Pirckheimer-Blog

Fr, 28.10.2022

Stephanie Marx, "Tiefgang", 2022, Linolschnitt/-stich, 90 x 70 cm ǀ © Neue Sächsische Galerie
Stefan Knechtel, "Am Stadtrand", 2021, Holzschnitt, 80 x 100 cm. ǀ © Neue Sächsische Galerie

Tiefgang in Chemnitz: Unter Null

Noch bis zum 20. November 2022 findet die Grafikbiennale 100 Sächsische Grafiken 2022 – unter Null in der Neuen Sächsischen Galerie in der Chemnitzer Moritzstraße 20 statt. Die 100 Sächsischen Grafiken 2022 der 14. Biennale sächsischer Druckgrafik sind thematisch fokussiert: Mit unter Null möchte die Ausstellung den Blick auf untergründige gesellschaftliche Prozesse lenken, die zunehmende Kälte des gesellschaftlichen Klimas ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, auf den Nullpunkt als Umkehrpunkt und gleichzeitigen Teil einer Skala für prozessuale Wahrnehmungen verweisen. Unter Null verlangt nach einer neuen, kritischen Perspektive.

„Auch die Kunst selbst“, schreiben die Veranstalter, „ist anfällig geworden für Schieflagen, für das Abhandenkommen der Maßstäbe und Perspektiven. Die Diskussion um Werke und Konzepte auf der Dokumenta15 hat es für alle sichtbar ans Licht gehoben. Welche Funktionen kann die Kunst, können die Künstler*innen hier übernehmen? Einhundert Werke dieser Ausstellung geben den vielstimmigen Versuch einer Annäherung." Die Arbeiten von sieben Künstler*innen wurden für ihre pointierte Position, ihre künstlerische Lösung mit einem Preis bedacht: Julia Weck, Wolfgang Henne, Harald Alff, Christoph Feist, Susann Hoch, Bettina Haller und Stefan Knechtel.

Und weiter heißt es: „Die Grafikbiennale stellt einmal mehr die Entwicklung der Druckgrafik zu großen Formaten in geringsten Auflagen mit aufwendigen Technologiekombinationen in den Blickpunkt. Parallel lässt sich ein starker Fokus auf den klassischen Linolschnitt in allen Größen beobachten, dessen Ursachen vielfältiger Natur sein können. Er passt zu einem politischen Thema mit klarer Positionierung, er ist flexibel zu handhaben und günstig zu produzieren. Bilden sich auch hier gesellschaftliche Prozesse in der kleinen Blase der Künstlerschaft ab?“

Erstmals wurde vom Kunstverein der Galerie, dem Neue Chemnitzer Kunsthütte e. V., ein Publikumspreis gestiftet, dessen Ergebnis zum Ende der Ausstellung verkündet wird. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit der Abbildung aller ausgewählten Grafiken. Im Beiprogramm gibt es Familiennachmittage, Musikmatineen und Filmvorführungen zum Thema. Öffentliche Führungen durch die Ausstellung finden jeweils dienstags um 17 Uhr statt. Alle Informationen zur Biennale 100 Sächsische Grafiken 2022 – unter Null und zum Programm finden sich unter der Webadresse www.neue-saechsische-galerie.de.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 26.10.2022

Das BookBauFestival an der HfG Karlsruhe findet im Rahmen des Hallenbau-Festivals vom 28. bis 30.10. statt. ǀ © Karla Kniep und Luis Rüttiger

BookBauFestival an der HfG

Das BookBauFestival an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe findet im Rahmen des Hallenbau-Festivals vom 28. bis 30.10. statt. Für das Festival organisieren Studierende und Lehrende der Hochschule eine Künstler*innen-Buchmesse in den Atrien der HfG. Das BookBauFestival steht „im Kontext von Ökonomie, nachhaltiger Produktion sowie der Ausstellung und Sammlung von Künstlerbüchern.“ Sieben Kunsthochschulen, neunzehn Verlage und über dreißig Studierende präsentieren und verkaufen Künstler*innenbücher. ZKM, Städtische Galerie und Staatliche Kunsthalle Karlsruhe öffnen ihre Magazine und stellen Kataloge aus mehreren Jahrzehnten zur Verfügung. Das Programm bietet zudem Workshops und Gesprächsrunden und wurde interdisziplinär mit Studierenden des Seminars Künstlerbücher mit Fotografie im Verbund mit Professorin Susanne Kriemann konzipiert. Weitere Informationen und das vollständige Programm finden sich unter: www.bookbaufestival.de.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 24.10.2022

Noch bis zum 30.10. sind die Arbeiten aus "Fundervoll" in Halle (Saale) zu sehen.
Die Arbeiten aus der "Fundervoll"-Mappe sind noch bis 30.10. in der Ausstellung "Durch die Tage, durch die Nächte" in Halle zu sehen.

Fundervoll

Nur noch wenige Tage, bis zum 30. Oktober, präsentiert die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt in ihren Räumen (Neuwerk 11, 06108 Halle an der Saale) unter dem Titel Durch die Tage, durch die Nächte Werke aller Genres von 22 Künstlerinnen und Künstlern, entstanden im Rahmen von Arbeitsstipendien der Stiftung. Die Arbeiten befassen sich mit einschneidenden Ereignissen – persönlich als auch gesellschaftlich: verschiedene Fluchtbewegungen, ausgelöst durch den Zweiten Weltkrieg, den Jugoslawien-Konflikt bis hin zum Ukrainekrieg, gesellschaftliche Umbrüche, Landschaftszerstörung, aber auch individuellen Hürden im Leben.

