Pirckheimer-Blog

So, 16.06.2024

Das Coverbild des Caroline-von-Humboldt-Porträts von Heidelore Kneffel schuf die, wie die Autorin in Nordhausen (Harz) lebende, Künstlerin Katrin Kisker.

Gelesen übers Jahr: Ein Porträt von Caroline von Humboldt

Der Einband des Buches zeigt eine Collage mit dem Antlitz der Caroline von Humboldt (1766–1829). Das berühmte Originalbild malte Gottlieb Schick (1776–1812) 1804 in Rom. Die Schöpferin dieser Kopie ist die Nordhäuser Künstlerin Karin Kisker, die eng mit Heidelore Kneffel, über viele Jahre die gute Seele des Sarah-Kirsch-Vereins, der in Limlingerode im Geburtshaus der Georg-Büchner-Preisträgerin über ein Vierteljahrhundert einen Reigen an Veranstaltungen und Aktionen entfesselte, zusammenarbeitete und -arbeitet. Heidelore Kneffel (*1944), die heute am Bloomsday einen runden Ehrentag feiert, die, wenn man den Fernmeldungen trauen darf, heute wandert und nicht erreichbar ist, ist eine Frau, auf die das Wort „taff“ im schönsten Sinne zutrifft – und der man, wenn sie es nicht längst bekommen hätte, am heutigen Tag das Bundesverdienstkreuz als Dank und Ehre antragen müsste, hat sich verdient um die Kultur ihres Heimatlandstrichs: als Lehrerin, als Beigeordnete, unbeugsame Streiterin für die gute Sache, nun, und als die „Heidelerche“, wie sie von Sarah Kirsch (1935–2013) zärtlich genannt wurde, ja, und eben als Forscherin, gemacht. Auch wenn die Begegnungsstätte heute aus trüben Gründen, die aus Gründen der Abgründigkeit in so einem Glückswünsch nicht diskutiert werden mögen, in Limlingerode nicht mehr existieren darf, arbeitet der Verein weiter, bespielt mit Erfolg Einrichtungen in Heidelore Kneffels Heimatstadt Nordhausen, in Bleicherode und Heringen mit Lesungen, Ausstellungen, Diskursen zu Kunst und Literatur. Und die „Heidelerche“, selbst Liebhaberin/Sammlerin, gibt sich der Erforschung der zu hebenden Schätze anheim, wie eben der Geschichte von Caroline von Humboldt, die, gebürtige Dacheröden und Frau von Wilhelm von Humboldt (1767–1835), als Verschwisterte in Sachen Kunst- und Literaturliebe über die Jahrhunderte hin zu gelten hat. Das dicht gepackte und tief recherchierte Buch leistet im besten Sinne Aufklärung, eine Tugend, wie sie dieser Zeit gut stünde. Und öffnet damit den Blick auf die Dinge, die eben auch seine Verfasserin treiben ... ja, wer sich darauf einlässt, hört hinter den Zeilen und Bildern die wissende und in alle Richtungen höchst informierte Stimme von Heidelore Kneffel sprechen. Und so soll es ja sein. Und schon, weiß man aus gut informierter Quelle, arbeitet die zu Bejubelnde an neuen Projekten. Liebe „Heidelerche“, dafür einen großen Lichtstern: Alles Gute zum Geburtstag! (Heidelore Kneffel: Ich habe mit den Kunstsachen ... aufs Vertrauteste gelebt. Caroline von Humboldt, geb. Dachenröden, und ihr Leben der Poesie. Atelier Veit: Nordhausen 2023, 240 Seiten, mit zahlr. Abbn. und Illn., ISBN 978-3-948269-05-0, 25 Euro.)

(André Schinkel)

Sa, 15.06.2024

Petrus + Corn.Elius = „Ponyhof“: am 22.06. in Berlin.

Petrus + Corn.Elius = „Ponyhof“

Die edition wasser im turm lädt für den Sonnabend, den 22. Juni 2024, von 14 bis 18 Uhr zur Kunst- und Druckaktion ein. Die Aktion in der Hauptstadt des Landes findet am Wasserturm Kreuzberg (Ort: Ficidinstraße/Ecke Kopischstraße, 10965 Berlin) statt. Das Ereignis unter der Signetfolge Zeichnen, Schreiben, Drucken, Künstlerbuch wird mit im wahrsten Sinne kunstvollem Leben gefüllt von Petrus Akkordeon und Corn.elius (Cornelius Brändle). Es entstehen bis zum Ende der Aktion an diesem Wochenendnachmittag zwei Künstlerbücher, wie man das von der Edition gewohnt ist. Die Sache firmiert in diesem Jahr unter dem schönen Titel Ponyhof. Dies wird sicher auch auf die Resultate ausstrahlen ... Darüber hinaus wird um 16 Uhr im Bildkasten die neue Ausstellung aufregung am strassenrand mit Arbeiten von Hanneke van der Hoeven eröffnet. Die Protagonisten laden herzlich zu diesen Veranstaltungen am übernächsten Samstag nach Berlin ein. 
 
(André Schinkel/Pressemitteilung)
07.06.24: Vortrag mit Robert Grieger in Magdeburg.
Vortrags-Thema: Alexandre Dumas père. Und die ...
... umfangreiche Sammlung Robert Griegers dazu ...

Alexandre Dumas in Magdeburg

Vor einer Woche hatte ich die Ehre, bei unseren Pirckheimer-Freunden (Verein der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e. V. „Willibald Pirckheimer“, Heuwiesenweg 6, 39130 Magdeburg) im Literaturhaus Magdeburg, OT Buckau (Thiemstraße 7, 39104 Magdeburg) einen Vortrag zu halten, dessen Inhalt natürlich eines meiner geliebten Themen war: Alexandre Dumas (1802–1870). Ich konnte ein bisschen zum Leben und Werk des Literaten dem Publikum näher bringen und auch einige Schätze aus meiner Sammlung präsentieren.

