Pirckheimer-Blog

Fr, 11.02.2022

BAUHAUS-SAMMLUNG HERZOGENRATH

Im Oktober 2020 erschienen im Roten Antiquariat und der Galerie Meridian unseres Mitglieds Christian Bartsch die Kataloge "Fotografie und Archivalien", sowie "Kurt Kranz", im Juni 2021 wurden die Kataloge "Bücher" und "Typografie und Kunst" ausgeliefert.

Mit dem Katalog "Fotografie in Vintageprints" findet diese Katalogreihe zur Bauhaus-Sammlung Herzogenrath seinen Abschluss.
Der Katalog enthält 103 Fotos, in der Mehrzahl von Erich Consemüller, aber auch von Oskar Schlemmer, Alfred Erhard oder Louis Held, Andreas Feininger und anderen.

Zu beziehen sind die Kataloge über Rotes Antiquariat und Galerie C. Bartsch | Knesebeckstraße 13/14 | 10623 Berlin-Charlottenburg.

Do, 10.02.2022

Thomas M. Müller & Sonnensegel

Jetzt steht es fest: es wird einen zweiten "BRANDENBURGER BILDERBOGEN" geben. Namhafte Künstlerinnen und Künstler (darunter auch die tollen "augen:falter"- Frauen) haben zugesagt, einen Linolschnitt zum Thema "Rendezvous" beizusteuern, der in der Kinder u. Jugend Kunst Galerie "Sonnensegel" e.V. gedruckt wird.

Als Vorab- Schmankerl gibt es hier schon einmal die Illustration von Thomas M. Müller zu sehen. Am Tag der Druckkunst 2022 (15. März) wird der Bogen in seiner ganzen Pracht fertiggestellt.

(Sven Märkisch)

Dessislava Vardjieva-Eckardt auf der artbook.berlin 2017 mit dem von ihr gestaltetet Titel Bertolt Brecht - Ballade von den Seeräubern mit Holzstichen von Stefanie Schilling, 50 sign. und num. Expl. (Foto © ad)

124 Jahre Bertolt Brecht

Heute vor 124 Jahren wurde Bertolt Brecht geboren. Der Liedermachers Diether Dehm erinnert an diesen, nach William Shakespeare international meistgespielten, Autor:

"Wer besonders empfindlich unter dem Chaos der Eindrücke „leidet“, sucht nach besonders zusammenhaltender Ordnung. Köpfe brauchen Übersicht. Brecht fand diese zunächst in der Naturwissenschaft, der Medizin, dann im Marxismus. Mit dessen Gebrauch erlangte er nicht nur Weltrang, sondern wurde der umwälzendste dichterische Schöpfer deutscher Sprache in Liebeslyrik, Songs, dialektisch realistischem Theater, in Alltagssprache und Philosophie. Er kannte eigentlich nur eine Feindschaft: die gegen Ausübende des Monopolkapitals, das vom Bekriegen, Verhungern, Verdursten und Ausplündern profitiert. Als Humanist bat er allerdings um Nachsicht für Mitläufer:

Selbst die auf ihn schossen
waren nicht andere als er
und nicht ewig auch unbelehrbar.
(Über den Tod eines Genossen).
"

Angela Hampel & Sonnensegel

Der bekannten Dresdener Malerin und Grafikerin Angela Hampel gefiel der Drachen- Kalender der Kinder u. Jugend Kunst Galerie "Sonnensegel" e.V. so gut, dass sie sich mit einem eigenen Blatt bei den Kalendern-Machern bedankte.

Die Algrafie "Kleiner Drache" stammt aus der Grafik- Edition der DDR-Kultur-Zeitschrift "Sibylle". Auch dieses wichtige Magazin gibt es nicht mehr - somit ist der "Kleine Drache" nicht nur ein tolles Kunstwerk, sondern auch schon ein Stück Geschichte ...

(Sven Märkisch)

Mi, 09.02.2022

Leipziger Buchmesse 2022 abgesagt!

Wie im Börsenblatt vor 2 Tagen richtig vermutet (siehe hier) wurde die Leipziger Buchmesse nach anfänglichem Optimismus vor einer Woche nun doch endgültig abgesagt.

Das betrifft auch die Leipziger Antiquariatsmesse und damit ist auch die Teilnahme der Pirckheimer-Gesellschaft am Graphikmarkt innerhalb der Messe in diesem Jahr nicht möglich. Die betroffenen Aussteller, wie auch die Pirckheimer blicken jetzt zuversichtlich auf das Jahr 2023, wo die Messe für den 23. - 26. März vorbereitet wird.

