Pirckheimer-Blog

Neuerscheinung

Di, 13.01.2026

Filmaufnahmen – Mentor Armin Schubert und seine Bücherkinder vor dem 'Einhorn-Teppich' in Potsdam.

Potsdam: „Open House“ & Premiere

Das Museum Barberini in der brandenburgischen Landeshauptstadt (Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam) lädt zum Open-House-Termin am 25. Januar 2026 in die Kapitale an der Havel ein. Von 10 bis 19 Uhr (letzter Einlass: 18 Uhr) gibt es freien Eintritt ins Museum und jeweils 12.30 und 15.30 Uhr Einführungen zur aktuellen Ausstellung Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst im Museum sowie von 14 bis 16 Uhr freie Atelierzeit für alle. Und – dabei findet aber auch und vor allem die Premiere des Arte/ZDF-Films Das Einhorn. Kulturgeschichte einer Sehnsucht von Mathias Frick (2025, 52 Minuten) statt, in dem die Brandenburger Bücherkinder, die sich eingehend mit der Materie der Schau befassten und unter Mentorschaft von Pirckheimer-Freund Armin Schubert ein Einhorn-Buch veröffentlichten, eine bedeutende Rolle spielen. Die Bücherkinder werden seit Jahren auch von der Pirckheimer-Gesellschaft unterstützt und gefördert. Der Film wird jeweils um 11 (Screening, auf Einladung des Hauses) und um 14 Uhr (öffentlich) gezeigt. Was für tolle Nachrichten: Chapeau!

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 09.01.2026

Neue Jahresgabe der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft e. V.

In diesem Jahr präsentiert die Kölnische Bibliotheksgesellschaft e. V. eine Kollektion von Postkarten, auf denen insbesondere Artefakte christlicher mittelalterlicher Kunst dargestellt sind. Diese wurden 1925 in der berühmten Jahrtausend-Ausstellung in den neuen Kölner Messehallen auf Betreiben des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer (1876–1967) präsentiert. Es beinhaltet auch einen Kommentar, welcher die Umstände und Hintergründe dieser Sammlung erläutert. – Die Kölnische Bibliotheksgesellschaft unterstützt die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln bei der Pflege und Aufbau ihres Bestands. „Der umfangreiche Altbestand der Kölner Universitätsbibliothek umfasst neben zahlreichen alten privaten Sammlungen auch die Bestände der Vorgängerinstitutionen, die bis ins Jahr 1602 zurückreichen. Mit Ihrer Mitgliedschaft drücken Sie Ihre Verbundenheit zur USB Köln aus und kommen in den Genuss von Sonderveranstaltungen und Veröffentlichungen. Schwerpunkte und Ziele der KBG sind: der Erhalt der wertvollen USB-Altbestände, die Bezuschussung aktueller Fachliteratur für Studierende, die Unterstützung bei der Realisierung von Publikationen der Bibliothek, Kontaktpflege zu Stiftungen, Vereinen und Sponsoren.“ Alle Informationen zur Gesellschaft, wie auch der USB, finden sich unter diesem Link. Die Mitgliedschaft in der Gesellschaft ist für jährlich 30 (Studierende: 20) Euro Beitrag zu haben.

(Robert Grieger)

Mi, 07.01.2026

Otto Ubbdelohde zu "Frau Holle", ca. 1910, 12,8 x 11,6 cm. In Goßfelden wírd zudem Henrik Schrat gezeigt.

In Lahntal-Goßfelden: „Henrik Schrat und Otto Ubbelohde“

Die im November 2025 geplante und seinerzeit abgesagte Eröffnung der Ausstellung Henrik Schrat und Otto Ubbelohde – Rodung Kreuzung Lichtung im Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden (Otto-Ubbelohde-Weg 30, 35094 Lahntal-Goßfelden) im Lahntal findet nun am Sonntag, den 11. Januar 2026, um 11.30 Uhr statt. Der Pirckheimer-Freund Henrik Schrat, der soeben den letzten Band seiner neu illustrierten Ausgabe der Märchen der Brüder Grimm vorgelegt hat, schreibt dazu: „Otto Ubbelohde ist wohl mein Favorit unter den Grimm-Illustratoren, ein grafisches Genie, und in seinem Haus in der Stiftung zu Gast sein zu dürfen und eine Ausstellung gemeinsam mit seinen Zeichnungen zu machen, ist eine große Ehre und Freude.“ Überdies: „Das Ubbelohde-Haus, seine Wandmalereien und die Dauerausstellung an sich sind schon eine Reise wert ...“ Otto Ubbelohde (1867–1922) dürfte der bekannteste und nachhaltigste Illustrator der Grimm-Märchen sein – der Grimmschrat, erschienen von 2019 bis 2025 unter der Ägide Henrik Schrats, sollte sich mt seiner Vollendung allerdings in die Riege der großen Märchenausgaben einreihen. Das Haus im Lahntal ist sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet bzw. nach Vereinbarung zugänglich. Am 24.01.26 eröffnet zudem eine Schrat-Ausstellung im Haus unter den Linden im thüringischen Sondershausen ... Weitere Veranstaltungen sind geplant. Alle Informationen zu den Büchern wie zu Terminen finden sich hier.

