Pirckheimer-Blog

Nachruf

Sa, 11.04.2026

Roland Berger (1942–2026). | © Abel Doering/Archiv

Abschied von Prof. Roland Berger

Am 04. April starb, wie von verschiedener Seite, so unter anderen der jungen Welt vom 09. April 2026, mitgeteilt wird, das langjährige (1969–2025) Pirckheimer-Mitglied Professor Dr. Roland Berger (1942–2026) nach langer Krankheit. Berger, der in Weinböhla in Sachsen geboren wurde, verstarb im Alter von 83 Jahren im brandenburgischen Hohen Neuendorf, wo er seit 1996 gelebt hatte. Er war neben seiner Mitgliedschaft in der Pirckheimer-Gesellschaft auch eine Reihe Jahre Vorstandsmitglied der Pirckheimer. Nach dem Abitur an der ABF der MLU Halle-Wittenberg studierte er Kunsterziehung und Deutsch an der Berliner Humboldt-Universität und war als Dozent tätig. 1976 erfolgte die Promotion, 1985 bis 1995 war er Professor mit künstlerischer Lehrtätigkeit am Fachbereich Kunsterziehung der Humboldt-Uni. Danach war er wieder als Lehrer und Dozent in den neuen Bundesländern tätig. Neben seiner kunstpädagogischen und akademischen Arbeit war Roland Berger auch immer als bildender Künstler tätig; sein umfangreiches Werk ist vielgestaltig und umfasst unter anderem Radierungen, Zeichnungen, Exlibris, Scherenschnitte – auch Plakate, Illustrationen und Publizistik ... Seine bevorzugten künstlerischen Haupttechniken waren indes der Holz- und der Linolschnitt, eines seiner thematischen Leitmotive ist der Harlekin. Er zeigte sein Werk in einer Vielzahl von Ausstellungen, seine Grafik erschien in Zeitungen, Zeitschriften, in der Edition Schwarzdruck – und nicht zuletzt auch in den Marginalien. So steuerte er u. a. etwa die Originalgrafische Beilage für die Mitglieder zum Heft 209 (Ausgabe 2013/1) der Zeitschrift für Buchkunst & Bibliophilie der Pirckheimer-Gesellschaft bei, auch den Jahrestreffen widmete er seine Gabe. Insbesondere waren auch seine originellen Neujahrsgrüße beliebt. Roland Bergers Arbeiten waren international bekannt und geschätzt. Auch Frottagen und Plastisches sind Teil seines Werks.

(André Schinkel im Namen der Pirckheimer-Gesellschaft)

Mo, 30.03.2026

Harz: Trauer um Alexander Kluge. | © Thomas Peters

Ein großer Halberstädter: Stadt trauert um Alexander Kluge

In einem bewegenden Statement nimmt das renommierte Gleimhaus in Halberstadt Abschied von einem der großen Söhne der Stadt – am 25. März 2026 war der große Autor, Filmemacher und intellektuelle Tausendsassa Alexander Kluge in seiner Wahlheimat München im Alter von 94 Jahren gestorben. Seine Herzens-Verbindung zu seiner „Vaterstadt“ hatte Alexander Kluge, der zu den bedeutendsten Denkern, Dokumentaristen und Schreibern der alten wie neuen Bundesrepublik zu zählen ist, nie verloren – 2017 bekam der vielfach, so auch mit dem Georg-Büchner-Preis und, ihn wohl besonders berührend, mit dem Klopstock-Preis des Landstrichs seiner Herkunft wie auch diversen Film- und Fernsehpreisen, Ausgezeichnete die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt, in der er 1932 als Sohn eines Arztes geboren wurde, verliehen. Mit dem Gleimhaus, seit vielen Jahren Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, hatte Kluge mehrere Projekte verwirklicht: „Das Gleimhaus realisierte in den vergangenen Jahren mehrere Ausstellungen zu und mit ihm. Eine dauerhafte Präsentation zu Alexander Kluges Leben und Werk ist für 2027 geplant. Das Gleimhaus verliert einen wichtigen Gesprächspartner und Freund. Wir sind traurig.“ Als Autor debütierte Kluge 1962 mit Lebensläufe. Er war Mitbegründer des Neuen deutschen Films. Sein Film Abschied von gestern (1966) mit seiner Schwester Alexandra in der Hauptrolle erhielt bei den Filmfestspielen in Venedig einen Silbernen Löwen. Eine Vielzahl Ehrungen und Auszeichnungen folgte dem nach, seine Stimme hatte international Gewicht. Seine Schilderung des Bombenangriffs auf Halberstadt am 08. April 1945 erschüttert. Am 28. Mai wird Kluge während der Jahrestagung der Akademie für Sprache und Dichtung während einer öffentlichen Veranstaltung im Großen Saal des Harztheaters seiner Vaterstadt (18.30 Uhr) noch einmal explizit geehrt; auch Ute Pott vom Gleimhaus wird dabei sein.

