther, organisierte und kuratierte viertägige Begegnung öffnet von Donnerstag bis Sonnabend jeweils von 11 bis 18 und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr ihre Pforten. Das Künstlerdorf Ahrenshoop ist seit langem berühmt und bekannt für eine Reihe Kunstschaffender, die mit ihm verbunden sind, Ausstellungen bestimmen das kulturelle Leben des mit einer langen kunsthistorischen Geschichte verbundenen Ostseebads. Und durch das im Orts-Inneren ansässige Künstlerhaus Lukas wird seit vielen Jahren auch die Entstehung von Werken aller künstlerischen Gattungen gefördert. Insgesamt sind zur artGrafik in diesem Jahr 16 Ausstellende eingeladen, ihre Arbeiten zu präsentieren. Dabei sind 2026 u. a. der Holzschneider Frank Eißner aus dem mainfränkischen Aschaffenburg, zudem die Pirckheimer-Freunde Klaus Raasch (von dem auch der Plakathintergrund stammt) und Rainer Ehrt sowie Henry Günther selbst, ferner die zwei Leipzigerinnen Susanne Hoch und Urte von Maltzahn-Lietz (die aus dem Norden stammt), Tina Flau aus Berlin und aus dem Großraum von Halle die Kaltnadelvirtuosin und Zeichnerin, die auch auf eine lange originalgrafische Bibliografie verweisen kann – Susanne Theumer ... Aus Elsterberg reist Peter Zaumseil an. Und schließlich: Lokalmatador wird sein Hans Götze, der im Ostseeort lebt.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 09.01.2026

Neue Jahresgabe der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft e. V.

In diesem Jahr präsentiert die Kölnische Bibliotheksgesellschaft e. V. eine Kollektion von Postkarten, auf denen insbesondere Artefakte christlicher mittelalterlicher Kunst dargestellt sind. Diese wurden 1925 in der berühmten Jahrtausend-Ausstellung in den neuen Kölner Messehallen auf Betreiben des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer (1876–1967) präsentiert. Es beinhaltet auch einen Kommentar, welcher die Umstände und Hintergründe dieser Sammlung erläutert. – Die Kölnische Bibliotheksgesellschaft unterstützt die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln bei der Pflege und Aufbau ihres Bestands. „Der umfangreiche Altbestand der Kölner Universitätsbibliothek umfasst neben zahlreichen alten privaten Sammlungen auch die Bestände der Vorgängerinstitutionen, die bis ins Jahr 1602 zurückreichen. Mit Ihrer Mitgliedschaft drücken Sie Ihre Verbundenheit zur USB Köln aus und kommen in den Genuss von Sonderveranstaltungen und Veröffentlichungen. Schwerpunkte und Ziele der KBG sind: der Erhalt der wertvollen USB-Altbestände, die Bezuschussung aktueller Fachliteratur für Studierende, die Unterstützung bei der Realisierung von Publikationen der Bibliothek, Kontaktpflege zu Stiftungen, Vereinen und Sponsoren.“ Alle Informationen zur Gesellschaft, wie auch der USB, finden sich unter diesem Link. Die Mitgliedschaft in der Gesellschaft ist für jährlich 30 (Studierende: 20) Euro Beitrag zu haben.

(Robert Grieger)

Mo, 05.01.2026

"Mit Glanz und Gloria": seit 10.12. in Dresden zu sehn.

