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Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft

Pirckheimer-Blog

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Fr, 30.07.2021

Little Boy

Stefan Soltek und Kerstin Appelshäuser-Walter präsentieren im Klingspor Museum als Buch des Monats das Bild vom Kind als Zeichen von Tod und Leben.

Frappierender, zynischer konnte die Atombombe nicht genannt werden, die die amerikanische AirForce am 6.8.1945 über Hiroshima zündete: Little boy. Über 200.000 Menschen starben sofort, bzw. in den folgenden Jahren. Eines der eindrucksvollsten Zeichen zur Bombardierung Hiroshimas hat der Plakatgestalter Uwe Loesch gesetzt. Seine Inszenierung des Kleinen Jungen (und später taucht das Motiv in anderen Zusammenhängen wieder auf) veröffentlichte er 1995 und erzielte mit diesem Plakat erhebliche Aufmerksamkeit. - Aber auch in der Serie von Plakaten, die unter der Überschrift Hiroshima Appeals bis heute jährlich entstehen, spielt das Motiv des Kindes eine Rolle. Dr. Stefan Soltek wird in seinem Vortrag die verschiedenen Werke vorstellen. Einen Blick in die Kunstgeschichte vergangener Epochen wird Dr. Kerstin Appelshäuser-Walter werfen. Sie beleuchtet die Figur des kleinen Jungen in der christlichen Ikonographie: sie spielt in der Religions- und Kulturgeschichte eine bedeutende Rolle, wenn es um die Darlegung der Sachverhalte von Leben und Tod geht. Im Mittelpunkt christlich orientierter Zivilisation steht natürlich Jesus Christus. Schon als Neugeborenem wird ihm die Wiege zum Opferaltar umgestaltet.

6. August 2021, 14 Uhr
Eintritt 4 € (Mitglieder der Freundesvereinigung Klingspor Museum 2 €)

Klingspor Museum
Herrnstr. 80, 63065 Offenbach

Di, 27.07.2021

Hanif Lehmann, Selbstporträt, 2019, 40 x 30 cm, Öl auf Leinwand

Hanif U. Lehmann zum 50. Geburtstag

Heute gratulieren wir unserem Mitglied Hanif Lehmann (widukind-presse), geboren vor 50 Jahren in Rochkitz/Sachsen.

Hanif Lehmann ist seit 2017 Pirckheimer.

Seine Ausbildung begann er an der Hochschule für Bildende Kunst Dresden, zuerst 1989 - 1990 im Abendstudium bei Hans Kutschke, später folgte von 1992 - 1998 ein Studium der Malerei und Graphik bei Siegfried Klotz und Wolfram Hänsch und ein Fachstudium bei Claus Weidensdorfer und Ralf Kerbach, sowie zu Typographischen Grundlagen und Buchgestaltung bei Prof. Horst Schuster.

Den Pirckheimern wurde er spätestens 2011 mit dem Holzschnitt "Entwässerungsgraben", der den Marginalien beilag* bekannt, 2018 lag die Gestaltung der Speisekarte und der Graphik zum Jahrestreffen in Frankfurt (Oder) in seinen Händen.

_________________
*Die Angabe zur Beilage in den Marginalien #203 ist falsch, der dort angegebene Holzschnitt "Interieur" war zwar geplant, das wurde jedoch geändert.

Mo, 26.07.2021

Arbeit von Wolfgang Henne

Satan Söder aus dem Seuchenland

Im Hybriden-Verlag erschien das MMM-DIARIUM 1/2021 - Diarium von Hartmut Andryczuk vom 1. Februar bis zum 30. April 2021

Hölderlin.
Die Authenrietsche Maske.
Wir-müssen-mit-dem-Virus-leben-Streeck.
Schlittenfahren am Schwarzen Grund.
Unterhemden im Februar.
Coronavirus Updates Beijing in der "Jungen Welt".
Hölderlin-Werbung für Ingmar Hoerr und Boris Palmer.
Zeichnen für den Neptunmond Triton von Ulrich Woelk.
John McAfee.
Friedhof Wilmersdorf.
Françoise Cactus gestorben.
B117-Kontaktbeschränkung.
Abendliche Spaziergänge im Grunewald.
Bunte iMacs am 20. April.
Impfstoffneid-Debatten.
#allesdichtmachen mit peinlichen Schauspieler-Clips.

