Pirckheimer-Blog

Neuerscheinung

Di, 18.06.2024

"Schreibtischbegegnungen": Eins von vier Hinrichs-Motiven liegt der neuen "Marginalien"-Ausgabe bei.

Marginalien: Heft 253 erschienen

Das neue Heft der Zeitschrift der Pirckheimer-Gesellschaft, die Ausgabe 253 der Marginalien, ist erschienen und dürfte nun bei allen Freunden und Mitstreitern der Gesellschaft gelandet sein. Die Redaktion um Prinzipal Till Schröder hat sich wieder mit einer illustren Auswahl hochkarätiger Beiträge befassen können und selbst zur Vollständigkeit des Heftes beigetragen. Die Typografische Beilage würdigt einen der Größten in der Erzählkunst des 20. Jahrhunderts, Franz Kafka, dessen Todestag sich am 03. Juni 2024 zum 100. Mal jährte, mit einer von Pirckheimer-Freund und Mit-Redakteur Jens-Fietje Dwars besorgten Auswahl Parabeln aus dem Nachlass. Von Dwars stammt auch der Begleittext für die Grafikbeilage, die dieses Mal in vier Motiven von Jakob Hinrichs den Mitglieder-Heften beiliegen: „Mir gefällt Pop, das Populäre“ sichtet die Arbeit des Kreuzberger Künstlers und begleitet zugleich die Siebdruckfolge, die der Ausgabe beigegeben wurde. Weiter sind im Heft zu finden: feine Aufsätze von Silvia Werfel, Matthias Wehry, Roger Sonnewald, Volker Michels und Paul Kaiser. Ein bisschen geht es um Seelenforschung; und es gibt dazu noch Lug und Trug und ein wunderbares Gespräch zu Davide Ferrarios Eco-Film Eine Bibliothek der Welt, eine Erinnerung an Martin Walser sowie gute Wünsche zum 60. von Moritz Götze. Die Ausgabe wird abgerundet mit Rezensionen, Nachrichten, Ausstellungstipps, ja, und Informationen zum Stand des Pirckheimer-Wesens. Und: Sigrid Wege lädt zum Jahrestreffen der Gesellschaft in die Ottostadt Magdeburg ein, wo sich vom 13. bis 15.09. alles um das schöne Buch ... um die begehrte Grafik dreht. So viel zu lesen in den Marginalien. Da kann der bibliophile Sommer getrost kommen.

(André Schinkel)

Sa, 15.06.2024

Petrus + Corn.Elius = „Ponyhof“: am 22.06. in Berlin.

Petrus + Corn.Elius = „Ponyhof“

Die edition wasser im turm lädt für den Sonnabend, den 22. Juni 2024, von 14 bis 18 Uhr zur Kunst- und Druckaktion ein. Die Aktion in der Hauptstadt des Landes findet am Wasserturm Kreuzberg (Ort: Ficidinstraße/Ecke Kopischstraße, 10965 Berlin) statt. Das Ereignis unter der Signetfolge Zeichnen, Schreiben, Drucken, Künstlerbuch wird mit im wahrsten Sinne kunstvollem Leben gefüllt von Petrus Akkordeon und Corn.elius (Cornelius Brändle). Es entstehen bis zum Ende der Aktion an diesem Wochenendnachmittag zwei Künstlerbücher, wie man das von der Edition gewohnt ist. Die Sache firmiert in diesem Jahr unter dem schönen Titel Ponyhof. Dies wird sicher auch auf die Resultate ausstrahlen ... Darüber hinaus wird um 16 Uhr im Bildkasten die neue Ausstellung aufregung am strassenrand mit Arbeiten von Hanneke van der Hoeven eröffnet. Die Protagonisten laden herzlich zu diesen Veranstaltungen am übernächsten Samstag nach Berlin ein. 
 
(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 08.06.2024

Bücher, Bücher, Bücher, Bücher ... und Bücher ... jetzt neu im Gemeinschaftskatalog 2024 der Antiquare.

Gemeinschaftskatalog Antiquare für 2024 am 28. Mai erschienen

Gesammeltes Kompendium: Der neue Gemeinschaftskatalog der Antiquare erschien am 28. Mai 2024. Katalogbestellungen für Interessierte, die nicht bereits im allgemeinen Verteiler der antiquariat.de-Webseite sind, sind unter der Email service@antiquariat.de möglich. Man kann auch auf der Seite des Online-Antiquariats sogleich in der Maske mit dem Suchen beginnen und seinen Hunger auf Bücher und Bibliophiles stillen. Gesucht werden kann in den Großrubriken Bücher, Grafiken, Kunst, Autographen, Postkarten, Noten, Tonträger und Fotografien. Auch eine sachliche Suchleiste u. a. mit den Neueingängen und den Alt-Katalogen der Vergangenheit gibt es. Die Seite kann als zentrales Organ der Genossenschaft der Internet-Antiquare im deutschen Raum und darüber hinaus verstanden werden: „Schwerpunkt des Bestandes in unserem Online-Antiquariat bildet erwartungsgemäß das antiquarische Buch, d. h. Bücher aus zweiter Hand – von aktueller, aber gebraucht günstigerer Sortimentsware, bis hin zu alten, ‚antiken‘ Werken, die neben ihrem oft wissenschaftlichen Wert vielfach auch geschätzte und hoch bewertete Sammlerstücke darstellen. Ebenso finden Sie, traditionell dem Antiquariat zugehörig, ein großes Angebot an alten Landkarten, Stadtplänen, topographische Ansichten, künstlerischer Graphik, Noten, Ansichtskarten und zahlreiche sog. Ephemera (Exlibris, Flugblätter, Prospekte, Filmplakate, Theaterprogramme u. Ä.) …“ Der Gemeinschaftskatalog der Antiquare, der für 2024 erschien, ist der insgesamt vierzehnte seiner Art, mit wenigen Ausnahmen (2015, 2023) wird das Periodikum jährlich aufgelegt. Und dies, das sei vermerkt, zur ausdrücklichen Freude aller Bücherverrückten, ihren antiquarischen und Sammel-Leidenschaften zu frönen. Insgesamt bieten auf www.antiquariat.de 350 Antiquare aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und einigen weiteren Ländern ihre Preziosen an. Und auch im neuen Katalog wird die Freundin, der Freund des seltenen, vergriffenen, gesuchten Buches fündig. 