Alexandre Dumas père wurde am 24. Juli 1802 in Villers-Cotterêts in der Nähe von Paris geboren. Schon früh entwickelte er ein großes Interesse an Literatur und Theater, er schrieb und spielte schon als Jugendlicher Theaterstücke in einer kleinen Scheune nahe seines Hauses. Er erhielt Unterricht von seiner Mutter und seiner Schwester, brachte es vor allem in der Mathematik jedoch nicht sehr weit. Statt dessen verbrachte er viel Zeit damit, seine Handschrift – die ihm später in Paris die Stelle als Sekretär des Herzogs von Orléans einbringen sollte – zu vervollkommen und sich im Tanzen, Fechten und Schießen zu üben. In der Literatur faszinierten ihn besonders die Abenteuerromane des sechzehnten und des siebzehnten Jahrhunderts.

Dumas ist ein wichtiger Vertreter der französischen Romantik. Bekannt und beliebt wurde er durch seinen historischen Abenteuerroman Die drei Musketiere (1844) und den Gesellschaftsroman Der Graf von Monte Cristo (1845/1846) – übrigens der einzige Gesellschaftsroman, den er je geschrieben hat. Diese berühmten Romane stehen wie die meisten seiner Romane in der Tradition von Walter Scotts historischen Romanen. Zu Anfang seiner Schriftsteller-Karriere schrieb er jedoch hauptsächlich Dramen, von denen die meisten in Vergessenheit geraten sind. Dazu gehören die recht erfolgreichen Stücke Henri III et sa cour (1829), Christine (1830) und Antony (1831).

Später begann er dann, Romane (insbesondere historische) zu schreiben und entdeckte schnell das Genre des Feuilleton-Romans. Er veröffentlichte seine Werke kapitelweise in den großen Pariser Zeitungen und brachte diesen eine größere Leserschaft und sich selbst Ruhm und Geld ein. Da er früher Dramen für das Theater geschrieben hatte, war er ein Meister des Dialogs und verstand es perfekt, seine Leser von Anfang an zu fesseln. Seine effektvollen Kapitelschlüsse sorgten dafür, dass auch die nächste Ausgabe der Zeitung gekauft wurde. 

Er hat in Zusammenarbeit mit anderen Autoren wie zum Beispiel Auguste Maquet (1813–1888) über dreihundert Romane verfasst, von denen die bekanntesten und wohlm auch meisterhaftesten Die drei Musketiere, Der Graf von Monte Christo, Die Bartholomäusnacht (1845) mitsamt ihrer Fortsetzung Die Dame von Monsoreau (1846) und Joseph Balsamo (1853, das Buch ist hierzulande besser bekannt unter dem Titel Cagliostro, dem Hochstapler-Pseudonym des Helden) sind.

Sein Geld gab Alexandre Dumas mit vollen Händen wieder aus, er war großzügig und veranstaltete oft riesige Feste für seine Freunde. Er war beteiligt an der Julirevolution und stürmte zusammen mit einem Freund einen Pulverturm vor Paris. Seine zahlreichen Mätressen ließ er nicht fallen, sondern versorgte jede mit einer kleinen Wohnung und einer Pension. Auf die Dauer konnte er sich diesen luxuriösen und ausschweifenden Lebensstil jedoch nicht mehr leisten. Die letzten Jahre vor seinem Tod am 05. Dezember 1870 war er bankrott und lebte bei seinem Sohn.

Zur zweihundertsten Wiederkehr seines Geburtstags wurden die Gebeine von Alexandre Dumas ins Pariser Pantheon überführt und dort am 30. November 2002 wieder beigesetzt. Diese Ehrung wurde als politisches Signal gegen Rassismus verstanden, denn zu Lebzeiten wurde Dumas wegen seiner dunklen Hautfarbe und seiner Abstammung häufig geschmäht ... Vielen Dank an Sigrid und Ralf Wege für den spannenden Abend und das schöne Wochenende in Magdeburg.

(Robert Grieger)

Fr, 14.06.2024

Die Ausstellung "Komm, goldener Pfau ...!" widmet sich in der LBO der jiddischen Sprache und Kultur.

LBO: „Komm, goldener Pfau!“

Zu einer faszinierenden Ausstellung samt umfangreichem Beiprogramm unter dem Titel „Komm, goldener Pfau!“ Jiddisch neu entdecken lädt seit dem 30. Mai die Landesbibliothek Oldenburg (LBO, Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg) ein. In die LBO gelangte 1979 durch einen Tausch mit der Königlichen Bibliothek zu Kopenhagen eine jiddische Sammlung von etwa 200 Bänden. Sie enthält vor allem die moderne jiddische Literatur des 20. Jahrhunderts. Und: Die Sammlung soll an die Geschichte des Gebäudes als ehemalige Polizeikaserne mahnen, von dem aus jüdische Männer durch die Stadt getrieben und dann in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert wurden. „Es ist merkwürdig, wie wenig man in der nichtjüdischen Welt vom jüdischen Volk weiß. Dies ist heute nicht anders als in all den zweitausend Jahren, da die Juden mit den Völkern des europäischen Altertums und dann mit denen zusammentrafen, die erst im Mittelalter entstanden oder hervortraten“, schrieb Salomo Birnbaum (1891–1989) in seiner Praktischen Grammatik der Jiddischen Sprache (1915), ein Umstand, der sich, und in diesen wieder abgründigen Zeiten zumal, nicht zu geändert haben scheint. Die LBO-Ausstellung widmet sich dem Jiddischen in zwei räumlich getrennten Bereichen. Der erste Teil thematisiert einführende und allgemeine Aspekte des Jiddischen wie die Sprachgeschichte, Sprichwörter, jiddisches Vokabular im Deutschen, Witz und Musik. Dabei werden häufige Vorurteile gegenüber dem Jiddischen problematisiert und für den Umgang mit Jiddismen im Deutschen sensibilisiert. Symbol der Schau ist der Goldene Pfau (jiddisch: „di goldene pave“), ein mythisches Symbol aus einem jiddischen Volkslied. Im Hauptteil der Ausstellung sind viele wunderschöne Bücher der jiddischen Kultur und Literatur zu sehen. Im umfänglichen Beiprogramm finden Vorträge, Führungen, Sprachkurse und Konzerte statt. Die Exhibition ist bis zum 20.07. zu den LBO-Geschäftszeiten (Mo–Fr 10–19, Sa 9–16 Uhr) zu sehen.

