Pirckheimer-Blog

Mi, 20.05.2026

Der LBA war am 12. Mai 2026 im Bach-Archiv zu Gast.

Der LBA zu Besuch im Bacharchiv

Das Bach-Archiv in Leipzig (Thomaskirchhof 15, 04109 Leipzig) zählt zu den bedeutendsten Musikarchiven Deutschlands. Untergebracht ist es im Bosehaus in unmittelbarer Nachbarschaft der Thomaskirche und der Thomasschule, den Wirkungsstätten des Komponisten in seiner Leipziger Zeit. Das 1950 gegründete Archiv stützt sich bei seinen Forschungen auf eine reiche Sammlung an Noten, Autographen, Originaldrucken Bach’scher Kompositionen und anderen Zeugnissen seines Schaffens, seiner Familien- und der Zeitgeschichte. Zimelien, die für Musikliebhaber wie Bibliophile gleichermaßen von hohem Reiz sind.

Professor Dr. Peter Wollny, Leiter des Archivs, und Dr. Markus Zepf, der musikwissenschaftliche Referent, gewährten den Mitgliedern und Freunden des Leipziger Bibliophilen-Abends am 12. Mai Einblicke in die Schätze und in die Arbeit des Archivs. Im Sommersaal legten sie ausgewählte Exponate vor. Zu ihnen zählte ein Originaldruck der Goldberg-Variationen ... das Notenbild auf Kupferplatten gestochen – frei von Hand, wie es in der Barockzeit Usus war, sagte Peter Wollny. Die handgeschriebene Vorlage wurde getränkt, um sie durchscheinend zu machen. 

Durch Nachzeichnen wurden die Noten seitenverkehrt auf die mit Wachs beschichtete Matritze übertragen. Der effizientere Notenstich mit Stahlstempeln, um 1730 in England erfunden, setzte sich erst später durch. Maximal hundert Abzüge seien von einer Kupferplatte möglich gewesen. „Danach kriegten sie die nicht mehr richtig sauber. Es bildeten sich Schatten.“ Von diesem Druck der Goldberg-Variationen seien wohl an die 30 Exemplare überliefert.

Aufschlussreich für die Bibliophilen war Wollnys Hinweis: Korrigiert wurde nach dem Drucken. Das sei klar zu erkennen ... Während die Variationen wenige Korrekturen erfuhren, war das beim Druck des Musikalischen Opfers anders. Da gibt es Stellen, die unsauber sind, offenbar in Eile in Kupfer gestochen. Und: Mehrere Mitglieder der Familie Bach haben sich nach dem Druck dem Korrektorat gewidmet. Der Titel dieser Ausgabe erfolgte im Buchdruck.

Das Bach-Archiv ist bestrebt, die Basis für seine Forschungen fortlaufend zu verbreitern. Dazu tragen Schenkungen und Leihgaben bei und gezielte Ankäufe bei Sammlern und Antiquaren, aber auch auf dem internationalen Auktionsmarkt. Unterstützung dabei leisten verschiedene Förderer, die Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs etwa und sein US-amerikanisches Pendant. 

Immer wieder gibt es auch Überraschungs- und Zufallsfunde, die den Horizont weiten. Gerade die Geschichten hinter den Zimelien, die über das eigentliche Zeugnis hinausweisen, sind bereichernd. Davon gab es einige an diesem Abend. Auch wenn grundsätzliche Fragen der Leipziger Forschung, die Professor Wollny benannte, erst einmal unzureichend beantwortet bleiben müssen: Was passierte nach dem Tod Johann Sebastian Bachs (1685–1750) mit seiner Notenbibliothek? Bestimmte er vorher schon, was an seine Söhne gehen sollte?

Wer sich Bach, seinem Leben und Werk, der Rezeption und der Familie zuwenden möchte – am Thomaskirchhof im Bach-Archiv ist er an profunder Adresse. Im selben Haus ist auch das Bach-Museum untergebracht. Weitere Informationen bietet die Webpräsenz www.bachfestleipzig.de.

(Ekkehard Schulreich)

Di, 19.05.2026

Berlin: Trauer um Harald Metzkes

Im Moment geht ganz augenscheinlich das Abschiednehmen um. Die Kunstwelt trauert um Harald Metzkes (1929–2026): Er gehörte zu den bedeutenden Vertretern der Berliner Malerschule, und am Ende seines Lebens standen zwei retrospektive Ausstellungen in Berlin (zum 95.) und Potsdam. Am vergangenen Donnerstag, den 14. Mai, ist Metzkes im Alter von 97 Jahren in Wegendorf, einem Ortsteil von Altlandsberg gestorben. Das Werk des gebürtigen Bautzners, der nach einer Steinmetz-Lehre in Bautzen in Dresden an der Hochschule für Bildende Künste studierte – und von 1955 bis 1958 Meisterschüler von Otto Nagel in Berlin war, überspannt mehr als sieben Jahrzehnte. Berlin, in dem die Kunstwelt ihn liebevoll den Cézannisten“ vom Prenzlauer Berg nannte, blieb er auch nach seinem Umzug nach Altlandsberg in den neunziger Jahren stets verbunden. Das Œuvre von Harald Metzkes erfuhr hohe und höchste Ehren – durch den Käthe-Kollwitz-Preis und den Hannah-Höch-Preis, die Einladung zur Biennale in Venedig, die Ehrenbürgerschaft von Altlandsberg, um nur einige zu nennen. Sein überaus umfängliches Werk wird seit 2011 auf einer eigenen Webseite gesichtet und dokumentiert. Dort finden sich auch Stimmen zum Werk wie ein Bilderverzeichnis. Die Bücherkinder schufen mit dem Künstler und seinem Sohn Robert 2020 ein gemeinsames Buch.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 18.05.2026

