Pirckheimer-Blog

Buch

Mo, 08.07.2024

"Am Rand entlang", der jüngste Gedichtband von Harald Lindig fasst in vier Kapiteln ausgewählte und neueste Gedichte des Autors aus Manebach ganz in der Nähe der Goethestadt Ilmenau. Das Lyrik-Buch ist im Verlag von Harry Ziethen erschienen und mit sechs Kaltnadelradierungen von Frank Rothämel aus dem südthüringischen Zella-Mehlis ausgestattet.
Bei der Suhler Premiere des Buchs. | © Holger Uske

Lindigs lyrische Landschaften

Zum neuen Gedichtband „Am Rand entlang“ des Ilmenauer Autors Harald Lindig 

Harald Lindig ist seit Jahrzehnten eine markante Größe im literarischen Südthüringen. Mit seinen verspielten, phantasievollen und zumeist den gängigen Begriff gerade angesagter Literatur konterkarierenden Arbeiten stößt er immer wieder auf große Resonanz. So geschehen auch bei den Premieren seines neuen Gedichtbandes Am Rand entlang am 18. Juni 2024 in Ilmenau und am 19. Juni in Suhl. Wer Lindigs Auftritte kennt, weiß, dass er dabei nichts dem Zufall überlässt. Sein Vermögen, die Zuhörer auf seine poetischen Ausflüge mitzunehmen, ist beeindruckend und spiegelt sich in seinem im Oschersleber Dr. Ziethen Verlag erschienenen 96-seitigen neuen Band. Lindigs thematische Vielfalt reicht von den letzten Geheimnissen der ihn umgebenden Thüringer Landschaft – zuweilen gespickt mit Kindheitserinnerungen – über eingestandene Distanz zu kommunikativen Verzerrungen bis zu tief durchlittenen Erfahrungen. Wie sonst käme Wahrheit ins Gedicht? Mit dem Buch setzt der Autor einen weiteren Meilenstein auf seinem literarischen Weg. 

Herausgeber André Schinkel aus Halle, der seit langem der Südthüringer Szene zur Seite steht, sagt zu der neuen Publikation in seinem Nachsatz: „Harald Lindig hat ... über die Jahre eine ganz und gar eigene Stimme entwickelt und bewahrt – sein Gedicht ist scharf im Sinn und konkret wie poetisch in der Ansprache zugleich, changierend zwischen großer Sicherheit im Tritt und Aufbegehren für die Wahrheit in den Dingen.“ Dem studierten Physiker Lindig gelingt es in seinen Texten, seine überbordende Fantasie in ein Spannungsfeld zu setzen zur allzu oft scheinbar banalen Wirklichkeit. In Kopfbahnhof heißt es beispielsweise: „Treppen fluten Vorhallen, / Katzen jammern hinter den Türen / der Schließfächer, / in den Höhlen der Unterführungen / lauert das Vorübergehen.“ In Wildnis ist zu lesen: „Berge ballen / Permafrost-Fäuste.“ Der Leser ahnt das Verhängnis, das hinter diesen Zeilen wohnt, das scheinbar einfach Gesagte birgt auch die Gefährdungen unserer Welt. Der Dichter Harald Lindig spielt subtil mit Wahrnehmungsmustern wie einst der „Kleinen Hufeisennase“ (im Gedicht Bumerang), vermag aber ebenso die Schönheit des Augenblicks einzufangen wie in Nach Mitternacht, wo von einer weißen Katze „mit dem Halsband / aus Mondleuchten / unten am Gartentor“ die Rede ist. Ebenso verfremdet er Erlebtes – und kehrt dabei zum Eigenen zurück, wie in Durchs Moor zu lesen: „hinter den Feldern / tröste ich die Roggenmuhmen / die ermattet an den Böschungen / der Wege liegen // sie aber helfen mir / aus meiner alten Haut“.

Lindigs lyrische Landschaften sind oft leicht im Ton, fast immer hintergründig, in jedem Falle aber überraschend in den poetischen Wendungen. Ihnen sind fünf Tuschzeichnungen und Kaltnadelradierungen des Zella-Mehliser Künstlers Frank Rothämel zugesellt, die den Blick auf die Wege am Rand entlang erweitern. So zugewandt Lindig auch agieren mag, sein Vertrauen in das Funktionieren der Gesellschaft hat, auch aufgrund seiner 70-jährigen Lebenserfahrung, deutliche Risse erlitten. Im Titelgedicht Über den Rand heißt es zum Schluss: „im Sonnenwind / Glutnester treiben / sorgsam unbewacht / Farben wechseln // sich hüten / vor den Menschen“. Diese lyrische Stimme aus dem Ilmenauer Ortsteil Manebach sollte als Bereicherung der mitteldeutschen Literaturlandschaft unbedingt Gehör finden. (Harald Lindig: Am Rand entlang. Neue Gedichte. Mit Grafiken von Frank Rothämel. Ausgewählt von André Schinkel. Br., Oschersleben: dr. ziethen verlag 2024. 96 Seiten. ISBN 978-3-86289-237-2. 15 Euro.) 

(Holger Uske)

Do, 04.07.2024

Ab 12. Juli: Die "Typoésie IV" findet in Gigondas statt.

