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Pirckheimer-Blog

Mi, 20.10.2021

Antiquariatsmesse mit 2G

Nach zwei Jahren wird mit der 36. Antiquaria Ludwigsburg 2022 erstmals wieder in Deutschland eine reale Antiquariatsmesse stattfinden - mit einer Einschränkung: 2G, (negativ) Getesteten bleibt der Zutritt verwehrt!

55 Teilnehmer bieten ein spannendes Angebot an seltenen, kuriosen und einzigartigen antiquarischen Büchern, Autographen und Graphiken vom 15.- 20. Jahrhundert aus allen Sammelbereichen erwartet die Besucher und Besucherinnen: von Alten Drucken und Inkunabeln über Bücher zur Fotografie, Literatur, alter und moderner Kunst, Philosophie, Technik und Naturwissenschaften, Geschichte, Geographie, Gastronomie, Mode bis zu Pressendrucken und Kinderbüchern; Landkarten, Städteansichten, Künstlergraphik, Autographen, Ephemera und Vieles mehr.

Mit dem aktuellen Rahmenthema "Dissens - Gegenbewegung in der Gesellschaft", dem die ausstellenden Antiquare einen Teil ihres Angebotes widmen, wird gezeigt, wie schon in der Vergangenheit Gegenbewegungen immer wieder in die Gesellschaftsentwicklung eingewirkt und sie beeinflusst haben - im Positiven wie im Negativen: vom kleinen sozialen Verbund wie der Familie über alle gesellschaftlichen Bereiche wie Kunst, Kultur, Wissenschaft, Religion, Politik. Dies zeigt uns, dass Dissens zu einer offenen Gesellschaft gehört, früher wie heute.

(Petra Bewer)

Messe: 17. - 19. Februar 2022

Musikhalle Ludwigsburg

Di, 19.10.2021

Christa Wolf - Kassandra. Vier Vorlesungen. Eine Erzählung, Aufbau-Verlag Berlin 1983 / Crista Wolf - Kassandra, Mit elf Radierungen von Nuria Quevedo, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1984

Nichts dazu gelernt?

Auf der Anti-Kanon-Seite von Denis Scheck herrscht seit Juli Schweigen, der SWR hatte nach massiven Protesten eine Überarbeitung des Konzepts versprochen. Wie es Ende Oktober weiter geht und was er aus der erbitterten Debatte um Christa Wolfs "Kassandra" gelernt hat, erklärt SWR-Literaturchef Frank Hertweck: "Wir haben zwei neue Anti-Kanon-Beiträge produziert, die vielleicht nicht so umstritten sein werden wie die letzten, es geht um Friedrich Schillers Gedicht „Würde der Frauen“ mit den unvergesslichen Zeilen: „Ehret die Frauen, sie flechten und weben / Himmlische Rosen ins irdische Leben.“ Und es trifft Luise Rinsers Autobiografie „Den Wolf umarmen“. [...] Und, wie versprochen, ändern wir das Ende des jeweiligen Kanons. Zu viele Zuschauerinnen und Zuschauer haben uns tatsächlich zugetraut, dass wir, wenngleich nur technisch, Bücher verbrennen wollen."

Nein, Herr Hertweck: Zu viele Zuschauer haben mit ansehen müssen, wie ein, sich gottgleich gebender "Kritiker", Christa Wolfs Kassandra in Feuer und Rauch aufgehen ließ.
Und wenn Denis Scheck betont, den Text vor fast 40 Jahren tatsächlich gelesen zu haben und er jetzt, Monate nach seinem Antikanon, "erkannt" hat, "wie wichtig dieser im Jahr 1983 erschienene Text für den Feminismus und die Friedensbewegung war" (wörtlich: es sei ihm "jetzt erst klar geworden, obwohl ich ihn damals gelesen habe.") lässt das nur den Rückschluss zu, dass es ihm keineswegs um den literarischen Anspruch ging und dass damit seine Auslassungen im Anti-Kanon der literarischen Größe einer der bedeutendsten Schriftstellerin der DDR nicht im Mindesten gerecht wurden, seine "Kritik" also einfach nur unüberlegt und haltlos und bösartig war.