20.05.: Der Grimmschrat in Kassel

„Ihr Lieben, am Mittwoch gibt’s in Kassel in der Hofbuchhandlung Vietor einen Abend zum Grimmprojekt mit mir ...“, so hebt die Einladung von Künstler, Editeur, Performer und Pirckheimer Henrik Schrat an. „Toll, nochmal in der Heimatstadt der Grimms zu sein, und über das Projekt zu sprechen, und Bilder zu zeigen. Wie verknüpfen sich die Bilder mit der Realität, was steckt dahinter, wie sind die vielen Cameos zustandegekommen? Es gibt so viel zu erzählen ...“ Henrik Schrat hatte es sich zur edlen Aufgabe gemacht, das gesamte Märchenwerk der Gebrüder Grimm in einem mehrere Jahre währenden Großprojekt neu zu illustrieren und zu edieren. Ende letzten Jahres erschien mit dem himmelblauen der fünfte und letzte Band der Ausgabe, fest gebunden, auf feinem Papier, mit Silberschnitt im Thelem Verlag. Und wer den Schrat kennt, weiß, dass seine Auftritte Erlebnisse sind. Über das Grimmschrat-Cameo-System war es im Übrigen möglich, persönlich oder in Form eines persönlich gewählten Orts Teil der Ausgabe zu sein – denn das darüber eingeworbene Sponsoring half das Mammut-Werk zu vollenden und zu realisieren. Diese Neuausgabe der Kinder- und Hausmärchen nebst angeschlossenen Texten enthält alle 240 Märchen und anverwandte Werke, die die Grimms dereinst sammelten. Und Orte wie Kassel (oder Hanau) sind elementar für das Entstehen der Sammlung gewesen. Also – es kehrt der Schrat an einen authentischen Ort für seinen Auftritt. Am 20.05. um 19 Uhr bei Vietor am Ständeplatz 17, 34117 Kassel. Reservierung ist unter der (0561) 13 0 85 möglich. „Ich freu mich sehr, wenn ihr vorbeikommt und wir ein bissel schwätzen können im Anschluss. Bücher werden signiert.“ So der Schrat, in Vorfreude auf den Abend in Kassel.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 17.05.2026

Edward W. Godwin & Oscar Wilde: Dandys ... Dekadenz ... Moderne

Edward W. Godwin und Oscar Wilde. Dandys Dekadenz Moderne heißt die aktuelle Ausstellung im Bröhan Museum (Schlossstraße 01a, 14059 Berlin, direkt am Schloss Charlottenburg), die vom 02. April bis zum 30. August 2026 gezeigt wird. Die Ausstellung widmet sich zwei herausragenden Protagonisten des Aesthetic Movements, dessen Kult der Schönheit einen wesentlichen Impuls für die Entstehung der gestalterischen Moderne setzte. Ausgehend von der beispielhaften Verbindung von Kunst, Design und Lebensstil, die Godwin und Wilde kultivierten, beleuchtet die Schau die ästhetischen und gesellschaftlichen Grundlagen einer Bewegung, die über das 19. Jahrhundert hinaus wirkmächtig blieb und die Entwicklung des Designs beeinflusste. Edward William Godwin (1833–1886) war einer der radikalsten und einflussreichsten Designer des viktorianischen Englands. Der Schriftsteller Oscar Wilde (1854–1900) war ein enger Freund Godwins. Als ikonische Gestalt der viktorianischen Zeit prägte er das Lebensgefühl seiner Zeit zwischen Dandytum und Dekadenz. Godwin und Wilde waren Brüder im Geiste, deren künstlerisches Werk jeweils Ausdruck einer umfassenden Bildung und einer außerordentlichen Wissbegier war. Beide strebten sie nach einer ästhetischen Durchdringung des Alltags und seiner Verwandlung in Kunst. Zur Schau erscheint ein Katalog im Wienand Verlag. Der Katalog wurde von der Ernst von Siemens Kunststiftung unterstützt. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Dieses sowie alle anderen Infos sind auf der Website des Museums abrufbar ... auch ein Sommerfest ist bei Bröhan geplant.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Sa, 16.05.2026

Hingehn – Thomas Franke parliert am 17.05. in Bonn!

In Bonn: „Das letzte Problem“ mit Thomas Franke (Lesung am 17.05.)

Sir Thomas Franke, künstlerischer Tausendsassa und Pirckheimer-Freund aus Bonn, lädt für den Sonntag, den 17. Maien 2026 (Einlass ab 19 Uhr) zur Lesung Das letzte Problem in die Zone Blues Bar (Maxstraße 2a, 53111 Bonn, Telefon: (0228) 69 57 57) in die ehrwürdige Bundesstadt am Rhein ein. Oder wie er es ganz höchstselbst formuliert: „Jawollski, liebe Interessentinnen und Interessenten meines künschtelerischen Herumdilettierens, hiermit möchte ich nach langer Zeit wieder einmal ein Plakattewitsch im Internetz an die Litfaßsäule schlagen: ein Plakattewitsch, mit welchem ich darüber informiere, daß ich gegenwärtig eine Lesung vorbereite (...) zu der ich, mein lockeres Maulwerkzeug gebrauchend, Conan Doyles Holms’sche Kriminalgeschichte Das letzte Problem (auch Sein letzter Fall oder Sherlock Holmes’ Untergang) schwadronieren werde.“ Worum handelt es sich dabei? „Es handelt sich um Dr. Watsons Bericht vom Tod seines Freundes Sherlock Holmes (dem sich am 06. September dieses Jahres, im Rahmen der 20. Lesereise durch die Bonner Altstadt, am selben Ort vorgetragen, die überaus spannende, genial von Sir Arthur Conan Doyle geschriebene Kriminal-Erzählung über die ‚Wiederauferstehung‘ des Sherlock Homes, Im leeren Haus, anschließen wird). Dr. Watson, Freund und Mitarbeiter des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, beginnt seinen Bericht über seines Freundes Kampf gegen Holmes’ düsteren Widersacher, den gefährlichen Professor Moriarty, der mit dem Sturz der beiden in die beim schweizerischen Dorf Meiringen gelegenen Reichenbachfälle endet, mit den Worten: ‚Mit schwerem Herzen greife ich zur Feder, um den hervorragenden Geistesgaben meines Freundes Holmes für alle Zeiten das letzte Denkmal zu setzen‘ ...“ Wenn das nicht aufregend zu werden verspricht. Vorverkauf und Anmeldung zum Gig: Reservierungen sind aufgrund des knappen Platzangebots erbeten, Kontakt: siehe oben. Es wird ein lässiger Obolus von 10 Euro erhoben, vor allem, Zitat Thomas Franke: „... damit der Vorträger die Unmengen Wein und Schnaps und Bier bezahlen kann, die er im Verlauf des Vortrags in sich hineinschütten wird.“ Es wird hingegangen, mit weitem Ohr und Aug gelauscht, was keine Bitte ist.

