Pirckheimer-Blog

Mi, 13.07.2022

Die Chemnitzer Künstlerin Bettina Haller | © privat
„Das Bittersüße“, Acrylstich/Farbholzschnitt von Bettina Haller | © Bettina Haller

„Bittersüß“: grafische Kostproben von Bettina Haller

Grafiken der Chemnitzer Künstlerin Bettina Haller (Sonnenberg-Presse) sind ab 14. Juli in der Galerie im Turm in Kemberg zu sehen. Bettina Haller ist den Pirckheimern vertraut. Sie gestaltete unter anderem 2017 die grafische Beilage Im Winkel (Acrylstich, Farbholzschnitt) für das 225. Heft der Marginalien.

„In der Ausstellung werden wir rund 30 Arbeiten von Bettina Haller zeigen“, sagt Andrea Lange. Sie gehört als Mitglied der „Galeriegruppe“ im gastgebenden Kultur- und Kunstverein Kemberg zu den Organisatoren der Ausstellung und hat entscheidenden Anteil, dass die Werke aus Chemnitz nach Kemberg kommen, verbindet sie doch mit Bettina Haller eine jahrelange Freundschaft. Beide haben in den 1990er Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert. Sie editieren seit 2005 die bekannte Reihe LyrikHeft (siehe auch Heft 228 der Marginalien).

Im Turm werden großformatige und kleinere Farbholzschnitte von Bettina Haller zu sehen sein, Einblattdrucke und Acrylstiche. Komplettiert wird die Ausstellung mit einer Auswahl an LyrikHeften. Zudem werden (nur) am Tag der Vernissage mehrere Bücher zur Ansicht und Einsicht ausliegen. Der Acrylstich/Farbholzschnitt Das Bittersüße von 2017 hat der Ausstellung ihren Namen „Bittersüß“ gegeben und wird ebenfalls gezeigt.

Eröffnet wird die Schau am Donnerstag, 14. Juli, um 17 Uhr in Kemberg, nahe der Lutherstadt Wittenberg. Die Laudatio hält Andrea Lange. Für die musikalische Begleitung sorgen Klaus Vogelsang (Trompete) und Andreas Pohl (Saxophon).

Mit den Arbeiten von Bettina Haller setzt die Galerie im Turm ihre Ausstellungen mit Arbeiten von Pressendruckern fort, in denen unter anderen corn.elius oder Hanneke van der Hoeven vertreten waren.

„Bittersüß“
Galerie im Turm in Kemberg
Vernissage: 14. Juli, 17 Uhr

Dauer der Ausstellung: 14. Juli bis 28. August 2022
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 15 bis 17 Uhr
Außerhalb dieser Zeiten bittet der Kultur- und Kunstverein Kemberg e. V. um telefonische Voranmeldung unter: (034921) 6 06 83

(Ralf Wege)

Di, 12.07.2022

Friedrich von Hardenberg (Novalis)
Palmbaum 1/22: Was ist romantisch? ǀ © Ralf Julke
Das Plakat zur Ausstellung

Was bleibet aber, erzählen die Dichter*- und Künstler*innen

Unser Pirckheimer-Freund, der Autor, Herausgeber, Ausstellungs- und Filmemacher Jens-Fietje Dwars, verantwortet in Thüringen die Literaturzeitschrift Palmbaum. Sie erscheint halbjährlich im quartus-Verlag Bucha bei Jena. Die jüngste Ausgabe 1/22 befasst sich in einem ausführlichen Schwerpunkt mit dem 250. Geburtstag von Friedrich von Hardenberg alias Novalis (1772–1801), der, im mansfeldisch-kursächsischen Oberwiederstedt geboren, zu einem der wichtigen Taktgeber der Literatur und Philosophie bis in die Gegenwart wurde.

Eine Reihe thüringischer Orte – Jena, Grüningen, Tennstedt – spielte dabei auch eine Rolle im Leben von Novalis. Die eigentliche Dimension seiner Wirksamkeit fällt ins 20. Jahrhundert: Einige der großen lateinamerikanischen Dichter (Paz, Juarroz, Parra) nennen als ihren Haus-Gott neben Friedrich Hölderlin ausdrücklich den unvollendeten Frühromantiker, dessen teils verschwiemelte Verklärung als „Dichter der Blauen Blume“, wie die Beiträge der aktuellen Palmbaum-Ausgabe beweisen, viel zu kurz greift.

Ralf Julke von der Leipziger Internet Zeitung hat über das aktuelle Palmbaum-Heft, das neben dem Schwerpunkt zum Jubilate eine Reihe neuer Gedichte, Prosa, Essays, Nachrichten und nicht zuletzt eine umfängliche Rubrik Rezensionen enthält, eine so eingehende wie erhellende Besprechung verfasst, sie ist unter diesem Link einzusehen. Julke, für die tiefe Anverwandlung seines jeweiligen Gegenstands bekannt, bezeugt dabei zugleich den seltenen Fall eines in seiner umfassenden Klugheit und Sichtweite noch möglichen Feuilletons.

Für jede Ausgabe des Palmbaum schafft eine Künstlerin, ein Künstler aus Mitteldeutschland jeweils ein eigenes Cover. Für die Nummer 1/22 des Journals konnte Susanne Theumer aus Höhnstedt im Salzatal, das sich zwischen der ehrwürdigen Stadt Halle an der Saale und eben jenem Mansfeld, dem Novalis entstammt, erstreckt, gewonnen werden. Die gebürtige Hallenserin gehört zu den bedeutendsten Grafikerinnen ihrer Generation – ihre Radierungen und Kohle-Kreide-Zeichnungen finden weithin Beachtung, ihre Bibliografie umfasst insgesamt 50 Bücher, Kassetten und Mappen (zuletzt: Lost Playgrounds, 2022).

