Pirckheimer-Blog

Ausstellung

Fr, 03.02.2023

Unser Pirckheimer-Neumitglied Thomas Franke präsentiert am 08.02. seine Adaption des Schmidt-Romans "Die Gelehrtenrepublik" in Bonn.

Schmidts „Gelehrtenrepublik“

Thomas Franke lädt zur Vernissage und Buchpräsentation von Arno Schmidts (1914–1979) legendären ‚Roman aus den Roßbreiten’ ein. Der Künstler schreibt: „Seit Ende Dezember des vergangenen Jahres liegt die Vorzugsausgabe des Künstlerbuches Die Gelehrtenrepublik vor. Anfang Februar werde ich hier in Bonn eine Veranstaltung durchführen, bei der ich die Buchausgaben präsentiere und ich möchte Sie dazu einladen: Vernissage der Ausstellung einiger zum Kurzroman vom Grafiker, Buchkünstler, Dichter, Schauspieler und  ‚Erforscher des tellurischen Kabinetts‘ (nach Elisabeth Einecke-Klövekorn) Thomas Franke geschaffener Holzstich-Collagen samt einigen geschwätzigen Ausführungen zur Entstehung des Buches sowie der Lesung aus dem Kurzroman am Mittwoch, den 8. Februar 2023, um 19.30 Uhr, in der Altstadtbuchhandlung Büchergilde in Bonn, Breite Str. 47, 53111 Bonn, Telefon: (0228) 63 67 50.“

Arno Schmidt arbeitete vor dem Krieg als Lagerbuchhalter in Greiffenberg/Schlesien, nach Kriegsdienst und Gefangenschaft schließlich als Übersetzer und Schriftsteller. Seit 1949 erschienen zahlreiche Romane, Erzählungen und literarische Radioessays. Arno Schmidt erhielt 1973 den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Der Gegenstand dieses Abends und der Ausstellung ist Arno Schmidts Kurzroman. Erstmals 1957 erschienen, spielt Die Gelehrtenrepublik in der Welt fünfzig Jahre nach einem Atomkrieg. Der Roman schildert in Tagebuchform die Reise des Journalisten Charles Henry Winer im Jahr 2008 durch einen von Mutationen bevölkerten „Hominidenstreifen“ in Nevada zu der im Pazifik treibenden künstlichen Insel IRAS (International Republic for Artists and Scientists), auf der die letzten Geistesgrößen, unter der rivaliserenden Aufsicht von Russen und Amerikanern, aus Wissenschaft und Kunst Zuflucht gefunden haben. 

Mit der von Franke reich illustrierten und gemeinsam mit Michael Haitel gestalteten sowie als Künstlerbuch aufwendig hergestellten, bei p.machinery edierten Neuausgabe des Romans erweist sich Franke nicht nur als ein Liebhaber des Schmidt’schen Wirkens, sondern auch seines Humors und seiner bissigen Ironie. Er entdeckte, dass hinsichtlich Schmidts Einschätzung des Interesses der Deutschen an Büchern gleichfalls eine Wahlverwandtschaft besteht. Als sein monumentales Werk Zettels Traum erschienen war, antwortete er auf die Frage, wer denn das Buch lesen solle, dieses Buch wäre für die „eigentlichen Kulturträger“ der Nation bestimmt, die er folgendermaßen errechnete: „Die Zahl der Kulturträger erhalten Sie, wenn Sie die dritte Wurzel aus P ziehen, wobei P für Population oder Bevölkerung steht: Macht bei 60 Millionen Einwohnern in West-Deutschland 390 Leser.“ Eine Zahl, die in den letzten Jahren nicht gewachsen dürfte.

Ein solcher Humor gefällt Franke und so wollte er bei der Gestaltung des Künstlerbuches nicht zurückstehen: Die Bücher wurden in Cabra gebunden, ein Material, das sich anfühlt, als würde man einer Zentaurin aus dem „Hominidenstreifen“ das Fell streicheln. Seit 1979 ist Franke als freier Grafiker, Buchkünstler und Illustrator z. B. für den Suhrkamp-, den Heyne-, den Goldmann-Verlag, für p.machinery und viele andere tätig. Für seine buchgestalterische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet ebenso für seine Arbeit als Schauspieler. Neben seiner Bühnenarbeit bestreitet er seit beinahe vierzig Jahren szenische Lesungen. Die Buchausgaben wurden gefördert durch ein Künstlerstipendium im Rahmen der NRW-Corona-Hilfen. Mit dem Werk beginnt eine Reihe unter dem verheißungsvollen Titel Fulminant Fantastische Folianten. Das Buch umfasst 246 Seiten incl. 25 farbiger, sieben davon wiederum ausklappbar. Die Normalausgabe ist für 99 Euro, die Vorzugsausgabe mit Digidruck im Einleger und Schuber für 222 Euro zu haben.

(André Schinkel/Thomas Franke/Pressemitteilung)

Mi, 01.02.2023

Clemens Gröszer, "Bildnis Anne-Kathrin Bürger", 2010/2012, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 65 cm, | © VG Bild-Kunst, Bonn 2022.
Clemens Gröszer, "Kreuzigungsfragment (Dresdner Altar)", 1984/2004, Mischtechnik auf Hartfaser, 109,5 x 196 cm, | © VG Bild-Kunst, Bonn 2022.
Clemens Gröszer: "Marin a cholie XIII", 2013, Mischtechnik auf MDF-Platte, 175 x 80 cm | © VG Bild-Kunst, Bonn 2022.
Clemens Gröszer: "Selbst mit M. á. C.", 2011, Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 40 cm | © VG Bild-Kunst, Bonn 2022.

