Pirckheimer-Blog

Allgemein

Mi, 24.07.2024

"Under the Neomoon" bei Curious Fox: Isabel Fargo Cole stellt ihre Hilbig-Übersetzungen in Berlin vor.

Neu: Hilbigs „Under the Neomoon“

Es war das insgesamt zweite Buch Wolfgangs Hilbigs (1941–2007), und es ging dem einzigen in der DDR erschienenen Band Stimme Stimme voraus, die Erzählsammlung Unterm Neomond, 1982 bei S. Fischer publiziert. Die Autorin und Übersetzerin Isabel Fargo Cole hat den frühen Prosa-Zyklus des Weltliteraten aus der mitteldeutschen Provinz nun ins Englische übertragen und stellt den Band am Donnerstag, den 25. Juli bei Curious Fox (Lausitzer Platz 17, 10997 Berlin) in Vortrag und im Gespräch mit Axel Wells vor. Der Eintritt für die Lesung in Englisch ist frei, sie beginnt 20 Uhr. Wolfgang Hilbigs literarisches Vermächtnis zählt zum bedeutendsten seiner Generation.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 23.07.2024

Der "Hans Meid Preis" in der Kategorie "Hauptpreis" geht in diesem Jahr zu je gleichen Teilen an Petra Schuppenhauer ("Infantin am Boden") aus Leipzig und Jakob Hinrichs (aus "Traumnovelle") aus Berlin.

Hans-Meid-Preis: Hauptpreise für P. Schuppenhauer und J. Hinrichs

Die Jury der Hans Meid Stiftung hat in ihrer Sitzung am 27. April entschieden, den Hans Meid Preis für das Jahr 2024 in der Kategorie Hauptpreis zu gleichen Teilen der in Leipzig lebenden und arbeitenden Petra Schuppenhauer und Jakob Hinrichs aus Berlin zuzuerkennen. Dies ist der Pressemitteilung auf der Webseite der HMS samt einem Portfolio beider Geehrter zu entnehmen. 

Mit Petra Schuppenhauer, 1975 in Hamburg geboren, zeichnet die Hans Meid Stiftung eine der wohl bedeutendsten Holzschneiderinnen der Gegenwart aus. Ihre flirrenden, vielfarbigen und zum Teil gigantischen Holzschnitte in der verlorenen Form zeugen von einer hohen Kunst des Schneidens und Arrangierens auf den Platten, einem extrem sensiblen Farbgefühl und einer damit ganz eigenen unverwechselbaren Bildsprache. Immer wieder lässt sie sich auch zeichnerisch auf unterschiedlichste Literatur etwa von Hans Christian Andersen oder Kurt Tucholsky ein, wiederholt sich nicht und gibt damit jedem Text eine ganz eigene persönlich-gestalterische Aussage.

Jakob Hinrichs, Jahrgang 1977, überzeugte die Jury durch seine innovativen Übersetzungen literarischer Werke in gestalterisch anspruchsvolle Graphic Novels. Mit Traumnovelle von Arthur Schnitzler, Der Trinker von Hans Fallada und Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert hat Jakob Hinrichs Meisterwerke dieses Genres geschaffen. Durch kongeniale Zeichnungen sowie eine expressive Bildsprache mit starker Farbgebung, den kraftvollen Einsatz von Typographie und einer dynamischen visuellen Dramaturgie sind ihm beeindruckende Gesamtkunstwerke von Text, Illustration und Buchgestaltung gelungen. Die Hauptpreise sind je mit 10.000 Euro dotiert.

Vorstand und Kuratorium der Hans Meid Stiftung freuen sich, mit Petra Schuppenhauer und Jakob Hinrichs zwei ganz unterschiedliche Künstler auszeichnen zu können und damit die Bandbreite aktueller Illustrationskunst mit außergewöhnlicher illustratorischer Leistung vor Augen zu führen.

