Pirckheimer-Blog

Mo, 07.03.2022

Zeichnung: Axel Scheffler / Grafik: Tecton

Verbriefte Freundschaft

Schreiben, Falten, Zukleben, Öffnen, Lesen, Erinnern… - handgeschriebene Briefe sind in digitaler Zeit zu etwas ganz Besonderem geworden. Eine neue Ausstellung der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig „Verbriefte Freundschaft“ widmet sich mit den illustrierten Briefumschlägen des bekannten Illustrators Axel Scheffler einer besonders charmanten Form der Briefkultur: Denn wenn Freunde von Axel Scheffler aus London Post bekommen, handelt es sich immer um ein kleines, manchmal privates, manchmal politisches Kunstwerk. Sie dokumentieren enge, zum Teil jahrzehntelange Künstlerfreundschaften (u. a. mit Philip Waechter, Thomas M. Müller, Anke Kuhl oder Julia Donaldson) und zeigen die künstlerische Originalität von Axel Scheffler. Zugleich sind sie eine Liebeserklärung an die analoge Korrespondenz.
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von rund 200 Briefumschlägen von Axel Scheffler, der einige der beliebtesten Kinderbücher illustriert hat, darunter das im Jahr 1999 erschienene und über 18 Millionen Mal verkaufte Kinderbuch „Der Grüffelo“ von Julia Donaldson.

Ausstellungsbegleitend erscheint im Péridot Verlag die PublikationVerbriefte Freundschaft. Illustrierte Umschläge“.
Und unter dem Titel „…schreib mal wieder! Zur Kulturgeschichte des Briefes“ hat die DNB zusammen mit der Deutschen Digitalen Bibliothek eine neue Virtuelle Ausstellung erstellt, die am 11. März veröffentlicht wird.

Eröffnung: 15. März 2022, 19 Uhr
Ausstellung: 16. März - 25. September 2022

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek
Großer Lesesaal
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

So, 06.03.2022

Foto © Tanja Leonhardt

indiskret

In Darmstadt wird eine Ausstellung "Briefe und Tagebücher verfolgter intellektueller Frauen unter dem Naziregim" mit Seidenfahnen von Tanja Leonhardt gezeigt.

Verfemte Intellektuelle - Autorinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen - wenden sich nach 1933 in Briefen und Tagebüchern an die Menschen, die ihnen am nächsten stehen, schreiben ganz spontan über ihre Liebe als überlebensnotwendigen Halt in einer Welt ohne Heimat. Tanja Leonhardt wählte beeindruckende Persönlichkeiten aus und druckte deren Portraits zusammen mit handschriftlichen Textfragmenten auf großformatige Seidenbahnen. Der transparente Stoff in seiner Bewegung, die Gesichter und Handschriften und die etwas indiskrete Textauswahl ermöglichen einen sehr persönlichen, nahen Blick auf diese Frauen und ihre emotionale Kraft in unmenschlicher Zeit.

Ausstellung: 4. März bis 20. April 2022
Lesung mit Musik: 4. April 2022, 19:30 Uhr, Sprecherin: Gabriele Drechsel, Musik: Angela Elsäßer, Cello und Michael Erhard, Klavier

Evangelische Stadtkirche
Kirchstraße 11, Darmstadt

Sa, 05.03.2022

Aiga Rasch und Die drei ???

Seit über 50 Jahren übernehmen in Die drei ??? die Detektive jeden Fall und begeistern Kinder, Jugendliche und jung gebliebenen Erwachsene.

Ihren Erfolg verdankt die Kinderbuchreihe hierzulande nicht zuletzt den ikonischen Illustrationen Künstlerin Aiga Rasch (1941-2009). Nachdem die Buchreihe 1968 in Deutschland beim KOSMOS Verlag mit mäßigem Erfolg gestartet war, entwarf sie – auf eigenen Wunsch hin und mit dem Versprechen, kein Honorar zu verlangen, sollte dem Verlag ihr Entwurf nicht gefallen – das erste Buchcover mit dem prägnanten Schriftzug der Fragezeichen in weiß, rot und blau und einer später dann farbenfrohen Illustration vor schwarzem Hintergrund. Wurde dieses damals unkonventionelle Design vom Verlag zunächst mit Skepsis aufgenommen, gab der Erfolg der Künstlerin schließlich recht: Ihre Entwürfe wurden Kult und machten Die drei ??? zur unverwechselbaren Marke.