(André Schinkel)

So, 08.03.2026

Berlin: Abschied von Michael Ley

Am 06. Januar starb der Künstler und Pirckheimer-Freund Michael Ley (1953–2026) in Berlin. Am 06. März wurde ihm zu Ehren die Gedenkausstellung Abschied von Freunden in der Galerie Wolf & Galentz (Wollankstraße 112a, 13187 Berlin) mit Werken von Ley selbst, Achim Borsdorf, Udo Würtenberger und Giuliana Del Zanna eröffnet. Sie wird bis zum 19. April zu sehen sein und ist am Sonntag von 14.30 bis 17.30 Uhr und Montag von 17.30 bis 21.30 Uhr geöffnet. Die Beisetzung und Trauerfeier für Michael Ley findet am Donnerstag, den 19. März 2026, um 12 Uhr auf dem Friedhof St. Hedwig, Ort: Ollenhauerstraße 63, 13403 Berlin statt. Anfahrt mit dem Bus: M21, 122 bis Ollenhauerstraße, oder mit dem PKW: Parkplatz Friedhof Humboldtstraße, Treffpunkt: Kapelle. Die Abbildung zeigt eines der in der Galerie Wolf & Galentz ausgestellten Werke von Michael Ley.

(Ninon Suckow/André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 18.02.2026

Bereits am 01.02.2026 starb mit Günter Richter ein bedeutender Maler & Grafiker der Leipziger Schule.

Vertreter der Leipziger Schule: Abschied von Günter Richter

Er war einer der stilleren, dem Tun und dem Handwerk verpflichteter Vertreter der Leipziger Schule – bereits am 01. Februar starb in seiner Wahlheimatstadt Leipzig Günter Richter (1933–2026) im Alter von 92 Jahren. Richters Themen spannten sich im Wirkfeld zwischen Werden, Blühen, Welken und Vergehen – ob in der Natur oder in der menschengemachten Welt – auf, eine so passionierte wie spezielle Vorliebe hatte Richter für die Abbildung von Holz und Architektur. Der Maler und Grafiker, der auch eine Reihe zwischen Neuer Sachlichkeit und Surrealismus changierender Exlibris schuf, hatte in der 1950er Jahren an der HGB bei Bernhard Heisig studiert und war freischaffend tätig, arbeitete zeitweise als Lehrer und viele Jahre als Dozent am Lindenau-Museum in Altenburg und an seiner Leipziger Alma mater. Richter gehörte auch 1972 zu den Begründern der Leipziger Grafikbörse, die er mehrere Jahre leitete. Günter Richter war zudem auch als Schriftsteller tätig und veröffentlichte bei Plöttner und Mirabilis. Seine bildnerischen Arbeiten werden in diversen größeren Kollektionen, so in der Nationalgalerie in Berlin, Im Dresdner Kupferstichkabinett, im Leipziger Museum der Bildenden Künste, im Stendaler Winckelmann-Museum, gesammelt und archiviert. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 08.01.2026

Potsdam-Bornim: Manfred Butzmann ist gestorben.