In Gigondas: Biennale Typoésie IV

Die Typoésie IV, die Biennale des Buchdrucks und der zeitgenössischen Lyrik, lädt vom 12. bis 14. Juli ins französische Gigondas (8 rue du fond du sac, 84190 Gigondas, Vauclus) ein. Organisiert wird sie von der Vereinigung Le Champ des Signes aus Gigondas daselbst. Die Liste der siebzig Aussteller liest sich indes beeindruckend: Neben diversen Éditions aus F. sind auch einige Künstler, Typographen und Editeure aus dem deutschsprachigen Raum vertreten: Veronika Schäpers etwa und die Betreiberinnen von ‹usus›: Uta Schneider und Ulrike Stoltz (die beide bereits beim Hot-Printing-Festival in Offenbach am Wochenende zuvor erwartet werden): „Getreu dem Motto der Organisatoren zeigen wir poetische Druckgrafiken und Bücher, die Sprachbarrieren überwinden, wie zum Beispiel die Ragas, Wer A sagt oder Lady Mikado.“ Weiterhin auf dem Programm: eine Ausstellung mit Gemälden von Jean Gilles Badaire und eine Typografische Werkstatt innerhalb dieser mit Stéphane Landois. Das ganze Programm der diesjährigen Typoésie (in französischer und deutscher Sprache) für bibliophile Lyrikfreunde findet sich unter dem Link der Veranstaltung.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 16.06.2024

Das Coverbild des Caroline-von-Humboldt-Porträts von Heidelore Kneffel schuf die, wie die Autorin in Nordhausen (Harz) lebende, Künstlerin Katrin Kisker.

Gelesen übers Jahr: Ein Porträt von Caroline von Humboldt

Der Einband des Buches zeigt eine Collage mit dem Antlitz der Caroline von Humboldt (1766–1829). Das berühmte Originalbild malte Gottlieb Schick (1776–1812) 1804 in Rom. Die Schöpferin dieser Kopie ist die Nordhäuser Künstlerin Karin Kisker, die eng mit Heidelore Kneffel, über viele Jahre die gute Seele des Sarah-Kirsch-Vereins, der in Limlingerode im Geburtshaus der Georg-Büchner-Preisträgerin über ein Vierteljahrhundert einen Reigen an Veranstaltungen und Aktionen entfesselte, zusammenarbeitete und -arbeitet. Heidelore Kneffel (*1944), die heute am Bloomsday einen runden Ehrentag feiert, die, wenn man den Fernmeldungen trauen darf, heute wandert und nicht erreichbar ist, ist eine Frau, auf die das Wort „taff“ im schönsten Sinne zutrifft – und der man, wenn sie es nicht längst bekommen hätte, am heutigen Tag das Bundesverdienstkreuz als Dank und Ehre antragen müsste, hat sich verdient um die Kultur ihres Heimatlandstrichs: als Lehrerin, als Beigeordnete, unbeugsame Streiterin für die gute Sache, nun, und als die „Heidelerche“, wie sie von Sarah Kirsch (1935–2013) zärtlich genannt wurde, ja, und eben als Forscherin, gemacht. Auch wenn die Begegnungsstätte heute aus trüben Gründen, die aus Gründen der Abgründigkeit in so einem Glückswünsch nicht diskutiert werden mögen, in Limlingerode nicht mehr existieren darf, arbeitet der Verein weiter, bespielt mit Erfolg Einrichtungen in Heidelore Kneffels Heimatstadt Nordhausen, in Bleicherode und Heringen mit Lesungen, Ausstellungen, Diskursen zu Kunst und Literatur. Und die „Heidelerche“, selbst Liebhaberin/Sammlerin, gibt sich der Erforschung der zu hebenden Schätze anheim, wie eben der Geschichte von Caroline von Humboldt, die, gebürtige Dacheröden und Frau von Wilhelm von Humboldt (1767–1835), als Verschwisterte in Sachen Kunst- und Literaturliebe über die Jahrhunderte hin zu gelten hat. Das dicht gepackte und tief recherchierte Buch leistet im besten Sinne Aufklärung, eine Tugend, wie sie dieser Zeit gut stünde. Und öffnet damit den Blick auf die Dinge, die eben auch seine Verfasserin treiben ... ja, wer sich darauf einlässt, hört hinter den Zeilen und Bildern die wissende und in alle Richtungen höchst informierte Stimme von Heidelore Kneffel sprechen. Und so soll es ja sein. Und schon, weiß man aus gut informierter Quelle, arbeitet die zu Bejubelnde an neuen Projekten. Liebe „Heidelerche“, dafür einen großen Lichtstern: Alles Gute zum Geburtstag! (Heidelore Kneffel: Ich habe mit den Kunstsachen ... aufs Vertrauteste gelebt. Caroline von Humboldt, geb. Dachenröden, und ihr Leben der Poesie. Atelier Veit: Nordhausen 2023, 240 Seiten, mit zahlr. Abbn. und Illn., ISBN 978-3-948269-05-0, 25 Euro.)

(André Schinkel)

So, 09.06.2024

Alfred Ehrhardt, "Hamburger Hafen", 1930/1940er Jahre, Fotografie auf Silbergelatinepapier – in der Größe von 49 x 32,5 cm. | © Alfred Ehrhardt Stiftung