Thomas Ranft: Finissage mit Lesung

Es ist die letzte Gelegenheit, im Literaturhaus Magdeburg das Ergebnis der intensiven künstlerischen Auseinandersetzung von Thomas Ranft mit Hölderlins Briefroman „HYPERION“ zu erleben. Zu sehen sind 22 Radierungen sowie Textblätter, die der Künstler geschaffen hat. Der Künstler steht nicht nur für Gespräche über sein grafisches Werk zur Verfügung, sondern wird zusätzlich eigene Texte lesen.

In ihrer Laudatio zur Eröffnung der Ausstellung des Vereins der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e.V. "Willibald Pirckheimer" sagte die Kunstwissenschaftlerin Eva Reulecke: Hölderlins Briefroman Hyperion war für Thomas Ranft „immer nur Anstoß für seine Radierungen und experimentellen Blätter. Er reflektiert und improvisiert Hölderlins Text für seine eigenen Arbeiten. Es ist seine Auseinandersetzung mit einem großartigen Literaten, der ihn inspiriert märchenhafte- und rätselhafte Motive und Räume aufzugreifen, die verwoben, versponnen, halluzinativ sind um dadurch die Vorstellungskraft beim Betrachter zu verstärken. Er erschafft Traumwelten eines großen Dichters, die keine Erklärung brauchen. … Das Auge hat eine Vielfalt, Fülle und Dichte von Formen zu bewältigen. Begebenheiten und Zustände sind in seine Arbeiten hinein gewebt. Dabei gibt er harmonische und brüchige Räume wieder. Natur und Menschenwerk, Phantastik und Präzision, Ferne und Nähe, Licht und Schatten, Tod und Wachstum begegnen einander. Es entstehen Harmonien mit weiten Bildräumen. Hinzu kommen die feinsinnig differenzierten Tonwerte in den Landschaften.“

12. Februar 2022, 15 Uhr, 2G+
Anmeldung unter Telefon 0391 404 49 95 oder 0178 877 02 44

Literaturhaus Magdeburg
Thiemstraße 7, 39104 Magdeburg

Di, 08.02.2022

© Turbo Type

Beyond the Archive

Von der Gießerei zum Klingspor Type Archive

In Offenbach war mit Gebr. Klingspor eine international bekannte Schriftgießerei ansässig, die mit ihrem künstlerischen Anspruch Maßstäbe setzte. Ihr Nachlass bildet heute einen der Kernbestände des Archivs im Museum. Die erhaltenen Objekte gewähren einen einmaligen Einblick in die Arbeitsprozesse der Schriftgestaltung im frühen 20. Jahrhundert.
Aber wie ist der Blick heute, 100 Jahre später, auf dieses Archiv und das darin lagernde Material? Wie kann es neu befragt werden? Und was können wir heute noch von ihm lernen?
Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Klingspor Institut für Schriftgestaltung und wird von HfG-Studierenden konzipiert und umgesetzt. Passend dazu wird zeitgleich das Klingspor Type Archive, eine digitale Archivplattform, entwickelt.

Ausstellung: 12. März - 29. Mai 2022, aktuell gilt 2G+

Klingspor-Museum
Herrnstraße 80, 63065 Offenbach

Mo, 07.02.2022

klick nebenstehend Leipziger Buchmesse 2019

Leipzig erneut vor dem Aus?

"Als Sachsens Staatsregierung versprach, die Buchmesse dürfe stattfinden, wurde rasch klar, dass sie eher nicht stattfinden wird.
[...]
Das wird wohl wieder nichts mit Leipzig, zum dritten Mal in Folge. Seit Mitte letzter Woche, als bekannt wurde, dass die sächsische Staatsregierung den Weg für eine Frühjahrsbuchmesse politisch freigemacht hat, rollt die Welle der Absagen. Große, mittlere, kleine Aussteller – zahlreich ergreifen sie die Flucht. Viele hatten vermutlich bis zuletzt gehofft, die Politik mit ihrem strikten Vorsichtskurs werde den Verlagen die Entscheidung abnehmen. Das tat sie diesmal nicht."

(Torsten Casimir im Börsenblatt)

... gesamten Artikel hier lesen
... Fotos von der zuletzt 2019 stattfindenden Leipziger Buchmesse hier.

 

So, 06.02.2022

Jahresversammlung der Schweizer Bibliophilen

Die Jahresversammlung der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft wird in diesem Jahr am 25. und 26. Juni in Glarus stattfinden.

