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Pirckheimer-Blog

Sa, 11.12.2021

Andreas Raub: Exlibris für Dr. Hartmut Polenz, 2012, Radierung

Hartmut Polenz (1940 - 2021)

Noch auf der DEG-Tagung im Oktober in Haltern sah man Hartmut Polenz und Heinz Decker in intensivem Gespräch vertieft einträchtig beieinandersitzen. Nun ist wenige Tage nach dem Tod von Heinz Decker auch Hartmut Polenz seinem längeren schweren Leiden erlegen. Er starb am 7. Dezember 2021 in Hamburg im Alter von 81 Jahren.

Hartmuts große Leidenschaft galt der Altertumsforschung. Er war Privatdozent und Dr. phil. habil., der u. a. in der Redaktion der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt tätig war und ab 1978 als wissenschaftlicher Referent am Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster arbeitete. Für die Vereinigung westfälischer Museen führte er von 1984 bis 1996 die Geschäfte und war von 1996 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2005 ihr Vorsitzender. Danach wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Vereinigung gewählt. In zahlreichen Schriften teilte er seine Forschungsergebnisse mit der historischen Fachwelt und interessierten Laien, insbesondere zur Geschichte und Archäologie der vorrömischen Eisenzeit und der Zeit der Römer und Germanen in Westfalen, besondere Schwerpunkte legte er auf keltische Kultur in Mitteleuropa und keltische Numismatik.

Zu seinen Interessensgebieten zählte aber auch die bildende Kunst, eine Leidenschaft, die er mit seiner Frau Anke Polenz, die er 2003 kennenlernte, teilte. Sie war 2001 in die Deutsche Exlibris-Gesellschaft eingetreten und förderte fast von Beginn an (v. a. jüngere) Exlibriskünstler aus Osteuropa. Und das taten dann beide, spätestens nach Hartmuts Eintritt in die DEG als Partnermitglied, gemeinsam. Die Namen der von ihnen geförderten Künstler und Künstlerinnen reichen von Jaroslav Minář aus Tschechien über Ivan Rusachek aus Belarus bis zu Rajmund Aszkowski aus Polen. Letzterer war es auch, der sie auf weitere polnische Künstler aufmerksam machte, wodurch u. a. eine besondere Verbindung mit Krzysztof Marek Bąk und Katarzyna Handzlik entstand.

Auf den DEG-Jahrestagungen trat das Ehepaar Polenz (Anke Polenz leitet seit 2014 die DEG-Geschäftsstelle) stets gemeinsam auf, und auch die jährlichen Hamburger Exlibris-Treffen in ihrem Privathaus organisierten beide gemeinsam – als kenntnisreiche Gesprächspartner, freundschaftlich, großzügig, hilfsbereit.

In seinen Exlibris wird Hartmut Polenz der Exlibriswelt für immer in Erinnerung bleiben. Wir trauern mit seiner Frau und seiner Familie und fühlen mit ihnen.

(Henry Tauber)

Abb. © ad

Perlen der Literatur

Vor einem guten Jahr startete der Hamburger Input-Verlag von Ralf Plenz die „Perlen der Literatur“, eine neue Buchreihe mit literarischen Höhepunkten europäischer Belletristik aus dem 19. und 20. Jahrhundert, neben Buchtiteln, die es lohnt, neu entdeckt zu werden auch einiges, was wiederzuentdecken oder ins Bewusstsein zu holen ist, wie sich an den ersten 13 Autoren der Perlenbibliothek zeigt, von Walter Benjamin und Robert Louis Stevenson über Gorch Fock und Christian Morgenstern (als Vorab-Auflage in kaschiertem Pappband) bis zu George Orwell und Heinrich Mann. Jeder Band der Perlenbibliothek kostet 15 Euro. Jährlich sollen 8 Titel dazukommen.