(Landesbibliothek Oldenburg/Pressemitteilung)

Do, 13.06.2024

Jule Claudia Mahn: Ausstellung und Gespräch in der Wiener Galerie "Buch & Druck", online: heute 19 Uhr.

Jule Claudia Mahn: „Ich bin hier“

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung Zeitgebunden mit Buch-Arbeiten von Jule Claudia Mahn (Leipzig) in der Galerie Buch & Druck (Berggasse 21/2, A-1090 Wien) in der österreichischen Hauptstadt, die eben bis zum 27. Juni verlängert wurde, findet am heutigen Donnerstag, den 13. Juni 2024, um 19 Uhr ein Online-Gespräch mit der ausstellenden Buchkünstlerin über ihr neuestes originalgrafisches Buch Ich bin hier, über Erinnern und Vergessen, Schreiben, Büchermachen, über Oral History und die Buchform als Erzählstruktur statt. Das Gespräch kann unter dem hier eingefügten Zoom-Link angeschaut und verfolgt werden. Die Galerie schreibt zur Ausstellung: „In den Künstlerbüchern von Jule Claudia Mahn (*1981) geht es um das Erinnern ebenso wie um das Vergessen! Die Arbeiten sind gleichzeitig unglaublich präzise, poetisch und subtil. Alles kommt aus einer Hand: die Texte, die Grafiken, die Drucke, die Gestaltung und die Ausführung bis hin zu den verschiedenen, immer thematisch passenden Einbänden. Alle Bücher erscheinen in einer deutschen und einer englischen Auflage. Das jüngste Buch Ich bin hier erlaubt es, eine politisch konfliktreiche Geschichte aus zwei Perspektiven zu lesen. Die Ausstellung zeigt alle Publikationen ihrer Edition Verwandte Objekte in beiden Sprachen.“ Die Exposition im Wiener Gemeindebezirk Alsergrund ganz in der Nähe des Sigmund-Freud-Hauses ist Mo–Do 13–18 Uhr zu sehen. (Jule Claudia Mahn: Ich bin hier, Buchdruck, Photopolymer-Klischees, Linolschnitt, Prägung mit Folie, Schweizer Broschur, Klappschuber, 88 S., 31,5 x 16,5 cm, Aufl.: 20, numm. u. sign., Leipzig 2024.)

(André Schinkel) 

Mi, 12.06.2024

Wulf Kirsten (1934–2022) wird am Vorabend seines 90. Geburtstags im Literaturhaus Halle gedacht.

Eine Hommage an Wulf Kirsten

Es ist in der Aurora seines 90. Geburtstags, zu dem es im halleschen Literaturhaus einen Abend für den Lyriker, Erzähler, fulminanten Anthologisten und Förderer sowie Freund der Künste Wulf Kirsten (1934–2022) geben wird. Die Präsentation im Literaturhaus kreist dabei um sein wichtiges wie segensreiches Wirken im Allgemeinen wie sein Buch Nachtfahrt, das Autor, Herausgeber, Filme- und Austtellungsmacher sowie Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars als Band 2 seiner Essay-Reihe im quartus-Verlag Bucha bei Jena im letzten Jahr herausgab. „Lebensgesättigte Literatur“ – so urteilte die Frankfurter Allgemeine Zeitung über den ersten Nachlassband des großen Dichters, der, viele Jahre in Weimar lebend, zudem der Nestor der thüringischen Literaturszene war. Am 20. Juni präsentieren Jens-Fietje Dwars und Susanne Theumer, die eine lange Künstlerfreundschaft mit Kirsten verband und die die Edition als Grafikerin begleitete, das Buch, das erzählende und erinnernde Prosa vereint. Ein Abend für die „aufgeraute Sprache“ dieses Schreibers, ja, und des Wanderers, den man mit Recht als „Landschafter“ bezeichnet, und die kongeniale Komplizenschaft Susanne Theumers, flankiert von Wilhelm Bartsch, ebenfalls eng verbunden mit Wulf Kirsten, der aus dem gemeinsamen Briefwechsel lesen wird. Kirsten, der aus Sachsen stammte, gehört in seiner Generation zu den bedeutendsten Lyrikern, er wird zu den Vertretern der zuerst von Georg Maurer protegierten und Adolf Endler postulierten Sächsischen Dichterschule gezählt und entfaltete neben einem umfangreichen eigenen Werk (Gedichte, Erzählungen, Aufsätze und Essays) ein auf ähnliche Weise bedeutsames Wirken als Entdecker und Publizist. Sein Werk wird von seinem Sohn Jens Kirsten gepflegt. Die hallesche Hommage für Wulf Kirsten findet am 20. Juni, dem Vorabend seines runden Geburtstags, um 19 Uhr im Grünen Salon des Literaturhauses in Halle (Bernburger Straße 8, 06108 Halle an der Saale) statt, der Eintritt beträgt 10 (ermäßigt 8) Euro. Kirstens große Lyrikbibliothek, die zu den bestsortierten und umfangreichsten in der Literaturszene zählen dürfte, ist im Übrigen in der Anna Amalia Bibliothek (Platz der Demokratie 4, 99423 Weimar) seiner Wahlheimatstadt aufgestellt, in der er sicher einer der intensivsten Nutzer war. Empfehlung! Mit der nachgelassenen Prosa Nachtfahrt erschien ein weiteres wichtiges Werkdokument dieses Autors.

(André Schinkel)

Di, 11.06.2024

Die "Bibliocon" fand vom 04. bis 07.06. im CCH statt.
Im Congress Centrum in Hamburg wurde dort auch zum Großthema der Herkunftsforschung referiert.