Neben den bekannten Cover-Illustrationen zu den Die drei ??? werden auch diverse Entwürfe, Skizzen und Vorlagen sowie weitere, ganz andere Werke der Künstlerin gezeigt. Zudem präsentiert die Ausstellung Werke weiterer Illustratoren aus dem In- und Ausland sowie spannende Weiterentwicklungen und Neuinterpretationen der Reihe.

Ausstellung: 13. März 2022 - 12. Juni 2022

Burg Wissem - Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf
Burgallee 1, 53840 Troisdorf

Fr, 04.03.2022

Kinder zum 100. Geburtstag von Franz Fühmann

Mit dem Titel "Bücher fallen nicht vom Himmel" entstand eine Hommage von Kindern an Egbert Herfurth und Franz Fühmann zum 100. Geburtstag des Dichters.
In 60 limitierten Exemplaren erschienen, schrieben die Neun- bis Dreizehnjährigen ihre Gedanken zu Fühmanns "Die dampfende Hälse der Pferde im Turm von Babel" und den Illustrationen von Egbert Herfurth zu diesem unvergänglichen Kinderbuch.

Eine Präsentation dieser verdienstvollen Arbeit zur Buchmesse in Leipzig fiel leider in diesem Jahr wieder aus. Um so wichtiger ist es, das jüngste Buch der Bücherkinder Brandenburg und die damit verbundene verdienstvolle Arbeit des Pirckheimers Armin Schubert und weiterer Beteiligten an diesem Projekt, wie Dietmar Block und Sven Märkisch, hier und in 14 Tagen auf der artbook.berlin vorzustellen.

In der AG Bücherkinder Brandenburg entstand ein Buch mit einer Tiefgründigkeit und graphischer Qualität, das durchaus einen gleichberechtigten Platz im Regal neben allen anderen in einer Bibliothek einnimmt. Die besondere Bedeutung dieses Titels liegt jedoch in der kulturpädagogischen Arbeit mit Kindern, die seinen Entstehungsprozess begleitete, eine Arbeit, die von den Mentoren, allen voran Armin Schubert, weitgehend ohne das erforderliche und auch geforderte Dazutun durch die Politik geleistet wurde, Unterstützung kam von der Kulturbund-Stiftung und der Pirckheimer-Gesellschaft.
Und es wurde in der AG Bücherkinder Brandenburg mit diesem Buch-Projekt eine Idee von Christa Wolf Realität: "Es ist sowieso meine Hoffnung, dass man mit Kunst, mit Literatur, mit Malerei, mit Musik Menschen gefühlsmäßig entwickeln kann. [...] all diese riesigen Jungendprobleme... können auf diese Weise gemildert werden."

Egbert Herfurth - Bücher fallen nicht vom Himmel
Brandenburg an der Havel 2021
Teilauflage mit Orig.-Radierungen der Kinder
Auflage 60 Expl., 68 S., geb.
Satz und Layout: Sven Märkisch, Armin Schubert
Einband und Bindung: Henry Günther

Do, 03.03.2022

Der Engel der Geschichte

In diesen Tagen nimmt sicher jeder Pirckheimer, sofern er sie in seiner Sammlung hat, die «Engel der Geschichte» in die Hand, eine von HAP Grieshaber herausgegebene Künstlerzeitschrift.

Denn HAP Grieshaber engagierte sich bekanntlich gegen die Diktaturen in Griechenland und unter Pinochet in Chile und setzte sich in Zeiten des Kalten Krieges für den Brückenschlag zwischen den beiden deutschen Staaten ein. Hierbei entstanden auch zahlreiche Kontakte mit der Pirckheimer-Gesellschaft, sowie Ausstellungsbeteiligungen. Heft 104 der Marginalien enthielt als typografische Beilage postum seinen Text «Meine Bücher».

