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Pirckheimer-Blog

Mo, 06.12.2021

Hamburger Bothe 7

In der 7. Nummer des „Bothen“ stellt sich Abel Doering, der für den Pirckheimer-Blog zuständig ist, selbst vor, die Hamburger Pirckheimerin Claudia Grasse wird von Rudolf Angeli porträtiert. Vom Mitherausgeber dieses Newsletters stammen auch ein spezieller Hamburger Rundgang und ein Ausblick ins neue Jahr.
Ein besonderer Schwerpunkt in jeder Ausgabe des „Bothen“ sind die unveröffentlichten Texte norddeutscher Schriftsteller. Diesmal ist es ein Auszug aus dem noch nicht publizierten Roman „Vaderland“ des Kieler Autors und Literaturwissenschaftlers Ole Petras. Er legt zudem dar, wie sich das Leben und Schreiben eines wachen Zeitgenossen in diesen Pandemiezeiten abspielt. Der von Petras gewählte Romanabschnitt macht Lust auf die Lektüre des gesamten Werks. Neben einem Hinweis auf die 17. Ausgabe der Anthologie „Ziegel“, des Hamburger Jahrbuchs für Literatur, findet der Leser Neues vom Verlag Angeli & Engel, dessen erstes Buch „Klaus Waschk – Vor&NachBilder. Zeichnungen zur Literatur 1971- 2021“ jetzt auch von der Zeitschrift „Graphische Kunst“ gewürdigt worden ist. All das empfehlen wir zur Lektüre und hoffen auf ein freundliches Echo.

(Peter Engel)

Der Hamburger Bothe Nr. 7 (pdf)
Post für bibliophile Leser und Sammler

So, 05.12.2021

November: Roland R. Berger (Edition Linksrum, Hohen Neuendorf)

Widerdruckkalender 2022

Der Kalender ist zwar – wegen verschiedener innerbetrieblicher Schwierigkeiten im Krisenjahr – wieder recht spät, nun aber doch noch rechtzeitig fertig geworden. Thema ist diesmal der 100. Geburtstag von Kurt Weidemann. Kurt Weidemann war einer wichtigsten und einflußreichsten Graphikdesigner und Typografen der Bundesrepublik. Und auch wenn der Schwarzdrucker von den grafischen Arbeiten Kurt Weidemanns meist nicht so begeistert ist wie seine Fangemeinde: als Autor und Meister des geschliffenen Wortes ist Weidemann auch für Schwarzdruck einer der Größten. Es gab nicht viele Typografen, die die im Grunde simplen Prinzipien von guter Typografie dermaßen pointiert und zutreffend in Worte fassten. Und sich gelegentlich auch zu weniger speziellen Themen äußerten. Der (bisher) letzte dieser Heroen war Kurt Weidemann.

Das wunderschöne Thema haben original(typo)grafisch bearbeitet: Oskar Bernhard (Rehlensche Handpresse Nördlingen), Daniel Kunz (Basel), Thomas Siemon (Carpe plumbum, Leipzig), Birgit Reichert (Sonnenbergpresse Chemnitz), Annette Vogel (Vogelpresse, München), Werner Enke (Harrisfeldwegpresse, Schweinfurt), Jürgen Meyer Jurkowski (Hamburg), Julienne Jattiot (Leipzig), Roland R. Berger (Edition Linksrum, Hohen Neuendorf), Thomas Konietschke (Kaefertalpresse, Eppenhausen) und Marc Berger (Edition Schwarzdruck, Gransee).

Es wurden wie immer 100 Exemplare im Format von 58 x 21 cm gefertigt, von denen allerdings die meisten nicht in den Handel kommen. Solange der Vorrat reicht, können Verkaufsexemplare zu Preis von 80 Euro im Shop des Schwarzdruck-Verlags geordert werden.

(Marc Berger)

Sa, 04.12.2021

Dr. Annette Ludwig wechselt in die Klassik Stiftung Weimar

Im Frühjahr wird die bisherige Direktorin des Gutenberg-Museums Dr. Annette Ludwig diese Funktion abgeben und den Museen der Klassik Stiftung Weimar vorstehen. Für dieses Engagement um das Erbe Gutenbergs in den letzten 12 Jahren ist der Vorsitzenden der Gesellschaft der Bibliophilen zu danken.