Originalarbeiten von Thomas Glatz, Freddy Flores Knistoff, Hartmut Andryczuk, Jorge Herrera Fuentealba, Wolfgang Henne.

Number of copies: 30, 300 €

Sa, 24.07.2021

Heinz Kiwitz, Lesefrüchte

Durch Veröffentlichungen in den „Marginalien“ dürfte so manchem Pirckheimer Heinz Kiwitz ein Begriff sein und deshalb unser Hinweis auf eine wichtige Publikation über den Künstler, die anlässlich der aktuellen Ausstellung im Museum St. Laurentius, Duisburg-Rheinhausen, erschien.

Der Ausstellungskatalog „Lesefrüchte – Holzschnitte zur Literatur. Heinz Kiwitz 1910-1938“ enthält zahlreiche Abbildungen und einen sehr lesenswerten Text von Dr. Burkhard Biella, in dem er neben einem biographischen Abriss ausführlich und detailliert auf die Holzschnitte eingeht, die Kiwitz zu 15 literarischen Werken schuf. Dem Autor gelang es, neben biographischen Fakten auch Graphiken von Kiwitz zu entdecken und im Katalog zu veröffentlichen, die bisher unbekannt waren, wie die Linolschnitte zu Oscar Wildes „Dorian Gray“ oder einen Holzschnitt in der Sammlung unseres Pirckheimers Dr. Gerd Gruber.

Der Katalog (184 Seiten, 187 Abbildungen, ISBN 978-3-948281-03-8) ist über das Museum oder über den Buchhandel zu beziehen; Preis 13 Euro plus Versandkosten.

Ausstellung: 4. Juli 2021 - 6. März 2022

Museum St. Laurentius
Martinistr. 7, Duisburg

Fr, 23.07.2021

BB exklusiv für Pirckheimer

Kurt Idrizović von der Buchhandlung am Obstmarkt, Augsburg, bietet Mitgliedern den im Buchhandel vergriffenen Titel "Begegnungen mit Brecht" vom Lehmstedt Verlag, Lpz. 2009, 399 S., gestaltet von Mathias Bertram, zum Sonderpreis von 5 Euro (zzgl. Versand) an.

"Alle, die Bertolt Brecht kannten, waren von ihm beeindruckt: von seiner Freude an der Begegnung und am Gespräch, von seinem Wissensdurst und seiner Fürsorglichkeit, von der Lust an der Provokation und am Konflikt oder von dem manchmal rätselhaften Wechsel zwischen Auftritt und Rückzug, Präsenz und Tarnung, Souveränität und Scheu. Aus der Fülle der Zeugnisse hat der Herausgeber 58 Berichte von Kollegen, Freunden, Widersachern, Mitarbeitern und Schülern ausgewählt, die ein lebendiges Bild eines Jahrhundertautors zeichnen, der wie kaum ein anderer aus der Kommunikation heraus gelebt und gearbeitet hat. Neben einer Reihe wiederzuentdeckender Texte bekannter Autoren finden sich unbekannte, erstmals ins Deutsche übersetzte sowie eigens für diesen Band geschriebene Erinnerungen an Bertolt Brecht." (aus dem Klappentext)

Der Autor, Erdmut Wizisla (geb. 1958, Promotion 1994) leitet das Bertolt-Brecht-Archiv und das Walter Benjamin Archiv, beide Akademie der Künste, Berlin, und publizierte zahlreiche Bücher und Aufsätze zu Benjamin, Brecht, Uwe Johnson und anderen.