(André Schinkel)

Sa, 01.06.2024

Matthias Claudius, Porträt von Friederike Leisching.

Hamburger Bothe 22 erschienen

Ganz frisch ist der neue Hamburger Bothe, die Ausgabe 22 der nördlichen Pirckheimer-Freunde, die aber mittlerweile weit über den Erscheinungsort Hamburg hinaus wirkt, am heutigen 01. Juni erschienen. Die Zeitschrift, die in der Corona-Zeit als Verständigungsorgan in schweigsamer, in treffarmer Zeit gegründet wurde, bildet mittlerweile neben den Marginalien ein zweites Periodikum der Gesellschaft. Wie immer haben die Herausgeber Rudolf Angeli und Peter Engel eine feine Auswahl an Themen und Informationen für die Bibliophilen und Bücherverrückten getroffen und kompiliert. So kommen Paul Hennig, Abel Doering und Rainer Ehrt zu Wort, es wird über den Stand der Subskription für das neueste Werk des Verlags Angeli & Engel informiert (man beeile sich bereits bei den regulären Exemplaren!); primäre Texte gibt es von Arne Rautenberg: zwei visuelle Gedichte. Doering schreibt über den Engel der Geschichte von HAP Grieshaber und Henning über seine Sammlung ostdeutscher Kunst vor und nach der Wende, hier mit besonderem Fokus auf die anerkannt Großen einerseits wie gleichsam die Außenseiter des Sammelgebiets, hier v. a. mit den ausgedehnten Sammlungen zu Wolfgang Henne und Ulrich Tarlatt. Es gibt da ein Porträt der Pegasus-Presse und den vierten Teil von Serenpendity. Ein besonderes Highlights des Heftes ist die Vorstellung einer antiquarischen Neuerwerbung des Reprints des vollständigen Wandsbecker Bothen von Matthias Claudius (1740–1815), die Ausgabe der Zeitschrift, die Claudius von 1771 bis 1775 herausgab und redigierte, beschließt den Reigen dieser wieder gut gefüllten Nummer des (sic:) Hamburger Bothen Nr. 22. Die Online-Ausgabe bekommt man hier: Rudolf_Angeli@web.de.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 24.05.2024

"Licht und Labyrinth": André Schinkel liest aus neuen Publikationen in der Alten Kanzlei in Bleicherode.

Schinkel: „Licht und Labyrinth“

André Schinkel, der in Halle an der Saale lebt und dem Verein „Dichterstätte Sarah Kirsch“ über Lesungen, Porträts und Ausstellungen sehr verbunden ist, wird am 25.05.2024, 14.30 Uhr zwei neue Projekte in der Alten Kanzlei in Bleicherode vorstellen: Saale-Licht, das beruhend auf einer Idee von und in enger Zusammenarbeit mit der Malerin und Grafikerin Andrea Ackermann über mehrere Jahre entstand, sieben Einblätter mit Radierungen und Texten enthält und 2023 als originalgrafische Mappe erschien, sowie seinen neuen Lyrikband Mondlabyrinth. Die Gedichtsammlung bildet den dritten Band seiner „Gestirn“-Tetralogie und wird im September 2024 im Mitteldeutschen Verlag erscheinen. Die Covergestaltung lag bei Susanne Theumer, die unlängst im Schloss Heringen ihre Arbeiten zu Gedichten Mascha Kalékos ausstellte. Schinkel liest und erzählt, beantwortet und stellt Fragen. Alle Interessierten sind zu diesem literarischen Nachmittag herzlichst eingeladen.

(Neue Nordhäuser Zeitung/Pressemitteilung)

Do, 09.05.2024

Einband des neuen "Palmbaum" – von Sighard Gille.