Die Übernahme der Redaktionsleitung durch Jens-Fietje Dwars verhalf dem Palmbaum zu einer schönen Renaissance; die Zusammenarbeit mit den zeitgenössischen Künstlern gab der Zeitschrift ein unverwechselbares Gepräge. Auf Einladung des Vereins der Bibliophilen und Grafikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e. V. sind seit dem 26. Juni und noch bis zum 12. August 2022 im Literaturhaus Magdeburg 34 signierte Andrucke der Einbände der Zeitschrift samt den dazugehörigen Originalen von Angela Hampel, Karl-Georg Hirsch, Uwe Pfeifer, Moritz Götze und vielen weiteren zu bewundern. Auch ein echter Altenbourg ist in der Schau zu sehen. Die Exhibition ist als Wanderausstellung konzipiert – wenn Sie sie bei Ihnen zeigen möchten, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf: info@pirckheimer-gesellschaft.org.

(Ralph Aepler/André Schinkel)

Mo, 11.07.2022

Zhao Mengfu (1254–1322)

Vom Lesen der Landschaft

Die Bayerische Staatsbibliothek (Ludwigstraße 16, 80539 München) lädt im Rahmen der „Taiwan Lectures“ zum Vortrag Vom Lesen chinesischer Landschaften – Einige Gedanken zu Zhao Mengfu (1254–1322) von Professor Kai Marchal (National Chengchi University, Taipeh) am 14. Juli um 18.30 Uhr in den Friedrich-von-Gärner-Saal im ersten Obergeschoss ein. In seinem Vortrag wirft der Referent einen philosophisch geschärften Blick auf die Landschaftsbilder des Zhao Mengfu, eines der berühmtesten Vertreter der sogenannten Gelehrtenmalerei, der den weiteren Verlauf der chinesischen Kunstgeschichte nachhaltig beeinflussen sollte. Moderiert wird die Veranstaltung von Professor Hans van Ess (Ludwig-Maximilians-Universität, München). Es wird um Anmeldung per Mail – veranstaltungen@bsb-muenchen.de – gebeten, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

(André Schinkel/Pressemitteilung)
 

So, 10.07.2022

Dr. Rolf Geffken
Das Plakat zur Lesung

Die Bleilaus lädt zur Lesung

Am Freitag, dem 15. Juli 2022, findet um 18 Uhr in der Bleilaus – Schrift- und Druckwelt Soltau eine Lesung statt: „Wer immer Zeit und Lust hat, ist willkommen!“, so die Einladenden. Bei der insgesamt zweiten Veranstaltung dieser Art, organisiert vom Buchdruck-Museum Soltau e. V., wird der Autor und Arbeitsrechtler Dr. Rolf Geffken erwartet und – aus dem „Reich der Mitte“ berichten. Seine Lesung trägt den Titel China – anders gesehen.

Rolf Geffken ist mit einer Chinesin verheiratet, er beschäftigt sich mit China seit mehr als zwei Jahrzehnten. Neben seinen Forschungsaufenthalten in Fernost hielt er dort Vorlesungen und organisierte Begegnungen, darunter die erste Deutsch-Chinesische Konferenz zum Arbeitsrecht in Kanton und die erste Deutsch-Chinesische Anwaltskonferenz in Tianjin. Sein Blick auf China ist von Sympathie für das Land getragen, aber durchaus auch kritisch. Die Betonung liegt für ihn auf einem genauen Hinsehen. „China ist ein eigener ‚Kosmos‘, der alles erlaubt, nur eines nicht: vorschnelle Schlüsse“, so der Autor von über 100 Veröffentlichungen zum Land, darunter auch der Roman Shanghai Angel

Für die Lesung wurde eigens ein handgesetztes Plakat erstellt – gestaltet und realisiert von Reinhard Riedel und Reinhard Walleneit und schließlich von Fritz van Rechtern sowie einigen anderen Versierten auf der Bleilaus-eigenen Korrex-Maschine gedruckt. Alle, die zur Lesung kommen, können die Druckform bestaunen, mit der das Plakat hergestellt wurde, verspricht die Pressewartin des Vereins, Renate Gerstel. Und: „Wir freuen uns auf ein volles Haus!“ Die Bleilaus – Schrift- und Druckwelt findet sich in Soltau in der Kirchstraße 2. Das Buch zur Lesung wird am Abend beim Autor erhältlich sein, darüber hinaus ist es auch regulär im Handel bestellbar. Der Eintritt in die Veranstaltung ist frei. Das Buchdruck-Museum hat darüber hinaus Montag, Mittwoch und Samstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 08.07.2022

v.l.: André Schinkel, Maria Bogdanovich, Yana Borysenko, Charlotte Aepler

In eigener Sache

Es gibt Veränderungen im Pirckheimer-Blog:

Abel Doering, der den Pirckheimer-Auftritt im Netz lange Zeit begleitete und dessen privater Blog zur Keimzelle des heutigen Pirckheimer-Blogs wurde, möchte sich wieder auf seinen privaten Blog konzentrieren. Auch dort gibt es weiterhin Lesenswertes für Buchliebhaber zu entdecken. Schaut vorbei auf Informationen eines Pirckheimers.

Der Pirckheimer-Blog auf der Seite der Pirckheimer-Gesellschaft geht natürlich weiter. Er liegt nunmehr in den Händen eines Redaktionsteams um André Schinkel. Der Schriftsteller und Lektor, auch Mitglied der Marginalien-Redaktion, legte schon eine Reihe von Veröffentlichungen, auch bibliophiler Art vor. Er leitet das Literaturmagazin „Oda – Ort der Augen“. Ihm zur Seite stehen Yana Borysenko, im Berufsleben Finanzexpertin sowie Maria Bogdanovich, die ihre Expertise als Buchwissenschaftlerin einbringen wird. Mit Charlotte Aepler werfen wir einen jugendlichen Blick auf den Blog, der zudem von ihren Aktivitäten auf Instagram ergänzt wird. Alles in allem eine bunte Mischung, die einen bunten Pirckheimer-Blog erwarten lässt.

Information oder Meldungen erreichen den Blog wie gewohnt unter blog@pirckheimer-gesellschaft.org.

Wir freuen uns auf viele Zusendungen und Anregungen für unser Netzwerk.

