Pirckheimer-Blog

Leipziger Bibliophilen-Abend

Sa, 03.10.2026

Buchkunstsalon Aschaffenburg

Im Corona-Jahr 2020 begründet, findet er 2026 bereits zum siebten Mal statt, der Buchkunstsalon Aschaffenburg, der es in dieser Zeit vollbrachte, zu einer Institution unter den einschlägigen Grafik- und Buchkunstmessen zu werden. Erfunden haben ihn seinerzeit Susanne Theumer, Frank Eißner und Bernhard Hench gemeinsam – in diesem Jahr nun vergrößert sich der Salon und zieht von seinen ursprünglichen Domizilen im Café Krèm und in der Riesengasse der ehrwürdigen Mainstadt ins Podium 30A (Würzburger Straße 30a (Rückgebäude Brasskreisel), 63739 Aschaffenburg), eine ehemalige Pumpenstation, die nun für öffentliche, vor allem kulturelle Zwecke genutzt werden soll. 

Wie in den anderen Jahren auch findet der 07. Buchkunstsalon synchron zum Wochenende der Buchmesse in Frankfurt am Main statt. Seinerzeit eine Reaktion auf die Einschränkungen durch Corona und die immer wieder in Aussicht stehende Absage der großen Messen, ist das heute auch ein wenig ein Signet und Markenzeichen geworden: Die kleine Messe hält, zumal Aschaffenburg an das große S-Bahn-System in der Südmitte des Landes angebunden ist, vom 09. bis 11.10.2026 das Ideal der direkten Begegnung, der kleinen Wege von Kunstwerk zu Kunstwerk hoch: nahbare Kunst, nahbare Künstlerinnen und Künstler, höchste Qualität, ein beeindruckendes Beiprogramm: Musik, Lesung, Theater – das bleibt, auch nach dem Umzug und um einige Highlights erweitert, erhalten.

Wo mehr Platz ist, können auch mehr tolle Ausstellende eingeladen werden. So präsentiert sich der Salon 2026 mit erweitertem Line-up, mischen sich Debütanten mit Wiedergängern, wobei die auch erstmals Vertretenen nicht selten, ja, zur Creme der Szene zu zählen sind. Neben den Gründereltern dabei sind in diesem Jahr: Andrea Ackermann, Urte von Maltzahn-Lietz, Cornelius Brändle sowie Hanneke van der Hoeven, edition sonblom, John Gerard, Wolfgang Grätz, Inka Grebner, Lün Juritz, Stefan Konrad, Martin Lang, LBA, KMK, Maria und Lutz Nevermann, Thomas Reche, Rollbuch, Katrin Stangl und Bear Press ... Désirée Wickler und Reinhard Paczesny sowie: Titi Zaadnoordijk. 

Dazu werden je ein Collage- (Hanna Müller) und Papierschöpfworkshop (Papiermühle Homburg) angeboten. Der 07. Buchkunstsalon ist am Freitag von 16 bis 20, am Samstag von 11 bis 19 sowie am Sonntag von 11 bis 17 Uhr für kleinen Eintritt geöffnet, das neue Domizil am Südosteck von Park Schöntal gut zu erreichen. Als Eintrittskartenmotiv dienten 2026 Aquarelle von Frank Eißner. 

(André Schinkel)

Di, 01.09.2026

Heute 90 – Herbert Kästner! | © Matthias Haberzettl

Alles Gute zum Ehrentag: Herbert Kästner feiert heute Geburtstag!

Der Mann, der heute einen großen Ehrentag begeht, ist eine Instanz: ob als Pirckheimer-Freund, als langjähriger Prinzipal des Leipziger Bibliophilen-Abends, als Gralshüter des Wissens um die ganz sicher schönste Buchreihe der Welt, die Insel-Bücherei – ja, Herbert Kästner wird heute 90 Jahre alt! Der gebürtige Leipziger, auch in seiner Profession als Mathematiker eine hochachtbare Persönlichkeit (für die Kleine Enzyklopädie Mathematik gab es 1966 den Nationalpreis der DDR), ist den Bibliophilen durch sein umfängliches wie unermüdliches Wirken im Dienst des schönen Buches wie dessen glücklicher Kollaboration mit guter Grafik vertraut: Ab 1980 war Herbert Kästner im Vorstand der Pirckheimer-Gesellschaft, 1988 übernahm er die Leipziger Gruppe. Mehr noch, ihm ist es zu verdanken, dass seine Heimatstadt auch den Namen Buchstadt nach wie vor verdient, für den LBA hat er sich bleibende Verdienste erworben, etwa die Herausgabe der Reihen Totentänze (auch bei Insel erschienen) und Stichwort ist neben vielem anderen mit ihm verbunden. Koryphäe ist auch das richtige Wort, sein Wissen zur Insel-Bücherei betreffend: Seine Bibliographie zur Reihe (Hauptband 2012, Supplement 2024) ist gleichsam Legende wie nautischer Kompass. Ja, zärtlicher Neid ist auch damit verbunden für den Sammler, dürfte doch seine IB-Sammlung vollständig sein. Bis heute steht Herbert Kästner u. a. auch der Redaktion der Marginalien beratend zur Verfügung ... Der 01. September ist Herbert-Kästner-Tag, und alle Büchernärrinnen und -narren, alle Freundinnen und Freunde der schönen Seiten danken ihm, gratulieren von Herzen: Chapeau, auf noch viele Jahre!

(André Schinkel, im Namen der bibliophilen Gemeinde)

Sa, 01.08.2026

LBA: „Vierstimmig“ ab dem 07.09.26

Leipziger Bibliophilen-Abend lädt ab 07. September zu einer Schau in das Literaturhaus Leipzig ein

Bettina Haller und Gabriele Sperlich, Harald Alff und Stefan Knechtel – ihr Bemühen um den Hochdruck eint sie und ihren Lehrer: Alle vier waren Meisterschülerinnen und Meisterschüler bei Karl-Georg Hirsch an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Die 2026er Ausstellung des Leipziger Bibliophilen-Abends stellt sie nicht einander gegenüber. Sie führt zusammen, führt weit hinaus ins Eigene. Zeigt Prägungen, die über Jahrzehnte wirken, die sich ausformten in eigener Hand-Schrift. Buch-Kunst in bestem Sinn. 