(André Schinkel)

So, 04.01.2026

Neu erschienen: Ingolf Brökel: Null-lage. Gedichte. Berlin: PalmArtPress 2025. Hardcover, 120 Seiten, ISBN 978-3-96258-234-0, Preis: 22 Euro. Farbe von Coverschrift, Vorsatz und Lesebändchen Ton in Ton.

Gelesen übers Jahr · II: Die „Null-Lage“-Texte von Ingolf Brökel

Es beginnt mit einem schönen Wort, der Literatur wie der Physik, der, mit Verlaub, „vernünftigen“ Kunst Ingolf Brökels, gleichsam würdig: Null-Lage (oder, lyrisch fast noch schöner, Nulllage), ein um den Ruhepunkt geführtes Unterfangen, und, praktisch gesehen, um den Punkt eines nur mit sich selbst tarierten Geräts, den Nullpunkt einer Waage etwa, das Nichts, auf das die Nadel, der Magnet, die Aussicht zeigt, Abgleich und schwer zu erklärender Abgrund in einem. Ja, und ein guter Point Nemo in einer Zeit, da die Welt und ihre Verderber in den Arsch getreten gehören. Nun, und es bezieht sich im Fall Ingolf Brökels, seines Zeichens lange Lehrender der Physik in Berlin, auf die Verwerfungen der Zeit wie auch des Ur-Eigenen. Corona-Mief blinkt auf, die Vorhut der qualvollen Beschissenheit, in die die Epoche einbog. Aber auch das widerständige Vergehen der Altvorderen und des eigenen Sehens und Denkens, das Hervorholen vielfältiger Erinnerung, das sich in der Reife und im Rückblick einstellt. Ja, und auch Fluchtgedanken, was uns im Angesicht der Gegebenheiten pro domo et mundo nicht verwundern mag: „Ich habe die Stelle gefunden / In einem Buch / Dort bin ich versunken / Falls ihr es findet / Schlagt zu.“ (Endlich, S. 82) Oder dies: „Das Gegenteil von Mensch / Ist Mensch“, wie es Brökel in den kargen Begegnungen (Stück 5, S. 80) formuliert. Und – was eine Eindeutigkeit und Ambivalenz in einem greift, wie, nach Niels Bohr, eine tiefe Wahrheit wieder eine tiefe Wahrheit nach sich zieht und keine Falschheit wie die einfache selbe. Dazu flirren Variablen und Ankreuzmomente, aber letztlich ist alles ein Denken und Deuten, ein Sichten und ... – nun ja, auch Wünschen und die Erkenntnis, dass es oft nur ganz knapp neben dem ist, was denn regel-recht wäre, sinn-voll: „Ganze Leben / Werden geopfert / Um Noten / Richtig zu spielen / Wunderkinder // Aber keiner trifft / Den Ton / Alles / Nur Klang / Und vorbei.“ (Pianissimo, S. 63) Karg, kühl und geradeaus ist es, das Sprechen dieser Erwägung, die das Ende einer trilogischen Denk- und Schreibbewegung bildet, oft von geradezu haikuartiger Prägnanz: „Aus der Null und der Null zu: / Das ist der Fluss“, und kehrt am Ende ebendahin zurück: „zur Null hin / oder sich treiben lassen gegen Null.“ Ein stilles, ein kristallin-intimes, selbst widerständiges, ein klarblickendes wie allgültiges Buch, vorgelegt bei PalmArtPress, äußerlich in schlichter Eleganz, austarierter Würde. 

(André Schinkel)

Do, 01.01.2026

Klaus Bellin: Was bleibet aber. Schriftsteller in der DDR. Porträts. Bucha b. Jena: quartus-Verlag 2025. KlBr., 198 S., ISBN 978-3-947646-68-5, für 16 Euro.