Geplant ist ein Besuch der Landesbibliothek und der der Stiftung Mandl, einer Sammlung von Handschriften, alter Drucke und signierter Bücher, sowie der des historischen Kontors der Fa. Jenny & Co. und des Textildruckmuseums Webmaschinen, sowie des barocken Herrenhauses Freulerpalast.

Die Generalversammlung findet am 25. Juni 2022 im Hotel Glamerhof statt.

Sa, 05.02.2022

Henry David Thoreau, THE SUN IS BUT A MORNING STAR mit 18 Holzschnitten von Anne Büssow, Abb. © Eckhard Froeschlin

THE SUN IS BUT A MORNING STAR

Der amerikanische Dichter Henry David Thoreau verbrachte über zwei Jahre in einer selbst gebauten Hütte in den Wäldern von Massachusetts, um bewußt und achtsam zu leben, an den Grundlagen des Lebens und der Natur. Sieben Jahre später erschien 1854 sein Buch WALDEN, in dem er das Lob der Einsamkeit und der Besinnung auf sich selbst singt, und das zu einem Meilenstein der amerikanischen Literatur wurde.

Dass H. D. Thoreau in einer einsamen Waldhütte lebte und später der Verteidiger zivilen Ungehorsams war, ist in der Regel bekannt, aber seine Schriften selbst werden hier wenig gelesen, so unzeitgemäß frisch und aktuell sie auch sind.
Seine bekannteste Schrift WALDEN, OR LIFE IN THE WOODS hat die Künstlerin Anne Büssow zu einem Künstlerbuch gebracht. Zweisprachig und im Dialog von handgesetztem Text und auf Holzdruckplatten freigeschnittenen floralen Formen spüren wie Wachstumsnotate dieser Erforschung der Natur nach.

Henry David Thoreau, THE SUN IS BUT A MORNING STAR
Deutsche Übersetzung von Emma Emmerich und Tatjana Fischer
Mit 18 Holzschnitten, teils zweifarbig und doppelseitig
Konzept, Handsatz aus der Weiss Antiqua 20 p, Holzschnitte und Druck: Anne Büssow
36 Seiten, Arches Bütten 300g, 35x28 cm
Fester Einband mit originalgraphisch bedrucktem Bezug, geprägtem Lederrücken und Schuber von Roger Green
Auflage 33, € 1.100 

EDITION SCHWARZE SEITE
Eckhard Froeschlin
Alte Papierfabrik, Fabrikstr. 32-40, 72516 Scheer

Fr, 04.02.2022

Der Künstlerbuch-Almanach Common Sense (SLUB Dresden, Sign. 1.G.4.45)

Der Gemeinsame Nenner

1989, kurz vor dem Ende der DDR, erschien der erste Band des Künstlerbuch-Almanachs COMMON SENSE. Er steht in der Tradition der Künstlerbücher und originalgrafischen Zeitschriften, die vor allem in der späten DDR ein viel genutztes Medium experimentierfreudiger Künstler und kritischer Literaten waren, trotz und wegen der (kultur-) politischen Einschränkungen zu publizieren. Konzipiert als Jahrespublikation, vereint der Almanach COMMON SENSE Beiträge einer Vielzahl von Künstler und Autoren; bis zum Abschluss der Reihe 2018 waren es über 500 Beteiligte. Herausgegeben wurde er vom Schriftsteller Jörg Kowalski und dem Künstler Ulrich Tarlatt, die 1987 in Halle (Saale) die edition augenweide gegründet hatten, um Künstlerbücher mit mehr Freiraum für künstlerische und literarische Experimente, als es das Verlagswesen der DDR vorsah, herzustellen.

Schon zu Beginn der 1980er Jahre kamen Herausgeber dieser Publikationen auch auf die Sächsische Landesbibliothek, heute SLUB Dresden, zu, um die Bücher für den Erwerb anzubieten. Der Zustimmung und Unterstützung Burghard Burgemeisters, des damaligen Generaldirektors, ist es zu verdanken, dass die Bibliothek fortan, ergänzend zur offiziellen Verlagsproduktion, auch diese nicht unproblematischen, weil ohne Druckgenehmigung erschienenen Medien regelmäßig erwarb. Auch der neuen Almanach gelangte fortan bis zur Fertigstellung des letzten Bandes 2018 als Fortsetzungsbestellung vollständig in den Bestand.