Krisen begleiten Menschen – im Persönlichen wie in größeren Zusammenhängen. Kunst hilft, ein Gegengewicht zu finden, neue Perspektiven zu entwickeln und über die Angst schürenden Probleme gerade unserer Gegenwart hinauszugehen. Welche Erfahrungen gab es in der Vergangenheit – wie werden sie erinnert? Was kann aus Beschädigung, Zerstörung, krisenhaften Situationen erwachsen? Wie kann all dem begegnet werden? Gibt es Chancen für einen Neubeginn? Vorgestellt werden Positionen aus Feature, Film, Fotografie, Grafik, Installation, Literatur und Buchillustration, Keramik, Malerei, Plastik, Skulptur, Objekt- und Textilkunst.

Auf eine bibliophile Köstlichkeit im Rahmen der Schau sei hiermit verwiesen: Fundervoll von Simone Trieder, das als Kassette wie als kleine Mappe den 32. und 33. Druck der Solomon-Presse bildet. Der Text der halleschen Autorin, die mit einer Vielzahl Bücher und Herausgaben auf sich aufmerksam machen konnte und 2021 mit dem Hauptpreis der Akademie für gesprochenes Wort Stuttgart zur Preisfrage „Wächst das Rettende auch?“ geehrt wurde, wird begleitet von originalen Zeichnungen von Karl-Georg Hirsch, Annette Krisper-Bešlić, Yvonne Kuschel und Solomon Wija. In der Ausstellung sind acht Blätter aus der Fundervoll-Kassette zu sehen.

Zunächst erschien 2021 Fundervoll in kleinem Format und in einer Auflage von 200 Exemplaren: 12 x 21 cm, mit handgeschöpftem Einbandpapier, Abbildungen von Hirsch, Krisper-Bešlić, Kuschel und Wija sowie einer Beilage von Yvonne Kuschel, gestaltet und gebunden von Bettina Wija-Stein, gedruckt von ThomasDruck Leipzig, zum Preis von 27 Euro. Die noch exclusivere Kassetten-Ausgabe folgte in diesem Jahr als 33. Druck der Solomon-Presse nach. Weitere Informationen zu beiden Ausgaben des Werks finden sich unter www.solomon-wija.de.

Durch die Tage, durch die Nächte
noch bis zum 30. Oktober 2022
geöffnet Mi–So 14–18 Uhr
Eintritt 3 Euro, ermäßigt 1 Euro
Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt
Neuwerk 11, 06108 Halle (Saale)

(André Schinkel)

Fr, 21.10.2022

Matthias Gubig. ǀ © Thomas Gubig
Es herrschte reger Andrang. ǀ © Thomas Gubig

Retrospektive Matthias Gubig

Die Galerie 100 in Berlin war gerammelt voll. Bis auf die Straße stand man, um der Eröffnungsrede von Hans-Eberhard Ernst zuzuhören – einer Eröffnung für Matthias Gubig. Der Typograf und Grafiker zeigt seit dem 19. Oktober Bilder & Bücher oder, wie er es im Untertitel nennt: „Zeitzeichen aus fünfzig Jahren“. 

Eingestimmt durch die Kompositionen von Jasper Libuda, der mit Kontrabass und Loop-Station seine ganz eigene, melodische Form aus Drone und Kammermusik darbot, führte Ernst durch das Œuvre und Leben von Gubig, der seit acht Jahren auch die Marginalien für die Pirckheimer-Gesellschaft gestaltet. 

Er erzählte vom ausgebombten Kind aus Dresden, das zum Professor für Typografie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee aufstieg, der unzählige Bücher gestaltet hat (auch als »schönste« ausgezeichnete), Grafiken und Typografiken schafft, mit Plakaten die Zeiten kommentiert, und als Typograf eben generell wisse, „wie man mit Umbrüchen“ umgehe. Das Publikum quittierte das Wortspiel lachend. 

Von Holzstichmontagen aus den 1970ern über Buchgestaltungen und Plakate der 1980er und 1990er bis hin zu den Spätdrucken, in Eigenregie von Matthias Gubig geschaffenen Büchern der Jetztzeit, ist die Spannbreite und spielerische anregende Wirkung der ausgestellten Objekte in zwei Räumen groß. Noch bis zum 18. Dezember kann man sich in der Galerie 100 davon selbst überzeugen.

Matthias Gubig:
Bilder & Bücher.
Zeitzeichen aus fünfzig Jahren
Galerie 100
Konrad-Wolf-Str. 99
13055 Berlin
19.10.–18.12.2022

(Till Schröder)

Do, 20.10.2022

Der Neue Lesehallen e. V. lud am 18.10. zur Lesung ins Volksbad in der Jenaer Innenstadt ein.
Ingo Schulzes "Kakoj Koschmar" mit Illustrationen von Julia Penndorf erschien 2021, herausgegeben von den Pirckheimern, in der Friedenauer Presse.

„Erzählen heute“ in Jena

Zu einer denkwürdigen Lesung kam es am 18. Oktober 2022 im Volksbad zu Jena. Der Neue Lesehallenverein e. V. hatte mit Unterstützung von Neustart Kultur und des Deutschen Literaturfonds zur Präsentation aktueller Prosa sowie zum Gespräch drei Autor*innen geladen, die allesamt mit Jena verbunden sind: Nancy Hünger, Ingo Schulze und – Mitglied der Marginalien-Redaktion und Blog-Administrator der Pirckheimer-Gesellschaft – André Schinkel. Durch den von Oliver Räumelt auf dem Akkordeon musikalisch gerahmten Abend führte der Jenaer Autor und Kulturwissenschaftler Dr. Dietmar Ebert, Vorstandsmitglied des Lesehallenvereins, bekannt geworden durch seine eindrücklichen Monografien zu Imre Kertész und Eduard Rosenthal. Auch verwies Ebert in seiner Moderation darauf, dass es sich bei allen Geladenen um Ordentliche Mitglieder der renommierten Sächsischen Akademie der Künste handelte.

