Pirckheimer-Blog

Fr, 22.04.2022

Kaestner / Reynolds, Covers
Kaestner / Reynolds, Doppelseite 4,5

Messingschriftenkatalog

»Aus einem anderen Blickwinkel« betrachtet haben zwölf Studenten im Wintersemester 2021/22 mit Dan Reynolds einen Messingschriftenkatalog der Krefelder Firma Otto Kaestner GmbH.

Die Gravieranstalt von Otto Kaestner operierte von 1876 bis 1937 in Krefeld. Vor allem in den 1880er- bis 1910er-Jahren hatte die Firma im buchgewerblichen Kreisen einen guten Ruf und erhielt auf Weltausstellungen Medaillen für ihre Erzeugnisse. Zeitweilig beschäftigte die Firma mehr als 100 Arbeiter. Unter anderem übertrug sie Bleisatzschriften in Messing. Messingschriften wurden zum Prägen von Bucheinbänden genutzt, da die weit verbreiteten Bleilettern dafür zu weich waren. Kaestners Schriftmusterkataloge weisen eine Fülle an Schriftentwürfen auf, die sich zu verschiedenen deutschen und amerikanischen Schriftgießereien zurückverfolgen lassen. Ein Schriftmusterkatalog (von 1910) der Otto Kästner GmbH befindet sich heute in der Sammlung der Staatsbibliothek in Berlin. Eine digitalisierte Version wurde für dieses Projekt erworben.

Dan Reynolds, Amerikaner in Krefeld, studierte Design und Schriftgestaltung in Deutschland, Großbritannien und den USA. Sein Forschungsschwerpunkt liegt bei den Schriftgießereien des deutschen Kaiserreichs. Seit 2009 ist er in der Designlehre tätig und seit 2020 als Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule Niederrhein.

Nach weiteren Recherchen u. a. im Krefelder Stadtarchiv haben die Studenten vektorisierte Kopien der Schriftzüge aus dem Katalog von Kaestner erstellt und in farbenfrohen Designs neu in Szene gesetzt. Entstanden ist eine Broschüre, die am Fachbereich selbst in zwei Druckverfahren auf unterschiedlichen Papiersorten gedruckt wurde: Neben dem herkömmlichen Laserdruck kam auch die gerade immer beliebter werdende Risographie zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um ein umweltschonendes Schablonendruckverfahren, ähnlich der Siebdrucktechnik. Die 100 Broschüren wurden von den angehenden Designern von Hand zusammengetragen und geheftet.

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat, kann die Publikation für 18 Euro über die Hochschule bestellen. Interessierte schicken einfach eine E-Mail.

Do, 21.04.2022

Abb. © Hanna Zeckau
Dark side, Abb. © Julienne Jattiot

Julienne Jattiot lädt ein

Hanna Zeckau und die Pirckheimerin Julienne Jattiot laden zu einer Ausstellung von Druckgrafiken "KARNEVAL DER TIERE" in Berlin ein.

Julienne Jattiot und Hanna Zeckau lernten sich Mitte der 90er-Jahre bei einem Schüleraustausch kennen. Später verschlug es sie beide nach Berlin und an die Kunsthochschule Weißensee.
Nach 27 Jahren deutsch-französischer Freundschaft fanden sie, es sei Zeit für eine gemeinsame Ausstellung. Es werden Siebdrucke sowie Hoch-, Flach- und Tiefdrucke gezeigt, die im Shining-Labor in Berlin, bei Jott P.M. (Berlin) und im atelier carpe plumbum in Leipzig gedruckt wurden – es erwarten euch viele, viele Tiere (und ein paar Menschen).

Eröffnung: 29. April 2022, 18 Uhr
Ausstellung: 29. April - 7. Juni 2022

Supalife Kiosk
Raumerstraße 40,10437 Berlin (Prenzlauer Berg)
_________________________

Zum Frühjahrsrundgang der Baumwollspinnerei in Leipzig öffnen Thomas Siemon und Julienne Jattiot ihre Druckwerkstatt fürs Publikum. Neben die historischen Druckpressen und Schriftregale sind zahlreiche Druckgrafiken zu sehen.