Über Hamburgs bestes Fotobuch

Die Alfred Ehrhardt Stiftung (Auguststraße 75, 10117 Berlin) lädt am Mittwoch, den 12. Juni, um 19 Uhr zum Lichtbildervortrag mit Dr. Roland Jaeger ein. Das Thema des Vortrags ist: Hamburgs bestes Fotobuch: ‚Der Hafen‘ von Rolf Tietgens. Die Veranstaltung begleitet die aktuelle Ausstellung der Stiftung – und bezieht sich zugleich auf das Œuvre von Alfred Ehrhardt (1901–1984), dessen Arbeiten neben den Fotografien von Rolf Tietgens (1911–1984), beides ausgewählt und kompiliert von Professor Dr. Eckardt Köhn, bis Juli in ihr zu sehen sind. Die Frage ist dabei: Was macht ein Fotobuch besonders, vielleicht sogar zum besten einer Stadt oder eines Bildthemas? Dieser Frage wird anhand des 1939 vom Hamburger Fotografen Tietgens veröffentlichten Fotobuchs Der Hafen nachgegangen. Dazu gehört ein Rückblick auf die zahlreichen fotoillustrierten Publikationen zum Hamburger Hafen seit den 1880er Jahren. Sie reichen von künstlerischen Mappenwerken über touristische Ansichtenalben bis hin zu fotografischen Bildbänden ... Das Hafen-Buch von Tietgens steht also in einer motivischen Tradition, hebt sich von dieser jedoch durch seine fotografische Sichtweise und filmische Bildregie ab. Dies gilt umso mehr angesichts des Erscheinungsjahres 1939. Denn Tietgens knüpft mit seinen Hafen-Aufnahmen an die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre an, allerdings nicht als kühler Dokumentarist, sondern als „Poet mit der Kamera“. Im Vortrag geht es daher auch um die Einordnung seines Buchs in die Entwicklung fotografischer Auffassungen in den 1920er und 1930er Jahren. Dabei kommt der ebenfalls aus Hamburg stammende Fotograf Alfred Ehrhardt ins Spiel, der damals ähnliche Bildwelten wie Tietgens in den Blick genommen hat. Außerdem ging Ehrhardts Fotobuch Das Watt (1937) im Hamburger Verlag Heinrich Ellermann dem dort erschienenen Hafen-Buch von Tietgens voraus. Im Unterschied zu Ehrhardts Werk haben sich Tietgens’ Hafen-Aufnahmen aber nicht erhalten, weder als Vintage Prints, noch als Negative. Das Buch Der Hafen ist also nicht zuletzt ein Dokument der gedruckten Fotografie – und wird daher in der Ausstellung Alfred Ehrhardt & Rolf Tietgens: Hamburger Hafen und Norddeutsche Küste auch als solches präsentiert. Für den Vortrag wird um Anmeldung via info@aestiftung.de gebeten. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist noch bis zum 07.07., von Di–So 11–18 Uhr, zu sehen.

(André Schinkel/Alfred Ehrhardt Stiftung/Pressemitteilung)

Fr, 31.05.2024

Drei Ausgaben des "Kaptitän Pamphile": Am 07.06. spricht Robert Grieger in Magdeburg über Dumas.

Vorstellung: Alexandre Dumas’ Roman „Kapitän Pamphile“ (1839)

NEUES AUS ROBERTS KLEINER BÜCHERECKE

Meine kleine Buchvorstellung dient als Teaser für meinen Vortrag am 07. Juni 2024 bei den Magdeburger Pirckheimern im Literaturhaus der Elbestadt (Thiemstraße 7, 39104 Magdeburg, Stadtteil Buckau). Er widmet sich Leben und Werk von Alexandre Dumas dem Älteren (1802–1870), der der meistgelesene Autor französischer Sprache in Deutschland ist. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Vortragssaal des Literaturhauses. Heute im Fokus: sein Kapitän Pamphile von 1839.

Alexandre Dumas:
Kapitän Pamphile.
Aus dem Französischen
von Jörg Trobitius.
Mit einem Nachwort
von Alex Capus.
München: Manesse 2007,
Bibliothek der Weltliteratur,
geb., 400 S., 13,45 Euro,
ISBN 978-3-71752-112-9.

Alexandre Dumas:
Kapitän Pamphile.
Jörg Trobitius (Übersetzer)
Sonderausgabe Büchergilde Gutenberg
Illustriert von Dorothea Huber
Nachwort von Alex Capus
Vorzugsausgabe mit 2 nummerierten
und signierten origiginalen Grafiken,
geb., 269 S., antiquarisch,
ISBN 978-3-76325-940-3.

Einer mildtätigen Anwandlung folgend, rettet er, „der Verfasser“, in einem Pariser Delikatessen-Geschäft eine Schildkröte vor ihrem sicheren Ende als Suppeneinlage. Doch bereits anderntags ist er des Tieres und seiner unappetitlichen Essgewohnheiten gründlich überdrüssig. Kurzerhand macht er es seinem Freund, dem Maler Decamps, zum Geschenk, dessen Atelier bereits einer kleinen Menagerie gleicht. Die meisten der anderen Tiere haben einen weit längeren Weg hinter sich als der Neuzugang: Kapitän Pamphile, einer der illustren Bekannten des Malers, hat sie von seinen abenteuerlichen Seereisen mitgebracht. Und von diesen Reisen wird erzählt, wann immer Decamps seinen bunten Freundeskreis um sich sammelt. So erfährt man nicht nur, wie die Tiere in Pamphiles Hände gerieten, sondern auch, was der geschäftstüchtige Kapitän unterwegs sonst an skrupellosen „Heldentaten“ vollbracht hat. Dumas’ Kunstgriff besteht darin, die haarsträubenden Episoden sämtlich im Ton ungerührter Selbstverständlichkeit zu erzählen, als handle es sich bei Pamphiles merkantilen Schurkenstücken um Geniestreiche an Mut und Geschicklichkeit. Und aus dieser Doppelbödigkeit, den scheinbar drollig erzählten, doch alles andere als harmlosen Tier- und Seegeschichten, gewinnt der Roman seine einzigartige, bitterböse Komik.

Alexandre Dumas:
Captain Pamphile.
Hrsg. v. Gunter Reski u. Marcus Weber
Philo Fine Arts 2011, 25 Euro,
240 Seiten, davon 192 in Farbe.
Mit Texten von Esther Buss u.
Hans-Jürgen Hafner,
deutsch und englisch,
ISBN 978-3-86572-026-9.