Das zuzugeben, steht noch immer aus und diesem Kritiker weiterhin ein Podium zu geben, indem man lediglich das "Ende des jeweiligen Kanons" korrigiert, ändert nichts, aber auch gar nichts, an der völlig verfehlten Kritik.

(ad)

Mo, 18.10.2021

Librarium II 2021

Heft II 2021 der zweimal jährlich erscheinenden Librarium, Zeitschrift der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft, wurde soeben ausgeliefert, Heft 1 erschien als «Bibliophilie - 33 Essays über die Faszination Buch» aus Anlass ihres 1oo-jährigen Bestehens der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft, welches in der Marginalien #242 besprochen wurde.

Die Ausgabe enthält neben dem Beitrag "Der Petrarcameister, rezykliert" von Paul Michel und "Angelika Kauffmann, Marie Ellenrieder und die Druckgrafik" von F. Carlo Schmid, Beiträge von Eduard Wätjen, Claudia und Jean-Claude Wenger-Schrafl/ Peter Volz, Oded Fluss und Claudia Engler das Jahresregister 2021.

So, 17.10.2021

Ideen, die die Welt veränderten

Die Geschichte des Buches wird im Titel "Ideen, die die Welt veränderten" aus dem Haupt Verlag einmal unter einem neuen Aspekt dargestellt, nämlich als chronologische Darstellung "der bedeutendsten Werke der Geistesgeschichte" – beginnend mit den „Maximen des Ptahhorep“ (um 2000 v. Chr.) und der „Babylonischen Theodizee“ (um 1000 v. Chr.) über das „Lotus-Sutra“ (zw. 960 und 1279, China) und „Das Kapital, Bd. 1“ (1867) bis Ai Weiwei (2015) und Greta Thunberg (2019).
Die Auswahl der vorgestellten Werke mag damit etwas zu sehr an den vorherrschenden Zeitgeschmack angepasst zu sein, die Vorstellung der gedruckten, bzw. in Piktogrammen auf Steintafeln, in Keilschrift oder auf Pergament geschriebenen Texte ergibt dennoch einen gelungenen Überblick (weniger über die Ideen, sondern) über das Schriftgut, resp. "das Buch" der letzten 5000 Jahre der Menschheit, ein Streifzug, der sich erfreulicherweise nicht auf die Geschichte Europas und seines Umfelds beschränkt. Angemerkt sei, dass das Buch auch eine gelungene, eigenständige Fortführung des in gleicher Ausstattung bei Haupt erschienenen Titels von Brain Clegg Bücher, die die Welt veränderten ist.

Interessant für den Buchliebhaber und Bibliophilen wird dieser Titel neben der inhaltlichen Themenstellung auch durch die graphisch ausgezeichnet Gestaltung. Auf 272 Seiten im Pappband mit Fadenheftung im Format 20,5 x 24 cm enthält der Titel zahlreiche, durchweg farbige, mitunter ganzseitige und hervorragend gedruckte Abbildungen, was es zu einer empfehlenswerten Lektüre vor allem für den Buchinteressiertem macht, der sich neu mit diesem kulturhistorischen Aspekt beschäftigt. Das war vermutlich auch das Anliegen der Autoren: Dr. Adam Ferner ist nicht nur unabhängiger Forscher, sondern auch Jugendarbeiter, Dr. Chris Meyns ist Dozentin am Institut für Philosophie der University of Pittsburgh und konzentriert sich aktuell auf die Verletzlichkeit des Informationsaustausches.

Adam Ferner/ Chris Meyns: Ideen, die die Welt veränderten. Die bedeutendsten Bücher der Geistesgeschichte
aus dem Englischen von Susanne Schmidt-Wussow
Haupt Verlag, Bern 2021
EUR 36, EUA 37,10
ISBN: 978-3-258-08237-0

Sa, 16.10.2021

Save the Date: Druckfestival 2022

Im Juli 2022 wird in Offenbach die lange Drucktradition dieser Stadt um ein neues Kapitel erweitert: Hot printing. Druckfestival.