Gelesen übers Jahr: Klaus Bellins „Was bleibet aber“- 32 Porträts

Als Porträtist ist Klaus Bellin, der Ende des eben vergangenen Jahres seinen 90. Geburtstag feierte, eigentlich uneinholbar. In zahlreichen Bänden und Features für den Rundfunk, in Artikeln und Aufsätzen hat der Berliner so ungezählte Biografien auf höchstem literarischem und essayistischem Niveau verfasst, einige dieser Werke, etwa zu Kurt Tucholsky und seiner Frau, zu Anna Seghers oder zu Heinrich Böll, gehören zum Besten, was man an gegenwärtiger biografischer Publizistik zu lesen bekommt. Viele dieser WerkeAugenblicke der Literatur, Bankett für Dichter oder Gegenwelten seien genannt – dürften mehr zu einer gelebten Literaturgeschichte der Gegenwart beitragen als so manche hochtrabende wissenschaftliche Affirmation. So ist es auch mit dem neuesten Band Bellins: Was bleibet aber, auf ein ikonisches Zitat Friedrich Hölderlins bezogen, porträtiert in 32 Texten bekannte und auch weniger bekannte Schriftsteller der DDR, die heute zum Teil schon längst dem Vergessen anheimgegeben sind. Bellin spannt dabei den Bogen weit von Johannes R. Becher, dessen tragische Vita noch einmal zum Tragen kommt, über Hermlin und Fühmann bis hin zu Elmar Faber, seines Zeichens einer der bedeutendsten Verleger des selbsternannten Leselands. Die Großen und Nobelpreisverdächtigen wie Christa Wolf oder Johannes Bobrowski, Brecht oder eben Seghers, mit denen Bellin vertraut war, sind selbstverständlich dabei. Zugleich wird in dem Buch sehr viel zur Ehrenrettung derer getan, deren Name heute kaum noch klingt. Klaus Bellin beschreibt zudem die Ambivalenz dieser Jahre: Emigranten, die, in der BRD verschrien, verspottet, in die DDR gingen, dort lebten und schrieben, an ein besseres Deutschland glaubend und selbst schwer enttäuscht wurden; Iden, die auch die Dagebliebenen und Nachgeborenen trafen. Oder das seltsame Zwischen-den-Stühlen-Sein Stefan Heyms, der aus den USA nach Europa zurückkehrt und nach und nach bei anfänglicher Privilegiertheit in die kruden Mühlen der DDR-Kulturpolitik gerät und dies aber mit größter Würde aussitzt. Weiterhin treten auf: Fritz Rudolf Fries, Brigitte Reimann, Jeanne Stern, Armin Müller, Volker Braun, Walter Kaufmann, Hans Mayer u. a. essentielle Teile der Phalanx der DDR-Literatur. Erschienen ist das Büchel in der Weißen Reihe des quartus-Verlags, begründet und herausgegeben von Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars. Der Toplesetipp für den Neujahrstag!

(André Schinkel)

Di, 30.12.2025

Löwe, Einhorn, neues Bücherkinder-Buch – in "Vom Mehrwert des Einhorns" geht's mythisch zur Sache. Darin werden Bilder, Fotos, Recherchen, ja, und vor allem Texte zu einem superben Thema geboten. Der Kultursender Arte drehte einen Film zu dem Projekt, der Anfang 2026 in Potsdam und Paris gezeigt wird.

Das Bibliophile zum Jahresende: „Vom Mehrwert des Einhorns“

Inner sanctum bibliorum: Das Bibliophile des Monats kommt dieses Mal aus dem inneren Kreis, den eigenen Reihen, und es würdigt explizit die Arbeit der Bücherkinder Brandenburg, ihre jüngste Publikation und ihren unermüdlichen Mentor, Pirckheimer-Freund Armin Schubert. Und es heißt ja auch, das Schönste hebt man sich bis zum Schluss auf. So auch 2025: Mithin handelt es sich bei den Bücherkindern um ein überaus ambitioniertes Projekt, das von Armin Schubert in Variationen seit vielen Jahren angeboten und durchgespielt wird: die Begegnung junger Menschen mit Literatur und Kunst, die Anregung, selbst schaffend tätig zu werden ... und mit den Musen, Autorinnen, Autoren, Künstlerinnen und Künstlern in den Austausch zu treten, Freude und Bleibendes im Blick.

So auch in diesem, dem (sic!) brandneuen Buch der Bücherkinder, die seit Jahren von verschiedenen Institutionen, so auch der Pirckheimer-Gesellschaft gefördert und unterstützt werden. Es heißt: Vom Mehrwert des Einhorns. Einhorn, das mythische Wesen in der Kunst. Das Kunstwerk entstand, jene umspielend und begleitend, zur Einhorn-Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini – die ab März im Musée des Cluny in Paris gezeigt wird. Illustre Künstlerinnen und Künstler wie Angela Hampel (unter anderem für den Titel) und Pètrus Akkordéon (wundervoll, der mit dem Einhorn kuschelnde Löwe, der den jungen Schöpferinnen und Schöpfern gewidmet ist!) waren dabei den Bücherkindern und ihrem Mentor zur Seite, das Einhorn-Projekt zu einem guten und runden Ende zu führen. Nun liegt es vor, reist bald mit der Schau nach Frankreich und sorgt für weitere Weihen.