(André Schinkel)

Fr, 15.05.2026

"Feste Drucken": auf Schloss Bröllin – im September.

Druckfestival „Feste Drucken“

„Wir werden schuften – und drucken. Streiten auch. Uns auseinandersetzen und zusammen. Anders wie anders. Gleich als gleich.“ So steht es in der Einladung zum Druckfestival Feste Drucken, das, organisiert vom SPEICHER_Leute e. V., vom 06. bis 13. September in der vorpommerschen Provinz stattfindet. Weiter heißt es: „Schloss Bröllin in Fahrenwalde im Landkreis Vorpommern-Greifswald hat viel Platz auf seinem weitläufigen Gelände. Das war früher mal ein Gutshof.“ Heißt also, ist firm gebaut: „Die Feldsteinbauweise ist solide und hält was aus.“ Und schließlich: Da können wir Uneinigkeit gestalten. Denn ohne Konsens ist der Lösungsraum größer. Wir sind so frei und führen ungemütliche Gespräche. Die VerWIRung machen wir dann drucktechnisch sichtbar.“ Bewerbung mit einer Workshopidee bis zum 01.06.2026. Auf der Website gibt es alle Infos zu Konditionen etc.

(Othmar Kasulke)

Do, 14.05.2026

Das "Poesiealbum" ist eine editorische Legende und feiert am 27.05. in der Volksbühne Heft 400: Samuel Beckett, ausgewählt von Ingolf Brökel. Die Reihe ist im Märkischen Verlag in Wilhelmshorst beheimatet.

Volksbühne feiert: „Poesiealbum 400“ (das Buch des Monats im Mai)

Wohl keiner beherrschte das Ausräumen der Textlandschaft so souverän, meisterlich und, jawoll, so beredt auch wie er: Samuel Beckett (1906–1989). Der Großmeister von Watt und der Textes pour rien, der nach einer langen Geduldsschleife mit Warten auf Godot 1953 mit einem Schlag weltweit berühmt wurde, hat Zeit seines Lebens auch Gedichte und anverwandte Formen geschrieben. Es ist deshalb mehr als richtig, Beckett die Jubiläumsausgabe des legendären Poesiealbums, nämlich die Ausgabe 400 der ikonischen Reihe, zuzuweisen. Und die nicht weniger berühmte Volksbühne (Linienstraße 227, 10178 Berlin) feiert das Poesiealbum-Jubiläumsheft! Wo? Im Roten Salon, in der Reihe Parole Text:Buch. Wann? Am 27. Mai 2026, ab 20 Uhr. Wer ist dabei? 1. Ingolf Brökel, der die Auswahl des Heftes besorgt hat und mit 2. Doris Streibl aus der Neuveröffentlichung liest; und 3. Reiner Frei, der in seiner Erscheinungsform als Yref die Gitarre dazu schweben lässt. Was gibt es noch zu sagen? „Seit mehr als einem halben Jahrhundert wird in der Lyrikreihe deutsch- wie fremdsprachige Poesie bedeutsamer Autor:innen aus Gegenwart und Vergangenheit veröffentlicht“, heißt es da in den Linernotes für den Abend. Und: „Von den montageartigen längeren Gedichten aus seinem 1935 erschienenen ersten Gedichtband Echos Gebein, in dem das Chaos noch die Form gibt und das vom Absurden lebt, bis hin zur reduzierten Sprache, hochgradig konzentrierten epigrammatischen Texten im Band Mirlitonnades von 1981 erstreckt sich das lyrische Werk eines der bedeutendsten Dichter unserer Zeit, Nobelpreisträger 1969. In seiner Lyrik baut er einen Raum um sich, der Figuren auf seine Weise krümmt und deren Körper auf ihre Art wieder seinen Raum, den Beckett’schen ...“ Schließlich: „Wer seinen krummlinigen Koordinaten folgt, geht dem Nichts zu – mit imponierender Reste-Erhaltung an Helle und Schärfe.“ Mithin ist Samuel Beckett so ein mehr als enigmatischer wie leuchtender Protagonist der Moderne und Nachmoderne. Das Poesiealbum wurde 1967 begründet und erschien zunächst im Verlag Neues Leben; und nach der Wende wurde es im Märkischen Verlag Wilhelmshorst glücklich wiederbelebt. Nun: Möge es noch weitere 400 Hefte geben! Den Poesiealbum-Beckett-Abend sollten sich Fans und auch Eleven der Reihe vormerken.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 13.05.2026

Ahrenshoop: ArtGrafik ab 14. Mai

Die Kunstmesse für zeitgenössische Druckgrafik, Fotografie, Zeichnung und Künstlerbücher im hohen Nordosten: Vom 14. bis zum 17. Mai 2026 ist es wieder soweit und findet die 05. artGrafik Ahrenshoop zwischen Meer, Sand, Wiese und Bodden – auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst – statt. Die Messe lädt auch in diesem Jahr ein in die Strandhalle Ahrenshoop (Dorfstraße 16b, 18347 Ahrenshoop). Die vom Pirckheimer-Freund aus dem benachbarten Ribnitz-Damgarten, Henry Günther, organisierte und kuratierte viertägige Begegnung öffnet von Donnerstag bis Sonnabend jeweils von 11 bis 18, am Sonntag von 11 bis 17 Uhr ihre Pforten. Insgesamt sind 16 Künstlerinnen und Künstler eingeladen: Gudrun Illert, Reiner Stec, Klaus Raasch, Rainer Ehrt, Susanne Hoch und Tina Flau ... Neu dabei sind in diesem Jahr Susanne Theumer und Frank Eißner. Auf nach A’hoop!