El Gordo auf dem Rummel

Im Angermuseum Erfurt sind bis zum 05.03. 130 Arbeiten aus Clemens Gröszers Nachlass  zu sehen

Im Begrüßungsbild von einem Rummelplatz fährt Der Driver (Selbst) (1985–2001) dem Besucher der Ausstellung Clemens Gröszer. Magie der Wirklichkeit im Autoscooter entgegen. Ein Spielzeug für Größere, ein menschlich gelenkter technischer Apparat aus Mann und Auto – ein wenig erinnert das an die romantische Liebe E.T.A. Hoffmanns zu den mechanischen Lebewesen. Über dem Vehikel sprühen wie ein Feuerwerk Elektrofunken vom Gitter der Oberleitung. Die Zigarette hängt lässig im Mund des Fahrers, sein Schlips fliegt. Ein anderes Gefährt steckt sinnbildlich in der Ecke, und der Rempler am Heck eines weiteren bleibt wegen des umlaufenden Gummiringes unbeachtet. Der Künstler genießt das Volksvergnügen in der freudvollen Bewegung ohne Ziel. Seinen nachdenklichen Blick in die Ferne zeigt er unter einem instabilen Gerüst auch als El Gordo (1983–1986). So preist er sich selbstironisch nach der spanischen Lotterie als Hauptgewinn, umgangssprachlich „der Dicke“.

Als Zigarettenraucher – wie ihn viele Selbstporträts zeigen – hat sich Clemens Gröszer ein Sicherheitsholz aus Riesa entzündet. Mit klaren Augen erblickt er alles ernst und kritisch, besonders in der Kaltnadelradierung Selbst (1980), deren expressionistischer Zugriff das eigene Selbstbildnis mit dem Konterfei von Karl Schmidt-Rottluff, Conrad Felixmüller und Max Beckmann verbindet. Als Gröszer (1951–2014) mit 21Jahren an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee zu studieren begann, endeten die „stürmischen Sechziger mit ihrer festen Hoffnung auf die Zukunft“ (G.G.Dadamjan), die sich in dem irrealen Vertrauen auf die rationale und planmäßige Steuerung nationaler wie internationaler Prozesse gründeten. Zeitgleich gab es weltweit einen ähnlich gerichteten Realismus. Die gewohnte Abstraktion war für manche stickig.

Von der Documenta5, 1972, die zentral mit John De Andrea und Cluck Close „Hyperrealismus“ zeigte und „individuelle Mythologien“ feierte, brach ein frischer Wind in die Kunstgefilde. Zwischen den realistischen Strömungen im Osten und im Westen, vor allem in den USA, gab es Wechselwirkungen. Sie traten der Offenheit des „Anything goes“ von lauter nichtssagenden Endpunkten entgegen mit einer herausfordernden Ästhetik des Widerstands. In Gröszers Gemälde Réunion (2007) versammeln sich dreizehn Vertreter der östlichen Strömung zum sinnlichen Abendmahl um eine aufgebahrte lebendige Schöne. Darunter die Gruppe „neon-real“, Clemens Gröszer, Rolf Biebl und Harald Schulze sowie auch der Dichter Karl Mickel und der Kunstwissenschaftler Matthias Flügge, der sah, wie „neon-real“ sich gegen die Herumschluderei der „genialen Dilettanten auf die altmeisterliche Lasurtechnik besannen, die Perfektion verlangt“.

Alltagsbezogene Bilderwelten, die Befragung der Realität und intensive Erbebeziehungen zur Renaissance, zum Verismus (Dix, Grosz) und Magischen Realismus sind programmatisch für Gröszers Werk. Sein Statement „Die Magie der Wirklichkeit genügt mir, daran meine Malerei zu entzünden“ steht der Ausstellung mit 130Arbeiten aus dem Berliner Nachlass voran. Wie sich seine Kunst an der unmittelbaren Begegnung entzündet hat, zeigen Farbstudien von der Toten Blauracke (2011) – oder die sehr konkret gezeichneten Geschlechtsorgane. Gröszers nackte Modelle sind schön und hässlich. Der unmittelbar sinnlichen Begegnung folgt die zu Kunstwerken anderer, die der Maler liebt.

Manche Motive tauchen als stilistisch authentische Versatzstücke in seinen Bildern auf und bringen im veränderten Zusammenhang neue Sinnschichten hervor, so im Kreuzigungsfragment (Dresdner Altar) (1984–2004), wo im Mittelteil das Kreuzigungsmotiv von Matthias Grünewald adaptiert ist und auf der rechten Tafel das Motiv einer nackten Frau. Deren Brustrose wird von einer anderen Nackten mit den Fingern gelost – eine Referenz auf das berühmte Gemälde Gabrielle d’Estrées mit ihrer Schwester, der Herzogin von Villars (1594) des anonymen Malers der Schule von Fontainebleau. Auf einer anderen Leinwand wird eine Hure mit aufgedonnertem Make-up und langstrümpfig erotisierten schlanken Beinen zur Versuchung (1979/1989); sie will in tangagesteigerter Nacktheit den Antonius aus der Askese locken. 

Außerdem zu sehen sind schön gemalte Porträts abschätzender, selbstbewusster, kluger Frauen wie das der Schauspielerin Bildnis Anne-Kathrin Bürger (2010/2012) sowie von dem Mädchen Rosa mit Spielzeug (1982), das wie eine Erwachsene ernst genommen wird und dessen Spielzeug auf vielseitige Interessen – von Natur zu Technik, von Mathematik zu Fantasie – schließen lässt. Gemalt in Mischtechnik auf Leinwand, deren Geheimnisse Gröszer von seinem Lehrer Kurt Robbel vermittelt wurden. Eine Bereicherung erfährt diese Technik durch collagierte Teile, so etwa beim Bildnis des Friseurs Frank Schäfer (1999): Schmuckbesät, mit unedlen steinbesetzten Ringen an jedem Finger, mit unzähligen Ketten, Reifen und Piercings, einer Schraube durch den Nasenflügel, doch mit Kreuz und dem Tattoo „Lämmchen“, wird der DDR-Kultfriseur scherzhaft als Jesuslein dargestellt.