Zur Sprache kamen dabei aktuelle Positionen zum gegenwärtigen und, ja, gegenwärtig möglichen Erzählen – so las Nancy Hünger aus ihrem Buch 4 Uhr kommt der Hund. Ein unglückliches Sprechen (2020), Ingo Schulze aus dem zentralen Text seines Erzählbands Tasso im Irrenhaus (2021), der zeitgleich mit dem von den Pirckheimern kuratierten und herausgegebenen Kakoj Koschmar erschienen war, sowie einen kleinen Essay und Schinkel einige Texte aus dem Band Die Schönheit der Stadt, die ich verlasse (2022). Im anschließenden Gespräch ging es u. a. um die Position des erzählenden und Autoren-Ichs (auch im Vergleich zum lyrischen Sprechen), die Kommunikation mit Vorbildern, die Kraft der und das Vertrauen zur eigenen Stimme.

So berichtete Schulze von der Entstehung seiner letzten beiden Romane, während Nancy Hünger von den sich auflösenden Grenzen zwischen den Gattungen sprach und in ihrem zweiten Lesepart folgerichtig ein politisches Statement las, das sowohl als Gedicht, serieller Text und Bekenntnis auffassbar war, während Schinkel mit Fliegen lernen von der Stadt seiner Kindheit berichtete, in der er sich als Siebenjähriger, nachdem sein unberechenbarer Vater an ihm gescheitert war, selbst das Fahrradfahren beigebracht hatte. Alle drei bekannten ihre Verehrung für Wolfgang Hilbig. Der Abend endete im Austausch mit dem Publikum, bei dem die Verbindungen der drei mit Jena in Erinnerung gebracht wurden: Schulze etwa studierte in Jena, Nancy Hünger arbeitete im Schillerhaus und erhielt wie Schinkel das Villa-Rosenthal-Stipendium der Stadt.

(Ralph Aepler)

Di, 18.10.2022

Schwerpunkt des Vortrags von Silvia Werfel ist der von ihr herausgegebene Band "Buchgestaltung in Deutschland" in der Reihe "Ästhetik des Buches".

„Gedanken übers Buch“ in Mainz

Im Rahmen der abendlichen Veranstaltungsreihe der Gutenberg-Gesellschaft Jour Fixe der Freunde Gutenbergs findet am 27. Oktober 2022 ein Vortrag von Silvia Werfel Gedanken übers Buch – über eine Buchreihe, die Stiftung Buchkunst und manches mehr statt. Die Reihe Ästhetik des Buches (hrsg. von Klaus Detjen) wird vorgestellt. Seit 2013 wurden im Wallstein Verlag 16 Bände veröffentlicht, darunter Gerd Fleischmann Tschichold – na und? (2013), Roland Reus Die perfekte Lesemaschine (2014), Carlos Spoerhase Linie, Fläche, Raum: Die drei Dimensionen des Buches in der Diskussion der Gegenwart und der Moderne (Valéry, Benjamin, Moholy-Nagy) (2016), Stanley Morison, Eric Gill und Paul Renner Typografen der Moderne (2020).

Der Schwerpunkt des Vortrags liegt auf dem Band 14 Buchgestaltung in Deutschland, den Silvia Werfel selbst herausgegeben hat. In diesem Band bietet die Herausgeberin einen Überblick über die deutsche Buchgestaltung der letzten fünfzig Jahre. 15 Buchgestalter*innen werden mit kurzen Biografien und Buchbeispielen vorgestellt: Günter Karl Bose, Klaus Detjen, Markus Dreßen, Iris Farnschläder, Friedrich Forssman, Rudolf Paulus Gorbach, Rainer Groothuis, Matthias Gubig, Gaston Isoz, Ralf de Jong, Bernd Kuchenbeiser, Rainer Leippold, Lisa Neuhalfen, Judith Schalansky und Hagen Verleger. Der Abend endet mit einer traditionellen Weinprobe in der Kulturei Mainz.

Silvia Werfel, geboren 1958 in Leipzig, machte nach dem Abitur eine Schriftsetzerlehre und studierte anschließend Buchwesen, Germanistik und Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz sowie der Universität von Zürich und ist seit Mitte der 1980er Jahre freie Journalistin und Fachautorin. Sie lebt in Wiesbaden. Der Vortrag am 27.10. beginnt um 18 Uhr in der Kulturei (Zitadelle Mainz, Zitadellenweg, 55131 Mainz) und wird von der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft in Verbindung mit der Gutenberg-Stiftung veranstaltet. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten unter info@gutenberg-gesellschaft.de oder (06131) 22 64 20.