(André Schinkel)

Di, 12.05.2026

Poesiefestival Berlin ab 15.05.2026

Jeden Sommer verwandelt sich Berlin in eine Hochburg der Poesie. Mehr als 150 Dichter und Künstler aus aller Welt kommen zum Poesiefestival Berlin und präsentieren aktuellste Tendenzen in der zeitgenössischen Dichtkunst. Neben dem Buch hat sich die Poesie längst auch andere Präsentationsformen gesucht und experimentiert mit Theater, Performance, Musik, Tanz, Film und digitalen Medien. Das Festival macht Poesie erlebbar, in ihrer ganzen Formenvielfalt. Und es zeigt, welche Kraft und Inspirationsquelle die Poesie besitzt, verschafft der Sprachkunst Aufmerksamkeit, beschreitet neue Wege der Präsentation, Publikation, Distribution, erreicht weltweite Ausstrahlung. Hier treffen sich auch Direktoren von Poesiefestivals aus aller Welt. Das Poesiefestival setzt 2026 drei Schwerpunkte: Es geht um Mythen, Trauer und eine kritische Neubewertung der europäischen Literatur. Dazu gibt es Themenabende, internationale Lesungen und dezentrale Formate in der ganzen Stadt. Ein besonderer Höhepunkt ist die Lesung der kanadischen Dichterin Anne Carson in der AdK (24. Mai) und die Berliner Rede zur Poesie von Valzhyna Mort im silent green am 02. Juni. Bei Lesungen, Gesprächen und anderen Aktionen werden alte Erzählungen neu geschrieben, Machtverhältnisse gezeigt und neue Arten, sich auszudrücken, ausprobiert. Das Poesiefestival Berlin 2026 beginnt am 15. Mai, es endet am 14. Juni 2026. Der Eintritt für die Veranstaltungen variiert, viele Events sind kostenlos. Alle Informationen zum Festival gibt es auf der Website des Lyrikfests.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Der Namensgeber für die Ehrung ist Max Herrmann.

Max-Herrmann-Preis verliehen

Die Antiquarin Elvira Tasbach aus Berlin erhielt am gestrigen 11. Mai im Wilhelm-von-Humboldt-Saal der Stabi den Max-Herrmann-Preis 2026. Dieser wird für Verdienste um das Bibliotheks­wesen von den Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. vergeben. Geehrt wird unter anderem, wie der Vorsitzende der Stabi-Freunde, Peter Altmaier, und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mitteilen, ihre Tätigkeit als Mäzenatin. So hatte Elvira Tasbach der Bibliothek u. a. den Catalog der Bücher im Besitz seiner Exzellenz Herrn Freiherrn Alexander’s von Humboldt mit mehr als 1.000 hand­schriftlichen Notizen Humboldts geschenkt. Der Preis ist nach dem Berliner Literatur- und Theaterwissenschaftler Max Herrmann (1865–1942) benannt, der im KZ Theresienstadt starb. Die Verleihung fand um 18 Uhr statt, die Laudatio für die Geehrte hielt der Verleger im Wallstein-Verlag, zugleich Vorsitzender der Historischen Kommission des BörsenvereinsThedel von Wallmoden. Der Preis wurde zuvor bereits an Paul Raabe, Götz Aly, Monika Grütters, Wim Wenders vergeben.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 11.05.2026

Karl-Georg-Hirsch-Ausstellung in Göpfersdorf ab dem 22. Mai

Die Anita und Günter Lichtenstein Stiftung (Dorfstraße 12, 04618 Göpfersdorf) ehrt einen großen Grafiker dieser Zeit: aus dem Dunklen ins Licht heißt die neue Jahresexposition der Stiftung in Göpfersdorf im Altenburger Land und widmet sich dem Werk von Karl-Georg Hirsch. Hirsch, der dieser Tage seinen 88. Geburtstag feiert, blickt als Meister vor allem (aber nicht nur) des kleinen Formats auf ein gigantisches Werk, in dessen Zentrum etwa 3.000 Druckgrafiken und eine kaum zu überschauende Zahl Zeichnungen stehen. Vor allem in seiner Kardinaltechnik des Holzstichs wie auch des Holzschnitts, verbunden mit einer unverkennbaren Sprache in Stil und Motivik hat Hirsch, der immer wieder auch Bezug auf Literatur in seiner Kunst nimmt, für die Insel-Bücherei arbeitete und selbst mehrere bibliophile Publikationsreihen aus der Taufe hob, Standards gesetzt. Die Schau in Göpfersdorf wird am 22. Mai um 17 Uhr eröffnet, es liest und spricht Rolf Sakulowski. Die Schau wird bis zum Januar 2027 zu sehen sein, am 08.08.2026 findet von 14 bis 17 Uhr eine Midissage statt. Es erscheint ein Katalog, an dem der Pirckheimer-Freund wie Hirsch-Kenner Jens-Fietje Dwars wesentlich beteiligt ist. Karl-Georg Hirsch wurde 1938 in Breslau geboren, er lebt in Leipzig und gehört zu den bedeutendsten Grafikern der Gegenwart. Durch seine langjährige (1976–2003) Lehrtätigkeit an der Leipziger HGB hat er sein Wissen an viele heute selbst hochgeschätzte Schülerinnen und Schüler weitergegeben. Sein Werk wurde vielfach geehrt, unter anderem mit dem Gutenberg-Preis ... er ist Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste Belgien seit 1994. Seine Arbeiten sind bei vielen Sammlern höchst begehrt.

(André Schinkel)

So, 10.05.2026

Christian Ewald (in der Mitte des Bilds) an der Seite von Andreas Platthaus (li.) und Michael Krüger Ende 2014 bei der Präsentation des "e-walds" in Mainz.