Gröszer verlässt zuweilen die figurative Motivwelt, kommt aber immer zu ihr zurück. Herausragend sind die Melancholie-Bilder. Ein Protomotiv dafür war die Zeichnung Marina, 4.12.1981, Bleistift auf Karton: Eine Frau sitzt mit übergeschlagenen Beinen und hochgehaltenen, angewinkelten Armen auf einem Schemel. Sie wurde zu Marin á cholie und weist auf ein anderes Lieblingsmotiv aus dem Bild Kreidefelsen auf Rügen, 1818/1819, von Caspar David Friedrich. In anderen Farben ergibt sich über den stufigen Kreidefelsen, die Große Stubbenkammer auf Rügen, ein grandioser Blick auf die blendend weiße Umfassung des Meeres in parabolischer Form, ein Lebenssymbol, Friedrichs Kunst entnommen.

Eine fast nackte Frau, erotisch riemenbekleidet, sitzt in wiederkehrenden Varianten von Malerei und Grafik bekrönt von einer mitraähnlichen Kauftüte, die das Konsumdenken erhebt und bildhaft die Umkehr der Werte in dieser Zeit klärt. In der Lithografie M. A. C ., Melancholia XII, 2008, balanciert eine Hand über drei Fingerspitzen eine Glaskugel, wie ohne Berührung, als hielte ihr Blick sie magisch. In der Glaskugel ist die Welt verdreht und verzerrt reflektiert, in sie zu schauen, heißt, auf eine sehr fragliche Auskunft zu hoffen. Das Gegenteil zur Welterschließung mit Malstock und mit Maßstab, die über der Kugel liegen und wie der Zirkel bei Dürer die rationale Erkenntnis symbolisieren. Albrecht Dürer führte mit dem Kupferstich Melencolia I Gröszer zur Fledermaus. 

Bei Gröszer im Aquarell von 2004 eine lebendige zahnzeigende, dagegen bei Dürer die Fledermaus als Symbol der Nacht. In neuer Vergegenwärtigung finden wir bei Gröszer aus Dürers Bemühung um die Abbildungsmethode der Perspektive und um die Lösung geometrischer Probleme den behauenen Steinblock, einen zwölfeckigen Polyeder – mit der Erkenntnis: Das Unendliche „kann man mit der Hand nit machen ... Das faßt allein der Verstand“. Und mit Leiter, Turmbau und rollender Kugel stoßen wir auf das immerwährende Problem: Wer die alten Erkenntnisweisen benutzt, stößt auf deren Grenzen, und die Begrenztheit unseres Strebens ruft in uns Melancholie hervor. 

(Peter Arlt)

Mo, 30.01.2023

Hochdruckpartner laden am 03.02. zur Vernissage mit Drucken/Collagen von Johannes Eckardt ein.

Hochdruckpartner: Vernissage

Die Leipziger Galerie und Werkstatt hochdruckpartner lädt zur Vernissage zu Beginn des nächsten Monats ein: „Am Freitag, dem 3. Februar 2023 um 19 Uhr eröffnen wir die erste Ausstellung im Neuen Jahr mit Holzschnitten und Collagen von Johannes Eckardt. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht die Figur – sowohl bei seinen ins Holz gezeichneten schwarz-weißen Holzschnitten, als auch bei den farbig sensiblen, virtuosen Collagen. Wir laden Sie herzlich ein und freuen uns auf Ihren Besuch!“ Die Ausstellung mit den Arbeiten Eckardts wird in der Galerie (Lützner Straße 85, 04177 Leipzig) bis zum 29. April gezeigt, die Öffnungszeiten sind: Mittwoch bis Freitag 14–18 Uhr und Sonnabend 12–17 Uhr. Im Shop von hochdruckpartner läuft zudem eine Spendenaktion für die Ukraine, der Erlös der Grafiken u. a. von Susanne Werdin, Franca Bartholomäi und Harald Alff, die dafür auf der Internetseite angeboten werden, geht zu 100 Prozent an „Ärzte ohne Grenzen“. Auch eine Folge neuer Grafiken wurde eingestellt.

(André Schinkel)

Mi, 25.01.2023

Verlängert bis 18.02.: "Leseland DDR" in der LBO.
Michael Weichenhan.

Goethe und Schiller in der DDR

Am Donnerstag, den 02.02. um 19 Uhr hält Dr. Michael Weichenhan den Vortrag ... eine Zeit der neuen Klassik ist angebrochen. Zur Rolle von „Klassikern“ in der DDR im Rahmen der Ausstellung Leseland DDR in der Landesbibliothek Oldenburg. Die Laufzeit der Ausstellung wurde bis zum 18.02. verlängert. Politisch verstand sich die DDR als Avantgarde, literarisch hingegen orientierte sie sich am Traditionellen, allen voran an Schiller und Goethe. Johannes R. Becher bestimmte die Kulturpolitik der DDR maßgeblich und richtete sie auf die Weimarer Klassik aus. Jenseits der Klassenzugehörigkeit pflegte der Staat bis 1989 im Rahmen der sogenannten „Erbaneignung“ programmatisch die Verbreitung „bürgerlicher“ Autoren, neben Goethe und Schiller standen Kleist, Büchner, Fontane bis hin zu Thomas Mann hoch im Kurs. Der Leserschaft bot diese Wertschätzung eine willkommene Entlastung von der Propaganda. Weichenhan studierte in der DDR u. a. Theologie und Klassische Philologie. Der Vortrag geht der Bedeutung „klassischer“ Texte für die Auslegung bis in die Gegenwart nach. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 22.01.2023

Beim Betrachten der Zeichnungen von Heinz Zander zu "Tristan und Isolde". | © Ralf Wege
Sigrid Wege, Vorsitzende der Magdeburger Pirckheimer, begrüßt die Gäste der Vernissage im Literaturhaus Magdeburg. | © Ralf Wege
Das Plakat zur Zander-Ausstellung in Magdeburg.