(Maria Bogdanovich)

Mo, 17.10.2022

Niklas Holzberg. ǀ © www.niklasholzberg.com

Vortrag mit Niklas Holzberg

Noch einmal Oldenburg: Zum Thema Willibald Pirckheimer, Albrecht Dürer und die Griechen hält am morgigen Dienstag, den 18.10.2022, um 19 Uhr der renommierte Münchner Philologe Niklas Holzberg einen Vortrag im Rahmen der Ausstellung Albrecht Dürer, Willibald Pirckheimer, Aldus Manutius und die Liebe zum Buch in der Landesbibliothek zu Oldenburg, in der als sensationelle Neuentdeckungen zwei Dürer zugeschriebene Miniaturen aus eben der Landesbibliothek und der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover gezeigt werden. Willibald Pirckheimer (1470–1530), einer der wichtigsten Wegbereiter der Gräzistik in Deutschland, übersetzte zahlreiche griechische Texte ins Lateinische und Deutsche und aktualisierte stets die Inhalte mit Blick auf das Zeitgeschehen. Seinen Freund Albrecht Dürer bezog er von Anfang an in seinen Philhellenismus ein, so dass mehrere von der griechischen Kultur beeinflusste Arbeiten in Zusammenarbeit der beiden Nürnberger entstanden. Holzberg war von 1984 bis 2011 Professor für Klassische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität, er verfasste Monographien zu zahlreichen antiken Autoren, zu Pirckheimer und Hans Sachs. Außerdem edierte er in großem Umfang klassische Texte in der Sammlung Tusculum und bei Reclam.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 16.10.2022

Die Ausstellung von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries ist noch bis zum 21. Oktober in der Landesbibliothek in Oldenburg zu sehen.

Finissage in Oldenburg

Anja Harms und Eberhard Müller-Fries laden zum Ende ihrer Ausstellung in Oldenburg zum Vortrag ein. Sie schreiben: „Liebe Kunden, liebe Freunde und Kollegen, die Zeit vergeht im Flug und wir beenden in Kürze unsere Ausstellung in der Landesbibliothek in Oldenburg: Wie ist doch alles weit ins Bild gerückt. Künstlerbücher und Buchskulpturen von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries. Nach einer schönen Eröffnung und einem ereignisreichen Wochenende mit der Pirckheimer-Gesellschaft wollen wir die Ausstellung mit einer Finissage beenden.“ Sie findet am Freitag, den 21. Oktober, um 19 Uhr statt. Es spricht Dr. Stefan Soltek, ehemaliger Direktor des Klingspor-Museums in Offenbach. Die beiden Künstler freuen sich „auf Ihren Besuch, fröhliche Begegnungen und viele schöne Gespräche!“ Anja Harms und Eberhard Müller-Fries werden wie bei der Vernissage anwesend sein. Um Anmeldung wird gebeten. Kontakt zur Landesbibliothek besteht über die Telefonnummer (0441) 50 50 18 20 und per E-Mail: lbo@lb-oldenburg.de. Die Ausstellung ist auch zu den regulären Geschäftszeiten der Landesbibliothek (Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg) zu sehen: Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 9–12 Uhr. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 15.10.2022

Ausgabe 12 des "Hamburger Bothen" ist kürzlich erschienen.

Hamburger Bothe Nr. 12 erschienen

Seit dem Frühsommer 2020 erscheint der Hamburger Bote als regelmäßiger Rundbrief der seinerzeit gegründeten Regionalgruppe der Pirckheimer-Gesellschaft für den Norden Deutschlands. Herausgegeben von Peter Engel und Rudolf Angeli, sollte er zunächst und durch die Tatsache, dass damals aufgrund von Corona kein Treffen möglich wurde, die Mitglieder der Gruppe zusammenführen. Mittlerweile wächst das Interesse und der Verteilerkreis für den Bothen bei jeder Ausgabe mehr und mehr, nicht zuletzt auch dadurch, dass der Rundbrief jedem interessierten Leser kostenfrei zur Verfügung gestellt wird, um, so die Herausgeber, „damit ein wenig für die Pirckheimer zu werben und alle bibliophilen Leseratten, Kunstbegeisterte und Sammler jeglicher Couleur zu einen.“ Auch Neu-Leser bekommen den Hamburger Bothen über die folgende Mailadresse: Rudolf_Angeli@web.de; Mitglieder und Gastleser ohne E-Mail-Adresse können ihn auch per Post erhalten. Die Ausgabe 12 ist kürzlich erschienen und enthält u. a. einen Bericht zum Jahrestreffen der Pirckheimer in Oldenburg im September, Texte des Dichters und Erzählers Andreas Münzner, Besprechungen neuer Publikationen und zeigt einen der Herausgeber auf den Spuren von Joseph Roth und Stefan Zweig. Mit dem Bothen verbunden ist auch der kleine Verlag Angeli & Engel, in dem Bücher von Klaus Waschk und Rainer Ehrt erschienen, sowie ein Freundeskreis des Verlags: Zur Mitgliedschaft in ihm wird herzlich eingeladen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 12.10.2022

Die Kabinettausstellung "Nicht ein Genius allein" im Schloss Wittenberg ist bis zum 18.11. zu sehen.

Nicht ein Genius allein

Nicht ein Genius allein. Das Septembertestament von 1522 – unter diesem Namen findet vom 18. August bis 18. November in Wittenberg eine Ausstellung statt, die dem 500-jährigen Jubiläum der ersten Lutherbibel gewidmet ist. Die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek Wittenberg und die Europäische Melanchthon-Akademie Bretten demonstrieren die Entstehung und Verbreitung des Septembertestaments in die stark humanistisch geprägte europäische Bibelbewegung des 15. und 16. Jahrhunderts. Unter den Exponaten sind ein Original des Septembertestamentes von 1522, die „Gegenbibeln“ papsttreuer Christen und frühe Bibelübertragungen in andere europäische Sprachen zu finden.

