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Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft

Pirckheimer-Blog

Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft

Di, 18.01.2022

Bibliophilie und die Facetten einer Sammlung

Nachdem 2021 insbesondere die Antiquarinnen und Antiquare zu Wort kamen, sind im Zusammenhang mit der Stuttgarter Antiquariatsmesse, die vom 18. bis 22. Februar 2022 leider wieder nur online stattfinden wird, mehrere Veranstaltungen geplant, auf denen Sammler berichten und begeistern werden. Wir schauen auf Sammler und Sammlungen in der Geschichte, aber auch auf das literarische und bibliophile Leben im heutigen Deutschland.

Im Vorfeld der Messe wird ein u.a. ein interessantes online-Gespräch mit Mitgliedern der Pirckheimer-Gesellschaft angeboten: Was bedeutet heute noch der Aufbau einer Sammlung? Was verbirgt sich hinter den Sammlungen, denen wir begegnen? Was ist ihre Geschichte, wer sind die Menschen, die sie zusammengetragen haben? Wie werden Sammlungen gefördert, präsentiert, und wie zeigt sich die bibliophile Welt in der heutigen Öffentlichkeit?

Am Gespräch nehmen teil: Ralph Aepler, Vorsitzender der „Pirckheimer Gesellschaft“, Dr. Ursula Kampmann, Redakteurin „Bookophile“ und der Antiquar und Pirckheimer Michael Solder aus Münster. Moderation: Elvira Tasbach, Berliner Antiquarin und Mitglied im Vorstand des Verbandes Deutscher Antiquare.

9. Februar 2022 19 Uhr
Webinar-ID 813 4842 8483
Registration hier.

Für erwachsene Märchenfreunde!

Morgen gibt es im Winckelmann-Museum eine Sonderführung durch unsere Ausstellung „Märchen, Sagen und Symbole“.

Wie entstanden die Welt und das Leben in dieser Vielfalt, wie lautet der Plan der schicksalsbestimmenden, übernatürlichen Mächte, welche Ursachen haben Übel, Krankheit und Tod, und von welchen außergewöhnlichen Taten gibt es neue Kunde? Die Ausstellung stellt die Themen Märchen, Mythen, Legenden, Fabeln und Sagen vor, die einen fundamental wichtigen Bestandteil jeder Kultur und ihres kollektiven Gedächtnisses bilden. Dabei werden Spuren verfolgt, die sich durch die Erzählungen von Menschen verschiedener Kulturen ziehen. Diese Spuren beginnen tief in der Vorgeschichte und verbreiten sich zu einem frühen Zeitpunkt. Sie entfalten sich in den Mythen, Sagen, Fabeln, Legenden der Antike und führen in die Welt unserer europäischen Märchen, welche zunächst nur mündlich tradiert worden sind.  Der Einfluss dieser Literaturgattungen prägt die Kunst seit Jahrtausenden. Die in den Geschichten überlieferten Erzählelemente finden sich heute wieder in der modernen Welt der Fantasy-Erzählungen und Filme.

19. Januar 2022, 15:00 Uhr, 2G, eine Voranmeldung ist bis bis 16 Uhr am 18. Januar erforderlich.

Winckelmann-Museum
Winckelmannstr. 36-38, 39576 Stendal

Mo, 17.01.2022

Oasen der Bibliophilie

Unser Mitglied Ralf Plenz achtet nicht nur mit seinen kürzlich hier vorgestellten Perlen der Literatur auf ansprechende Gestaltung der im Hamburger Input-Verlag erscheinenden Bücher.

Die 2019 erschienene, leicht autobiografisch gefärbte, Romantrilogie "Großstadtoasen" über sechs junge Erwachsene in der „Oase“ einer deutschen Großstadt, einer scheinbar ruhigen, vom Weltgeschehen unbehelligten Idylle, die zum Nährboden der kulturellen, linksalternativen und grünen Bewegung wird, mündet in einem Psychogramm der grün-alternativen Szene. Der Leser erlebt Spannendes und Merkwürdiges aus Musik, Kultur, Druck- und Verlagswesen, was ihn zu einem Szene-Insider der 1980er Jahre macht.

Bereits damals erfüllt Ralf Plenz mit dieser Trilogie den Anspruch auf das gut gemachte Buch, das auch den Wünschen der Bibliophilen entgegen kommt. Mit offenem, dennoch beschriftetem Buchrücken "lassen sich die Bücher wunderbar aufschlagen und bleiben auch offen liegen – sie wollen eben gelesen werden. Das Cover wurde aufwendig veredelt: zwei Millimeter dicker durchgefärbter Karton (schwarz, grau, weiß), Siebdruck, Prägung und Stanzung. Ein haptisches Erlebnis der Extraklasse." (Ralf Plenz)

So, 16.01.2022

Ein gelber Aufkleber auf der letzten Rechnung: ! Bitte beachten ! Mit Heft 2/2022 wird die GRAPHISCHE KUNST eingestellt

Schluss nach 50 Jahren

Und wieder gibt es ein abgeschlossenes Sammelgebiet, eine traurige Nachricht für Freunde der Druckgraphik.

Es war wenigen schon länger bekannt oder wurde von einigen vermutet, jetzt ist es offiziell: Die Zeitschrift Graphische Kunst, 1973 von Curt Visel gegründet und seit dem Jahrgang 2004 als Neue Folge von Jürgen Schweitzer geführt, stellt zum Jahresende 2022 nach zwei letzten Ausgaben ihr Erscheinen ein.

Ab dem Jahrgang 2004 wurden die Themen der bisherige Zeitschrift Illustration 63, zur Förderung der Buchkultur 1963 ebenfalls von Curt Visel gegründet, in diese Ausgabe integriert. Damit wird die Graphische Kunst 50 Jahre erfolgreich die klassische Druckgraphik mit Beiträgen zu graphischen Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts gefördert haben.
Dabei unterstrich den bibliophilen Charakter der Graphischen Kunst, dass ihr separat zwei nummerierte und signierte Radierungen oder Lithographien sowie vier signierte Holz- oder Linolschnitte beigelegt waren. Der Ausgabe B(101-200) waren drei signierte Holz- oder Linolschnitte beigelegt. Eine Ausgabe C war nicht nummeriert und ohne Originalgraphik-Beilagen. Die Auflage erschien in 250 nummerierten und 300 nicht nummerierten Exemplaren.

Rainer Ehrt, Zerstreute Sammlung, VEVAIS Editions 2021
Abb. © ad

66 Jahre Pirckheimer-Gesellschaft

Am 29. Januar 1956 wurde die Pirckheimer-Gesellschaft gegründet. Grund genug, an diesem Tag ein Buch unter den Freunden, also nicht nur unter den Mitgliedern, unserer bibliophilen Vereinigung zu verlosen.

Zu gewinnen ist der nebenstehende, in der VEVAIS Editions erschienene Titel "Zerstreute Sammlung, Erotische Geschichten" unseres Mitglieds Rainer Ehrt. Zur Verlosung kommt die broschierte Ausgabe.
Layout und Satz des Buches übernahmen der Autor und Jörg Wachtel, der Satz erfolgte in Praho Pro und Neue Frutiger, Herstellungsdesign Alexander Scholz und Hans Jörg Rafalski, Druck und Verarbeitung Sportflieger Berlin, Endveredlung Ingrid Trommer, Königshain-Wiederau.

Weiterhin werden ausgewählte Titel der Reihe "Perlen der Literatur" zur Verlosung kommen, eine neue Reihe des Pirckheimers Ralf Plenz mit europäischen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts in bester Ausstattung, einer individuellen, an den Inhalt angepasste Typographie, einer Bauchbinde mit kaligraphischer Gestaltung, einheitlich blauen Leineneinbänden und farbiges, zum Buchtitel passendes Vorsatzpapier, Hardcover-Leineneinband, gutem Papier, sorgfältigem Druck und Fadenheftung.

Zur Teilnahme am Gewinnspiel genügt eine E-Mail mit dem Titel des ersten Drucks der Pirckheimer-Gesellschaft, der den Anwesenden auf der Gründungsveranstaltung im damaligen Café Budapest in Berlin übergeben wurde. Ein Hinweis, den allerdings nur Insider verstehen: Ein Jahr später erschien das erste Heft der Marginalien, Blätter der Pirckheimer-Gesellschaft, fast zwei Jahre später dann die erste Jahresgabe "Sechs Generationen auf Bücherjagd" von Jürgen Kuczynski.

Sa, 15.01.2022

Maggipilze aus "Seht her, wir sind´s", Verlag der Nation 1957

Zum 100. von Franz Fühmann

Zur Erinnerung an den 100sten Geburtstag von Franz Fühmann wird hier ein Foto mit einigen frühe Titeln des bedeutenden deutschen Schriftstellers eingestellt, die offensichtlich in den Medien am heutigen Tag weniger stark beachtet wurden. Viel liest man vom "Judenauto" und andern Werken, in denen er sich mit der Zeit des Nationalsozialismus und seiner eigenen Verstrickung damit auseinandersetzt und auch von seiner kritischen Haltung gegenüber Funktionären und Politikern der DDR und seinen Hinweisen auf Änderungen ihrer Politik, was letztlich zu seinem Rückzug aus kulturpolitischen Verbänden dieses Staates, wie dem Schriftstellerverband der DDR und der Akademie der Künste, führte.

Auf dem Foto finden sich Bücher mit frühen eigenen Gedichten Fühmanns, wie "Die Nelke Nikos", welches anläßlich der "Weltfestspiele 1951 der Jugend und Studenten für den Frieden" entstand, sowie ein Kinderbuch mit Bildern von Inge Friebel aus dem Bestand der Stadtbezirksbibliothek Berlin Prenzlauer Berg mit dem Stempel von 1990 "Dieses Buch wurde aus dem Bestand entfernt" und der mit Karl Schrader entstandene Titel von 1957 "Seht her, wir sind´s" mit Gleichnissen zu Pilzen und "Kleinem Gewimmel".

Und nicht unerwähnt soll an dieser Stelle zum 100sten des Erzählers, Essayisten, des Lyrikers und dem Kinderbuchautor bleiben, dass die Pirckheimer um Armin Schubert, wie Egbert Herfurth, Henry Günther und andere hervorragendes leisteten, das Werk eines der bedeutendsten Autoren der DDR der heranwachsenden Generation im letzten Projekt der Bücherkinder Brandenburg nahe zu bringen. Im Geiste von Franz Fühmann werden die Bücherkinder 2022 weitermachen, hoffen wir auf die nötige kulturpolitische Unterstützung.

Fr, 14.01.2022

Haus mit der Madonna

Der Pirckheimer Till Sailer veröffentlichte einen Roman mit dem bewegendes Schicksal einer Frau in der Zwischenwelt der deutschen Nachkriegszeit. 
Till Sailer, geb. 1942 in Weimar, studierte an der Hochschule für Musik »Franz Liszt«, arbeitete als Orchestermusiker in Cottbus, danach in Berlin als Rundfunkjournalist. Nach ersten Publikationserfolgen Zusatzstudium am Leipziger Literaturinstitut »Johannes R. Becher« . Seit 1980 freiberuflicher Schriftsteller mit dem Schwerpunkt auf Musikbelletristik. Er lebt in Bad Saarow.
Hanna Sewald steht 1947 vor dem Nichts. Ihr Mann Albin, völkischer Dichter und Erzieher einer nationalpolitischen Lehranstalt, kam in den letzten Kriegstagen ums Leben. So muss Hanna allein den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder sichern. Ihr Vater, der liberale Jurist Wilhelm Elsner, Mitglied der Thüringer Landesregierung, nimmt die Familie im Weimarer »Haus mit der Madonna« auf. Aber für die Akademikerin gestaltet sich die Arbeitssuche im Osten problematisch. Ebenso kann Hanna im Westen nicht Fuß fassen. Als auch ihr Vater in politische Bedrängnis gerät, bittet er sie schließlich um Hilfe, und auf diesem unsicheren Fundament erlebt sie die Gründung der DDR …
Till Sailer erzählt mitreißend und in großer Nähe zu seinen Protagonisten vom Schatten der Vergangenheit und einem schwierigen Neubeginn – die Geschichte einer Frau, die keine innere Wandlung vortäuschen wollte, aber alte Leitbilder nicht völlig überwinden konnte.

Till Sailer, Haus mit der Madonna
Mitteldeutscher Verlag, Halle 2021
332 S., geb., 135 × 210 mm
25 €
ISBN 978-3-96311-510-3

AFGHANISTAN PER DU PERDÜ

Zum 83. Geburtstag am 15. Januar 2022 erscheint im Hybriden-Verlag von Hartmut Andryczuk eine neue Edition von Hartmut Geerken.

"um der dunklen irreparablen situation, in der afghanistan, vom westen weit zurückgebombt, heute ist, gerecht zu werden, stelle ich 38 passfotos von afghanischen menschen, im originalformat & noch aus der zeit des königreichs afghanistan, zwei originalen afghanischen musikinstrumenten gegenüber. die fotos sind zum teil ausgebleicht & beschädigt, ohne jede funktion, losgelöst von aller offizialität & niemand weiss, wer von den abgelichteten zufällig noch am leben ist. auch bild & namen sind auseinandergerissen & nicht mehr zuzuordnen. – bei den einschreibungen für die deutschkurse am goethe-institut kabul waren in den 70er jahren des letzten jahrhunderts, aus welchen gründen auch immer, eine anzahl passfotos übriggeblieben. da hinter jedem foto ein mensch steht, war es mir nicht möglich, diese fotos zu entsorgen, sondern ich nahm sie an mich & entdeckte sie fast fünfzig jahre später in einer plastiktüte wieder. 
die instrumente: das eine, fellbezogene, saiteninstrument, das man nur in afghanistan findet, ist eine rubab. das andere, ein dekorierter, mit restsaiten bespannter holzkörper, ist eine jatga, eines der ältesten pentatonischen saiteninstrumente aus der mongolei, bekannt seit dem sechsten jahrhundert vor unserer zeit. ich habe es in kabul gefunden, aber in den sieben jahren, in denen ich mit afghanistan per du war, habe ich im indo-afghanischen raum nie ein ähnliches instrument gesehen. beide instrumente sind irreparabel lädiert, & es lassen sich durch meine berührungen mit händen & fingernägeln nur noch töne & geräusche entlocken, die einen ursprünglichen klang vielleicht in weiter entfernung noch erahnen lassen.
"
(Hartmut Geerken, Mai 2021)

Edition mit einer Originalzeichnung von Hartmut Andryczuk, signiert und nummeriert.
52 Seiten mit einem Vorwort von Hartmut Geerken und 38 Bewerberinnen und Bewerber für das Goethe-Institut in Kabul in den 1970er Jahren.
AUDIO-CD: „AFGHANISTAN PER DU PERDÜ“ FÜR ZWEI UNSPIELBAR GEWORDENE AFGHANISCHE INSTRUMENTE VON HARTMUT GEERKEN, REC. 1. MAI 2021, WAITAWHILE STUDIOS, DURATION 23:35. RE-MASTERED IN MONO VON ROMAN BUNKA.

HARTMUT GEERKEN 83RD BIRTHDAY JANUARY 15, 2022
mimas atlas # 22
100 copies
50 €, Oversea Postage = 7 €
Delivery as of January 20, 2022

Do, 13.01.2022

Jahresgabe 2021 der Pirckheimer Gesellschaft

Als Jahresgabe 2021 ist für unsere Mitglieder das Buch "Strawalde. Nebengekritzeltes. Gedichte aus sieben Jahrzehnten mit fünfzig Zeichnungen und Collagen" vorgesehen, welches von Jens-F. Dwars herausgegeben wurde und für die Pirckheimer-Gesellschaft erschien.
Neben der Jahresgabe wird es eine inhaltlich identische Vorzugsausgabe in 75 Exemplaren für die Sammler der Edition Ornament geben. die von Silke Steinhagen (Weimar) handgebunden wird. Diesen Exemplaren liegt eine signierte Lithografie von Strawalde bei, gedruckt von Christian Müller (Wurzbach).

Der vielfach ausgezeichnete Filmemacher Jürgen Böttcher, der als Maler und Grafiker seine Bilder mit Strawalde signiert, beging 2021 seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlaß erschienen seine Gedichte aus sieben Jahrzehnten, die er für die Pirckheimer-Gesellschaft geschaffen hat. Strawalde spricht lieber von Nebengekritzel. Denn die Verse entstanden immer nur nebenbei, neben dem Malen und Filmedrehen. Sie sind keine hehre Gedanken-Lyrik, die Ewigkeitsgeltung beansprucht. Nicht in Stein gemeißelt, vielmehr spontane Notizen, rau und lebendig wie seine Bilder, geboren aus unbändiger Lust am Sprachspiel, an Alliteration, Reim und dadaistischer Sprengung des Sinns, um sich sinnlich am reinen Klang der Worte zu erfreuen. Grüße von Anna Blume, an denen Schwitters seine Freude hätte, Narren-Sprüche gegen „die Überweisen“, die „mit Weisheit Tisch und Wand besch...“ (Nietzsche).
Aufs Schönste ergänzen sich diese lustvollen Kritzeleien mit den Zeichnungen und Collagen. Von Strawalde handgeschrieben erscheinen die Verse wie grafische Strukturen und geben sich umgekehrt die Bilder als rätselhafte Schriftzeichen zu erkennen, die dazu einladen, entziffert oder vielmehr erhört zu werden. Denn letztlich sind beide Klanggebilde, die uns vom Leben erzählen.

Edition Ornament im quartus-Verlag Bucha, 2021,
12 S., 16,5/24,4 cm, Festeinband

Di, 11.01.2022

Typografische Beilage: Die Magie des Enchiridion Leonis Papae / Grafische Beilage: ATAK HERE, Risografie

Marginalien #243

Im Editorial der Ende letzten Jahres ausgelieferten Marginalien schreibt Till Schröder: "Die Person hinter der Kunst, sie fasziniert die Kritiker. Sie oder er ginge unbeirrt ihren oder seinen Weg. Ihr oder sein Individualismus mache sie einzigartig, heißt es. Geht es um Annäherung, beschäftigt die Kritiker das Besondere im Werk oft mehr als das Verwandte. Und doch agiert selbst der Exzeptionellste unter den Schaffenden nie im luftleeren Raum. Durch Kontext entsteht Bedeutung. In Abgrenzung zum Davor das neue Danach. Starke Persönlichkeiten reifen oft in starken Umfeldern. Das Drumherum bestimmt Bildung innerer Ästhetik gleichermaßen wie Möglichkeit äußeren Ausdrucks.
In diesem Sinne erkunden die Marginalien diesmal Menschen, die ihre künstlerischen Wege in der Tat unbeirrt von Zeiten und Systemen zu gehen scheinen. Allerdings, was im Nachhinein betrachtet als zielstrebig scheinen mag, stellt sich für die Künstler selbst eher wie ein Neugieriges-Sich-Treiben-Lassen dar. Über Vorbestimmung sinnieren sie wenig. Der Schriftsteller
Ingo Schulze nimmt uns mit in die Bild- und Buchwelten von Olaf Wegewitz, dem großen Nachspürer von Natur im Papier. Matthias Gubig erkundet die illustrativen Bildwelten Jutta Mirtschins, deren Kinderbücher und Theaterplakate gleichermaßen intime wie distanzierte Weltsicht atmen. Tobias-David Albert besucht den Typografen, Buchgestalter und Bildhauer Volker Küster nahe der niederländischen Grenze, der als Schriftgestalter Zeichen nicht nur im Zweidimensionalen der Buchseiten vermisst, sondern auch im Dreidimensionalen des Eisenguss’. Jens-Fietje Dwars erzählt von drei glorreichen Jahren des Hans Mardersteig und seiner Kunstzeitschrift Genius im Deutschland der 1920er Jahre, während Norbert Grewe in die Anfangsjahre des Diogenes Verlags eintaucht – und Daniel Keels Faible für die Fantastik. Michael Siefeners Kurzgeschichte über ein Zauberbuch in den Katakomben Lyoner Antiquariate verströmt eben solche in unserer Typografischen Beilage. Bernhard Hampp steigt ein in die napoleonische Epoche und ruft Adalbert Chamisso, den weltreisenden Franzosen in preußischem Dienst, seinen Schlemihl und den Kunersdorfer Musenhof ins Gedächtnis. Fritz Jüttner erinnert an 250 Jahre Klopstock’scher Oden, die Kraft eines Kommas und die Wirkmacht illegaler Nachdrucke. Und [... Till Schröder ...] durfte bei ATAK vorbeischauen, dem Professor der Illustration mit Punk-Wurzeln, der das Malen zitatreicher Stilleben für sich entdeckt hat."

Als grafische Beilage erhielten Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft die Risografie von ATAK HERE, vom Künstler signiert und nummeriert, in 650 Exemplaren dreifarbig gedruckt von Dominik Dabrowski in der Druckwerkstatt der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Saale). Die allen Heften beiliegende typografische Beilage enthält den oben erwähnten Text "Die Magie des Enchiridion Leonis Papae", wie immer gestaltet und kommentiert von Matthias Gubig.

Mo, 10.01.2022

Foto © Brigitte Iseli-Neustäbler

Warten ...

Das Motiv meiner diesjährigen Jahreskarte erforderte zwei Druckplatten - Dumm nur, wenn man in den ersten Flächendruck zu wenig Trockenstoff zufügt. Da heisst es WARTEN! Vor zwei Tagen konnte ich die zweite Platte dann fertigdrucken.
Auf diesem Wege sende ich meinen herzlichen Dank an Alle, welche mich auch im zweiten Choronajahr begleitet haben. Angefangen von meiner Galeristin
Brigitta Leupin welche unerschrocken am Ausstellungstermin festhielt und das Schutzkonzept austüftelte, Margita Thurnheer die meine Kleinskulpturen im letzten Moment noch für mich brannte, viele Besucher, welche sich auf meine Konzeptarbeit einliessen und einen offenen Dialog starteten. Christiane Rath die mit einer Engelsgeduld unsere Gruppenausstellung nicht aus den Augen verlor, auch wenn sie vier Mal verschieben musste. Ein unglaubliches Jahr! Das musste mal gesagt werden!

(Brigitte Iseli-Neustäbler)

Sa, 08.01.2022

Ekkehard Maaß (lks.) und Joachim Pohl, Fotos © ad

Gestern in Pankow

Dr. Anita Kühnel sprach gestern die einführenden Worte zur Eröffnung einer Ausstellung über sechs »Berliner Malerfreunde« in der Pankower Galerie Amalienpark, die mit Unterstützung des Kunstarchivs Joachim Pohl stattfindet.

Vorgestellt wurden Werke von Lothar Böhme, Wolfgang Leber, Klaus Roenspieß, Hans Vent und Manfred Böttcher, weitere Künstler aus dem Kreis der »Berliner Malerfreunde« sollen in den nächsten Monaten folgen.

Ca. 150 bis 180 Personen kamen zu dieser Vernissage - es dürstet die Kunstinteressierten nach den vergangenen Monate der Kulturabstinez offensichtlich nach Begegnung und Gesprächen. Ein erstaunlicher Besucherrekord, wenn man die 2G-Zugangsbeschränkung und Maskenplicht bedenkt. Aber für ein Gläschen Wein konnte man auf die Gesichtsbedeckung ja auch für einige Minuten verzichten.

Ausstellung: 8. Januar - 12. Februar 2022

Galerie Amalienpark
Breite Straße 23, 13187 Berlin

Fr, 07.01.2022

© Andrea Wunderlich

JEAN PAUL und die Kalligraphie

Jean Paul, der bedeutende Dichter der Romantik, im Kontext mit der Schriftkunst war zentrales Thema des Projektes Europa Scriptorium 2012, und wurde anlässlich von Jean Pauls 250. Geburtstag aufgegriffen. Federführend für Konzept und Organisation war dabei die Kalligrafie-Künstlerin Andrea Wunderlich, die ebenfalls in der fränkischen Heimat des Dichters zuhause ist.

Weitere namhafte europäische Schriftkünstler waren eingeladen, sich intensiv mit Jean Pauls literarischen Texten zu beschäftigen: außergewöhnliche Kunstwerke entstanden dazu.

Helga Horschig möchte damit die neue Buch-des-Monats-Jahresrunde beginnen und dieses Projekt, Marginalien zu Jean Paul und vor allem Andrea Wunderlichs Arbeiten dazu vorstellen.

14. Januar 2021, 16 Uhr

Klingspor-Museum
Herrnstraße 80, 63065 Offenbach

Do, 06.01.2022

Wolfgang Leber: Stehender Akt, Holzschnitt 1977, originalgraphische Beilage zu den Marginalien 221 (1/2016)

Berliner Malerfreunde

In der Pankower Galerie des Vereins Kunst und Literatur Forum Amalienpark findet mit Unterstützung des Kunstarchivs Joachim Pohl eine Ausstellung der »Berliner Malerfreunde« Lothar Böhme, Wolfgang Leber, Klaus Roenspieß, Hans Vent und Manfred Böttcher statt.

In den 60er Jahren trat in Ostberlin eine Gruppe von Künstlern in die Öffentlichkeit, die sich von akademischen Normen, offizieller Ideologie und Schönfärberei fernhielten und ihre ästhetischen Maßstäbe in der Klassischen Moderne fanden. Was sie über Jahrzehnte verband, war bei allen individuellen Unterschieden ein unverstelltes Verhältnis zur Realität und ein Ethos der eigengesetzlichen Form.
Diesen Schutzbereich der Kunstfreiheit verteidigten sie konsequent. Sie ermunterten und unterstützten einander und tauschten Meinungen aus. Dies erklärt manche parallele Orientierungen, auch gemeinsame Inhalte und Motive. Die erste Ausstellung »Berliner Malerfreunde« stellt fünf dieser Künstler vor, eine Fortsetzung wird vorbereitet.

Eröffnung: 7.1.2022, 19:30 Uhr, Einführung: Dr. Anita Kühnel
Ausstellung: 8. Januar bis 12. Februar 2022
25.01.2022, 19 Uhr: Über die Nachteilmalerei und andere Berufe. Alexandra Heimberger und Simone Tippach-Schneider lesen ausTexten von Malern und älteren Männern.
11.02.2022, 19 Uhr: »Der nackte Mann auf dem Sportplatz« Film 1973/74,DDR Regie: Konrad Wolf, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase Der Film zeigt einige Tage im Leben des Bildhauers Kemmel und verhandelt am Rande Ost-Berlins die widerspruchsvolle Situation des Künstlers in seiner Gesellschaft.

Galerie Amalienpark
Breite Straße 23, 13187 Berlin, direkt gegenüber vom Rathaus Pankow

Mi, 05.01.2022

Krysztof Marek Bąk, DEG-PF 2022, CGD 2021 | Bernd Friedrich, bearbeitete Werbepostkarte, 2021, Goldprägung: "Künftig? Etwa durch ROTGELBGRÜN?"

PF 2022

Krysztof Marek Bąk

Gleich drei herausragende Glückssymbole, die der polnische Exlibriskünstler auf dem Neujahrsblatt der DEG präsentiert.
Ein Elefant, Inbegriff für Stärke, Kraft und Energie, die ihm dazu verhelfen, alle möglichen Hindernisse zu überwinden; in Asien Verkörperung von Weisheit und Klugheit, Scharfsinn und Souveränität, Geduld und Güte, hoher Moral und Treue.
Ein vierblättriges Kleeblatt, ein klassisches für das Glück stehende Symbol. Die Kelten sprachen ihm magische Kräfte zur Abwehr böser Zauberei zu; die Christen glaubten, dass Eva ein vierblättriges Kleeblatt als Andenken aus dem Paradies mitnahm, und sehen in ihm auch die Verkörperung des Kreuzes und der vier Evangelien. Es ist seine Seltenheit (in der freien Natur), die es zur Besonderheit mach. Seit je symbolisiert es Glück, Liebe, Gesundheit, Reichtum und Ruhm.
Ein weiteres populären Glückssymbol: ein Hufeisen. Mit der Öffnung nach unten auf dem Kopf stehend (oder an einer Tür nach unten hängend) wehrt es dem Volksglauben nach wie eine Sperre das Unglück ab.
Drei hochprominente Glückssinnbilder zu einem Ganzen komponiert – schließlich heißt eine weit verbreitete Redensart: Aller guten Dinge sind drei.
(Dr. Henry Tauber)

Hegel bemerkte irgendwo, daß alle weltgeschichtlichen Tatsachen ... sich so zu sagen zweimal ereignen

... das andere Mal als Farce.

(nach Marx, Der achtzehnte Brumaire ...)

Bernd Friedrich