Zu sehen ist diese Schau, die von Karl-Georg Hirsch gestaltete Blätter und Bücher einschließt, von Anfang September bis Ende Oktober im Literaturhaus Leipzig, dem Haus des Buches, einem durch Preisgabe gefährdeten Ort. – Für Bettina Haller offeriert diese Ausstellung mehr als nur Arbeiten zweier Generationen. „Sie zeigt auch die nach vielen Jahren des Studienabschlusses bestehende Verbundenheit und das Interesse an der Arbeit der jeweils anderen.“ Die freiberufliche Grafikerin (Jahrgang 1971) betreibt in Chemnitz (sowie, mit ihren Freundinnen und Kolleginnen Andrea Lange in Kemberg und Birgit Reichert in Lichtenau) die Sonnenberg-Presse.

„Karl-Georg Hirsch begegnete ich in der Hochdruckwerkstatt unter dem Dach der HGB. Konzentriert bearbeitete er mit seinen Werkzeugen die edlen Hölzer. Dieser Anblick hat sich bei mir eingeprägt“, sagt Stefan Knechtel (Jahrgang 1964). Heute lebt er freischaffend in Altenburg. – „Die Künstler- und Lehrerpersönlichkeit Karl-Georg Hirsch war es, die mir direkt nach dem Diplom die Möglichkeiten des Hochdrucks eröffnete“, sagt Harald Alff (Jahrgang 1963). „Die Zeit in der Holzschnittwerkstatt der HGB hat meinen Werdegang entscheidend geprägt.“

Gabriele Sperlich (Jahrgang 1961) zählt wie Alff zu den Mitbegründern von hochdruckpartner Galerie + Werkstatt GbR in Leipzig. Nach ihrem Studium habe sie gemerkt, Malerei sei nicht alles, blickt sie zurück: „Ich brauchte Freiheit, mich auszuprobieren. Das Meisterstudium bei Karl-Georg Hirsch hat mir das wunderbar ermöglicht.“ Was Haller, Sperlich, Alff, Knechtel eint, sind die profunde Ausbildung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, das Meisterstudium bei Hirsch, die Hinwendung zu Druckkunst und Literatur. Der Kosmos des schönen Buches ist dabei Klammer sowohl mit ihrem Lehrer als auch mit dem Leipziger Bibliophilen-Abend, in dessen originalgrafischen Publikationen sie auf höchst unterschiedliche Art vertreten sind.

„Karl-Georg Hirsch hat sich in großem Maß für die Buchkunst in Deutschland verdient gemacht. Wir möchten zeigen, dass seine Intentionen weitergetragen werden“, sagt LBA-Vorstand Ulrich Heublein, der die Ausstellung kuratiert. Hirschs Lebensleistung spiegele sich nicht zuletzt darin, dass seine Schüler „keine Epigonen wurden, sondern Eigenes entwickelten – auf einem sehr hohen künstlerischen Niveau.“ Die Ausstellung des LBA Vierstimmig. Harald Alff, Bettina Haller, Stefan Knechtel, Gabriele Sperlich – Meisterschülerinnen und Meisterschüler von Karl-Georg Hirsch ist im Literaturhaus Leipzig (aka: Haus des Buches, im Graphischen Viertel, im Gerichtsweg 28, in 04103 Leipzig) vom 07. September bis zum 30. Oktober besichtigen. – Am 24. September gibt es ein Gespräch mit den Künstlerinnen und Künstlern. Dieses Künstlergespräch beginnt um 19 Uhr.

Vierstimmig. Harald Alff, Bettina Haller, Stefan Knechtel, Gabriele Sperlich – Meisterschülerinnen und Meisterschüler von Karl-Georg Hirsch. Foyer-Ausstellung des Leipziger Bibliophilen-Abends im Literaturhaus Leipzig vom 07. September bis zum 30. Oktober 2026. Mo–Do 9–17, Fr 9–15 Uhr.

(Ekkehard Schulreich)

Mi, 20.05.2026

Der LBA war am 12. Mai 2026 im Bach-Archiv zu Gast.

Der LBA zu Besuch im Bacharchiv

Das Bach-Archiv in Leipzig (Thomaskirchhof 15, 04109 Leipzig) zählt zu den bedeutendsten Musikarchiven Deutschlands. Untergebracht ist es im Bosehaus in unmittelbarer Nachbarschaft der Thomaskirche und der Thomasschule, den Wirkungsstätten des Komponisten in seiner Leipziger Zeit. Das 1950 gegründete Archiv stützt sich bei seinen Forschungen auf eine reiche Sammlung an Noten, Autographen, Originaldrucken Bach’scher Kompositionen und anderen Zeugnissen seines Schaffens, seiner Familien- und der Zeitgeschichte. Zimelien, die für Musikliebhaber wie Bibliophile gleichermaßen von hohem Reiz sind.

Professor Dr. Peter Wollny, Leiter des Archivs, und Dr. Markus Zepf, der musikwissenschaftliche Referent, gewährten den Mitgliedern und Freunden des Leipziger Bibliophilen-Abends am 12. Mai Einblicke in die Schätze und in die Arbeit des Archivs. Im Sommersaal legten sie ausgewählte Exponate vor. Zu ihnen zählte ein Originaldruck der Goldberg-Variationen ... das Notenbild auf Kupferplatten gestochen – frei von Hand, wie es in der Barockzeit Usus war, sagte Peter Wollny. Die handgeschriebene Vorlage wurde getränkt, um sie durchscheinend zu machen. 

Durch Nachzeichnen wurden die Noten seitenverkehrt auf die mit Wachs beschichtete Matritze übertragen. Der effizientere Notenstich mit Stahlstempeln, um 1730 in England erfunden, setzte sich erst später durch. Maximal hundert Abzüge seien von einer Kupferplatte möglich gewesen. „Danach kriegten sie die nicht mehr richtig sauber. Es bildeten sich Schatten.“ Von diesem Druck der Goldberg-Variationen seien wohl an die 30 Exemplare überliefert.

