Es war einmal ein Faustkeil, der lag im Bücherregal eines Archäologen zwischen den Werkausgaben von Goethe und Winckelmann. Am liebsten sah er seinem Besitzer zu, wenn er Scherben und Klingen sortierte, sich die schmaler werdenden Haare raufte und an guten Tagen seiner Frau ein Küßchen gab. Eines Tages aber war der Archäologe gestorben, und es wurde still im Arbeitszimmer des Archäologen, nur das Schluchzen der Frau des Archäologen hörte man immer wieder durch die Tür. Es brachte nichts, die Traurigkeit müsse aufhören, sagte sich der Faustkeil und wackelte und ruckelte solange an sich selbst herum, bis er aus dem Regal fiel und die Frau kam und ihn aufhob. Seitdem liegt er im Wohnzimmer auf dem Tisch bei der Frau, die ihn von Zeit zu Zeit streichelt, als sei der Faustkeil der Kopf des Archäologen – und weil zumindest Faustkeile unsterblich sind, kann man nur hoffen, daß sie nun nicht mehr so traurig sind.
(André Schinkel)