Neuer „Palmbaum“ erschienen

Goethe und Beethoven schauen sich an, wenn wir das Cover des neuen Palmbaum, das erste Heft für 2024, des Literarischen Journals aus Thüringen – das auf drei Dekaden seiner Existenz zurück- und eben auch vorausblicken kann, in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit und ein Segen für den Freund der schönen und in die Tiefe gehenden ... der gut gemachten Zeitschrift, aufklappen. Nun, und sie tun das seltsam verquer: Der eine Meister steht Kopf, während der andere bribbelbrubblig einherblickt. Das hat wohl, selbst wenn die Radierung Sighard Gilles, eines der bedeutenden Vertreter der Leipziger Schule, zwanzig Jahre alt ist, mit dem gewählten und bearbeiteten Titelthema des aktuellsten Palmbaum-Hefts: Welterbe Thüringen? Glanz und Elend der Kleinstaaterei, vermittelnd zu tun. Gille selbst, gebürtiger Eilenburger, Jahrgang 1941, kommt denn auch in dem Porträt des Redaktionsleiters und Pirckheimer-Freunds Jens-Fietje Dwars in einer schönen Annäherung zu Bild und Stimme ... Diese Dwars-Porträts gehören zum Besten, was man momentan in der Auseinandersetzung mit bildender Kunst zu lesen bekommt – ja, dem Porträtisten gelingt es immer wieder, Credo und Quintessenz dessen, was die Erwählten treibt und hält, bestechend einzufangen. Auch die Kleinstaaterei der DDR, mit der die Künstler einst zu kämpfen hatten, leuchtet auf, aber das Leitthema greift dazu noch viel tiefer: mit den auf Thuringia bezogenen Beiträgen von Astrid Ackermann, Claudia Schönfeld, Detlef Ignasiak, Klaus Bellin, Rolf Schneider und Anne Viola Siebert, nebst Seitenblicken nach Weißenfels und ins Anhaltische. Im Primärteil gibt es Gedichte von Altmeister Peter Gosse, von Ron Winkler und Thomas Böhme, Prosa von Landolf Scherzer und B. K. Tragelehn, gefolgt von einem feinen Interview-, Essayistik- und Redeteil unter anderem mit Dietmar Ebert und Nancy Hünger und der umfangreichen Rubrik Rezensionen, auch dies mittlerweile selten in diesem rasenden Jahrhundert. Dwars gelingt im Bund mit seinem Redaktionsvize Ulrich Kaufmann auf 220 Seiten ein ums andere Mal das sanft-schöne Wunder, ein hohes Maß an Information und literarischem Input in Kohärenz mit einem guten Stück Publikation zu bringen, das man gern in der Hand und unter dem Auge hat. Ja, und selbst wenn man hier noch viel Interessantes zu erkunden hat, das sei gesagt, eigentlich ist man neugierig schon wieder, was das nächste Heft bringt. Und das ist ein Wert in dieser wackligen Zeit, die uns umgibt. (Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen, Heft 1/2024, Bucha bei Jena: quartus 2024, KlBr, 220 Seiten, Einband von Sighard Gille, ISSN 0943-545X, Einzelheft: 12 Euro, Jahres-Abo: 23 Euro.)

(André Schinkel)

Sa, 04.05.2024

Die 33. IAKH-Jahresschrift ist in Leipzig erschienen.

IAKH-Jahresschrift erschienen

Die 33. Jahresschrift für Künstlerbücher und Handpressendrucke, die Ausgabe des Periodikums der IAKH für 2024, ist in der Edition Lebensretter (Schlösschenweg 1, 04155 Leipzig) in der Pleiße-Metropole erschienen. Sie enthält eine Reihe Aufsätze und Essays zu Buchkunst und -handwerk, über Sammlungen, Künstler und Verlage – unter anderem sind Beiträge von Jost Braun, Reinhard Grüner, Axel Pilz und Ingo Cesaro sowie ein Register der IAKH-Aktivitäten der letzten dreißig Jahre enthalten. Die Edition ist in vier Ausgabe-Varianten mit Originalen von Chris Löhmann und Steffen Braumann (jeweils Radierungen) in einer Preisspanne von 89 bis 120 Euro zu erhältlich. Das Periodikum begleitet jeweils die jährlichen Ausstellungen der IAKH zum Thema im Zeitraum der Leipziger Buchmesse, und die Originalbeigaben können unter diesem Link eingesehen werden. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 30.04.2024

Die Büchergilde hat "Die Verwandlung" mit vielen kongenialen Blättern Rosy Lilienfelds anlässlich des 100. Todestags Franz Kafkas aufgelegt. Das Resultat ist nichts weniger als eine bibliophile Entdeckung. Die Kohlezeichnungen der Künstlerin, die Vertreterin einer "verschollenen Generation" ist und die 1942 in Auschwitz ermordet wurde, werden hier erstmals vorgelegt. Sie ergänzen den Kafka-Plot frappierend.

Bibliophiles dieses Monats: „Die Verwandlung“ von Franz Kafka

Caminante, son tus huellas / el camino, y nada más … (Machado)

Kafka und kein Ende: Wenn dem vor hundert Jahren im Alter von nur vierzig Jahren Gestorbenen nur der Hauch, ein Krümchen seines Ruhms zu Lebzeiten, wie er ihn (und auch noch gegen seinen Letzten Willen) im Tode traf, erreicht hätte, er hätte sich, Enttäuschung gewohnt, wohl gewundert und vielleicht auch verwahrt. Es ist aber so – Franz Kafkas (1883–1924) Werk ist zum Inbegriff der Verwerfungen des letzten (und wohl auch dieses) Jahrhunderts geworden. Die Verwandlung scheint da, neben den drei fragmentarisch gebliebenen Romanen Kafkas, ein Emblem dieses Erzählers geblieben zu sein; angesichts der großen Weitläufigkeit seines Werks, seiner Meisterschaft auch und vor allem in den kleinen Formen stellen sie letztlich nur das obere Pyramidion seines Wirkens dar.