Aufschlussreich für die Bibliophilen war Wollnys Hinweis: Korrigiert wurde nach dem Drucken. Das sei klar zu erkennen ... Während die Variationen wenige Korrekturen erfuhren, war das beim Druck des Musikalischen Opfers anders. Da gibt es Stellen, die unsauber sind, offenbar in Eile in Kupfer gestochen. Und: Mehrere Mitglieder der Familie Bach haben sich nach dem Druck dem Korrektorat gewidmet. Der Titel dieser Ausgabe erfolgte im Buchdruck.

Das Bach-Archiv ist bestrebt, die Basis für seine Forschungen fortlaufend zu verbreitern. Dazu tragen Schenkungen und Leihgaben bei und gezielte Ankäufe bei Sammlern und Antiquaren, aber auch auf dem internationalen Auktionsmarkt. Unterstützung dabei leisten verschiedene Förderer, die Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs etwa und sein US-amerikanisches Pendant. 

Immer wieder gibt es auch Überraschungs- und Zufallsfunde, die den Horizont weiten. Gerade die Geschichten hinter den Zimelien, die über das eigentliche Zeugnis hinausweisen, sind bereichernd. Davon gab es einige an diesem Abend. Auch wenn grundsätzliche Fragen der Leipziger Forschung, die Professor Wollny benannte, erst einmal unzureichend beantwortet bleiben müssen: Was passierte nach dem Tod Johann Sebastian Bachs (1685–1750) mit seiner Notenbibliothek? Bestimmte er vorher schon, was an seine Söhne gehen sollte?

Wer sich Bach, seinem Leben und Werk, der Rezeption und der Familie zuwenden möchte – am Thomaskirchhof im Bach-Archiv ist er an profunder Adresse. Im selben Haus ist auch das Bach-Museum untergebracht. Weitere Informationen bietet die Webpräsenz www.bachfestleipzig.de.

(Ekkehard Schulreich)

Do, 11.12.2025

Das Literaturhaus Leipzig ist in Finanzierungsgefahr.

Literaturhaus Leipzig in Gefahr

Das Haus des Buches (Literaturhaus Leipzig) ist nach vielfältiger Meldung in den Printmedien in Gefahr. Das 1996 eröffnete Haus beherbergt neben diversen Sälen für Veranstaltungen und vielen literarischen Vereinen (darunter der Leipziger Bibliophilen-Abend, der Sächsische Literaturrat und die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik) Büros für zahlreiche Unternehmen, die in der Buch-Stadt ansässig sind, und befindet sich im ehemaligen Graphischen Viertel der Messemetropole. Nun soll die Finanzierung für das Haus, das auf Initiative des Börsenvereins entstand und Mitglied des renommierten Netzwerks deutschsprachiger Literaturhäuser in drei Ländern ist, nicht mehr realisierbar sein. Ebenjenes Netzwerk hat eine Petition gestartet unter dem Titel Es muss doch eine Lösung geben! – und auch der Literaturrat appelliert an die Verantwortlichen, die Einrichtung sei unbedingt zu erhalten. Der Imageverlust für Leipzig bei Schließung, zumal vergleichbare Häuser in Berlin, Rostock, Halle, Stuttgart erfolgreich arbeiten, wäre nicht abzusehen. Das sei allen erspart.

(André Schinkel)

Do, 13.11.2025

LBA: "Bücherlust" im HdB. | © by Ekkehard Schulreich

LBA: Von der „Lust auf die Bücher“

„Bücherlust“ verbindet Qualität von Text, Druck, Gestaltung: Über 120 Jahre ist das Maßstab des Leipziger Bibliophilen-Abends. Ausstellung im Foyer des Literaturhauses Leipzig gibt Einblicke

Von Sperontes’ Singender Muse an der Pleiße bis zur neuesten Edition der Reihe 24x34. Grafik öffnet sich ein Kosmos – die Jahresausstellung Bücherlust. Die Drucke des Leipziger Bibliophilen-Abends 1904 bis 2025 im Literaturhaus Leipzig gibt Einblick in die Drucke des LBA von seinen Ursprüngen bis in die Gegenwart. Zu sehen ist nicht nur ein angesichts der Begrenztheit des Foyers und der intensiven Publikationstätigkeit in all den Jahrzehnten kleiner Teil an Büchern, Mappen, originalgrafischen Blättern. Plakate, Flyer, Einladungen vermitteln darüber hinaus einen Eindruck von den LBA-Aktivitäten und zeigen, dass auch dabei auf gestalterische Qualität Wert gelegt wird.

„Was mich so fasziniert: Der LBA ist nicht geradlinig, nicht einseitig. Wir sehen ein Geflecht an Drucktechniken, Einbänden, literarischen Inhalten“, sagte Eberhard Patzig zur Vernissage am 07. November. Er sprach von einem „Universum“. Gemünzt war das auf die Drucke aus der Anfangszeit des Vereins, zu sehen in zwei Vitrinen am Eingang. Darunter – ein Hauptwerk – die Festschrift zum 25-jährigen Bestehen 1929: Die Leipziger 99; ein Titel, der auf die damalige Begrenzung der Mitgliederzahl abzielte. Der Befund trifft aber für die Schau als Ganzes zu. Für Eberhard Patzig und für Thomas Glöß, die diese 12. Ausstellung eine Reminiszenz und ein Abschiedsgeschenk: Zwölf Jahre waren beide an der Spitze des Vereinsvorstandes des Leipziger Bibliophilen-Abends tätig.

„Längst werden wir über unsere Publikationstätigkeit identifiziert“, sagte Thomas Glöß. Er verwies darauf, dass die Wiederaufnahme dessen bereits in den letzten Jahren der DDR begann – angestoßen durch Herbert Kästner, der die Leipziger Regionalgruppe der Pirckheimer leitete, die Wiedergründung des Leipziger Bibliophilen-Abends vorantrieb und heute Ehrenmitglied ist. 