Vorgesehen sind 50 Standplätze für Druckerinnen und Drucker, druckgrafische Künstlerinnen und Künstler im Hof des Offenbacher Büsingpalais, um eigene Arbeiten zu zeigen und miteinander in Kontakt zu kommen.
Die Standplätze sind kostenlos. Um ein lebendiges Wochenende miteinander zu verbringen, ist die Standvergabe mit der Bitte um einen Programmpunkt verknüpft. Hier sind Druckvorführungen, Lesungen, kleine Workshops etc. denkbar, am eigenen Stand oder auch in der Druckwerkstatt im benachbarten Bernardbau.

Hot printing: 8. -10. Juli 2022
Infos und Bewerbung bis 31. März 2022 per E-Mail: Dorothee Ader

Büsingpalais Offenbach

Fr, 15.10.2021

Steve Dalachinsky

»Steve Dalachinsky Vorstoßen ins Unbekannte« - eine weitere Neuerscheinung im Hybriden-Verlag

Am 16. September 2019 starb in Bay Shore, New York, der 1946 In Brooklyn geborene Dichter Steve Dalachinsky. Er war unmittelbar nach einer Lesung in Long Island mit Hirnblutungen in ein Krankenhaus verbracht worden. Vor seiner Lesung hatte er ein Konzert des Sun Ra Arkestra in der James Cohan Gallery in Tribeca besucht. Über das »hospital endgame« (Matt Mottel) schrieb Steve Dalachinskys japanische Frau Yuko Otomo: »Steve starb umgeben von guten Freunden, die gekommen waren, um ihn zu sehen & mich zu unterstützen. Wir hörten Coltrane, Ayler, Monk & DooWop-Musik, er ist sanft auf die andere Seite übergegangen.« In den sozialen Medien kursierten bereits Nachrufe, als Steve Dalachinsky noch am Leben war. In seinem Gedicht ›Pray for me‹ prophezeite er »die billige Sentimentalität, die mein Abgang hervorrufen wird.«
Im September 2017 las Dalachinsky in Berlin, Düsseldorf, Wuppertal und München. Zu erleben war, dass das Spektrum seiner Vortragskunst vom zarten Flüsterton bis zu wilden und lauten Wortkaskaden reichte, so etwa bei der Darbietung seines Gedichtes ›Schweinehund, Rampensau‹. 2014 war Dalachinsky für seine Poesie in Frankreich mit dem Orden Chevalier des Arts et des Lettres ausgezeichnet worden.

(Jürgen Schneider)

Steve Dalachinsky, Vorstoßen ins Unbekannte
Poeme & Collagen (deutsch/englisch). Herausgegeben von Jürgen Schneider.
Audio-CD: Yuko Otomo/The Estate of Steve Dalachinsky & Nicola Hein
Visual Translations: Hans Verhaegen, 2021

Dank an Yuko Otomo/The Estate of Steve Dalachinsky

Edition: 100 copies
30 €, Postage: 7€ Overseas / Europe 3 €

Do, 14.10.2021

Tanja Leonhard, Fotos: ad

KÖNNTE SPUREN VON WASSER ENTHALTEN

Heute trafen sich zum zweiten Mal in diesem Jahr und in wieder größerer Anzahl Mitglieder und Freunde der Pirckheimer-Gesellschaft in der Stadtbibliothek zu Berlin zu einem ihrer eigentlich monatlichen Abende, diesmal, um einen Einblick in die Arbeit der Schrift- und Buchkünstlerin Tanja Leonhardt zu bekommen. Die Künstlerin stellte mit eindrucksvollen Videos ihrer Landart-Projekte vor, präsentierte Beispiele ihrer Bücher in Eco-Dyeing (Naturdrucke), zitierte lyrische Kostproben, die Bestandteile ihrer Bücher wurden und beantwortete die zahlreichen Fragen der Teilnehmer des Abends.