Heinz-Zander-Ausstellung in Magdeburg verlängert

„Puppenspiel mit Moralitäten“ noch bis 03.02. im Literaturhaus Magdeburg zu sehen

Eine Woche länger als ursprünglich geplant sind die Werke des Leipziger Altmeisters Heinz Zander im Magdeburger Literaturhaus zu sehen. Unter dem Thema Puppenspiel mit Moralitäten. Bilder zur Literatur zeigen die Magdeburger Pirckheimer rund 150 Werke Zanders, darunter großformatige Ölbilder ebenso wie kleinformatige Zeichnungen oder Druckgrafik. Eine bibliophile Schau mit einer beeindruckenden Vielfalt an Technik und Format aus einer Hand, aus dem speziellen Blickwinkel Bilder zur Literatur, aus sechs Jahrzehnten künstlerischen Schaffens. Eine Ausstellung der Magdeburger Pirckheimer in Zusammenarbeit mit der Galerie Thoms.

Zur Eröffnung der Ausstellung im November 2022 waren rund 60 Gäste gekommen. Zum Teil hatten sie dafür eine weite Anreise auf sich genommen wie einige Kunst- und Kulturfreunde aus Mannheim, Bad Frankenhausen, Chemnitz, Berlin oder Mühlhausen. Vor allem die Fülle an Zeichnungen hat viele Gäste begeistert. Da diese aus einer Privatsammlung stammen, bekommt man sie selbst in einem Museum oder einer Galerie nicht einfach mal so zu Gesicht. Dazu gehören unter anderem Zanders Zeichnungen zu Tristan und Isolde, König Lear oder Doktor Faustus.

Heinz Zander hat nicht nur „Bilder zur Literatur“ geschaffen, sondern ist selbst als Autor mehrerer literarischer Werke bekannt. Sein Vorteil: Er kann die eigenen Texte selbst illustrieren. So geschehen auch beim Roman Puppenspiel mit Moralitäten, der der Ausstellung den Titel gab. Natürlich ist der Roman im Literaturhaus zu sehen. Doch es wäre keine Ausstellung eines bibliophilen Vereins, wenn nicht noch mehr gezeigt würde. So sind alle Vorzeichnungen ausgestellt, dazu die Studien zum Umschlag sowie den Bildern, die die Innenseiten des Buchdeckels illustrieren.

Die Bandbreite der künstlerischen Auseinandersetzung Zanders mit Literatur spiegelt sich ebenso in den Pressedrucken wider. In Magdeburg zu sehen ist u. a. König Phineus und die Austreibung der Harpyien, erschienen als 11. Druck der Dürer-Presse: ein Originalhalblederband im Original-Halbleinenschuber mit einer nummerierten und signierten Originalradierung Harpyie mit Gelege und Orgelspieler (Blattgröße: 26,5 x 35 cm. Bildgröße: 24,5 x 17,5 cm).

Gehört der Dürer-Druck zu den großformatigen Druckwerken Zanders, sind seine Illustrationen des Erotikons Colberts Märchen nach der Mode, ein Beispiel dafür, dass er auch das kleine Format meisterhaft beherrscht. Davon können sich die Besucher der Ausstellung überzeugen. Gezeigt werden sowohl alle 60 Vorzeichnungen als auch der fertige Druck, erschienen 1988 bei Hinstorff (Buch- und Rückentitel in Goldprägung. Schuberformat: 10,5 x 7,5 Zentimeter, Ledereinband im Pappschuber) sowie eine Auswahl Blätter aus der zuvor erschienenen Grafikedition in Kassette.

Mit fünf Ölgemälden öffnet die Ausstellung den Blick weiter auf die Vielfalt Zanders in Technik und Format ... und das mit dem speziellen Blick auf Literatur. Blickfang ist das Bild Der Engel John Silver betritt den Strand zum Roman Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson. Mit dem Gemälde Theseus und Ariadne werden die Ausstellungsbesucher in die griechische Mythologie weitergeleitet und können darin zudem den Meister im Selbstporträt entdecken. An der Wand gegenüber gilt es, Homers Sireneninsel zu betreten oder Adelbert von Chamissos Peter Schlemihl bei seinem Flug zu begleiten.

Die Ausstellung bietet neben solchen „ins Auge fallenden“ Stücken wahre Kleinode, die nur auf ihre Entdeckung warten. So zum Beispiel die Diplomarbeit von Heinz Zander: Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Allen Poe oder Adam Behringers Engel, eine Radierung mit eigenem Text, editiert vom Leipziger Bibliophilen-Abend. Dazu gehört auch die Möglichkeit für die Besucher, einen Bezug zur Radiertechnik des Künstlers zu bekommen. So sind nicht nur Blätter der Mappe Der Zauberberg. 15 Radierungen zu Thomas Mann zu sehen, sondern für das Blatt 2 Castorp im Gebirge (Blattgröße: 21,9 x 17,6 cm) auch die dazugehörige Druckplatte.