Auch zu Filmehren gerieten so die Akteurinnen und Akteure aus Brandenburg an der Havel, ihre Arbeit, ihren Aufenthalt im Museum begleitend. Armin Schubert schreibt unter anderem dazu: „... zum Schließtag des Museums Barberini am Dienstag, dem 04. November 2025, wurden die Bücherkinder Brandenburg zu Drehaufnahmen mit Lesung aus ihrem Buch Vom Mehrwert des Einhorns eingeladen. Dazu hier einige Aufnahmen von der Filmarbeit an diesem Nachmittag in Potsdam. [Bericht im Pirckheimer-Blog folgt gesondert anlässlich der Premiere.] Die Filmpremiere wird im Januar 2026 im Auditorium des Museums [Humboldtstraße 05/06 (Alter Markt), 14467 Potsdam, geöffnet Mo und Mi bis So 10 bis 19 Uhr] stattfinden. Danach läuft der Filmbeitrag zum Einhorn in der Kunst im Januar/Februar 2026 auf dem Kultursender Arte. Und weiter heißt es: 

Im März 2026 wird dann diese Ausstellung im Musée de Cluny in Paris gezeigt. Dazu läuft dann auch dort der Film. Einige Eltern möchten mit mir diese Ausstellungseröffnung ebenfalls besuchen. Damit hat unsere Bemühung, die der Pirckheimer-Gesellschaft e. V., zum Umgang von Kindern mit Büchern und Kunst, mit dem Lesen und Schreiben, eine weitere vorzeigbare Qualität erreicht.“ So ist es. Und: Die langjährige Arbeit im Dienst der Vermittlung von Kultur hat Armin Schubert vor kurzem die Verdienstmedaille des Landes Brandenburg eingebracht. Das Buch selbst bietet auf 72 Seiten in Farbe sorgsam ediert die Texte, Fotos, Flyer, Recherchen und Dokumente sowie die Zeichnungen der Bücherkinder, zu einem Thema, das ein ewiges und in der Zeit stehendes zugleich ist und viele Vorbilder aus der Kunst und Religion kennt. Auch Gedichte (darunter Rilke), weitere Tiere, ein signiertes Blatt Angela Hampels, eine herrliche Folge Akkordéon-Bilderspäße sind dabei. 

An der Realisierung waren neben Schubert zudem Sven Märkisch, Dietmar Block, Klaus Raasch und Henry Günther beteiligt. Nun: Würdiger kann man die Rubrik Bibliophiles des Monats für das scheidende Jahr kaum beenden. Die Bücherkinder (und Pirckheimer) sind halt ne tolle Truppe. 

(André Schinkel)

Mo, 22.12.2025

Luise, Fontane in Berlin, am 25.02. auch Rainer Ehrt.

„Fontane beim Friseur“ – in Berlin

Das Museum Ephraim-Palais (Poststraße 16, 10178 Berlin) hat mit der Zeichnung Fontane beim Friseur ein Blatt von Künstler und Pirckheimer-Freund Rainer Ehrt erworben. Es zeigt eine fiktive Begegnung zwischen dem Schriftsteller und dem legendären Berliner Hof-Friseur François Haby. Interessenten können es im Neuen Jahr in Augenschein nehmen, wenn Ehrt dort aus sein neuestes Werk, das Buch Preußens Luise zum 250. Geburtstag der Gattin Wilhelm III., vorstellt. Das Buch ist im Berliner Bäßler-Verlag angekündigt. Die Präsentation findet am 25.02.26 um 18 Uhr im Salon des Museums statt. Der Platz ist begrenzt, Tickets können jetzt schon via Link geordert werden. 

(André Schinkel)

Sa, 20.12.2025

Das neue Heft der "Marginalien" ist eben erschienen. Es enthält auf 128 Seiten vieles an Wissenswertem und Bedenkensschönem für alle Bücher-Vernarrten.