(André Schinkel/Hans Meid Stiftung/Pressemitteilung)

Mo, 22.07.2024

„Wort im Bild“-Wettbewerb 2024 ... die Preisträger wurden in Klagenfurt juriert, wo auch die Geehrten aus Jahr 2023 in einer Ausstellung gezeigt wurden.

„Wort im Bild“: Die Gewinner 2024

Unter dem Motto „Wir lesen, wir lesen oft. – Worte, – Texte, – Geschriebenes. Doch was ist mit der Bildsprache? – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ wurde der internationale Fotowettbewerb Wort im Bild für 2024 zum Thema Literatur zum 12. Mal von der Initiatorin und Fotokünstlerin Eva Asaad ausgeschrieben. Für diesen Wettbewerb waren Fotografinnen und Fotografen gesucht, die sich für ihre Arbeit von einer literarischen Vorlage inspirieren ließen. Welches Sujet (Lyrik, Epik, Dramatik) der Literatur gewählt wurde, war frei. Es durfte maximal eine Einsendung (im Umfang von maximal neun Megabyte) eingereicht werden. Die drei Jurymitglieder Gabriele Rothemann, Bernd Stiegler und Eva Asaad kürten die besten Fotoarbeiten zum Thema. Die drei Erstplatzierten erhielten ein Preisgeld von 800, 500 und 300 Euro, gesponsert von der Firma KELAG. Wort im Bild verbindet die Welt der Literatur mit der Welt der Fotografen und Fotografinnen, diese werden zu Bildpoeten und Bildpoetinnen. Die Jury wählte aus 691 Einsendungen aus 72 Ländern aus. Den ersten Platz gewann Antonio Perez mit seiner Fotoarbeit I’m looking at you, you’re looking at me, inspiriert von Virginia Woolfs epochalem Roman Orlando. Juror Bernd Stiegler schrieb dazu: „Eine gerade angesichts der Buchvorlage kluge ‚Found Footage‘-Arbeit“. Platz 2 belegte Rudolf Neuhold mit seiner Arbeit emotional – abstract, inspiriert von Aaron Willard Stoicism for the Modern Man: Mastering Life’s Challenges With Ancient Wisdom. Die Fotoarbeit Plastic Orphelia von Yasaman Biglari, inspiriert von William Shakespeares Hamlet, gewann den dritten Platz. Die Plätze 4 bis 10 sind: Manfred Krause, Hommage an Erwin Blumenfeld; Muhammad Ali Seyhoon, Voice of a Friend; Michael Grabmeier, The modern nothingness; Faraz Ahanin, Romeo and Juliet; Andrii Bulavka, Les cauchemars; Agata Emma, L’angoisse et l’inquietude und Khrystyna Fedorak, The Soil. Die Bilder sind zu sehen auf der Internetseite des Wettbewerbs. Die Gewinner des 2024er Wettbewerbs wurden zudem bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt in einer Ausstellung präsentiert.

(Manfred Krause)

Sa, 20.07.2024

Büchnerpreis 2024: Oswald Egger. | © CC BY-SA 4.0

Georg-Büchner-Preis für Egger

Der Georg-Büchner-Preis des Jahres 2024 geht an Oswald Egger. Der aus Südtirol stammende Dichter, der die Staatsbürgerschaften Deutschlands, Österreichs und Italiens besitzt, wird zu Anfang November in der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt mit dem renommiertesten deutschen und mit 50.000 Euro hoch dotierten Literaturpreis geehrt. Die Akademie-Jury ehrt unter anderem den völlig eigenen Umgang Eggers in der Beschreibung der Natur und ihrer Prozesse, was ihn zu einem der führenden Vertreter des gegenwärtig beachteten Nature writing in der Lyrik. Der 1963 in Tscherms in der Nähe von Meran geborene Egger publiziert seine Werke vorwiegend beim Berliner Suhrkamp-Verlag, zahlreiche kleinere Verbünde und Zyklen seiner Texte erschienen auch bibliophil und in schönen Ausgaben in kleineren Editionshäusern. Die Kritik lobt dabei Oswald Eggers Changieren in der Sprache, die einen weiten Bogen zwischen Dichterpriestern wie Hölderlin und Rilke und zugleich Sprachneuerern wie Ernst Jandl oder Friederike Mayröcker aufspannt.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 18.07.2024

Oktober: "XL. FISAE-Kongress" in Palma de Mallorca.