Heinz Zander: Puppenspiel mit Moralitäten – Bilder zur Literatur
Literaturhaus Magdeburg, Thiemstraße 7, 39104 Magdeburg
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10–12 Uhr und 14–16 Uhr 
sowie nach Vereinbarung bzw. zu den Abendveranstaltungen

(Sigrid und Ralf Wege)

Di, 17.01.2023

Im ehrwürdigen Gotha (hier: Schloss Friedenstein) findet vom 22. bis 24. September das Jahrestreffen 2023 der Pirckheimer-Gesellschaft statt.

Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft 2023 in Gotha

Nach der letzten Zusammenkunft in Oldenburg 2022 empfängt dieses Jahr die Pirckheimer das thüringische Gotha. Vom 22. bis 24. September feiern wir in der alten Residenzstadt ein Jubiläum: Es ist das 50. Jahrestreffen unserer Gesellschaft, organisiert durch Peter Arlt. Das erste Treffen dieser Art fand 1972 in Dresden statt. Gotha bietet Führungen durch die Forschungsbibliothek Gotha, eine musikalische Reise in der Schlosskirche zu Willibald Pirckheimer und seinen Zeitgenossen mit Sabine Lindner, Bildende Kunst und Musik von Thomas Offhaus, eine Ausstellung im Spiegelsaal mit Neujahrsgrafiken aus fünf Jahrzehnten der Sammlung Peter Arlt, und auch das Sammlerpaar Christiane und Norbert Grewe gibt im Vortrag und Gespräch Einblicke in ihre Buch- und Grafikschätze. Das endgültige Programm und die Modalitäten der Anmeldung werden bis zum Frühsommer auf der Internetseite der Pirckheimer und in Heft 249 (Ausgabe 2023/2) der Marginalien, der Zeitschrift unserer Gesellschaft, veröffentlicht. 

(Till Schröder)

So, 15.01.2023

The Best of 2022: Bei Druck & Buch in Wien sind die schönsten Neuzugänge bis zum 28.02. zu sehen.

Galerie Druck & Buch: Best of 2022

Best of 2022 – die schönsten Neuzugänge des alten Jahres gibt es in der Galerie Buch & Druck in der Nachfolge der Wagner-Schau Borderline in Wien zu sehen! Susanne Padberg lädt bis Ende Februar zum Schauen, Staunen und Auswählen ein: „Die besten Wünsche zum neuen Jahr sind immer verbunden mit einem Rückblick aufs alte Jahr! Mit großem Vergnügen zeigen wir die Best of bis 28. Februar in der Galerie Druck & Buch in der Wiener Berggasse.“ Die Galerie ganz in der Nähe des Freud-Hauses (Berggasse 21/2, A-1090 Wien) zeigt Werke von Stefan Gunnesch, Anja Harms, Romano Hänni, Katrin von Maltzahn, Tricia Treacy, Ulrich Wagner, Hyewon Jang, Hannah Darabai, Veronika Schäpers, Wolfgang Buchta und Natalia Weiss u. a. Eine Liste mit Preisen und Details gibt es auf Anfrage unter der Mail info@druckundbuch.com. Am 26. Januar findet um 19 Uhr in der Schau ein Buchgespräch mit Katrin von Maltzahn statt, am 28.2. eine Finissage-Feier. Die Galerie im 9. Bezirk Wiens ist von Montag bis Freitag 11 bis 18 Uhr geöffnet.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 05.01.2023

Shakespeare-Porträt auf dem Deckblatt des "First Folio", Kupferstich von Martin Droeshout.
Ein "First-Folio"-Exemplar im Globe Theatre.

Will’s Book – 400 Jahre Shakespeare’s First Folio

Anlässlich des 400. Jahrestages der Veröffentlichung von William Shakespeares (1564–1616) First Folio veranstalten das Literaturarchiv Marbach und das Globe Theatre London eine Wechselausstellung im Literaturmuseum der Moderne in Marbach. Die Veröffentlichung wurde 1622 in einem Katalog der Frankfurter Buchmesse angekündigt und erschien 1623 unter dem Titel Mr. William Shakespeares Comedies, Histories, & Tragedies.

Im Rahmen des vom Globe initiierten Folio-400-Projekts fanden im Oktober des letzten Jahrs eine wissenschaftliche Konferenz sowie zahlreiche Veranstaltungen statt, darunter die Eröffnung der Ausstellung Will’s Book – 400 Jahre Shakespeare’s First Folio in Marbach. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Rezeption von Shakespeares Stücken im deutschen Sprachraum und der Einfluss des elisabethanischen Theaters. Seit dem späten 18. Jahrhundert ist Shakespeare der beliebteste Autor auf den deutschen Bühnen. Die Ausstellung soll die folgenden Fragen beantworten: 

Wie hat sich die Bedeutung des First Folio und der darin enthaltenen Stücke im Laufe der Jahrhunderte verändert? Wie wurden seine Stücke vom 18. bis zum 20. Jahrhundert ins Deutsche übersetzt, von der klassischen Übersetzung, die von August Wilhelm Schlegel begonnen und von Ludwig Tieck und anderen fortgesetzt wurde, bis hin zu den Übersetzungen von Johann Heinrich Voß und Rudolf Alexander Schröder und Thomas Brasch? Welchen Einfluss haben die Übersetzungen von Shakespeares dramatischen Werken auf die deutschsprachige Literatur gehabt? Wie wurden die Schriftsteller von Shakespeare und seiner Bühnenkultur inspiriert?

Der Höhepunkt der Ausstellung ist das First Folio selbst, von dem nur 235 Exemplare (von 750 insgesamt) erhalten sind, von denen etwa vierzig in gutem Zustand sind. Das zweite, dritte und vierte Folio (1632, 1664, 1683) sowie Manuskripte, Bücher, Folianten und andere Exponate aus dem Londoner Globe Theatre und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach sind ebenfalls ausgestellt. Vierzig Exponate beschäftigen sich mit Shakespeare und dem Einfluss seiner Werke auf den deutschsprachigen Raum. Die Ausstellung im renommierten Literaturmuseum der Moderne im Deutschen Literaturarchiv (Schillerhöhe 8–10, 71672 Marbach am Neckar) wird noch bis zum 9. Februar 2023 gezeigt.