Vor einem Jahr hob das Gutenberg-Museum den von ihr initiierten "Mainzer Impuls'' aus der Taufe. Der Appell, der Aufmerksamkeit für den Erhalt der Gutenbergschen Technologie schaffen und das technische Know-How für zukünftige Generationen sichern will, findet nach wie vor eindrucksvolle Resonanz.
Über einen elektronischer Newsletter kann man sich weiterhin allmonatlich über aktuelle Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktivitäten des Gutenberg-Museums aufmerksam machen lassen und über Neuigkeiten aus dem Museum auf dem laufenden halten.

Fr, 03.12.2021

Rainer Ehrt, Zerstreute Sammlung (Foto und Montage: ad)

Zerstreute Sammlung

Rainer Ehrt stellte gestern Abend im Kleinen Säulensaal den Berlin-Brandenburger Pirckheimern einiges aus seinem Schaffen der letzten Jahre vor, zu dem jetzt auch ein von ihm illustriertes Bändchen mit erotischen Geschichten aus seiner Feder gehört.

Als Appetizer las der Autor eine gründliche, hintergründige Betrachtung zu allen Aspekten der aktuellen Situation, die uns Masken und eine stark reduzierte Teilnehmerzahl an diesem Bibliophilen-Abend aufzwang; Einschränkungen, die allerdings in keiner Weise das Vergnügen an den erfrischend vorgetragenen Erzählungen "Die Wanderin" und "Mandy" aus dem druckfrischen Band "Zerstreute Sammlung" schmälerten.

Das Bändchen erscheint in diesen Tagen in einer broschierten Normalausgabe (18 €) und einer limitierten und nummerierten "Exklusiven Ausgabe der Galerie Vevais" in 500 Hardcover-Exemplaren in origineller Fadenheftung mit einer kleinen Blindprägung (29,50 €). In allen Ausgaben sind, um den Schriftsatz in reinem Schwarz drucken zu können, die farbigen Illustrationen montiert. Eine geplante Vorzugsausgabe wird zusätzlich eine Original-Kupferradierung enthalten.

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Do, 02.12.2021

MDE Rundbrief 2021

Der diesjährige Rundbrief der Meister der Einbandkunst ist erschienen.

Zur Hälfte ist es ein hervorragend gemachter Katalog aktueller Bucheinbände von 14 Buchkünstlern von Anett Arnold über Angela Lenhof bis Frank Zachow, über die zweitgenannte Künstlerin findet sich im Heft darüber hinaus neben einer Umschlaggalerie ein sechsseitiges Porträt.
Außerdem finden sich im Forum Beschreibungen von Pergamentbänden in Durchbruchtechnik, die naturgemäße Verarbeitung von Pergament, über das jahrtausendalte Handwerk der Fertigung der Thora, sowie den Scharniereinband nach Edgard Claes. Abschließen berichtet Ulrich Widmann über das Kaschiereisen, ein fast vergessenes und neuentdecktes Werkzeug.

Die Auflage des Rundbriefs beträgt 500 Exemplare und geht allen Mitgliedern der MDE kostenlos zu.

Der Ketzer von Soana

Das Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner stellt das als Band 3 der Erkneraner Ausgabe des Quintus-Verlags von Gerhart Hauptmann "Der Ketzer von Soana" mit Radierungen von Hans Meid, mit denen die Ausgabe von 1926 bei S. Fischer illustriert war, in Anwesenheit von Stefan Rohlfs,der das Nachwort schrieb, sowie Wolfgang de Bruyn und André Förster vor. Es liest Cora Chilcott.

Gerhart Hauptmann veröffentlichte die Novelle Der Ketzer von Soana 1918 in der Neuen Rundschau, mit der er einen seiner größten Erfolge als Erzähler feierte. Darin schildert Hauptmann die Liebe eines jungen Priesters zu Agata und seine Hinwendung zur sinnlichen Leidenschaft.
Im letzten Kriegsjahr war das Publikum für solch einen Stoff empfänglich, es war von der Sehnsucht nach Frieden erfüllt und der militärischen Thematik mehr und mehr überdrüssig. So kam die Novelle, die eine Glückserfüllung vergegenwärtigte, gerade recht. Zugleich konnten die Todeserfahrungen und Todesängste am Ende des I. Weltkriegs kompensiert werden.
Selten fielen die Rezensionen so unterschiedlich aus. Während evangelische Kirchenkreise die Novelle zum Anlass nahmen, eine heftige Attacke gegen Autor und Verlag zu führen, zeigten sich Vertreter der literarischen Moderne begeistert und sahen darin eine „tiefe, heilende Erquickung“ Walther Rathenau.