Wie breit das Spektrum ist, wie faszinierend, erschließt sich dem Besucher bei einem Blick in die Vitrinen, beim Wandeln zwischen den Stellwänden. Da ist die Schriftbild-Reihe, beispielhaft Nummer 05: Hanns Eisler Dr. Faustus mit Schablithografien von Michael Triegel. Da sind die Leipziger Drucke – Gilgamesch mit Radierungen von Reinhard Minkewitz (Nr. 17) und Blaubart mit Farbholzschnitten von Klaus Süß (Nr. 19). Da sind die Paradiesischen Dialoge, die mit Edition sieben ihren Abschluss jetzt gefunden haben – zum Beispiel Gedichte Hans-Eckhardt Wenzels und Lithografien von Johannes Heisig (Nr. 01) – und Das Lied von der Erde mit Lithografien von Sighard Gille (Nr. 05). Da ist die Reihe 24x34. Grafik. Der aktuelle neunte Druck vereint einen Text von Wilhelm Bartsch und eine Aquatinta-Radierung von Wolfgang Buchta.

Eine Klammer um beide Vereine – den Leipziger Bibliophilen-Abend, der von 1904 bis 1933 bestand, und den 1991 wiederbelebten – bildet die ausgestellte Jahresgabe 2023. Sie zeigt die vier Exlibris des LBA: jene von Bruno Héroux und Walter Tiemann aus der Anfangszeit und jene von Oswin Volkamer (1996) und endlich Robert Schmiedel (2023) ... Die Ausstellung im Foyer des Literaturhauses in Leipzig (Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig) ist bis zum 08. Januar 2026 zu sehen.

(Ekkehard Schulreich)

Do, 06.11.2025

Der LBA lädt zur Vernissage von "Bücherlust" am 07. November um 18 Uhr ins Literaturcafé im Haus des Buches ein. Es werden die Drucke aus der bewegten Geschichte des Vereins (von 1904 bis 2025) gezeigt.

LBA: „Bücherlust“ von 1904–2025

Der LBA lädt zur Ausstellungseröffnung von „Bücherlust“. Die Drucke des Leipziger Bibliophilen-Abends 1904–2025 am 07.11. um 18 Uhr ins Literaturcafé im Haus des Buches (Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig) ein. Die wechselvolle Geschichte des Vereins lässt sich am besten mit den Dingen präsentieren, die sein Wesen ausmachen – mit seinen Drucken: Ganz gleich, ob es sich dabei um Ausgaben des von 1904 bis 1933 existierenden „alten“ oder des 1991 wiedergegründeten „neuen“ LBA handelt, die Qualität von Text, Gestaltung und Druck war immer der Maßstab – und ist es bis heute. Für eine Standortbestimmung und Neuausrichtung ist es von Zeit zu Zeit geboten, Bilanz zu ziehen. Zuletzt geschah dies 2016f. mit der Ausstellung Gedrucktes bleibt. 25 Jahre Wiedergründung des Leipziger Bibliophilen-Abends. Seitdem sind viele neue Drucke entstanden, und damit bietet sich die Gelegenheit, diese in den Kontext der gesamten Publikationstätigkeit des LBA zu stellen. Die Schau zeichnet mit den Büchern, Mappenwerken, Grafiken des Vereins ein beeindruckendes Bild von der Vielfalt des grafischen und buchkünstlerischen Schaffens in Leipzig in einem Zeitraum von 120 Jahren. Der Eintritt ist frei. Das HdB liegt inmitten der Messestadt und ist leicht erreichbar.

(André Schinkel via Thomas Glöß/Pressemitteilung)

Mo, 06.10.2025

Der Leipziger Bibliophilen-Abend präsentiert in "24 x 34 Grafik" – Wolfgang Buchta und Wilhelm Bartsch.

LBA: Präsentation „24 x 34 Grafik“

Der Grafiker Wolfgang Buchta (Wien) und der Autor Wilhelm Bartsch (Halle an der Saale) haben im Laufe der Jahre schon bei mehreren Projekten zusammengearbeitet. Üblicherweise reagiert bei einer solchen künstlerischen Auseinandersetzung der Grafiker auf das Werk des Autors. Dass in diesem Fall umgekehrt Wolfgang Buchta mit einer handkolorierten Aquatinta-Radierung vorgelegt und Wilhelm Bartsch darauf mit einem Text reagiert hat, macht einen der besonderen Reize dieser Edition aus. Seit 2020 erscheint beim Leipziger Bibliophilen-Abend die Reihe 24 x 34 Grafik in der Auflage von 99 Exemplaren, namensgebend ist das einheitliche Maß der Reihengestaltung. Immer stehen sich ein originalgrafisches Blatt – vom Künstler signiert – und eine Seite Text – Buchdruck auf Bütten – gegenüber, eine stets neue und immer spannende Korrespondenz von Text zu Bild und umgekehrt. Präsentiert wird die Nummer 9 der Reihe in Anwesenheit von Autor und Grafiker am 07.10.2025, 18.30 Uhr, im Literaturcafé des Haus des Buches (Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig). Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Alle Infos zum Leipziger Bibliophilen-Abend finden sich hier. 

(André Schinkel via Thomas Glöß/Pressemitteilung)

Di, 04.03.2025

Die "31. Leipziger Antiquariatsmesse" findet vom 27. bis 30.03. in Halle 5 der Leipziger Buchmesse statt.

31. Leipziger Antiquariatsmesse

Nachdem die Leipziger Antiquariatsmesse 2023 wieder in die heiligen Hallen der Leipziger Buchmesse eingezogen ist, findet sie auch in diesem Jahr wieder dort in der Halle 5 statt. Dort können sich die Bücherhungrigen vom 27. bis zum 30.03.2025 synchron zu den Öffnungszeiten der Messehalle (10 bis 18 Uhr) in einem Paradiso für das gebrauchte, seltene und gesuchte Buch laben. Ganz in der Nähe ist übrigens auch die Buchkunst an diesen Tagen zuhause, und auch die Pirckheimer-Gesellschaft, der Leipziger Bibliophilen-Abend und viele andere bibliophile Unternehmen sind dort zu finden. Tickets für die Buchmesse, die auch für die Antiquariatsmesse gelten, können schon erworben werden. Neben der Frankfurter ist die Leipziger Buchmesse das größte Festival für das Buch in Deutschland. Flankiert wird sie von Leipzig liest und Halle liest mit.