„Provenienz sichtbar machen“

Auf der jährlichen Bibliothekskonferenz Bibliocon, die dieses Mal vom 04. bis 07. Juni 2024 in Hamburg stattfand, war unter anderem der Themenkreis 6 für die Bibliophilie von besonderem Interesse: Sammlungen, Repositorien, Retrodigitalisierung sowie der Kulturgut(-schutz) mit der Bezeichnung „Provenienzen sichtbar machen“. Es wurden innerhalb des Komplexes insgesamt sechs Vorträge zum Thema auf der 112. Bibliocon gehalten. Zunächst: Vernetzte Objektgeschichten: Provenienzerschließung im orientalischen Handschriftenportal Qalamos. Es referierte Christoph Rauch (Staatsbibliothek zu Berlin, Orientabteilung, Berlin). Das Ziel des DFG-Projekts Qalamos besteht in der Zugänglichkeit der bereits jetzt ca. 150.000 Werkdatensätze, die einen Großteil der in deutschen Institutionen bewahrten unikalen Schriftzeugnisse aus Asien und Afrika darstellen. Dafür wurde ein Portal Handschriften aufgebaut, das es auch ermöglicht, erwerbungsgeschichtliche Bezüge zwischen Sammlungen und Objekten sichtbar zu machen. Zweiter Vortrag: Pilotprojekt in Detmold: NS-Raubgutverdacht in der Lippischen Landesbibliothek. Referentin dafür: Isabelle Christiani, Provenienzforscherin aus Münster. Der Bericht widmete sich der Herkunftsforschung im Rahmen des Projekts Ermittlung der Provenienz von 28 Handzeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts unter Verdacht auf NS-verfolgungsbedingten Entzug in der Lippischen Landesbibliothek. Drittens: Dr. Wiebke von Deylens (Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg) Beitrag „Aber das haben wir doch gekauft!“ Provenienzforschung an der SUB Hamburg zu antiquarischen Ankäufen der NS-Zeit. Der Vortrag präsentierte die Ergebnisse eines Projekts zu NS-Raubgut in den Sondersammlungen der SUB. Dank einer Förderung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste konnten hier in den letzten Jahren vor allem Erwerbungen in Auktionshäusern und Antiquariaten genauer untersucht werden. Das Hauptaugenmerk wurde Autographen, seltenen Büchern, Kupferstichen und Nachlässen geschenkt, die zwischen 1933 und 1945 im Handel erworben wurden ... Der vierte Themenvortrag widmete sich 20 Jahre(n) NS-Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Wien – Rückblick und Ausblick. Im Beitrag von Professor Markus Stumpf (Universität Wien) stand im Mittelpunkt die Entwicklung der Provenienzforschung in den letzten beiden Dekaden an der Universitätsbibliothek Wien. Im fünften Beitrag referierte Iris Schultz (Staatsbibliothek zu Berlin) zu Das Zentralantiquariat der DDR als staatlich gelenkter Lieferant für Bibliotheken in West und Ost. Der Vortrag befasste sich mit den Provenienzen der durch das Zentralantiquariat der DDR (ZA, 1959–1989) erworbenen Druckausgaben aus den Sammlungen der ehemaligen Deutschen Staatsbibliothek und des Deutschen Buch- und Schriftmuseums. Und schließlich als Nr. 6: Provenienzrecherche in den Sammlungen des Landesamts für Denkmalpflege Sachsen (LfDS), dies referiert durch Dr. Konstantin Hermann (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen). Das LfDS unterhält Sammlungen der Fotos, Negative und Dias, Dokumentationen sowie die Topografische Registratur, Pläne, Karten und Zeichnungen und die Bibliothek. Die Bestände dieser Bibliotheken reichen bis in das 15. Jahrhundert zurück und umfassen neben Drucken auch wertvolle Manuskripte bis hin zu Musterbüchern. Das LfDS hat beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste einen Antrag auf Erstcheck für die beiden Sammlungen gestellt. Der Themenkomplex war am 07.06. in das Treffen im Congress Centrum in Hamburg eingebunden. Es moderierte Julia Knödler aus Halle.

(Maria Bogdanovich)

Mo, 10.06.2024

Am 17.06.24 treten die "Bücherkinder" in Berlin auf.

Eingeladen – die Brandenburger „Bücherkinder“ zu Gast in Berlin

Das dicht besetzte Leben und – der Aufstand der „Schwachen“ heißt die besondere Veranstaltung, eine Lesung der Bücherkinder aus Brandenburg an der Havel mit der Christa Wolf Gesellschaft, der Anna-Seghers-Gesellschaft und der Pirckheimer-Gesellschaft, die am Montag, den 17. Juni, um 17 Uhr in der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund (Referat 55: Bildung und Wissenschaft, FB Veranstaltungen, In den Ministergärten 3, 10117 Berlin) stattfindet. Dazu erlauben sich Pirckheimer-Gesellschaft und der Mentor der Bücherkinder, Armin Schubert, noch einmal (der Blog berichtete am 05.05.) herzlich einzuladen. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Es wird aus den sieben Büchern der Gruppe (zuletzt erschien Pax questuosa zu Ehren von Anna Seghers, von der auch das Motto des Events sich ableitet, und Núria Quevedo) gelesen. Gute Sache: Hin!