Marginalien: Heft 259 erschienen

Pünktlich vor dem Fest ist die neue, die 259. Ausgabe der Marginalien, der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der Pirckheimer-Gesellschaft, bei den Pirckheimern und auf den Gabentischen der Sammler und Abonnenten eingetroffen. Das Heft 2025/4, das als Winternummer unter der bewährten Ägide von Redaktionsleiter Till Schröder den Jahrgang beschließt, ist dieses Mal jenen starken Ichs, sowohl bei den Buchschöpfern wie auch bei den Produkten als quasi Individuen selbst, auf der Spur. Um Joachim Ringelnatz und seinen Verleger Heinrich Barchfeld in Leipzig geht es im ersten Beitrag des Heftes von Karsten Hommel. Im Anschluss lobt und porträtiert Jens-Fietje Dwars die Grand Dame, ja, und „Bäumin“ Gerda Lepke, die für die 259 auch die Originalgrafische Beilage des Hefts liefert – stets eine von vier Offsetlithografien mit dem Titel Tänzerin, die den Mitglieder-Exemplaren der Zeitschrift beigelegt sind. Ferner geht es da um Otto Spamer und James Joycens Ulysses (die Riege seiner gestalteten Ausgaben) und: um Horst Dieter Gölzenleuchter, dessen Werk gerade im Literaturhaus Magdeburg zu sehen ist – um den Europa Almanach, und die reiche und so wohlgelungene Jahrestagung der Gesellschaft im September in Hannover. Es gibt gleich fünf Trauerbekundungen für den großen Büchermacher Jens Henkel aus Rudolstadt; und im ABC der Druckkunst unter dem sprechenden Titel Zwischen Alchemie, Handwerk und Kunst etwas heute Spezielles: Janine Kittler und Michael Barthel stellen den Lichtdruck vor, für den es in Leipzig eine der letzten Werkstätten gibt. Die von Thomas Glöß gestaltete Typografische Beilage fragt nach 250 Jahre Goethe in Weimar – Glücksfall oder Verhängnis? Der Rezensionsteil feiert die Sürrealistische Revolution, das Slanted Magazine und ein betörendes Rabenbuch von Carla Schwiegk und Matthias Jackisch, dessen Vorzugsausgabe damit vergriffen sein sollte. Wie gewohnt gibt’s Neues aus der Pirckheimer-Gesellschaft und Wissenswertes für Bücher- und Grafikfreunde im Servicebereich, auch Hinweise zu relevanten Ausstellungen, Mitgliederzuwachs wie Ehrentagsinfos. Den Bibliophilen entführt das Heft, dem Titel der beiliegenden Vorzugs-Grafik des am Schluss der Nachrichten besprochenen Märchenbands Die Ein-Wunsch-Fee von Jens-Fietje Dwars folgend, und so soll es ja nach einer anstrengenden Zeit auch sein, zum Jahrwechsel in den Garten der Träume.

(André Schinkel)

So, 14.12.2025

Der komplette "Grimmschrat", die Bände 1 bis 5. Der himmelblaue ist der neue, der Gretel-Band des hoch ambitionierten Unterfangens, das nun – zum "guten Ende" – auch noch einen Schuber bekam. Top-Tipp!

Schrat in Höchstform: Band 5 der Grimmschen Märchen erschienen

„Und das haben wir jetzt davon: Ein Jahrhundertwerk in fünf Bänden.“ So beschreibt es Felicitas Hoppe in ihrem euphorischen Geleit für den letzten, den fünften, den Gretel-Band des in Sachen Märchen wohl ambitioniertesten Projekts der letzten Jahre: den jetzt schon ikonisch zu nennenden Grimmschrat, der vollständig neu illustrierten und edierten Henrik-Schrat-Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, erschienen bei Textem in Hamburg. Und natürlich ist der letzte Band des Werks, das Henrik Schrat Jahre beschäftigte, wunderschön – quietschhimmelblau mit einem edlen silbernen Buchschnitt (Hardcover, Leinen, 288 Seiten, etwa 350 Abbildungen, 34 Euro), weswegen er auch – der Glitzernde heißt in der feinen Reihe, die alle Märchentexte der Grimms versammelt, gestaltet von Interkool/Christoph Steinegger. Nun, und vor allem: komplett durchillustriert vom Schrat, seines Zeichen auch Mitglied unserer Gesellschaft, samt Cameos aus der Jetztzeit, Herzschmerz und Gruselbusel, Lititi und Märchenwucht auf höchstem Niveau. Jawohl, das muss die Welt in ihrer bibliophilen Ausformung bewegen. Wer also für Weihnachten noch nach Schönblättrigem Ausschau hält, die Suche ist hiermit beendet. Es kann noch beim Schrat geordert und auch abgeholt werden bis zum 24.12. – es gibt auch Schenkrikel und für die Komplettisten einen feinen Schuber (für 20 Euro). Und wer wollte das nicht sein unter den einschlägigen Büchernarrn: ein Komplettist. Man eile sich. Der Direktkontakt zum Schrat hier, Kontakt zum Verlag hierüber. 