Trauer um Manfred Butzmann

Der Träger des Käthe-Kollwitz-Preises und des Brandenburgischen Kunstpreises, der Grafiker und Illustrator Manfred Butzmann (1942–2026) ist in seiner Heimatstadt Potsdam, im Stadtteil Bornim, in dem er auch geboren wurde, am 04. Januar im Alter von 83 Jahren gestorben. Vor allem den Berlinern ist er als unbestechlicher Chronist ihrer Dinge im Gedächtnis geblieben. Butzmann wuchs in Eutzsch im Wittenbergischen auf und studierte nach einer beruflichen Ausbildung zum Offsetretuscheur und Malübungen in Caputh in Weißensee bei Werner Klemke, Arno Mohr und Klaus Wittkugel. Nach seiner Meisterschülerschaft bei Werner Klemke arbeitete Butzmann als Buchillustrator und Einbandgestalter, machte sich als Grafiker, Aquarellist und Plakatkünstler einen Namen. Berlin verdankt ihm viele Abbilder seiner rauen Seele“, schreibt die tageszeitung vom 06. Januar in ihrem Nachruf auf Manfred Butzmann. Und: „Butzmann, das ist beste ‚Berliner Schule‘, sein künstlerischer Blick glitt über Menschen und Stadt, sah einen Schwarzen Giebel, der sich roh auf der Wand des Nachbarhauses abzeichnete, oder den Anhalter Puff, ein pervers pink getünchtes Haus, während nebenan alles wegbrach.“ Und mit einer besonderen Vorliebe gestaltete Butzmann, dessen Ausstellungsplakate Maßstäbe setzten, auch Frottagen, Abreibungen u. a. von Berliner Hausfluren, aber auch von Grabsteinen und Türblättern. Seine überaus unkonventionelle Plakat-Kunst setzte Butzmann auch für zahlreiche öffentlich relevante Themen ein. 2007 zog es ihn zurück nach Potsdam-Bornim, wo er am vergangenen Sonntag starb. Er illustrierte u. a. Bücher und Textzyklen von Maxim Gorki, Iwan Turgenjew sowie Gustav Meyrink und Nikos Kazantzakis.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 02.12.2025

Mit Franz Fühmann 1976 in Schlagenthin (oben). Die Künstlerin Núria Quevedo und Pirckheimer Armin Schubert (unten) waren viele Jahre eng befreundet. Auch mit den "Bücherkindern" war Núria Quevedo verbunden, deren "Pax questuosa" ist ihr gewidmet.