In ihrem Landart-Projekt "Seidensprachen in der Natur - die Bewegung der Zeichenkette" sind seit 2011 zahlreiche Installationen in Deutschland, Schottland, Irland und Bosnien entstanden.
Ihre, häufig mit eigenen lyrischen Texten handschriftlich versehenen Künstlerbücher aus aufwendig behandelten historischen Leinen und ausgewählten Papieren entstanden häufig neben dem Einsatz von Pflanzen mithilfe geschichtsträchtiger Materialien und lagen aus - ein nicht nur visuelles, sondern auch haptisches Erlebnis.

Für alle, die nicht kommen konnten der Hinweis: Tanja Leonhardt wird in diesem Jahr auf der artbook.berlin dabei sein.

artbook.berlin: 19. - 21. November 2021

Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Abb.: Grafisch

Goethes Faust wird virtuell

An "Literatur goes Comic" sind wir dank des boomenden Marktes für Graphic Novel seit wenigen Jahren gewöhnt, kommt jetzt "Literatur goes virtuell"?

Während ersteres von Freunden des Buches nicht unbedingt negativ gesehen wurde, ja diese teilweise eine solche Neuinterpretation klassischer Texte begrüßten, da vielfach nicht nur neue Zugänge zur Literatur sondern sogar eigenständige Kunstwerke entstanden, dürfte die Reduzierung von Weltliteratur, die Trennung des Inhalts vom geschriebenen Text zum spielbaren Gebrauch für den Gamer, den Konsolen- oder Computerspieler, doch etwas problematischer sein. Es ist zwar damit keineswegs, wie eventuell befürchtet, eine weitere Etappe des Endes vom Buch eingeläutet, aber durchaus eine weitere Abwertung der Literatursprache und des gedruckten Kulturguts.

Dennoch, die Deutsche Nationalbibliothek vermeldet stolz: "Ein Klassiker der deutschen Literatur virtuell: Mit „Goethe VR“ bringt die Deutsche Nationalbibliothek an ihren beiden Standorten Goethes Faust I und II vom Buch auf die VR-Brille.
So wird eine virtuelle Welt erschaffen, die atmosphärisch und inhaltlich dem literarischen Vorbild entspricht und den Spieler*innen die Themen von Faust I und II auf visuell ansprechende Art näher bringt. Eine Produktion von ZDF Digital in Kooperation mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek, den Goethe-Instituten sowie dem Goethe-Museum Düsseldorf, gefördert von der Computerspieleförderung des Bundes.
Ab Ende Oktober wird die „Goethe VR“ im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig sowie in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main zu erleben sein.
"

Als Freund des Buches und als Bibliophile, als Freund von Literatur und Buchkultur wäre zwar eine Akzeptierung dieses Projekts nachvollziehbar, aber dessen Unterstützung durch das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der DNB bleibt mir unverständlich.

(ad)

Carlos Toruño, Ramo de violetas

Graphik-Kalender AZUL  -  BLAU

Mit dem Gedichtband AZUL von Rubén Darío begann 1888 die moderne Lyrik Lateinamerikas, und außerdem ist die Farbe Blau dort wie hier die Farbe der Hoffnung und der Ferne.
AZUL - BLAU ist die Nationalfarbe Nicaraguas, und aktuell die Farbe der nicaraguanischen Opposition gegen das korrupte und undemokratische Regime der Familie Ortega. Unter den Bedingungen zunehmender Armut, unter Corona und Perspektivlosigkeit herrscht Friedhofsruhe im Land. Dennoch sympathisieren auch in der Kalendergruppe nicht alle mit der Opposition. Es ist also auch der politischen Situation geschuldet, wenn das Thema AZUL nicht in jedem Fall zur Verwendung der Farbe geführt hat.

In jedem Fall aber konnten in diesem Sommer wieder die Farbholzschnitte gedruckt werden, auf handgeschöpftem Papier von Ingrid Rivera Motta und Danilo Rivera, und sogar der Transport der Blätter über Holland war möglich dank Arjens (MatagalpaTours) Hilfe.