Das Buch erschien begleitend zur von Gunter Reski und Marcus Weber kuratierten Ausstellung in der Sammlung Falckenberg / Phoenix Kulturstiftung, Hamburg-Harburg. Ausgangspunkt ist auch hier Alexandre Dumas’ aberwitziger Roman Kapitän Pamphile. Obwohl 1839 erstmals veröffentlicht, entpuppt sich das Frühwerk von Dumas gerade heute wieder als treffsicherer Kommentar zum aktuellen Zeitgeschehen. In ihm beschreibt Dumas belustigt in sarkastischem Unterton die wilden rücksichtslosen Abenteuer des Piratenkapitäns Pamphile. In der Ausstellung wurden nun bildträchtige Schlüsselstellen des Romans von den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern interpretiert. Auf diese Weise entsteht eine Art Bildroman oder Pictorial Novel, welcher/welche prägnante Erzählpassagen der Vorlage annähernd erkennen lässt. Eine vielfältige Autorenschaft führt hier auch zu einem Hauch Gesamtkunstwerk. Zudem mischt sich die vermeintlich vordergründige Bebilderung einer skurrilen Geschichte gezielt mit Reflexionen über das eigene Metier.

(Robert Grieger)

Fr, 03.05.2024

Weltenschöpfer aus Sachsen: Wagner, Klinger, May.

Die drei Weltenschöpfer: Richard Wagner, Max Klinger, Karl May

NEUES AUS ROBERTS KLEINER BÜCHERECKE

Was verbindet den Fliegenden Holländer, Winnetou und Max Klingers Sirenen? Das wird in dieser groß angelegten Publikation zur künstlerischen Wesensverwandtschaft der drei sächsischen Genies, die die gleichnamige Ausstellung im Leipziger Museum der bildenden Künste im Sommer 2013 begleitete, deutlich. Der Aufbruch zu neuen Ufern ist Richard Wagner (1813–1883), Max Klinger (1857–1920) und Karl May (1842–1912) gemeinsam. Allesamt in Sachsen geboren und durch das kulturelle Umfeld der Region geprägt, praktizierten der Komponist, der bildende Künstler und der Schriftsteller in vergleichbarer Weise eine Lebensgestaltung in europäischer Dimension. Alle drei verarbeiteten die eigenen Konflikte mit den gesellschaftlichen Normen in ihren Kunstgestalten und kühnen künstlerischen Visionen. Anlässlich des 200. Geburtstags von Richard Wagner unternimmt der Band eine gattungsübergreifende Zusammenschau der Vorstellungswelten der drei Sachsen, die für die Kunst- und Kulturentwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts so ungemein bedeutend waren. Schwerpunkte der Untersuchung bilden dabei die Idee des Gesamtkunstwerks und die symbolisch aufgeladene, pathetisch besetzte Landschaftsauffassung der Künstler, sich als Schöpfer neuer Welten von parabelhaftem Charakter verstehend ... Erschienen bei Hatje Cantz.

Hans-Werner Schmidt: 
Weltenschöpfer: Richard Wagner
Max Klinger, Karl May im Museum
der bildenden Künste Leipzig.
Berlin: Hatje Cantz Verlag 2013,
232 S., gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-77573-537-7, 9,95 Euro.

(Robert Grieger)

Di, 23.04.2024

Am 23. April jedes Jahres ist Welttag des Buches.

23. April: Welttag des Buches 2024

Am 23. April ist es wieder so weit: Deutschlandweit feiern Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen und alle Lesebegeisterten am UNESCO-Welttag des Buches ein großes Lesefest. Eine regionale Tradition ist zu einem internationalen Ereignis geworden: 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum Welttag des Buches, dem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und nicht zuletzt die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Und über diesen Brauch hinaus hat der 23. April auch aus einem weiteren Grund besondere Bedeutung: Er ist der Todestag von William Shakespeare (1564–1616) und Miguel de Cervantes (1564–1616), zwei der größten Autoren in der zweiten Hälfte des letzten Jahrtausends. Auf der Welttag-Webseite können sich alle Interessierten und Lesebegeisterten über die umfangreichen Aktionen der Welttag-des-Buches-Partner: Stiftung Buchkultur & Leseförderung des Börsenvereins, Stiftung Lesen, cbj-Verlag, Deutsche Post DHL, ZDF und die avj, informieren.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

So, 21.04.2024

"Die schönsten deutschen Bücher 2023" können vom 04.04. bis zum 11.05. in der LBO (Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg) noch begutachtet werden.

LBO: „Schönste deutsche Bücher“

Noch bis zum 11. Mai 2024 werden in der Landesbibliothek Oldenburg Die schönsten deutschen Bücher 2023 gezeigt. Die Stiftung Buchkunst hat die schönsten und innovativsten Bücher des Jahres aus über 600 Einsendungen gekürt. Die 25 ausgewählten Bücher sind „vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung und zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten. Die Auswahl berücksichtigt sowohl das leisere, solide gemachte Lesebuch als auch wichtige neue Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion.“ In fünf Kategorien gibt es je fünf Preisträgerbücher, die in der LBO begutachtet werden können. Zu den ausgezeichneten Werken gehören unter anderem Der lange Arm der Stasi von Gabriele Stötzer und Shell Reader mit Installationen von Nina Canell, das den Preis der Stiftung gewann. Die Bücher können von 10 bis 19, samstags von 9 bis 12 Uhr besichtigt werden. Alle weiteren Infos auf der Website der LBO.

(André Schinkel/LBO/Pressemitteilung)

Di, 09.04.2024

Die "Bücherkinder" in Brandenburg an der Havel. Die Gruppe wird von den Pirckheimern unterstützt, ihr Mentor ist der Pirckheimer-Freund Armin Schubert.
Die "Bücherkinder" publizierten mehrere Bücher. Sie sind zahlreichen Künstlern und Werken gewidmet.
Auch Olaf Scholz schätzt die Arbeit der Domschüler.
Der "Phönix von Aschersleben" von Sven Großkreutz.
Der "Letzte Tanz" von Altmeister Karl-Georg Hirsch.
Claudia Berg: "Haus bei Burano". Die Meisterin der Kaltnadel wurde u. a. mit dem Meid-Preis geehrt.