Zum einen ist diese Wiederentdeckung von fast Vergessenem interessant für Pirckheimer und andere Büchersammler und -freunde; um in der Sprache zu bleiben, die Hebung versunkener Schätze aus den Tiefen des literarischen Ozeans, eine Bergung wahrer Perlen. Und das mit Respekt vor dem ursprünglichen und zu Unrecht mitunter verschollenem Buch, so durch Erinnerung mittels beigefügter Faksimiles oder Abbildungen der der ersten Edition, zeitgenössischen Illustrationen und erläuternden, einordnenden Vorworten.
Zum zweiten wäre die Ausstattung zu nennen: eine individuelle, an den Inhalt angepasste Typographie, eine Bauchbinde mit kaligraphischer Gestaltung, deren Buchrücken nebeneinander gestellte den Namen der Reihe zeigt, einheitlich blauen Leineneinbänden mit silberner Prägung und farbiges, zum Buchtitel passendes Vorsatzpapier. Hardcover-Leineneinband, gutes Papier, sorgfältiger Druck und Fadenheftung versteht sich von selbst.

Die Reihengestaltung spricht vor Allem ein Publikum an, für welches diese literarischen Perlen dem Vergessen entrissen werden, sie sind prinzipiell neu übersetzt und sprachlich vorsichtig modernisiert und eventuell gekürzt, was aber, wo das geschehen ist, im besten Fall nur das Interesse am Original weckt.

Fr, 10.12.2021

Die Abenteuer des Müllers Crispin

Martin A. Völker, tätig u.a, an der Szczecin University und der Lessing-Hochschule zu Berlin, sieht sich als "Literaturarchäologe": sein Steckenpferd ist seit Jahren das Publizieren unbekannter Autoren.

Jetzt wurde von ihm im Elsinor Verlag, Coesfeld, ein märchenhafter Text von Juliane Karwath herausgegeben. Von der heute weitgehend vergessenen Schriftstellerin und Lehrerin, geboren 1877 in Straßburg und am 15.12.1931 in Weimar gestorben, erschienen zu Lebzeiten 14 Bücher.

Der Text ist, wie der an phantasievollen Texten interessierte Leser seht schnell bemerkt, zu unrecht vergessen, ihn wieder ins Bewustsein zu holen, ist ein dankenswertes Unterfangen des Herausgebers.
"Die Schriftstellerin Juliane Karwath versetzt ihre Leserschaft in ein Kaleidoskop lebendigster Fantasie. Mit einer Sprache, die an alte Märchen erinnert und doch der literarischen Moderne angehört. Das Erwachsenenleben wandelt sich beim Lesen in ein kindliches Abenteuer, wie wir es in unseren Träumen erleben und im Wachzustand ersehnen."
(aus dem Klappentext)

Juliane Karwath, Die Abenteuer des Müllers Crispin
Mit einem Essay hrsg. von Martin A. Völker
Elsinor Verlag, Coesfeld 2021
160 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-942788-58-8
16 Euro

Do, 09.12.2021

Johanna Binger (Foto © Yvonne de Andrés)

Die Welten zwischen den Buchdeckeln

Zum 75. Jubiläum des Börsenvereins stellt sich in einer Aktion des Buchhandels Berlin-Brandenburg auf der Seite bücherHEROES auch die Pirckheimerin Johanna Binger vor, welche die Büchergilde Buchhandlung am Wittenbergplatz betreibt:

"Lange Jahre war ich im Buchhandel in verantwortlicher Position tätig. Den Wunsch selbständig eine Buchhandlung zu führen bot sich mit der Büchergilde – Buchhandlung am Wittenbergplatz an. Ich habe es nie bereut. Diese Welten, die sich zwischen zwei Buchdeckeln verstecken und die Menschen dahinter haben mich immer fasziniert. Es bereitet mir eine große Freude diese Geschichten an Leserinnen und Leser zu vermitteln.
Mein Lieblingsbuch das keiner kennt ist Arthur Miller, "Fokus", aus dem Jahr 1945. Der Klassiker ist sein erster und hochaktueller Roman. Er setzt sich mit rassistischer Ausgrenzung und Diffamierung auseinander. Besonders hat mich an dem Roman diese langsame Beschreibung des sich entwickelnden Hasses beeindruckt. Der Roman wurde in der Büchergilde Gutenberg neu aufgelegt.
Seit März 2020 stehen wir durch die Corona-Pandemie vor ganz neuen Herausforderungen. Das hätte ich ohne die Unterstützung meines Teams nicht geschafft. Unser nächstes Projekt ist der Umzug der Büchergilde – Buchhandlung am Wittenbergplatz zurück in das neue DGB-Haus. Das wird eine große Herausforderung eine große Fläche dann neu zu bespielen.
"