Bestellung an Buchhandlung am Obstmarkt

Mi, 21.07.2021

Harald Kugler, Foto: privat

Bücherkisten,

in Gestalt von Schränken, Telefonzellen oder anderweitig überdachten Behältnissen, verbreiten sich auf angenehme Weise für die Freunde/innen der Bücher als einen Ort, wo man ohne Zwang und Beeinflussung eine Leidenschaft unterstützt und durch Unbekannt gefördert bekommt. Stets kostenfrei und ohne Verpflichtungen können hier Leseratten oder Bibliophile ihren Neigungen nachgehen. Was andere an Lesestoff nicht mehr benötigen, findet in den Bücherkisten Platz zum Auswählen, Stöbern aber auch Entdecken, wenn sich plötzlich die Erstausgabe eines Werkes findet, dass man schon lange für seine Sammlung gesucht hat oder man ein Buch entdeckt, dass selbst in Antiquariaten vergriffen ist. Diese neue Form der Öffentlichkeit im Umgang mit Büchern ist ein erfreulicher Beweis dafür, dass es unter den Menschen doch etwas gibt, dass von einer uneigennützigen Form der Bereicherung gekennzeichnet ist und eine Gemeinschaftlichkeit charakterisiert, die dem Leben eine soziale Form verleiht. Eine Form, deren Gesetzlichkeit, wenn man überhaupt davon sprechen kann, auf Freiwilligkeit ohne irgendwelche Besitzansprüche beruht, ganz so, wie man sich ein Leben auf diesem Erdenrund erträumen würde. Man stelle sich vor, es gäbe kein privates Eigentum, weder an Produktionsmitteln, noch an Grund und Boden oder Menschen. Für uns Heutige unvorstellbar, weil unsere Altvordern dem Nachbarn, in Wald und Flur, Platz zum Leben streitig gemacht hatten und beizeiten um die Aufteilung der Welt bemüht waren. Doch lassen wir Geschichte Ergebnis sein, die Leseratten und Büchersammler waren schon immer ein eigenes und manchmal seltsames Völkchen, die mit ihrer Leidenschaft eigene Gesetze schufen. Und so bleibt auch die Bücherkiste eine gesellschaftliche Rarität, über die wir uns freuen, dass sie durch ihre Vielfalt unser Leben bereichert.

(Harald Kugler)

Sa, 17.07.2021

Thomas J. Richter

Grafikeditionen erfreuen sich wieder immer größerer Beliebtheit, wie z.B. die Edition Pirckheimer (siehe Marginalien #239, 2020/4).

In der jW-Kunstedition, herausgegeben vom Pirckheimer Andreas Wessel, erschien jetzt das 7. Blatt, diesmal von Thomas J. Richter, sozusagen dem jW-Hauskünstler.

Im Handdruck auf einer Andruckpresse aus den 60ern in einer Auflage von 250 Exemplaren auf cremefarbene Munken Pure, 300 g/m2 stark, gedruckt von Harald Weller, den man in Berlin gern in einem Atemzug mit Hendrik Liersch von der Corvinus Presse und dem Tiefdrucker Dieter Béla nennt.

Dieses Blatt aus dem Jahr 2012 der Richterschen Liebespaare wurde hiermit erstmals publiziert und bislang noch nicht in einer Auflage gedruckt. Der Holzschnitt "Paar am Strand" ist ein schönes und provozierendes Gegenstück zu Walter Womackers gleichlautendem und wohl bekanntesten Gemälde aus der DDR der 60ger.

Bisher erschienen in der jW-Kunstedition

  • Marc Gröszer, »ohne Titel«, 2019
  • Ronald Paris, »Charons Boote«, 2019 (das Motiv taucht auch in der Merseburger Sitte-Ausstellung als Guache auf, siehe Katalog S. 110)
  • Heike Ruschmeyer, »Köln 9. Juni 2004«, 2020
  • Alex Weise, »Kleidsam durch die Krise«, 2020
  • Anna Franziska Schwarzbach, »Fred und Karl in Paris«, 2020
  • Harald Kretzschmar, »Die Bewegten«, 2021

Do, 15.07.2021

Ruth Wolf-Rehfeld: Unbestimmte Summe, 1987, Typewriting, Foto: Zentrum für Kunstpublikationen, Weserburg Museum für moderne Kunst Bremen

Gerhard-Altenbourg-Preis 2021 für Ruth Wolf-Rehfeldt

Altenbourg-Preisträgerin 2021 ist Ruth Wolf-Rehfeldt. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigte sie sich mit Malereien, Pastellbildern und Zeichnungen. Bekannt geworden ist sie jedoch durch ihre sogenannten „Typewritings“, kleinformatige Werke, die sie seit den 1970er Jahren auf der Schreibmaschine erstellte. Die „Schreibmaschinenkunst“ Wolf-Rehfeldts umfasst beispielsweise konkrete Poesie, Grafikdesign und Konzeptkunst. Bei den Werken handelt es sich um Hybride aus Sprache, Symbolen und visueller Form. Damit entwickelte Ruth Wolf-Rehfeldt eine auffällig autonome künstlerische Position in der DDR. Mit ihren Werken verknüpft sie ein ungewohntes visuelles Erlebnis mit einer ganz eigenen Poetik, bestehend aus losen Buchstaben, Schlagworten und ikonischen Wendungen. Im Spätwerk nehmen abstrakte Kompositionen, linguistische Beschilderungen und die Sprache als Form und Materie einen immer größeren Raum ein.
Zusammen mit ihrem Mann Robert Rehfeldt wurde die Künstlerin Teil eines weitläufigen Netzwerkes. Intensiv pflegte sie den Austausch mit anderen Kunstschaffenden - auch auf internationaler Ebene.
Nach dem Tod ihres Mannes und dem Fall der Berliner Mauer hat Wolf-Rehfeldt ihre künstlerische Arbeit bewusst beendet.