Das Engagement dieses großen Künstlers ist Mahnung auch im aktuellen Konflikt in Europa.

Die Online-Auktionsplattform Artpeers bietet in der in 5 Tagen auslaufenden Auktion «Der Engel der Geschichte XII. Für Grieshaber zum 15. Februar 1969». Im Folio-Format und losen Bogen enthält es neben einem doppelseitigen, höchst aktuellen Holzschnitt Grieshabers (siehe Abb.), Orig.-Lithographien von Hans Martin Erhardt, Fritz Genkinger und Rudolf Szymanski, eine Orig.-Zinkätzung von Rudolf Hochlehner, ein Orig.-Linolschnitt von Gisela Sternstein, ein Orig.-Holzschnitt von Gert Köller, die Graphik der späteren Lebensgefährtin von Grieshaber Margarete Hannsmann «Prometheus: Alpha», und einer s/w-Fotografie von Walter Renz. Der Umschlag wurde von Josua Reichert gestaltet.
Das Heft wurde in einer Auflage von 1000 Exemplaren von Margot Fürst und Roland Hänßel herausgegeben und erschien in der manus presse.

Mi, 02.03.2022

In eigener Sache

Hiermit möchte ich mich als Betreiber des Blogs ganz herzlich für die zahlreichen Glückwünsche zu meinem Siebzigsten, sowie die dabei bekundeten anerkennenden und aufmunternden Worte bedanken, die mich über Social Media, per E-Mail, SMS, sowie Telefon und Briefpost erreichten.

Ein Beispiel für die eingegangene Post ist die abgebildete Mailart des Pirckheimers Bernd Friedrich mit bedruckten Briefmarke "Klein-Abel am 1.3.1952" und einem innliegenden Handpressendruck.

(Abel Doering)

Di, 01.03.2022

Reinhold Schmidts Schachgeschichten

Fünf Jahre nach Erscheinen wird hiermit der Titel "Reinhold Schmidts Schachgeschichten" vorgestellt, der von Konrad Reiß, Gründer des Schachmuseums Löberitz, Fritz Hoffmann, Schachproblemexperte aus Weißenfels, der Pirckheimerin und renommierten Schachkünstlerin Elke Rehder aus Hamburg-Barsbüttel, sowie der Internationalen Schachmeisterin und promovierte Germanistin Antje Göhler aus Berlin in einer kleinen Auflage von 100 Exemplaren unter der Trägerschaft der Schachgemeinschaft 1871 und des Schachmuseums Löberitz herausgegeben wurde.

In dem Buch sind alle bekanntgewordenen Geschichten des Zörbiger Schachautoren Reinhold Schmidt aufgeführt, die damit erstmalig zusammengefasst wurden. Es sind humorvoll angelegte Texte, die zwischen 1880 und 1889 in den unterschiedlichsten Publikationen in Deutschland, Österreich und sogar in Großbritannien veröffentlicht wurden. Sie sind immer verbunden mit einer oder mehreren Schachaufgaben.

Mit einer Frakturschrift bei den Überschriften und Initialen aus dem 19. Jahrhundert sowie den zeitgenössischen Graphiken der Künstlerin Elke Rehder wurde versucht, den Bogen von der damaligen zur heutigen Zeit zu spannen. Denn einige der Schmidt´schen Geschichten sind durch ihre parabelhaften und humanitären Grundgedanken von zeitlosem Wert.