Abschied von Christian Ewald

Wie von verschiedenen Seiten aus der Pirckheimer-Gesellschaft zu erfahren ist, ist der Verleger der legendären Katzgraben-Presse, Christian Ewald (1949–2026) in der Nacht vom 08. zum 09. Mai in seiner Wahlheimatstadt Berlin gestorben. Der vielfach für seine künstlerische und verlegerische Arbeit Geehrte wurde in Weimar geboren und studierte Typografie und Gebrauchsgrafik in Berlin. 1990 gründete er in einem der ältesten Häuser in Berlin-Köpenick den nach der anrainenden Straße benannten Verlag. Der hochgeschätzte Künstler, Büchermacher wie kundige Austauschs- und Gesprächspartner in Sachen Bibliophilie war Mitglied unserer Gesellschaft – zum Jahreswechsel 2014 präsentierte er unter der prominenten Anteilnahme von Andreas Platthaus von der FAZ und Hanser-Kult-Verleger Michael Krüger seinen e-wald im Gutenberg-Museum in Mainz. In Heft 256 (2025/1) der Marginalien würdigt Helmut Garritzmann Christian Ewald im Zuge einer Ehrung in seiner Geburtsstadt zum 75. wie auch die Presse zum 35. Geburtstag. Abel Doering, der mit ihm eng befreundet war, könnte es nicht treffender formulieren: „Mit dem Tod von Christian Ewald hat die bibliophile Gemeinde einen weiteren großen Verlust erlitten, er wird uns fehlen.“ So ist es.

(André Schinkel via Henry Günther)

Sa, 09.05.2026

Trauerfeier für Roland Berger findet am 02.06. statt.

Der Termin für Trauerfeier und die Beisetzung von Roland Berger steht fest: Pankow, 02.06., 12 Uhr

Über mehrere Äther erreichen den Blog die Informationen zur Trauerfeier und Beisetzung des langjährigen Pirckheimers und Künstlers Professor Roland R. Berger: Sie findet am Dienstag, den 02. Juni 2026 auf dem Friedhof Pankow III (Am Bürgerpark 24, 13156 Berlin) in Berlin um 12 Uhr statt. Der 1942 in Sachsen geborene Berger, der als Lehrer wie Künstler aktiv war und von 1985 bis 1995 eine Professur für Kunsterziehung mit künstlerischer Lehrtätigkeit an der Humboldt-Uni bekleidete, war am 04. April des Jahres gestorben. Roland Berger war von 1969 bis 2025 Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und arbeitete zeitweise im Vorstand der Gesellschaft. Ein Hauptmotiv seiner Kunst war der Harlekin, der auch als Originalgrafische Beilage einem Heft der Marginalien beilag. Eine eingehende Würdigung von Leben und Werk Roland R. Bergers erfolgt in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift (Heft 261, das sich derzeit im Druck befindet) durch Carsten Wurm. 

(André Schinkel via Matthias Haberzettl)

Fr, 08.05.2026

HDP ab 08.05.26: „Ans Licht geholt“

Am heutigen Abend, 08.05., um 19 Uhr, eröffnet bei der hochdruckpartner Galerie+Werkstatt (in der Lützner Straße 85/Seiteneingang, 04177 Leipzig) die neue Ausstellung mit dem schönen und sprechenden Titel Ans Licht geholt. Zu sehen sind: Hochdruckarbeiten von Franca Bartholomäi (– in der Abbildung ihr Holzschnitt Lost Faces: Puppenfrau, 29 x 29,5 cm, 2023, Reproduktion: Gustav Franz, Leipzig) und Brian Curling, Christine Ebersbach, Roswitha Grüttner, Bettina Haller, Egbert Herfurth, Robert Marchewka, Thomas M. Müller, Gudrun Petersdorff, Frank Wahle sowie Susanne Werdin. Gezeigt werden ältere und jüngere Werke der Künstlerinnen und Künstler, die als Protagonistinnen und Protagonisten der Hochdruckkunst alle mit der hdp-Galerie in Leipzig verbunden sind. Die neue Exposition Ans Licht geholt ist regulär vom 09. Mai bis zum 20. Juni des Jahres in der Pleißestadt zu sehen, die Galerie ist wie folgt geöffnet: Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr und Sonnabend 12 bis 17 Uhr. „Wir laden Sie herzlich ein und freuen uns auf Ihren Besuch!“, heißt es im Pressestatement der hochdruckpartner zur Schau. Die weiteren Infos finden sich hier.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 07.05.2026

Nu:Lit – Texte um Ulm und Neu-Ulm

Den Auftakt gab es schon vorgestern mit der Lese- und Diskussionsveranstaltung Warum eigentlich Klassiker? Thedel von Wallmoden im Gespräch mit dem erfolgreichen Verleger des Wallstein Verlags in der Theaterei Herrlingen, aber mit dem heutigen Tag beginnt das Nu:Lit-Festival für ungewohnte Literatur in (Ulm und) Neu-Ulm offziell. Nu:Lit, ein Konzept von Autor, Pirckheimer-Freund und Verleger Florian L. Arnold, ist dezentral und barrierefrei und bringt die Kultur in die Stadtteile. Und zwar in Form von ungewohnter Literatur. Die kleine, aber feine Reihe hat sich den Spielarten des Humors in der Literatur verschrieben: mal schräg, mal fein, aber nie bösartig. Lachen und Lächeln an ungewöhnlichen Orten in Neu-Ulm. Weil Lachen doch die beste Medizin ist ... Auch 2026 bringt Nu:Lit die Mundwinkel wieder nach oben, vertieft Lach- statt Sorgenfalten und verteilt literarische Lachanfälle im ganzen Neu-Ulmer Stadtgebiet. Die diesjährige Ausgabe findet bis zum 17. Mai 2026 statt. Mit dabei sind: Friederike Gräff, Knut Cordsen, Leo Riegel mit Cartoon-Pointen vom Feinsten, Ole Lucoje und schließlich Matthias Egersdörfer, der aus Das Lachen des Grünspechts und Rotkehlchen umschwirren mich liest. Das Verzeichnis der Akteure, Auftritte und ihrer Zeiten findet sich auf der Webseite des Festivals. Humor in der ganzen Stadt: So soll es sein.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 06.05.2026

München – „Mein*Morgenstern“- Schau und MDE-Tagung: 15./16.05.