(André Schinkel)

So, 09.06.2024

Alfred Ehrhardt, "Hamburger Hafen", 1930/1940er Jahre, Fotografie auf Silbergelatinepapier – in der Größe von 49 x 32,5 cm. | © Alfred Ehrhardt Stiftung

Über Hamburgs bestes Fotobuch

Die Alfred Ehrhardt Stiftung (Auguststraße 75, 10117 Berlin) lädt am Mittwoch, den 12. Juni, um 19 Uhr zum Lichtbildervortrag mit Dr. Roland Jaeger ein. Das Thema des Vortrags ist: Hamburgs bestes Fotobuch: ‚Der Hafen‘ von Rolf Tietgens. Die Veranstaltung begleitet die aktuelle Ausstellung der Stiftung – und bezieht sich zugleich auf das Œuvre von Alfred Ehrhardt (1901–1984), dessen Arbeiten neben den Fotografien von Rolf Tietgens (1911–1984), beides ausgewählt und kompiliert von Professor Dr. Eckardt Köhn, bis Juli in ihr zu sehen sind. Die Frage ist dabei: Was macht ein Fotobuch besonders, vielleicht sogar zum besten einer Stadt oder eines Bildthemas? Dieser Frage wird anhand des 1939 vom Hamburger Fotografen Tietgens veröffentlichten Fotobuchs Der Hafen nachgegangen. Dazu gehört ein Rückblick auf die zahlreichen fotoillustrierten Publikationen zum Hamburger Hafen seit den 1880er Jahren. Sie reichen von künstlerischen Mappenwerken über touristische Ansichtenalben bis hin zu fotografischen Bildbänden ... Das Hafen-Buch von Tietgens steht also in einer motivischen Tradition, hebt sich von dieser jedoch durch seine fotografische Sichtweise und filmische Bildregie ab. Dies gilt umso mehr angesichts des Erscheinungsjahres 1939. Denn Tietgens knüpft mit seinen Hafen-Aufnahmen an die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre an, allerdings nicht als kühler Dokumentarist, sondern als „Poet mit der Kamera“. Im Vortrag geht es daher auch um die Einordnung seines Buchs in die Entwicklung fotografischer Auffassungen in den 1920er und 1930er Jahren. Dabei kommt der ebenfalls aus Hamburg stammende Fotograf Alfred Ehrhardt ins Spiel, der damals ähnliche Bildwelten wie Tietgens in den Blick genommen hat. Außerdem ging Ehrhardts Fotobuch Das Watt (1937) im Hamburger Verlag Heinrich Ellermann dem dort erschienenen Hafen-Buch von Tietgens voraus. Im Unterschied zu Ehrhardts Werk haben sich Tietgens’ Hafen-Aufnahmen aber nicht erhalten, weder als Vintage Prints, noch als Negative. Das Buch Der Hafen ist also nicht zuletzt ein Dokument der gedruckten Fotografie – und wird daher in der Ausstellung Alfred Ehrhardt & Rolf Tietgens: Hamburger Hafen und Norddeutsche Küste auch als solches präsentiert. Für den Vortrag wird um Anmeldung via info@aestiftung.de gebeten. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist noch bis zum 07.07., von Di–So 11–18 Uhr, zu sehen.

(André Schinkel/Alfred Ehrhardt Stiftung/Pressemitteilung)

Sa, 08.06.2024

Bücher, Bücher, Bücher, Bücher ... und Bücher ... jetzt neu im Gemeinschaftskatalog 2024 der Antiquare.

Gemeinschaftskatalog Antiquare für 2024 am 28. Mai erschienen

Gesammeltes Kompendium: Der neue Gemeinschaftskatalog der Antiquare erschien am 28. Mai 2024. Katalogbestellungen für Interessierte, die nicht bereits im allgemeinen Verteiler der antiquariat.de-Webseite sind, sind unter der Email service@antiquariat.de möglich. Man kann auch auf der Seite des Online-Antiquariats sogleich in der Maske mit dem Suchen beginnen und seinen Hunger auf Bücher und Bibliophiles stillen. Gesucht werden kann in den Großrubriken Bücher, Grafiken, Kunst, Autographen, Postkarten, Noten, Tonträger und Fotografien. Auch eine sachliche Suchleiste u. a. mit den Neueingängen und den Alt-Katalogen der Vergangenheit gibt es. Die Seite kann als zentrales Organ der Genossenschaft der Internet-Antiquare im deutschen Raum und darüber hinaus verstanden werden: „Schwerpunkt des Bestandes in unserem Online-Antiquariat bildet erwartungsgemäß das antiquarische Buch, d. h. Bücher aus zweiter Hand – von aktueller, aber gebraucht günstigerer Sortimentsware, bis hin zu alten, ‚antiken‘ Werken, die neben ihrem oft wissenschaftlichen Wert vielfach auch geschätzte und hoch bewertete Sammlerstücke darstellen. Ebenso finden Sie, traditionell dem Antiquariat zugehörig, ein großes Angebot an alten Landkarten, Stadtplänen, topographische Ansichten, künstlerischer Graphik, Noten, Ansichtskarten und zahlreiche sog. Ephemera (Exlibris, Flugblätter, Prospekte, Filmplakate, Theaterprogramme u. Ä.) …“ Der Gemeinschaftskatalog der Antiquare, der für 2024 erschien, ist der insgesamt vierzehnte seiner Art, mit wenigen Ausnahmen (2015, 2023) wird das Periodikum jährlich aufgelegt. Und dies, das sei vermerkt, zur ausdrücklichen Freude aller Bücherverrückten, ihren antiquarischen und Sammel-Leidenschaften zu frönen. Insgesamt bieten auf www.antiquariat.de 350 Antiquare aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und einigen weiteren Ländern ihre Preziosen an. Und auch im neuen Katalog wird die Freundin, der Freund des seltenen, vergriffenen, gesuchten Buches fündig. 

(André Schinkel)

Fr, 07.06.2024

Ehre, wem Ehre gebührt: Ein ganzes Museum für Stasys Eidrigevičius, das "Stasys Mu.Se.Um", wurde am 31.05.2024 im litauischen Panevėžys eröffnet.