ISBN 978-3-939516-11-8

Bibliophiles des Monats - Sankt-Rochus-Fest

Goethes "Sankt-Rochus-Fest zu Bingen. Am 16. August 1814" als 11. Pressendruck der Lehrdruckerei der Technischen Hochschule Darmstadt

Goethes Schilderung eines Ausfluges in den Rheingau mit Besuch des Festes zur Wiedereinweihung der Sankt-Rochus-Kapelle bei Bingen findet sich im biographischen Teil seiner vermischten Schriften. In lockerem Erzählduktus verbindet der Text die Schilderung der landschaftlichen Schönheiten links und rechts des Rheinlaufes zwischen Wiesbaden und Bingen mit Betrachtungen zu Weinbau und Geologie, mit der politischen Situation im Rheingau kurz nach den napoleonischen Kriegen und mit der Legendenbildung um den namensgebenden Heiligen, der im 14. Jahrhundert als Pestheiler und Eremit ein gottgefälliges Leben geführt habe. Das Volksfest zur Feier der vormals vom französischen Militär okkupierten und nun neu eingerichteten Kapelle mit Prozessionen und Predigten gibt Goethe und seinen Begleitern Gelegenheit, Wein und volkstümliche Unterhaltung zu genießen. Der Text schließt mit einer Ansammlung von am Tisch zum Besten gegebenen Reminiszenzen geistlicher Reden, von Volksweisheiten und Bauernsprüchen sowie mit einer Wiedergabe der erbaulichen Worte, die ein Prediger an die Menge vor der Kapelle richtet.

Der Darmstädter Maler Professor Bruno Müller-Linow unternahm es, diesen kleinen Reisebericht liebevoll mit zehn Radierungen zu begleiten, die Blicke auf die landschaftlichen Schönheiten des Rheingaus und auf Szenen aus Goethes Schilderung des Festablaufes wiedergeben. Sie sind in unterschiedlichen Formaten, als bildlich ausgearbeitete Vignette bis hin zum doppelseitigen Vollbild, passend in den Text eingefügt. Die Gestaltung des kleinen feinen Pappbändchen im Format 12,6 x 21,9 cm hat der Leiter der Lehrdruckerei der Technischen Universität Darmstadt (heute TUD) Professor Walter Wilkes übernommen. Er verwendete für die geistlichen Reden eine abweichende tiefblaue Druckfarbe, die sich von den übrigen lichtschwarzen Textstellen deutlich abhebt, so dass manche Skurrilität und Frömmelei des Zeitgeistes besonders augenfällig wird. Satz und Druck in 150 Exemplaren erfolgte 1989 in der Lehrdruckerei, die auch beispielsweise für viele der schönen Gaben der Maximilian-Gesellschaft verantwortlich zeichnete. Die Bindung mit ornamental geprägten Deckeln und schmalem roten Rückentitelschild oblag den bewährten Händen von Gert Hoffrath in Roßdorf, während Gunter Staschik für den Druck der Radierungen sorgte. Uns liegen eine zartblaue und eine rein weiße Einbandvariante vor, die gleichermaßen dem Druck ein feines äußeres Gesicht geben. Es würde sich sicher lohnen, das gesamte Wirken der Lehrdruckerei für das Schöne Buch einmal zusammenfassend zu würdigen.

(Christiane und Norbert Grewe)

Mo, 28.02.2022

Bäume

Eine bereits seit Jahren geplante, sehr komplexe Ausstellung des Pirckheimers miley (Michael Ley) in der Moabiter Heilandkirche wird nunmehr endlich stattfinden und im Mai zu sehen sein.

Das zentrale Thema sind Bäume und in diesem Zusammenhang geht der Künstler mit seiner Installation auf zunehmende Bodenversiegelung, Raubbau durch Abholzung von Urwäldern, Waldsterben, erhöhte CO2-Immission, ausufernden Verkehr und anderen Faktoren ein.
An einer Wand werden auf einem gestalteten Hintergrund Holzschnitte präsentiert, gegenüber gerahmte Bilder unterschiedlicher Technik und eine freie Fläche für Videoprojektionen. In Vitrinen sind dann noch Künstlerbücher von miley zu sehen.
Weitere Aktionen innerhalb der Ausstellung sind noch im Gespräch.