Dass es so ist, verwundert indes nicht. Mit Das Urteil (1913) und In der Strafkolonie (1919) bildet Die Verwandlung, die 1915 erschien, eine exemplarische Novellen-Trilogie, die das Doppelthema der Unüberwindbarkeit von Instanzen, seien es Väter oder Vorgesetzte und das, was sein Nachgänger Wolfgang Koeppen (1906–1996) später mit dem elementaren Verdiktum „Wir sind von Anbeginn verurteilt“ (so in Jugend von 1976) treffend und schneidend beschrieb, mustergültig vor. Der Plot, in dem vom ersten Satz an das Verhängnis seine (sic!) Fühler ausstreckt, ist Signet und Vademecum einer der Blüten der Literatur der Moderne geworden, hinter dem sich jeweils ein Kosmos eröffnet, der die Gebresten der Existenz aufs Korn und mit buchhalterisch-advokatischer Akkuratesse wie kühler Anteilnahme in den Blick nimmt und damit die bedrückendsten Abgründe erzählt. 

Der Abyss entspringt dabei und fällt in die Tiefe seiner selbst, aus dem tiefsten Alltag heraus, der die sprichwörtliche Geworfenheit des Menschen, seine Entfremdung und Selbstentfremdung in der Moderne in sich trägt und hinter dem Biedermeier des Funktionierens, Funktionieren-Müssens hervorlugt. Gregor Samsa, der sich für seine saumselige Familie den Arsch aufreißt, findet sich in ein chitinbehängtes Monstrum, nun ... ja ... – verwandelt. Der Rest, wenn auch erst nach dem Tod Franz Kafkas und durch die vermittelnde Arbeit seines Freundes Max Brod (1884–1968), der den zu Kafka-Lebzeiten publizierten Texten den fulminanten Nachlass beigesellte, ist Literaturgeschichte. 

Ein bisschen scheint es auch so, dass im entwickelten Spätkapitalismus nun die Nachzehrer aufwachen und nicht nur das Andenken dieses Erzählers wahren, sondern ja auch einen gediegenen Euro damit machen mögen. Bei der Veröffentlichung von Die Verwandlung, Kafkas bekanntester und auch die Vielgestalt seines übrigen Werks ein wenig verdeckender Erzählung, im Programm der Büchergilde Gutenberg liegt der Fall anders. Dieses Buch ist weniger ob der Wiederauflage der Novelle ... – sondern aufgrund seiner illustrativen Beigabe verdienstvoll, würdig und auch besonders. Und es berührt, wenn man sich eingehend mit der Geschichte des Zustandekommens dieser Kombination des Textes mit den bisher unbekannten Zeichnungen Rosy Lilienfelds befasst.

Eben diese, die Novelle begleitenden Illustrationen sind die Entdeckung der Veröffentlichung der Büchergilde zum Kafka-Jahr, und sie erzählen von einer künstlerisch sowie menschlich aufregenden Wiederherstellung des Wissens um eine bedeutende Grafikerin einer verlorenen Generation. 2022 erstmals wieder in einer Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt zugänglich gemacht, ist das Leben und Werk von Rosy Lilienfeld (1896–1942) einer mehr als überfälligen Rehabilitation zu unterziehen. Die verschollene Künstlerin ist dem Expressionismus zuzurechnen, als Jüdin wurde sie 1942 in Auschwitz ermordet. Über die Umstände des Wiederfindens der kongenialen Arbeiten zu Kafkas Text berichtet in einem Nachwort im Buch die Direktorin des Jüdischen Museums, Dr. Eva Sabrina Atlan. Dort wird am 06. Juni auch die Präsentation von Die Verwandlung stattfinden.

Das Buch, das diese und Kafkas Geschichte in sich trägt, ist inhaltlich wie gestalterisch nichts weniger als ein Ereignis. Die Düsternis beider Linien, der narrativen wie zeichnerischen, verbindet sich hier mit einer hohen bibliophilen Güte, Würde und Kunstfertigkeit, die, auch wenn man das von Gilde gewöhnt sein mag, noch einmal etwas absolut Besonderes hat. Rosy Lilienfeld findet so treffende Bilder für das passive Aufbegehren Gregor Samsas und die sich, nun ja, abkühlende Umgebung seiner Familie, für die er, zum Tier geworden, jetzt völlig nutzlos ist, dass es den Leser und Betrachter schubbert. Und man zugleich die Augen nicht davon lassen kann ... So ist denn diese Neuausgabe der Verwandlung eines der schönsten, ja, und umtreibendsten Bücher der Saison.

Franz Kafka: Die Verwandlung. Mit Illustrationen von Rosy Lilienfeld und einem Nachwort von Eva Sabrina Atlan. Frankfurt am Main: Büchergilde Verlagsgenossenschaft, gebunden, fadengeheftet mit Lesebändchen, Rundumfarbschnitt sowie Prägung, 112 Seiten, ISBN 978-3-76327-471-0, für 28 Euro.

(André Schinkel) 

Mo, 29.04.2024

Soeben erschienen: die neue "Wandelhalle" der GdB.