Blatt für Blatt: „Bücherkinder“ und die „Edition Pirckheimer“

Die Gesellschaft trägt die Lust auf Buchkunst ins Land. Ein Blick auf zwei ihrer Initiativen

Ein hehres Anliegen besitzt zuweilen einen etwas drögen Sound. In der Satzung der Pirckheimer-Gesellschaft heißt es denn auch sachlich: „Der Verein hat den Zweck, das Sammeln von schönen und wertvollen Büchern, von Grafik und Exlibris zu fördern und zu unterstützen, Kenntnisse über Geschichte und Gegenwart des Buches zu verbreiten, Mitglieder und Öffentlichkeit mit Werken der Buchkunst und Grafik vertraut zu machen, zur Entwicklung der grafischen Künste beizutragen und das Exlibris zu pflegen.“ Das klingt nach mächtig viel bibliothekarischer Emphase, ist vielleicht auch der Reeducation-Stimmung der 1950er Jahre geschuldet, in der die Gesellschaft gegründet wurde. Was ist schön? Was ist wertvoll? Welche Werte vermitteln wir? 

Bei solch fluiden Kategorien ist die Bandbreite der Perspektiven groß: Antiquare, Buchhändler, Verleger, Künstler, Drucker, Sammler, Leser gehören zu uns, auch Institutionen wie die Bayerische Staatsbibliothek, das Literaturarchiv Marbach, die Deutsche Nationalbibliothek, die Büchergilde Gutenberg bis hin zu Verlagen wie die burgart presse, die Edition Mückenschwarm oder The Bear Press. Buch und Grafik als Kulturgut, Wissensträger, Kunstobjekt, Geschichtsquelle, Unterhaltungsmedium sind unser Thema, sich widerspiegelnd in den Marginalien, unserer Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, in Jahresgaben, Grafikeditionen und Buchförderungen. Aber wir wären nicht solch eine lebendige, 600 Mitglieder umfassende bibliophile Gesellschaft in Deutschland, wenn wir das so trocken handhaben würden, wie es klingen mag. Zwei Initiativen unserer Gesellschaft, die Bücherkinder und die Edition Pirckheimer, sollen dafür Beispiel sein. 

Wie bekommen wir Kinder zum Lesen und Erwachsene zum Sammeln? An diesen beiden Herausforderungen arbeiten wir verstärkt seit einigen Jahren. Der Kunstpädagoge Armin Schubert, seit Jahrzehnten Pirckheimer, ist der Kopf hinter den Bücherkindern Brandenburg. Seine Idee: Kinder beschäftigen sich ein Jahr lang mit einem Thema und machen am Ende ein eigenes Buch. In der kreativen Auseinandersetzung mit Originaltexten und -illustrationen wächst Verständnis für Literatur, für Geschichten, Bilder. In den Räumen der Evangelischen Grundschule am Dom zu Brandenburg entstehen so Jahr um Jahr Kleinode. Die Kinder recherchieren, diskutieren, zeichnen, dichten, probieren sich in originalgrafischen Drucktechniken von Linolschnitt über Radierung bis Siebdruck. Am Ende mündet es in einer von Sven Märkisch und Dietmar Block in der Galerie Sonnensegel gedruckten und von Henry Günther in der Edition BuchKunstBalance gebundenen kleinen Auflage. So entstanden schon elf Titel, u. a. zu Theodor Hosemann, Christa Wolf, Werner Klemke, Arno Mohr, Jurek Becker, Harald und Robert Metzkes, Egbert Herfurth, Franz Fühmann.

Zum Thema Schriftstellerkindheiten tauchten die Kinder ein in die Erinnerungen von Günter Grass, Franz Fühmann, Christa Wolf und Jurek Becker. Neben den eigenen Illustrationen der Kinder steuerten erstmals auch bekannte Künstler Originalgrafiken zum Buch Die Farben der Kindheit bei: Rainer Ehrt, Katrin Stangl, Sven Großkreutz, Klaus Süß, Moritz Götze. Das jüngste Buch erschien im Dezember 2023 zum Thema Frieden: Pax questuosa. Aktueller denn je, Hommage jeweils an die einzigartige Künstlerin Núria Quevedo und die große Erzählerin Anna Seghers.

Die Pirckheimer unterstützen finanziell, materiell und mit Kontakten, denn oft genug treffen sich die Kinder mit den Künstlern oder mit Personen, die sie kannten. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kam zu Besuch, schrieb ihnen auch eine Postkarte für das Buchprojekt über Jurek Beckers Karten an dessen Sohn, was die Kinder zu eigenen Karten anregte; es entstand ein langes Filminterview zwischen Klaus Ensikat und Denis Scheck, das die Kinder mit eigenen Texten zu Ensikat-Bildern flankierten; die amerikanische Leseforscherin Maryanne Wolf wurde auf sie aufmerksam u. v. m. Immer geht es den Kindern dabei um den produktiven Austausch mit dem Vorgefundenen. Und auch Bundeskanzler Olaf Scholz ließ es sich nicht nehmen, sie zu besuchen.

Im Falle unserer Edition Pirckheimer denken wir an eine ältere Zielgruppe. Unserer Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophile Marginalien liegt pro Ausgabe für jedes Mitglied eine Originalgrafik bei. War dies in der Vergangenheit nur in vereinzelten Heften der Fall, so etablierten wir vor sieben Jahren die regelmäßige Beilage mit jeder Ausgabe. Auch ein Grund für unser Mitgliederwachstum. Wir freuen uns, mit den preiswerten Blättern namhafter Künstler wie Max Uhlig, Dieter Goltzsche, ATAK, Volker Pfüller, Ottographic, Strawalde, Frank Eißner, Thomas Ranft, augen:falter, b.a.c.H. und vielen weiteren vor allem jüngeren Lesern den Aufbau einer eigenen Grafiksammlung zu ermöglichen. Trotzdemergibt sich daraus ein paradoxes Problem: Je erfolgreicher die Zeitschrift, je höher ihre Auflage, desto mehr steigen die Kosten und sinkt der Sammlerwert der Grafiken.