Die umfassende Retrospektive des Lindenau-Museums vereint Werke aus mehreren deutschen Museen. Neben der ungewöhnlichen Bildsprache werden auch die verschiedenen Schaffensphasen abgebildet, die sich zwischen DADA und visueller Poesie bewegen.

Ausstellung: 19. September - 14. November 2021

Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg

Di, 13.07.2021

"Bildschirmfoto" von Peter Arlt

100. GEBURTSTAG VON WILLI SITTE (3)

Der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete in der Sendung mdr um 11 am 12. Juli über die Ausstellung zu Ehren des Künstlers Willi Sitte in Merseburg - "ein Kraftakt für den Förderverein. Denn die Willi-Sitte-Stiftung ist insolvent."
Hier geht es zum Gespräch mit dem Pirckheimer und Kurator der Ausstellung Prof. Peter Arlt.

Und im ND schreibt Hendrik Lasch über unter dem Titel Merseburger Küchenrunde über diese Ausstellung.

Mo, 12.07.2021

Ausriss Die Rheinpfalz, 5.7.2021

Eisenblaue Bäume

"»Das ist eine bibliophile Angelegenheit«, erldärt der Ludwigshafener Künstler Günther Wilhelm, als er in seinem Atelier in der Hartmannstraße vier neue Bücher präsentiert. [...]
Jedes Buch enthält jeweils einen Leporello, zum Blättern oder Auseinanderfalten, vielmehr aber noch zur eingehenden Betrachtung. Vom jüdischen Friedhof in der Südwestpfalz, dem Mannheimer Altrhein, der Burgruine Nanstein oder bizarr miteinander verwachsenen Bäumen, die Wilhelm fotografiert und in Cyanotypien festgehalten hat.
Die blauen Farbtöne des auch als
»Eisenblaudruck« bekannten altertümlichen Verfahrens setzen die sorgsam ausgewählten Motive in ein faszinierend fremdartiges Licht und verleihen eine fast geheimnisvolle Anmutung. Der Beilenkrappen und die Silberpappel rund um die Mannheimer Reißinsel und den Waldpark vermitteln den Eindruck eines just vorübergezogenen Unwetters. Die alten Grabmäler auf dem Judenfriedhof der kleinen Gemeinde Busenberg sehen aus wie zur „blauen Stunde", in der Dämmerung oder gar zur Nacht aufgenommen. [...]
Das »Bollwerk Nanstein - Der Untergang«, so der Titel des vierten Bandes, sieht in Wilhelms Edition altertümlicher als in Wirklichkeit aus. zugleich wirken diese Aufnahmen irgendwie authentischer, so als führte die alte Drucktechnik näher an die bewegte Vergangenheit der Burg über Landstuhl heran. [...]
Nur jeweils neun kostspielige Exemplare existieren von jedem Band. Jedes ein Unikat, zumal identische Cyanotypien sich nicht herstellen lassen. [...] Der Hemshöfer Künstler bedient sich gerne, ja, leidenschaftlich, solcher sogenannten Edeldruckverfahren und alternativer Prozesse aus den Pioniertagen der »Photographie«, die längst schon ins Abseits geraten und lange schon von der Digitalfotografie verdrängt worden sind. [...]

(Stefan Otto, Die Rheinpfalz)

So, 11.07.2021

Eine Vision trägt einen Menschen durchs ganze Leben

... ist ein Interview von Peter Michel mit dem Pirckheimer Peter Arlt in der heutigen junge Welt-Wochenendausgabe überschrieben. Das Gespräch der beiden Kunstwissenschaftler trägt den Untertitel »Über 100 Jahre Willi Sitte, die Wahrheitsfunktion der Kunst, neue Zeiten für Ikarus und eine Hommage an den Realismus« und fand aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung »Merseburger Sprüche und Sprünge« in der Merseburger Sitte-Galerie für realistische Kunst statt.