In Dresden: „Mit Glanz und Gloria“

Vor 40 Jahren, an Weihnachten 1985, wurde der Fernseh-Mehrteiler Sachsens Glanz und Preußens Gloria erstmals ausgestrahlt. Es war die aufwändigste Filmproduktion der DDR. Weniger bekannt ist die polnische Filmproduktion Gräfin Cosel (1960) von Jerzy Antczak. Dies wiederum war die bis dahin kostengünstigste Produktion der polnischen Kinematografie. Den Stoff lieferte die Sachsen-Trilogie des polnischen Schriftstellers und Journalisten Józef Ignacy Kraszewski. Kraszewski war 1863 nach Dresden gekommen. Er lebte hier 22 Jahre lang im Exil. In seinen Romanen Gräfin Cosel, Brühl und Aus dem Siebenjährigen Krieg schildert er die sächsisch-polnische Geschichte und ihre Akteure – als Autor und Historiker, als Pole und Bewohner Dresdens. Die Romane spielen in der „Sachsenzeit“: Von 1697 bis 1763 wurden das Kurfürstentum Sachsen und das Königreich Polen in Personalunion von August II. und dann von seinem Sohn August III. regiert. Die Ausstellung im Kraszewski-Museum (Nordstraße 28, 01099 Dresden) stellt diverse legendäre Persönlichkeiten des höfischen Lebens an der Elbe vor und gibt Einblicke in dessen Festkultur. Einen genauen Blick richtet sie auf Kraszewskis Romane sowie die Hintergründe und die Entstehung der Filme. Wie entstanden die Filme – wie beurteilte der polnische Schriftsteller August den Starken und den sächsisch-polnischen Hof? Und wie gestaltete sich das Leben am polnischen Hof, den die Wettiner von 1697 bis 1763 regierten? In der Schau sind zahlreiche Leihgaben aus sächsischen und polnischen Sammlungen zu sehen, darunter Gemälde, Grafiken, originale Filmkostüme sowie Medaillen, Plakate und Ausgaben der Bücher Kraszewskis und weiterer sächsischen Romanschriftsteller aus dem 19. Jahrhundert. Die Ausstellung ist seit dem 10.12.2025 und noch bis zum 25.10.2026 zu sehen.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

So, 04.01.2026

Neu erschienen: Ingolf Brökel: Null-lage. Gedichte. Berlin: PalmArtPress 2025. Hardcover, 120 Seiten, ISBN 978-3-96258-234-0, Preis: 22 Euro. Farbe von Coverschrift, Vorsatz und Lesebändchen Ton in Ton.

Gelesen übers Jahr · II: Die „Null-Lage“-Texte von Ingolf Brökel

Es beginnt mit einem schönen Wort, der Literatur wie der Physik, der, mit Verlaub, „vernünftigen“ Kunst Ingolf Brökels, gleichsam würdig: Null-Lage (oder, lyrisch fast noch schöner, Nulllage), ein um den Ruhepunkt geführtes Unterfangen, und, praktisch gesehen, um den Punkt eines nur mit sich selbst tarierten Geräts, den Nullpunkt einer Waage etwa, das Nichts, auf das die Nadel, der Magnet, die Aussicht zeigt, Abgleich und schwer zu erklärender Abgrund in einem. Ja, und ein guter Point Nemo in einer Zeit, da die Welt und ihre Verderber in den Arsch getreten gehören. Nun, und es bezieht sich im Fall Ingolf Brökels, seines Zeichens lange Lehrender der Physik in Berlin, auf die Verwerfungen der Zeit wie auch des Ur-Eigenen. Corona-Mief blinkt auf, die Vorhut der qualvollen Beschissenheit, in die die Epoche einbog. Aber auch das widerständige Vergehen der Altvorderen und des eigenen Sehens und Denkens, das Hervorholen vielfältiger Erinnerung, das sich in der Reife und im Rückblick einstellt. Ja, und auch Fluchtgedanken, was uns im Angesicht der Gegebenheiten pro domo et mundo nicht verwundern mag: „Ich habe die Stelle gefunden / In einem Buch / Dort bin ich versunken / Falls ihr es findet / Schlagt zu.“ (Endlich, S. 82) Oder dies: „Das Gegenteil von Mensch / Ist Mensch“, wie es Brökel in den kargen Begegnungen (Stück 5, S. 80) formuliert. Und – was eine Eindeutigkeit und Ambivalenz in einem greift, wie, nach Niels Bohr, eine tiefe Wahrheit wieder eine tiefe Wahrheit nach sich zieht und keine Falschheit wie die einfache selbe. Dazu flirren Variablen und Ankreuzmomente, aber letztlich ist alles ein Denken und Deuten, ein Sichten und ... – nun ja, auch Wünschen und die Erkenntnis, dass es oft nur ganz knapp neben dem ist, was denn regel-recht wäre, sinn-voll: „Ganze Leben / Werden geopfert / Um Noten / Richtig zu spielen / Wunderkinder // Aber keiner trifft / Den Ton / Alles / Nur Klang / Und vorbei.“ (Pianissimo, S. 63) Karg, kühl und geradeaus ist es, das Sprechen dieser Erwägung, die das Ende einer trilogischen Denk- und Schreibbewegung bildet, oft von geradezu haikuartiger Prägnanz: „Aus der Null und der Null zu: / Das ist der Fluss“, und kehrt am Ende ebendahin zurück: „zur Null hin / oder sich treiben lassen gegen Null.“ Ein stilles, ein kristallin-intimes, selbst widerständiges, ein klarblickendes wie allgültiges Buch, vorgelegt bei PalmArtPress, äußerlich in schlichter Eleganz, austarierter Würde. 

