Eigentlich ist die Eigenschreibung der neuen Schau, die das Lyonel-Feininger-Museum in der alten Welterbestadt Quedlinburg seit dem 20. August zeigt, Frauen sind!, so liest man es wenigstens auf dem Plakat. Zu sehen sind die Arbeiten von Grita Götze, Kerstin Grimm, Kat Menschik, Luise Neupert und Tanja Pohl in dem Haus, das sich an ehrwürdiger Stätte (Ort: Schlossberg 11, 06484 Quedlinburg) dem reichen kulturellen Erbe der Stifts- und Fachwerkstadt, ihrem Einfluss auf die Moderne – Feininger war als Bauhaus-Künstler Mittel- und Norddeutschland vielfältig verbunden – befindet, bis zum 11. Januar 2027. Was sind Frauen? Schön, bunt, mysteriös, fesselnd, schnittig? Sind sie Körper und Blick, Erinnerung und Haltung, Rolle und Gegenentwurf? Oder liegt ihre Kraft gerade darin, dass sie sich jeder endgültigen Beschreibung entziehen? Die Ausstellung Frauen sind! stellt diese Frage mit großer Leichtigkeit und zugleich mit Nachdruck. Sie zeigt ausschließlich Werke von Künstlerinnen, die Frauen darstellen: Frauenfiguren, Frauenkörper, Frauenbilder, innere Zustände und äußere Rollen. So entsteht ein lebendiger Dialog darüber, wie Frauen gesehen werden – und wie Künstlerinnen Frauen sehen, deuten, erfinden und behaupten. Alle fünf Künstlerinnen verbindet ihre Herkunft aus der ehemaligen DDR beziehungsweise ihre ostdeutsche Prägung. Diese gemeinsame Erfahrung bildet einen stillen, wichtigen Resonanzraum der Ausstellung. Sie ist nicht die einzige Lesart, aber sie öffnet den Blick für Lebenswege, Bildsprachen und Haltungen, die lange zu wenig beachtet wurden. Alle Informationen finden sich hier. Zur Schau erschien ein Katalog.
(Robert Grieger/Pressemitteilung)