(André Schinkel, in seiner Erscheinungsform als Märchen-Elf)

Fr, 12.12.2025

Judith Schalansky, 2012 im Kartenlesesaal im Haus Potsdamer Straße. Am 21.01.26 stellt sie den MÄRZ-Reader in der 'Stabi' Berlin vor. | © Foto: Stabi Berlin

Das Buch als Gedächtnis der Welt

2024 fand in Paris eine internationale Konferenz zum Werk der vielfach ausgezeichneten Autorin und Buchgestalterin Judith Schalansky statt. Die Bedeutung des Buchs als materiales Objekt für ihr Schaffen zu erkunden, war Ziel dieser von Mandana Covindassamy, Agathe Mareuge und Bénédicte Terrisse organisierten Veranstaltung. Denn Judith Schalanskys zügelloses, ja, und ganz überwiegend in der Staatsbibliothek zu Berlin ausgelebtes Interesse an der Buchgeschichte ist konstitutiv für ihr Werk: Was bisher nicht als Literatur galt, wird von ihr in einen ausgeweiteten Literaturbegriff aufgenommen, vom Insularium der Renaissance bis hin zum Schulbuch des 20. Jahrhunderts. Der nun vorzustellende Tagungsband – als Reader Ende 2025 im Berliner Verlag MÄRZ erschienen und von Judith Schalansky selbst gestaltet – denkt Inhalt und Form daher auch zusammen. Der Reader versammelt nicht allein die wissenschaftlichen Konferenzbeiträge von 13 Forschenden, sondern zudem Proben jenes Materials, das diese überhaupt erst ermöglichte. Der Band wird am 21.01.26, 18 Uhr, im Dietrich-Bonhoeffer-Saal (Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin) der Stabi vorgestellt. Um Anmeldung wird gebeten. Autorin und Initiatorinnen werden anwesend sein.

(André Schinkel/Staatsbibliothek zu Berlin/Pressemitteilung)

Sa, 06.12.2025

Mit P. Breughel: "Der Leserschaft wünschen wir eine besinnliche Adventszeit, gesunde Weihnachten und einen hoffnungsvollen Start ins neue Jahr." So sei es.

In neuem Erscheinungsbild: Der 31. Hamburger Bothe erschien

Alles neu macht der Nikolaus? Nein, der neue Hamburger Bothe – die 31. Ausgabe des Periodikums der Pirckheimer aus dem Norden, herausgegeben von Rudolf Angeli und Peter Engel – ging natürlich pünktlich zum Monatsbeginn an seine Leserinnen und Leser hinaus – die übrigens das im PDF versandte Heft weit über die Grenzen der nördlichen Pirckheimer-Gruppe hinaus schätzen. Es ist allerdings doch etwas neu am frischen Bothen, nach fünf Jahrgängen erschien es den beiden Herausgebern angebracht, das Layout upzudaten. Nun, und das ist auch wohlgelungen und kommt zu Beginn der hoffentlich besinnlichen Zeit auch in festlichen Rot-Applikationen daher. Themen der neuen Ausgabe sind: Codex Delta, Willy Fleckhaus zum 100., Die Bleilaus, Schach und Literatur, das Theorienetzwerk Illustration, ein neues Buch von Peter Engel und ein Gruß zum Jahreswechsel. Der Hamburger Bothe kann per Mail bezogen werden über die Adresse Rudolf_Angeli@web.de

(André Schinkel)

Mo, 01.12.2025

Die Ein-Wunsch-Fee von Jens-Fietje Dwars erfüllt nur einen Wunsch statt den üblichen dreien, "um die Menschen zu lehren, dass sie auf ihre Wünsche acht geben." Das Buch erschien bei quartus in Bucha bei Jena und drei Ausstattungen zu 20, 60 und 90 Euro. Jens-Fietje Dwars hat in dem Haus, in dem auch die "Marginalien" erscheinen, mehrere Buchreihen, u. a. 'Edition Ornament' (nebst Weißer Reihe), begründet.