Kurt Idrizović in seinem Bücher-Domizil. ǀ © Buchhandlung am Obstmarkt, Kurt Idrizović

Augsburger Kultur-Instanz wird 70

Unser Pirckheimer-Freund Kurt Idrizović aus Augsburg feiert heute seinen 70. Geburtstag. „Buchhändler, Brecht-Kenner, Augsburger Marke“ – unter diesen Attributen bat die Augsburger Allgemeine den in der Geburtsstadt Bertolt Brechts Lebenden und Wirkenden zum Interview, in dem der Jubilar von seiner umfänglichen Tätigkeit, seinem Handeln und Streiten im Dienst der Kultur berichtet. Auch wenn sich Idrizović aus der kultur- und kommunalpolitischen Aktivität nun ein Stück zurücknimmt, wird er weiterhin in seiner Buchhandlung am Obstmarkt in Sachen Literatur und, wie er selbst sagt, „Kunst des Lesens“ vermitteln, flankiert von Salons, kleinen literarischen Führungen und Lese-Zeichen. Als Sommerlektüre empfiehlt Kurt Idrizović im Übrigen Mark Twains Unterwegs mit den Arglosen, erschienen in der Büchergilde, und Aufschrei. 30 Anstöße für eine mutigere Welt von Roberto Saviano, ganz frisch bei Hanser. Wir gratulieren von Herzen!

(André Schinkel)

Do, 07.07.2022

Crowdfunding für Grimms Märchen

Über Henrik Schrats Mammutprojekt, Grimms Hausmärchen komplett neu zu illustrieren und beim Hamburger Textem Verlag zu veröffentlichen, hatten wir im Blog schon einmal berichtet. Nun ist der dritte Band in Arbeit, Rodung Kreuzung Lichtung. Wie Schrat selbst sagt: „Obwohl das Projekt die letzten zwei Jahre ja wirklich – für eine solche Orchideen-Idee – sehr erfolgreich war (siehe Presse auf www.grimmschrat.de) sind die Mühen der Ebene (5 Bände, 5 Jahre) auch finanziell nicht ganz ohne und wir haben nochmal eine Crowdfunding-Kampagne aufgelegt.“ Hier geht’s zum Mitmachen, bei dem auch ein kleiner Film über das unterstützenswerte Projekt zu sehen ist.

Zusätzlich hat der Künstler eine Ausstellung unter dem Titel „Tortuosa“ im Kunstverein Barsinghausen eröffnet, die noch bis 17. Juli läuft. Eine umfangreiche Schau mit verschiedenen Werkgruppen und einer Installation über Süntelbuchen – dem nicht kommerziell verwertbaren und „verhexten“ Bäumen aus dem Deister Höhenzug.

(Till Schröder/Pressemitteilung)

Di, 05.07.2022

Lithografie „Danae" von Eduardo Roca | © Neuhauser Kunstmühle
Radierung von Paul Ching Bor „Der blaue Baum" | © Neuhauser Kunstmühle

Neue Blätter bei der Neuhauser Kunstmühle

Mitten in den Sommer hinein kommen neue Blätter ins Angebot unseres Pirckheimer-Mitglieds Nikolaus Topic-Matutin von der Neuhauser Kunstmühle in Österreich. Zum einen die Lithografie „Danae“ von Eduardo Roca, mit Goldfarbe gedruckt und in einer Auflage von 20 Exemplaren. Zum anderen gibt es eine  neue große Radierung von Paul Ching Bor: „Der blaue Baum“.

Vorbeischauen lohnt sich.

(Till Schröder/Pressemitteilung)

So, 03.07.2022

Doppelseite mit Illustration aus „Der tolle Hund oder des Burschen Heimkehr“
Doppelseite mit Illustration aus "Datterich"

Bibliophiles des Monats: Fritz Kredel illustriert Niebergall

Das fürstlich regierte Darmstadt im Biedermeier der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte neben dem Revolutionär Georg Büchner auch einen Schriftsteller hervor, der bis heute die kulturelle Identität der Stadt mit prägt. Ernst Elias Niebergall (1815–1843) wird dort als Volksschriftsteller verehrt, der ein kleinbürgerliches Milieu in der Residenzstadt durch seine Theaterstücke in Mundart auf humorvolle Weise schilderte. Neben dem Lustspiel „Der tolle Hund oder des Burschen Heimkehr“, mit Anklängen an seine Schulzeit und Burschenschaft, ist insbesondere die Lokalposse „Datterich“ durch die Zeiten auch identitätsstiftend für die Darmstädter gewesen. Das Stück um den liebenswerten versoffenen Schnorrer und seinen Widersacher Dumbach wird bis heute in Theateraufführungen gefeiert und im Stadtbild durch Denkmäler in Erinnerung gehalten.

Niebergall schrieb diese Stücke neben seiner Tätigkeit als Lehrer in den Jahren 1837 und 1841. Für die späteren Buchausgaben des „Datterich“ haben zunächst drei Darmstädter Künstler Illustrationen beigesteuert, die in Bibliophilenkreisen Beachtung gefunden haben: Von Emil Preetorius stammt der prächtige Druck der Ernst-Ludwig-Presse von 1913, geschmückt mit 7-farbig lithografierten Tafeln. Zur 600-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt 1929 gab es eine mit 40 szenenartigen Schattenrissen von Hermann Pfeiffer geschmückte Jubiläumsgabe, die in Darmstadt mehrfach unverändert nachgedruckt wurde. Hartmuth Pfeil schließlich orientierte sich in der 1933 bei Eduard Roether erschienenen Ausgabe bei seinen farbkräftigen Bildern an historischen Vorlagen aus Niebergalls Zeit.