Lesung: 9. Dezember 2021, 19 Uhr, 2G mit vorheriger Registrierung

Gerhart-Hauptmann-Museum
Gerhart-Hauptmann-Str. 1-2, 15537 Erkner

Mi, 01.12.2021

Jacobus Schnellpfeffer

"Bibliophiles des Monats" Dezember ist das kleine Bändchen "Jacobus Schnellpfeffer: Stecknadeln im Sofa. Nebst einem Anhang: Im Nachthemd durchs Leben. Ein süddeutsches Weihebühnen-Festspiel.", welches von Walter Rösler mit einem Nachwort versehen und 1997 im Eulenspiegel-Verlag herausgegeben wurde.

Die Gedichte von Jacobus Schnellpfeffer (mit bürgerlichem Namen Carl Georg von Maassen), den Erich Mühsam einen "gelehrten Spötter und ironischen Bücherwurm" nannte und von dem Ringelnatz als "hochgebildetem Mann von mitreißendem Humor" fasziniert war, erschienen zuerst im Simplicissimus, bzw. im Verlag des Vereins süddeutscher Bühnenkünstler. Maassen selbst machte sich auch als E.T.A.-Hoffmann-Forscher und Gründer der "Hermetischen Gesellschaft" einen Namen.  

Die Illustrationen des 88 Seiten starken Bändchens stammen vom Pirckheimer Albrecht von Bodecker, der auch den Umschlag entwarf und für die Vorzugsausgabe eine beigelegte signierte Originalgraphik schuf. Diese Vorzugsausgabe in 99 Exemplaren wurde im illustriertem Pappschuber in Surbalin, aus dem auch das Vorsatzpapier besteht, ausgeliefert.
Die Typografie lag in den Händen des Pirckheimers Matthias Gubig, Druck und Bindung besorgte die Offizin Martin Andersen Nexö, Leipzig.

Monika Jäger, Was sie umgab. © Monika Jäger

Buch des Monats

Manchmal geschehen Dinge ganz unverhofft. So geht es auch Milla, als sie in eine Kaffeedose schaut und auf einmal in einer völlig anderen Welt landet. Wie kam sie dorthin und vor allem, wie kommt sie wieder zurück? Von dieser Frage und dem darauffolgenden Weg handelt das Künstlerbuch "was sie umgab" von Monika Jäger, das in der diesjährigen Kinderbuch-Ausstellung zu sehen ist. Dieses Buch und andere eröffnen fantastische Welten, die es zu entdecken gilt. Monika Jäger wird einige Werke aus der Kinderbuchausstellung neben ihren eigenen Arbeiten vorstellen. Einige gelesene Passagen machen Lust, mehr in der Ausstellung im Klingspor Museums ab 5. Dezember zu entdecken.

Buch des Monats: 3. Dezember 2021, 14 Uhr, 2G, Anmeldung erforderlich: Tel. 069 8065 - 21 64
Ausstellung: 5. Dezember 2021  20. Februar 2022, es gilt 2G

Klingspor-Museum
Herrnstraße 80, 63065 Offenbach

Di, 30.11.2021

Bettina Haller, "Früh im Jahr", Acrylstich mit Holzschnitt kombiniert, Beil. zur Ausg. A und B

GRAPHISCHE KUNST 2/2021

Gleich im ersten Artikel werden die aktuellen Arbeiten der Chemnitzer Künstlerin Bettina Haller vorgestellt. Von ihr befindet sich in der A- und B-Ausgabe ein Acrylstich mit Holzschnitt. Durch den Artikel der Autorin Brigitte Milde kommen wir auch der Gedankenwelt von Bettina Haller näher. 