Der Abschluss des Almanachs nach 30 Jahren ist Ausgangspunkt für die neue Ausstellung in der Corty-Galerie der SLUB Dresden. Anhand von über 100 Einzelgrafiken lässt sie 30 Jahre COMMON SENSE Revue passieren und setzt den Almanach in den Kontext der 1986 gegründeten Grafik- und Künstlerbuchsammlung der SLUB Dresden, deren Schwerpunkt auf der nonkonformen Buchkunst der späten DDR liegt und die zu einer der herausragenden Sammlungen des Hauses zählt.

Ausstellung: 31. Januar - 3. Juli 2022

SLUB Dresden | Corty-Galerie

Do, 03.02.2022

Baldwin Zettl, Sternenschauer, Kupferstich 2019, 38 x 53,5 cm (22 x 36 cm)

Baldwin Zettl, Sternenschauer

1988 war der Titel von Willibald Pirckheimer "Verteidigungsrede oder Selbstlob der Gicht", illustriert mit zehn Kupferstichen von Baldwin Zettl, Jahresgabe unserer Gesellschaft. Auch das erste Blatt der 2019 begründeten Sammlung von Originalgraphik „Edition Pirckheimer“ stammt von Baldwin Zettl.

Den Meister des Kupferstichs präsentieret die akanthus galerie im westwerk leipzig derzeit in einer über das gesamte Schaffen reichenden Werkschau, darunter so bekannte Blätter wie „Die sieben Todsünden“ (2000) und Einzelblätter aus den Zyklen „Faust I“ (2005) oder „Dantons Tod“ (2011/12).

Der Inhaber der Galerie Jürgen M. Pietsch gibt in einer exklusive und limitierte Auflage von 49 Exemplaren, nummeriert und signiert, den Kupferstich „Sternenschauer" von 2019 dieses Künstlers heraus, gedruckt auf Kupferstichkarton, Römerturm 250g, mit dem Prägestempel der Galerie und einem, von Manfred Jendryschik für dieses Blatt verfassten Text "Die Weltall-Legende, ein Nebenstrang". Die Edition kostet 500 Euro.

Ausstellung: 3. Dezember 2021 - 26. Februar 2022

​akanthus-galerie im westwerk
Karl-Heine-Straße 89, 04229 Leipzig

Mi, 02.02.2022

Abb. © Galerie DRUCK & BUCH

Friedrich Hölderlin "MNEMOSYNE"

Im Rahmen Ausstellung "Best of 2021" der der Galerie DRUCK & BUCH findet am Donnerstag ein Buchgespräch mit Anja Harms zu ihrem neuen Künstlerbuch zu Friedrich Hölderlin statt.

Die Künstlerin hat in diesem Buch dem rätselhaften Gedicht von Friedrich Hölderlin "MNEMOSYNE" Raum gegeben.
Bilder, Formen und Materialien thematisieren zusammen mit Friedrich Hölderlins Text Erinnerung und ihren Widerpart, das Ver­gessen. Die diffusen Flächen, malerisch mit Acrylfarben in vielen Schichten aufgetragen, korrespondieren mit dem Verschwinden des Textes auf durchscheinendem Transparent­papier. Zeichnerische schwarze Linien, als Linolschnitte gedruckt, bilden einen harten Kontrast zu den weichen Flächen; sie bewegen sich im Grenzbereich zwischen figürlichen und abstrakten Formen.

Buchgespräch (online): 3. Februar 2022, 19 Uhr

Link zum Gespräch

James Joyce, Ulysses, hinten: Erstausgabe 1922, vorn: Vorzugsausgabe von Volk und Welt 1980, Vignette Horst Hussel

100 Jahre Ulysses

Heute vor 100 Jahren erschien der Roman „Ulysses“ im Verlag der Pariser Buchhandlung Shakespeare & Company in einer Auflage von 1.000 nummerierten Exemplaren. In 18 Episoden beschreibt James Joyce, der am Erscheinungstag 40 wurde, das Leben von Leopold Bloom, einem Anzeigenakquisiteur bei einer Dubliner Tageszeitung.

Der Roman erschien in in der DDR unter Lizenz des Suhrkamp Verlags 1980 in der Übersetzung von Hans Wollschläger im Verlag Volk und Welt im Rahmen der Gesamtausgabe des Autors in Einzelbänden. Beigelegt sind dieser Ausgabe eine Worterklärung und ein Nachwort von Wolfgang Wicht.