Fritz Kredel (1900–1973) blieb stets seinem Geburtsort Michelstadt und seiner Odenwälder Umgebung nahe bei Darmstadt verbunden, obwohl die politischen Zustände in Deutschland ihn und seine Familie 1936 in die Emigration trieben. In den USA, im Staat New York, fanden sie 1938 eine neue Heimat, und dank Kredels bereits in Deutschland erworbenen hervorragenden Rufes als Künstler und Illustrator fasste er dort auch wirtschaftlich schnell Fuß und schuf, neben einer Lehrtätigkeit, ein großes Werk an hervorragend illustrierten Büchern und anderen Auftragsarbeiten wie etwa ein Holzschnittsiegel für Kennedys Inauguration. Seine Ausbildung erhielt er an der Werkstatt von Rudolf Koch in Offenbach, wo er nach Kochs Tod auch die leitende Position innehatte. Den formalistisch strengen und klaren Stil seines Lehrers Koch verband er oft mit Humor und Leichtigkeit. In den 1950er Jahren kehrte er zu Besuchen nach Deutschland zurück und übernahm so auch die Aufgabe, für den Verlag Eduard Roether die beiden Niebergallschen Stücke neu zu illustrieren. Es entstanden zwei entzückende kleine Leinenbändchen im Format 11,8 x 8,2 Zentimeter in farbig gemusterten Pappschubern, die in Form und Ausstattung ganz von den drei Vorgängern abwichen und den biedermeierlichen Hintergrund, die Leichtigkeit der Handlung und den humorvollen Gebrauch der Mundart auch vom Erscheinungsbild her hervorragend betonen. 1961 erschien zunächst „Der Tolle Hund“ in 2.000 Exemplaren mit 24 Federzeichnungen Kredels. Zum 125-jährigen Bestehen des Verlages 1963 wurden 500 Stück der Auflage von der Firma Schauer & Silvar handkoloriert in fröhlich-bunter Farbgebung, die den Werkscharakter weiter sichtbar unterstreicht. Im selben Jahr nun gab es dann auch den „Datterich“ in gleicher farbfroher Ausstattung. Diese beiden Leinenbändchen, grün und blau in jeweils farblich abgestimmten Schubern, stehen würdig in der Reihe hervorragender Ausgaben der Niebergallschen Werke.

(Christiane und Norbert Grewe)

Fr, 01.07.2022

Typografische Beilage "Das Kissen" von Georg Klein im Heft 232 der Marginalien, gestaltet von Matthias Gubig.

Literaturpreis für Georg Klein

Vielen Pirckheimern ist Georg Klein ein Begriff, spätestens aber seit er bei uns in den Marginalien (Heft 232) eine unveröffentlichte Kurzgeschichte von Matthias Gubig für die Typografische Beilage gestalten lies. Nun konnte der Schriftsteller, unter anderem schon geehrt mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis und dem Preis der Leipziger Buchmesse, eine weitere Auszeichnung entgegennehmen: Er erhielt den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds. Dotiert mit 50.000 Euro verlieh ihn die Jury mit der Begründung, sein Werk zeigt das „virtuose Spiel mit bekannten Genres, die stets ein literarische Umwertung erfahre“. Sie hob auch sein „hohe Sprach- und Fabulierkunst“ hervor, die „komisch und düster, aufregend und überraschend“ von der Wirklichkeit erzähle.

Die Pirckheimer gratulieren!

(Till Schröder/Pressemitteilung)

Do, 30.06.2022

Die Gäste der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Malers und Grafikers Eberhard Schlotter trafen sich im Bomann-Museum. | © R. Wege
Als Auftakt zur Feier des 100. Geburtstages von Eberhard Schlotter hatten Jutta Osterhof (l.) und Dietrun Otten den Gäste den Künstler bei einem Podiumsgespräch näher gebracht. Im Hintergrund ist ein Porträt von Klaus und Jutta Osterhof zu sehen, das Schlotter 1989 gemalt hat. | © R. Wege
Sie erinnerten an Eberhard Schlotter als Vater beziehungsweise Großvater: Sybille und Dr. Julia Schorlemmer. | © R. Wege

Feier zum 100. Geburtstag von Eberhard Schlotter

Rund 60 Gäste trafen sich am 3. Juni 2022 im Bomann-Museum in Celle, um den 100. Geburtstag des Malers und Grafikers Eberhard Schlotter zu begehen. Ganz pünktlich waren die Gäste nicht. Denn Eberhard Schlotter wäre an diesem Tag bereits 101 Jahr geworden. Das verspätete Eintreffen der Gäste lag jedoch nicht an selbigen, sondern an Corona. Der Virus war der Grund, dass im vergangenen Jahr die Jubelfeier verschoben werden musste.

Ein Jahr Verspätung tat aber der ausgezeichneten Stimmung an diesem Nachmittag keinen Abbruch. Groß war die Freude der Anwesenden, viele bekannte Gesichter aus dem Schlotter-Liebhaber-Umfeld zu sehen. Allen voran die Mitglieder und Freunde der Eberhard-Schlotter-Stiftung, die ihren Sitz in Celle im besagten Bomann-Museum hat. Dort wurde an diesem Tag auch die neue Dauerausstellung „Schlotter“ eröffnet.

Stefan Daberkow, neuer Direktor des Bomann Museums, eröffnete die Geburtstagsfeier. Er begrüßte insbesondere die Tochter und die Enkelin Eberhard Schlotters, Sibylle und Dr. Julia Schorlemmer sowie die Vorsitzende des Kuratoriums der Eberhard-Schlotter-Stiftung Celle (und Vorstand der Pirckheimer-Gesellschaft) Jutta Osterhof. Daberkow dankte herzlich Dietrun Otten, Leiterin der Eberhard-Schlotter-Stiftung, für ihr Engagement als Kuratorin der neuen Ausstellung. Die Ausstellung umfasst nicht nur die erwartbare Vielfalt an Arbeiten Schlotters, sondern betritt mit dem „Virtuellen Schaulager“ Neuland. Dank 3D-Technologie  können die Ausstellungsbesucher virtuell durch eine Galerie gehen, die Gemälde Eberhard Schlotters von der Wand nehmen und vor sich aufstellen, um sie in Ruhe aus der Nähe zu betrachten. Ganz begeistert von dieser Möglichkeit zeigte sich auch Jutta Osterhof während des Podiumsgespräches, das sie zusammen mit Dietrun Otten führte und das die Gäste an den persönlichen Erinnerungen von Jutta Osterhof an ihre fünfzig Jahre währende Freundschaft mit dem Künstler Eberhard Schlotter teilhaben ließ. Ob Schlotter das virtuelle Schaulager gefallen hätte, wollte Dietrun Otten wissen. „Ich glaube ja, ... allein schon die Möglichkeit, noch eine neue Welt zu schaffen, das würde gut zu seiner „doppelten Sicht“ auf die Dinge passen, die Schlotter eigen war“, lautete die Antwort.