30.April - 1. Mai 2022, 12 - 18 Uhr

atelier carpe plumbum
thomas siemon & julienne jattiot
Spinnereistraße 7, 04179 Leipzig, Halle 18, Eingang 17C

Mi, 20.04.2022

Hansjörg Viesel (1941 - 2022)

Der Pirckheimer Hansjörg Viesel ist am 27. März im Alter von 80 Jahren verstorben.

Er war Inhaber des 1976 in Berlin Friedenau gegründeten Antiquariats Magister Tinius. Dieses Ladengeschäft löste er 1999 auf und führte es in Falkensee als Versandantiquariat weiter.
Als Antiquar gab er eine Reihe bemerkenswerter Kataloge heraus.
Der erste Spezial-Katalog 1978 widmete sich dem Thema „1945 Die Stunde Null“. 1990 erschien anlässlich einer Ausstellung über den Verleger Heinrich F. S. Bachmair in der Akademie der Künste Berlin ein Katalog „Der Verleger Heinrich F.S. Bachmair 1890 bis 1960 – Expressionismus, Revolution und Literaturbetrieb“. Zum 100. Geburtstag von Bertolt Brecht wurden über 870 Titel zusammen getragen. Der Katalog „Der Kalte Krieg in Ost und West 1945 bis 1970“ enthielt eine große Sammlung von Exponaten mit Broschüren, Flugblättern, Tarnschriften und Plakaten. Genannt sei noch der Katalog „Poesiealbum 1 – 275“, der zugleich eine Bibliographie der von 1967 – 1990 im Verlag Neues Leben Berlin erschienenen Lyrikhefte war.

Di, 19.04.2022

Heike Ellermann, spuren & narben / zeit-zeugnisse

Spuren & Narben

Einladung zur Premiere des Künstlerbuches von Heike Ellermann "spuren & narben / zeit-zeugnisse".

Zur Präsentation des Buches kommt die Komposition "MONODRAM" von Christoph Keller (Oldenburg) zur Uraufführung.
Ausführende: Ute Pukropski (Akkordeon)

zum Prospekt (pdf).

8. Mai 2022, 12 Uhr

Denkort Bunker Valentin in Bremen-Farge
Rekrumer Siel, 28777 Bremen

Mo, 18.04.2022

Collage aus Bilddetails zu verschiedenen Fühmann-Büchern

Franz Fühmann-Ausstellung

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Franz Fühmann findet im Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur eine Ausstellung "Von Anna Humpelhexe bis Zacharias Zappelbein" statt.

Präsentiert werden Originale der Illustrationen von Kristina Andres, Eberhard und Elfriede Binder, Inge Friebel, Annegert Fuchshuber, Jacky Gleich, Angela Hampel, Egbert Herfurth, Gudrun Hommers, Susanne Janssen, Harry Jürgens, Werner Klemke, Bernhard Nast, Petra Probst, Núria Quevedo, Dieter Wiesmüller und Gertrud Zucker.
In der Ausstellung wird auch das Buch der Bücherkinder Brandenburg "Bücher fallen nicht vom Himmel" mit allen Farbradierungen der Kinder präsentiert.

Ausstellungseröffnung: 30. April 2022, 15 Uhr, in Anwesenheit von Kristina Andres, Gudrun Hommers, Susanne Janssen, Petra Probst, Núria Quevedo, Gertrud Zucker und Armin Schubert mit den Bücherkindern Brandenburg, Redner: Joachim Hamster Damm, Anmeldung erforderlich bis 23. April 2022
Ausstellung: 30. April - 31. Juli 2022

LesArt - Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur
Weinmeisterstraße 5, 10178 Berlin

So, 17.04.2022

Trotz alledem: Frohe Ostern!

Ein Ostergruß soll hier auf keinen Fall unveröffentlicht bleiben.

Unser Mitglied Bernd Friedrich Schulz druckte und colorierte eine Holzstichplatte (ca. 1850) aus seiner Sammlung und versah sie für das Jahr 2022 mit dem Titel "Kein Wunder, dass er davon rennt...".

Do, 14.04.2022

Frohe Ostern

Allen Lesern des Blogs der Pirckheimer-Gesellschaft und Freunden des Buches wünsche ich ein schönes, sonniges Osterfest!

Die abgebildeten flotte Osterhasen entstanden in der Brandenburger Kinder- und Jugend-Kunst-Galerie „Sonnensegel“ in mehreren Farben und Varianten.

Mi, 13.04.2022

Endinger Büchermarkt 2022

Bücherfreunde können sich freuen: Der Endinger Büchermarkt wird künftig eine Zweitagesveranstaltung!