Panevėžys: Ein Museum für Stasys Eidrigevičius (Stasys Mu.Se.Um)

Seit dem 31. Mai hat die nordlitauische Stadt Panevėžys eine besondere Attraktion: Es wurde dort ein Museum allein für den Künstler Stasys Eidrigevičius, das Stasys Mu.Se.Um, feierlich mit einem Festwochenende und der Vernissage der ersten Personalausstelllung Ikon-O-Stasys eröffnet. An allen drei Tagen konnte man sich für Führungen in Englisch und Litauisch eintragen und dem Maler, Grafiker, Exlibisten und Fotografen, der international mit vielen Preisen geehrt wurde und der in seinem Heimatland und seiner zweiten Heimat Polen quasi mehr als weltberühmt ist, begegnen. Auch ein Programmteil eigens für Kinder wurde aufgelegt. „Die Debütausstellung des Museums“, heißt es auf der Webseite des Mu.Se.Ums, „kuratiert von Lina Albrikienė und Ignacy Eidrigevičius, wird auf drei Etagen des Museums ausgestellt und wird eine Fläche von mehr als 1.000 Quadratmetern einnehmen. Die Ausstellung wird die Fantasie der Besucher mit verschiedenen künstlerischen Lösungen und Techniken anregen, für die der Künstler bekannt ist.“ Stasys dürfte wohl der vielgestaltigste litauische Künstler der Gegenwart sein, sein uniques Werk wird bis nach Amerika und Japan, zu dem der Meister eine ganz besondere Verbindung hat, rezipiert und bewundert. Geehrt wurde Stasys unter anderem mit dem Komturkreuz des Verdienstordens der Republik Polen, der Ehrendoktorwürde der Universität Vilnius, dem litauischen Nationalpreis für Kultur und Kunst sowie dem Großfürst-Gediminas-Orden. Weitere Infos finden sich hier.

(André Schinkel)

Do, 06.06.2024

Schau "What we feel and what we know" – ab 06.06.

„What we feel and what we know“

Am heutigen Tag um 19 Uhr startet im Radierverein München e. V. eine Ausstellung mit zwei Gästen aus Australien. Julia Powles und Peter Westwood aus Melbourne beschäftigen sich in der Ausstellung What we feel and what we know mit dem Entstehen von Wissen und der Reflexion darüber. Neben dem Transfer von Informationen über die sichtbare und artikulatorische Form von Wissen in Text und Sprache bildet für sie die Erfahrung und Empfindung durch das Sinnlich-Körperliche eine gleichwertige Weise, Wissen zu rezipieren und Wahrheiten zu begreifen. Der Vorstand und Galeristin Laura Etz laden herzlich zur Vernissage in die Galerieräume des Vereins (Ludwigstraße 7, 80539 München) ein. Künstlerin und Künstler werden anwesend sein, auch zum Künstlergespräch am 27.06. Die Ausstellung ist bis zum 28. Juni von Mi–Fr 15–19 Uhr zu sehen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 05.06.2024

Moritz Götze stellt seit 19.05.24 in Quedlinburg aus.

60: Moritz Götze in Quedlinburg

Einer der international renommierten Künstler Sachsen-Anhalts wird 60! Das ist Grund genug, 2024 eine Ausstellung zu Ehren Moritz Götzes zu zeigen. Die Werkschau gibt Einblick in über dreißig Jahre künstlerisches Schaffen eines Ausnahmekünstlers. Seine Kunstwerke werden von ihm selbst explizit als „Deutscher Pop“ bezeichnet. Dabei zeichnen sich darin auch Comicelemente ab. Obgleich er sich technisch in keine Schublade stecken lässt, ist Götzes Handschrift in seinen Gemälden, Papierarbeiten, Siebdrucken und anderen Grafiken, Emaillen, Mosaiken und Skulpturen unverkennbar. Inhaltlich verarbeitet er Kulturgeschichtliches und Kunsthistorisches mit besonderem Interesse an ostdeutscher Gesellschaftsgeschichte. Dabei lässt er Alltagsgegenstände und Erlebnisse aus seinem Leben Bildsujets durchdringen. Die Retrospektive im Museum Lyonel Feininger zeigt einen Querschnitt durch Moritz Götzes Œuvre – von seinen frühen Radierungen, den populären Serigrafien bis hin zu den späten Grafiken. Sie ist vom 19. Mai bis zum 26. August 2024 zu sehen, heißt nach einem seiner Bildnisse Westlöffel und Ostkaffe und ist Mi bis Mo 10 bis 18 Uhr geöffnet.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 04.06.2024

Side, Provinz Antalya: Platz vor dem Amphitheater.
Treibt Erkundungen am Mittelmeer: André Schinkel.

Nachricht aus Side: Die „Zeichen“

Von der heißen Türkisküste erreicht uns folgende Nachricht: Die Zeichen und Denkmale unserer Liebe, sag’ ich, vereint und zerteilt in einem, so stehend und zugleich fliehend mit der Zeit. Erging es uns schon in Goseck, erging’s uns in Pömmelte so? Einmal kehre ich dahin zurück, glaube ich; aber ich weiß nicht, ob ich dich dann dabeihaben darf … auch in den Tempeln und Tälern im Süden, hinter dem Meer, bleibst du mir fern. Ich habe mich daran gewöhnt, nicht ohne Trauer daran gewöhnen müssen. Ja ... und auch dort glaubte ich noch, es in den Zeichen und Denkmalen eingeschrieben zu sehen – in der Mondhieroglyphe, der Wasserhieroglyphe und der, die mit dem Rechteck das bestellte, in Besitz genommene Land anzeigt. Umringt von Tauben, Sperlingen und Bülbüls schreibe ich dir nochmal von einer anderen Seite des hieroglyphischen Meers. Es ist heiß, aber vom Meer geht immer der Wind. Es wäre das zentrale Bild, Signal, Zeichen, Meer unserer Liebe gewesen, weiß ich. Und in den Palmen singt die gehäubte Nachtigall, der orientalische Haubenpirol, der türkische Bülbül für dich, die du fern bist – und das Häubchen, das ich spreize, ist schwarz und leuchtet im Wind, der vom Meer kommt, als wäre dies bei allem Verstreichen ein unverlöschliches Signet, daß es weitergeht in der Welt, an welcher Stelle auch immer, und der Singsang der Zeichen dereinst auch von uns, von dir und mir und unserer Liebe, noch einmal berichten wird ...“ An der Stelle brechen die Aufzeichnungen ab. Die Ausgrabungen dauern noch an.

(André Schinkel/vorläufiger Grabungsbericht)

Die Lettertypen feiern 100., 70. und 10. Geburtstag.