(André Schinkel)

Sa, 03.01.2026

Die 63. Antiquariatsmesse Stuttgart findet vom 23. bis 25.01.2026 statt. Der Katalog ist jetzt einsehbar.

63. Antiquariatsmesse Stuttgart: Der Messekatalog ist verfügbar

Der Katalog für die 63. Antiquariatsmesse in Stuttgart vom 23. bis 25.01.2026 (neuer Standort: Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle, Berliner Platz 1–3, 70174 Stuttgart) ist, zum Download, als blätterbare Onlineausgabe und auch in Papier bestellbar) seit Ende des vergangenen Jahres verfügbar. „Auf der Antiquariatsmesse Stuttgart präsentiert der Messekatalog die ganze Vielfalt der internationalen Ausstellerinnen und Aussteller. Er führt durch das sorgfältig kuratierte Angebot von 72 Antiquariaten aus 11 Ländern und lädt dazu ein, seltene Bücher, Handschriften, Graphiken und Papierantiquitäten gezielt zu entdecken“, heißt es auf der Webseite der Messe.​ Und weiter ist in den Ausführungen zu lesen: „Der Katalog begleitet Ihren Messebesuch, lädt aber auch schon im Vorfeld zum digitalen Stöbern und Entdecken ein. So lassen sich bereits vor dem Messebesuch Highlights markieren, der Rundgang über die Messe planen und begleitende Veranstaltungen entdecken.“ Sowie:​ „Jeder Eintrag im Katalog ist sorgfältig von den teilnehmenden Antiquariaten zusammengestellt: mit präzisen Beschreibungen, bibliographischen Angaben, Abbildungen und Preisangaben, damit Sie gezielt nach Ihren Sammelgebieten suchen, sich inspirieren lassen und Entdeckungen machen können. Die große internationale Bandbreite der Aussteller spiegelt sich im Angebot des Kataloges wider – von internationalen Erstausgaben in der Literatur, Handschriften und Autographen, alten Drucken und Inkunabeln, illustrierten Werken und Pressendrucken bis hin zu internationaler moderner und zeitgenössischer Kunst auf Papier oder als Photographie.“ So wird der Katalog, heißt es da, zum idealen Werkzeug für die Vorbereitung des Messebesuchs, für Terminabsprachen mit Ausstellern und für die Nachrecherche. Alle Informationen dazu gibt es hier.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 28.12.2025

"Endlose Seite in einem Kurbelkasten": das Rollbuch.

Rollbuch: Ein neues Bucherlebnis

Ein Buch mit einer „endlosen Seite in einem Kurbelkasten“, ein „neuartiges Leseerlebnis“ verspricht das Rollbuch, das etwa um 2012 das Licht der Welt erblickte. Eigentlich von einem Kameraprinzip ausgehend, entwickelten die Illustratorin und Designerin Ann-Christin Müller und der Produkt-Designer und Fotograf Paul Lichtenegger das Rollbuch-Prinzip, stellten ihre Erfindung erstmals auf der Independent Book Fair in Hamburg vor. Das Rollbuch, vor und zurück bewegbar, bietet eine Reihe möglicher Anwendungen: als rollendes Gästebuch, Endlosfilm in Papier und Holz, uniquer Transporteur von Geschichten und Bilderfolgen. Und alle Rollbuch-Informationen finden sich hier.