1522 brachte Martin Luther seine Übersetzung des Neuen Testaments ins Frühneuhochdeutsche von der Wartburg nach Wittenberg. Es wird angenommen, dass diese Entwurfsversion in nur 11 Wochen geschrieben wurde. Im September 1522 erschien die erste Ausgabe des Neuen Testaments, übersetzt von Martin Luther, aus der Druckerei von Melchior Lotter dem Jüngeren in Wittenberg. Diese Veröffentlichung war der Auftakt zu der Übersetzungsarbeit, die die Wittenberger Reformatoren viele Jahre beschäftigte und 1534 zum Erscheinen einer neuen Gesamtbibel in deutscher Sprache führte. Die Ausstellung findet sich im Schloss Wittenberg, Schlossplatz 1, in der Lutherstadt. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter: www.rfb-wittenberg.de.

(Maria Bogdanovich)

Di, 11.10.2022

Das Logo der Sylt Art Fair.
Die Sylt Art Fair 2022 fand vom 04.06. bis zum 10.09. in der Bootshalle von List statt. ǀ © Artstar Verlag

Bryan Adams, Heinz Mack und Co. zu Besuch auf Sylt

Bryan Adams, Heinz Mack, Igor Oleinikov, Gerhard Richter, Julian Schnabel, Damien Hirst und viele weitere bekannte Namen konnte man diesen Sommer in der Bootshalle in List antreffen. Ihre verschiedenen Werke, von Pop- bis Street Art, ließen zum wiederholten Male hunderte Besucher staunen. ,,Kunst zugänglich machen‘‘ – das war das Motto der Veranstalter aus Düsseldorf, Geuer & Geuer Art GmbH und dem Artstar Verlag für die Sylt Art Fair 2022. Zusammen ermöglichten sie den kostenlosen Eintritt, sieben Tage die Woche, über vier Monate hinweg.

Und es gab einiges zu sehen. Skulpturen, Grafiken, Gemälde, Zeichnungen, Papierarbeiten und nicht wenige Unikate zogen die Besucher in den Bann. Jeder Besucher war willkommen und hatte die einzigartige Gelegenheit, die vielseitigen und sorgfältig ausgewählten Kunststücke in Augenschein zu nehmen. Ralph Kovatsch, stellvertretend für die Geuer & Geuer Art GmbH, begrüßte jeden Gast, ob Kunstkenner, Kunstliebhaber oder Laie, herzlich und sorgte dafür, dass gar nicht erst Schwellenängste entstehen. Wer zuvor noch nie etwas von den Künstlern gehört hatte, dem halfen kleine Filme neben den Ausstellungsstücken weiter, welche einen detaillierten Blick hinter die Kulissen und hinein ins Atelier des jeweiligen Künstlers ermöglichten.

Über den Sommer hinweg (die Sylt Art Fair war vom 04.06. bis zum 10.09. geöffnet) wurden viele der Kunststücke aus- bzw. umgetauscht, sodass die vielen Besucher immer etwas Neuem gegenüberstanden. Wessen Interesse geweckt wurde, der konnte sich an zusätzlichen Programmpunkten wie Meet and Greets, Künstlertalks und Art Nights erfreuen. Konnte man sich zudem an der großen Auswahl qualitativ hochwertiger Kunst nicht sattsehen, dem war es natürlich auch möglich diese zu erwerben. Ein großartiges Konzept, erstklassige Kunstwerke und engagierte Menschen, die zeigen, dass Kunst nicht exklusiv sein muss.

(Charlotte Aepler)

Mo, 10.10.2022

Olaf Wegewitz und das eigens für die Ausstellung geschaffene Künstlerplakat ǀ © Matthias Frohl
Uwe Gellner eröffnete die Ausstellung von Olaf Wegewitz in Brandenburg ǀ © Matthias Frohl

Olaf-Wegewitz-Ausstellung eröffnet

Die Galerie „Sonnensegel“ konnte am 8. Oktober zahlreiche Gäste zur Eröffnung der Ausstellung Olaf Wegewitz – Sedimente begrüßen. Uwe Gellner, Kurator des Kunstmuseums Magdeburg, der von der Pirckheimer-Gesellschaft als Laudator gewonnen wurde, führte in das Werk des Künstlers ein. In seinem kurzweiligen Vortrag legte er nicht nur sachkundig dar, wie sich das Naturerlebnis in einer transformierten, abstrahierten Form in den Malereien und Grafiken von Olaf Wegewitz widerspiegelt, sondern verwies kurzweilig auf mythologische sowie kulturgeschichtliche Querverweise, die das Werk des Künstlers prägten. Die Ausstellung kann bis zum 03. März 2023 besucht werden. Einzelne Exemplare des vom Pirckheimer-Mitglied Sven Märkisch in einer limitierten Auflage gedruckte Künstlerplakats sind noch erhältlich. Die Galerie „Sonnensegel“ ist jeweils von 08 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt einen Euro.  

Olaf Wegewitz: Sedimente
Grafik, Zeichnungen, Schreine
Ausstellung bis 03.03.2023
Galerie „Sonnensegel“
Gotthardtkirchplatz 4/5
14770 Brandenburg a. d. Havel
Mo–Fr 08–16 Uhr

(Matthias Frohl)