Die Wanderausstellung Mein Morgenstern – Von Hand geschöpft, gesetzt, gedruckt, gebunden, die anlässlich des 111. Todestags von Christian Morgenstern (1871–1914) unterwegs ist, macht Station in München. Nachdem die vom Verein für die Schwarze Kunst e. V. und den MDE, den Meistern der Einbandkunst – Internationale Vereinigung e. V. initiierte buchkünstlerische Aktion in Werder an der Havel, Dresden, Köln und Leipzig präsentiert wurde, werden Beispiele der insgesamt 22 entstandenen Objekt-Familien, bestehend aus Bleisatz, Buchgestaltung und letztlich Bindung durch 22 Meisterinnen und Meister der MDE, vom 15. Mai bis zum 19. Juni 2026 in der Meisterschule Buchbindehandwerk Alois Senefelder (BSZ, Pranckhstraße 02, 80335 München) präsentiert. „Unter dem Stern der gemeinschaftlichen Zusammenarbeit und dem immateriellen Kulturerbe wurde handgeschöpft, handgesetzt, handgedruckt und handgebunden“ – 111 der bibliophilen Werke können auch bei der Büchergilde Gutenberg erworben werden. Die Ausstellung, die momentan (der Blog berichete) in Mainburg zu sehen ist, wird nach München weiter nach Mainz, Oldenburg und Bischofszell in der Schweiz (zur Typorama) wandern. Und zum Auftakt der Münchner Schau findet im Verbund mit dem Bund Deutscher Buchbinder unter dem Motto Innovation – Motivation – Tradition – Transformation am 15./16. Mai die MDE-Jahrestagung für 2026 in München statt.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 05.05.2026

Rainer Ehrts Ausstellung "Strichgewitter" wird vom 15. August bis 25. Oktober in Werder (Havel) gezeigt.

Ausstellung in Werder – Rainer Ehrts „Strichgewitter“ ab 15.08.

Er dürfte unter den Pirckheimern einer der Umtriebigsten und Präsentesten sein: Künstler Rainer Ehrt stellt unter dem sprechenden Thema Strichgewitter von August bis Oktober 2026 bei der Christian-Morgenstern-Gesellschaft e. V. (Hoher Weg 150, 14542 Werder an der Havel) in der Obst- und Blumenstadt Werder (Havel) aus. Strichgewitter zeigt Cartoons und satirische Grafik, Malerei und eine Reihe anderweitige Grafik und Illustrationen Ehrts. Der in Kleinmachnow lebende und freiberufliche Maler und Grafiker, Illustrator, Cartoonist sowie Buchkünstler und Skulpteur Rainer Ehrt zeichnet sich in seinem umfangreichen, vielfach geehrten Werk besonders für seine satirisch-kritischen Bearbeitungen und Adaptionen historischer wie gegenwärtiger Themen sowie gesellschaftlich relevanter Persönlichkeiten aus. Ehrts originalgrafische Arbeiten werden durch einige skulpturale Werke ergänzt. Seine Werke sind unter anderem bekannt durch Publikationen in Eulenspiegel, Das Magazin, in der Märkischen Allgemeinen, im Nebelspalter (Schweiz), bei Cicero und im Manager-Magazin. Die Ausstellung Strichgewitter wird vom 15. August bis zum 25. Oktober 2026 in der Christian-Morgenstern-Gesellschaft e. V. gezeigt, die Vernissage dafür findet am 15.08.​ von 17 bis 19 Uhr statt. Die nähere Information dazu gibt es auf der Website der Veranstalter. 

Rainer Ehrts Exposition Strichgewitter
vom 15.08.2026 bis zum 25.10.2026.
Vernissage der Ausstellung: 15.08., 17 Uhr,
Christian-Morgenstern-Gesellschaft e. V.
Hoher Weg 150, 14542 Werder (Havel)

(Ninon Suckow via Robert Grieger/Pressemitteilung)

Mo, 04.05.2026

BuchKunstBiennale in Horn 2026

Die Edition Thurnhof lädt gemeinsam mit dem Kunstverein Horn von 14. bis 17. Mai 2026 zur 17. BuchKunstBiennale nach Horn in Niederösterreich (Wiener Straße 02, A-3580 Horn) ein. In den Räumlichkeiten des Kunstvereins steht an den Tagen die Vielfalt des Buches als künstlerisches Medium im Mittelpunkt. 25 Buchkünstlerinnen und -künstler aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Tschechien und Österreich geben Einblick in ihre Arbeit und zeigen, auf welch unterschiedliche Weise das Buch als Kunstobjekt gedacht und gestaltet werden kann. Mit dabei sind unter anderem: Hanneke van der Hoeven, Cornelius Brändle und Annegret Frauenlob sowie Svato Zapletal. Geboten werden Präsentation, Vorführungen, Werkstatteinblicke und Workshops. Auch die Neuhauser Kunstmühle ist dabei. Die XVII. KunstBuchBiennale ist wie folgt geöffnet: Do 15 bis 19, Fr 09 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 18 & So 10 bis 17 Uhr. Die feierliche Eröffnung der Biennale samt Vereinsausstellung findet donnerstags 15 Uhr statt. Unter dem Link gibt es alle Informationen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 03.05.2026

Die Exkursion auf dem berühmten Waldfriedhof von München findet am 21. Mai 2026 (ab elf Uhr) statt.