Große Trauer um Núria Quevedo

Wie soeben unser Pirckheimer-Freund, der Mentor und Prinzipal der Bücherkinder Brandenburg, Armin Schubert, mitteilt und eben erst bekannt wurde, ist die große Künstlerin Núria Quevedo (1938–2025) in ihrer Wahlheimatstadt Berlin gestorben. Schubert, der mit Quevedo viele Jahre eng befreundet war, schreibt: „Mein Gott, nun auch noch Núria Quevedo; sie starb am 22. November des Jahres, und (das) erschüttert mich tief. Seit 1976 sind wir, begonnen mit Franz Fühmanns Roman für Kinder, Prometheus, miteinander verbunden. Das hat gehalten über all die Jahre. Zuletzt waren wir in Chemnitz dabei, als sie den Schmidt-Rottluff-Ehrenpreis bekam.“ Und weiter heißt es: „... durch sie haben wir auch Barcelona kennen und lieben gelernt. In meiner Sammlung sind viele gute Kunstwerke; erst jüngst haben wir die große Farblithografie Jeder, der seinen Weg geht ... zu einem Gedicht von Antonio Machado für die Eröffnung der Friedensdekade 2025 in der Petrikapelle beim Dom zu Brandenburg als Impuls verwendet.“ Núria Quevedo wurde am 18. März 1938 eben in Barcelona geboren, sie war die Tochter republikanischer Emigranten und lebte seit 1952 in Berlin, ab 1997 auch in Sant Feliu de Guíxols in der katalanischen Provinz Girona. Sie studierte von 1958 bis 1963 an der Weißenseer Kunsthochschule bei Arno Mohr, Klaus Wittkugel und Werner Klemke, war von 1968 bis 1971 Meisterschülerin bei Klemke. Ihr unverkennbares und umfängliches, zunächst grafisches, später auch malerisches Werk wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet. Mit Brandenburg an der Havel war sie über Armin Schubert, Christa Wolf, die Galerie Sonnensegel, die Bücherkinder vielfältig verbunden, stellte in der Domstadt aus, arbeitete mit Schülerinnen und Schülern und war auch an den Buchprojekten der Bücherkinder beteiligt – eines der Bücher, Pax questuosa, ist ihr und Anna Seghers (1900–1983), deren Aufstand der Fischer von St. Barbara sie 1981 (wie auch die Erzählung Kassandra von Christa Wolf (1984)) illustrierte, als Hommage gewidmet. Sie arbeitete auch zu einigen Vertretern und Vertreterinnen der Sächsischen Dichterschule: Volker Braun, Karl Mickel, Kerstin Hensel. Núria Quevedo war mit dem Dokumentarfilmregisseur Karlheinz Mund verheiratet. Ihr Werk ist in zahlreichen großen Häusern wie der Neuen Nationalgalerie vertreten. Mit anderen Berliner Künstlerinnen gründete sie 1992 die Künstlerinnen-Initiative Xanthippe e. V. Zuletzt waren ihre Arbeiten 2023/24 in Chemnitz (Kunstsammlungen am Theaterplatz) zu sehen.

(André Schinkel via Armin Schubert)

Sa, 22.11.2025

Helme Heine ist in seiner Wahlheimat in Neuseeland mit 84 gestorben. | © HelmeHeineArt (CC BY-SA 4.0)

„Freunde“: Trauer um Helme Heine

Seine Bücher und Figuren, aus Freunde, Mullewapp oder auch der durch Peter Maffay in Klang und Bild gesetzten Drachensaga Tabaluga, sind legendär – mit Fug und Recht kann man Helme Heine als einen der bekanntesten und erfolgreichsten Kinderbuchautoren und -illustratoren der Gegenwart bezeichnen. Der 1941 in Berlin geborene Künstler, der auch Drehbücher, Hörspiele und satirische Texte verfasste, lebte zeitweise auch in Südafrika, etwa seit 1990 nannte er down under sein Zuhause, nahm zuvor noch Zwischenstation in Irland. 1976 debütierte Heine mit dem Elefanteneinmaleins bei Middelhauve. Aber am bekanntesten sind sicherlich die drei Freunde aus dem Mullewapp-Kosmos geblieben, denen 2009 auch Filmehren angediehen: Johnny Mauser, Franz von Hahn sowie der dicke Waldemar. Helme Heine wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis, einem Premio Grafico wie dem Oldenburger Bilderbuchpreis ... Helme Heine starb am 20. November in seiner Wahlheimat Russell, Northland (Neuseeland) – er wurde 84 Jahre alt. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 23.08.2025

Eugen Gomringer ist gestorben – der Künstler und Nestor der Konkreten Poesie wurde 100 Jahre alt.