Bäume, auch Bücher, Kunst, ihre Unverzichtbarkeit und das, was sie uns bedeuten, sind hochaktuell, leider auch die Mahnung von Bertolt Brecht An die Nachgeborenen:

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

So, 27.02.2022

Harriet Groß, Weißer Regen 001, 2021, Lentikulardruck auf Aludibond, (Aufl. 10), 28 × 42 cm, © Hegenbarth Sammlung Berlin / Harriet Groß 2022

Harriet Groß - Weißer Regen

Anfang März zeigt die Hegenbarth Sammlung Berlin Zeichnungen von Harriet Groß und stellt sie in den Zusammenhang des Fortschreibens der infiniten Linie. Der „Weiße Regen“ ist Sinnesereignis und lineare Struktur in einem: Schwarz und Weiß, Anwesenheit und Abwesenheit, Positiv und Negativ. Im Dialog dazu sind weitere Arbeiten von Josef Hegenbarth (1884 - 1962) und Ohara Shôson (1877 - 1945) zu sehen. Anlass dieser kleiner Präsentation ist das neu erschienene gleichnamige Künstlerbuch von Harriet Groß.

Aus der Fülle von Einzelereignissen schreibt der Regen seine eigene Notation von neuen transparenten Räumen. Jedes Notat verlangt nach einer Interpretation. Wie in ihren räumlichen Zeichnungen durchwandert der Betrachter in diesem Buch einen imaginären Raum mit wechselnden Blickwinkeln und Bezügen. Folgt man dem Rhythmus der einzelnen Kapitel, taucht man bereits in die Gesamtpartitur ihrer Zeichnungen ein. Es wird analysiert, gespiegelt, wiederholt, überlagert und komponiert. Und die Linie selbst wird bei ihrem Übergang in den realen Raum materialisiert. Sie seziert ihn und fächert ihn auf. Durch Wiederholung ausgelöste minimale Verdichtungen und Pausen bilden Zwischenräume in zeitlicher und räumlicher Abfolge.

Ausstellungseröffnung: 5. März 2022, 18 Uhr
Ausstellung: 5. - 12. März 2022

Hegenbarth Sammlung Berlin
Kunst auf Papier
Laubacher Straße 38, 14197 Berlin

Sa, 26.02.2022

Marina Koldobskaja, Acryl auf Karton, (2020 ?), Fotos: ad
Michael Ley, Il Drago, Farb-Linoldruck 2019
Archi Galentz (lks.) und Andreas Wolf

Tiere im Garten der Kunst

In der Pankower Galerie Wolf & Galentz wurde gestern eine umfangreiche Ausstellung mit unterschiedlichsten künstlerischen Positionen zum Thema Tier, zur Beziehung des Menschen zum Tier, auch dessen Mythos, eröffnet. Präsentiert werden Werke verschiedener Techniken, von der Druckgraphik, Zeichnung, Malerei bis hin zu Plastiken und Fotografie von rund 20 Künstlern, darunter auch vom Pirckheimer miley oder Holzschnitte von Conrad Felixmüller aus der Sammlung des Pirckheimers Jürgen Wilke.

Die in St. Petersburg lebende Künstlerin Marina Koldobskaja z.B. malt in einem reduziert expressiven Gestus Bilder von Tieren, die eigentümlich grimmig und teilweise gefährlich und dann doch auch wieder freundlich wirken. Die im ersten Moment an Kinderbilder und Marimekko erinnernde Formsprache gibt den Tieren einen sehr charaktervollen Ausdruck, die Darstellungen bleiben aber rätselhaft. Der finnische Künstler Sampsa Indrén dagegen zeichnet und malt seit einigen Jahren tote Tiere, die er auf der Sommerhaus­insel oder am Straßenrand findet. Auf den Zeichnungen verlieren die Tiere dennoch nie an Würde. Die Berliner Künstlerin Ina Sangenstedt beschäftigt sich in ihren Tierplastiken und Tierskulpturen mit dem Verhältnis zwischen Menschen und Tieren. Und die Bildsprache von Jakob Roepke erinnert sowohl an Steampunk als auch an Surrealismus.