(Bert Blaubart)

Do, 25.12.2025

„Weihnachten“ von J. W. v. Goethe

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt- und junges Herz erregend –

Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn dirs begegnet.
Und ein Abend so dich segnet,
Daß als Lichter, daß als Flammen
Vor dir glänzten allzusammen

Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

[1822.]

(Johann Wolfgang von Goethe)

Mi, 17.12.2025

40. Antiquaria-Katalog ist online

Der neue Katalog für die 40. Antiquaria in Ludwigsburg ist online und über den vorderen Link abrufbar, eine gedruckte Version ist auch auf Anfrage erhältlich. Die traditionelle Antiquariatsmesse findet vom 22. bis 24. Januar 2026 zum 40. Mal in der Musikhalle Ludwigsburg (Bahnhofsstraße 19, 71638 Ludwigsburg) statt. Der Katalog ist ein zentrales Element der Antiquaria-Messe. Seit 1988 erscheint er jährlich zur Messe, ideenreich gestaltet, größtenteils von den ausstellenden Antiquaren und Ausstellern selbst. Er präsentiert ausgewählte Objekte und greift den jeweiligen thematischen Schwerpunkt (den es allerdings in diesem Jahr so nicht gibt, vielmehr wird auf dem Katalogcover die Vielfalt der bisherigen Kataloge gezeigt) auf. Gestartet als Loseblattsammlung, ist er heute sowohl gebunden als auch digital als PDF verfügbar. Insgesamt 235 Ausstellende kann die Antiquaria in den 40 Jahren zählen, etliche sind von Beginn dabei: alle Namen werden auf Tafeln in der Musikhalle aufgelistet sein. Und dazu gibt es natürlich wieder ein vielfältiges Angebot von seltenen, kuriosen und einzigartigen antiquarischen Büchern, Autographen, Ephemera und Graphiken vom 15. bis zum 21. Jahrhundert aus allen Gebieten.  Es reicht von der Gregor Gogs Streitschrift der Vagabunden Der Kunde von 1929 (500 Euro) bis zum „Buch für die Ewigkeit“ (um 1600): [Oertl, Hieronymus], Der christlich Glaube Mit Gottseligen christlichen und hoch tröstlichen Gebeten ... (für zarte 295.000 Euro). Zudem erfolgt die Verleihung des 31. Antiquaria-Preises am 22. Januar 2026 um 20.15 Uhr im Podium der Musikhalle an die berühmte Illustratorin, Buchgestalterin, Autorin Rotraut Susanne Berner. Die Laudatio für die Geehrte hält Martin Bauer von der Humboldt-Universität zu Berlin.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 15.12.2025

Ausstellung "Die Tage waren gezählt" in Cottbus. Es werden Bibliophilia der späten DDR und der frühen Nachwende (Zeitraum: etwa 1980 bis 1995) gezeigt.

Cottbus: „Die Tage waren gezählt“

Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) präsentiert im Dieselkraftwerk Cottbus (Am Amtsteich 15, 03046 Cottbus) seit dem 29.11.25 und bis zum 15.02.26 die Ausstellung Die Tage waren gezählt. Künstlerbücher und -zeitschriften mit Originalgrafik und Fotografie aus der späten DDR und Ostdeutschland, die rund 300 Künstlerbücher und -zeitschriften aus dem Zeitraum von etwa 1980 bis 1995 vereint. Die Schau, die sich über sämtliche Ausstellungsräume des Dieselkraftwerks erstreckt, eröffnet einen eindrucksvollen Einblick in ein künstlerisches Feld, das im Spannungsraum zwischen individueller Ausdruckskraft und kollektiver Praxis der späten DDR und den Nachwendejahren entstand. Ergänzt wird die BLMK-Präsentation durch Fotografien, Zeichnungen und Malereien, die als Vorarbeiten oder Nachwirkungen der Publikationen entstanden sind. Die Ausstellung, die das Who-is-who der (alternativen) Kunst-Szene in der DDR zeigt, ist eine Kooperation mit dem Getty Research Institut in Los Angeles sowie dem Poesie schmeckt gut e. V. mit Sitz in Jena. Und – unter dem Webseiten-Link des BLMK gibt es alle wichtigen Infos dazu.
 