(Johanna Binger)

Mi, 08.12.2021

JÖRG SEIFERT - KÖPFE

Vom Pirckheimer Jörg Seifert, *1968, Lyriker und Bildender Künstler aus Annaberg-Buchholz erscheint im Dezember 2021 in der Edition Kunstraum Michael Barthel das Heft KÖPFE.

(...) ich werde mich nicht aufschneiden, nie mein gedärm sehn, meine schwarze lunge
ich werde mich nicht kennenlernen
(...)
(...) ich werde mich nicht in luft auflösen, ich werde als staub auf deinem regal liegen,
auf dem boden, dem tisch, deinen schüsseln, vasen, den endlosen messern
(...)

8 Texte - 9 Abbildungen - 20 Seiten
HEFT: A5, Munken Papier, 1. Auflage 80 Stück
8 Euro + Porto

HEFT + EDITION: Unikate originale Monotypie
80 Euro + Porto

Ansicht des Heftes und der elf Monotypien hier

Di, 07.12.2021

Hendrik Liersch und Petrus Akkordeon bei der Buchvorstellung von "Füchse im April" (Foto: ad)

Füchse

Gestern wurde in einer eindrucksvolle Lesung in der Berliner Lettrétage mit Monika Rinck, Mikael Vogel, Petrus Akkordeon und Hendrik Liersch zum Thema "Füchse" auch das 2021 in der Corvinus Presse erschienene Buch "Füchse im April" vorgestellt.

Die Autorin Monika Rinck, die die Texte lieferte, lebt in Berlin und Wien. Seit 1989 diverse Veröffentlichungen in vielen Verlagen. Sie übersetzt, gemeinsam mit Orsolya Kalász aus dem Ungarischen, zeichnet, kooperiert mit Musikern und Komponisten und unterrichtet als Professorin am Institut für Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.
Der Abend wurde moderiert von Petrus Akkordeon, der auch die Illustrationen zu diesem Buch schuf.

Für den Satz zeichnet Harald Weller verantwortlich. Das Buch, 28 Seiten. 27 mal 38,5 cm, erscheint jeweils in 22 Exemplaren, nummeriert und signiert und mit zusätzlichen Illustrationen in Kassette von Stefan Cseh á 400 €, die Volksausgabe á 50 €.

Mo, 06.12.2021

Hamburger Bothe 7

In der 7. Nummer des „Bothen“ stellt sich Abel Doering, der für den Pirckheimer-Blog zuständig ist, selbst vor, die Hamburger Pirckheimerin Claudia Grasse wird von Rudolf Angeli porträtiert. Vom Mitherausgeber dieses Newsletters stammen auch ein spezieller Hamburger Rundgang und ein Ausblick ins neue Jahr.
Ein besonderer Schwerpunkt in jeder Ausgabe des „Bothen“ sind die unveröffentlichten Texte norddeutscher Schriftsteller. Diesmal ist es ein Auszug aus dem noch nicht publizierten Roman „Vaderland“ des Kieler Autors und Literaturwissenschaftlers Ole Petras. Er legt zudem dar, wie sich das Leben und Schreiben eines wachen Zeitgenossen in diesen Pandemiezeiten abspielt. Der von Petras gewählte Romanabschnitt macht Lust auf die Lektüre des gesamten Werks. Neben einem Hinweis auf die 17. Ausgabe der Anthologie „Ziegel“, des Hamburger Jahrbuchs für Literatur, findet der Leser Neues vom Verlag Angeli & Engel, dessen erstes Buch „Klaus Waschk – Vor&NachBilder. Zeichnungen zur Literatur 1971- 2021“ jetzt auch von der Zeitschrift „Graphische Kunst“ gewürdigt worden ist. All das empfehlen wir zur Lektüre und hoffen auf ein freundliches Echo.