Das 100. Jubiläum der Erstveröffentlichung feiert Suhrkamp mit der Kampagne „30 Tage Ulysses lesen“. Diese soll mit einem Newsletter helfen, die erste Episode des Klassikers zu lesen. Dazu werden die ersten 70 Seiten in Leseabschnitte mit einer Lesezeit von maximal 10 Minuten unterteilt. Angereichert werden die Textstücke mit Hintergrundinformationen und Buchtipps rund um James Joyce und sein Werk. Unter allen Newsletter-Abonnenten werden zehn Exemplare der Jubiläumsausgabe in Wunschfarbe verlost. Mehr Informationen: 100 Jahre »Ulysses« von James Joyce. Der erste Newsletter wird heute verschickt.

Di, 01.02.2022

Hamburger Bothe 8

... In der aktuellen Ausgabe stellt sich der Maler, Zeichner und Graphiker Rainer Ehrt mit einem eingehenden Text über sein Leben und sein Schaffen, auch über seine politische Sicht auf dieses Land selbst vor und präsentiert sich auch in einem Bild. Beide Seiten dieses Künstlers, seine schriftstellerischen und natürlich auch seine bildnerischen, sollen in einem Buch zusammengeführt werden, das der Verlag Angeli & Engel herausbringt, versehen mit einer originalgraphischen Beilage für die Vorzugsausgabe. Dafür können sich Interessenten schon jetzt vormerken lassen. Auch einen Autor präsentieren wir – wie gewohnt – in dieser Nummer des „Bothen“. Diesmal ist es der Schriftsteller Manfred Hausin, der vor allem mit Gesellschaftskritischem hervorgetreten ist und viele Texte für engagierte Liedinterpreten wie Hannes Wader, Joana oder die „Melankomiker“ verfasst hat. ...

(Peter Engel, Editorial)

Hamburger Bothe Nr. 8 (pdf)
Post für bibliophile Leser und Sammler

rechts: Mein Vorurteil gegen diese Zeit, Büchergilde Gutenberg 1932 | lks.: Literatur-Alphabet, Jahresgabe 1979 der Pirckheimer-Gesellschaft

Bibliophiles des Monats - Mein Vorurteil gegen diese Zeit

Bibliophiles des Monats“ Februar ist eine Ausgabe der Büchergilde Gutenberg von 1932 „Mein Vorurteil gegen diese Zeit. Karl Rössing. 100 Holzschnitte.
Die Ausgabe enthält 99 ganzseitige Abbildungen in Originalgröße von Galvanoplastiken nach den Originalstöcken, sowie 1 Schlussvignette, nach Holzstichen von Karl Rössing. Den Abbildungen ist ein Vorwort des Künstlers vorangestellt. Das Buch hat das Format 4°, enthält 207 S., in Originalleinen mit Textprägung, gebunden mit SchU.

Ein Reprint dieses klassischen Buches politischer Graphik der Weimarer Republik erschien 1974 aus Anlass des 50jährigen Bestehens der Büchergilde Gutenberg.

Das Werk des 1987 neunzigjährig verstorbenen Österreichers Karl Rössing ist den Mitgliedern unserer Gesellschaft gut vertraut; es wurde ausführlich mehrfach in den Marginalien behandelt und ist auch heute noch Thema von Pirckheimer-Abenden. So hielt der Schriftkünstler Prof. Fritz H. Ehmcke aus München, der selbst einen großen Anteil an der Beförderung moderner Buchkunst hatte und 1963 den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig erhielt, 1960 vor den Pirckheimern in mehreren Regionalgruppen Vorträge zu Karl Rössing, einem politischen Künstler, der den Holzstich bevorzugte und mit diesem vorwiegend im Kleinformat eine beispielhafte Aussagekraft erreichte und der sich ab den 50ger Jahren mehr dem Clair-Obscur-Stich zuwandte, den er in Drucken größeren Formats auch als Wandgraphik anwandte. Mit seiner Illustration von etwa 40 Büchern leistete er Hervorragendes. Neben dem hier vorgestellten sei hier nur "Münchhausen" (Kurt Wolff Verlag 1919) und Gottfried Kellers "Der Schmied seines Glücks" (Insel-Verlag 1921) genannt.