Peter Michel beginnt das Interview mit der Feststellung: "[Die Ausstellung] ... wurde von Ihnen langfristig und mit hohem Anspruch kuratiert, 160 Werke von 83 Künstlern werden dort bis zum 9. Januar 2022 zu sehen sein. Ab 3. Oktober 2021 zeigt das Kunst­museum Moritzburg in Halle (Saale) eine große Retrospektive aus dem Lebenswerk Willi Sittes. Beide Ausstellungen laufen dann parallel." und fragt Peter Arlt dann »Was hat Sie bewogen, der Ausstellung einen solchen Titel zu geben?
"Die erste Zauberformel der »Merseburger Zaubersprüche« heißt im Neuhochdeutschen: »Entspring den Haftbanden, entfahr den Feinden!« Auf die realistischen Künstler übertragen, bedeutet das, den Gängelbändern des Kunsthandels und der Kunstpolitik zu entkommen und mit dem Robert-Musil-Harald-Metzkes-Spruch »Der Realismus ist wie das Gras, das, niedergetreten wieder aufsteht« die Kraft der Visualität zu finden, im eigenen Sinn und Stil zu entfalten und der Realismusgemeinschaft beizufügen."

Es folgt eine Einblick in die Realismustheorie mit dem Fokus auf das Schaffen von Willi Sitte und gut 80 weiteren DDR-Künstlern, deren Beitrag zum Realismus mit der Ausstellung gewürdigt wird.

junge Welt, 10. / 11. Juli 2021, Nr. 157

Sa, 10.07.2021

Siegfried Gwosdz, soulfullness, Farbholzschnitt von 5 Platten. Bild 30 x 42 cm, Bütten 42 x 59,5 cm, Auflage 40 Exemplare, signiert und nummeriert

Siegfried Gwosdz – Endlich Holzschnitt!

"Als einer, der sich auch nach dem Abitur und mithin 13 Jahren Kunstunterricht noch gewundert hat, wie es einem Rembrandt gelingen konnte, mittels eines Radiergummis all die filigranen Bilder zu schaffen, die in den Deutsch-Lesebüchern abgebildet waren, frage ich oft Künstler, wie sie denn zur Druckgrafik gekommen sind. Eine der schönsten Geschichten ist die von Siegfried Gwosdz: Er war schon als Jugendlicher als talentierter Zeichner bekannt, und eines Tages kam eine Freundin mit einer Radierung zu ihm und bat ihn, diese abzuzeichnen. Verblüfft stellte er fest, dass sich so feine, kräftige Linien mit dem Zeichenstift nicht zuwege bringen ließen.
Also besorgte er sich ein Lehrbuch zu druckgrafischen Techniken, das von einem Mitglied der Druckerdynastie Kätelhön verfasst worden war, und begann eigenständig, sich die Technik der Radierung anzueignen. Was sich so leicht anhört, ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden: Es braucht eine Druckpresse, denn da bei der Radierung gefeuchtetes Büttenpapier die Farbe aus den Vertiefungen der Kupferplatte saugen soll, ist erheblicher Druck nötig, den kann man nicht mit einer Handwalze oder einem Falzbein erzeugen. Und wenn man nicht nur Kaltnadelradierungen herstellen will, braucht es Eisenchlorid zum Ätzen der Kupferplatte. Eisenchlorid, das ist – Salzsäure! …
" ...weiterlesen

(Wolfgang Grätz in 238. Frankfurter Grafikbrief)

Ausstelling: 17. Juli - 2. September 2021

Frankfurter Büchergilde & Galerie
An der Staufenmauer 9

Mo, 05.07.2021

aus "Parallelwelt"