Der Büchermarkt war bisher eine reine Sonntagsveranstaltung und hat 2021 erstmals an beiden Wochenendtagen stattgefunden. Die Veranstalter haben sich bewusst für eine zweitägige Veranstaltung entschieden.
Ende Mai heißt es also Samstag und Sonntag stöbern, bummeln und Schätze finden in der historischen Altstadt Endingen! Jeder kann mitmachen!
Verkauft werden dürfen Bücher, alles aus Papier, CDs und Schallplatten. Marktzeit von 11 bis 18 Uhr.

28. - 29. Mai 2022

Endingen am Kaiserstuhl

Di, 12.04.2022

© Julia Dürr

Bücherfrühling in Berlin und Brandenburg

Zum 2. Bücherfrühling in Berlin und Brandenburg präsentieren Verleger bei frischer Luft, Sonnenstunden auf der Parkbank und im Laden ein grenzenloses Lesevergnügen ihre Lieblingsbücher - originelle Büchertische, Lesungen und Gespräche mit Autoren laden zu Neuentdeckungen ein. Quer durch Stadt & Land erblühen Schaufenster, die zu ausgedehnten Spaziergängen von Buchhandlung zu Buchhandlung einladen.

Johanna Hahn, Geschäftsführerin des Börsenvereins Landesverband Berlin-Brandenburg, skizziert das Konzept: "Bunt, frei, vielfältig – was gibt es Schöneres als aufzubrechen und neue Welten zu entdecken? Mit über 60 Veranstaltungen lädt der Bücherfrühling ein, in Berlin und Brandenburg Autor*innen und anderen Büchermenschen zu begegnen.
Brandenburgische Buchhandlungen und Bibliotheken bieten eine feine Auswahl an Lesungen vor Ort – und auch in Berlin sind literarische Neuentdeckungen in Hülle und Fülle geboten. Dass wir am 23. April, dem Welttag des Buches, in den Bücherfrühling starten, ist kein Zufall
."

Schwerpunktveranstaltungen sind online unter stadtlandbuch.de zu finden.

Der Bücherfrühling 2022 wird durch das Programm "Neustart Kultur" gefördert.

Bücherfrühling: 23. April - 1. Mai 2022

Mo, 11.04.2022

Unheimlich Fantastisch – E.T.A. Hoffmann

Die Eröffnung der Ausstellung Unheimlich Fantastisch – E.T.A. Hoffmann 2022 in der Berliner Staatsbibliothek ist auf August verschoben worden. Damit wird die Ausstellung im Stabi Kulturwerk stattfinden.

Die neuen Laufzeiten der Berliner Ausstellung bedeuten eine teils parallele Präsentation mit der Bamberger Ausstellung. Am geplanten Konzept ändert das aber nichts, denn einige Originalmaterialien können aus konservatorischen Gründen ohnehin nur höchstens drei Monate gezeigt werden, so dass sie und die Staatsbibliothek zu Berlin häufig verschiedene Exponate zum selben Thema präsentieren und gelegentlich auf Reproduktionen zurückgreifen. Zudem hat jeder Ausstellungsort eigene Schwerpunktthemen, so dass nur wenige Anpassungen notwendig waren. Liebhabern und Reisefreudigen ist also unbedingt ein Besuch aller drei Ausstellungen ans Herz gelegt.

Ausstellung Staatsbibliothek Bamberg: 24. Juli - 29. Oktober 2022
Ausstellung Staatsbibliothek zu Berlin: 17. August - 2. November 2022
Ausstellung Dtsch. Romantik-Museum Frankfurt a.M.: 24. November 2022 - 12. Februar 2023

So, 10.04.2022

Marginalien 244 mit Typografischer (Albrecht von Bodecker) und Graphischer Beilage (Uwe Pfeifer: Hin und her, Holzschnitt, sign.)

MARGINALIEN #244

Zur artbook.berlin nord konnten die Marginalien #244 bereits vorgestellt werden, am Montag darauf hatten sie die meisten Pirckheimer in ihrem Briefkasten. 