1979 erhielten Pirckheimer als Jahresgabe die erstmals in Buchform erschienene Neuausgabe „Literatur-Alphabet“ von Karl Rössing mit 18 ganzseitigen, in Originalgröße reproduzierten Holzstichen, eine einmalige Auflage in 1400 Expl., gestaltet von Albert Kapr und gesetzt und gedruckt in den Werkstätten der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Mo, 31.01.2022

Alice Wanke, Eigenexlibris (Ex musicis), zweite Fassung, 1936. Radierung, 140 x 138 mm

Exlibris Jahrbuch 71

Als Band 71 liegt nun das immer mit einer gewissen Spannung erwartete Jahrbuch der Österreichischen Exlibris Gesellschaft vor, das wie die Vorgänger eine Anzahl wichtiger Informationen über das Geschehen auf dem Bereich des Exlibris in Österreich berichtet, umfangsreich und gut illustriert. Das Jahrbuch ist nicht im Mitgliedsbeitrag der ÖEG enthalten und kann separat gekauft werden.

Der erste Artikel berichtet über das Künstlerehepaar Luigi Kasimir und Tanna Kasimir-Hoernes und ist eine Ergänzung zu den Daten, die bereits auf der Internetseite der ÖEG stehen.
Der folgende Artikel bezeugt, dass sich das Jahrbuch nicht nur mit Exlibris beschäftigt. Georg von Oppel berichtet eingehend über Leben und Werk des akademischen Malers und Radierers Hans Massmann (geboren in Bukarest 1887 und verstorben in Wien 1973), der im ursprünglichen Sinne auch Exlibris schuf. Sein von Hand mit Tinte oder Tusche direkt in die Bücher eingetragenes Eigner Zeichen ist noch vom Jugendstil beeinflusst. Dem Jahrbuch ist als einzige Originalbeilage der Nachdruck einer Strichätzung beigefügt.
In einem weiteren Artikel stellen Irmgard Linke-Traunfellner und Eleonore (Nora) Strebl einen Briefwechsel zur Verfügung zwischen Rudolf Schmidt (1894 - 1980), Bildhauer und Medailleur und Franz Traunfellner (1913 - 1986), Maler und Grafiker.
Johannes Diethart und Karl F. Stock beschäftigen sich mit griechischen Devisen auf Exlibris und präsentieren nicht weniger als 18 Exlibris mit einer Spannweite von Hector Böhmer, Willibald (Bilibaldus) Pirckheimer über Gabriele D’Annunzio bis zu Paul Pfister und Remo Palmirami.
Ein interessantester Artikel des Jahrbuches stammt aus der Feder von Claudia Karolyi: Nachgewiesene Exlibris, nicht realisierte Entwürfe und motiv-verwandte freie Grafik von Alice Wanke.
Weiter sind zwei Cossmann-Texte für alle Cossmann-Verehrer (und deren gibt es noch immer viele) von Bedeutung, denn sie liefern eine sehr persönliche Beschreibung aus der Sicht des Künstlers seiner Kindheit und seiner Ausbildungszeit wie auch Namen einiger seiner Lehrer.

(Klaus Rödel, FISAE Newsletter 99)

So, 30.01.2022

Abb. zu "Die Brüder Grimm und ihre Zeit": Die Märchenerzählerin erzählt Kindern Märchen unter einer Laube, in der sich Zwerge tummeln. Altkolorierter Kupferstich in: Deutsches Märchenbuch, hrsg. von Ludwig Bechstein, Leipzig 1874
Katalog "Märchen, Sagen und Symbole"
Wolpertinger, Abb. zu "Fabeln und Fabelwesen"

Märchen, Sagen und Symbole

1.530 Kilogramm schwer ist der Katalog „Märchen, Sagen und Symbole“. Doch dieses Gewicht ist nicht der Grund, um auf ihn im Pirckheimer-Blog hinzuweisen. Er bietet nicht nur, wie der Titel vermuten lässt, einen Überblick über Sagen, Märchen und Symbole, sondern hält auch mehrere Aspekte bereit, die den Buch- und Grafiksammler besonders interessieren dürften.
Erschienen ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des Liechtensteinischen LandesMuseums Vaduz, die am 31. März vergangenen Jahres eröffnet wurde. Dank einer Kooperation mit dem Winckelmann-Museum ist die Ausstellung „Märchen, Sagen und Symbole“ aktuell ebenfalls in Stendal (Altmark) zu sehen, noch bis zum 27. März 2022.