(André Schinkel)

So, 17.11.2024

Der Leipziger Bibliophilen-Abend stellt bis 17.01. im Haus des Buches aus: Impressionen von der Schau.

Kraftvoll, überbordend, fragil

Das Literaturhaus Leipzig zeigt die Ausstellung Septima – Bücher und Grafiken von sieben Leipziger Künstlerinnen, gestaltet vom Leipziger Bibliophilen-Abend (LBA)

Sieben künstlerische Handschriften gedruckt: Septima – Bücher und Grafiken von sieben Leipziger Künstlerinnen heißt die Schau des Leipziger Bibliophilen-Abends (LBA), die am 08. November im Literaturhaus Leipzig eröffnet wurde. Madeleine Heublein, Stephanie Marx, Gudrun Petersdorff, Alessandra Donnarumma, Julienne Jattiot, Selma van Panhuis, Aafke Ytsma ver(sinn)bildlichen und verkörpern mit ihrem druck- und buchkünstlerischen Schaffen bestes Leipziger Selbstverständnis. Dem Leipziger Bibliophilen-Abend sind sie durch Blätter für verschiedene originalgrafische Editionen  – von den Paradiesischen Dialogen bis zu 24x34 Grafik – verbunden.

„Hoher künstlerischer Anspruch, gründlich erworbenes Handwerk, professionelle Umsetzung“: Die Ausstellung Septima stehe für diesen Dreiklang, sagte Susann Hoch zur Vernissage. In ihrer Laudatio leuchtete die Grafikerin und Mitgründerin von Hoch+Partner – Galerie für Holzschnitt und Hochdruck (inzwischen: hochdruckpartner) so pointiert wie kurzweilig Hintergründe aus, ordnete ein, weckte Neugier und den präzisen Blick. Das Kompliment für die Ausstellungsmacher und für die Künstlerinnen verband sie an das in vielköpfige Publikum des Abends mit dem Verweis darauf, wie fragil, von vielen Faktoren unterminiert das Fundament (buch-)künstlerischer Wirklichkeit und Wirksamkeit inzwischen sei: „Nur mit unserem tätigen Engagement können wir die Künstlerinnen und Künstler in ihrem Tun unterstützen.“ Etwa durch den Erwerb des Ausstellungsplakates. Es zeigt sieben zweifarbig gedruckte Linolschnitte, jeweils von den sieben Künstlerinnen signiert. Gedruckt wurde es in der Leipziger Buchdruck- und Letterpresse carpe plumbum von Julienne Jattiot in einer Auflage von 77 Exemplaren. Das Plakat kostet 35 Euro. Zur Vernissage war es zum Sonderpreis von 20 Euro zu haben und fand großes Interesse. 

Der Vorgang des Druckens war an diesem Abend auf Leinwand nachzuvollziehen: Thomas Glöß, Vorsitzender des LBA, hatte diesen Prozess filmisch begleitet. In seinen einleitenden Worten zu dieser Schau gab Glöß Fingerzeige anstelle erschöpfender Antworten auf ihm im Vorfeld häufig gestellten Fragen: Warum sieben Künstlerinnen? Und: Warum sieben Künstlerinnen? „Weder von Quoten noch von Gender-Gerechtigkeit haben wir uns bei dieser Entscheidung leiten lassen, sondern von der Kunst. Es gibt so wunderbare Künstlerinnen, die mit unserer Stadt verbunden sind. Die möchten wir zeigen.“ Einen Verweis auf den gleichnamigen Vorgängerverein des LBA, der von 1904 bis zu seiner Zwangsauflösung 1933 bestand, fügte er dann doch an: Damals verstand sich der Bibliophilen-Abend laut Satzung ausschließlich als Kreis von Männern: „Heute haben wir mehr als zwei Drittel weibliche Mitglieder.“ 

Das zeigt Septima im Leipziger Literaturhaus – Einblicke, Spotlichter:

  • Madeleine Heublein: Monotypien, die aus der Auseinandersetzung mit Literatur resultieren: zu Hölderlin etwa (der sich im Tübinger Turm Scardanelli nannte). In einer Vitrine: Styx. Gedichte von Else Lasker-Schüler, von Heublein mit farbigen Zeichnungen und zwei Original-Lithografien versehen, erschienen bei Faber & Faber. Kathrin Schmidt (Deutscher Buchpreis 2009): Tiefer Schafsee, drei signierte Farbradierungen. Reihe SchriftBild des LBA 2016.
  • Alessandra Donnarumma: Monotypien. Hommage an den italienischen Dichter Cesar Pavese. Entdeckt mit Schrotschnitt und Punzenstich jahrhundertealte Techniken neu. 
  • Aafke Ytsma: Großformatige Farbholzschnitte (Reisernte, Vertikale Arbeit), die für eine Verbindung traditioneller japanischer Techniken mit digitaler Zeichnung stehen. Ytsma und Selma van Panhuis druckten für den LBA die Paradiesischen Dialoge 6 mit Farbholzschnitten von Matthias Weischer und einem Text von Angela Kraus.
  • Selma van Panhuis: Monotypien, gedruckt von einer dicken Glasplatte, unter Verwendung von besonderen Farben, besonderem Papier (Susann Hoch: „Größtmögliche körperliche und mentale Wachheit“).
  • Stephanie Marx: Monotypien. Großformatige Farbholzschnitte. Hintersinnige Bildfindungen, Kunstpreis auf der Grafikbiennale 100 sächsische Grafiken, 2014.
  • Julienne Jattiot: Maskerade, mehrfarbiges Original-Linolschnitt-Buch. Ciceros Wahnsinn, Linoldruck und Buchdruck. Der Glyphenbeschwörer, Linolschnitt und Handsatz, originalgrafische Beilage der Marginalien Nr. 246 der Pirckheimer-Gesellschaft.
  • Gudrun Petersdorff: Lithografien von kraftvoller Farbigkeit (Abendlicht Fuerte Ventura, Botanischer Garten Leipzig).