Will’s Book – 400 Jahre Shakespeare’s First Folio  
Ausstellung im Deutschen Literaturarchiv Marbach,
Museum der Moderne, im Kooperation mit dem
Globe Theatre London, 12.10.2022 bis 09.02.2023,  
Schillerhöhe 8–10, 71672 Marbach am Neckar.

(Maria Bogdanovich)

Mo, 02.01.2023

"Alles Dada? Die absurde Welt und die Welt des Absurden": Michael von Hintzenstern und Jens-Fietje Dwars laden am 10.01.23 um 19.30 Uhr nach Leipzig ins Literaturhaus (Haus des Buches) im Gerichtsweg 28 ein. Zugleich wird eine Ausstellung mit 36 "Palmbaum"-Einbänden eröffnet.

Dada im Literaturhaus Leipzig

„Wahre Wunderkammern“, nennt sie Volker Braun, „in die man sich gerne setzt.“ Gemeint sind die Hefte der Zeitschrift Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen. 1993 von Detlef Ignasiak gegründet, übernahm 2005 der Jenaer Autor Jens-Fietje Dwars die Redaktion. Seitdem werden die Einbände von mitteldeutschen Künstlern und Künstlerinnen gestaltet. Die Spannweite reicht von Gerhard Altenbourg und Angela Hampel über Moritz Götze, Karl-Georg Hirsch und Ticha bis zu Strawalde, Max Uhlig oder Baldwin Zettl. Eine Ausstellung im Literaturhaus zeigt 36 Andrucke der Zeitschrifteneinbände, dazu in Vitrinen sämtliche Hefte der Zeitschrift, Briefe, Manuskripte und Korrekturfahnen mit handschriftlichen Vermerken von Volker Braun, Reiner Kunze, Wulf Kirsten, Reinhard Jirgl, B. K. Tragelehn und anderen Autorinnen und Autoren.

Zur Eröffnung der Ausstellung stellen Jens-Fietje Dwars und Michael von Hintzenstern am 10. Januar ab 19.30 Uhr das aktuelle Palmbaum-Heft vor: Alles Dada? Die absurde Welt und die Welt des Absurden. Es erinnert unter anderem an den Dada-Kongress in Weimar und Jena 1922, der in einem Skandal endete. Hintzenstern wird Schwitters-Gedichte rezitieren und Dwars am Klavier begleiten, wenn der Texte von Scheerbart bis Hussel liest. Am Ende verzaubert der Pianist und Impresario der Weimarer Dada-Dekade das Publikum in einen mehrstimmigen Dada-Chor. Dabei ist höchstes Vergnügen garantiert. Es darf aber auch von Herzen gezischt und gepfiffen werden – je lauter, desto dada. Der Eintritt für die Veranstaltung im Leipziger Gerichtsweg ist frei.

„Alles Dada? Die absurde Welt und die Welt des Absurden“
Lesung und Dada-Chor mit Michael von Hintzenstern
und Jens-Fietje Dwars zur Eröffnung der Palmbaum-Ausstellung.
Donnerstag, 10. Januar 2023, 19.30 Uhr, Literaturhaus Leipzig,
Haus des Buches, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig.
Die Ausstellung ist bis zum 3. März im Literaturhaus zu sehen.

(Pressemitteilung/Jens-Fietje Dwars)

Fr, 02.12.2022

Die Preisträger des Walter Stöhrer-Grafikpreises stellen ab 10.12. in der Galerie Friese aus.
Friederike Goebbels, "Call On Me" (Detail), 2022, Siebdruck auf Glasfaser, 160 x 180 cm.

Walter Stöhrer-Preis: Strange, I’ve seen that face before

Vom 10. bis zum 23. Dezember 2022 findet unter dem Titel Strange, I’ve Seen That Face Before die Ausstellung der Preisträgerinnen des Walter Stöhrer-Grafikpreises 2021/2022 der Walter Stöhrer-Stiftung für Studierende an Kunsthochschulen in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin in der Galerie Friese in der Meierottostraße 1 in 10179 Berlin statt. Zur Begrüßung spricht Prof. Dr. Jörg Heiser, Dekan der Fakultät Bildende Kunst an der UdK.

Die Vernissage findet am Freitag, den 9. Dezember von 18 von 21 Uhr in der Galerie statt, die zugleich noch bis zum 14. Januar 2023 die Exhibition Paintings von Matti Kujasalo (Helsinki) zeigt. Preisträgerin des Walter Stöhrer-Grafikpreises für den Jahrgang 2021/2022 ist Friederike Goebbels, die für ihren großformatigen (160 x 180 cm) Siebdruck auf Glasfaser Call On Me von 2022 geehrt wird. Die 1986 geborene Künstlerin kommt aus Berlin und ist dort in die Klasse von Josephine Pryde involviert und druckte in der Werkstatt für Siebdruck K. Borchert.

Zudem werden für den Jahrgang zwei Anerkennungen vergeben. Sie gehen an Lena Valenzuela de la Hoz (geboren 1989 in Hamburg, Klasse Valérie Favre) für work in progress (2022) und Emma Zimmermann (geboren 1997 in Großburgwedel, Klasse Christine Streuli) für Struktur Serie Nr. 4 (2022), Siebdruck auf Papier, 29,5 x 41,5 cm. Die Galerie ist von Montag bis Sonnabend von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Auch werden bis zum 16. April neue Keramiken von Asana Fujikawa gezeigt.