Neue „Wandelhalle“ erschienen

Die Frühjahrsausgabe 2024 der Wandelhalle für Bücherfreunde, den Nachrichten der Gesellschaft der Bibliophilen e. V. ist soeben erschienen. Unter der Ägide von Silvia Werfel, der Redaktions-Verantwortlichen, Autorin und Fachjournalistin aus Wiesbaden, ist wieder ein feines Heft zusammen gekommen. Das Journal erscheint als Periodikum der ältesten Bibliophilen-Gesellschaft im deutschen Sprachraum (gegründet 1899) zweimal im Jahr und informiert intern und extern über die Neuigkeiten in der Buch- und Buchgrafikwelt. So lädt gleich im Editorial der neuen Ausgabe die Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft, Dr. Annette Ludwig, zur großen Jubiläums-Jahrestagung nach Weimar ein. Auch wenn es die 123. Tagung ist, feiert die GdB 2024 ihr 125-jähriges Bestehen. Unter den gleichgesinnten Vereinigungen, die sich mit Buchkunst und Bibliophilie befassen, gilt die GdB als die „Weimarer“ Gesellschaft: Da die Eintragung des Vereins dereinst in der Klassikerstadt erfolgte, ist treffen sich Ende Mai/Anfang Juni quasi „Weimarer in Weimar“ zur Jubiläumstagung. Und, das sei vorausgeschickt, das Programm der Bibliophilentage 2024 ist aufregend, illuster! Alle Informationen dazu gibt es unter diesem Link. Zurück zum Heft: In der Rubrik Blickpunkt gibt es aus der Feder der Chefredakteurin den eingehenden Text Bilderrausch, Augenschmaus. Comics als Sammelobjekte und Kulturgut. Silvia Werfel widmet sich darin der eigenen und doch im Metier noch recht jungen Begeisterung für die Gattung ... und es eröffnet sich letztlich nicht nur eine ganz eigene Welt, sondern auch ein faszinierendes, reich facettiertes Sammel- und Liebhabergebiet. In den Bibliophilen Notizen finden sich ein kleines Porträt von Max Liebermanns Frau ... und ein Hinweis auf den wunderbaren Film Umberto Eco. Eine Bibliothek der Welt, der sich der 32.000 Bände fassenden Sammlung des Ausnahmeautors wie -denkers widmet. Weitere Themen: Julius Nitsche, Artur Dieckhoff, Paul Maar, Print & Crime, Käthe Kollwitz und Núria Quevedo. Weiterhin Nachrichten, Ausstellungs- und Büchertipps sowie Rezensionen. Ein Heft – voller Buch!

(André Schinkel)

Mo, 22.04.2024

Zum 80. Geburtstag von Christoph Hein sind sechs seiner Romane als Jubiläumsedition erschienen.

Christoph Hein zum 80.: Sechs der Guldenberg-/Bad-Düben-Romane

Ein Autor wie Christoph Hein, der am 08. April seinen 80. Geburtstag feierte und zu den großen Erzählern des Landes gehört, hätte an sich eine gesammelte und vollständige Ausgabe verdient, und mithin wäre das nochmal als Sichtung eines zudem überaus umfänglichen Outputs dieses Autors – den Romanen, derer zwei weitere in Arbeit sein sollen, wären Novellen, Erzählungen, Essays, etwa zwanzig Stücke und auch Lieder beizugesellen – Maßstäbe setzend. Immerhin legt Suhrkamp zum Jubiläum sechs seiner wichtigsten Texte in einer Sonderausgabe vor: Es handelt sich um die sich in der Stadt seiner Kindheit bewegenden Bücher, darunter so bahnbrechende Romane wie Horns Ende und Landnahme. Den Abgleich mit seiner Adoleszenz-Stadt Bad Düben mag der Germanist zurückweisen, allein, er möge, auch wenn es sich in der Nennung um Guldenberg/-burg handelt, mit einem der Bücher durch den kleinen kursächsischen Flecken, der eine erstaunliche Anzahl Künstler hervorbrachte, wandeln – und er wird so manche Schramme an manchem Hoftor wiedererkennen ... Als Einführung in das große Metier der Kunst Christoph Heins oder wenn man etwas darüber erfahren möchte, wie sich Zeit-Geschichte, in Literatur verbracht, anfühlt, der ideale Einstieg. Und: Die limitierte Edition in sechs Bänden ist ungemein preiswert. (Christoph Hein Jubiläumsedition, Berlin: Suhrkamp 2024, 6 Bände in Kassette, br., 1.830 Seiten, ISBN 978-3-518-00599-6, 58 Euro.)

(André Schinkel)

Sa, 20.04.2024

Logo zum FISAE-Kongress Palma de Mallorca 2024.

Marginalien im FISAE-Newsletter

Klaus Rödel, der in regelmäßiger Folge seinen FISAE-Newsletter von Dänemark aus in die Welt versendet, hat auf die neue Ausgabe der Marginalien, der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der Pirckheimer-Gesellschaft (Heft 252, 2024/1), verwiesen. In zehn Sprachen übersetzt, nimmt dabei das Editorial des Chefredakteurs des PG-Journals, Till Schröder, eine Auswahl aus den vielen Abbildungen aus dem Heft begleitend, einen schönen Raum ein und spricht auf diese Weise mit den Kunst- und Grafikliebhabern in der Welt. Die FISAE, die sich global mit dem Exlibris befasst und, vermittelt in ihrem Newsletter Wissen zu Exlibristen aus verschiedenen Ländern, erinnert an Jubiläen und Todesfälle, gibt Infos zu den anstehenden Jahrestagungen, das Exlibris betreffend, so zum Beispiel in Neustadt an der Orla ... wo die Jahrestagung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft vom 24. bis 28. April 2024 stattfindet; und Palma de Mallorca: Auf der Balearen-Insel ist indes im Herbst die FISAE-Jahrestagung anberaumt. Das erste Drittel des FISAE-Newsletters Nr. 374 aber ist den Marginalien vorbehalten, die Übersetzungen des Eingangstextes Schröders sind schön flankiert von Fotografien und Abbildungen aus dem Heft-Gesamt. Sehr schön der Eröffnungssatz von Klaus Rödel zur neuen Ausgabe: „Nun liegt die Nummer 252 der Marginalien vor uns mit einer Fülle von interessantem Lesestoff und vielen Illustrationen zur Freude aller Literatur- und Grafikliebhaber.“ Das freut doch wiederum das Redaktoren-Herze ... Zu den weiteren Themen des Newsletters wurde und wird auch im Folgenden in diesem Blog berichtet. Und natürlich und hinwiederum sicher auch in den Marginalien, zumal es da immer wieder einiges Aufsehenerregendes ums Eck von Neustadt (Orla) zu berichten gibt, von Schloss Burgk etwa, das inzwischen der Hauptort des europäischen Exlibris-Sammelwesens ist und seit jeher ein „Inner Sanctum“ der Pirckheimer-Gesellschaft zumal.