(Peter Engel)

Der Hamburger Bothe Nr. 7 (pdf)
Post für bibliophile Leser und Sammler

So, 05.12.2021

November: Roland R. Berger (Edition Linksrum, Hohen Neuendorf)

Widerdruckkalender 2022

Der Kalender ist zwar – wegen verschiedener innerbetrieblicher Schwierigkeiten im Krisenjahr – wieder recht spät, nun aber doch noch rechtzeitig fertig geworden. Thema ist diesmal der 100. Geburtstag von Kurt Weidemann. Kurt Weidemann war einer wichtigsten und einflußreichsten Graphikdesigner und Typografen der Bundesrepublik. Und auch wenn der Schwarzdrucker von den grafischen Arbeiten Kurt Weidemanns meist nicht so begeistert ist wie seine Fangemeinde: als Autor und Meister des geschliffenen Wortes ist Weidemann auch für Schwarzdruck einer der Größten. Es gab nicht viele Typografen, die die im Grunde simplen Prinzipien von guter Typografie dermaßen pointiert und zutreffend in Worte fassten. Und sich gelegentlich auch zu weniger speziellen Themen äußerten. Der (bisher) letzte dieser Heroen war Kurt Weidemann.

Das wunderschöne Thema haben original(typo)grafisch bearbeitet: Oskar Bernhard (Rehlensche Handpresse Nördlingen), Daniel Kunz (Basel), Thomas Siemon (Carpe plumbum, Leipzig), Birgit Reichert (Sonnenbergpresse Chemnitz), Annette Vogel (Vogelpresse, München), Werner Enke (Harrisfeldwegpresse, Schweinfurt), Jürgen Meyer Jurkowski (Hamburg), Julienne Jattiot (Leipzig), Roland R. Berger (Edition Linksrum, Hohen Neuendorf), Thomas Konietschke (Kaefertalpresse, Eppenhausen) und Marc Berger (Edition Schwarzdruck, Gransee).

Es wurden wie immer 100 Exemplare im Format von 58 x 21 cm gefertigt, von denen allerdings die meisten nicht in den Handel kommen. Solange der Vorrat reicht, können Verkaufsexemplare zu Preis von 80 Euro im Shop des Schwarzdruck-Verlags geordert werden.

(Marc Berger)

Sa, 04.12.2021

Dr. Annette Ludwig wechselt in die Klassik Stiftung Weimar

Im Frühjahr wird die bisherige Direktorin des Gutenberg-Museums Dr. Annette Ludwig diese Funktion abgeben und den Museen der Klassik Stiftung Weimar vorstehen. Für dieses Engagement um das Erbe Gutenbergs in den letzten 12 Jahren ist der Vorsitzenden der Gesellschaft der Bibliophilen zu danken.

Vor einem Jahr hob das Gutenberg-Museum den von ihr initiierten "Mainzer Impuls'' aus der Taufe. Der Appell, der Aufmerksamkeit für den Erhalt der Gutenbergschen Technologie schaffen und das technische Know-How für zukünftige Generationen sichern will, findet nach wie vor eindrucksvolle Resonanz.
Über einen elektronischer Newsletter kann man sich weiterhin allmonatlich über aktuelle Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktivitäten des Gutenberg-Museums aufmerksam machen lassen und über Neuigkeiten aus dem Museum auf dem laufenden halten.

Fr, 03.12.2021

Rainer Ehrt, Zerstreute Sammlung (Foto und Montage: ad)

Zerstreute Sammlung

Rainer Ehrt stellte gestern Abend im Kleinen Säulensaal den Berlin-Brandenburger Pirckheimern einiges aus seinem Schaffen der letzten Jahre vor, zu dem jetzt auch ein von ihm illustriertes Bändchen mit erotischen Geschichten aus seiner Feder gehört.