"Mein lieber Bork, sind Bücher nicht unbedingt zum Lesen da, denn es gibt wie bei den Frauen auch Dinge, die man mit ihnen anstellen kann, die sich ein Autor des Buches bei seinem Niederschreiben nicht hat vorstellen wollen.“ Und noch ehe Onkel Toby weiter ausführen konnte, fragte Bork, was das denn sei, das man mit Frauen anstellen konnte. Onkel Toby sah sich ob seiner Unbedachtheit augenblicklich in eine Bredouille geraten, ließ den Jungen aber nach kurzem Bedenken wissen, dass er mit „anstellen“ wohl das falsche Wort verwandt habe, und verbesserte sogleich, er meine natürlich „benutzen“, „gebrauchen“ oder „sammeln“. Dann fuhr er schnell fort, damit sich Bork nicht weiter auf die genannten Tätigkeitsworte besinnen möge, und erklärte, es sei eine falsche Vorstellung von Betrachtern einer Bibliothek, dass ihr Inhaber das alles gelesen haben musste. Der Besitz mancher Bücher bereite einfach Freude und verleihe Genugtuung oder Befriedigung, dass man ihrer nur aus diesem Grund habhaft werden wollte. Aber wenn Onkel Toby glaubte, Bork hätte nun alles verstanden, wurde er sogleich eines Besseren belehrt, als er vernahm, was sein Neffe weiter fragte: „Aber wie kann das gehen mit dem Befriedigen und der Freude, wenn ich deine Bücher betrachte, fühle ich nichts davon. Sie sind einfach nur da und glotzen mich stumm an.“ Obwohl Onkel Toby von seiner Antwort nicht ganz überzeugt war, sagte er lapidar zu Bork: „Dazu musst du erst ein Liebhaber werden, dann wirst du mich verstehen.“ Und um seiner Antwort noch mehr Gewicht zu verleihen, fügte er noch hinzu: „Nicht jeder kann mit Büchern solch ein Verhältnis eingehen und da ist es wieder wie mit den Frauen: Sie ziehen einen an oder sie sind uns gleichgültig.“

„Onkel Toby“, widersprach Bork, „da bist du einem Irrtum erlegen. Im Gegensatz zu deinen stummen Büchern plappern die Weiber beinahe unaufhörlich.“ Mit einem breiten Schmunzeln begegnete Onkel Toby dem Blick seines Neffen und sagte: „Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb sich vor allem ältere eheerprobte Männer der Bücherliebhaberei widmen.“

Harald Kugler: Die Parallelwelt, Eine Erzählung aus der Welt der Bücher
(Reihe: Einbogendrucke #23), Pirna April 2019
36 Seiten, Klammerheftung

So, 04.07.2021

Foto: © Erik Seidel

18. Vogtländischer Kunstkalender

Seit 2005 erscheint der Vogtländische Kunstkalender regelmäßig in jedem Herbst und ist inzwischen eine feste Institution unter Grafiksammlern geworden, in dem sich wieder 13 Künstler mit 13 signierten Originalgrafiken präsentieren.
Die Grafiken können leicht von den Kalendarien gelöst werden, also als Einzelblätter gerahmt, gehängt oder verschenkt werden. Auf der Rückseite des Kalenders finden Sie die Biografien der beteiligten Künstler.
Der 18. Vogtländischer Kunstkalender für 2021 wird ab 1. September 2021 erhältlich sein. Er wird wie gewohnt in einer Auflage von nur 65 Exemplaren von Erik Seidel herausgegeben, alle Arbeiten sind von den Künstlern persönlich gedruckt. Diesmal sind es

Barbara Mäder-Ruff,
Frank Degelow,
Christoph Wischniowski,
Luke Carter,
Julienne Jattiot,
Ilko Koestler,
Erik Seidel,
Sabine Riemenschneider,
Rainer Ehrt,
Amei Diaz,
Phillip Janta,
Hael Yxxs und
Katharina Fischborn.

Sa, 03.07.2021

Plakat von miley zum Ortstermin in seinem Atelier

Ortstermin 2021

2021 wird der Ortstermin Moabit und im Hansaviertel nach vielen Jahren wieder für alle Sparten der Kunst geöffnet. Mit dem diesjährigen Festivalthema RESET wird der ORTSTERMIN auch in seiner künstlerischen Bandbreite neu starten. ‚to reset‘ steht für einen Vorgang, der ein elektronisches Gerät wieder auf die Werkseinstellungen zurücksetzt. Diese Entscheidung kann notwendig werden, wenn Abläufe und Anforderung nicht mehr adäquat bewerkstelligt werden können oder fehlerhaft sind.

Angewendet auf das gesellschaftliche System ist hier die Frage zu stellen, ob dieses ‚zurücksetzen auf' überhaupt möglich ist. Die Gesellschaft befindet sich derzeit in einem Schwebezustand des Abwartens. Warten auf den Neustart, Warten auf die wiederkehrenden sozialen Begegnungen und den Austausch, Warten auf ein Öffnen der Geschäfte und Institutionen. Zurückgeworfen auf Grundbedürfnisse fangen wir an, uns selbst und unser soziales Miteinander zu hinterfragen ...

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