Exkursion auf dem Waldfriedhof von München am 21. Mai ab 11 Uhr

Den Pirckheimern steht mit einer gut zweistündigen Exkursion über den Waldfriedhof in München ein weiteres Highlight bevor. Wir treffen uns dazu am 21. Mai 2026 um 11 Uhr am Haupteingang in der Fürstenrieder Straße. Dort werden wir mit Gerd Holzheimer in die literarische Vergangenheit wandern. Dr. phil. Gerd Holzheimer muss ich in unserem Kreis nicht mehr vorstellen, er ist Verfasser von über 30 Büchern, zuletzt die Biografie über „Apfelpfarrer“ Korbinian Aigner, Künstlerischer Leiter der Veranstaltungsreihe Literarischer Herbst im Fünfseenland, Herausgeber der Zeitschrift Literatur in Bayern. Als literarischer Landvermesser leitet er literarische Exkursionen weltweit und in seiner Heimat an der Würm. Kurator verschiedener Ausstellungen, Mitarbeit an Filmen, Vorträge zu kulturhistorischen Themen. Die Landeshauptstadt München zeichnete 2013 Holzheimer mit dem Ernst-Hoferichter-Preis aus, der an Künstler verliehen wird, die „Originalität mit Weltoffenheit und Humor verbinden“. 2015 war Gerd Holzheimer zudem Kulturpreisträger des Landkreises Starnberg.

Ein Besuch auf einem Friedhof ist immer auch ein Stück Erinnerungskultur. In ganz besonderem Maß trifft das auf den Waldfriedhof in München zu. Ein Gang durch seine weitverzweigten Wege kommt einem Gang durch die Literatur- wie Kulturgeschichte, auch durch die politische Geschichte gleich. Der Waldfriedhof, von 1905 bis 1907 angelegt, ist der größte in München. Er liegt auf dem ehemaligen Forst von Schloss Fürstenried. Und die Anlage selbst ist ein Meisterstück von Hans Grässel (1860–1939), Architekt, der das Stadtbild von München überhaupt sehr stark geprägt hat.

Schon die Eingangssituation ist hochinteressant. Thema: Sphingen auf dem Portal. Mit Sphinx verbinden wir automatisch das Rätselhafte, auch Gefährliche. Wer ihre Frage nicht beantworten kann, wird gefressen, und das waren alle auf dem Weg nach Theben. Ödipus war der Erste, der ihren Fängen entging. Dafür bekam er zum Lohn die Königin Iokaste zur Frau – seine Mutter, Witwe des von ihm gleichfalls – im Unwissen, dass es sein Vater sei – erschlagenen Laios. Das Rätsel seines eigenen Daseins bleibt ihm verborgen. „Du schaust umher und siehst nicht, wo du stehst im Üblen, / Nicht, wo du wohnst, und nicht, mit wem du lebst – / Weißt du, von wem du bist?“, heißt es im König Ödipus des großen griechischen Tragöden Sophokles, der im 5. Jahrhundert v. Chr. lebte.

Allenthalben verschwanden auf Münchner Friedhöfen Sphingen, so am Westfriedhof und am Nordfriedhof. Ein regelrechter Sphingenfresser namens Max Panitz, seines Zeichens Baurat, wird von Heißerer dafür verantwortlich gemacht. Und Erich Scheibmayr, Verfasser von Letzte Heimat. Persönlichkeiten in Münchner Friedhöfen (München 1984), mit dessen Buch (genauer gesagt sind es drei) Begräbnisstätten zu kulturellen Gedenkstätten wurden, nennt Panitz „brutal“, einen „wilden Hund“, einen „Zerstörer“. Die zwei Sphingen auf dem Haupteingang am Münchner Waldfriedhof hat er wohl nur deshalb verschont, weil sie so „erhaben auf jeweils zwei steinernen Toren“ liegen.

Ein paar Meter weiter kommen wir zu der Rotunde, die als Anlage für Hans Grässel gedacht ist. Auf der Rückseite findet man (aber nur, wenn man es weiß) Johann Wolfgang von Goethes Sonett Natur und Kunst in Stein gemeißelt. „Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen / Und haben sich, eh man es denkt, gefunden; / Der Widerwille ist auch mir verschwunden, / Und beide scheinen gleich mich anzuziehen …“ Zur Auswahl einzelner Gräber: Das bereits erwähnte Buch von Erich Schreibmayr ist ein guter Cicerone für unseren Gang über den Waldfriedhof. Hier nur ein kleines name dropping, damit man ungefähr erkennen kann, wohin die Reise geht – 12: Familie Mann; 13: Circus Krone; 17: Die Wedekinds; 22: Kurt Huber; 43: Bandera, Bierbaum, Heyse; 44: Lena Christ; 38: Alfons Goppel, Josef Ruederer; 131: Max Reger; 95: Franz von Stuck … Ja, und natürlich etliche andere mehr, darunter ein paar echte „Geheimtipps“: das Grab der Vera Ouckama-Knoop (1900–1919); ihr hat Rilke Die Sonette an Orpheus gewidmet mit dem Untertitel: Ein Grab-Mal für Wera Ouckama Knoop), oder des Malerpaars Maria Uhde (1892–1918) und Georg Schrimpf (1889–1938).

In der Amalienstraße 42 befand sich das Atelier des Malers Georg Schrimpf, des Freunds von Oskar Maria Graf, in dessen autobiografischen Schriften Schrimpf eine große Rolle spielt (so über den Tod von Schrimpfs Lebensgefährtin im Kindbett: Das Unglück. Eine Künstlergeschichte) sowie Ein barockes Malerporträt, 1950 erschienen in der Sammlung Mitmenschen. Und Schrimpf porträtierte seinerseits Graf (siehe Galerie im Lenbachhaus). – Weiterhin: Julia Löhr (1877–1927), Schwester von Heinrich und Thomas Mann, für den sie das Vorbild abgab als Ines Institoris im Roman Doktor Faustus. Der eigentümlich seltsame, wenngleich nahezu unleserliche Spruch auf ihrem Grab lautet: „Gott, ich danke dir für alles Glück, das du mir gesandt hast und noch viel mehr für jedes Unglück.“ Um Himmels willen, was hat denn das zu bedeuten, wenn ihr Bruder Thomas schreibt, sie hätte sich „vor Gattenekel“ das Leben genommen? Dumpf ahnt man das Schreckliche ihres Schicksals.