Der liechtensteinischen Museumsdirektors Prof. Dr. Rainer Vollkommer betont, dass die Publikation genau genommen kein Ausstellungskatalog ist, sondern ein Begleitbuch, das sich inhaltlich an die Ausstellung anlehnt und mit Beiträgen zur Thematik und einer Auswahl von in der Ausstellung gezeigten Objekten, Büchern und Dokumenten vertiefte Einblicke in einzelne Bereiche gibt. 15 Autorinnen und Autoren, nicht nur aus Liechtenstein haben daran mitgewirkt. Rund 632 teils ganzseitige Abbildungen illustrieren die Themen, angefangen von der Steinzeit bis zur Gegenwart.
In seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung sagte Rainer Vollkommer: „Es hat noch nie auf der Welt eine Ausstellung gegeben, wo man die Entwicklung von Sagen, Märchen, Mythen, Legenden und Fabeln von ihren Ursprüngen betrachtet bis in die heutige Zeit.“ Das spiegelt sich auch im Begleitbuch wider.

Im ersten Teil setzen sich verschiedene Autoren vertiefend mit einzelnen Themen auseinander. Den Anfang macht Kurt Wehrberger mit einem Beitrag über den Löwenmensch vom Lonetal, eine fast 30 Zentimeter große Figur in menschlicher Haltung mit einem Tierkopf. Ihr Alter wird auf rund 40.000 Jahre geschätzt.
Dr. Wolfgang Wettengel, Ägyptologe und stellvertretender Kurator der Ausstellung, befasst sich in mehreren, umfassend bebilderten Beiträgen mit aus seiner Sicht drei internationalen Wurzeln: erstens den Mythen, zweitens den Sagen und drittens den Märchen. Insbesondere geht er auf die Brüder Grimm und ihre Zeit ein sowie auf Schloss Neuschwanstein und König Ludwig II., der oft als „Märchenkönig“ tituliert wird. Die Gegenwart spielt eine Rolle, wenn sich Wettengel den Märchen im 21. Jahrhundert widmet mit ihren „neuen Helden“ wie dem Zauberer Sauron aus Tolkiens „Herr der Ringe“, Harry Potter aus Joanne K. Rowlings Romanen oder Luke Skywalker als der „Lichtgestalt“ von „Star Wars“.
Vor allem für Sammler von Sagen- und Märchenbüchern unter den Pirckheimern könnte ein Beitrag besonderes Interesse wecken. Auf 22 Seiten beschäftigt sich der „Märchenpapst“ Heinz Rölleke speziell mit Liechtensteiner Sagen. „Eine solche wissenschaftliche Analyse“ habe es bisher noch nicht gegeben, so die Einschätzung von Rainer Vollkommer.
Nicht so speziell, aber doch insbesondere für den Bibliophilen von Interesse sind zwei Beiträge von Dr. Andreas Bode, der „Zur Illustration der Märchen der Brüder Grimm in Deutschland“ und über „Illustrationen zu anderen bedeutenden Märchensammlungen“ geschrieben hat.
Beim Thema Illustration haben sich die Ausstellungsmacher etwas Besonderes einfallen lassen. Sie haben die Künstlerin Eliane Schädler gewinnen können, zehn ausgewählte Liechtensteiner Sagen zu illustrieren. Gezeigt wird aber nicht nur das Ergebnis. Eliane Schädler lässt in ihrem Beitrag im Begleitbuch die Leser am Entstehungsprozess teilhaben. Angefangen von der Recherche zu vorhandener Literatur und Bildumsetzung über die eigen Ideenfindung und die wichtigsten Etappen in der Umsetzung. Eliane Schädler schreibt über ihre Annährung an die Aufgabe: „Die meisten der Liechtensteiner Sagen sind landschaftlich verortet, dafür sind die wenigsten zeitlich verankert. Der Ort lässt also nur begrenzten Interpretationsspielraum, die Zeit ist hingegen völlig offen. Obwohl das Jetzt, die Vergangenheit und die Gegenwart im selben Bild dargestellt werden können, fand ich für diese Illustrationen den Entscheid nötig, ein einigermaßen kohärentes Zeitbild zu erzeugen.“ Anhand ausgewählter Bildbeispiele zeigt sie den Weg von der Idee zur Skizze, weiter zur Farbskizze, zur verfeinerten Farbskizze und Linienzeichnung bis zur fertigen Illustration, einer Gouache.