(André Schinkel)

Do, 18.04.2024

Der Dichter Wilhelm Bartsch lebt in Halle. Seinem Debüt "Übungen im Joch" folgten eine Reihe Bände: Gedichte, Erzählungen, Romane, Nachdichtungen und Essays. Er wurde u. a. mit dem Brüder-Grimm-Preis sowie mit dem Wilhelm-Müller-Preis geehrt.
"Hohe See und niemands Land", bei Wallstein 2024.
In seinem neuen Buch spricht Bartsch mit einigen der großen Vorausgänger: St. Brendan, Shakespeare, den mitteldeutschen Dichtern Novalis und Hilbig.
Unser Rezensent Axel Helbig war viele Jahre Geist und Seele der Zeitschrift "Ostragehege". Er lebt als Autor, Kritiker, Publizist, Herausgeber in Dresden.

Buch des Monats II: „Wir selbst im Honiglicht sind Trauermücken“

Eine Paraphrase auf William Shakespeares 87. Sonett eröffnet Wilhelm Bartschs opulenten Gedichtband Hohe See und niemands Land. Aus Shakespeares ironischem Abrechnungsgedicht an einen Freund wird bei Bartsch ein Abrechnungsgedicht an „Frau Welt“, die doppelgesichtige Begierde, die den Menschen blind macht: „Soll ich mit dir im Sturm wie Lear noch tanzen, / Bis du mein Werk und mich zerbrichst zuletzt? / Schon hast Du mir den Virus der Bilanzen / Als Krone der Erschöpfung aufgesetzt. / Hoch fuhr ich aus dem Traumreich der Aufmotzer / Als König zwar, doch König der Schmarotzer.“ (Aus: Mein Eigentum.) 

Ehrlicher kann ein Gedichtband nicht ansetzen. Und dieser Ouvertüre folgen noch weitere Texte mit geradezu philosophischen Selbsteinsichten und Selbstermunterungen. „In Form zu bleiben“, erprobt sich Wilhelm Bartsch an Skakespeares Sonettform und vertreibt „mit solchem Sturm die Zeitgeisttricks“. Das Ziel ist klar: „Zur hohen See, zu niemands Reede hin, / Da liegen Shakespeare – Dante – Hölderlin –“ (Aus: Shakespeares Form.) Aber der Band ist mehr, er ist ein Fahrten- und Welten-Buch, in dem sich das lyrische Ich auf gefährliche Reisen zu Wasser und zu Land und durch Raum und Zeit begibt ... Der Wanderer kommt nach Auschwitz-Birkenau und nach Palmyra. Der Seefahrer bis ans Nordmeer. Mit St. Brendan „the Navigator“ nach „Anderswelt“ segelnd, „pinselt er seefahrende Gedanken (ins) Logbuchpalimpsest.“

In den angefügten Anmerkungen zu den Gedichten schreibt Bartsch, dass es dieser Anmerkungen nicht bedürfe. Das stimmt. Bartschs Gedichte sind ein Fest der Sprache und der Sinne, das keiner weiteren Erklärung bedarf, um den Leser in diesem Sprachstrom mitzureißen. Vor manchen Gedichten steht man wie vor einem Naturereignis, einem Nordlicht, einem Blick ins Alpental. Dennoch lohnt es sich, den Anmerkungen nachzugehen. Man erfährt nicht nur, dass der in Irland verehrte Heilige Brendan möglicherweise 900 Jahre vor Kolumbus in Amerika war, oder dass Arno Schmidt, das Urbild für seine Franziska (Hauptfigur in Zettels Traum) dem Unterwäsche-Katalog Mona entnommen hat. In Summa staunt man, welche Welt- und Querbezüge in ein Gedicht hineinreichen können. Diesen Hinweisen des lyrischen Enzyklopädisten Bartsch nachzugehen, macht Spaß, führt zu höherer Bildung und ist allemal besser, als den Zeitgeisttricks zu folgen. 

Ein anderer Heiliger von Wilhelm Bartsch ist Wolfgang Hilbig (1941–2007), sein Freund und Anreger: „Zwar zeitenkrank, doch sicher reist Sankt Hilbig / Auf seinem Rettungsfloß ,Misere‘. / Sein Unstern führt ihn sicher übers Meer / Von Katastrophe hin zu Katastrophe … // Er folgt so einzig seinem reziproken / Gesetz des Widerstands: je hässlicher / Die Fahrt wird, desto schöner, wird erniedrigt / Sankt Hilbig, kriegt er Größe, und je mehr / Die Nacht der Irrfahrt steigt, wächst auch die Klarheit, / Nur aussichtslose Fahrt führt hin zur Lösung …“ (Aus: Rettungsfloß „Misere“.)