Sa, 08.10.2022

Der prunkvolle Saal des Schlosses war Anfangs- und Endpunkt des Jahrestreffens in Oldenburg. | © R. Wege
Marcus Kenzler begrüßte die Pirckheimer im Idyllenzimmer. Im Vordergrund die Studie Tischbeins "Die Stärke des Mannes" von 1790 (Aquarell, Feder und Blei auf Papier) | © R. Wege
Auf reges Interesse stieß bei den Pirckheimern das Konvolut handschriftlicher Blätter Tischbeins, das Kunsthistorikerin Tonia Eskuche (l.) mitgebracht hat. | © R. Wege
Museumsdirektor Rainer Stamm mit dem Gästebuch des Sammlers Ernst Beyersdorff, dessen erster Seite sich der Maler Franz Radziwill mit einem Aquarell geschmückt hat. | © R. Wege
Corinna Roeder (l.) begrüßte als Hausherrin die Pirckheimer in der Landesbibliothek Oldenburg. | © R. Wege
Aufmerksam verfolgen die Pirckheimer den Ausführungen des Auktionators Christian Hesse. | © R. Wege
Die Chance, in ausgewählten Büchern der Feenders-Sammlung zu blättern ließ sich kaum ein Pirckheimer entgehen. | © R. Wege
Anja Harms und Eberhard Müller-Fries zeigen Buchkunst zum Anfassen. | © R. Wege

Auf Entdeckungsreise: Die Pirckheimer in Oldenburg

Der große Saal im Oldenburger Schloss bildete die prunkvolle räumliche Klammer des Pirckheimer-Treffens 2022 vom 23. bis 25. September. Dort begrüßte Rainer Stamm als Hausherr des im Schloss angesiedelten Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg die Pirckheimer am Freitag zu ihrem 49. Jahrestreffen. Er versprach den rund 60 aus ganz Deutschland angereisten Buch- und Grafikliebhabern eine „Entdeckungsreise mit Blick hinter die Kulissen“.

Die ersten beiden Blicke fielen zum einen auf die Buchbestände aus dem Nachlass des Museumsgründers, Publizisten und Sammlers Walter Müller-Wulckow und des Gründers der Vereinigung für junge Kunst, Ernst Beyersdorff, sowie die verschollene Leihbücherei dieser Avantgarde-Vereinigung. Zum anderen nahmen die Pirckheimer Arbeiten auf Papier des Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751–1829) ins Visier. Tischbein war von 1808 bis 1829 als Hofmaler des Herzogs Peter Friedrich Ludwig in Oldenburg und Eutin tätig, weshalb sich heute zahlreiche seiner Werke im Landesmuseum befinden.

Rainer Stamm entführte die Pirckheimer in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts und präsentierte im Prinzenpalais die Sammlungen des Gründungsdirektors des Landesmuseums Walter Müller-Wulckow und Ernst Beyersdorff, Gründer der 1922 ins Leben gerufenen Vereinigung für junge Kunst in Oldenburg. Stamm stellte nicht nur Bücher aus den Sammlungen vor, auch die der ab 1933 verstreuten Mitgliederbibliothek des Vereins, sondern schilderte profund und anschaulich die historischen Hintergründe ihrer Entstehung, ging auf die Persönlichkeiten der beiden Sammler ein. Bei der Beyersdorffschen Sammlung sei hier besonders auf sein Gästebuch hingewiesen, mit Einträgen von unter anderem Karl-Schmidt Rottluff, Mary Wigman, Bruno Taut, Arnold Schönberg oder Bertolt Brecht. Gottfried Benns Eintrag war der letzte vor der selbstgewählten Auflösung der Vereinigung angesichts der drohenden Gleichschaltung: Er las am 30. Januar 1933 genau in dem Raum im Prinzenpalais, in dem sich die Pirckheimer gerade befanden, während damals, 1933, die Nationalsozialisten vor den Fenstern die sogenannte Machtergreifung mit einem Fackelzug zelebrierten. Die Einträge beginnen erst 1946 wieder.           

Bei der Sammlung Müller-Wulckow beeindruckten viele Pirckheimer vor allem die „weltweit gesuchten Ephemera zur klassischen Moderne“, wie es Stamm charakterisierte. Beispiele sind Kataloge der Kestner-Gesellschaft, darunter der „sehr seltene Katalog“ Schmidt-Rottluff – Negerkunst von 1920, Einladungen zu Ausstellungen von Otto Dix oder Lyonel Feininger, und der Katalog zur Kunstausstellung Erster deutscher Herbstsalon, die 1913 von Herwarth Walden (Galerie Sturm) organisiert worden war, sowie Einladungskarten der Galerie Neue Kunst Fides in Dresden.

Da die eigentliche Bearbeiterin der Tischbein-Sammlung erkrankt war, sprangen Marcus Kenzler und Tonia Carlotta Eskuche ein. Entsprechend verschoben sich die inhaltlichen Schwerpunkte weg von der wissenschaftlichen Tischbein-Forschung. Kenzler gab eine Einführung in seine Arbeit als Provenienzforscher. Bis heute habe er zahlreiche Sammlungsstücke als dringende Verdachtsfälle oder eindeutiges „NS-Raubgut“ identifizieren können. Die ersten Restitutionen erfolgten 2014. Unter anderem sei für ihn erwiesen, dass einige Stücke aus den Sammlungen des Museums für die sogenannte „Führersammlung“ in Linz bestimmt gewesen seien.

Dennoch rückten die Arbeiten Tischbeins auch in den Fokus: Aus dem Bestand hatten die Experten zwei Arbeiten ausgewählt: Das Aquarell Die Stärke des Mannes von 1790, das das Museum 1928 angekauft hatte, und die Gouache über Feder- und Kreidezeichnung Schornsteinfeger über Hamburger Dächern (1801/1806). Zusätzlich lag auf dem Tisch ein gebundenes Konvolut von handschriftlichen Blättern Tischbeins, das mit gebührendem Abstand von den Pirckheimern betrachtet werden durfte. Das alles erlebten die Pirckheimer im Idyllenzimmer und damit umgeben von Tischbeins Idyllenzyklus, der aus mehr als 40 Gemälden besteht und vollständig erhalten ist. Und das sogar in der von Tischbein veranlassten Original-Hängung, wie Kenzler betonte.