Für die Festschrift Das dritte Jahrzehnt des LBA im Jahr 2021 steuerten drei der Künstlerinnen originalgrafische Blätter bei: Madeleine Heublein (Farbradierung), Julienne Jattiot (Typografisches Blatt), Gudrun Petersdorff (Farbsiebdruck). Die Ausstellung Septima im Literaturhaus Leipzig, Gerichtsweg 28, ist bis zum 17. Januar zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9 bis 17 Uhr, Freitag 9 bis 17 Uhr. Alle Informationen unter: www.leipziger-bibliophilen-abend.de.

(Ekkehard Schulreich)

Do, 10.10.2024

"Paradiesische Dialoge 7" in Leipzig: Der LBA lädt am 14.10.2024 zur Präsentation im Haus des Buches ein.

„Sabrina“: LBA-Buchpräsentation

„Sabrina“: Der Leipziger Bibliophilen-Abend (LBA) lädt am 14. Oktober 2024 um 18.30 Uhr ins Literaturcafé im Haus des Buches (Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig) ein. Ihr Herausgeber Michael Hametner präsentiert den siebenten Band der LBA-Reihe Paradiesische Dialoge, die damit ihren Abschluss findet – mit dabei sind: Lutz Seiler, Michael Morgner sowie Kristina Brusa, die das Werk gemeinsam realisierten. Der Prosatext Sabrina des Georg-Büchner-Preisträgers Seiler erscheint als Erstveröffentlichung mit Grafiken des Chemnitzer Künstlers Michael Morgner. Seine dafür genutzte künstlerische Tiefdrucktechnik ist die heute selten gewordene Heliogravüre. Gestaltet wurde die LBA-Ausgabe von der Leipziger Grafikerin Kristina Brusa. Das Buch erscheint in einer limitierten und von Autor, Künstler und Gestalterin signierten Auflage von 99 Exemplaren, zudem sind sämtliche Grafiken vom Künstler signiert. Michael Hametner als Herausgeber der Reihe Paradiesische Dialoge wird sich im Gespräch mit Lutz Seiler, Michael Morgner und Kristina Brusa den verschiedenen Aspekten dieses Buches nähern. Lutz Seiler wurde 1963 in Gera in Thüringen geboren, arbeitete als Baufacharbeiter, Zimmermann, Maurer, studierte dann Germanistik in Halle und betrat die Lyrikszene 1995; spätestens seit dem Band pech & blende (Suhrkamp 2000) gilt er als einer der wichtigsten zeitgenössischen Lyriker. Seit vielen Jahren leitet er das Peter-Huchel-Haus in Wilhelmshorst. 2023 wurde er mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis geehrt; die Jury würdigte ihn als Romancier und „dunkel leuchtenden Lyriker“. Mit dem Erzähltext Turksib wie den Romanen Kruso und Stern 111 feierte Lutz Seiler große Erfolge. Der Eintritt am 14.10. ist frei.

(Thomas Glöß/Pressemitteilung)

Do, 08.02.2024

Der LBA wird 120: Drei Beispiele für Exlibris für den Leipziger Bibliophilen-Abend seit 1904. | © LBA

120 Jahre: Leipziger Bibliophilen-Abend besteht seit Februar 1904

Vor 120 Jahren in Leipzig gegründet: Der erste deutsche bibliophile Ortsverein

Der LBA wurde 120: Am 04. Februar 1904 gründen achtzehn Leipziger Mitglieder der Weimarer Gesellschaft der Bibliophilen (GdB), die am 25. Januar eine Einladung wie alle 72 in Leipzig wohnhaften Mitglieder der Gesellschaft dazu erhalten haben, die erste Ortsvereinigung der Bibliophilen in Deutschland in Baarmann’s Lokal (Markt 6/Katharinenstraße 3) und vereinbaren, sich künftig in den Monaten Oktober bis Mai regelmäßig am ersten Dienstag des Monats zu treffen. Im Mai zählt der Verein bereits 50 ständige Mitglieder, und es treten noch mehr Interessenten ein. Die drei Leipziger weiblichen Mitglieder der Weimarer Gesellschaft, Frau Konsul Marie Nachod (Mitglied seit 1899), Frau Tanna Meyer (Mitglied seit 1902) und Fräulein Marianne Brockhaus (Mitglied seit 1903) treten in der Leipziger Ortsvereinigung allerdings nicht mehr in Erscheinung.

Im ersten Jahr lässt sich der Verein als „Leipziger Bibliophilen-Abend“ (LBA) mit den Rechten einer juristischen Person ins Vereinsregister eintragen. Ein Satzungsentwurf steht dann auf der Tagesordnung der Generalversammlung der GdB im Herbst 1905 in Leipzig. Die Begrenzung der Mitgliederanzahl ab 1905 hat dem LBA auch den Namen „Leipziger 99“ eingebracht. 

Zu den Höhepunkten des Vereinslebens gehören „Jahresessen“ und bibliophile Jahresgaben. Die erste Jahresgabe des LBA ist anlässlich des ersten Jahresessens am 25. Februar 1905 an die Vereinsmitglieder verteilt worden, eine Nachbildung der Singenden Muse an der Pleiße von Sperontes, Leipzig 1736. Zwar betrug die Anzahl der gleichzeitig zum Verein gehörenden Mitglieder stets 99, aber durch oftmaligen Wechsel im Laufe der Jahre und Nachrücken aus der langen Liste der „Vorgemerkten“ zählte der Verein von Anbeginn bis zu seinem letzten Tag 237 Mitglieder.

1933: Der vorerst letzte Tag

Dieser letzte Tag ist der 29. April 1933 – der Tag der Inthronisation der Nazi-Sieger im Leipziger Rathaus. Unter dem Druck der Ereignisse, gerade eben an diesem Tag, sieht sich der allseits beliebte jüdische Vorsitzende des LBA Gustav Kirstein zu einem Rundbrief an alle Vereinsmitglieder veranlasst, das vorgesehene Jahresessen auf den „Beginn des Wintersemesters“ zu verschieben. Es bleibt das letzte Dokument, man trifft sich offiziell nicht mehr, es ist für lange das Ende des LBA.