Eugen Gomringer ist gestorben

Er galt als der Erfinder der Konkreten Poesie, justament im Jubiläumsjahr seines Kollegen Ernst Jandl wurde er 100 Jahre alt, und im Gegensatz zu E. J. erlebte er (quasi stellvertretend, wie seine Tochter Nora anmerkte) diesen Ehrentag: Eugen Gomringer, dessen Lebensspanne sich nun mit konkreter Akkuratesse von 1925 bis 2025 erstreckt. Der schweizerisch-bolivianische Erneuerer der Dichtung, der mit unzähligen Künstlerinnen und Künstlern verbunden und befreundet war, war in der deutschen Sprache wie auch der spanischen höchst bewandert; und wer ihm begegnete, nahm den Eindruck mit nach Hause, einen Redlichen getroffen zu haben ... In Bolivien, wo man ihn Das Genie von Beni nannte, war Gomringer ein Star. Sein Gedicht avenidas, das 2017 eine laute Debatte um Achtsamkeit, Bewunderung und die Freiheit der Kunst auslöste, ist als Konstellation auf vielen Hauswänden zu finden. Am 21. August ist Gomringer im Kreis der Seinen in Bamberg gestorben. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 09.08.2025

Pirckheimer-Freund Jens Henkel ist gestorben – bis 2023 betrieb er seine "burgart-presse" (siehe oben).

07.08.2025: Trauer um Jens Henkel

Die Stadt Rudolstadt und die Welt des schönen Buches einschließlich der Pirckheimer trauern um den Museologen und Verleger Jens Henkel, den legendären Betreiber der burgart-presse, der am 07. August 2025 im Alter von 72 Jahren gestorben ist. Im Jahr 2023 hatte seine Handpresse den Betrieb bereits eingestellt, viele der dort erschienenen originalgrafischen Text-Bild-Bände gehören zum Bestand der schönsten Bibliophilia dieser Zeit und sind so begehrt wie gesucht. Das Verlagsprogramm mit seinen sieben Reihen kann durch den Rückzug Henkels vor zwei Jahren als abgeschlossen betrachtet werden, die Nachricht vom Tod ihres Editors schmerzt und bedeutet einen großen Verlust für die ostthüringische Kulturstadt wie die Buchwelt. Henkel war Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, er arbeitete über Jahrzehnte mit zahlreichen Autoren und Künstlern zusammen, so mit Matthias Biskupek, Karl-Georg Hirsch, Kay Voigtmann und vielen anderen. Die Stadt Rudolstadt verdankt ihm zugleich durch sein museologisches Wirken vieles. Sie schreibt u. a. in ihrem Nachruf: „Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und die Stadt Rudolstadt trauern um den langjährigen Kustos am Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Verleger und Kämpfer für die Kultur in seiner Heimatstadt Rudolstadt, Jens Henkel. Der 72-Jährige ist am Donnerstag, 07. August 2025, nach langer schwerer Krankheit verstorben. ‚Wir haben einen klugen Kopf und eine gewichtige Stimme für die Kultur verloren‘, sagte Landrat Marko Wolfram. ‚Unser Mitgefühl gehört in diesen Stunden seiner Frau Renate und seiner Familie. Wir werden Jens Henkel in bleibender Erinnerung behalten und sein Andenken wahren‘, so der Landrat.“ Weiter heißt es: „Der gebürtige Rudolstädter war über Jahrzehnte in herausragendem Maße im kulturellen Bereich aktiv und hat im politischen Ehrenamt im Stadtrat der Stadt Rudolstadt Anfang der 1990er Jahre wichtige Weichenstellungen für die kulturelle Entwicklung vorgenommen. Beinahe ein halbes Jahrhundert – von 1971 bis 2018 – bildete seine hauptberufliche Tätigkeit im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg Rudolstadt das Fundament für sein vielseitiges Wirken.“ Im ersten demokratischen Rudolstädter Stadtparlament ab 1990 war Jens Henkel Stadtrat in der Fraktion SPD/Neues Forum. Henkel war auch für zehn Jahre für die Konzeption und Realisierung der Buchreihe Künstler in Thüringen zuständig. Auch sonst ist die Liste der Verdienste um die Kultur seiner Stadt lang. In der burgart-presse erschienen ab 1991 49 Pressendrucke, bibliophile Drucke und 27 weitere Publikationen – die Unterlagen der Edition befinden sich in der Anna Amalia in Weimar. 2023 erhielt Jens Henkel das Bundesverdienstkreuz. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 04.08.2025

Autor und Herausgeber Manfred Jendryschik wurde heute in Leipzig beigesetzt. "Glas und Ahorn" (1967) war sein erstes Buch, dem etwa 30 weitere folgten.