Den Grundstein für den folgenden Akteur hatte Eberhard Schlotter vor rund 70 Jahren unbewusst mit seiner Freundschaft zu dem Schriftsteller Arno Schmidt selbst gelegt. Der Literaturwissenschaftler Bernd Rauschenberg, langjähriger geschäftsführender Vorstand der Arno-Schmidt-Stiftung, las aus dem Briefwechsel zwischen Arno Schmidt und Eberhard und Dorothea Schlotter. Ein Erlebnis, welches die Gäste sowohl aufgrund der ausgezeichneten Briefe als auch des lebendigen Vortrages begeisterte. Übrigens werden die Besucher in der Ausstellung quasi von einem großen Porträts Arno Schmidts (Mischtechnik auf Leinwand, 130 x 110 cm) begrüßt, das Eberhard Schlotter 1989 angefertigt hat.

Sehr emotional wurde es zum Abschluss der Feierlichkeit mit dem Zwiegespräch zwischen Sibylle und Julia Schorlemmer. Sie reflektierten ihre ganz persönliche Sicht und Erinnerung auf den Vater beziehungsweise Großvater. In einem stimmten beide zu einhundert Prozent überein: Sie hätten beide eine einzigartige Beziehung zu ihm gehabt, „einzigartig im Sinne von prägend, einzigartig emotional und definitiv einzigartig herausfordernd“, so Julia Schorlemmer. Ein bewegender Moment, der sicherlich vielen Gästen lebhaft in Erinnerung sein wird, wenn sie an diese Feier zum 100. Geburtstag von Eberhard Schlotter zurückdenken werden.

(Ralf Wege)

Mi, 29.06.2022

Nicht nur für Verehrer von Goethe

Im Verlag Vittorio Klostermann ist jetzt ein Buch erschienen, das sicher für Verehrer von Johann Wolfgang von Goethe interessant sein dürfte, aber auch die Neugier des Bücherfreundes an sich wecken könnte: "Goethes Bibliothek – Eine Sammlung und ihre Geschichte". Geschrieben hat das 504 Seiten umfassende Werk Stefan Höppner. Er ist wissenschaftlicher Leiter von Projekten zu Goethes Bibliothek im Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel und lehrt Neuere Deutsche Literatur an der Universität Freiburg im Breisgau.

Stefan Höppners Buch widmet sich Goethes wichtigstem Arbeitswerkzeug – seiner Bibliothek. Sie ist nicht nur eine der prominentesten Büchersammlungen eines deutschsprachigen Autors, sondern auch als eine von wenigen Autorenbibliotheken um 1800 fast vollständig erhalten. 

In der Einleitung heißt es: "Dies ist kein Buch über Goethe, sondern über seine Bibliothek. Sie erfahren hier nicht, was der Dichter mit dem Faust oder den Wahlverwandtschaften ‚wirklich‘ sagen wollte, oder wie sich seine zahlreichen Liebschaften im Werk niederschlugen. Vielmehr geht es darum, wie Goethe mit seinen Büchern und wie die Nachwelt mit Goethe und seinen Büchern umging. Es geht also um Goethes Schreib- und Arbeitspraxis. Thema ist aber auch der Umgang mit der Weimarer Klassik in der deutschen Geschichte. Die Reise wird also vom Entstehen der Bibliothek bis in die Gegenwart führen, mit den Kleinstaaten des 19. Jahrhunderts, dem deutschen Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus und der DDR als wichtigsten Zwischenstationen. Umgekehrt eröffnet die Geschichte der Bibliothek Einblicke in das Goethebild der letzten zweihundert Jahre und in den Stellenwert der Weimarer Klassik für das kulturelle Selbstverständnis Deutschlands. Und schließlich ist die Geschichte einer Sammlung immer auch eine Geschichte der sammelnden Personen und Einrichtungen. …"

Stefan Höppner
Goethes Bibliothek
Eine Sammlung und ihre Geschichte
Sonderband 125 der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie
2022. 504 Seiten
39 Euro
ISBN 978-3-465-04592-2

(Ralf Wege / Pressemitteilung)

Di, 28.06.2022

Ausschnitt aus dem Büchergilde-Magazin 3/22 | © Büchergilde.de
Ausschnitt aus dem Büchergilde-Magazin 3/22 | © Büchergilde.de
vorn: Julia Penndorf, zweifarbiger Linolschnitt, gedruckt von Petra Schuppenhauer in ihrem Atelier PS in Leipzig

Das neue Magazin der Büchergilde

Das neue Magazin unserer Pirckheimer-Freunde der Büchergilde Gutenberg www.buechergilde-gutenberg.de lag jetzt im Briefkasten. Glückwunsch zu den vielen Neuerscheinungen. Zwei Bücher, die Pirckheimer-Freunden wichtig sein könnten, stellen wir – natürlich nur stellvertretend fürs breite Programm – kurz vor.
 

Mit Gunst und Verlaub

Unser Mitglied Jürgen Franssen und der Verein für die Schwarze Kunst wiesen schon darauf hin: Zum Thema ›Walz‹ hat die Büchergilde Gutenberg nun das bereits 1989 von Anne Bohnenkamp und Frank Möbus herausgegebene »Grundlagenwerk zur Walz« namens ›Mit Gunst und Verlaub‹ in einer überarbeiteten Auflage neu aufgelegt. Das Thema lebt immer noch. Auch der Verein bietet die Walz an – unter dem Motto »Handsatz und Buchdruck wandernd erlernen – Walz für Handsatz und Buchdruck«. Nach der Lektüre dieses Buches gelingt die Bewerbung unter www.verein-fuer-die-schwarzekunst.de vielleicht noch besser.
 