Die verlangte NS-Gleichschaltung stößt auf Ablehnung bei den Mitgliedern, man geht still auseinander, ohne sich juristisch aufzulösen. So bedurfte es auch 1991 nur einer Wiederbegründung des LBA mit den schon im einstigen Kulturbund der DDR wirkenden Leipziger Bibliophilen ... Dem damaligen Vorsitzenden des LBA – Herbert Kästner – ist es zu danken, dass es unter seiner langjährigen Leitung gelungen ist, alle bibliophilen Jahresgaben und Gaben der Mitglieder, die sie sich untereinander verehrt haben, zusammenzutragen. Sie haben inzwischen allesamt ihren Platz in der Deutschen Nationalbibliothek (Standort: Deutscher Platz 1 in 04103 Leipzig) gefunden.

Aus den in den einzelnen Gaben enthaltenen Empfängerlisten konnten die Namen der Mitglieder und deren Verweildauer im historischen Verein rekonstruiert werden. Die Mitglieder gehörten in der Reihenfolge ihrer Anzahl folgenden Berufsgruppen an: 38 Verleger und Verlagsbuchhändler, 33 Wissenschaftler, 19 Buchhändler und Antiquare, 18 Rechtsanwälte und Juristen, 17 Bibliothekare, 15 Mediziner, 12 Lehrer an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe, 12 Prokuristen, 11 Druckereibetreiber, 9 Kaufleute, 8 Pädagogen, 7 Redakteure, Publizisten, 5 Rauchwarenvermarkter, 4 Komponisten und Musiker, 4 Kunsthändler und Kunstsammler, 4 Musikalienverleger bzw. -händler, 3 Militärs, 2 Buchbindereibetreiber, 2 Maler, Grafiker, 2 Regisseure, Dramaturgen, 2 Schriftsteller, 2 Geologen, 2 Oberbürgermeister, 2 Fabrikanten, 1 Bankier, 1 Buchhalter, 1 Finanzbeamter, 1 Gastwirt.

Die Liste der Mitglieder, für die ab 1933 eine Zeit begann, die sich mit dem Titel Gemaßregelt, verjagt, in den Tod getrieben fassen lässt, ist erschütternd lang, es finden sich eine Reihe großer Namen darunter, die aufs Engste mit der Geschichte der Stadt Leipzig verbunden sind: Adolf Aber, Moritz Wilhelm Breslauer,  Ernst Theodor von Brücke und Carl Goerdeler, Max Goldschmidt-Goepel, Henri Hinrichsen, Erwin Jacobi, Leo Jolowicz, Gustav Kirstein, Alwin Kronacher, Erich Anselm Marx, Hermann Michel, Rudolf Schick, Levin Ludwig Schücking, Georg Steindorff, Fritz Weigert, Martin Winkler, Georg Witkowski, Kurt August Paul Wolff und viele, viele andere.

(Peter Uhrbach/Leipziger Internet-Zeitung)

Do, 19.10.2023

Die Zeitschrift "Common sense" und Ulrich Tarlatt.

Common Sense und Augenweide

Der Leipziger Bibliophilen-Abend lädt am 03. November zur Vernissage ihrer neuen Ausstellung ein. Ab 18 Uhr werden die Exemplare der bibliophilen Zeitschrift Common Sense, die von 1989 bis 2018 in dreißig Bänden in der Edition Augenweide herausgegeben vom Bernburger Künstler Ulrich Tarlatt und vom halleschen Dichter und Architekten Jörg Kowalski, im Literaturcafé im Haus des Buches von Leipzig (Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig) im ehemaligen Graphischen Viertel der Messe-Metropole gezeigt wird. Die von den eng befreundeten Künstlern 1987 begründete Edition, in der neben der jährlichen Zeitschrift auch weitere originalgrafische Bücher erschienen, steht dabei als exzellentes Beispiel eines hohen ästhetischen Anspruchs unter erschwerten Bedingungen: „Gemeinsam mit anderen unabhängigen Künstlern und Literaten wurden (...) Spielformen der visuellen Poesie ausgelotet und dabei die (...) Zensur der DDR unterlaufen.“ So „entwickelte sich mit den Publikationen in geringer Auflagenhöhe eine Ästhetik, die rückblickend auch als eine (...) ‚Bibliophilie der Andersdenkenden‘ bezeichnet wird.“ Weiter heißt es in der Ankündigung des HdB: „Von 1989 an erschien jährlich eine Ausgabe des Almanachs für Kunst und Literatur Common Sense. Pro Ausgabe wurden 30 bis 35 Künstler und Schriftsteller eingeladen, die sich des gesamten Spektrums originalgrafischer Techniken bedienten: Hoch-, Tief- und Flachdruck, Siebdruck, Collage, Monotypie, serielle Unikate, Fotografie und Zeichnung. Bis 2018 entstand mit 30 Ausgaben eine in sich geschlossene Reihe, die den Wandel gesamtdeutscher Geschichte künstlerisch reflektiert hat.“ Common Sense sollte so eine der bedeutendsten bibliophilen Editionen seiner Zeit sein, vergleichbar etwa mit der bis dato erscheinenden Herzattacke der Edition Maldoror. Die Schau mit den wundervollen Exponaten im Leipziger Haus des Buches wird regulär vom 06. November 2023 bis zum 09. Januar 2024 zu sehen sein, der Eintritt in das Literaturhaus ist frei. Zur Vernissage am 06.11. sprechen LBA-Vorstand und Pirckheimer-Freund Dr. Thomas Glöß (Grußwort) sowie Dr. Adrian La Silva (Laudatio). Musik: Tilo Augsten (Klavier) und Torsten Walther (Saxophon).

(André Schinkel/LBA/Pressemitteilung)

Do, 24.08.2023

Der große Typograf Gert Wunderlich bei der Arbeit. Der Gutenberg-Preisträger starb am 15.08.2023.
Gert Wunderlich legte ein höchst umfangreiches, vielgestaltiges typografisches, buchgestalterisches und grafisches Werk (hier: Einband von "Rote Wut und schwarze Galle", Pirckheimer-Gesellschaft und Institut für Buchkunst an der HGB Leipzig, 1990) vor.