Strange, I’ve Seen
That Face Before: die
Preisträgerinnen des
Walter Stöhrer-Grafikpreises
Galerie Friese Berlin
10. bis 23.12.2022.

(André Schinkel)

Mi, 30.11.2022

Eine überaus besondere Ausstellung zeigt das Stabi Kukturwerk in der Staatsbibliothek ab dem 07.12.
Ein Beispiel für eine alte Azteken-Schrift: Blatt aus dem Codex Borbonicus, der in Paris verwahrt wird.

Manuscripta americana

Drehgras und Schlangenrachen: Was verraten indigene Bilderschriften über das Leben im kolonisierten Mexiko? Die Sonderausstellung Manuscripta americana – Den Azteken auf der Spur im Stabi Kulturwerk in der Staatsbibliothek zu Berlin (Unter den Linden 8, 10117 Berlin) erzählt von Alltag und Gesellschaft zur Blütezeit der Azteken (14. bis 16. Jahrhundert), die sich selbst Mexi’ca nannten, und beschreibt Ausbeutung und Widerstand gegen die spanischen Kolonisten.

Die gezeigten Bilderhandschriften sind Teil einer Sammlung, die dereinst schon Alexander von Humboldt (1769–1859) begründete. Das älteste Codex-Fragment ist etwa 500 Jahre alt und dokumentiert auf über vier Metern Länge, welche Abgaben die Azteken anderen Königreichen abforderten, bevor sie selbst zu Unterworfenen wurden. Die Sammlung Manuscripta americana ist heute auf zwei Verwahr-Standorte aufgeteilt: die Staatsbibliothek zu Berlin und die Biblioteka Jagiellońska in Kraków. Die Ausstellung ergänzt die Berliner Handschriften durch virtuelle Ansichten der Krakauer Handschriften und zeigt außerdem, wie naturwissenschaftliche Methoden bei der Entschlüsselung jahrhundertealter Bilderschriften helfen können.

Die Ausstellung ist in Berlin vom 07. Dezember 2022 bis zum 26. Februar 2023 zu sehen, die Bibliothek öffnet von Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag sogar bis 20 Uhr. Vom 27. bis 30.12. gelten Sonderöffnungszeiten von 8 bis 17 Uhr, an den Feiertagen (einschließlich des Heiligen Abends) bleibt die Einrichtung geschlossen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 28.11.2022

Bis zum 21.01.2023 ist die Ausstellung zu sehen.
Leseland DDR: Sehnsucht nach raren Büchern.
Literatur in der und aus der DDR.
Aufhebung der "Sperr-Literatur" 1989/1990.

Ausstellung in Oldenburg: Leseland DDR

Eine kulturhistorische Zeitreise in das versunkene „Leseland DDR“ – vom 25.11.2022 bis zum 21.01.2023 präsentiert die Landesbibliothek Oldenburg (Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg) die gleichnamige Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Bei der Eröffnung am 24.11. führte der Zeithistoriker und Buchwissenschaftler Professor Dr. Siegfried Lokatis aus Leipzig in das Thema ein. Zu einer anschaulichen In-Augenschein-Nahme lädt die Schau der Bundesstiftung Besucher*innen mit ihren Tafeln, Texten, Bildern und Videos ein.

Die Deutsche Demokratische Republik: Ein Land, dessen Obrigkeit an die Macht des geschriebenen Wortes glaubte und es zugleich fürchtete. In dem das Lesen und Schreiben mit großem Aufwand gefördert wurde, während politisch unerwünschte Literatur in Bibliotheken nur mit einem Giftschein zugänglich war und Post und Reisende aus dem Westen nach Gedrucktem durchsucht wurden. Leseland DDR erzählt vom Eigensinn der Menschen, die sich ihre Lektüre nicht vorschreiben lassen wollten, die für rare Bücher Schlange standen und auf der Leipziger Buchmesse so manchen begehrten Titel westdeutscher Verlage heimlich in die Tasche steckten.

Die Ausstellung führt laut den Veranstaltern „auch in die Welt der Krimis, Märchen und Science-Fiction ein, sie berichtet von der Literatur aus der Sowjetunion, den schreibenden Arbeitern des sozialistischen Realismus und lässt die Besucherinnen und Besucher in alte Kochbücher blicken. Die Schau wirft Schlaglichter auf die grenzüberschreitende Kraft, die die deutsch-deutschen Schriftstellerkontakte, das Radio und Fernsehen, aber auch die Bücher entfalteten, die Weltreisen über die Mauern des Landes hinweg ermöglichten.“

Mit den Schriftstellerinnen und Schriftstellern in der Friedlichen Revolution und der DDR als Thema in der Gegenwartsliteratur endet die Zeitreise. Leseland DDR ist ein Beitrag zur Kulturgeschichte der SED-Diktatur. Die Ausstellung ist zugleich eine Anregung für Jung und Alt, nach ihrem Besuch die alten Bücher aufzuschlagen, um die Geschichte der DDR im Spiegel ihrer Literatur neu zu erkunden. Zur Ausstellung erschien der Begleitband Leseland DDR von Stefan Wolle (Metropol-Verlag, ISBN 978-3-86331-674-7, 12 Euro). Wolle wird in Oldenburg am 12.01. um 19 Uhr zum Thema Giftschrank, Zensur und Bückware – Bücher in der DDR sprechen. Die Schau ist Mo–Fr von 10–19 Uhr und Sa von 9–12 Uhr zu besichtigen, der Eintritt ist frei. An den Feiertagen sowie am 24. und 31.12. bleibt die Landesbibliothek geschlossen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 26.11.2022