Und habt ihr denn etwa kein Träume

Unser Pirckheimer–Freund Ingo Schulze widmet sich Anna Seghers auf die ihm typische Art und Weise – fachlich fundiert, charmant und den Zugang zur Literatur eröffnend. Anna Seghers, eine der größten Erzählerinnen des 20. Jahrhunderts, sollten wir mal wieder lesen. Das Buch »Und habt ihr denn etwa kein Träume« ist pure haptische Kommunikation, nicht nur auf der literarischen Ebene.
 

Vorzugsausgabe

Ein Hinweis in eigener Sache sei noch gestattet. Unser Buch »KAKOJ KOSCHMAR OДER YOU ARE WELCOME« von Ingo Schulze ist noch in wenigen Exemplaren der limitierten Vorzugsausgabe mit einem zweifarbigen Linolschnitt von Julia Penndorf vorhanden. Natürlich von beiden Protagonisten des guten Buchs signiert. Einfach bei unserem Schatzmeister nachfragen.

(Ralph Aepler)

Mo, 27.06.2022

Susanne Theumer zu Gast bei der Pirckheimer Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar. | © Ralph Aepler
Eine Grafik von Susanne Theumer

Auf den Stufen des Graus

Susanne Theumer zu Gast im Rhein-Main-Gebiet

Am Juni-Termin der Pirckheimer Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar war die Pirckheimer-Freundin Susanne Theumer aus Höhnstedt bei Halle unser Gast. Viele Pirckheimer aus unserer Region und Gäste nutzen die Gelegenheit zum persönlichen Treffen mit der Künstlerin. Sie hatte mehrere Bücher und Mappen aus ihrem Werk mitgebracht. Die Anwesenden nahmen die Bücher und Grafiken in Augenschein, einige erstanden auch spontan Blätter.

Was Susanne Theumer erschafft, ist nichts Gefälliges, nein, die Werke erzählen Geschichten, oft solche, die man eigentlich nicht so gerne hört, weil sie uns unsere eigene Brutalität im Umgang mit Menschen zeigen. Die Schatten von Buna, Leuna, ehemaligen KZ-Aussenlagern oder gar medizinischen Experimentierkammern – all diese Orte beleuchtet die Künstlerin. Die Liebe zur Archäologie lässt sie immer wieder graben, aber die Grabungsergebnisse sind nicht bunt und schön.

Dennoch schön auf eine ganz eigene Art, handwerklich perfekt und überragend, dazu aber geschichtsbeladen. Lässt man sich auf die in den Bildern erzählten Geschichten ein, und das konnte man hervorragend angesichts ihres lebendigen Vortrags an diesem Abend, so stellt man fest, Grau besitzt unendlich viele Stufungen. Ein faszinierender Abend, der große Lust bereitete.

(Ralph Aepler)

Im Heft 226 der Marginalien hat sich André Schinkel in seinem Beitrag "Die Träume, die Blicke" mit dem Werk Susanne Theumers auseinandergesetzt.

Do, 23.06.2022

Freuen sich auf die Lesung in Gotha: die Autorin Ulrike Draesner und der Künstler Henry Günther | © privat

"Korrelation" von Henry Günther und Thomas Offhaus

Ausstellungseröffnung und Lesung mit Ulrike Draesner in der Stadtbibliothek in Gotha

Am 30. Juni 2022 wird in Gotha um 19 Uhr eine Ausstellung mit zeitgenössischen Künstlerbüchern der "BuchKunstBalance" unseres Pirckheimers Henry Günther sowie mit Malerbüchern, Druckgrafiken und Malerei von Thomas Offhaus eröffnet. Im Zentrum der Ausstellung steht das vor wenigen Wochen erschienene Künstlerbuch von Ulrike Draesner (Text) und Thomas Offhaus (Druckgrafik) "SCHWITTERS / the wall / MERZ-Bau / Poem", das von Henry Günther in seinem Verlag herausgegeben wurde.

Zur Eröffnung der Ausstellung liest Ulrike Draesner aus ihrem neuen Roman im Cibulka-Saal der Stadtbibliothek "Heinrich Heine". Die Buchhandlung "Hannah Höch" gestaltet zur Lesung einen Büchertisch mit ihren Werken, welche die Autorin gern signiert.

Eröffnung: 30. Juni 2022, 19 Uhr
Ausstellung: 30. Juni bis 30. Juli 2022

Stadtbibliothek "Heinrich Heine"
Friedrichstr. 2-4
99867 Gotha

Mi, 22.06.2022

Stellten den Fund der Öffentlichkeit vor (v.l.): Dr. Matthias Bley, Bibliotheksdirektorin Corinna Roeder, Minister Björn Thümler, Prof. Dr. Detlef Haberland, Dr. Matthias Bollmeyer, Sven Behnke M.A. | © Frauke Proschek
Buchmalerei von Albrecht Dürer mit dem Wappen Willibald Pirckheimers, aufgefunden in der Landesbibliothek Oldenburg. | © Frauke Proschek
Die erste Textseite des Buches mit der Dürer-Miniatur in der Landesbibliothek Oldenburg (Polydeukes: Onomastikon. Venedig: Aldus 1502) | © Frauke Proschek

Spektakulärer Fund: Buchmalerei von Albrecht Dürer in der Landesbibliothek Oldenburg entdeckt