Corinna Roeder stellte am Samstag die Künstlerbuch-Sammlung von Onno Feenders mit über 1.000 kostbaren Büchern vor. Die Leiterin der Landesbibliothek Oldenburg hatte 40 von ihnen bereitgelegt. Feenders habe von Anfang an eine wichtige Regel für Sammler befolgt, wie sie der Bibliophile Leopold Hirschberg formulierte: „Zersplittere Dich nicht!“  Roeder: „Um Vollständigkeit in einem äußerlichen Sinn ist es Onno Feenders nie gegangen, wohl aber darum, signifikante und qualitätsvolle Beispiele für die wichtigsten Vertreter und Entwicklungen des Pressendrucks zu sammeln.“ Der Platz lässt an dieser Stelle lässt nur eine kleine Aufzählung zu: Kelmscott-Press: The Romance of Sir Degrevant (1896), Doves-Press: English Bible (fünf Bände, 1902–1905), Ernst-Ludwig-Presse: Stundenbücher (zehn Bände, 1920–1922), Cranach-Presse: Shakespeares Hamlet (1929), Raamin-Presse: Kafkas Betrachtung (1990), Otto Rohse Presse: Gryphius’ Sonette (1970), Burgart-Presse: Christa Wolfs Im Stein (1998).

Er hoffe sehr, dass die Landesbibliothek Oldenburg diese Sammlung fortsetzen kann, sagte Christian Hesse, der an die Worte von Bibliothekschefin Roeder anknüpfte.  Der Inhaber des Auktionshauses Christian Hesse Auktionen in Hamburg sprach über den Umgang mit Büchersammlungen, um die sich deren Gründer nicht mehr kümmern kann oder will. Immer wieder werde die Frage „Was passiert mal mit meiner Sammlung?“ an ihn herangetragen. Hesse: „Die Kinder sind oft ratlos, wenn sie eine Sammlung erben.“ Für ihn ist die komplette Übernahme einer Sammlung durch eine Institution eine Option, eine andere, die Objekte durch eine Auktion wieder in den Sammlerkreislauf zu bringen. So beispielsweise geschehen mit der Sammlung der Barbara Achilles-Stiftung, die er 2021 versteigert hat. Damit hört die Sammlung in physischem Sinne zwar auf zu existieren, jedoch kann sie in Form eines (fundierten und gut gestalteten) Katalogs fortbestehen. Ein Beispiel für diese Variante ist der Katalog Wege zum idealen Buch – Die Sammlung der Barbara Achilles-Stiftung, von dem Hesse für jeden Teilnehmer des Jahrestreffens ein Exemplar stiftete.

Mit dem Besuch der Kabinettausstellung Bücherschätze der venezianischen Renaissance aus der Offizin des Aldus Manutius der Landesbibliothek kehrten die Pirckheimer quasi an ihren Ursprung, zu ihrem Namensgeber, zurück. Denn als jüngst entdecktes Kleinod der Sammlung entpuppte sich ein Band aus der Bibliothek von Willibald Pirckheimer, der von seinem Freund Albrecht Dürer von Hand illustriert wurde. Dabei handelt es sich um das 1502 in Venedig von Manutius gedruckte Onomastikón des Polydeukes. Auf dem ersten Blatt finden sich in Deckfarbenmalerei auf Delfinen balancierende Putten, die das Wappen Willibald Pirckheimers darstellen. Es sei gelungen, den Band zweifelsfrei als eines von 14 Büchern zu identifizieren, die 1634 von den Erben Pirckheimers an einen holländischen Sammler verkauft wurden, erzählte Matthias Bley, Leiter Historische Bestände und landesbibliothekarische Aufgaben. An dieser Entdeckung ist die Pirckheimer-Gesellschaft nicht ganz unschuldig. Als sie ihren Besuch in Oldenburg plante, so Pirckheimer-Vorsitzender Ralph Aepler, seien die Mitarbeiter der Bibliothek im Rahmen der Vorbereitungen erst auf diesen Fund gestoßen, da man ja speziell etwas für die Pirckheimer-Gesellschaft zeigen wollte und sich der Pirckheimer-Bände bewusst war.

Mit dem Besuch der Ausstellung Wie ist doch alles weit ins Bild gerückt der Künstler Anja Harms (Buchkünstlerin) und Eberhard Müller-Fries (Bildhauer) im Erdgeschoss der Bibliothek verließen die Pirckheimer das Mittelalter und die Aldinen und wandten sich der Gegenwartskunst zu, Künstlerbüchern, raumgreifenden, lesbaren Buchskulpturen. Für Harms und Müller-Fries ist der Ausgangspunkt ihres kreativen Schaffens immer die Literatur. Texte von Schriftstellern wie Paul Celan, Rainer Maria Rilke, Friedrich Hölderlin, Ingeborg Bachmann, Johannes Bobrowski, Hugo Ball, Hans Arp oder Christian Morgenstern zeigen die Bandbreite, in der sich die Künstler bewegen. Fast zwingend fügten die Künstler mit ihrer Idee, die jeweiligen Texte durch die Kammerschauspielerin Elfi Hoppe während des Rundganges vortragen zu lassen, dem Gesamtkunstwerk neben der visuellen eine akustische Dimension hinzu.

Die Begegnung mit Harms und Müller-Fries und der Besuch ihrer Ausstellung besaß für die Pirckheimer noch den besonderen Charme, die Künstler kennenzulernen, die die Grafik des Jahrestreffens gestaltet haben: Farbradierung und Linolschnitt Denn nirgend bleibt er. Friedrich Hölderlins Fragment 38, gedruckt auf Hahnemühle-Kupferdruckbütten in einem Umschlag aus bedrucktem Transparentpapier, hergestellt im Handsatz, Buchdruck und Collage aus rotem Himalayapapier im Format 27 mal 39 Zentimeter.