FISAE: 400. Newsletter erschienen

Soeben ist der 400. digitale Newsletter-Rundbrief der FISAE aus der Feder von Klaus Rödel erschienen, das Exlibris-Wesen in Europa, nein, an sich weltweit mit einer Reihe Schlaglichter auf Europa (schließlich ist die FISAE im Herzen des Kontinents beheimatet: Rödel, der Verfasser der Rundbriefs, ist im dänischen Frederikshavn, wo sich bis vor kurzem einer der größten Exlibris-Sammlungen befand, zu Hause) in allen Facetten beleuchtend. Standesgemäß wie überblicksbewusst ist die Ausgabe Nummer 400 des digitalen Infoblatts zu allen Belangen der Exlibris-Kunst und -Sammelleidenschaft und die nationalen Exlibris-Gesellschaften koordinierend und verbindend, ein Register aller Rundbriefe vom ersten bis in die unmittelbare Gegenwart. Es finden sich darin, namentlich in den jüngeren Ausgaben, auch immer wieder Würdigungen für die Marginalien, die Zeitschrift für Buchkunst, Bibliophile und Grafik der Pirckheimer-Gesellschaft, deren Heft 253 (2024/2) eben erschien, während die Redaktion bereits an Ausgabe 254, die wiederum, soviel sei verraten, wieder delikat gefüllt sein wird, baut und wirkt. In den seit 2021 erscheinenden und digital verschickten FISAE-Kompendien hat sich zugleich soviel Info-Content angefunden, dass auch das Register jeweils nur mit den wichtigsten Beiträgen des jeweiligen Rundbriefes hantieren kann. Mithin ein schöner Beweis, dass die Szene, bei allen Zumutungen der letzten Jahre wie der Jetztzeit, lebendig ist. Die nächste große Aktion ist der FISAE-Kongress in Palma de Mallorca im Herbst.

(André Schinkel)

Mi, 17.07.2024

Aus Anna Artakers KI-Zyklus "Conversation Pieces".

KI-Druckprojekte in Kunstmühle

Es ist zuweilen, auch in dieser wurstförmigen Zeit, nicht alles so derbe, dass man nicht auch dem Ablicht der digitalen Revolution doch das eine oder andere Gran Schönes entnehmen könnte. So berichten die Betreiber der Neuhauser Kunstmühle in ihrem neuesten Rundschreiben von ihren, im Verbund mit einigen ihrer Künstlerinnen und Künstler betriebenen, Versuchen, Druckgrafik und KI in eines zu bringen. Mit, in der Tat, auch wenn sich das Herze des dem Händischen Zugetanen noch eine Weile entgegenstemmen mag, faszinierenden Resultaten. Die Neuhauser Mühlenbetreiber Elisabeth und Nikolaus Topic-Matutin schreiben dazu: „… vor ein paar Tagen haben wir die ersten drei Editionen, die im Kontext unseres Digitalprojekts in Zusammenarbeit mit dem Verein DruckKunst entstanden sind, im Netz vorgestellt. Für solche Druckprojekte, die auf der Grundlage überlieferten Kunsthandwerks neue Wege suchen, haben wir in unserer Website eine eigene Kategorie eingerichtet: Hier finden Sie alle Bilder des fertigen Zyklus Conversation Pieces von Anna Artaker und eben auch die ersten drei Editionen von Markus Wintersberger. In diesen Blättern kreuzen sich viele Wege: Zwei -und dreidimensionale digitale Strukturen wurden mit dem Fine-Art-Printer verarbeitet, digital weiterentwickelt, vom Laser auf eine lithografische Zinkplatte übertragen und in herkömmlicher Weise als Flachdruck auf ein speziell geeignetes Büttenpapier gedruckt. Diese Elemente durchmischen sich wie in der klassischen Farblithografie. Handelt es sich hier um digitale Strukturen und Techniken des Flachdrucks, so werden sich in unseren nächsten Projekten klassische Handzeichnung und digitale Welten mischen und den Weg in den Tiefdruck und den Hoch- und Prägedruck erweitern. Einstweilen aber ist es Sommer. Genießen wir die Tage!“ Dem ist nur wenig hinzuzufügen. Die Resultate des Projekts finden sich hier. Man sehe und staune.