100 70 10 Jahre Heavy Metall

100 70 10 Jahre Heavy Metall ... nun, es ist nicht die neue Metallica-Platte, auch wenn der Titel das evozieren könnte, die aufregt, nein, die Lettertypen UG (im Büchnerweg 92, 12489 Berlin) feiert dreifach Geburtstag. Zunächst die Maschinen: die Johanna wird 100, die Heidi 70 Jahre alt. Ja, und schließlich die UG: sie feiert am 08. Juni 2024 den nunmehr zehnten Jahrestag ihres Bestehens. „Was als Idee entstand, ist gewachsen und nun nicht mehr wegzudenken. Manchmal knifflig, oft überraschend, aber immer besonders – das ist es was wir lieben, was unsere Arbeit ausmacht.“ Dem internen Begängnis mit Mitstreitern und Freunden wie Weggefährten und dem Hochamt mit dem Maschinenpark folgt am Sonnabend, dem eigentlichen Jubiläumstag, eine offene Werkstatt, bei der von 12 bis 18 Uhr alles rund um die Lettertypen in Augenschein genommen werden kann. Druckkunst plus Geschichte und viel Leidenschaft – alle Informationen zur UG finden sich hier.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 03.06.2024

Mit dabei im Juni: Verlag Das Kulturelle Gedächtnis.

Berliner Bücherfest am 08./09.06.

Das Berliner Bücherfest lädt am Samstag und Sonntag, den 08. und 09. Juni 2024 von 11 bis 19 Uhr auf den Bebelplatz (Berlin Mitte, zwischen Unter den Linden und Behrenstraße) ein. Über 100 Verlage, Buchhandlungen und Antiquariate stellen ihr Angebot aus. Es werden da zahlreiche spannende Lesungen für Kinder und Erwachsene in mehreren Lesezelten angeboten. Dazu gibt es vielfältige gastronomische Angebote – und Bücher, Bücher, Bücher. Auch mit dabei: Der Verlag Das Kulturelle Gedächtnis mit seinen schönen Produktionen. Carsten Pfeiffer vom Team des Verlags freut sich auf reges Interesse: „Den Verlag Das Kulturelle Gedächtnis findet Ihr am Stand C 12, gegenüber dem Großen Lesezelt, nahe Behrenstraße.“ Auf nach Berlin, auf zum Bücherfest!

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 02.06.2024

Thomas Franke liest Scheerbart und spricht zu Taut am 18. Juni in der Buchhandlung Böttger in Bonn.

Gläserne Grotten: Thomas Franke zu Scheerbart und Taut in Bonn

Thomas Franke lädt zu einer seiner legendären Lesungen nach Bonn ein: „Aufmerksam maken!“ Ganz im Stil von Paul Scheerbart („Wir maken allens dot!“) tritt er auf am 18. Juni 2024, 20 Uhr, in der Buchhandlung Böttger (Maximilianstraße 44, 53111 Bonn) und trägt daselbst aus dem Buch Glasarchitektur seines Wahlverwandten, des Schriftstellers Scheerbart, vor, samt einigen Erzählchen, in welche Scheerbart seine utopischen Architekturphantasien integrierte. Das Event läuft unter dem lodernden und leuchtenden, ja, und letztlich gar keine Frage offen lassenden Titel Gläserne Grotten und galaktische Luftschlösser des Schriftstellers Paul Scheerbart und des Architekten Bruno Taut. „Um 1914 begeisterte der von spinnerten, allerdings auch realitätsbezogenen Visionen getriebene Schriftsteller, Dichter und Erfinder Paul Scheerbart (1863–1915) den jungen Architekten Bruno Taut (1880–1938) für seine Ideen, mit farbigem Glas zu bauen. Infolge dessen wurde ein Forum für utopisches Bauen gegründet, der 1919 von Taut ins Leben gerufenen Briefzirkel Die Gläserne Kette. Franke dazu: „Jau, – das wird ein spannender Abend! Und das mitzuerleben lade ich alle herzlichst ein! Grüße in die gläserne Welt: Thomas Franke.“ Wer nicht hingeht, kriegt scheerbartig geschimpft.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 01.06.2024

Matthias Claudius, Porträt von Friederike Leisching.

Hamburger Bothe 22 erschienen

Ganz frisch ist der neue Hamburger Bothe, die Ausgabe 22 der nördlichen Pirckheimer-Freunde, die aber mittlerweile weit über den Erscheinungsort Hamburg hinaus wirkt, am heutigen 01. Juni erschienen. Die Zeitschrift, die in der Corona-Zeit als Verständigungsorgan in schweigsamer, in treffarmer Zeit gegründet wurde, bildet mittlerweile neben den Marginalien ein zweites Periodikum der Gesellschaft. Wie immer haben die Herausgeber Rudolf Angeli und Peter Engel eine feine Auswahl an Themen und Informationen für die Bibliophilen und Bücherverrückten getroffen und kompiliert. So kommen Paul Hennig, Abel Doering und Rainer Ehrt zu Wort, es wird über den Stand der Subskription für das neueste Werk des Verlags Angeli & Engel informiert (man beeile sich bereits bei den regulären Exemplaren!); primäre Texte gibt es von Arne Rautenberg: zwei visuelle Gedichte. Doering schreibt über den Engel der Geschichte von HAP Grieshaber und Henning über seine Sammlung ostdeutscher Kunst vor und nach der Wende, hier mit besonderem Fokus auf die anerkannt Großen einerseits wie gleichsam die Außenseiter des Sammelgebiets, hier v. a. mit den ausgedehnten Sammlungen zu Wolfgang Henne und Ulrich Tarlatt. Es gibt da ein Porträt der Pegasus-Presse und den vierten Teil von Serenpendity. Ein besonderes Highlights des Heftes ist die Vorstellung einer antiquarischen Neuerwerbung des Reprints des vollständigen Wandsbecker Bothen von Matthias Claudius (1740–1815), die Ausgabe der Zeitschrift, die Claudius von 1771 bis 1775 herausgab und redigierte, beschließt den Reigen dieser wieder gut gefüllten Nummer des (sic:) Hamburger Bothen Nr. 22. Die Online-Ausgabe bekommt man hier: Rudolf_Angeli@web.de.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 31.05.2024

Drei Ausgaben des "Kaptitän Pamphile": Am 07.06. spricht Robert Grieger in Magdeburg über Dumas.