Der zweite Teil des Begleitbuches – der klassische Katalogteil - zeigt eine Auswahl der ausgestellten Objekte, jeweils ergänzt mit kurzen Kommentaren. Er beginnt mit der Abbildung einer Götterliste aus Ton aus dem 26. Jh. vor Christus, die einen der frühesten Belege des Gilgamesch enthält und endet mit den bereits erwähnten zehn Illustrationen, die Eliane Schädler für die Ausstellung geschaffen hat. So lange, wie Märchen, Sagen und Symbole die Entwicklung des Menschen begleiten, so umfassend finden diese ihren Niederschlag in Kunst und Kultur, wovon der Katalogteil einen entsprechend breitgefächerten Eindruck vermittelt, von Tontafeln und Keramik über Waffen, Zeichnungen und Drucke, Aquarelle und Holzskulpturen, Blechschilder, einem Schachspiel und Handschriften bis hin zu Bronzen oder Schulwandbildern.

(Ralf Wege)

Rainer Vollkommer (Hrsg.), Märchen, Sagen und Symbole
Vaduz 2021
632 Abbildungen, 404 Seiten, dtsch./engl.
38 Euro
ISBN 978-3-9525059-3-9

Sa, 29.01.2022

66 Jahre Pirckheimer-Gesellschaft

Vor 66 Jahren fand im Berliner Café Budapest die Gründungsveranstaltung der Pirckheimer-Gesellschaft statt. Diese Organisation ist damit zwar nur halb so alt, wie die beiden anderen überregionalen deutschen Bibliophilen-Verbände, aber von der Mitgliederzahl auch die zweitstärkste von ihnen.

In Erinnerung an die Gründung verloste die Pirckheimer-Gesellschaft einige Bücher bei Beantwortung der Frage nach dem Titel ihres ersten Drucks, der den Anwesenden auf der Gründungsveranstaltung übergeben wurde. Dieser Titel wurde vor genau einem Jahr hier als Bibliophiles des Monats vorgestellt.

Die richtige Antwort lautet also "29. Januar 1956".

Dieser erste Druck der Pirckheimer-Gesellschaft enthält zwei Texte: die Anekdote "Herzog von Alba bei einem Frühstück auf dem Schlosse zu Rudolstadt im Jahre 1547" von Friedrich Schiller und die betreffende Passage der von Schiller für seine Schrift genutzten Quelle aus "Res in Ecclesia et Politia Christiana gestae Rudolstadt 1670" von J. Söffing. Die Nennung mindestens eines dieser Titel galt damit ebenfalls als richtige Antwort. Ebenso wurde als korrekte Antwort auch "Heft Null der Marginalien" gewertet. Insider nennen dieses Heft so, da das Layout dieses Drucks für die ersten dreizehn Ausgaben der Marginalien übernommen wurde.

Gewonnen haben

  • Udo H. (Neuenhagen) - Rainer Ehrt, "Zerstreute Sammlung, Erotische Geschichten", VEVAIS Editions 2021
  • Gabriele A. (Markranstädt) - Gorch Fock, "Seefahrt ist not!", Perlen der Literatur Bd. 2, Input-Verlag 2021
  • Sabine M. (Altenburg) - Georg Orwell, "1984", Perlen der Literatur Bd. 5, Input Verlag 2021
  • Gerhard P. (Halle) - Hannelore Valencak, "Das Fenster zum Sommer", Perlen der Literatur Bd.11, Input-Verlag 2021
  • Michael L. (Nürnberg) - Franz Werfel, "Eine blassblaue Frauenschrift", Perlen der Literatur Bd. 13, Input-Verlag 2021

Wir danken den Stiftern der Gewinne. Die Bücher gehen den Gewinnern in den nächsten Tagen zu.

Fr, 28.01.2022

© Simon Malz

Demokratie im Kinderbuch

Tiere, fantastische Wesen, Menschen oder Pflanzen – in bunter Vielfalt findet sich eine Auswahl an Gestalten im Kinderbuch wieder, die das Aufwachsen von Kindern begleiten. Daneben findet im Bilderbuch eine Vermittlung von Werten und Ideen statt, die Erwachsene für Kinder wichtig und richtig finden. Das Kinderbuch ist damit ein sehr gutes Abbild für das, was eine Gesellschaft gerade als Konsens erachtet, und neue Ideen und Diskurse bilden sich dort rasend schnell ab. Seit einigen Jahren finden zunehmend auch politische Themen Eingang in das Angebot aktueller Kinderbücher und das Bedürfnis nach Demokratieerziehung schlägt sich in Titeln wie ‚Im Dschungel wird gewählt‘, ‚Die Bestimmer‘ oder ‚Die Stimme der Frauen‘ nieder. Dr. Dorothee Ader stellt für das Buch des Monats im Februar aktuelle Titel zum Thema zusammen und spricht über das Thema Demokratie im Kinderbuch.

Buch des Monats: 4. Februar 2022 14 Uhr