Trauer um Manfred Jendryschik

Gestorben in der zweiten Junidekade, fand heute der Schriftsteller, Lektor, Herausgeber Manfred Jendryschik (1943–2025) auf dem Friedhof Leipzig-Wahren seine letzte Ruhe. Der gebürtige Dessauer, der von 1990 bis 1996 ... für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlich, da in der direkten Nachwende Ostdeutsche nur selten leitende Posten besetzten, Kulturdezernent seiner Vaterstadt war, hinterlässt ein umfangreiches Werk: etwa dreißig eigenständige Bücher, sechzig Herausgaben, Flugblätter, Text-Bild-Bände und Bibliophilia. Viele Jahre dem Mitteldeutschen Verlag verbunden, in den er am Ende seines Lebens wieder zurückkehrte, gab er in den 2010ern gemeinsam mit deren Verleger die Weiße Reihe des Projekte-Verlags heraus: insgesamt 48 Bände mit Texten und Grafiken von Autorinnen, Autoren, Künstlern und Künstlerinnen, die zur Creme der Szene gehören. Viele dieser Buchwerke erschienen auch samt Vorzugsausgaben. Gemeinsam mit seiner Partnerin seit 35 Jahren, der Autorin und Fotografin Rosemarie Fret, und deren Tochter, der Grafikerin und Malerin Jusche Fret, verfolgte er gemeinsame Projekte. Vor 1990 hatte Jendryschik als Lektor im mdv gearbeitet – nach seiner Kritik an der Biermann-Ausbürgerung ging er im Herbst 1976 in den Freiberuf. Jendryschik gilt als Entdecker und Förderer vieler literarischer Talente – so Christine Lambrecht, Wilhelm Bartsch oder Jörg Kowalski. Erstere war auch bei der Trauerfeier zugegen, wie auch sein Herzensfreund, der Leipziger Lyriker und poeta doctus der Sächsischen Dichterschule, Peter Gosse, und Karl-Georg Hirsch, mit dem Jender, wie ihn seine Nächsten nannten, ebenfalls befreundet war und eng zusammenarbeitete. Die Trauerrede für Jendryschik hielt auf Bitten seiner Witwe Pirckheimer-Freund André Schinkel. In seinen Worten verwies Schinkel auf Herkunft und Vermächtnis M. J.s, der in der DDR und darüber hinaus ein erfolgreicher, zugleich unorthodoxer Autor war. Im Herbst des Jahres ist in Halle eine Matineelesung aus seinem letzten Buch Deckweiß für alle! geplant – auch Projekte-Verleger Reinhardt O. Hahn plant eine Würdigung Jendryschiks. Ein Großteil seiner älteren Bücher ist antiquarisch erhältlich und übrigens nach wie vor lesenswert.

(Ernst-Günther Liebetraut)