Matagalpa-Graphik-Ausstellung, Universitätsbibliothek Wuppertal, ab 18. November 2021, Eröffnung:18 Uhr
Wochenende der Offenen Ateliertür der Edition Schwarze Seite, 13. und 14. November 2021

(Eckhard Froeschlin)

120.- € zzgl. 8.- € Versand; Postauslieferung ab 20. November 2020.
(Der Verkaufserlös geht zur Hälfte an die Autoren in Matagalpa, die andere in die Projektfinanzierung. Trägerschaft: Städtepartnerschafts-Verein Wuppertal - Matagalpa, c/o Heiner Flötotto, Grünewalder Berg 30, 42105 Wuppertal)

EDITION SCHWARZE SEITE
Alte Papierfabrik, Fabrikstr. 32-40, 72516 Scheer/Donau

Hubert Kretschmer

In der Reihe "Die Kunst des Sammelns" des Hybriden-Verlags ist der Band 7 erschienen: Ein Gespräch mit dem Sammler Hubert Kretschmer. Zeichnungen von Hartmut Andryczuk

Themen: Op Art – Medizinische Optik – Produzentengalerie – Berenger-Laurer – Printed Matter – Aktionsraum 1 – Günther Sarée – Reiner Speck – Distribution Kretschmer & Großmann – Rainer Pretzell – Joseph Wintjes – Sautter & Lackmann – Buchhandlung Robert Krauthammer – Robert Mapplethorpe – Jürgen Klauke – Volker Wilczek & Joseph Beuys – Sol LeWitt – Anita Kaegie – Pablo Stähli – Maja Oeri & Dieter Roth – 80 Bananenkisten voller Künstlereditionen – Objekt-Magazine – Ray Johnson – Mail Art – Daniel Buren – Die Postkarte als Kunstform – Archive Artist Publications, Archivsysteme – Säurefreie Boxen – Künstlerbücher im Stift Admont – Christoph Mauler – Marion Ackermann – Archiv der Avantgarden – Arte Povera 

Die Kunst des Sammelns, Bd. 7 – Hubert Kretschmer
Hybriden-Verlag 2021
Edition: 30 copies
650 €

Mi, 13.10.2021

Mit Familienbild aus dem Jahr 1944: Till Sailer, Foto: Elke Lang

Wohin nach Nazi-Deutschland?

Der Schriftsteller Till Sailer stellt in Frankfurt/O seinen neuen Roman vor.

Eine junge Frau, wohlbehütet aufgewachsen auf dem „Hypothekenhügel“ von Weimar, in Liebe gefesselt an eine Ehe mit drei Kindern, Jungs, steht nach Ende des Zweiten Weltkriegs wie unzählige andere deutsche Frauen als Witwe vor dem Nichts. Sie muss für sich und ihre Kinder eine neue Existenz suchen. Das Besondere an der Geschichte ist zum einen, dass sie noch immer in der Naziideologie verharrt, die durch ihren in den letzten Kriegstagen gefallenen Ehemann, einen leidenschaftlichen Erzieher in einer nationalsozialistischen Eliteschule, infiltriert worden war. Ihr liberaler Vater missbilligte diese Haltung. Er konnte ein hohes Amt in der Landesregierung antreten. Zum anderen ist die Grundlage dieses Romans mit dem Titel „Haus mit der Madonna“ ein Stück Familiengeschichte des Schriftstellers Till Sailer und ein Stück Zeitgeschichte.
Wo wohnen, wie mit einem abgebrochenen Studium und dem Makel einer völkischen Vergangenheit den Lebensunterhalt verdienen, wie mit den neuen politischen Umständen zurechtkommen, die sie ablehnt? Sie, die Mutter des Schriftstellers, versucht es im Osten, sie versucht es im Westen, und ihre Erlebnisse bewirken – auch unter dem Einfluss des Vaters – ein langsames politisches Umdenken. „Der arge Weg der Hanna Sewald“, so lautete anfangs Sailers Arbeitstitel, und mit dem Ende des Buches 1949, kurz vor der Gründung der DDR, ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt, der Weg noch lange nicht geebnet. Der 1942 geborene Sohn denkt schon über eine Fortsetzung nach bis in eine Zeit hinein, die er selbst intensiv miterleben konnte. Authentisch wurde der Roman dennoch durch Briefe, die Erzählungen der Mutter und anderer Zeitzeugen sowie die Erinnerungen der zwei älteren Brüder. „Zwei Kapiteln aber“, so Till Sailer, „‚Burg Neuhaus‘ und ‚Zwischen Deutschland und Deutschland‘ erzählen von Ereignissen, die ich im Alter von sieben Jahren ganz allein erlebt habe und die mir noch immer deutlich vor Augen stehen.“