Ausstellung: 27. Februar - 24. April 2022

Wolf & Galentz Kunstgalerie
Wollankstraße 112a, 13187 Berlin

Fr, 25.02.2022

mitgesammelt und eingekapselt

Kapselschriften, Schriftstücke, die auf Grund ihres kleinen Formats nicht eigenständig in einem Regal eingestellt und mit gleichartigen Schriftstücken, gesammelt in einem geeigneten Behälter aufbewahrt werden, gibt es in alten Bibliotheken zuhauf, so auch in der 1543 gegründeten Universitätsbibliothek Leipzig. Sie hat für ihre neue Ausstellung Studierenden der Kulturwissenschaften ihre Magazine geöffnet, darunter einen Raum, wo Zehntausende von kleinen Schriften liegen, die in Schachteln aufbewahrt werden. Diese von den Bibliothekaren sogenannten "Kapseln" wurden geöffnet und durchsucht; das Ergebnis ist eine Ausstellung mit Werken, die man in einer wissenschaftlichen Universalbibliothek nicht erwarten würde.

Werbe- und Streitschriften fallen auf, auch Ratschläge fürs Rasieren und für den Umgang mit Starkstrom. Man findet Aufrufe zur Durchsetzung des Frauenwahlrechts, Plakate zum Streik Leipziger Bürger nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, aber auch Berichte über wundersame Ereignisse aus der Zeit des Barock oder frühe Proteste gegen das Impfen. Die studentische Expedition war auf Interessantes und Kurioses aus. Mit viel Liebe und Mühe hat sie die ausgestellten Schriften erläutert. So wird die Bibliothek als Kulturarchiv geöffnet, leidenschaftliche Auseinandersetzungen früherer Jahre werden anschaulich.

Der Katalog, gestaltet von Stefan Gunnesch, macht das Suchen und Finden selbst zum Erlebnis: Er ist als eigene Kapsel gestaltet und gruppiert die unterschiedlichen Funde des Ausstellungsteams in verschiedenformatigen Heften. Mit der Ausstellung verabschiedet sich der Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig, Ulrich Johannes Schneider, nach gut fünfzehn Jahren aus dem Dienst. Er bleibt der Universität als Kulturwissenschaftler erhalten und hat in dieser Funktion die Ausstellung vorbereitet, zusammen mit Studierenden, die aktiv und mit Entdeckerlust die Ausstellung möglich machten.

Ausstellungseröffnung: 23. März 2022, 18 Uhr
Ausstellung: 24. März bis 25. September 2022

Ausstellungsraum der Bibliotheca Albertina
Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig

Do, 24.02.2022

Foto: Facebook o.A.

Mainzer Minipressen-Messe abgesagt

Der Hinweis am 25. Januar 2022, dass die Grafikbörse Borken auf den 27. - 29. Mai 2022 verschoben wurde, enthielt die Anmerkung, dass "diese Terminverschiebung eine schlechte Nachricht für Freunde der Mainzer Minipressen-Messe sei, die bereits seit längerem ebenfalls für dieses Wochenende geplant ist."

Diese Anmerkung ist nun hinfällig.

Wie die Veranstalter mitteilen, wird die zweijährlich stattfindende Mainzer Minipressen-Messe, die zuletzt 2019 stattfand, auch 2022 ausfallen.

Tabea Blumenschein, Die Knochenband

Hartmut Andryczuk kündigt die neue Edition „Tabea Blumenschein, Die Knochenband“ im Hybriden-Verlag an, die anlässlich einer Ausstellung der Künstlerin erscheint:

2018 entstand im Laufe von drei Wochen Tabeas Zeichnungsserie „Die Knochenband“, insgesamt 50 variierende Zeichnungen auf 5 Leporellos. Doris singt von der „Schuld-Struktur“ oder präsentiert sich in Tabeas Voodoo-Doll-Kostüm. Die Knochenband feiert fröhlich das Oktoberfest in Volkstracht oder sie singt im Tangoschritt vom „Apachentanz“. Ob Deadly Doris oder Doris mortelle – alle Menschen sind wie Doris: tödlich und sterblich.