Do, 12.06.2025

Carsten Pfeiffer ist am 15. März gestorben. | © privat

Trauer um Carsten Pfeiffer

Die Pirckheimer trauern um ihr Mitglied Carsten Pfeiffer. Der bibliophile Tausendsassa und begeisternde Feingeist in Sachen Bücher und Buchprojekte starb bereits am 15. März. Zu den vielen Stationen seines Wegs gehörten etwa die Vertriebsleitung bei Cornelsen und Egmont, er war bereits als junger Mann einer der Mitbegründer des Münchner Lyrikkabinetts und bleibt nicht zuletzt und vor allem auch als Mitstreiter des Verlags Das Kulturelle Gedächtnis in bleibender Erinnerung. Thorsten Ahrend, Leiter des Leipziger Literaturhauses, würdigt den unermüdlichen Freund und Kenner des Buches in einem so ergreifenden wie ausführlichen Nachruf im Börsenblatt des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Unter dem Motto Er wusste schlichtweg alles geht er noch einmal dem Weg Carsten Pfeiffers nach. „Wir vermissen ihn sehr“, heißt es auch auf der Seite des Verlags Das kulturelle Gedächtnis. Möge er im Bücherhimmel sein, schließt Ahrends Text: „... lieber Carsten, wer, wenn nicht du.“ Carsten Pfeiffer starb viel zu jung, er wurde nur 57 Jahre alt. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 10.06.2025

Günther Uecker 2011. | © Oliver Mark (CC BY-SA 4.0)

10.06.: Trauer um Günther Uecker

Wie in den späten Abendstunden des heutigen Tags bekannt wurde, ist der aus Crivitz stammende und international vor allem für seine wuchtigen Nagelbilder bekannt gewordene Maler und Grafiker, der auch in den letzten Jahren als Glas- und Objektkünstler fruchtbar tätig war, Günther Uecker (1930–2025) in Düsseldorf gestorben. Der gebürtige Mecklenburger wuchs auf Wustrow auf und studierte nach einer Lehre zuerst in Weißensee, verließ 1953 die DDR und studierte schließlich bei seinem künstlerischen Idol Otto Pankok (1893–1966) in Düsseldorf. Von 1974 bis 1995 war Uecker schließlich selbst Professor an der Düsseldorfer Kunsthochschule. Er gehörte zu den bekanntesten und erfolgreichsten Künstlern seiner an erfolgreichen Künstlern nicht armen Generation, seine Werke werden höchstdotiert gehandelt. Er arbeitete mit zahlreichen anderen bildenden Künstlern, aber auch Autorinnen und Autoren, Christa Wolf etwa und/oder Eugen Gomringer, zusammen: So erschien Wolfs Wüstenfahrt mit Sandbildern Ueckers 1999. Günther Uecker wurde 95 Jahre alt.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 12.04.2025

Wolfgang Würfel (1932–2025.) | © by Peter Bertignac

Trauer um Wolfgang Würfel

„Was für ein schönes und zutreffendes Bild: Ein Mensch 
heißt Würfel und ist vielseitig.“ (Heinz Knobloch)

Wie erst dieser Tage bekannt wurde, ist der renommierte Grafiker, Illustrator und Maler Wolfgang Würfel (1932–2025) bereits am 26. Januar in Berlin gestorben, seine Beisetzung fand Anfang April statt. Würfel zählte zu den produktivsten Buchgrafikern und -illustratoren seiner Generation, sein unverkennbarer, so üppiger wie strichgenauer Stil veredelte mindestens 200 Publikationen im regulären wie im bibliophilen Bereich. Der gebürtige Leipziger studierte 1950 bis 1955 in Berlin-Weißensee bei Arno Mohr, belegte auch Gastvorlesungen bei Werner Klemke. Von 1977 an lebte Wolfgang Würfel in Glienicke/Nordbahn am Rand von Berlin. Seine bevorzugten Techniken, in denen er es zu hoher Meisterschaft brachte, waren der Holzstich, die Schabkunst, die Ölgrafik und Federzeichnung. Weithin bekannt wurde Würfel auch für seine Feuilleton-Illustrationen zu Heinz Knoblochs (1926–2003) Rubrik Mit beiden Augen in der DDR-Zeitung Wochenpost (1968–1991). Für sein Werk wurde er unter anderem mit dem Hans-Baltzer-Preis des Kinderbuchverlags sowie der Goldmedaille für Illustration der Internationalen Buchkunst-Ausstellung in Leipzig geehrt – insgesamt zehn seiner Buch-Kunstwerke wurden als Schönste Bücher der DDR ausgezeichnet. 

