Das neue Jahr wirft bereits Licht und Schatten voraus – angesichts der verheerenden Katastrophe im Zentrum von Crans-Montana im schweizerischen Wallis fehlen der Welt sichtlich die Worte; und alles Eifern möge in diesen Tagen verstummen, wünscht man sich, und den weit über 100 Verletzten, die gerade unter anderem auch nach Deutschland, nach Berlin, Leipzig und Halle etc. ausgeflogen werden, möchte alle Hilfe zukommen, dass sie wieder gesund werden können. Dass diese Hilfe über die Ländergrenzen hinaus möglich ist und passiert, hilft, nicht den Glauben zu verlieren, dass es eben so auch unter den Menschen zugehen kann und soll. Und dass man da einhält und der vielen Toten gedenkt, die das Unglück forderte. In der Tat ist es grad nicht die Zeit des Belferns, wie es die politische Hochprominenz ungerührt fortführt, sehr wohl aber der guten Gedanken, an die man sich doch trotz allem halten muss, auch, um Kraft zu haben fürs Künftige und das, was ertragen werden muss und zu bestehen ist. Leicht fällt es einem da nicht, das pro felicitas auszusprechen, aber ohne ein Wort für tätige Zuversicht und in der Bedeutung etwas abgewandelt eben auch anteilnehmende Solidarität ... wäre auch alles nix, so ist es doch. Nun, und auch auf andere Art und Weise wird es ein herausforderndes Jahr: 2026 ist in Deutschland ein sogenanntes Superwahljahr, aber ein bissel bleibt einem im Moment die Vorfreude auf diese Art Ausübung von Mündigkeit im Solarplexus stecken. Wo es auch so schon knirscht und knackt in der möglichen und geförderten Anwesenheit von Kultur und Kunst in der geschätzten Öffentlichkeit. Und um Literaturhäuser gefeilscht wird: in den Städten der Bücher und überhaupt. Und wo sich ein Gegen-Establishment rüstet, mit den Werkzeugen einer umgedeuteten Aufklärung und der verbrämten Postulation von Harmlosigkeit behängt. Scheint also so, als wäre auch da Solidarität und Beharren gefordert. Pro felicitas? Aber ja. Übertreiben wir es nur nicht und wirken weltfern und saumselig in dieser Übertreibung. Und halten uns so an eines der schönsten der nun doch Stück für Stück eintreffenden Blätter mit guten Wünschen, das hier für viele als stellvertretend eingestellt sein soll. Es stammt von unserem Pirckheimer-Freund Matthias Frohl und wünscht den Pirckheimern und überhaupt, dass man, wenn „das Glück vorbeirollt – fest zugreifen [soll], auch wenn man sich dabei etwas verrenken muss …“ Glück und Aufklärung, Nähe und Einsatz, Solidarität und Mitmenschlichkeit, sie werden 2026 gebraucht: Gehen. Wir. Es. An.
(Ernst-Jürgen Liebetraut)