Fast schon philosophisch mutet der Titel des Artikels über den in vielen Metiers vertretenen Künstler Thomas Franke an. Im Schriftstellerischen und als Autor für Bühnenstücke und Filme (in denen er auch als Schauspieler zu bewundern ist) bewegt sich der Künstler ebenso sicher wie als Graphiker. Die in der A-Ausgabe beigelegte Digigraphie auf Büttenpapier bezeugt dies. 

Dr. Oliver Bentz nun stellt uns die österreichische Künstlerin Linde Waber vor. Ergänzend zu seinem Artikel in Heft 1/2018 über den Wiener Künstler und Professor Maximilian Melcher (1922-2002) bringt uns der Autor die Werke seiner Schülerin nahe. 

Eva Masthoff verführt uns in die Graphikwelt Chinas. Auch wenn der Artikel nur eine Annäherung sein kann, so zeigt uns die Autorin doch einiges von der Vielfalt graphisch arbeitender Ki.instler in diesem Riesenreich.

(Jürgen Schweitzer)

Anselm Retzlaff - Singsang, ISBN: 978-3948999-04-9

BuchBerlin / Lyrik-Edition Neun

Im September 2021 erschien mit dem zweiten Gedichtband von Anselm Retzlaff der vierte Band der im Jahr 2021 neu gegründeten Lyrik-Edition NEUN im Verlag der 9 Reiche.

Diese bei einer Premieren-Lesung am 9.9.2021 in der Lettrétage und bei der BuchBerlin 2021 vorgestellte und von Steffen Marciniak herausgegebene bibliophile Lyrikreihe mit Linolschnitten von Steffen Büchner hat 32 Seiten und ist eine auf 50 Verlagsexemplare nummerierte und (bei lebenden Autoren) signierte Ausgabe limitiert.

Darüber hinaus gibt es im Besitz der Autoren eine unterschiedliche Anzahl weiterer Bücher, diese sind weiternummeriert und ebenfalls signiert. Diese Normalausgabe in fadengehefteter Broschur kostet 9 Euro.

Ab 2022 wird zu jedem dieser Bände eine auf 9 Bücher limitierte, nummerierte und signierte Hardcover-Ausgabe erscheinen, dem ein signierter Original-Linolschnitt von Steffen Büchner beiliegen wird. Diese Ausgaben kosten 33 Euro und sind nur über den Verlag zu beziehen.

Bislang sind neben dem oben genannten Titel erschienen: Albert H. Rausch - Tempelstufen, Gabriel Wolkenfeld - Sandoasen, Max Drushinin - Himmelsraunen, und als Band 5 Thomas Luthardt - Märchenbrunnen.

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Angela Hampel, Plakat zum von der Pirckheimer-Gesellschaft organisierten Dresdener Grafikmarkt 1988

Unter dem Radar

Mit der Ausstellung „Unter dem Radar. Originalgrafische Kunstplakate aus Ostdeutschland seit 1975“ wird das Museum für Druckkunst Leipzig das druckgrafische Schaffen in der DDR in den Fokus rücken.

Am Beispiel von rund 100 handwerklich hergestellten Plakaten für Kunstausstellungen stehen nicht nur die Künstlerinnen und Künstler im Mittelpunkt. Die Schau richtet zwar hauptsächlich den Blick auf Künstlerinnen und Künstler, die in der DDR überwiegend druckgrafisch tätig waren. Dazu gehören etwa Angela Hampel, Michael Morgner, Max Uhlig und die Gruppe Clara Mosch. Zum anderen stellen die Plakate aber auch weniger bekannte Kunstorte und Kulturinitiativen vor, die neben dem staatlichen Kunstbetrieb der DDR von Ahrenshoop bis Zwickau existierten und heute, teils vergessen, teils noch fortbestehen.
Der Titel „Unter dem Radar" indes dürfte aus ideologischen Gründen gewählt worden sein und wirft ein falsches Licht auf das Schaffen der Künstler originalgraphischer Plakate in kleinen Auflagen, denn diese Initiativen entstanden durchaus innerhalb des staatlich geförderten Kunstbetriebs der DDR, nicht zuletzt in Organisationstrukturen wie der weiter bestehende Pirckheimer-Gesellschaft oder den im Dezember 1990 aufgelösten Verband Bildender Künstler der DDR.

Neben weiteren Leihgebern stammen die Exponate der Ausstellung zum überwiegenden Teil aus der Sammlung der Leipziger Galerie am Sachsenplatz!