Vor einigen Jahren haben wir auf dieses Problem mit der Herausgabe einer exklusiven Edition Pirckheimer geantwortet: einer Grafikmappe in kleiner Auflage, die den Sammlern etwas Besonderes bietet und deren Ertrag dabei hilft, die Finanzierungslücke für qualitätsvolle Grafik-Beilagen der Marginalien auszugleichen. Kuratiert von Jens-Fietje Dwars, u. a. Herausgeber der literarischen Edition Ornament im quartus-Verlag, starteten wir mit sieben A3-Blättern in 35er Auflage von den Künstlern Susanne Theumer, Hans Ticha, Klaus Süß, Moritz Götze, Kay Voigtmann, Strawalde und Baldwin Zettl. Obwohl die Subskribenten jenseits des Auftaktblatts von Zettl die Motive nicht kannten, war die Auflage schnell verkauft, und die Besteller freuten sich alle zwei Monate über ein neues Blatt. Ein schöner Erfolg, der auch auf dem Vertrauen der Käufer fußte. Mit der 2022 lancierten zweiten Mappe der Edition passten wir das Konzept leicht an: Auflage 50 Exemplare, alle sieben Blätter liegen bereits vor. Somit weiß jeder, was ihn erwartet, wenn er die Edition abonniert.

Karl-Georg Hirschs Holzschnitt Letzter Tanz krönt darin eine ganze Reihe oft skurriler Paare des Altmeisters, die weniger harmlos tänzeln, als vielmehr ihre Kräfte messen. Dieter Goltzsche trägt eine kleine Radierung namens Schaukelpferd bei. Max Uhlig gab uns für die Mappe eine radierte Frauenkopf-Studie aus dem Jahr 1978, von der bislang noch keine Auflage gedruckt wurde. Seine Malerkollegin im Geiste, Gerda Lepke, zeichnete in ihrer Algrafie mit bekannt freiem Strich ein geheimnisvolles Paar. Der Grafiker und Maler Gerd Mackensen zeigt mit seiner handkolorierten Radierung Nur Narr! Nur Dichter! einen Nietzsche jenseits verklärender Heroisierung. Als Vertreter nachwachsender Generationen konnten wir Sven Großkreutz gewinnen. Sein rätselhaftes Blatt Phönix aus Aschersleben ist aufwändig in Ätzradierung, Aquatinta, Kaltnadel und Aussprengtechnik gearbeitet. Und Claudia Berg beschließt die Mappe mit einem Blatt aus ihrem jüngsten Venedig-Zyklus: Haus bei Burano ist ein weiteres Zeugnis ihrer atmosphärisch dichten Radierkunst. 

Die Mappe wurde erneut von Silke Steinhagen in Weimar gebunden, ein Beiblatt in Bleisatz von der Pavillon-Presse Weimar gedruckt. Sieben Blätter für 1.600 Euro, die in ihrer Zusammenstellung mit hoher künstlerischer Varianz verzaubern. Wofür beim Kind Interesse geweckt wurde, das kann echte Sammlerleidenschaft im Erwachsenenalter zeitigen. So, hoffen wir, geht der Samen auf.

(Till Schröder, Text ist erstveröffentlicht im Begleitbuch der BuchDruckKunst, Hamburg 2024)

Plakat zur Kabinettpräsentation „Josef Váchal: Der Blutige Roman” der BSB. | © Studio 6.15, Zlín, 2024

Josef Váchal: „Der blutige Roman“

Der Blutige Roman von Josef Váchal – seit Anfang Januar und noch bis einschließlich des 28. Juni 2024 ist dieses Werk Gegenstand in der Kabinettpräsentation im Foyer des Ostlesesaals der Bayerischen Staatsbibliothek (Ludwigstraße 16, 80539 München). Der Grafiker, Maler, Autor und Buchdrucker Josef Váchal (1884–1969) gehört zu den originellsten tschechischen Künstlern der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine bekanntesten Werke sind Bücher, von ihm selbst verfasst, illustriert, mit eigenhändig hergestellten Lettern gesetzt, in kleinen Auflagen von zehn bis zwanzig Exemplaren gedruckt und meist auch vom Künstler selbst autark und exclusiv gebunden.

Die Kabinettpräsentation im Foyer vor dem Ostlesesaal ist in der Zeit vom 08. Januar bis Ende Juni einem seiner bekanntesten Künstlerbücher gewidmet: dem Blutigen Roman – einer „kultur- und literaturhistorischen Studie”‚ die er 1924 in einer Auflage von ganzen siebzehn Exemplaren herstellte. Provokant, persiflierend und parodierend erweist er mit dem Konstrukt dem sogenannten Blutigen Roman eine Reverenz – einer im Tschechischen gängigen Bezeichnung für eine auf Gewalt, Gefühl und Spannung aufgebaute Spielart der Trivial- beziehungsweise der Schundliteratur.

Als eine der wenigen Bibliotheken außerhalb Tschechiens besitzt die Bayerische Staatsbibliothek die Originale von zwei großformatigen Künstlerbüchern Váchals: Ďáblova zahrádka, aneb přírodopis strašidel (zu deutsch: Des Teufels Gärtlein, oder die Naturkunde der Gespenster) aus dem Jahr 1924 und Šumava umírající a romantická (deutsch: Sterbender und romantischer Böhmerwald) von 1931. Die beiden beeindruckenden, in Leder gebundenen Folianten sind von Josef Váchal mit farbenprächtigen Farbholzstichen illustriert und zählen neben dem Objekt der Schau, dem Blutigen Roman des Künstlers, zu den absoluten Spitzenwerken der tschechischen Zwischenkriegsmoderne. 