Ein anderer Bezugspunkt ist Gottfried Benn (1886–1956), dessen Intentionen und Sprachgefühl Bartsch in mehreren Gedichten nachgeht. Benns und Bartschs Melancholie sind sich verwandt. Da ist ein Wissen um Schönheit, eine Trauer um ein Menschsein, welches das Wunderbare und Schöne zerstört: „Wir selbst im Honiglicht sind Trauermücken / mit dieser ewig großen zähen Geste, / in diesem Ballkleid nur aus Todesschlieren / und bald schon tief im schwarzen Flöz der Zeit.“ (Aus: Trauermücken.) – „Kann sein, wir wissen kaum was von der Welt, / Nur wie wir, Wüsten bergend, uns ermorden / Und nur, was für uns zählt, auch zählen: Geld. / Wir sind, die schießen, prellen und umhauen, / So prellt und schleudert uns nun selbst das Grauen.“ (Aus: Vulpus volatus.)

Den fünf Abschnitten des Bandes sind jeweils Motti vorangestellt, die den Grundton der Gedichte vorgeben. Vor dem zweiten Abschnitt steht ein Gedanke von Novalis (1772–1801): „Die Natur ist Feindin ewiger Besitzungen. Sie zerstört nach festen Gesetzen alle Formen des Eigentums ...“ Der letzte Text des Bandes ist einer Frau gewidmet, ihr verdankt sich – neben Shakespeare – auch das Buch. Sie ist das Du in vielen Gedichte, oft Gefährtin auf See und zu Land. An sie – die alte neue Liebe – richtet Wilhelm Bartsch manch zarte Zeile und Sonett in diesem Buch:

Du hörtest, dass ich’s war, an meinem Schritt
Noch hinter dir und nach so vielen Jahren.
Auch Du gingst ja für immer mit mir mit,
Ich wusste es auf einmal mit den Haaren.
Waren wir denn so unlösbar verknüpft,
Als hätte nicht die Zeit das Band zerrissen?
Ein Kind der Zeit war ich, das springt und hüpft,
Es fiel mir sogar leicht, dich zu vermissen,
Ich nahm dich tief in mir wohl nicht mehr wahr.
Glück, blinder Passagier dort im Versteck,
Auf hoher See erst wird es offenbar: 
Dein Steuerrad, mein Schritt an Deck.
Doch wer zur See fährt, hofft auch, dass er landet, 
Dass Liebe Liebe bleibt, noch wenn sie strandet.

(Du hörtest, dass ich’s war.)

Wilhelm Bartschs Sonette lesen sich, als hätte er diese lyrische Form soeben erschaffen, kein Staub klebt an den Versen, sie lesen sich geschmeidig und rhythmisch. Diese Gedichte regen den Geist an wie ein Gang durch die Natur. (Wilhelm Bartsch: Hohe See und niemands Land, Gedichte, Göttingen: Wallstein Verlag 2024, 140 Seiten, geb., ISBN 978-3-83535-393-0, 22 Euro.)

(Axel Helbig)

Sa, 13.04.2024

Patricia F. Blumes neueste Studie "Die Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR" ist erschienen im März bei De Gruyter Saur und dürfte sich in der Bearbeitung der Materie als Standardwerk erweisen.

Die Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR

Die Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR – das 772 Seiten fassende Kompendium von Patricia F. Blume könnte ein neues Standardwerk in der Geschichte der geteilten deutschen Kulturpolitik vor der Wiedervereinigung werden. „Literaturtransfer, Buchhandel und Kulturpolitik in deutsch-deutscher Dimension“ lautet denn das Motto auch, das den Untertitel des Bands, der bei De Gruyter Saur im März 2024 gebunden (ISBN 978-3-11131-596-6, für 69,95 Euro) und als E-Book (der Digital-Download ist direkt auf der Webseite des Verlags möglich) an exponierter Stelle erschien. Der Verlag schreibt zur Publikation: „Die Studie fächert erstmals die Entwicklung der Leipziger Buchmesse von 1945 bis 1990 auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Messe ihre Rolle im planwirtschaftlichen Literaturbetrieb. Die DDR nutzte sie als Leistungsschau, um Bücher und Kultur vor internationaler Kulisse in Szene zu setzen. Dabei diente das Frankfurter Pendant als Maßstab. Für die Lesenden in der Diktatur bot die Messe einzigartigen Zugang zu westlichen Medieninhalten und war Ort des legendären Messeklaus. (...) Durch die Messe wurde Leipzig zu einem Knotenpunkt des deutsch-deutschen Kulturaustauschs. Die Verlage der Bundesrepublik suchten den Kontakt und wirkten als Schrittmacher des innerdeutschen Literaturtransfers. Mit Blick auf die konfliktreiche Beziehung beider Börsenvereine leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Entspannung zwischen Ost und West. Auf einer breiten Quellenbasis rekonstruiert Patricia F. Blume die Entstehung der Leipziger Buchmesse, ihre Funktionen und ihren Wandel. Dabei verbindet sie Buchhandelsgeschichte mit Wirtschafts-, Alltags-, Kultur- und Rezeptionsgeschichte.“ Das Werk stammt aus berufener Feder: Die Autorin ist promovierte Buch- und Medienwissenschaftlerin und arbeitet an der Unibibliothek Leipzig in diversen Funktionen, neben anderem leitet sie dort den Fachinformationsdienst für Medien- und Kommunikationswissenschaft – und betreut zudem die beiden Rundfunkarchive der Einrichtung. 2020 bis 2023 war sie als Projektkoordinatorin an der halleschen Burg“ tätig. Ihr Buch stellt einen elementaren Beitrag zur Geschichte der Messe dar.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 02.04.2024

Die neue Ausgabe des "Hamburger Bothen", Heft 21.