Eröffnung: 3. Dezember 2021, entgegen früheren Ankündigungen nur online!
Ausstellung: voraussichtlich 7. Dezember 2021 - 25. März 2022

Museum für Druckkunst Leipzig
Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig

Mo, 29.11.2021

Exlibris für Heinz Decker von Andreas Raub, "In Memoriam unserer jüdischen Mitglieder", 2015, Radierung

Heinz Decker (1933 - 2021)

Noch auf der letzten DEG-Jahrestagung in Haltern trat Heinz Decker so auf, wie man ihn seit Jahrzehnten kannte – freundlich, hilfsbereit, großzügig, warmherzig, klug und voller Humor. Allenfalls ungewöhnlich erschien sein neuer ständiger Begleiter, ein Rollator, mit dem er jedoch gelernt hatte, seinen Frieden zu machen. Als (nach Lebensjahren) ältestes anwesendes Vereinsmitglied leitete er in der Hauptversammlung im Rahmen der Vorstands-Neuwahlen traditionsgemäß die Wiederwahl des „alten“ Präsidenten. Heinz war insgesamt positiv gestimmt, blickte optimistisch in die nahe Zukunft und verfasste nach dem Meeting einen teils launigen und doch so wohlwollenden Tagungsbericht. Umso größer war die Bestürzung in der Exlibriswelt, als sie die Nachricht seines Todes erhielt.

Vergleichsweise spät, mit fast 60, trat Heinz 1992 der DEG bei. Und obwohl er dem Vereinsleben eigentlich immer kritisch gegenüberstand, legte er in der DEG von Anfang an los, fungierte von 1993 bis 2000 als Rechnungsprüfer und von 2000 bis 2012 als Redakteur des DEG-Jahrbuchs, im Anschluss wurde er zum Vizepräsidenten gewählt. Nach 16-jähriger Vorstandsarbeit kandidierte er 2016 nicht mehr für einen Vorstandsposten, wurde aber bis 2020 in den Beirat berufen. Parallel dazu betreute er von 2012 bis 2019 noch die Homepage der Gesellschaft.

Als Sammler galt sein Interesse vor allem Bücherzeichen, die mit der Schriftstellerei zu tun hatten und mit Theaterkunst. In diese Richtung gingen auch viele Aufträge, die er als Eigner an Künstler und Künstlerinnen, gerne an junge, noch unbekannte, vergab. Und das waren auch bevorzugte Themen seiner eigenen zahlreichen Schriften – aber nicht nur. Er schrieb Bücher über Dichterexlibris und Dichterzirkel ebenso wie Werke über Totentänze oder die deutsche Exlibriskunst vom Jugendstil bis zur Gegenwart. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehörte sicher das DEG-Jahrbuch 2004 über „Jüdische Kultur und Exlibriskunst“. Heinz verfasste unzählige Aufsätze und Artikel über Exlibris und Gelegenheitsgrafiken für die einschlägigen Publikationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, England und Amerika, auf Deutsch und Englisch (bei Letzterem halfen ihm seine langjährigen Berufserfahrungen als Dozent am University College in Dublin und am Frankfurter Goethe-Gymnasium) – stets sachlich-kompetent und wissenschaftlich fundiert, trotzdem populär verständlich und mit humorigen Einfügungen.

2016 verlieh ihm die DEG in Würdigung seiner heraus-ragenden Verdienste um die Exlibrisbewegung die Walter-von-Zur-Westen-Medaille. 2020 ernannte sie ihn wegen seiner großen Verdienste um das Exlibris und die DEG zu ihrem Ehrenmitglied.

Wir verlieren mit Heinz Decker, der am 27. November 2021 im Alter von 88 Jahren verstarb, einen überaus wertvollen Mitarbeiter auf allen Ebenen und Helfer in allen möglichen Situationen, aber vor allem einen guten Freund. In seinen Schriften und in seinen Exlibris wird er unvergessen bleiben.

Mit unseren Gedanken sind wir bei seiner Frau und seiner Familie und fühlen mit ihnen.

(Henry Tauber)

Yayo Kawamura: Meine schönsten Bilder-Märchen. Ellermann 2015

Märchen reloaded

Die Sammlung "Rotkäppchen" des Bilderbuchmuseums wird neu präsentiert.