E. T. A. Hoffmann um 1800, postumer Stich nach dem Selbstbildnis, von unbekannter Hand.

Unheimlich fantastisch

Seit 24.11.2022 und bis zum 12.02.2023 wird im Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt (Main) die Ausstellung Unheimlich fantastisch anlässlich des 200. Todestags (25.06.) von E. T. A. Hoffmann (1776–1822) gezeigt. Begleitet von einem umfangreichen Programm an Vortragsreihen, Lesungen und anderweitigen Veranstaltungen vor Ort wie in ganz Europa, widmet sich die Schau dem Wirken des großen Autors, Zeichners, Kritikers, Kapellmeisters und Komponisten Hoffmann, der in seiner Zeit anzuecken wusste und ein so umfangreiches wie prägendes literarisches Werk hinterließ. Sein Romanschaffen, seine in bis heute weltbekannten Zyklen (Fantasiestücke in Callots Manier, Nachtstücke, Die Serapionsbrüder) gesammelten Novellen und Erzählungen prägten die Geschichte der europäischen Literatur im 19. Jahrhundert auf eine Weise und Vehemenz, die erst mit dem Ruhm und Nachruhm der großen Erzähler der Moderne etwas abflaute. Die Ausstellung wurde kuratiert von Christina Schmitz, Bettina Wagner und Wolfgang Bunzel. „Entdecken Sie E. T. A. Hoffmanns unheimlich fantastische Welt und lernen Sie Hoffmann als scharfen Beobachter und Workaholic kennen, für den die Tage und Nächte nicht lang genug sein konnten. Erzählungen wie Der Sandmann begeistern immer aufs Neue. Aber wussten Sie auch, dass Hoffmann den Begriff der Romantischen Musik geprägt und den ersten deutschen Krimi geschrieben hat?“, so lädt das Romantik-Museum (Großer Hirschgraben 21, 60311 Frankfurt am Main) ein. Die Informationen zum umfangreichen europäischen Begleitprogramm zum Gedenktag finden sich, koordiniert von der Staatsbibliothek zu Berlin, auf der Projektwebsite www.etah2022.de.

(André Schinkel)

So, 13.11.2022

Die 37. Leipziger Grafikbörse findet vom 13.11.22 bis zum 29.01.23 im Museum für Druckkunst statt.

Turbulenzen in Leipzig

„Turbulenzen“ ziehen mit der 37. Leipziger Grafikbörse in das Museum für Druckkunst ein. Zu diesem Thema haben 90 Künstlerinnen und Künstler grafische Arbeiten eingereicht, die vom 13.11.2022 bis zum 29.01.2023 zu sehen sind. Die Interpretationen sind vielfältig. Es geht um gesellschaftliche Themen wie Wetter, Klima, Politik oder Wirtschaft, aber auch private, zwischenmenschliche oder gedankliche Turbulenzen. Vieles wühlt auf, alles regt zum Nachdenken an. Dabei bedienen sich die Künstler*innen verschiedener druckgrafischer Techniken und experimentieren auch mit Mischformen. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt des zeitgenössischen druckgrafischen Schaffens in Leipzig und ganz Mitteldeutschland und ist ein Beitrag zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes Drucktechnik. Neben Künstler*innen aus Mitteldeutschland wie Stephanie Marx, Nadine Respondek, Katja Zwirnmann, Andrea Ackermann, Susanne Theumer und Ulrich Hachulla sind auch Arbeiten von Gästen wie Karin Brosa (Essen), Pablo Flaiszman (Paris) oder Olesya Dzhurayeva (Kiew) vertreten. Die Börse begleitend erscheint ein Katalog mit den Abbildungen aller ausgestellten Arbeiten – er ist im Museumsshop für15 Euro erhältlich. Alle gezeigten Arbeiten sind außerdem käuflich zu erwerben. Öffentliche Führungen finden jeweils sonntags um 12 Uhr statt am: 13.11., 04.12. sowie im Neuen Jahr am 29.01. Am Dienstag, den 22.11., 15 Uhr, gibt es eine Führung 60+ mit ermäßigtem Eintritt für Besucher ab 60. 

(André Schinkel)

Mo, 07.11.2022

Die Ausstellung "Bibliomania" in der Villa Zander in Bergisch Gladbach nordöstlich von Köln ist noch bis zum 08.01.2023 zu sehen.

Bibliomania in Bergisch Gladbach

Die Villa Zanders in Bergisch Gladbach war einst Wohnsitz der Papier-Fabrikantenfamilie Zanders. Nach wechselvoller Geschichte beherbergt die Villa heute ein Kunstmuseum. Und was könnte geeigneter sein für die Villa ehemaliger Papierfabrikanten als die Präsentation von Kunst zu und aus Papier. Mit Bibliomania zeigt das Kunstmuseum in diesen Wochen auf zwei Etagen Kunst, die dem Buch gewidmet ist: Fotos, Gemälde, Collagen, Künstler-Bücher, eine Ornithologie der Bücher, gemalte Bücherwände voller erfundener Literatur und weitere eigenwillige Objekte, die der Beschäftigung mit dem Buch und seiner kreativen Würdigung gewidmet sind. 

Selbst eine „Bibliothek ungelesener Bücher“ präsentiert das Museum und erlaubt dem Besucher, zuzugreifen und für sich die Ungelesenen zu entdecken. Das ist bei den anderen Objekten der Ausstellung allerdings nicht erwünscht. Dennoch gibt es auch hier viel Bibliophiles, Wunderliches, Spannendes zum Thema „Buch in der Kunst“ in Augenschein zu nehmen. Ein angebotener Ausstellungskatalog zum Preis von 35 Euro informiert mit grundlegenden Artikeln der drei Kuratorinnen und stellt in oft ganzseitigen Fotografien die in der Ausstellung präsentierten Objekte vor. Weitere Informationen: www.villa-zanders.de/ausstellungen/bibliomania/

(Helmut Garritzmann)