Nun steht die Premiere des im Mitteldeutschen Verlag erschienenen Buches mit einer Lesung des Autors im Kleist-Museum an. Ein Gespräch mit Verlagsleiter Roman Pliske schließt sich an. Die musikalische Umrahmung gestaltet Till Sailers Tochter, die Pianistin Juliane Burbaum.

(MOZ, 14.10.2021, S. 17)

Buchpremiere: 15.Oktober 2021 19 Uhr

Kleist-Museum Frankfurt

Bremerhavener Radierungen

Constanze Kreiser war zu einem zweimonatigen Stipendium im Wilke-Atelier Verein zur Kunstförderung e.V. tätig, dort werden jetzt ihre Arbeite gezeigt: "Zwielichtsituationen an den Wasserkanten".

"An Bremerhaven ist mir während meines zweimonatigen Stipendiums vor allem der Umgang mit dem Wasser aufgefallen: Die Präsenz der rein wirtschaftlich genutzten Wasserflächen und den dazugehörigen Überflutungsschutzmaßnahmen. Die nicht definierbaren Stadteingänge, weil die Stadt sich entlang der Weser unablässig weiterbewegt. Die nicht vorhandenen Durchblicke aus den zur Weserkante parallel geführten Straßen zum Wasser hin. Und am Horizont eine Art grauer Eminenz, ein Kranballet, die ausgelagerte Wirtschaft der Häfen und der Energiegewinnungsfelder, die sich meist nur schemenhaft abzeichnen. [...]
Versehen ist die maritime Landschaft zudem mit Türmen, Masten und Seezeichen, die optische und akustische Kommunikationsnetze aufspannen. Das ehemals flache Erscheinungsbild der norddeutschen Tiefebene hat eine senkrechte Dimension dazugewonnen. ….
Ich versuche mich in diesen Wochen an Portraits der Stadt und ihrer Umgebung. In zwei verschiedenen Formaten gucke ich auf maritime Details der Stahlbauära der letzten Jahrhunderte und auf die optischen Signalgeber einer Netzwerkära, wo alles mit allem zwecks Optimierung und Fernwirkung miteinander verbunden ist. …..
2 Monate sehe ich im Wilke Atelier den bewegten Lichtern von Schiffen, Leuchttürmen und am Himmel zu. Meine dabei entstehenden Radierungen versuchen diese Zwielichtsituationen zu erfassen, Zwischenräume und Zwischenzeiten der Entwicklung von Bremerhaven zu erspüren.
"
(Constanze Kreiser)

Ausstellung: 23. & 24. Oktober 2021 (3G und Maske)

Wilke Atelier
Am Alten Vorhafen 2, 27568 Bremerhaven

Pandemie vs. "Re:connect" in Frankfurt

Ab 20. Oktober soll Frankfurt wieder der Mittelpunkt der literarischen Welt werden. Allerdings wird die Buchmesse deutlich kleiner ausfallen als vor der Pandemie und auch teilweise virtuell bleiben.