Kaum ein anderes Märchen ist bekannter und beliebter als die Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf. Die Rotkäppchen-Sammlung des Bilderbuchmuseums speist sich aus verschiedenen Quellen: Zu nennen ist zunächst die Sammlung des Ehepaares Waldmann, die weit über 1000 Bücher und Originalillustrationen wie auch volkskundliche Objekte zusammentrugen. In den Folgejahren wurde diese Sammlung durch Originale und Bücher wichtiger Künstlerinnen und Künstler ergänzt, so dass die Sammlung „Rotkäppchen“ mittlerweile einen festen Bestandteil im Ausstellungsensemble des Bilderbuchmuseums bildet.

In der ersten Etage des Museums werden dabei die hauseigene Sammlung Waldmann und die in der Sammlung des Bilderbuchmuseums befindlichen Bücher, Originale und Objekte umfangreich präsentiert. Ein weiterer Ausstellungsraum widmet sich den Künstlerbüchern von Burgi Kühnemann (*1935). Ihre lebendigen Umsetzungen des Märchens „Rotkäppchen“ loten die unterschiedlichsten Konflikte des Stoffes aus und beleuchten auch die komplexe historische Wahrnehmung des Märchens.

28. November 2021 - März 2022

Burg Wissem - Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf
Burgallee 1, 53840 Troisdorf

So, 28.11.2021

Joachim Pohl (Foto: ad)

eine Popart-Sammlung in der DDR

In der Galerie Wolf und Galentz sprach Joachim Pohl heute innerhalb der aktuellen Ausstellung "Druckgrafik – Umrisse einer Kunstgattung" unter dem Titel "Wie kommt ein Künstler und Kurator in der DDR zu einer Sammlung mit Druckgrafiken der Popart?" über seine Sammlung mit britischer und amerikanischer Künstlern dieses Genres.

Für Joachim Pohl begann das Interesse an Popart damit, dass er sich 1971 das Stones-Album "Sticky Fingers" mit dem von Andy Warhol gestaltete Cover mit dem Reißverschluss mitbringen ließ. 1984 wurde ihm dann erstmalig durch den VBK der DDR ein Studienaufenthalt in der BRD ermöglicht, was u.a. zu umfangreichen Kontakten führte und damit den Beginn seiner Sammlung von originalen Drucken begründete, die jetzt erstmalig komplett in Pankow ausgestellt wurde.

Der Vortrag beschrieb dann, basierend auf seiner Sammlertätigkeit, weit ausholend die Geschichte der Popart von den Anfängen in Großbritannien über den Abstrakten Expressionismus bis zur öffentlichkeitswirksamen Beachtung amerikanischer Popart in Europa und den positive Schub, den die Druckgraphik durch diese Kunstgattung und ihre Protaginisten wieder erfuhr, die sich vielfach des Siebdrucks, aber auch des Offsetdrucks, teilweise kombiniert und mit Übermalung bediente.

(ad)

Sa, 27.11.2021

Reclam, Leipzig 1984

Núria Quevedo: 70 Jahre Exil in Deutschland

Normalerweise feiert man bei Künstlern runde Geburtstage, vermeldet verliehene Auszeichnungen und Preise oder würdigt Verstorbene – ich bin aber zufällig auf ein 2022 anstehendes Jubiläum gestoßen, das ich auch der Würdigung für wert erachte: 1952 kam die 1938 in Barcelona als Kind katalanischer, republikanisch gesinnter Eltern geborene Núria Quevedo aus Franco-Spanien nach Deutschland, damals in die DDR. Quevedo studierte an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, u.a. bei Werner Klemke, dessen Meisterschülerin sie war. Die Künstlerin, deren bekannteste Illustration vielleicht die von Christa Wolfs Kassandra ist, war längst Teil der deutschen Kunstszene, als Franco 1975 starb – und blieb glücklicherweise hier. Mit ihrer unverwechselbaren Figuration und der illustrativen Auseinandersetzung mit im Exil entstandener Literatur wie der von Anna Seghers und Franz Fühmann bereichert sie die deutsche Kultur.

(Wolfgang Grätz, in 240. Frankfurter Grafikbrief)