Buch des Monats Dezember – „Die Ein-Wunsch-Fee“ von J.-F. Dwars

Alles nur Märchen? Ein Maler, der nicht davon ab kann zu malen, getrieben vom Wunsch, das eine Bild zu schaffen, das jedem gefällt. Eine Schriftstellerin, die nicht aufhören kann zu schreiben, getrieben vom Wunsch, das eine Buch zu schreiben, das die Gesamtheit des Lebens abbildet. Ein Zehnkämpfer, der nicht aufhören kann zu siegen und darüber einsam wird, weil sich keine Gegner mehr finden. Ein Arzt, der jede Krankheit erkennt, sie aber nicht heilen kann und darüber sein Lächeln verliert. Die Kunstmärchen von Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars machen es einem nicht einfach, an Happy Ends zu glauben. Und doch tragen sie Lösungen in sich. Ähnlich den Brechtschen Geschichten vom Herrn Keuner, liegt die Didaktik in dem, was nicht ausgesprochen ist. Der Kniff: eine Ein-Wunsch-Fee, die von sich behauptet, „sie wolle nur einen Wunsch erfüllen“ statt den üblichen dreien, „um die Menschen zu lehren, dass sie auf ihre Wünsche acht geben.“ Das Märchenhafte der Dwarsschen Geschichten liegt in der Moral, nicht im fantastischen Funkeln seiner Ausschmückung. Das klingt nüchterner, als es ist: Es liegt ein großer Zauber in der Spannung, zu welch kurzsichtigen Wünschen sich die Personen hinreißen lassen: Was haben sie nun wieder nicht bedacht? Man ist schnell verleitet, auch sein eigenes Wunscharsenal zu überprüfen. Eingefasst in ganzseitigen Tuschezeichnungen des Autors und vielen Vignetten in Weinrot durchzieht den schmalen Band eine gelungene Leichtigkeit. Der Moment zählt, die Pointe, die Möglichkeit des Weiterdenkens durch Weglassen von überflüssigen Details. Das gilt für Bild wie Text gleichermaßen. Wer sich noch mehr ins Schauen vertiefen möchte, dem sei die Vorzugsausgabe empfohlen: In einen Schuber gehüllt liegt dem Band eine weitere Lithografie bei – treffend Garten der Träume betitelt, den ersten 15 Exemplaren auch noch eine Handzeichnung aus den Buchentwürfen. Traut man sich Wünsche ob der möglichen Konsequenzen überhaupt noch zu? Ein Buch der Anstöße. (Jens-Fietje Dwars: Die Ein-Wunsch-Fee und andere Märchen für Kinder von 9 bis 99. Bucha bei Jena: Edition Ornament im quartus-Verlag 2025. 72 Seiten, 13,5 × 21,5 cm, Fadenheftung, Festeinband, mit Tuschezeichungen des Autors in Weinrot. Vorzugsausgabe in 75 Exemplaren mit einem Handabzug der Steinzeichnung Garten der Träume, gedruckt von Christian Müller (Wurzbach) – geliefert in moosgrünem Buchschuber. Normalausgabe (20 Euro), Vorzugsausgabe Nummer 1–15 (90 Euro), Nummer 16–75 (60 Euro), ISBN 978-3-947646-67-8. Text erscheint auch in den Marginalien 259.)

(Till Schröder)

Mi, 19.11.2025

Gustav Kluges "Disegno ≠ Disegno. Codex Delta", das soeben bei Angeli & Engel erschien, worauf wie auf die Exhibition in Hamburg ein Extra-Bothe hinweist.

Hamburger Bothe extra zu Gustav Kluges „Codex Delta“ erschienen

Gustav Kluges Ausstellung Codex Delta wird vom 21. November 2025 bis 31. Januar 2026 in der Produzentengalerie gezeigt, im Verlag Angeli & Engel erschien eigens ein neues Buch von Kluge, auch weist die neue November-Extraausgabe des Hamburger Bothen darauf hin. Die Eröffnung der Schau in der Admiralitätsstraße 71, 20459 Hamburg findet am 20.11. um 18 Uhr statt. Codex Delta bezieht sich ursprünglich auf einen Text, der aus 15 Paragrafen besteht. Ein Ziel dieses Textes ist es, 60 Jahre Zeichnen, Schreiben und Malen in Kluges Werk zu ordnen und verorten. Ausgangspunkt für diese Gedanken ist ein Satz aus der chinesischen Tradition: Zeichnen und Schreiben stammen aus einer Quelle. Diese Sichtweise motiviert den Maler, Tagebucheinträge und Briefe einzubeziehen und sie seinen Werken gleichzustellen. Für Kluge war diese Aussage ein Ausgangspunkt, die anders ausgerichtete europäische Denktradition neu zu überprüfen. Auszüge aus den 15 Paragrafen sind in einem Wandtext in der Ausstellung aufgelistet und chiffriert. Sie stehen für die Überzeugung des Autors, dass Konzepte, Begriffe und Gedanken in den Bildern eingeschrieben sind. Neuerscheinung: Gustav Kluge, Disegno ≠ Disegno. Codex Delta, soeben erschienen in limitierter Auflage bei Angeli & Engel, zu haben in Vorzugsausgabe (55 Exemplare, mit Original und Signatur vom Künstler) und regulärer Ausgabe (der Rest der 144er Auflage), diese ebenfalls ein Kleinod. Im Format 24 x 30 cm, bei einem Umfang von 140 Seiten durchgehend mit Bildern von Gustav Kluge, ISBN 978-3-9824980-4-1. Kontakt besteht bei Kauf-Interesse zu den Editeuren via Peter_Engel@gmx.de und Rudolf_Angeli@web.de. Wer eine Ausgabe von Codex Delta sein Eigen nennen will, beeile sich.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 16.11.2025

