Gestorben in der zweiten Junidekade, fand heute der Schriftsteller, Lektor, Herausgeber Manfred Jendryschik (1943–2025) auf dem Friedhof Leipzig-Wahren seine letzte Ruhe. Der gebürtige Dessauer, der von 1990 bis 1996 ... für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlich, da in der direkten Nachwende Ostdeutsche nur selten leitende Posten besetzten, Kulturdezernent seiner Vaterstadt war, hinterlässt ein umfangreiches Werk: etwa dreißig eigenständige Bücher, sechzig Herausgaben, Flugblätter, Text-Bild-Bände und Bibliophilia. Viele Jahre dem Mitteldeutschen Verlag verbunden, in den er am Ende seines Lebens wieder zurückkehrte, gab er in den 2010ern gemeinsam mit deren Verleger die Weiße Reihe des Projekte-Verlags heraus: insgesamt 48 Bände mit Texten und Grafiken von Autorinnen, Autoren, Künstlern und Künstlerinnen, die zur Creme der Szene gehören. Viele dieser Buchwerke erschienen auch samt Vorzugsausgaben. Gemeinsam mit seiner Partnerin seit 35 Jahren, der Autorin und Fotografin Rosemarie Fret, und deren Tochter, der Grafikerin und Malerin Jusche Fret, verfolgte er gemeinsame Projekte. Vor 1990 hatte Jendryschik als Lektor im mdv gearbeitet – nach seiner Kritik an der Biermann-Ausbürgerung ging er im Herbst 1976 in den Freiberuf. Jendryschik gilt als Entdecker und Förderer vieler literarischer Talente – so Christine Lambrecht, Wilhelm Bartsch oder Jörg Kowalski. Erstere war auch bei der Trauerfeier zugegen, wie auch sein Herzensfreund, der Leipziger Lyriker und poeta doctus der Sächsischen Dichterschule, Peter Gosse, und Karl-Georg Hirsch, mit dem Jender, wie ihn seine Nächsten nannten, ebenfalls befreundet war und eng zusammenarbeitete. Die Trauerrede für Jendryschik hielt auf Bitten seiner Witwe Pirckheimer-Freund André Schinkel. In seinen Worten verwies Schinkel auf Herkunft und Vermächtnis M. J.s, der in der DDR und darüber hinaus ein erfolgreicher, zugleich unorthodoxer Autor war. Im Herbst des Jahres ist in Halle eine Matineelesung aus seinem letzten Buch Deckweiß für alle! geplant – auch Projekte-Verleger Reinhardt O. Hahn plant eine Würdigung Jendryschiks. Ein Großteil seiner älteren Bücher ist antiquarisch erhältlich und übrigens nach wie vor lesenswert.
(Ernst-Günther Liebetraut)