 Buch stammt aus der Büchersammlung Willibald Pirckheimers

Im September sind die Pirckheimer bei ihrem Jahrestreffen in Oldenburg zu Gast – und werden die Chance haben, eine sensationelle Entdeckung in der Landesbibliothek Oldenburg genau unter die Lupe zu nehmen: Eine fantasievolle, farbige Miniatur mit zwei Putten auf delfinartigen Meerestieren und einem Wappen in der Mitte. Die Miniatur ist nur knapp 16 cm breit und 6,5 cm hoch – und doch eine Entdeckung von außergewöhnlicher Größenordnung, wie die Landesbibliothek Oldenburg mitteilt. Das Kunstwerk stammt von keinem Geringeren als dem bedeutendsten deutschen Künstler der Hochrenaissance: Albrecht Dürer. Ein spektakulärer Fund, der über 230 Jahre unerkannt im Bestand der Landesbibliothek Oldenburg schlummerte. Die Miniatur ziert die erste Seite eines griechischen Textes, der 1502 von Aldus Manutius (1449-1515) in Venedig gedruckt wurde.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Aldinen-Sammlung der Landesbibliothek Oldenburg konnte das Buch jetzt anhand des Wappens der Büchersammlung des berühmten Nürnberger Humanisten Willibald Pirckheimer (1470-1530) zugeordnet werden. Mehr noch: Es gelang, den Oldenburger Band zweifelsfrei als eines von 14 kostbaren Büchern zu identifizieren, die 1634 von den Erben Pirckheimers an einen holländischen Sammler verkauft wurden. Der Preis war hoch, denn alle diese Bücher enthielten auf der Titelseite eine eigenhändige Buchmalerei von Albrecht Dürer (1471-1528). Nur sechs waren bisher bekannt. Die Oldenburger Buchmalerei ist in der historischen Quelle von 1634 exakt beschrieben und damit die siebte Dürer-Miniatur aus dieser Reihe, die wiederentdeckt wurde.

Die Dürer-Miniatur und weitere Forschungsergebnisse wurden am 21. Juni vom niedersächsischen Wissenschaftsminister Björn Thümler und von Projektleiter Prof. Dr. Detlef Haberland der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die meisten der 263 Aldinen der Landesbibliothek Oldenburg stammen aus der Büchersammlung des hannoverschen Beamten Georg Friedrich Brandes (1719 – 1791), die Herzog Peter Friedrich Ludwig 1790 für Oldenburg ankaufte. „Aldus Manutius war hochgebildet und führte in seinem Verlag humanistische Gelehrsamkeit und Innovation mit handwerklichen und ästhetischen Spitzenleistungen zusammen. Daher wurden seine Drucke schon von Zeitgenossen aus wissenschaftlichen und bibliophilen Interessen sehr geschätzt“, sagt Prof. Dr. Detlef Haberland. „Da sich Pirckheimer zwischen 1502 und 1505 der Übersetzung einer Reihe von griechischen Texten ins Lateinische widmete, hat er vermutlich in dieser Zeit auch den griechischen Druck aus der Offizin von Aldus Manutius erworben“, so Haberland.

Die Miniatur kann erst nach 1504, dem Todesjahr von Pirckheimers Ehefrau, in das Buch gemalt worden sein, weil ihr Wappen dort fehlt. Dass die Buchmalerei tatsächlich eigenhändig von Dürer ausgeführt wurde, sei aufgrund seiner persönlichen Freundschaft mit Pirckheimer, der glaubwürdigen historischen Quelle und der bisherigen Forschungen zu den Miniaturen in den Büchern der Pirckheimer-Sammlung sehr wahrscheinlich. Eine vergleichende kunsthistorische Untersuchung stehe aber noch aus, wie Sven Behnke M.A. und Dr. Matthias Bollmeyer betonen.

Quelle: Pressemitteilung der Landesbibliothek Oldenburg

Di, 21.06.2022

Plakat zur Eröffnung der Ausstellung "Wort- und Bilderlust – Im Zeichen der Palme" | © Jens-F. Dwars

Vernissage: Wort- und Bilderlust – Im Zeichen der Palme

Originalgrafiken und Andrucke der Einbände der Thüringer Literaturzeitschrift „Palmbaum“ in einer Ausstellung der Magdeburger Pirckheimer (Verein der Bibliophilen und Grafikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e. V. "Willibald Pirckheimer") im Literaturhaus Magdeburg

Die Zeitschrift „Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen“ besteht seit 1993 und erscheint zweimal jährlich im quartus-Verlag Bucha bei Jena. Sie wird vom Thüringer Literaturrat herausgegeben und von der Thüringer Staatskanzlei gefördert. Ihr Vorbild ist die „Fruchtbringende Gesellschaft“, die erste deutsche Literaturvereinigung, die 1617 in Weimar gegründet wurde und sich die vielfach nutzbringende Palme als ihr Erkennungszeichen gewählt hat. Seit 2005 werden die Einbände der Zeitschrift von Künstlern aus Mitteldeutschland gestaltet. Der Reigen der Beteiligten reicht von Gerhard Altenbourg über Moritz Götze, Angela Hampel, Karl-Georg Hirsch, Horst Hussel, Gerda Lepke, Gerd Mackensen, Wolfgang Petrovsky, Uwe Pfeifer, Strawalde, Klaus Süß, Susanne Theumer, Hans Ticha, Max Uhlig und Kay Voigtmann bis zu Baldwin Zettl. So vereinen die Hefte beste Literatur und Grafik aus dem Osten.

Auf Einladung des Vereins der Bibliophilen und Grafikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e. V. sind ab 25. Juni 2022 im Literaturhaus Magdeburg 34 signierte Andrucke der Einbände und Originalgrafiken zu sehen. An den Heften lässt sich Buchgestaltung exemplarisch nachvollziehen, denn oft gilt es den geeigneten Ausschnitt einer Grafik auszuwählen und mit den typografischen Bausteinen abzustimmen, damit ein Umschlag entsteht, der Neugier auf das Titelthema weckt und ästhetischen Genuss gewährt.

Zur Eröffnung der Ausstellung stellen Jens-Fietje Dwars (Jena) und André Schinkel (Halle) das aktuelle Heft zu Novalis vor. Der eine ist Chefredakteur des „Palmbaums“, der andere von „Ort der Augen“. Beide lesen aus ihren jüngsten Büchern: aus „Goethes Erotica“ mit Zeichnungen von Gerd Mackensen und dem Erzählband „Die Stadt, die ich verlasse“. Kurzum: eine Lust für alle, die Worte und Bilder lieben – und mehr noch deren wechselseitige Bereicherung im schönen Buch.

Die Ausstellung ist vom 26. Juni bis 12. August zu sehen. Sie wird durch das Kulturbüro der Landeshauptstadt Magdeburg gefördert und durch den Verein Literaturhaus Magdeburg und die Zeitschrift "Palmbaum" unterstützt.