Als Appetizer las der Autor eine gründliche, hintergründige Betrachtung zu allen Aspekten der aktuellen Situation, die uns Masken und eine stark reduzierte Teilnehmerzahl an diesem Bibliophilen-Abend aufzwang; Einschränkungen, die allerdings in keiner Weise das Vergnügen an den erfrischend vorgetragenen Erzählungen "Die Wanderin" und "Mandy" aus dem druckfrischen Band "Zerstreute Sammlung" schmälerten.

Das Bändchen erscheint in diesen Tagen in einer broschierten Normalausgabe (18 €) und einer limitierten und nummerierten "Exklusiven Ausgabe der Galerie Vevais" in 500 Hardcover-Exemplaren in origineller Fadenheftung mit einer kleinen Blindprägung (29,50 €). In allen Ausgaben sind, um den Schriftsatz in reinem Schwarz drucken zu können, die farbigen Illustrationen montiert. Eine geplante Vorzugsausgabe wird zusätzlich eine Original-Kupferradierung enthalten.

(ad)

Do, 02.12.2021

MDE Rundbrief 2021

Der diesjährige Rundbrief der Meister der Einbandkunst ist erschienen.

Zur Hälfte ist es ein hervorragend gemachter Katalog aktueller Bucheinbände von 14 Buchkünstlern von Anett Arnold über Angela Lenhof bis Frank Zachow, über die zweitgenannte Künstlerin findet sich im Heft darüber hinaus neben einer Umschlaggalerie ein sechsseitiges Porträt.
Außerdem finden sich im Forum Beschreibungen von Pergamentbänden in Durchbruchtechnik, die naturgemäße Verarbeitung von Pergament, über das jahrtausendalte Handwerk der Fertigung der Thora, sowie den Scharniereinband nach Edgard Claes. Abschließen berichtet Ulrich Widmann über das Kaschiereisen, ein fast vergessenes und neuentdecktes Werkzeug.

Die Auflage des Rundbriefs beträgt 500 Exemplare und geht allen Mitgliedern der MDE kostenlos zu.

Der Ketzer von Soana

Das Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner stellt das als Band 3 der Erkneraner Ausgabe des Quintus-Verlags von Gerhart Hauptmann "Der Ketzer von Soana" mit Radierungen von Hans Meid, mit denen die Ausgabe von 1926 bei S. Fischer illustriert war, in Anwesenheit von Stefan Rohlfs,der das Nachwort schrieb, sowie Wolfgang de Bruyn und André Förster vor. Es liest Cora Chilcott.

Gerhart Hauptmann veröffentlichte die Novelle Der Ketzer von Soana 1918 in der Neuen Rundschau, mit der er einen seiner größten Erfolge als Erzähler feierte. Darin schildert Hauptmann die Liebe eines jungen Priesters zu Agata und seine Hinwendung zur sinnlichen Leidenschaft.
Im letzten Kriegsjahr war das Publikum für solch einen Stoff empfänglich, es war von der Sehnsucht nach Frieden erfüllt und der militärischen Thematik mehr und mehr überdrüssig. So kam die Novelle, die eine Glückserfüllung vergegenwärtigte, gerade recht. Zugleich konnten die Todeserfahrungen und Todesängste am Ende des I. Weltkriegs kompensiert werden.
Selten fielen die Rezensionen so unterschiedlich aus. Während evangelische Kirchenkreise die Novelle zum Anlass nahmen, eine heftige Attacke gegen Autor und Verlag zu führen, zeigten sich Vertreter der literarischen Moderne begeistert und sahen darin eine „tiefe, heilende Erquickung“ Walther Rathenau.

Lesung: 9. Dezember 2021, 19 Uhr, 2G mit vorheriger Registrierung

Gerhart-Hauptmann-Museum
Gerhart-Hauptmann-Str. 1-2, 15537 Erkner

Mi, 01.12.2021

Jacobus Schnellpfeffer

"Bibliophiles des Monats" Dezember ist das kleine Bändchen "Jacobus Schnellpfeffer: Stecknadeln im Sofa. Nebst einem Anhang: Im Nachthemd durchs Leben. Ein süddeutsches Weihebühnen-Festspiel.", welches von Walter Rösler mit einem Nachwort versehen und 1997 im Eulenspiegel-Verlag herausgegeben wurde.