Das Motto der 73. Ausgabe lautet «Re:connect - Welcome back to Frankfurt». Dieser Slogan scheint jedoch etwas zu weit gegriffen, denn die Messe wird bei Weitem nicht einmal die halb so groß wie in alten Zeiten sein. So nehmen in diesem Jahr nur 1.700 Aussteller an der Messe teil - 2019 war die Zahl mit fast 7.500 Ausstellern noch mehr als 4mal so groß und die Anzahl der teilnehmenden Länder ist auf weniger als 60% geschrumpft. Einige Pirckheimer werden dennoch mit dabei sein, so z.B. Christian Ewald mit der Katzengraben-Presse, Sven Uftring mit ASKU, Catharine J. Nicely mit PalmArtPress oder wie berichtet Hanfried Wendland. Die Pirckheimer-Gesellschaft selbst ist jedoch nicht mehr vertreten.
Leider wird auch die Besucheranzahl aufgrund der Zugangsbeschränkungen im günstigsten Fall maximal halb so groß sein wie vor der Pandemie.
Ehrengast Kanada will seinen, eigentlich bereits für 2020 vorgesehenen Gastland-Auftritt nachholen. Von den 60 Autorinnen und Autoren, die das Land in Frankfurt vertreten, kommen nur 9 real auf die Messe, auch die bekannteste Autorin des Landes, Margaret Atwood, wird nur virtuell zur Eröffnung zugeschaltet.

Frankfurter Buchmesse: 20. - 24. Oktober 2021

Di, 12.10.2021

ZÜRCHER ANTIQIARIATSTAG

Die für den 5.-7. November geplante 25. Antiquariats-Messe Zürich wurde entgegen den noch vor Kurzem optimistischen klingenden Ankündigungen abgesagt. Als Ersatz veranstaltet „Buchkultur in Zürich“ jedoch einen Antiquariats-Tag.

Teilnehmen werden 12 Antiquariate, u.a. EOS Antiquariat Benz, Biblion Leonidas Sakellaridis, Peter Bichsel Fine Books und August Laube Buch- und Kunstantiquariat und die Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft. Am ihrem Stand kann das in den Marginalien vorgestellte Jubiläumsbuch "Bibliophile - 33 Essays über die Faszination Buch" und das neueste LIBRARIUM, die Zeitschrift dieser Gesellschaft, jeweils zu einem Sonderpreis, erworben werden! 

Antiquariatstag: 7. November 2021
Vorträge: 11 Uhr Paul Michel zum Petrarca-Meister
14 Uhr Carol Ribi zu Warja Lavater-Honegger

Vortragssaal des Kunsthaus Zürich

Wolfgang Henne: bodensatzbücher band 283- 1, philisterdeutschharzköpfe,

gedankensplitter aus der süvorstadt

wOlfgAng hEnnE

neue deutsche bodensatzbibliothek  xxx  leipzig november mmxxI band 283 (300) xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx mit texten von w.h

wir, die deutsche zeitgeschichte und wolfgang henne schenken den band 300 (283), ediert für den november 2021, der deutschen kulturgeschichte (bodensatzbücher bd. I - XVII,1987 - 1988, neue deutsche bodensatzbibliothek, band 1, mai 1992 – band 283, nov. 2021), ------ das periodikakonvolut umfasst zirka 10 000 einzelblätter, als wolfgang henne im auftrag der deutschen bücherei 1988 - 1990 das buchobjekt „ende des buchzeitalters ?!“ schuf, wurde ihm bewußt eine finale einzelleistung auf den weg bringen zu müssen, eine weitere weichenstellung zeichnete sich in der nacht in einem düsseldorfer hotel nach der eröffnung der großen nordrheinwestfälischen kunstausstellung im november '91 ab, maßstäblich und endgültig, neo rauch und wolfgang henne flanierten gedanklich, verbal bis in den frühen morgen hinein auf zukunftspfaden, diskutierten und steckten die malereiclaims und die künstlerischen periodikaclaims ab

buchaufnahme:

1 titelblatt, 1 linolschnitt, 2 siebdrucke, 2 farbsiebdrucke auf discounterwerbeflyern, 1 vierfarbensiebdruck, 1 originalpapiercoll. auf einem schulschnellhefter, 2 blatt tapetenbordüren, 2 s/w kopien, 12 farbkopien, 6 blatt schutz - bzw. schmuckpapiere, 8 blatt geschenkpapiere, 17 blatt text, kartonierter umschlag mit einer collage auf vorderdeckel, fadenheftung, zirka 21 cm x 29 cm, signiert, in einer rosefarbenen vliesstofftasche mit knopfdruck, mit   aufgedruckten 3- farbensiebdruck, --------  voraussichtlich 55 blatt