(André Schinkel)

Di, 09.07.2024

Der Enkel wie auch Hüter des Nachlasses von Käthe Kollwitz, Dr. Arne Kollwitz ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am 25.06.24 gestorben. | © Armin Schubert

Berlin: Trauer um Arne Kollwitz

Der viele Jahre als Arzt in leitender Funktion am Franziskus-Krankenhaus in Berlin-Charlottenburg tätige Enkel und Hüter des Nachlasses von Käthe Kollwitz, Arne Kollwitz (1930–2024), ist, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 25. Juni im Alter von 94 Jahren gestorben. Mediziner wie sein Vater und Großvater, wurde er auch als vehementer Streiter für das Werk seiner Großmutter (1867–1945) bekannt, etwa, als es darum ging, ob ihr Werk auch in Berlin (West) weiter gewürdigt sein soll. „Meine Großmutter war eine wagemutige Frau“, so liest man es in einem seiner Interviews (2017) zur Thematik. Auch mit der Pirckheimer-Gesellschaft und den Bücherkindern Brandenburg war Kollwitz verbunden (vgl. die Abbildung, 2. v. r.): „Ich bin sehr traurig“, schreibt Pirckheimer-Freund Armin Schubert in seiner Traueradresse an das Kollwitz-Museum, „und danke ihm sehr für die Unterstützung bei einer Ausstellung und bei Aktionen der Jugendlichen, die an Käthe und Peter Kollwitz erinnerten.“ Arne Kollwitz hatte die Galerie Sonnensegel e. V. in Brandenburg an der Havel besucht und im Verbund mit dem Museum auch die Arbeit der Bücherkinder gefördert. 

(André Schinkel)

So, 07.07.2024

Neu bei Büchergilde und im aktuellen "Grafikbrief": Grafiker und Buchkünstler Marcel Mayer aus Basel.

Marcel Mayer bei der Büchergilde

Einem Schweizer Künstler, der einen weiten Bogen durch die Welt (so etwa Kanada, Frankreich und den Kaukasus) schlug, widmet sich die aktuelle personale Ausstellung in der Büchergilde Buchhandlung & Galerie in Frankfurt am Main (An der Staufenmauer 9, 60311 Frankfurt am Main), die seit dem 01. Juli und bis zum 31. August (Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–17 Uhr) zu sehen ist. Ausgestellt sind diverse Grafiken und originalgrafische Bücher des 1965 dort geborenen Künstlers Marcel Mayer, der sein Basiscamp in (sic!) Basel aufgeschlagen hat. Zu sehen sind unter anderem Impressionen aus der armenischen Hauptstadt Jerewan und auch die Ausgabe der Zeitschrift Xylon, die Marcel Mayer 2008 gewidmet wurde, ist dabei. Der Grafiker und Buchkünstler leitete eine Reihe Jahre das druckwerk in seiner Heimatstadt, bekleidet derzeit einen Lehrauftrag an der Schule für Gestaltung daselbst. Alle weiteren Informationen dazu gibt es im neuen Grafikbrief.

(Bert Blaubart)

Fr, 05.07.2024

Bis 21.07. findet in Berlin das 25. Poesiefestival statt.