(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 14.12.2025

Der komplette "Grimmschrat", die Bände 1 bis 5. Der himmelblaue ist der neue, der Gretel-Band des hoch ambitionierten Unterfangens, das nun – zum "guten Ende" – auch noch einen Schuber bekam. Top-Tipp!

Schrat in Höchstform: Band 5 der Grimmschen Märchen erschienen

„Und das haben wir jetzt davon: Ein Jahrhundertwerk in fünf Bänden.“ So beschreibt es Felicitas Hoppe in ihrem euphorischen Geleit für den letzten, den fünften, den Gretel-Band des in Sachen Märchen wohl ambitioniertesten Projekts der letzten Jahre: den jetzt schon ikonisch zu nennenden Grimmschrat, der vollständig neu illustrierten und edierten Henrik-Schrat-Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, erschienen bei Textem in Hamburg. Und natürlich ist der letzte Band des Werks, das Henrik Schrat Jahre beschäftigte, wunderschön – quietschhimmelblau mit einem edlen silbernen Buchschnitt (Hardcover, Leinen, 288 Seiten, etwa 350 Abbildungen, 34 Euro), weswegen er auch – der Glitzernde heißt in der feinen Reihe, die alle Märchentexte der Grimms versammelt, gestaltet von Interkool/Christoph Steinegger. Nun, und vor allem: komplett durchillustriert vom Schrat, seines Zeichen auch Mitglied unserer Gesellschaft, samt Cameos aus der Jetztzeit, Herzschmerz und Gruselbusel, Lititi und Märchenwucht auf höchstem Niveau. Jawohl, das muss die Welt in ihrer bibliophilen Ausformung bewegen. Wer also für Weihnachten noch nach Schönblättrigem Ausschau hält, die Suche ist hiermit beendet. Es kann noch beim Schrat geordert und auch abgeholt werden bis zum 24.12. – es gibt auch Schenkrikel und für die Komplettisten einen feinen Schuber (für 20 Euro). Und wer wollte das nicht sein unter den einschlägigen Büchernarrn: ein Komplettist. Man eile sich. Der Direktkontakt zum Schrat hier, Kontakt zum Verlag hierüber. 

(André Schinkel, in seiner Erscheinungsform als Märchen-Elf)

So, 07.12.2025

Im "Stabi"-Fokus: Lothar Meggendorfer (1847–1925).

Lothar Meggendorfers Zimelien

Lothar Meggendorfer – eine Zimelienschau seiner schönsten Papierkunstwerke aus Anlass seines 100. Todestags heißt die Veranstaltung im monatlichen Fokus in der Staatsbibliothek zu Berlin, die für den Dezember am 15.12. um 16 Uhr im Raum Oxford (Unter den Linden 08, 10117 Berlin) stattfindet. Lothar Meggendorfer (1847–1925) zählt bis heute zu den eindrucksvollsten Schöpfern von beweglichen Kinderspielbilderbüchern aller Art – er ist vielleicht der berühmtesten Künstler in diesem Metier der Vergangenheit. Geboten wird eine Werkschau seine schönsten Buchkunstwerke aus dem Tresormagazin der Stabi. In kleiner Runde können die Stücke aus der nächsten Nähe betrachten werden und kann man mit Expertinnen und Experten ins Gespräch kommen. Um die Anmeldung für die Fokus-Veranstaltung wird gebeten. Alle Informationen dafür befinden sich hier.

(André Schinkel/Pressemitteilung)