"Das seltene Finden. So betitelt Albrecht von Bodecker vor gut 35 Jahren seine Erfahrungen mit Antiquariaten. Er schreibt nicht: Das Seltene finden. Er stellt nicht die Trouvaille in den Mittelpunkt, sondern die Suche. Der Prozess ist ihm wichtiger als das Produkt. Auf dem Weg zum geliebten Fund wächst der eigentliche Schatz: Wissens- und Wahrnehmungserweiterung. Es hat schon etwas Zen-haftiges, dieses Stöbern nach schönen Büchern. Nachzulesen in unserer Typografischen Beilage, mit der wir dem Buchkünstler zu seinem 90. Geburtstag im April gratulieren.
Ums Suchen geht es auch in anderen Beiträgen unserer aktuellen Ausgabe. Die Suche nach angemessener Form zum Beispiel, von der Sabine Knopf berichtet. Sie porträtiert Friederike Pondelik, die langjährige Künstlerische Leiterin des Reclam-Verlags Leipzig.
[...]
Fast schon manisch suchte ein anderer Gestalter nach der idealen Form: Willy Wiegand und seine Bremer Presse wollten nichts mehr als das Buch an sich neu zu erfinden, landete bei klassizistischer Askese, was in einigen der schönsten Bücher des 20. Jahrhunderts gipfelte – aber auch im Konkurs, wie Helmut Steffens für uns erzählt. Auch Christof Kugler sucht: Alles zum Spanischen Bürgerkrieg. Christoph Links besuchte den Arzt aus Frankfurt am Main [...] Jens-Fietje Dwars spürt im Atelier von Uwe Pfeifer der »Magie der Sachlichkeit« nach, dem Suchen nach Gewissheiten hinter nüchterner Darstellung, [...]
Und schließlich erzählt Christiane Hoffrath von der Suche nach Wahrheit – nicht nur von der astronomischen Galileo Galileis, sondern auch von der über dessen erstes Buch, dem Sternenboten von 1610, ausgelöst durch eine spektakuläre Fälschung."

(Till Schröder, Editorial)

Sa, 09.04.2022

Beyond the Archive

Die Pirckheimer-Gesellschaft hatte auf der artbook.berlin nord vor wenigen Tagen ihren Stand unmittelbar neben dem erstmals an dieser Messe teilnehmendem Klingspor Museum. Und dort fiel neben anderen Publikationen des Hauses vor allem ein Titel ins Auge:

Typografiestudenten und -absolventen der Hochschule für Gestaltung Offenbach sind in einem Kurs der Geschichte der Schriftgießerei Gebr. Klingspor nachgegangen mit dem Ziel, im Klingspor Museum eine Ausstellung zum Archiv dieser Firma zu kuratieren. Begleitend dazu entstand die Publikation „Beyond the Archive“ als Bestandteil dieser Ausstellung.
Es wird sowohl die Geschichte des Schriftproben-Archivs als auch die Geschichte der Schriftgießerei, sowie der Zusammenhang von Typografie und Zeitgeschichte behandelt. Der Titel des Abschnitts von Julia MeerGestaltung ist Ausdruck ihrer Zeit, aber auch prägend für die Zukunft“ könnte dabei das Motto dieses Katalogs sein.
Der hervorragend gestaltete „Katalog“ (132 S., brosch.), welcher mit historischen Fotos von Angestellten und aus dem Buch „Aus dem Betriebe“ (128) illustriert ist, besticht vor allem auch durch die abgebildeten Schriftproben. Es ist in einer Auflage von 175 Exemplaren erschienen.

Fr, 08.04.2022

Udo Würtenberger, zweifarbiger Holzschnitt

Aurelius Vita und armenische Nachtigall

Holzschnitt- und Linolschittzyklen von Udo Würtenberger, Layout und Schriftsatz: Michael Ley.

In einer Ausstellung der Galerie Udo Würtenberger werden die "Vita Sancti Aurelii", die mittelalterliche Nacherzählung des Lebens und Wirkens des Heiligen Aurelius und "Die armenische Nachtigall", eine Sammlung von Liebesgedichten des armenischen Schriftstellers Nahabed Kutschak aus dem 16.Jahrhundert gezeigt.
Beide Werke wurden in Anlehnung an die mittelalterliche Buchmalerei mit farbigen Holz- und Linolschnitten versehen und als Buch-Unikate gestaltet.

Die ursprünglich für Mitte Dezember 2021 geplante Ausstellungseröffnung kann jetzt nachgeholt werden. 