Eine deutsche Übersetzung des Blutigen Romans ist überdies 2019 erschienen ... und auch diese Übertragung befindet sich in den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek. Die Ausstellung im Foyer vor dem Ostlesesaal befindet sich im dritten Obergeschoss der Bibliothek und ist von Montag bis Freitag 09 bis 19 Uhr (feiertags geschlossen) geöffnet. Der Eintritt in die Exposition ist frei. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 05.04.2024

"Schöne Bücher aus Brandenburg" Ausstellung und Präsentation in Potsdam am 20.04., 10 bis 16 Uhr.

Schöne Bücher aus Brandenburg

Willkommen zur 2. Landesausstellung Schöne Bücher aus Brandenburg in Potsdam! Anlässlich des Welttags des Buches 2024 laden die Stadt und ihre Stadt- und Landesbibliothek (Adresse: Bildungsforum, Am Kanal 47, 14467 Potsdam) Buchverlage, verlegende Autorinnen und Autoren sowie Buchkünstlerinnen und -künstler des Landes ein, um am 20. April 2024 von 10 bis 16 Uhr ihre aktuellen Werke auszustellen. Die Ausstellung wird um 10 Uhr eröffnet, der Eintritt ist frei. Buchenthusiasten, Bibliophile und Kunstfreunde sind herzlich in den Großen Saal der Stadt- und Landesbibliothek eingeladen, sich ein Bild vom Ideen- und Facettenreichtum, von der thematischen Vielfalt, vom hohen Anspruch und von der Qualität der Buchkunst der Büchermacherinnen und -macher „von nebenan“ zu verschaffen. „Ab 13.30 Uhr können Sie dabei sein, wenn wir unsere neuesten schönen Auflagen-, Kleinserien- und Unikatbücher vorstellen. Kommen Sie mit uns ins Gespräch, streifen Sie die bereitliegenden Handschuhe über, um in kostbaren Unikaten zu blättern, und verlieben Sie sich vielleicht in das eine Buch, das Sie am Ende mit nach Hause nehmen.“ Ausstellung und Präsentation sind barrierefrei zu erreichen. Ab 13.30 Uhr werden die nachfolgend genannten Bücher vorgestellt: Ungebunden. Ein Buch ungebundener Verbundenheit (122 Euro) von Albrecht Walter (Potsdam); Jugend von Kenneth Anders und Lars Fischer (20 Euro, mit Grafikmappe 300 Euro, bei Aufland Verlag (Croustillier)); Circles mit 17 Risoprints zu Texten von Mary Ruefle (200 Euro) von Constanze Kreiser (Brandenburg a. d. H.); Fabelfauna (280 Euro) von Matthias Gubig (Blankenfelde); Deutschlands Moore (69 Euro) von Michael Succow und Lebrecht Jeschke (Rangsdorf); Gezeichnet, Gustav und Franz Pflugradt. Portrait Vorpommerns und Mecklenburgs in Reiseskizzen der beiden Neffen Caspar David Friedrichs aus der Zeit von 1860 bis 1930 (29 Euro) von Ute Peters-Pásztor und Hans Jörg Rafalski; Joseph von Eichendorff: Aus Dem Leben eines Taugenichts, übertragen in einfache Sprache von Anja Hanisch (14,50 Euro); Der Großinquisitor: Ein bibliophiles Buchprojekt nach Fjodor Michailowitsch Dostojewski (27 und 120 Euro) von Rainer Ehrt (Kleinmachnow), Script – Rudolf Sittner, Hand-Schriften (40 Euro) von Rudolf Sittner (Cottbus); Bertolt Brecht: Die neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts von Steffen Thiemann (Brüssow); Von allem zu wenig (16,90 Euro) von Stephan Velten (Strauss Medien); Lyrikheft 31 (28 Euro) von Ulrike Draesner und Tina Flau (Potsdam); Fontaneske (10 Euro) von Frank Gaudlitz (Fotografien) und Julia Schoch (Texte). Bereits am 19. April lädt um 18 Uhr der Potsdamer Verlag Strauss Medien zur Vorstellung von Von allem zu wenig mit Stephan Veltens Briefen an seine Frau in die Stadt- und Landesbibliothek ein. Es liest ... Jürgen Tarrach!

 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 04.04.2024

Dieses einzige erhaltene Exemplar des Buches "Jikji" befindet sich in der Bibliothèque Nationale in Paris.
Dem Buch widmet sich eine Schau im Offenbacher Klingspor-Museum vom 28.04. bis zum 30.06.24.

„Im Anfang war ... Jikji.“ Koreas Urknall der Druckgeschichte

Eine bahnbrechende Erfindung der Menschheit hat ihren eigentlichen Ursprung in Korea. Das Buch Jikji ist das älteste mit beweglichen, in Metall gegossenen Schriftzeichen gedruckte Buch. Es entstand 1377, also mehr als fünfzig Jahre vor der Gutenberg-Bibel, in Cheongju in Korea. Das Buch Jikji enthält eine Sammlung buddhistischer Texte. Nur ein einziges Exemplar ist erhalten, es wird in der Bibliothèque Nationale in Paris aufbewahrt. Erst in den letzten Jahren wurde einem Team koreanischer Forschenden gestattet, weiterführende Untersuchungen zur materialen Beschaffenheit des Buchs vorzunehmen. Sie fließen ein in die Ausstellung, die jetzt das Early Printing Museum in Cheongju (Südkorea) erarbeitete und dem Klingspor-Museum zur Präsentation überlässt. 