25. Poesiefestival in Berlin im Juli

Am gestrigen 04.07. wurde in Berlin das vom Haus für Poesie begründete 25. Poesiefestival in Berlin erfolgreich eröffnet. Bis zum 21.07. steht die Hauptstadt im Bann des umfangreichen, von Dichterin Katharina Schultens kuratierten Programms, das aus Lesungen, Konzerten, Workshops und Präsentationen diverser lyrikverlegender Verleger, Editionen und Periodika besteht und national wie international hochkarätig und edel besetzt ist. Unter anderem eröffnete der Büchnerpreisträger Marcel Beyer das Event. Das vollständige Programm des Festivals findet sich unter diesem Link.

(André Schinkel)

Mi, 03.07.2024

"Hot Printing" am 06. und am 07. Juli in Offenbach.

Offenbach: Hot-Printing-Festival

Bunt und vielfältig wird es werden! Zum zweiten Mal wird das Druckfestival Hot Printing in Offenbach zum Treffpunkt für rund 70 Künstlerinnen und Künstler, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema Drucken beschäftigen. Am Samstag, 6. Juli, und Sonntag, 7. Juli, zeigt die junge und agile Szene im Klingspor-Museum (Herrnstraße 80, 63065 Offenbach am Main), auf dem Museumsvorplatz und im Bernardbau in der Druckwerkstatt bei freiem Eintritt ihre Druckerzeugnisse vom Siebdruckplakat über traditionellen Buchdruck bis zum Comic oder Zine in Knallfarben aus dem Risodrucker. Drucken spielt in Offenbach historisch eine große Rolle: Hier wurde Ende des 18. Jahrhunderts die Lithografie zum ersten Mal kommerziell für den Notendruck genutzt und legte den Grundstein für Plakat- und Bilderdruck, wie er heute allgegenwärtig ist. Am Samstag geht das reiche Programm von 11 Uhr bis in die Nacht (etwa 22 Uhr), am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Mitmachangebote gibt es zwischen 11 und 15.30 Uhr in den offenen Workshops, diverse unterschiedliche Vorträge erwarten die Besucherinnen und Besucher zwischen 12 und 16 Uhr. Das ganze und überaus reiche Programm ist unter diesem Link abrufbar. Auf zum Hot-Printing-Festival!

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 02.07.2024

Friedrich Gottlieb Klopstocks "Der Messias" (1749).

Auf Flügeln des Gesangs: FGK 300

Mitten in dieser Versammlung der Sonnen erhebt sich der Himmel,
Rund, unermeßlich, das Urbild der Welten, die Fülle
Aller sichtbaren Schönheit, die sich, gleich flüchtigen Bächen,
Um ihn, durch den unendlichen Raum nachahmend, ergiesset.
Also dreht er sich, unter dem Ewigen, um sich selber.

Indem er wandelt, ertönen von ihm, auf Flügeln der Winde,
An die Gestade der Sonnen die sphärischen Harmonien
Hoch hinüber. Die Lieder der göttlichen Harfenspieler
Schallen mit Macht, wie beseelend, darein. Dieß vereinbarte Tönen
Führt vorm unsterblichen Hörer manch hohes Loblied vorüber.

Was für ein Auftakt, der sich in diesem ersten Gesang von Klopstocks Messias aus dem Lodern der Empfindsamkeit in die erhabene Größe der Aufklärung biegt! Nun, und man vermag es kaum zu fassen, dass dieses Epos um Christus zu den ungelesensten Texten der Weltliteratur zählt. Nun, es spricht nicht mehr mit unseren Lese- und, in dieser Zeit des Bröselns, Sichtgewohnheiten ... aber es ist auch wahr: Mit Klopstock beginnt alles. Ohne seine versfußbefreiende Vorarbeit, ohne die angenommene Würde des freien Schreibers und Sprechers wären die literarischen Großepochen der Klassik und Romantik, die bis heute nachwirken, nicht denkbar. Goethe und Schiller, Hölderlin und Novalis. Und: Bobrowski. Bis heute gibt es Ausgaben FGKs aus originaler Zeit zu erwerben. Vielleicht ist ein kleiner Wettbewerb anzudenken, wer das schönste, zaubrigste Exemplar einer alten Klopstock-Ausgabe auftreibt. Anlass, sich mit ihm zu befassen, ihn mit einem sanften Platz in seiner Sammlung zu würdigen. Am 02.07. vor 300 Jahren wurde Friedrich Gottlieb Klopstock geboren.