Vernissage: 24. April 2022, 12 Uhr, musikalische Umrahmung: Quartett Leolino, Hamburg

Galerie Udo Würtenberger
Elberfelder Straße 10, 10555 Berlin

Do, 07.04.2022

Rainer Ehrt, Mann mit Hasenpanier

KRAFT - WERK - KUNST

Die erste Ausstellung der Potsdamer Galerie KUNST-KONTOR 2022 steht unter dem Motto "Gehauen & Gestochen - Gesägt & Geschnitten... KRAFT - WERK - KUNST"

Kunst herzustellen ist von seinem Ursprung her ein sinnlicher Akt. Es ist ein Akt, der ohne die Energie des Körpers schwer denkbar ist, der an die Kraft von Muskeln und Intellekt gebunden bleibt. Ohne das diffizile Zusammenspiel der Sinne, der Nerven mit der Hand und dem Körper bleibt die Idee ein Phantom. Das hatte schon Aristoteles in seiner POETIK erkannt. Erst im Dreiklang aus handwerklicher Fertigkeit, Denken und Phantasie hebt sich der wirkliche Künstler aus dem Kreis der Kunstschaffenden hervor.

Die vielseitig arbeitende Künstlerin Friederike Krusche präsentieren wir in der Galerie zum ersten Mal mit einer Anzahl von sensiblen, farbigen Mischtechniken, die in aufwendigen Arbeitsprozessen entstehen. Von Sibylle Prinzessin von Preußen sind einzigartige, feinsinnige CUTs und Scherenschnitte zu sehen. Der Pirckheimer Rainer Ehrt präsentiert u.a. neue großformatige Holzschnitte, die in der Technik der „Verlorenen Platte“ entstehen. Wie man in schwierigen Zeiten seinen hintergründigen Humor nicht verliert und gleichzeitig am Puls der Zeit ist, davon zeugen auch die neuen Holzskulpturen von Peer Oliver Nau. Und Richard Rabensaat kennt man in der Berliner Szene als vielseitigen und umtriebigen Künstler und Kurator. Nun ist er auch in der Brandenburger Metropole als Künstler angekommen.

Ausstellung: 7. April - 17. Mai 2022

Galerie Kunst-Kontor
Bertiniweg 1A, 14469 Potsdam

 

Mi, 06.04.2022

Dichtung in 3D

Wenngleich Texte vornehmlich zwischen zwei Buchdeckeln oder auf Bildschirmen gelesen werden, so gibt es doch zahlreiche weitere Formate und Materialien für die Präsentation von Texten. Die neue Ausstellung der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig wird unter dem Titel „Dichtung in 3D. Textskulpturen und Gedichtobjekte seit 1960“ mit einer großen Vielfalt gestalterischer Ausdrucksformen für Geschriebenes überraschen. Dabei sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt: Ob Konkrete oder Akustische Poesie, ob Textfilme, Papierarbeiten oder Beispiele früher digitaler Poesie - gezeigt werden radikale Ansätze renommierter Vertreter*innen der experimentellen Poesie, die die facettenreichen Verbindungen von linearem Text und raumgreifender Form zeigen. Dabei sind u.a. Exponate von John Cage, Carlfriedrich Claus, Peter Downsbrough, Valie Export, Carlos Ginzburg, Ferdinand Kriwet, Franz Mon, Ewa Partum, Octavio Paz, Timm Ulrichs und Peter Weibel. Mit überraschend moderner Haltung und klaren Statements zur Entgrenzung des Mediums bereichern die ca. 80 internationalen Arbeiten den aktuellen Feuilleton-Diskurs um das sogenannte „Ende des Buches“.

Eröffnung: 7. April 2022
Ausstellung: 8. April - 30. Oktober 2022

Deutsche Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Di, 05.04.2022

Joachim Pohl (Foto: ad)

Joachim Pohl (1947 - 2022)

Der Pirckheimer Joachim Pohl, von vielen als eine "Kunstinstitution in Pankow" bezeichnet, ist kurz nach seinem 75. Geburtstag nach langer Krankheit verstorben.

Joachim Pohl begann nach dem Abitur am Friedrich-List-Gymnasium und dem gleichzeitigen Abschluss einer Lehre als Betriebsschlosser 1966 ein Studium der Germanistik und Kunsterziehung an der Humboldt-Universität. Seit Mitte der 60er-Jahre war Pohl aber auch selbst künstlerisch tätig. Als Diplomfachlehrer für Kunsterziehung arbeitete er dann bis 1975 an der Wilhelm-Pieck-Oberschule, dem heutigen Rosa-Luxemburg-Gymnasium.