Die Gedichte von Jacobus Schnellpfeffer (mit bürgerlichem Namen Carl Georg von Maassen), den Erich Mühsam einen "gelehrten Spötter und ironischen Bücherwurm" nannte und von dem Ringelnatz als "hochgebildetem Mann von mitreißendem Humor" fasziniert war, erschienen zuerst im Simplicissimus, bzw. im Verlag des Vereins süddeutscher Bühnenkünstler. Maassen selbst machte sich auch als E.T.A.-Hoffmann-Forscher und Gründer der "Hermetischen Gesellschaft" einen Namen.  

Die Illustrationen des 88 Seiten starken Bändchens stammen vom Pirckheimer Albrecht von Bodecker, der auch den Umschlag entwarf und für die Vorzugsausgabe eine beigelegte signierte Originalgraphik schuf. Diese Vorzugsausgabe in 99 Exemplaren wurde im illustriertem Pappschuber in Surbalin, aus dem auch das Vorsatzpapier besteht, ausgeliefert.
Die Typografie lag in den Händen des Pirckheimers Matthias Gubig, Druck und Bindung besorgte die Offizin Martin Andersen Nexö, Leipzig.

Monika Jäger, Was sie umgab. © Monika Jäger

Buch des Monats

Manchmal geschehen Dinge ganz unverhofft. So geht es auch Milla, als sie in eine Kaffeedose schaut und auf einmal in einer völlig anderen Welt landet. Wie kam sie dorthin und vor allem, wie kommt sie wieder zurück? Von dieser Frage und dem darauffolgenden Weg handelt das Künstlerbuch "was sie umgab" von Monika Jäger, das in der diesjährigen Kinderbuch-Ausstellung zu sehen ist. Dieses Buch und andere eröffnen fantastische Welten, die es zu entdecken gilt. Monika Jäger wird einige Werke aus der Kinderbuchausstellung neben ihren eigenen Arbeiten vorstellen. Einige gelesene Passagen machen Lust, mehr in der Ausstellung im Klingspor Museums ab 5. Dezember zu entdecken.

Buch des Monats: 3. Dezember 2021, 14 Uhr, 2G, Anmeldung erforderlich: Tel. 069 8065 - 21 64
Ausstellung: 5. Dezember 2021  20. Februar 2022, es gilt 2G

Klingspor-Museum
Herrnstraße 80, 63065 Offenbach

Di, 30.11.2021

Bettina Haller, "Früh im Jahr", Acrylstich mit Holzschnitt kombiniert, Beil. zur Ausg. A und B

GRAPHISCHE KUNST 2/2021

Gleich im ersten Artikel werden die aktuellen Arbeiten der Chemnitzer Künstlerin Bettina Haller vorgestellt. Von ihr befindet sich in der A- und B-Ausgabe ein Acrylstich mit Holzschnitt. Durch den Artikel der Autorin Brigitte Milde kommen wir auch der Gedankenwelt von Bettina Haller näher. 

Fast schon philosophisch mutet der Titel des Artikels über den in vielen Metiers vertretenen Künstler Thomas Franke an. Im Schriftstellerischen und als Autor für Bühnenstücke und Filme (in denen er auch als Schauspieler zu bewundern ist) bewegt sich der Künstler ebenso sicher wie als Graphiker. Die in der A-Ausgabe beigelegte Digigraphie auf Büttenpapier bezeugt dies. 

Dr. Oliver Bentz nun stellt uns die österreichische Künstlerin Linde Waber vor. Ergänzend zu seinem Artikel in Heft 1/2018 über den Wiener Künstler und Professor Maximilian Melcher (1922-2002) bringt uns der Autor die Werke seiner Schülerin nahe. 

Eva Masthoff verführt uns in die Graphikwelt Chinas. Auch wenn der Artikel nur eine Annäherung sein kann, so zeigt uns die Autorin doch einiges von der Vielfalt graphisch arbeitender Ki.instler in diesem Riesenreich.

(Jürgen Schweitzer)