Das Museum am Entstehungsort von Jikji widmet sich der Erforschung und der Verbreitung des koreanischen Frühdrucks. Mit dem Klingspor-Museum besteht ein lebhafter Austausch seit rund zehn Jahren. Für seine Bedeutung als Museum der Schriftkunst bekannt, gehörte das Haus in Offenbach 2018 zu den Mitbegründern der Assoziation internationaler Druckmuseen (IAPM). 2022 folgte eine Einladung, kostbare Bestände der deutschen und internationalen Druckkunst in einer umfangreichen Ausstellung in Cheongju zu zeigen. Jetzt schätzt sich Offenbach als ein bedeutender Ort der Schrift- und Druckgeschichte wiederum glücklich, das Early Printing Museum zu Gast zu haben und mit ihm eine erlesene Präsentation zur Geschichte des Buches Jikji. Die Ausstellung Im Anfang war ... Jikji. Koreas Urknall der Druckgeschichte, die sich dem im wahrsten Sinne uniquen Buch widmet, ist vom 28. April bis 30. Juni am Main (Herrnstraße 80, 63065 Offenbach) zu sehen.

Gezeigt werden unter anderem neue Faksimiles des Originals und die Technik des koreanischen Schriftzeichen-Gusses. Einen weiteren Schwerpunkt bildet Hanji, das ganz besondere Papier aus der Rinde des Schwarzen Maulbeerbaums, das in Korea auf ganz eigene Weise geschöpft wird. Das vielfältig einsetzbare Papier war mit seiner robusten Festigkeit eine wichtige Voraussetzung für den koreanischen Zeichendruck. Alle weiteren Informationen zur einzigartigen Schau finden sich hier.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Do, 14.03.2024

"erLesen!", die Literaturtage im Saarland, finden vom 12. bis 24. April im Südwesten der Republik statt.

„erLesen!“ – die Literaturtage im Saarland: 12. bis 24. April 2024

erLesen! Literaturtage im Saarland, das sind 14 Tage rund um das Buch und die Literatur in den saarländischen Buchhandlungen, gemeinsam mit den Verlagen und anderen Kulturinstitutionen. Die saarländischen Buchhandlungen und Verlage haben gemeinsam mit dem Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm erstellt. Quer durch das ganze Land treffen sich Autorinnen und Autoren mit ihren Leserinnen und Lesern ... Belletristik und Sachbuch, Bestseller und solche, die es noch werden wollen, bekommen eine Bühne. Das Lese- und Literaturland Saarland erlebt mit seinen Literaturtagen einen literarischen Höhepunkt! Lassen Sie sich von der bunten Vielfalt des literarischen Programms überraschen. Alle Infos unter: www.erlesen-saarland.de.

(Robert Grieger)

Mo, 26.02.2024

Susanne Evers: "Don Quichotte und Ragotin" (2004).

Don Quichotte und Ragotin

NEUES AUS ROBERTS KLEINER BÜCHERECKE

Vor zwanzig Jahren gab es eine spannende Ausstellung im Schloss Charlottenburg in Berlin, die ich damals auch besuchte und die mich begeisterte. Zu dieser erschien auch ein Buch, welches mich immer noch fasziniert. Mit Miguel de Cervantes’ (1547–1616) Meisterwerk Don Quichotte und Paul Scarrons (1610–1660) Le Roman comique begegnet uns ein neuer Heldentyp – der komische Held. Die Erlebnisse des Don Quichotte und des Ragotin stehen uns bis heute in einer Fülle lebhafter Episoden vor Augen. Im 18. Jahrhundert inspirierten sie vor allem französische Künstler dazu, die Geschichten bildlich umzusetzen. So schuf Charles Coypel (1694–1752) Gemälde mit den Abenteuern des Don Quichotte als Vorlagen für die Pariser Gobelinmanufaktur und Jean-Baptiste Pater (1695–1736) malte vierzehn Szenen aus dem Roman comique. Diese Gemälde und Tapisserien, die seit über 220 Jahren in den preußischen Königsschlössern beheimatet sind, werden zusammen mit den Kunstwerken aus ihrem Umfeld präsentiert. Der reich illustrierte Band von Susanne Evers, erschienen bei DuMont, stellt die herrlichen Meisterwerke der bildenden und angewandten Kunst in den Zusammenhang preußischer Geschichte und eröffnet damit völlig neue Einsichten in die literarischen Quellen und ihre Wirkungsgeschichte durch die Jahrhunderte.

Don Quichotte und Ragotin. Zwei komische Helden in den preußischen Königsschlössern – von Susanne Evers. Köln: DuMont Buchverlag 2004, 256 Seiten, ISBN 978-3-83217-427-9, die Ausgabe ist regulär vergriffen, aber antiquarisch für 10 Euro bei verschiedenen Anbietern günstig zu haben.

(Robert Grieger)

Mo, 05.02.2024

"Die Kunst der Gestaltung" (Covermotiv) vereinigt die Beiträge einer Autoren-Begegnung in Großjena bei Naumburg, in der es u. a. um Buchkunst, Grafik, Sammelwut, Bibliophilie ging. | © Katharina Mälzer

März: „Die Kunst der Gestaltung“

Soeben ging sie in Druck, die Anthologie, die die Beiträge der Autorenbegegnung des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt e. V. dokumentiert: Unter dem Titel Die Kunst der Gestaltung wird sie zur Buchmesse im Mitteldeutschen Verlag erscheinen (144 Seiten, ISBN 978-3-96311-907-1, voraussichtlich 12 Euro). Die traditionelle Tagung in der Akademie Haus Sonneck oberhalb von Naumburg, einst unter der Ägide des DDR-Künstlerverbands und damit Willi Sitte stehende Preziose in den Weinbergen, hatte u. a. die Lust an Grafik und Buchkunst zum Thema, so referierten Karoline Schliemann vom Grassi-Museum in Leipzig und Aron Boks, der Urgroßneffe Sittes, gab es eine Lesung in der Landesschule Pforta und wurde das Klingerhaus auf dem Nachbarberg besucht. Neben den Beiträgen der Teilnehmenden enthält sie einen Dokumentations- und Fototeil.

(André Schinkel)