Der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist frei.

Vernissage: 25. Juni 2022, 15 Uhr
Ausstellung: 26. Juni bis 12. August 2022

Literaturhaus Magdeburg
Thiemstraße 7
39104 Magdeburg

Fr, 17.06.2022

Anonyme Zeichner Archiv, Zentrum für Aktuelle Kunst 2022

ANONYME ZEICHNER 2022

In der Ausstellung ANONYME ZEICHNER 2022 werden 600 Zeichnungen von 600 internationalen Künstlern präsentiert.

Die Arbeiten werden ohne Namensnennung der Urheber ausgestellt und zu einem symbolischen Einheitspreis von 250 € zum Verkauf angeboten. Die Anonymität der Zeichner kann nur durch einen Verkauf aufgehoben werden. Verkaufte Zeichnungen werden direkt von der Ausstellungswand genommen, Name und Herkunftsort der jeweiligen Künstler werden in die entstehende Leerstelle auf die Wand geschrieben. ANONYME ZEICHNER ist Konzeptkunst und Ausstellungsprojekt in einem: Die Arbeiten der beteiligten Künstler werden Teil einer großen Wandinstallation; zu einer hierarchielosen Hommage an das vielfältige Medium der Zeichnung.

Ab 20 Uhr können die Zeichnungen vor Ort in der Galerie gekauft werden. Online-Verkauf ab 20. Juni 2022.

Weitere Informationen.

Eröffnung: 17. Juni, 18 Uhr, Begrüßung: Dorothee Bienert, Fachbereichsleiterin Kultur, Grußwort: Karin Korte, Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport, Einführung: Anke Becker, Projektgründerin Anonyme Zeichner
Ausstellung: 18. Juni – 24. August 2022

Galerie am Körnerpark
Schierker Straße 8
12051 Berlin-Neukölln

Do, 16.06.2022

Hot Printing

In Offenbach findet im Juli das erste Druckfestival "Hot Printing" statt.

Bunt und vielfältig wird es werden! Das Druckfestival wird Treffpunkt für ca. 60 Künstlerinnen und Künstler, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Thema Drucken beschäftigen. Eine junge und agile Szene zeigt ihre Druckerzeugnisse vom gesiebdruckten Plakat über traditionellen Buchdruck bis zum Comic oder Zine in Knallfarben aus dem Risodrucker.
Drucken spielt in Offenbach historisch eine große Rolle. Die Lithografie wurde ausgehend von Offenbach im 18. Jahrhundert in die Welt verbreitet und legte den Grundstein für Plakat- und Bilderdruck, wie er heute allgegenwärtig ist. Das Offenbacher Klingspor Museum sammelt Druckkunst ab 1900 mit dem Schwerpunkt auf moderne und zeitgenössische Druckerzeugnisse. Der Einladung zum Festival nach Offenbach folgte eine Flut an Bewerbungen aus aller Welt. Aussteller aus Offenbach und Umgebung freuen sich nun neben Druckbegeisterten aus Leipzig, Hamburg und Mexico City auf ebenso vielfältige Besucherinnen und Besucher des Festivals. Alle Standbetreiber beteiligen sich mit einem Programmpunkt, so dass nicht nur geschaut und geshoppt werden kann, sondern auch eigenes Drucken angesagt ist. Die Workshops richten sich sowohl an erfahrene Drucker, wie an alle anderen neugierigen Erwachsenen und Kinder, die vielleicht ein Festival-T-Shirt oder eine Postkarte drucken möchten.

Unter den Teilnehmern sind Barbara Beisinghoff, Buchkunst Burg Giebichenstein, Carpe Plumbum, Edition Schwarzdruck, Edition Wasser im Turm, Annegret Frauenlob, Freie Druckgrafik HfG Offenbach, Anja Harms und Eberhard Müller-Fries, Neue Cranach-Presse, ‹usus› Uta Schneider & Ulrike Stoltz, Verein für die Schwarze Kunst und DIE ZWIEBELFISCHE.
Parallel findet im benachbarten BOK - Bund Offenbacher Künstler die Ausstellung: Patrick Fauck »Der Mond brennt im Ofen / Druckgrafik« und im Haus der Stadtgeschichte Offenbach die Ausstellung: »Unbekannt – Farbholzschnitte vom Anfang des 20. Jahrhunderts« statt.

Festival: 9. und 10. Juli 2022
Ausstellung "Unbekannt": 10. Juli – 4. September 2022

Offenbach 
Hof des Büsing Palais
Klingspor Museum
Druckwerkstatt im Bernardbau u.a.

Mi, 15.06.2022

Druckerzeichen der Aldus-Presse

Buchschätze der venezianischen Renaissance

Die Landesbibliothek Oldenburg zeigt ihre Aldínen-Sammlung in zwei öffentlichen Ausstellungen.

Die 263 Bücher umfassende Sammlung wird im Rahmen eines vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderten Forschungsprojekts seit 2020 erstmals systematisch untersucht und wissenschaftlich beschrieben.
Die Bücher des venezianischen Druckers und Verlegers Aldus Manutius (1450 – 1515) sind herausragende Zeugnisse der frühen europäischen Druckgeschichte. Er veröffentlichte antike Texte in aktuellen humanistischen Editionen und mit innovativer Typographie. Schon im 16. Jahrhundert wurden die sog. „Aldinen“ europaweit zu gesuchten bibliophilen Sammelobjekten.
Bei den Forschungen machte das Wissenschaftlerteam um Projektleiter Prof. Dr. Detlef Haberland einen spektakulären Fund: Eine bisher unbekannte Miniatur führt zu einem der berühmtesten Renaissancekünstler in Deutschland.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Buchschätze der venezianischen Renaissance aus der Offizin des Aldus Manutius“ hält Prof. Haberland einen öffentlicher Vortrag.

Eröffnung: 21. Juni 2022, 19 Uhr
Ausstellung: 22. Juni - 16. Juli und 15. September - 15. Oktober 2022

Landesbibliothek Oldenburg
Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg