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Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft

Pirckheimer-Blog

Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft

Di, 02.11.2021

Wolfgang de Bruyn (l.) im Gespräch mit dem Pirckheimer und Schriftsteller Till Sailer (Foto: Elke Lang)

Eine Feier für Günter de Bruyn (1926 – 2020)

Punktgenau zum 95. Geburtstag am 1. November hatten die Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund, das Kleist-Museum Frankfurt (Oder) und die Günter-de-Bruyn-Stiftung in der Landesvertretung ausgerichtet. Der Sohn Wolfgang de Bruyn sprach über die Günter-de-Bruyn-Stiftung, die der Schriftsteller schon 2014 durch eine testamentarische Verfügung über den Grundstock von 50.000 Euro aus seinem Nachlass vorbereitet hatte, sowie über die Gründung des Fördervereins 2020 unter Vorsitz von Wolfgang de Bruyn als Träger der Stiftung. Diese hat den Zweck, Günter de Bruyns Lebenswerk zu erhalten und so aufzuarbeiten, dass es der Öffentlichkeit zugänglich ist. Eine erste Arbeit bestehe für den Förderverein darin, „die vielen laufenden Regalmeter Bibliothek“ des Schriftstellers zu katalogisieren“, so Wolfgang de Bruyn. Hannah Lotte Lund, die bei der Veranstaltung als Direktorin des Frankfurter Kleist-Museums verabschiedet wurde – die Interimsleitung übernimmt bis März nächsten Jahres Wolfgang de Bruyn –, lobte den Jubilar als „guten Historiker, der Günter de Bruyn für mich ist – und wenn dann noch gute Literatur herauskommt...“ Der Leiter des Brandenburgischen Literaturbüros Peter Walther zitierte in seinem Essay aus dem Gratulationsbrief Angela Merkels zu de Bruyns 80. Geburtstag, in dem es heißt, dass dieser „dem Denken der Herrschenden niemals die Herrschaft über das eigene Denken gegeben habe“.

Zu den Gästen gehörte auch der Pirckheimer André Förster, Mitglied des Fördervereins und Verleger. In dessen Quintus Verlag erschien von Christiane Barz / Wolfgang de Bruyn / Hannah Lotte Lund „Günter de Bruyn – Schreibwelten. Zwischen märkischer Kulturgeschichte und deutscher Gegenwart“, der Begleitband zu der noch vom Schriftsteller selbst mit konzipierten Wander-Ausstellung „Günter de Bruyn – Märkische Schreibwelten“. Sie ist vom 5. November bis 9. Januar 2022 nach Frankfurt und Beeskow im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam zu sehen.

Verbunden war die Feierlichkeit mit der Premiere des letzten, postum herausgebrachten Buchs von Günter de Bruyn, einer Nacherzählung von Friedrich de la Motte-Fouqués Zaubermärchen „Undine“ unter dem Titel „Die neue Undine“ (S. Fischer Verlag) mit einem ganz anderen, überraschenden Ausgang. Eindrucksvoll gelesen wurden die ersten beiden Kapitel durch den Schauspieler Hanns Zischler.

(Elke Lang)

Mo, 01.11.2021

oben: "Frans Masereel und das Buch", Auswahl und Einleitung von Theodor Pinkus, Jahresgabe der Pirckheimer-Gesellschaft 1961 / unten: Neujahrsgruß 1965 mit dem Holzschnitt "Der Optimist" von Frans Masereel, auf Japanpapier, Foto © ad

Frans Masereel und das Buch

"Bibliophiles des Monats" im November ist die vor 60 Jahre erschienene Neujahrsgabe 1961 der Pirckheimer-Gesellschaft Frans Masereel und das Buch“.
Der Schweizer Staatsbürger Paul Theodor Pinkus (1909 - 1991), als Nicht-DDR-Bürger eines der „inoffiziellen Mitglieder“ der Pirckheimer-Gesellschaft, hatte sich seinerzeit um die Bekanntmachung des Werkes von Frans Masereel verdient gemacht, was auf großes Interesse bei den Bibliophilen in der DDR stieß und eine starke Beachtung dieses flämischen Holzschneiders Anfang der 60ger Jahre auch in unserem Land zur Folge hatte.

Die Neujahrsgabe mit zwei Titelvignetten und 49 Holzschnitten von Illustrationen bis zu Exlibris erschien in einer limitierten Auflage von 400 Exemplaren, von denen 75 römisch nummeriert für den Künstler und den Limmat-Verlag Zürich reserviert wurden, gesetzt aus der 12p halbfetten Gill-Grotesk und gedruckt in den Werkstätten der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Die Gestaltung lag in den Händen von Walter Schiller. Die Klischees fertigte die Grafische Kunstanstalt G. Rebner und Co., Leipzig. Die Buchbindearbeiten (Pappband mit Leinenrücken und einer montierter Abb., Fadenheftung) besorgte die Werkstatt Prof. Otto Dorfner in Weimar.

(ad)

So, 31.10.2021

Hanif Lehmann, Barockgarten Großsedlitz mit 2 Sphinxen, 2019/20, Radierung, Aquatinta, 29 x 36 cm

hortus secretus

Noch bis zum 5. Juni 2022 ist die seit Ende November laufende 36. Leipziger Grafikbörse an verschiedenen Orten in Mitteldeutschland unterwegs. Sie entführt in den „hortus secretus“, den geheimen Garten. Zu diesem Thema haben über 100 Künstler, darunter auch Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft, grafische Arbeiten eingereicht, die derzeit im Museum für Druckkunst ausgestellt sein werden.

Die Künstler stammen überwiegend aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wobei die Stadt Leipzig einen Schwerpunkt bildet. Ihre Interpretationen des „hortus secretus“ reichen vom Garten als konkreten Ort bis zu gedanklichen, fantastischen Gärten. Dabei bedienen sie sich verschiedener Druckgrafischer Techniken und experimentieren auch mit Mischformen.

Durch die Ausstellung führt heute der Kunsthistoriker Rainer Behrends.

8. Oktober – 21. November 2021 Museum für Druckkunst Leipzig
28. November 2021 – 30. Januar 2022 Grafikmuseum Bad Steben
6. Februar – 19. April 2022 KunstWandelhalle Bad Elster
1. Mai – 5. Juni 2022 Kulturspeicher Dörenthe

Fr, 29.10.2021

25 Jahre "edition noir." bei der FBM

Am diesjährigen Messedonnerstag erhielt Birgit Klös und Pirckheimer Bodo Klös "edition noir." von der Messeleitung der Buchmesse 2021 in Frankfurt eine Urkunde und einen Kuchen für 25-jährige Teilnahme an der Buchmesse Frankfurt.

Die in Lich beheimatete "edition noir." hat sich spezialisiert auf Druckgrafik und Buchkunst.

Die erste Teilnahme der Buchmesse war 1996 und seitdem präsentieren Birgit und Bodo Klös ;mit ihrem Verlag "edition noir." jährlich bis heute verschiedene Künstler aus ihrem Programm, aktuell Bodo W. Klös, Dagmar Zemke, Günther Hermann, Tomi Ungerer, Frank Eissner, Lorenzo Mattozzi und Sylvian Ylvain Lainè, bei dieser großen Bücherschau in Frankfurt. Leider war die Beteiligung der Kollegen in diesem Jahr nur rudimentär. Trotz allen Unkenrufen und den Pandemieeinschränkungen kann die "edition noir." für 2021 eine erfolgreiche Messe vermelden.

Mi, 27.10.2021

Vor&NachBilder

Vor vier Monaten wurde an dieser Stelle als "Bibliophiles des Monats" die Sonderausstattung der „Vor&NachBilder“ des Pirckheimers Klaus Waschk vorgestellt, die in dem von den Pirckheimern Rudolf Angeli und Peter Engel in Hamburg neu gegründeten Verlag Angeli & Engel als erster Titel erschienen.

Diese Vorzugsausgabe ist inzwischen vergriffen, wie Rudolf Angeli den Teilnehmern des Jahrestreffens in Hamburg mitteilte, in der Standardausstattung ist der Titel jedoch noch in wenigen Exemplaren zu erwerben. Ab sofort kann man virtuell hier auch ein wenig in der Ausgabe blättern. Zur Bestellung des Titels hier klicken.

Klaus Waschk: Vor&NachBilder - Zeichnungen zur Literatur 1971 – 2021
Format 24×30, Fadenheftung, Einband Gewebepapier,
87 durchgehend illustrierte Seiten, Illustrierter Vor-/Nachsatz und Coverdesign vom Künstler.
ISBN: 978-3-9815836-4-9, Auflage 200 Ex.
Preis 28 € (zzgl. 5 € für Versand)

Mo, 25.10.2021

Johann Kentmann »Kreutterbuch«

Das einzigartige »Kreutterbuch« von Johann Kentmann mit 600 Pflanzenaquarellen wurde 1563 in Torgau fertiggestellt und ist einer der größten Buchschätze der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden. Es zeugt vom hohen Stand der Renaissance-Wissenschaften in Torgau in der Mitte des 16. Jahrhunderts.
Anlässlich der 9. Sächsischen Landesgartenschau-2022 Torgau wird dieses farbenprächtige Pflanzenbuch der Renaissance erstmals komplett in einem Nachdruck publiziert. Der Nachdruck zeigt die bis heute erhaltene Farbigkeit, Frische und Detailgenauigkeit der Pflanzen-Aquarelle. In den letzten Jahren wurden sie wissenschaftlich untersucht, und es stellte sich heraus, dass die Ersterwähnung etlicher Pflanzenarten Johann Kentmann zugeordnet werden kann. So hat er zum Beispiel die Türkische Tulpe, Hyazinthen, Muscari oder Schneeglöckchen erstmals dokumentiert. Einführende Texte von Dr. Thomas Haffner, SLUB, Dr. Hansjochen Hancke, Dresden sowie Romina Barth, der Bürgermeisterin von Torgau. Register aller Pflanzennamen (botanisch, Kentmann, deutsche und englische Bezeichnungen)

Johann Kentmann - 1563 - Kreutterbuch. Erster vollständiger Nachdruck mit allen 600 Aquarellen von schönen, auserlesenen heimischen und fremdländischen Gewächsen, Bäumen, Stauden, Hecken und Kräutern,
Hrsg.: Dr. Harald Alex Gartenprojekte, Döbrichau
Verlag galerie bilderwelt, Reinhard Schultz, Stuttgart, Frühjahr 2022
ca. 640 Seiten, Hochformat DIN A4, Farbdruck, Hardcover
Prepress/Bildbearbeitung: Dr. Hans D. Baumann, Kassel
Preis: 39 € Subskriptionspreis bis 15.03. 2022: 29,50 €
Bestellungen bilderwelt oder harald.alex gartenprojekte
ISBN 978-9823679-0-3

Fr, 22.10.2021

Abb. © Sighard Gille

ouroboros

Der Leipziger Bibliophilen-Abend zeigt Graphiken & Bücher von Sighard Gille. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das in Zusammenarbeit mit dem LBA entstandene Buch »Gesang vom Leben«, für das der Künstler 2020 sieben Farblithografien schuf, hervorgegangen aus seiner Beschäftigung mit Gustav Mahler und seinem sinfonischen Werk.

Sighard Gille, geboren 1941 in Eilenburg, studierte von 1965 bis 1970 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer. Von 1992 bis zu seiner Emeritierung 2006 war er selbst Professor für Malerei an der HGB. Als Maler, Grafiker und Fotograf ist Sighard Gille seit Jahrzehnten weit über Leipzig hinaus einem breiten Publikum vertraut. Davon legen neben zahllosen Personalausstellungen in ganz Deutschland auch viele Publikationen Zeugnis ab. Über die Herausgabe von bebilderten Ausstellungskatalogen hinaus entstanden als Resultat der Auseinandersetzung mit literarischen Themen Zeichnungen und Druckgrafiken zu Don Quixote, Werken von Daniel Kehlmann, Thomas Kunst und weiteren Literaten.

Vernissage: 3. November 2021, 18 Uhr, Anmeldung erforderlich, Begrüßung Dr. Thomas Glöß, Laudatio Dr. Ina Gille, Musik: "Eisvogel", voc, trp, git
Ausstellung: 4. November 2021 - 4. Januar 2022

Haus des Buches Leipzig
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

(Ouroboros, altgriechisch Οὐροβόρος, ‚Selbstverzehrer‘, auch als Schlange der Ewigkeit bezeichnet)

Fr, 15.10.2021

Steve Dalachinsky

»Steve Dalachinsky Vorstoßen ins Unbekannte« - eine weitere Neuerscheinung im Hybriden-Verlag

Am 16. September 2019 starb in Bay Shore, New York, der 1946 In Brooklyn geborene Dichter Steve Dalachinsky. Er war unmittelbar nach einer Lesung in Long Island mit Hirnblutungen in ein Krankenhaus verbracht worden. Vor seiner Lesung hatte er ein Konzert des Sun Ra Arkestra in der James Cohan Gallery in Tribeca besucht. Über das »hospital endgame« (Matt Mottel) schrieb Steve Dalachinskys japanische Frau Yuko Otomo: »Steve starb umgeben von guten Freunden, die gekommen waren, um ihn zu sehen & mich zu unterstützen. Wir hörten Coltrane, Ayler, Monk & DooWop-Musik, er ist sanft auf die andere Seite übergegangen.« In den sozialen Medien kursierten bereits Nachrufe, als Steve Dalachinsky noch am Leben war. In seinem Gedicht ›Pray for me‹ prophezeite er »die billige Sentimentalität, die mein Abgang hervorrufen wird.«
Im September 2017 las Dalachinsky in Berlin, Düsseldorf, Wuppertal und München. Zu erleben war, dass das Spektrum seiner Vortragskunst vom zarten Flüsterton bis zu wilden und lauten Wortkaskaden reichte, so etwa bei der Darbietung seines Gedichtes ›Schweinehund, Rampensau‹. 2014 war Dalachinsky für seine Poesie in Frankreich mit dem Orden Chevalier des Arts et des Lettres ausgezeichnet worden.

(Jürgen Schneider)

Steve Dalachinsky, Vorstoßen ins Unbekannte
Poeme & Collagen (deutsch/englisch). Herausgegeben von Jürgen Schneider.
Audio-CD: Yuko Otomo/The Estate of Steve Dalachinsky & Nicola Hein
Visual Translations: Hans Verhaegen, 2021

Dank an Yuko Otomo/The Estate of Steve Dalachinsky

Edition: 100 copies
30 €, Postage: 7€ Overseas / Europe 3 €

Do, 14.10.2021

Hubert Kretschmer

In der Reihe "Die Kunst des Sammelns" des Hybriden-Verlags ist der Band 7 erschienen: Ein Gespräch mit dem Sammler Hubert Kretschmer. Zeichnungen von Hartmut Andryczuk

Themen: Op Art – Medizinische Optik – Produzentengalerie – Berenger-Laurer – Printed Matter – Aktionsraum 1 – Günther Sarée – Reiner Speck – Distribution Kretschmer & Großmann – Rainer Pretzell – Joseph Wintjes – Sautter & Lackmann – Buchhandlung Robert Krauthammer – Robert Mapplethorpe – Jürgen Klauke – Volker Wilczek & Joseph Beuys – Sol LeWitt – Anita Kaegie – Pablo Stähli – Maja Oeri & Dieter Roth – 80 Bananenkisten voller Künstlereditionen – Objekt-Magazine – Ray Johnson – Mail Art – Daniel Buren – Die Postkarte als Kunstform – Archive Artist Publications, Archivsysteme – Säurefreie Boxen – Künstlerbücher im Stift Admont – Christoph Mauler – Marion Ackermann – Archiv der Avantgarden – Arte Povera 

Die Kunst des Sammelns, Bd. 7 – Hubert Kretschmer
Hybriden-Verlag 2021
Edition: 30 copies
650 €

Mi, 13.10.2021

Pandemie vs. "Re:connect" in Frankfurt

Ab 20. Oktober soll Frankfurt wieder der Mittelpunkt der literarischen Welt werden. Allerdings wird die Buchmesse deutlich kleiner ausfallen als vor der Pandemie und auch teilweise virtuell bleiben.

Das Motto der 73. Ausgabe lautet «Re:connect - Welcome back to Frankfurt». Dieser Slogan scheint jedoch etwas zu weit gegriffen, denn die Messe wird bei Weitem nicht einmal die halb so groß wie in alten Zeiten sein. So nehmen in diesem Jahr nur 1.700 Aussteller an der Messe teil - 2019 war die Zahl mit fast 7.500 Ausstellern noch mehr als 4mal so groß und die Anzahl der teilnehmenden Länder ist auf weniger als 60% geschrumpft. Einige Pirckheimer werden dennoch mit dabei sein, so z.B. Christian Ewald mit der Katzengraben-Presse, Sven Uftring mit ASKU, Catharine J. Nicely mit PalmArtPress oder wie berichtet Hanfried Wendland. Die Pirckheimer-Gesellschaft selbst ist jedoch nicht mehr vertreten.
Leider wird auch die Besucheranzahl aufgrund der Zugangsbeschränkungen im günstigsten Fall maximal halb so groß sein wie vor der Pandemie.
Ehrengast Kanada will seinen, eigentlich bereits für 2020 vorgesehenen Gastland-Auftritt nachholen. Von den 60 Autorinnen und Autoren, die das Land in Frankfurt vertreten, kommen nur 9 real auf die Messe, auch die bekannteste Autorin des Landes, Margaret Atwood, wird nur virtuell zur Eröffnung zugeschaltet.

Frankfurter Buchmesse: 20. - 24. Oktober 2021

Bremerhavener Radierungen

Constanze Kreiser war zu einem zweimonatigen Stipendium im Wilke-Atelier Verein zur Kunstförderung e.V. tätig, dort werden jetzt ihre Arbeite gezeigt: "Zwielichtsituationen an den Wasserkanten".

"An Bremerhaven ist mir während meines zweimonatigen Stipendiums vor allem der Umgang mit dem Wasser aufgefallen: Die Präsenz der rein wirtschaftlich genutzten Wasserflächen und den dazugehörigen Überflutungsschutzmaßnahmen. Die nicht definierbaren Stadteingänge, weil die Stadt sich entlang der Weser unablässig weiterbewegt. Die nicht vorhandenen Durchblicke aus den zur Weserkante parallel geführten Straßen zum Wasser hin. Und am Horizont eine Art grauer Eminenz, ein Kranballet, die ausgelagerte Wirtschaft der Häfen und der Energiegewinnungsfelder, die sich meist nur schemenhaft abzeichnen. [...]
Versehen ist die maritime Landschaft zudem mit Türmen, Masten und Seezeichen, die optische und akustische Kommunikationsnetze aufspannen. Das ehemals flache Erscheinungsbild der norddeutschen Tiefebene hat eine senkrechte Dimension dazugewonnen. ….
Ich versuche mich in diesen Wochen an Portraits der Stadt und ihrer Umgebung. In zwei verschiedenen Formaten gucke ich auf maritime Details der Stahlbauära der letzten Jahrhunderte und auf die optischen Signalgeber einer Netzwerkära, wo alles mit allem zwecks Optimierung und Fernwirkung miteinander verbunden ist. …..
2 Monate sehe ich im Wilke Atelier den bewegten Lichtern von Schiffen, Leuchttürmen und am Himmel zu. Meine dabei entstehenden Radierungen versuchen diese Zwielichtsituationen zu erfassen, Zwischenräume und Zwischenzeiten der Entwicklung von Bremerhaven zu erspüren.
"
(Constanze Kreiser)

Ausstellung: 23. & 24. Oktober 2021 (3G und Maske)

Wilke Atelier
Am Alten Vorhafen 2, 27568 Bremerhaven

Mit Familienbild aus dem Jahr 1944: Till Sailer, Foto: Elke Lang

Wohin nach Nazi-Deutschland?

Der Schriftsteller Till Sailer stellt in Frankfurt/O seinen neuen Roman vor.

Eine junge Frau, wohlbehütet aufgewachsen auf dem „Hypothekenhügel“ von Weimar, in Liebe gefesselt an eine Ehe mit drei Kindern, Jungs, steht nach Ende des Zweiten Weltkriegs wie unzählige andere deutsche Frauen als Witwe vor dem Nichts. Sie muss für sich und ihre Kinder eine neue Existenz suchen. Das Besondere an der Geschichte ist zum einen, dass sie noch immer in der Naziideologie verharrt, die durch ihren in den letzten Kriegstagen gefallenen Ehemann, einen leidenschaftlichen Erzieher in einer nationalsozialistischen Eliteschule, infiltriert worden war. Ihr liberaler Vater missbilligte diese Haltung. Er konnte ein hohes Amt in der Landesregierung antreten. Zum anderen ist die Grundlage dieses Romans mit dem Titel „Haus mit der Madonna“ ein Stück Familiengeschichte des Schriftstellers Till Sailer und ein Stück Zeitgeschichte.
Wo wohnen, wie mit einem abgebrochenen Studium und dem Makel einer völkischen Vergangenheit den Lebensunterhalt verdienen, wie mit den neuen politischen Umständen zurechtkommen, die sie ablehnt? Sie, die Mutter des Schriftstellers, versucht es im Osten, sie versucht es im Westen, und ihre Erlebnisse bewirken – auch unter dem Einfluss des Vaters – ein langsames politisches Umdenken. „Der arge Weg der Hanna Sewald“, so lautete anfangs Sailers Arbeitstitel, und mit dem Ende des Buches 1949, kurz vor der Gründung der DDR, ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt, der Weg noch lange nicht geebnet. Der 1942 geborene Sohn denkt schon über eine Fortsetzung nach bis in eine Zeit hinein, die er selbst intensiv miterleben konnte. Authentisch wurde der Roman dennoch durch Briefe, die Erzählungen der Mutter und anderer Zeitzeugen sowie die Erinnerungen der zwei älteren Brüder. „Zwei Kapiteln aber“, so Till Sailer, „‚Burg Neuhaus‘ und ‚Zwischen Deutschland und Deutschland‘ erzählen von Ereignissen, die ich im Alter von sieben Jahren ganz allein erlebt habe und die mir noch immer deutlich vor Augen stehen.“

Nun steht die Premiere des im Mitteldeutschen Verlag erschienenen Buches mit einer Lesung des Autors im Kleist-Museum an. Ein Gespräch mit Verlagsleiter Roman Pliske schließt sich an. Die musikalische Umrahmung gestaltet Till Sailers Tochter, die Pianistin Juliane Burbaum.

(MOZ, 14.10.2021, S. 17)

Buchpremiere: 15.Oktober 2021 19 Uhr

Kleist-Museum Frankfurt

So, 10.10.2021

48. Druck NeueKleiderDrucke

Legende vom Fußballplatz

Im Stillstand der Pandemie ist ein neues Buch von Hanfried Wendland entstanden und bei NeueKleiderDrucke erschienen: Ödön von Horváth "Legende vom Fußballplatz".
Hanfried Wendland hat dazu drei einfarbige und fünf mehrfarbige Linolschnitte gemacht, die teilweise handkoloriert sind.

Ödön von Horváth hat seinen Text als "Sportmärchen" bezeichnet, der Sport mit Phantasie verbindet: »Hans, ein siebenjähriger Bub, der kein Fußballspiel versäumt, holt sich im nassen Gras hinter dem Tor den Tod.
Ein Engel fuhrt Hansl himmelwärts. Seine Flügel leuchten in den Vereinsfarben von Ober- und Unterhaching, sein Kopfballspiel ist göttlich. "Seine schmalen Füße staken in purpurnen Fußballschuhen; an silberner Sternenschnur hing um seinen Hals eine goldene Schiedsrichterpfeife."
Wenn Engel Fußball spielen, gelten keine irdischen Regeln mehr. Neunzig Minuten sind eine Ewigkeit, das Spielfeld ist das All. Aber wenn ein Himmelsstürmer den Ball in die Milchstraße kickt, pfeift der Schiedsrichter ,wegen unfairer Kampfesweise" ab. Alles geht reell zu, auch im sinnlosesten Sport: Fußball bleibt auch hinter dem Himmelstor ein Kampf auf Biegen und Brechen. Hänschen will nicht mitspielen; seine "unermeßliche Seligkeit" liegt im Zuschauen. Freilich nicht mehr im Abseits, wo die Fieberhexe lauert, sondern auf einem Ehrenplatz an der Sonne: Tribüne„ Erste Reihe. Mitte.
Horváths "Legende'' ist kein Kindertotenlied, sondern die Fieberhalluzination eines Fans, geträumt auf den Federwölkchen unschuldiger Phantasie. Nur im Himmel gilt, was Pele einst als Erfolgsgeheimnis des Fußballs beschrieb: "Große Kinder spielen, und große Kinder schauen zu." Wenn wir Weltmeister werden, ist es ein Wunder. Wenn Borneo II gegen Alaska verliert, ohne daß sich erwachsene Männer in "ungeheuerlichsten hochdeutschen Fachausdrücken" und "trüben Weissagungen" spreizen, ist es ein bezauberndes Märchen.
«
(Martin Halter, FAZ, 2006)