Die Edition umfasst alle Zeichnungen der fünf Leporelli, die 2018 im Hybriden-Verlag erschienen und inzwischen vergriffen sind.

Tabea Blumenschein, Die Knochenband
gebunden, Prägeklischee einer Zeichnung von T.B.
Texte von Hartmut Andryczuk und Wolfgang Müller
66 Seiten mit fünf Zeichenserien von Tabea Blumenschein
Beiheft mit Bildmaterial aus Tabea und Doris dürfen doch wohl noch Apache tanzen, 1981, bestempelt von Wolfgang Müller
Bestellung hier.

Ausstellung: 12. März - 4. Juni 2022

Galerie K-Strich
Schauräume Weberstraße 51a, 28203 Bremen

Mi, 23.02.2022

© Nünnerich-Asmus-Verlag

Johannes Gutenberg

Johannes Gutenberg. Unternehmer des zweiten Jahrtausends“ ­– so heißt das neue Buch des Sammlers Dr. Erwin Kreim.

"Man of the Millennium" oder vielleicht auch "Master of Entrepreneurship“? Mit dieser Frage befasst sich unter anderem der Autor und Bankdirektor a.D. und betrachtet Gutenbergs Erfindung als unternehmerische Leistung aus der erfrischend, modernen Perspektive der Wirtschaftswissenschaften. Ein Sachbuch voller Aha-Effekte.
Als passenden Ort für eine Buchvorstellung hat Dr. Kreim das Gutenberg-Museum gewählt, wo diese spannende Publikation im Rahmen einer Gesprächsrunde mit Dr. Annette Ludwig und der Verlegerin Dr. Annette Nünnerich-Asmus vorstellen. Im Anschluss können die Teilnehmer bei einem Glas Wein mit dem Autor ins Gespräch über den genialen Erfinder Gutenberg zu kommen.

Buchvorstellung: 25. Februar 2022, 18 Uhr, 2G, Anmeldung unter besuch.gm(at)stadt.mainz.de oder 06131/123411

Gutenberg-Museum
Liebfrauenplatz 5, 55116 Mainz

Patrick Rössler, Screenshot aus der Selbstdarstellung

Video zum Antiquaria-Preis

Der 28. Antiquaria-Preis 2022 ging an den Kommunikationswissenschaftler und enthusiastischen Sammler Patrick Rössler.

Neben seiner Arbeit in der Empirischen Kommunikationsforschung verbindet er eine intensive, fast detektivische Sammelpraxis mit der wissenschaftlich-historischen Durchdringung seiner Fundobjekte und Reflexionen darüber in Ausstellungen und Publikationen. So gelingt es Rössler, in seinen vielfältigen Arbeiten (etwa zum Bauhaus, zur Typographie, zu „Journalismus und visueller Kultur in der Weimarer Republik“, zum Taschenbuch der 50er Jahre und der „Deutschen Kinopublizistik 1917–1937“) auch dem Grafikdesign in Typographie und in der Bildsprache ein neues Gesicht zu verleihen.
Bewundernswert und auszeichnungswürdig mit dem Antiquaria-Preis erscheint der Jury die ungewöhnliche Bandbreite von Patrick Rösslers wissenschaftlichem Werk und dessen Grundierung durch eine entsprechende leidenschaftliche Sammeltätigkeit.
(aus der Begründung der Jury)

Die Laudatio hielt Stephanie Jacobs, Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek. Die Preisverleihung fand am 17. Februar 2022 im „Podium“ der Musikhalle Ludwigsburg statt. Sie wurde aufgezeichnet und kann ab sofort hier nochmals angesehen werden.

Di, 22.02.2022

Bernd Friedrich, geprägte Karte

22.2.22

Unsere Welt ist derzeit voller beängstigender Ereignisse, jedoch es gibt immer wieder auch Erfreuliches.