Georg Kannewischer (1897–1972), zählte zu den ersten Mitarbeitern des Bayerischen Rundfunks, seit 1929 Komponist, Dirigent und Arrangeur von Musiksendungen, Leiter der Hauptabteilung Musik. Langjähriger Briefwechsel mit dem Kiem Pauli (ein Exemplar davon wird im Exkursions-Rucksack mitgeführt und kann am Grab gezeigt werden), womit sich ein weiterer roter Faden durch die Exkursion zieht: der Kiem Pauli (1882–1960) war lange Zeit zusammen mit Kurt Huber (1893–1943), dessen Grab ja auch besucht wird, in den Bergen unterwegs, um Volkslieder zu sammeln, was Grundlage für das spätere, gemeinsam herausgegebene Altbayerische Liederbuch (1936) wurde.

Die Anastasia-Kapelle im alten Teil des Waldfriedhofs ist eine Kirche der ganz besonderen Art: Eine hölzerner, ursprünglich provisorischer Bau. Man kann nur einmal im Jahr in sie hineinblicken, ansonsten sind die Türen verschlossen. Nur bei der Mai-Andacht, an der auch schon der orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis teilgenommen hat, kommt man hinein. Was schade ist, denn die Ausmalungen, gestaltet vom 1988 verstorbenen Maler Max Lacher, sind sehr besonders. Lacher gestaltete die Kapelle kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Er stellt die Pein Jesu dar, jedoch sind dessen Peiniger klar als Nationalsozialisten gezeigt, eine einmalige ikonografische Darstellung. Auch Adolf Hitler kann man auf dem Gemälde erkennen, mit Spiegel um die Ecke schauend. Max Lacher malte nicht nur von 1946 bis 1949 die Fresken der Anastasiakapelle, 1956 zum Beispiel übernahm er in München die Fassadengestaltung des Textilhauses Ludwig Beck am Rathauseck, in Sgraffito- und Steinintarsien-Technik. Und last, but not least besuchen wir Michael Endes (1929–1995) Grab.

Der kulturgeschichtliche Gang beginnt am Haupteingang des Waldfriedhofes, Fürstenrieder Straße. Das ist auf Jahre hinaus von der Verkehrsanbindung her problematisch, aber sowohl thematisch wie dramaturgisch notwendig. Es ist dringend notwendig, ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen. Verursacht durch die städtebauliche Schnapsidee, eine Trambahn-Trasse durch die Fürstenrieder Straße zu legen, gibt es keine Parkplätze mehr an der Fürstenrieder Straße – und damit auch keine als Parkmöglichkeit für den Waldfriedhof. Selbst der einst großzügig eigene Parkplatz für den Waldfriedhof fiel dieser „Nicht-Planung“ zum Opfer. Also: Nicht mit dem privaten PKW anfahren! Das kann durch den ebenfalls allfälligen Stau eine Verzögerung von wenigstens  einer halben Stunde ergeben, bis man aus dieser Mausefalle überhaupt wieder herausfindet – noch immer, ohne einen Parkplatz zu finden. Einzige Möglichkeit: Buslinie 51 Richtung Aidenbachstraße nehmen. In den Bus kann man aus den U-Bahnlinien U6 Holzapfelkreuth oder U5 Laimer Platz umsteigen.

Die reine Gehzeit der Exkursion beträgt etwas mehr als zwei Stunden. Es empfiehlt sich, im Anschluss die Einkehr im Restaurant Busento gegenüber dem Haupteingang einzuplanen und zwar nach der Mittagszeit, also nach 14 Uhr, da das Lokal bis zu dieser Zeit überlastet ist. Reservierung ist dafür unbedingt notwendig. Bitte bei Teilnahme anmelden bei mir: rabenbauer@pirckheimer-gesellschaft.org. Ich freue mich auf Ihren Besuch am 21. und wünsche Ihnen bis dahin alles Gute.

(Hans Rabenbauer/Regionalgruppe der Pirckheimer in Bayern)

Sa, 02.05.2026

Ulla Diedrichsen und Benjamin Langner in Hamburg mit „Vögel“

Neue Ausstellung bei den Schlumpern in Hamburg (Galerie der Schlumper, Marktstraße 131 in 20357 Hamburg): Ab dem 09. Mai 2026 und bis zum 26. Juli des Jahres stellen Ulla Diedrichsen und Benjamin Langner unter dem Titel Vögel gemeinsam aus. Die Vernissage der gemeinsamen Schau findet am 09.05. um 19 Uhr statt. „... in diesem Frühjahr kehren die Vögel nicht nur in unsere Stadt, sondern auch in unsere Galerie zurück“, heißt es bei den Schlumpern. Und: „Benjamin Langner und Ulla Diedrichsen, die sich beide seit vielen Jahren der Darstellung von Tieren widmen, insbesondere der farbenfrohen Vogelwelt, präsentieren uns eine Auswahl großartiger, archaisch anmutender Wesen. Deren Abstammung – nach moderner biologischer Systematik sind Vögel eine Untergruppe theropoder Dinosaurier – wird in den dargestellten Exemplaren eindrucksvoll verdeutlicht.“ Man sieht: „Flamingos beim Liebesspiel, Papageien und Pfauen bevölkern die Wände und versuchen, sich in ihrer Farbenpracht gegenseitig zu überbieten. Von Benjamin Langner werden großformatige, expressive Malereien gezeigt – von Ulla Diedrichsen Wachskreidezeichnungen, die den Malereien in ihrer Ausdruckskraft in nichts nachstehen ...“ Nun, und dazu gibt es, so skurril wie passend zugleich, gehäkelte und motorisierte, sogar beschallte Schnecken: Ergänzt wird die Ausstellung durch eine kleine Installation von Benjamin Binder. Die Ausstellenden sind allesamt Mitglieder der Ateliergemeinschaft der Schlumper. Die Galerie der Schlumper ist wie folgt geöffnet: Mittwoch bis Freitag 16 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 17 Uhr und Sonntag 14 bis 17 Uhr. Alle Infos hier.

(André Schinkel/Pressemitteilung)