Hanfried Wendland stellt das, ab sofort erhältliche, Buch zusammen mit Peter Rensch (Andante-Handpresse) zur Frankfurter Buchmesse an einem gemeinsamen Stand in Halle 3.l, Stand J 104 vor.

48. Druck NeueKleiderDrucke
drei einfarbige und fünf mehrfarbige Linolschnitte, teilweise handkoloriert
Vorzugsausgabe • 40 Seiten, Format 34 mal 24,5 cm
10 römisch numerierte Exemplare gedruckt auf 230 g/qm Alt-Lünen-Bütten
im Halbledereinband im bedruckten Schuber
460 € (Subskription bis 30.10.2021 - 410 €)
Normalausgabe • 24 Seiten
15 arabisch numerierte Exemplare
gedruckt auf 170 g/qm Natural Line als Broschur, Fadenheftung
Satz in 16 p mg. Baskerville • 34 x 24,5 cm
240 € (Subskription bis 30.10.2021 - 190 €)

Frankfurter Buchmesse: 20.-24. Oktober 2021

Do, 07.10.2021

Briefe an Hans

ein internatiomnales Mail-Art-Project

Eine Ausstellung in Erinnerung an Hans Hess (1951 - 2019) mit Beiträgen von über 190 Künstlern.

Die Ausstellungseröffnung wird musikalisch vom Duo Anna Schimkat und Michael Barthel begleitet. Die Beiden arbeiten seit 2016 als Duo im Bereich der elektroakustischen Musik, Lautpoesie und Installation. Gefördert durch den Musikfonds e.V., NEUSTART KULTUR, die Beauftragte der Bundesregierung für Medien und Kultur sowie der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Eine Dokumentation des Projekts ist in Arbeit und kann bereits vorbestellt werden.

Vernissage: 16. Oktober 2021, 17 Uhr
Ausstellung: 16. Oktober 2021 - 30. Januar 2022

Kunstkeller Annaberg
Wilischstr. 11, 09456 Annaberg-Buchholz

Mi, 06.10.2021

© Winckelmann-Museum

Stein zu Papier

Das Winckelmann-Museum wird in einer Ausstellung von Astrid WeicheltStein zu Papier. Funde und Fragmente in Abformungen zeigen.

Das Werk der Berliner Künstlerin Astrid Weichelt überrascht gleich auf dreifache Weise. Zum einen ist es das Material – flaches Büttenpapier – aus dem sie dreidimensionale Bildgeschöpfe formt. Zum zweiten unterliegen ihren Geschöpfen reale Relikte vergangener Kulturen, etwa Fragmente historischer Architektur oder Bruchstücke antiker Plastik, oft auch Büsten bekannter Persönlichkeiten. Zum dritten – und hier vollzieht sich der eigentliche kreative Akt künstlerischer Imagination – werden die originalen Fragmente in der Abformung ihres ursprünglichen Zwecks entzogen und ergeben völlig neue Sinnzusammenhänge.
Ihre Abformungen arrangiert Astrid Weichelt dann in Installationen, Wandbildern oder als Einzelobjekte. Durch diese Transformation entstehen ästhetisch reizvolle Figurationen mit überraschenden Wahrnehmungsperspektiven für den Betrachter. Die meist ironisch und zugleich nachdenklich stimmenden Assemblagen sensibilisieren, wecken Erinnerungen an längst Vergangenes und halten uns die Fragilität unseres Seins, die Endlichkeit von Gewohntem und die Vergänglichkeit von Ruhm vor Augen.

Eröffnung: 10. Oktober 2021, 15 Uhr, Begrüßung: Dr. Stephanie-Gerrit Bruer, Führung: Dr. Kathrin Schade
Ausstellung: 10. Oktober - 21. November 2021

Winckelmann-Museum
Winckelmannstraße 36 - 38, 39576 Hansestadt Stendal