Es folgten zwei Jahre als freischaffender Kunstwissenschaftler, Kurator, Publizist und Maler. 1977 begann als Galerist zu arbeiten. Er wurde Leiter der Galerie am Prater in Prenzlauer Berg. In dieser Eigenschaft setzte er in der DDR-Hauptstadt Akzente.

In den Wendejahren war er Mitbegründer des Kunstvereins Pankow. Seine Galerie, die er seit Juni 1993 betrieb und in der auch die Berlin-Brandenburger Regionalgruppe einige ihrer bibliophilen Abende erlebte, wird seit dem März 2019 von Andreas Wolf und Archi Galentz weitergeführt.

Zuletzt erlebten wir ihn mit einem Vortrag zu seinem Sammelgebiet von Popart-Graphik, die er u.a. zum Jahreswechsel in einer Ausstellung in den Pankower Rathauspassagen zeigte.

Seine Beisetzung findet am 13. April statt.

© Ulrike Theusner

SURPRISE - Die Kunst der Monotypie

Unter diesem Titel widmet sich die Städtischen Galerie Wolfsburg dem Medium der Monotypie.

Seit der Erfindung Mitte des 17. Jahrhunderts durch den italienischen Barockkünstler Giovanni Benedetto Castiglione (1609-1664) hat sich die Monotypie zwischen den tradierten Kunstformen Malerei, Zeichnung und Grafik eine ganz spezielle Nische erobert. Im späten 19. Jahrhundert erlebte sie mit Edgar Degas und Paul Gauguin dann eine erste Blütezeit. Doch gerade auch in der zeitgenössischen Kunst wird diese besondere Drucktechnik, die in der Regel immer nur ein einziges, gültiges Exemplar hervorbringt, sowohl von den Ausführenden als auch von Sammlern zunehmend geschätzt.

Im deutschsprachigen Raum ist dies seit Langem die erste umfassendere institutionelle Ausstellung zu diesem Thema. Direktorin Prof. Dr. Susanne Pfleger hat die Schau in enger Zusammenarbeit mit dem Münchner Galeristen Matthias Kunz (Knust Kunz Gallery Editions) zusammengestellt.

Die Ausstellung versammelt mehr als ein Dutzend zeitgenössische Positionen. Die international zusammengesetzte Künstlerliste umfasst Protagonisten mehrerer Generationen. Sie reicht von Gerhard Richter, Per Kirkeby, Günther Förg und John Cage über Herbert Brandl und Shara Hughes bis hin zu Wolfgang Ellenrieder, Ulrike Theusner und David Mildner. Das Spektrum der gezeigten Arbeiten reicht dabei von Landschaftsdarstellungen, Stillleben und Porträts über eher abstrakt gehaltene Darstellungen bis hin zu experimentellen, seriellen und eher konzeptuell aufgefassten Monotypien.

Im Rahmen des Ausstellungprojekts sind die verschiedensten praktischen Angebote in der Druckwerkstatt im Schloss Wolfsburg sowie in der Bürgerwerkstatt geplant. Freude am Experimentieren und das Entdecken der Technik sollen dabei im Vordergrund stehen. Daneben werden Künstlergespräche in der Druckwerkstatt angeboten, die sich an das Fachpublikum richten und in Zusammenarbeit mit der HBK Braunschweig sowie der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle organisiert werden. In der Druckwerkstatt wird begleitend zur Ausstellung eine Edition entstehen.

Ausstellung: 2.April - 14. August 20022

Städtische Galerie Wolfsburg
Schlossstraße 8, 38448 Wolfsburg

Mo, 04.04.2022

Werner Klemke, Liebeserklärung an Berlin, 1977/2021

eine Liebeserklärung

Vom Pirckheimer Matthias Haberzettl wurde in diesem Jahr als Publikation zu Werner Klemke, die an einige Interessierte und Freunde seit Jahren vom Klemke-Enthusiasten zum Jahreswechsel verschickt werden, jetzt eine Zusammenstellung von Graphiken versandt, die unser Gründungsmitglied für das DDR-Fernsehen schuf.