Vorstellung: Alexandre Dumas’ Roman „Kapitän Pamphile“ (1839)

NEUES AUS ROBERTS KLEINER BÜCHERECKE

Meine kleine Buchvorstellung dient als Teaser für meinen Vortrag am 07. Juni 2024 bei den Magdeburger Pirckheimern im Literaturhaus der Elbestadt (Thiemstraße 7, 39104 Magdeburg, Stadtteil Buckau). Er widmet sich Leben und Werk von Alexandre Dumas dem Älteren (1802–1870), der der meistgelesene Autor französischer Sprache in Deutschland ist. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Vortragssaal des Literaturhauses. Heute im Fokus: sein Kapitän Pamphile von 1839.

Alexandre Dumas:
Kapitän Pamphile.
Aus dem Französischen
von Jörg Trobitius.
Mit einem Nachwort
von Alex Capus.
München: Manesse 2007,
Bibliothek der Weltliteratur,
geb., 400 S., 13,45 Euro,
ISBN 978-3-71752-112-9.

Alexandre Dumas:
Kapitän Pamphile.
Jörg Trobitius (Übersetzer)
Sonderausgabe Büchergilde Gutenberg
Illustriert von Dorothea Huber
Nachwort von Alex Capus
Vorzugsausgabe mit 2 nummerierten
und signierten origiginalen Grafiken,
geb., 269 S., antiquarisch,
ISBN 978-3-76325-940-3.

Einer mildtätigen Anwandlung folgend, rettet er, „der Verfasser“, in einem Pariser Delikatessen-Geschäft eine Schildkröte vor ihrem sicheren Ende als Suppeneinlage. Doch bereits anderntags ist er des Tieres und seiner unappetitlichen Essgewohnheiten gründlich überdrüssig. Kurzerhand macht er es seinem Freund, dem Maler Decamps, zum Geschenk, dessen Atelier bereits einer kleinen Menagerie gleicht. Die meisten der anderen Tiere haben einen weit längeren Weg hinter sich als der Neuzugang: Kapitän Pamphile, einer der illustren Bekannten des Malers, hat sie von seinen abenteuerlichen Seereisen mitgebracht. Und von diesen Reisen wird erzählt, wann immer Decamps seinen bunten Freundeskreis um sich sammelt. So erfährt man nicht nur, wie die Tiere in Pamphiles Hände gerieten, sondern auch, was der geschäftstüchtige Kapitän unterwegs sonst an skrupellosen „Heldentaten“ vollbracht hat. Dumas’ Kunstgriff besteht darin, die haarsträubenden Episoden sämtlich im Ton ungerührter Selbstverständlichkeit zu erzählen, als handle es sich bei Pamphiles merkantilen Schurkenstücken um Geniestreiche an Mut und Geschicklichkeit. Und aus dieser Doppelbödigkeit, den scheinbar drollig erzählten, doch alles andere als harmlosen Tier- und Seegeschichten, gewinnt der Roman seine einzigartige, bitterböse Komik.

Alexandre Dumas:
Captain Pamphile.
Hrsg. v. Gunter Reski u. Marcus Weber
Philo Fine Arts 2011, 25 Euro,
240 Seiten, davon 192 in Farbe.
Mit Texten von Esther Buss u.
Hans-Jürgen Hafner,
deutsch und englisch,
ISBN 978-3-86572-026-9.

Das Buch erschien begleitend zur von Gunter Reski und Marcus Weber kuratierten Ausstellung in der Sammlung Falckenberg / Phoenix Kulturstiftung, Hamburg-Harburg. Ausgangspunkt ist auch hier Alexandre Dumas’ aberwitziger Roman Kapitän Pamphile. Obwohl 1839 erstmals veröffentlicht, entpuppt sich das Frühwerk von Dumas gerade heute wieder als treffsicherer Kommentar zum aktuellen Zeitgeschehen. In ihm beschreibt Dumas belustigt in sarkastischem Unterton die wilden rücksichtslosen Abenteuer des Piratenkapitäns Pamphile. In der Ausstellung wurden nun bildträchtige Schlüsselstellen des Romans von den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern interpretiert. Auf diese Weise entsteht eine Art Bildroman oder Pictorial Novel, welcher/welche prägnante Erzählpassagen der Vorlage annähernd erkennen lässt. Eine vielfältige Autorenschaft führt hier auch zu einem Hauch Gesamtkunstwerk. Zudem mischt sich die vermeintlich vordergründige Bebilderung einer skurrilen Geschichte gezielt mit Reflexionen über das eigene Metier.

(Robert Grieger)

Do, 30.05.2024

Heinz Zander ist tot. | © by Stadtverwaltung Erfurt

Nachruf: Trauer um Heinz Zander

Heinz Zander (1939–2024), großer Maler und Grafiker der Leipziger Schule, der auch als Autor reüssierte, ist tot. Wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, starb er am 15. Mai 2024 nach längerer Krankheit in Leipzig. Anlässlich seines im Herbst anstehenden 85. Geburtstags wird gerade eine umfangreiche Auswahl aus seinem den Mythologien und dem Realismus gleichsam verpflichteten Werk im Erfurter Angermuseum gezeigt (der Blog berichtete). Pirckheimer-Freund und Zander-Kenner Peter Arlt schrieb dazu im Neuen Deutschland. Von ihm stammt auch der in der gestrigen Ausgabe der Zeitung erschienene Nachruf. Die Ausstellung in Erfurt, die nun als Retrospektive zugleich zur Hommage wird, ist noch bis zum 28. Juli des Jahres zu sehen. Die Kunstwelt verliert mit dem Meister Heinz Zander einen akribisch-eigentümlich-einzigartigen Magier seiner Fächer.

(André Schinkel/Pressemitteilung)