Hamburger Bothe 21 erschienen

Auch wenn, wie der Hintergrundfunk vermeldet, die beiden Hamburger „Engel“, die Pirckheimer-Freunde und Herausgeber des Hamburger Bothen, Rudolf Angeli und Peter Engel im Moment abkömmlich und verreist sind, lassen sie doch die bibliophile Gemeinde nicht zurück ohne die neueste, die 21. Ausgabe ebenjenes Informationsblattes, das von der Freien und Hansestadt aus zunächst seinen Streifzug in den Norden und dann in das gesamte Lese- und Sammelgebiet der Pirckheimer-Gesellschaft unternahm und bis heute wächst. Ja, es geht das Gerücht, dass es diesmal sogar eine bibliophile Ausgabe des Journals gibt, das in bewährter Manier wieder aus den Gegenden des Herzens berichten, die den Bibliophilen, die Bibliophile erfreuen. So wird auf das Hamburger Treffen der PG im Februar (der Blog berichtete) rekurriert, es gibt Meldungen zu Kurt-Wolff-Stiftung und Simon-Wiesenthal-Preis, Hinweise zu einer Lesung von Verlagsautor Urs Heftrich und einen Ausblick auf die BuchDruckKunst am kommenden Wochenende, auf der Angeli und Engel am Stand der Pirckheimer wieder anzutreffen sind. Abel Doering verweist zum Karl-Kraus-Jahr auf eine seinerzeit bilaterale Kraus-Ausgabe bei Volk und Welt sowie Langen Müller, Rainer Ehrt arbeitete zu Kafka, der Beitrag von Paul Hennig muss geteilt werden; auch die Erwägungen zu „Serendipity“ werden fortgesetzt. Und schließlich gibt es drei gereimte Texte Heftrichs und die Einladung zur Subskription des fünften Angeli-&-Engel-Buchs, das sich dem Frankfurter Maler Bernhard Jäger widmet. Die Ausgabe des Bothen im digitalen (also: PDF-)Format ist unter der Email-Adresse Rudolf_Angeli@web.de anforderbar. Dort gibt es auch weitere Informationen.

(André Schinkel)

So, 31.03.2024

"Die vier Jahreszeiten", eben erschienen in Zaumseils Dreier Press – das aktuelle "Bibliophile des Monats".

Bibliophiles des Monats: „Die vier Jahreszeiten“ von Peter Zaumseil

Gemeinhin gilt der Frühling als die schönste und hoffnungsreichste Zeit des Jahres, auch in dieser von der Fäulnis der Abgründe, die im Menschen möglich sind, angeblickten Epoche möge das so bleiben, in der zarten Beblümelung beim Gedanken an die mögliche Auferstehung, die zumindest die Christenheit an diesen Tagen feiert und begeht, zumal. Die Kunst bliebt ein Signet des Humanen wie Schönen dabei, egal, wie schwer und schwierig die Jahre sind, in denen sie, Seismograph des Temporären oder Gegenentwurf in heller oder dunkler Wichtung, entsteht. Grund genug, damit einen Hinwink von Pirckheimer-Freund Uwe Klos aufzunehmen, auf ein neues originalgrafisches Buch von Peter Zaumseil, Künstler- und Landschaftskollege aus den wilden, ja, und im Moment zudem wild begrünten, wie es sein soll, ostthüringischen Hügelländern, hinzuweisen, was hiermit in diesem Blog mit dem Ehrensternchen Bibliophiles des Monats vorgenommen sein soll. Dieses Buch heißt Die vier Jahreszeiten und feiert alle von Wetter und Wind gezeichneten, zuweilen wohl auch gegerbten Quartale des Kalenders. Es erscheint, wie Uwe Klos weiterhin anzeigt, im Jahr des dreißigsten Jubiläums der Peter Zaumseil zueigenen Dreier Press als dessen 25. Druck. Die vier Jahreszeiten enthält 16 Farbholzschnitte des Meisters aus Elsterberg im Vogtland, dazu gesellen sich die Gedichte diverser Lyriker (der Riese Rilke ist dabei ... und der sicher berührendste unter allen lustikken Dichtern, Ringelnatz – man vergleiche jeweils die beiden Doppelseiten aus dem Buch in den Abbildungen) und Lyrikerinnen, insgesamt 14 an der Zahl. Die Texte wurden nach händischen Vorlagen Zaumseils bei Tischendorf in Greiz gedruckt, die Vignetten vom Künstler eigens koloriert; auch die Bindung übernahm Zaumseil selbst. Insgesamt liegt das 30 x 40 cm große Buch in neun regulären und zwei E.A.-Exemplaren vor, der Einband ist zudem mit vier Porzellankacheln mit Kristallglasuren von Ludwig Laser aus Obergeißendorf betan. Das prächtige Werk wurde bei (nach eigenem Statement) Peter Zaumseils letztem Auftritt auf der Leipziger Buchmesse präsentiert und soll auch sein letztes Buch in Auflage sein. Man wünscht indes an der Seite Uwe Klosens gleichsam, dass dem nicht so ist. Denn: Schöne Bücher braucht das Land, das wird immer so sein. Alle Informationen zu Peter Zaumseils Werk und auch dem neuen Buch sowie den Hinweis auf eine im Juni anstehende Ausstellung des Künstlers finden sich auf seiner persönlichen Seite im Internet.

(André Schinkel)