(André Schinkel)

Do, 27.06.2024

Die "Bücherkinder" lasen am 17. Juni 2024 in Berlin.

Ansprache zur Lesung in Berlin

Geleitwort zur Veranstaltung der Brandenburger Bücherkinder in Berlin am 17. Juni 2024

Es gibt in vielen von uns das Bedürfnis, die Unruhe, die uns bewegt, zu artikulieren. Diese Unruhe ist mächtiger als die Versuchung, diese nicht zur Kenntnis zu nehmen. So ähnlich ist es zu lesen bei Christa Wolf in Lesen und Schreiben. Darum auch bei uns, den Bücherkindern Brandenburg, der Versuch, sich durch Produktivität mittels kultureller Arbeit mit Kindern dieser Unruhe zu stellen. So dürfen Sie auch unser Motto verstehen, wenn wir darin Bertolt Brecht zitieren: „Unser Heute geht gespeist durch das Gestern in das Morgen.“

Eine Unruhe hat mich als Pädagogen schon immer begleitet und inspiriert. Dabei waren Bücher und Kunstwerke wichtige Lebensmittel und Begleiter, um die Welt zu verstehen und vielleicht ein wenig zu ändern. Kann man das? 1989/1990 entstand so auch die Jugendkunstschule Galerie Sonnensegel mit Hilfe von 150 Künstlern aus Ost und West. Und ab 2009 gab es dann in meinem Unruhestand eben diese Arbeit mit den Bücherkindern an der Evangelischen Grundschule am Dom mit bisher weit über 100 Kindern und Jugendlichen. Einige haben wir heute hier.

Auch hier der Impuls aus der Literatur – wenn Christa Wolf schreibt: „Man kann nichts wünschen, wovon man nichts weiß.“ Ein weiterer Gedanke: Das Maximierungsdenken im Westen der Welt, bei uns in der Bundesrepublik, hat uns in eine Krise geführt, aus der wir uns zu befreien versuchen. Stephane Hessels Engagiert euch! gab hier Impulse wie auch Volker Braun: „es müsse der SINN maximiert werden.“ Mit unserer Arbeit rufen wir auf zu einem friedlichen Aufstand gegen Massen-Kommunikations-Mittel, die der Jugend keine Perspektive bietet und nur den Massenkonsum, Verachtung von Kultur und Bildung, Flüchtigkeit, Geschichtsvergessenheit und Ego-Trips zeitigt. 

All das gefährdet unsere Demokratie, so dass der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier uns alle ermahnt. Wir sollten uns fragen, warum all das sowenig bemerkt wird. Heute geben wir Ihnen einen kleinen Einblick in ein Modell, mit dem wir auch der Kognitionswissenschaft in Los Angeles, Stavanger, Ljubljana und Jena in Teilen folgen. Gern möchten wir Dank sagen, dass dies in Zeiten der Demokratiegefährdung von den Einladenden und Freunden gewertschätzt und gefördert wird.

Ich sage Dank an den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke, an die Leiterin der Landesvertretung Brandenburg, Dr. Friederike Haase, mit ihrem Team, und ich habe zu danken der Pirckheimer-Gesellschaft, die uns so viele Jahre als Träger begleitet und fördert. Großen Dank der Christa Wolf Gesellschaft, deren Gründungsmitglied ich bin und die auch seit Jahren an unserer Seite ist, wie zudem der Anna-Seghers-Gesellschaft, die bei unserem Friedensbuch uns sehr geholfen und die Texte der Kinder im Argonautenschiff 2024 veröffentlicht hat. 

Wir danken dem Bildungsministerium für die Förderung mit Lotto-Mitteln und dem LJR Brandenburg für die Teilförderung unserer Arbeit. Großen Dank der Evangelischen Schule am Dom zu Brandenburg (Havel); und Dank auch an Wolfgang Hempel von der Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft, die uns den Liedermacher, die Musik mit Andreas Frye, für heute gesponsort hat. 