Zahlen, eine menschliche Erfindung, begegnen uns täglich überall in Hülle und Fülle. Jedoch manche Zahlen mit magischem Hintergrund finden besonders Beachtung, und solch ein denkwürdiges Ereignis steht unmittelbar bevor. Es ist das heutige Datum nach unserem abendländischen Kalender: 22.2.22.

Fünfmal die Ziffer Zwei! Dadurch ein großer Tag für die Zwei, der ersten geraden Zahl, dem Symbol für Dualismus. Daher wird dieser Tag auch bevorzugt als Hochzeitstermin gewählt.

Und wann wiederholt sich so etwas? Erst am 22.Februar 2122, also genau in 100 Jahren. Jedoch das erlebt keiner von uns mehr – oder?

Für mich, der neben anderen grafischen Mitteln auch mit historischen Buchdruckmaterialien (Holz- und Bleilettern und Bilddruckstöcken) experimentiert, war das Anlass, eine Mail-Art-Karte in recht begrenzter Anzahl auf einer Handdruckpresse – ähnlich wie Gutenberg - anzufertigen und zu versenden. Gern hätte ich ja diese jedem um 22:22:22 Uhr persönlich übergeben. Doch leider war ich nie Schüler in Hogwarths ;-)

An einem 22.2. genau vor 82 Jahren, wurde der fünfjährige Tenzin Gyatso als der XIV. Dalei Lama gesegnet. Von ihm stammt dieses heutzutage immer noch voll zutreffende Zitat "In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz."

(Bernd Friedrich)

Mo, 21.02.2022

Durch den sich Vögel werfen

Am Samstag eröffnen Anja Harms und Eberhard Müller-Fries im Kunstverein Coburg ihre Ausstellung »Durch den sich Vögel werfen« mit Künstlerbücher und Buchinstallationen.
Die Künstler werden in der Zeit von 12 bis 15 Uhr persönlich anwesend sein und durch ihre Ausstellung führen.

Ausstellung: 5. März - 24. April 2022, aktuelle Corona-Regeln hier

Kunstverein Coburg
Park 4a, 96450 Coburg

Zeitschriften abzugeben

Ich möchte mich altersmäßig etwas "gesundschrumpfen" und daher eine Sammlung der Zeitschriften "Sinn und Form" und NDL (Neue Deutsche Literatur) an Selbstabholer verschenken. Es handelt sich jeweils um die ersten 50 Jahrgänge, von denen nur wenige Hefte fehlen.

Anfragen bitte direkt beim Anbieter: Rolf- Rüdiger Noack, Riehler Gürtel 10, 50735 Köln, Tel.: 0221 760 23 07, E-Mail

So, 20.02.2022

Collage aus Börsenblatt, sowie Faber & Faber

#buchbesuch

Immer mehr Verlage und Veranstalter planen eigene Veranstaltungen, mit denen die ursprünglich geplanten Messetage vom 17. bis 20. März dennoch zu einem Literaturfest werden können.

Nach der Ankündigung einer buchmesse_popup, in der über 50 Verlage ihre aktuellen Titel im Leipziger Werk 2 präsentieren, legten Leipziger Verlage nach und gaben eine eigene Aktion bekannt. Unter dem Titel #buchbesuch öffnen sie am 19. März ihre Türen. Mit dabei sind: Buchfunk, die Pirckheimer Faber & Faber, Klett Kinderbuch, Lehmstedt Verlag, Lychatz, Mosses Schroeter Verlag, Palomaa Publishing, Seemann Henschel und Zweitausendeins.

Alle Details wie genaue Orte, Öffnungszeiten und Programmpunkte werden von den einzelnen Verlagen bekanntgegeben und in den sozialen Medien unter #buchbesuch gebündelt. „Wir hoffen auf viele Verlagsstadtschwärmer, die Lust auf einen Blick ins neue Programm und in unser Verlagszuhause haben“, sagt Klett Kinderbuch-Geschäftsleiterin Franziska Hauffe, von der die Initiative ausging.

Offene Türen: 19. März 2022

#buchbesuch