Trauer um Gert Wunderlich

Der große Typograf und vielfach national und international geehrte Schrift-Erfinder, Buch- und Plakatgestalter Gert Wunderlich (1933–2023), der zu den prägendsten Gestalten der Leipziger Typografen-Schule gehört, ist tot. Er starb, wie seine Tochter Sylke Wunderlich mitteilt, am 15. August. Wunderlich, der bereits 1979 mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig ausgezeichnet wurde, studierte an der HGB (Hochschule für Grafik und Buchkunst) Leipzig unter anderem bei Wolfgang Mattheuer und Albert Kapr. Nach einer Tätigkeit als Buchgestalter in Erfurt und Sekretär der Internationalen Buchkunst-Ausstellung in Leipzig kehrte 1966 für eine Aspirantur bei Kapr an seine Alma mater zurück, an der nach Stationen als Dozent, Assistent und Oberassistent schließlich die Professur für Buchgestaltung und Gebrauchsgrafik übernahm und die Klasse für Typografie/Buchgestaltung/Plakat leitete. Als renommierter Gestalter und Typograf kuratierte er in diversen Gremien die Schönsten Bücher aus der DDR, Schönste Bücher aus aller Welt sowie weitere Wettbewerbe und internationale Biennalen. Vielfach wurden Wunderlich Dozenturen, Professuren und Kuratoriumsmitgliedschaften im Ausland (Polen, China, Finnland ...) angetragen. 

Zentrum seiner Arbeit blieb stets Leipzig. Einen Namen machte er sich als Erfinder und Gestalter diverser Schriften, von denen sich vor allem die erstmals 1963/1964 entworfene und in zahlreichen Varianten in über siebzig Schriftsystemen weltweit verwendbare Maxima als großer Erfolg herausstellte. Die Groteskschriften der Maxima-Familie waren zeitweise einer der meistverwendeten Schriftfamilien überhaupt, sie finden bis heute Anwendung und weiteste Verbreitung im täglichen Leben (Bahnhofsbeschilderungen etwa, in der Minima-Variante auch in Telefonbüchern und vielfältigen anderen Publikationen); in der DDR waren die zahlreichen Varianten der Maxima die häufigste Schriftart in der Öffentlichkeit. Bis heute findet sie in nahezu allen Publikationsgenres Anwendung und wird beständig weiterentwickelt. 2006 wurde sie unter dem Namen Maxima Now redesignt. Sie ist in zahlreichen lateinischen, kyrillischen und griechischen Schriftschnitten samt Sonderzeichen und Medievalziffern verfügbar, wird in insgesamt 80 Sprachräumen verwendet.

Gert Wunderlich reüssierte zudem als Plakatkünstler von hohen Gnaden. Seine Plakatkunst gelangte bis nach Japan. Angeregt durch ihre Tochter, begannen diese, er und seine Frau Sonja Wunderlich, mit der er vielfach zusammenarbeitete, zudem mit dem Aufbau einer Sammlung von Emaille-Schildern, die es als Spielart der Gebrauchsgrafik vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu großer Verbreitung brachten. Teile der Kollektion, die bis dato etwa 700 Objekte umfasst, waren 2021 in einer Ausstellung im Leipziger Grassi-Museum unter dem sprechenden Titel Von der Blechpest zur Sammelleidenschaft zu sehen. Nicht zuletzt und vor allem aber auch wird Gert Wunderlich als einzigartiger Buchkünstler und -gestalter in Erinnerung bleiben, worauf Pirckheimer-Freund und Vorstandschef des Leipziger Bibliophilen-Abends, Dr. Thomas Glöß, in einem Nachruf verweist. Wunderlich, dessen von ihm gestaltete Bücher Legion sind und zugleich Ausweis eines expressiven, zugleich fürsorglichen und dem Gegenstand dienlichen Umgangs mit Text und Grafik, war Ehrenmitglied des LBA und wird auch auf diese Weise unvergessen sein.  

(André Schinkel)

Do, 01.06.2023

"Hamburger Bothe 16", die Ausgabe für Juni 2023.

Hamburger Bothe 16 erschienen

Einen nicht nur kleinen Leipzig-Schwerpunkt hat die ganz frische, die Ausgabe für den Juni des Hamburger Bothen, deren Erscheinen die Herausgeber Rudolf Angeli und Peter Engel soeben anzeigten. Die Publikation, die von der norddeutschen Fraktion der Pirckheimer-Gesellschaft mittlerweile in den vollständigen Geltungsbereich der PG hineinwirkt, hat dafür illustre Gast-Autorinnen und -Autoren gewinnen können. So schreibt Pirckheimer-Freund Thomas Glöß über den Leipziger Bibliophilen-Abend, eine der traditionsreichsten Gesellschaften, Buchkunst und Grafik betreffend, in Deutschland, deren Vorstandsvorsitzender Glöß zugleich ist. Zudem berichten Julia Penndorf und Urte von Maltzahn-Lietz von den Aktivitäten der „augen:falter“, einer in der Pleißestadt beheimateten Künstlerinnen-Gruppe, die erst kürzlich mit sieben zweifarbigen Linolschnitten als Beilagen der Marginalien, der Zeitschrift der Pirckheimer, eine ganze Riege Sammler glücklich machte. Pirckheimer-Freund Norbert Schüßler aus Aschaffenburg berichtet vom Entstehen seiner Sammlung an Künstlerbüchern und widmet sich dabei besonders einem so bestechenden Holzschneider wie Frank Eißner, der heute im Mainfränkischen lebt, aber auch im Ursprung ein Leipziger ist. Auch die bibliophile Empfehlung richtet sich nach Lipsia aus und feiert einen Erich-Mühsam-Band, erschienen in der Reihe Die Graphischen Bücher bei Faber & Faber. An neuen Texten verweist die Ausgabe 16 des Bothen auf Wolfgang Denkel, der am 14. Juni in Hamburg liest, und Urs Heftrich, dessen Gedichte zweisprachig bei Angeli & Engel erschienen. Nach der feinen Ausgabe zur BuchDruckKunst eine rundum gelungene Nummer des Journals, für alle Interessenten unter der Mailadresse Rudolf_Angeli@web.de erhältlich, PG-Mitglieder erhalten sie automatisch. Und auf Anfrage wird der Hamburger Bothe auch in Papierform versandt.

(André Schinkel/Pressemitteilung)