Diese Graphiken „nehmen im Werk Werner Klemkes einen nicht unbeträchtlichen Raum ein. Neben einzelnen Tafeln die zum Beginn des jeweiligen Programms eingeblendet wurden [...] bilden die hier vorliegenden Grafiken zu zu dem Dokumentarfilm »Liebeserklärung an Berlin« einen in meinen Augen besonderen Kristallisationspunkt dieses Teil-Œuvres“ .

(Matthias Haberzettl)

So, 03.04.2022

Hamburger Bothe 9

"[...] der Zeichner Klaus Waschk [kommt] zu Wort, der als Beilage zu seinem bei Angeli & Engel erschienenen Buch „Vor&NachBilder – Zeichnungen zur Literatur 1971-2021“ einen Linolschnitt zum berühmten „Kriegslied“ von Claudius gestaltet hat. Angesichts der fürchterlichen Bilder von Zerstörung und Elend aus der Ukraine erinnert sich der aus dem damaligen Insterburg in Ostpreußen stammende Künstler an seine Flucht vor der Roten Armee. Einen Hauptbeitrag dieser Ausgabe hat uns Wolfram Benda gestiftet, eine Darstellung seiner bedeutenden Bear Press, die Maßstäbe in der deutschsprachigen Bibliophilie gesetzt hat. Hervorgehoben seien auch die Gedichte von Steffen Brück, mit denen wir unsere Reihe mit Präsentationen von Gegenwartsautoren fortsetzen. Und auch ein Wort über das nächste Buch des Verlags Angeli & Engel darf in dieser Ausgabe nicht fehlen: Wir bringen bis zur Jahresmitte das Buch „Figur&Kontext“ des Künstlers und Autors Rainer Ehrt heraus, der in dem Band nachdrücklich darauf aufmerksam macht, dass er ebenso gewandt die Zeichen- wie die Schreibfeder zu führen versteht. Wir laden zur Vorbestellung des Buches ein, dem für die Vorzugsausgabe ein extra aus diesem Anlass geschaffenes Selbstbildnis beigegeben wird."

(Peter Engel, aus dem Editorial)

Hamburger Bothe Nr. 9 (pdf)
Post für bibliophile Leser und Sammler

Sa, 02.04.2022

Zeichnung von Hartmut Andryczuk (Vorzugsausgabe)

Quarantäne Updates Shanghai

Von Christian Y. Schmidt erscheint, herausgegeben von Hartmut Andryczuk im Hybriden-Verlag, "Quarantäne Updates Shanghai. Ein Feldforschungsbericht"

"Montag, den 8. November, Tag 1

10:12 Uhr. Nehme mir die Papiere vor, die ich gestern noch nicht gelesen habe, weil ich zu erschöpft war. Das wichtigste ist offenbar ein DIN-A-4-Blatt mit der Überschrift „Notice“, das zweiseitig bedruckt ist. Auf der ersten werden mehrere Gesetze zitiert, auf die man sich stützt. Dann kommt man zum fettgedruckten Punkt: „All those who have traveled to or lived in severly affected countries within the previous 14 days are required to have the body temperature checked upon the arrival and to take 14-day home quarantine or centralized quarantine observation.“ Anschliessend wird erklärt, dass die staatlichen Organe Zwangsmaßnahmen gegen die ergreifen können, die sich nicht an die angeordneten Maßnahmen halten. Zum Schluß wird es noch einmal fettgedruckt und sogar gesperrt: „LAST AND NOT LEAST, DO NOT leave your room without any permission. Otherwise, you will probably get prosecuted and fined, according to the Chinese legislation, for committing the crime of endagering public security.“ Verstanden, wenn ich das Zimmer verlassen, begehe ich ein Verbrechen.

11:27 Uhr. Immer noch deutlich zu kalt im Zimmer. Versuche, die Rezeption telefonisch zu erreichen, stelle mich aber zu dumm an. Ziehe meinen Mantel an. Kurze Befürchtung, ihn zwei Wochen lang zu tragen. ..."

Edition: 128 Seiten, gebunden. Mit fünf farbigen Abbildungen
Quarantäne-Video (DVD) von Christian Y. Schmidt
Beilage: Originalzeichnung "ROOM 5038" von Hartmut Andryczuk
Normalausgabe: 100 Exemplare, signiert und nummeriert
Auslieferung ab Montag 4. April 2022
100 €