(Armin Schubert)

Mi, 26.06.2024

Ruinen in Aspendos – das ideale Biotop des Hardun. Die antike Stadt ist berühmt für ihr Amphitheater.

Nachricht aus Side II: Der Hardun

Das Kopfnicken, der Schwanzschlag des Hardun in der größten Hitze am Aufweg zur Akropolis zeigt den Schwierigkeitsgrad der Schritte in das Innere der wüstgefallenen Stadt für mich an. In ihrem Bauch wird gegraben, seit die Kunde von ihr vor hundert Jahren wieder den verwilderten Hecken und Lauben unter den Strauchgefachen entstieg. Ich muß aufgestiegen sein zu den Mauern und Zisternen, bevor die Mittagshitze mich trifft. Und einen Weg suchen, unbeschadet wieder abzusteigen, bevor der Vogelgesang in den Dämmern über den nördlich sich erhebenden Bergen verlischt. Aber ich will mit der Kunde in die Ebene kehren, daß ich dort war, wo einst Tausende lebten und heute der Hardun das Terrain mit seinem Kopfnicken und Schwanzschlagen beherrscht.

(André Schinkel/nach der Rückkehr aus Aspendos)

Di, 25.06.2024

Die 25 "Schönsten Deutschen Bücher" 2024 wurden am 17. Juni von der Stiftung Buchkunst verkündet.

„Schönste Deutsche Bücher“ 2024

Die 25 bestgestalteten Bücher hat die 14-köpfige Jury der Stiftung Buchkunst für 2024 eben gekürt und und diese am 17. Juni im Rahmen der Release Night im Bücherbogen am Savignyplatz bekanntgegeben. Aus 600 Einreichungen wurden die Schönsten Deutschen Bücher ausgewählt. Es wurden in den Kategorien Allgemeine Literatur; Wissenschaftliche Bücher; Fachbücher, Lehrbücher; Ratgeber, Sachbücher sowie in den Rubriken Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge und Kinderbücher, Jugendbücher je fünf Publikationen prämiert. Die ausgezeichneten Buchprojekte wurden vor Ort enthüllt, ausgestellt und gefeiert. Die Prämierten, aus denen am 06. September noch ein Hauptpreisträger ausgewählt wird, sind auf der Webseite der Stiftung vollständig aufgeführt. Auch ein Nachwuchspreis wird vergeben. Und die beste Nachricht daran: Das schöne Buch, es lebt!

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 24.06.2024

Weiteres Gedenken an Erich Mühsam: Fachtagung in Oranienburg und Gedenkwoche in Berlin-Neukölln.

Weiteres Gedenken an Mühsam

Anlässlich der neunzigsten Wiederkehr der Ermordung Erich Mühsams (1878–1934) durch die Nationalsozialisten (der Blog berichtete) gibt es weitere Gedenkveranstaltungen zu vermelden – so richtet der Kulturverein Alte Mosterei Eden e. V., Struveweg 505, 16515 Oranienburg, vom 04. bis 07. Juli eine Fachtagung aus, begleitet von einer Ausstellung (bis 27.07.), einer Gedenkdemonstration (06.07., 15 Uhr), einem Lese-Konzert mit Isabel Neuenfeldt (06.07., 20 Uhr) sowie einer Vielzahl Vorträge und Exkursionen. Auch die Initiative Hufeisern gegen Rechts e. V. in der Hufeisensiedlung Berlin-Neukölln begeht eine Mühsam-Gedenkwoche (07. bis 13.07.) im weiteren Umkreis von Mühsams ehemaliger Wohnung in der Durchläuchtingstraße samt Rundgang, Blumennieder- und Stolperstein-Verlegung sowie Abschluss-Kundgebung mit ehemaligen Mitgliedern von Ton Steine Scherben am 13. Juli. Das vollständige Programm der Berliner Gedenkwoche unter diesem Link.

(André Schinkel/Pressemitteilung)