book art center Halle und Dichterkreis Halle: 2 x 17 Arbeiten in Text und Bild finden sich im ganz neuen b.a.c.H.-Taschenkalender 2026. Es ist dies die erste Zusammenarbeit beider Künstler:innen-Kollektive. Der Kalender wurde 500-mal gedruckt und kostet 29 Euro. Er wurde am 03.11.25 erstmals präsentiert.

book art center Halle: Kalender

1991 gründeten Studierende der Germanistik den dritten Halleschen Dichterkreis, eine offene Runde von Autor:innen, die sich regelmäßig trifft, um ihre jeweils aktuellen, noch unfertigen Texte zur Diskussion zu stellen. Dank der Arbeit in dieser Runde ist schon eine beachtliche Zahl an Gedichtbänden, Erzählbänden und Romanen auf den Weg gebracht worden ... Seit 2014 gibt es das Künstler:innenkollektiv book art center Halle, kurz b.a.c.H. Es veröffentlicht unter anderem seit 2015 einen Taschenkalender, der jedes Jahr aufs Neue unter einem bestimmten Motto 12 bis 14 Künstler:innen mit ihren Arbeiten vereint. Die Künstlerinnen des b.a.c.H. haben überwiegend an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle studiert. Neben den eingestreuten Illustrationen bietet der Kalender im Taschenbuchformat in der Wochenübersicht reichlich Platz für Notizen, eine Sammeltasche bewahrt wichtiges Kleinod. Nun – für das Jahr 2026 – haben sich das book art center Halle und der Hallesche Dichterkreis zusammengefunden, um den Kalender für das kommende Jahr gemeinsam zu gestalten. Diese Kooperation symbolisiert das große &-Zeichen als leuchtenden Iris-Siebdruck auf dem blau melierten Leinenumschlag. So feiern wir auch 2026 als Jahr der fruchtbaren Zusammen­arbeit – denn ein bisschen mehr Wir ist für alle gut, oder? Der b.a.c.H.-Taschenkalender 2026, der am 03.11. im Rahmen des Wir-Festivals seine Premiere feierte, kostet 29 Euro, die Auflage ist limitiert auf 500 Exemplare. Er kann via Mail: post@bookartcenterhalle.de, bestellt werden.

(Petra Reichenbach/Pressemitteilung)

Sa, 15.11.2025

Angela Hampel stellt ab 22.11.25 in Brandenburg aus.

Angela Hampel in Brandenburg

Vom 22. November 2025 bis zum 27. März 2026 sind unter dem schönen Titel Roter Faden Arbeiten von Angela Hampel unter der Ägide der Galerie Sonnensegel in Brandenburg an der Havel zu sehen. Die Galerie, deren Weg Angela Hampel seit mehr als drei Dekaden begleitet (2002 wurde ihr der Ehrenring der Galerie verliehen), zeigt in der aktuellen Herbstausstellung einen Querschnitt aus dem aktuellen Schaffen der Malerin und Grafikerin, die aus Räckelwitz in der Lausitz stammt, gleichsam Dresden und Berlin verbunden ist und auch an neuesten Veröffentlichung Vom Mehrwert des Einhorns der Bücherkinder beteiligt sein wird. Die Ausstellung wird am Samstag, 22. November, um 16 Uhr in der St. Gotthardtkirche (Gotthardtkirchplatz 08, 14770 Brandenburg an der Havel) eröffnet. „Ohne sich der Gefahr von inhaltsleeren Wiederholungen auszusetzen, überrascht die Künstlerin immer wieder in der Auslotung des Neben- und Miteinander von Menschen, Tieren und Pflanzen – erfundene Konstellationen als Resümee intensiver künstlerischer Selbstbefragung“, heißt es in der Ankündigung der Schau der Dresdenerin an der Havel ... Daher dürfte der Ausstellungstitel Roter Faden für die gezeigten Arbeiten Angela Hampels so trefflich wie tief assoziativ gewählt sein. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)