(André Schinkel)

Sa, 08.02.2025

Die Schöpferin von "Pixi" und "Conni" ist gestorben.

Trauer um Eva Wenzel-Bürger

Die renommierte Grafikerin Eva Wenzel-Bürger (1932–2025), als Schöpferin von Pixi und Conni und damit der Pixi-Bücher berühmt geworden, ist, wie erst jetzt bekanntgegeben wurde, kurz vor ihrem 93. Geburtstag am 31. Januar in ihrer Herkunfts- und Heimatstadt Berlin gestorben. Nach der Ausbildung zur Grafikerin etablierte sich Eva Wenzel-Bürger ab den 1960er Jahren als Kinderbuch-Illustratorin, gab dem Wichtel Pixi für die gleichnamige Reihe im Carlsen Verlag eine Gestalt und arbeitete dann eng zusammen mit der Autorin Liane Schneider, woraus eine Vielzahl gemeinsamer Conni-Bücher entsprangen. Gerade letztere Gestalt war ein großer Erfolg, die 2016 und 2017 sogar zu Filmehren (mit Emma Schweiger in der Hauptrolle) kam. Auch in anderen Ländern war die Figur unter jeweils anderen Namen erfolgreich. Und bereits vor vier Jahren wurde die Eva Wenzel-Bürger-Stiftung gegründet, um das Erbe der Künstlerin auch über ihren Tod hinaus zu pflegen und kenntlich zu halten. Für ihren Verlag, in dem sie auch eine Vielzahl anderer Bücher als Illustratorin betreute, und ihre riesige Fanschar in Groß und Klein, die ihr Werk liebt, ein gewaltiger Verlust. 

(André Schinkel)

Do, 12.09.2024

Die Pirckheimer-Gesellschaft trauert um ihr letztes Gründungsmitglied: Am 03.09. starb Udo Mammen im Alter von 94 Jahren. Die Trauerfeier für Mammen findet am 16.09. im Gleimhaus in Halberstadt statt.

Pirckheimer-Gründungsmitglied: Verein trauert um Udo Mammen

Die Pirckheimer-Gesellschaft trauert um ihr letztes Gründungsmitglied: Udo Mammen (1930–2024) ist am 03. September gestorben. Mammen wurde am 24. Juli 1930 im ostfriesischen Esens geboren, er war als Lehrer und Fachschullehrer in Kunrau in der Altmark, in Halberstadt, wo er seit 1958 lebte, und Quedlinburg tätig, bis 1992 als zweiter Direktor der Medizinischen Fachschule in der späteren Welterbestadt. Seinerzeit las er von der bevorstehenden Gründung der Pirckheimer-Gesellschaft, wandte sich an das Gründungskomitee und wurde nach Berlin eingeladen, wo er am 29. Januar 1956 die Gesellschaft mit aus der Taufe hob. Von diesem Ereignis berichtet auch die Schrift Jubelrufe aus Bücherstapeln, die 2006 aus Anlass des fünfzigsten Gründungsjubiläums der Gesellschaft erschien. Auch in den Marginalien wurde Mammen gewürdigt (Heft 184). Im Unruhe-Stand entwickelte Udo Mammen noch einmal ein umfangreiches publizistisches Wirken, über 200 Beiträge, darunter mehr als 40 Aufsätze, erschienen von ihm in der Altmark-Zeitung des Uelzener Pirckheimer-Freunds Horst Hoffmann. Die Trauerfeier für Udo Mammen mit anschließender Beisetzung auf dem städtischen Friedhof findet am 16. September um 11 Uhr im Gleimhaus seiner Wahlheimatstadt statt, ein gemäßer Ort, dem er verbunden war. Es sei auch erwähnt, dass sein Sohn Ubbo Mammen, der in Halle lebt, am Tag nach dem Ableben seines Vaters dessen Mitgliedschaft übernommen hat. Eine ausführliche Würdigung Udo Mammens ist für die Marginalien 255 geplant.

(André Schinkel)