Den Tag beschlossen am Abend der Schriftsteller Klaus Modick und Museumsdirektor Rainer Stamm. Beide sprachen über Bücher, deren Entstehung und deren Zukunft. Klaus Modick las zudem aus seinen Büchern. Anschließend ging es zum gemeinsamen Abendessen in den Ratskeller.

Die Mitgliederversammlung am Sonntag im großen Saal des Oldenburger Schlosses beendete das Jahrestreffen 2022. Damit schloss sich auch der Kreis, der sich mit der Begrüßung durch den Pirckheimer-Vorsitzenden Ralph Aepler und Museumsdirektor Rainer Stamm fast 48 Stunden zuvor an dieser Stelle geöffnet hatte. Oldenburg hatte viel zu bieten.

(Ralf Wege, der vollständige Bericht erscheint in den Marginalien 247)

Fr, 07.10.2022

Die neue Ausgabe der "Marginalien" samt der Grafik von Xago und dem "Besonderen Blatt" zu Ehren von Matthias Gubig. ǀ © Till Schröder

Marginalien 246 erschienen

Ganz frisch auf dem Tisch ist die neueste Ausgabe der Marginalien, genauer gesagt die Ausgabe 246 der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der Pirckheimer-Gesellschaft. Unter der Ägide von Chefredakteur Till Schröder entstand wieder ein Heft voller Aufsätze, Rezensionen und Mitteilungen, das sich der Hingabe zum schönen Buch, der Grafik und im besten Sinne der Bibliomanie hingibt: Ernst Falk würdigt Heinz Edelmann, Renate Reschke porträtiert Xago (der mit Unter Beobachtung: Kunst wunderbarerweise gleich auch die Beilage für die Vereinsmitglieder beisteuerte) zum runden Geburtstag; Jens-Fietje Dwars kündigt die zweite Folge der Edition Pirckheimer an, Matthias Flügge hält eine Laudatio auf Strawalde, Anja Harms und Eberhard Müller-Fries (deren Ausstellung in Oldenburg eben die Pirckheimer begeisterte) erfahren Würdigung, Dieter Goltzsche erinnert an Ursula Lang. In der Typografischen Beilage zeigt uns Jürgen Engler die Poesie der Satzzeichen, und im ABC der Druckkunst führt Thomas Glöß in die Kunst des Siebdrucks ein (wird in Heft 247 fortgesetzt). Und ein wirklich ganz besonderes Blatt wird mit einer Extraausgabe der gleichnamigen Rubrik an Matthias Gubig verschenkt: Mit der eigens dafür entstandenen Grafik Der Glyphenbeschwörer von Gubig-Schülerin Julienne Jattiot und einem berührenden Text Till Schröders ehrt die Redaktion den großen Typografen, der auch die Marginalien gestaltet, und gratuliert ihm zum 80. Geburtstag. Der Reigen wird beschlossen mit Rezensionen zu schönen Büchern und Mitteilungen aus der Welt derselben. 

(André Schinkel)

Mi, 05.10.2022

Holzschnitte Albrecht Dürers zur "Apokalypse", an der Stirnwand Gegenüberstellung der Illustrationen Cranachs, Dürers und Beckmann zu den jeweiligen Textstellen der "Apokalypse".
Lithographien Max Beckmanns zur "Apokalypse".
v. l. n. r.: Werke von Erich Mueller-Kraus, Werner Drewes, Hans Grundig.
v. l. n. r.: Werke von Hans Grundig, Santos Balmori, Alfredo Mereles.

Apokalypse: Ein Blick in den Abgrund und darüber hinaus

Im September 1522 wurde die von Martin Luther auf der Wartburg erstellte und in Wittenberg gedruckte Übersetzung des Neuen Testaments, auch Septembertestament genannt, veröffentlicht. Zur großen Popularität dieser Publikation trugen sicher auch die 21 Holzschnitte bei, die Lucas Cranach d. Ä. und dessen Werkstatt für das letzte Buchkapitel, die Offenbarung (griech. apokalypsis) des Johannes, schuf.

Aus Anlass dieses 500-jährigen Jubiläums zeigt die Wittenberger Cranach-Stiftung im ehemaligen Wohnhaus der Malerfamilie Cranach die Ausstellung Apokalypse – ein Blick in den Abgrund und darüber hinaus. In etwa 60 Exponaten werden neben den berühmten Apokalypse-Darstellungen Albrechts Dürers Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts gezeigt, in denen das Thema wieder aufgegriffen und die existenzielle Bedrohung der Menschheit verbildlicht wird. Eine zentrale Rolle spielen hierbei die Lithographien Max Beckmanns, die er nach seiner Flucht vor den Nazis während des Gräuels des Zweiten Weltkrieges in Amsterdam schuf.

Pirckheimer-Freund Dr. Gerd Gruber unterstützt die Ausstellung mit mehreren Werken aus seiner Sammlung, so von Santos Balmori, Werner Drewes, Alfred Frank, Hans Grundig, Alfredo Mereles, Erich Mueller-Kraus und Michal Tillner. Gegenüber den berühmten apokalyptischen Reitern von Dürer ist Balmoris Schabblatt von 1938 ausgestellt, auf dem die Reiter die Gesichtszüge von Hitler, Franco, Mussolini und dem japanischen General Tojo Hideki tragen. Rechts neben diesem Werk der apokalyptische Reiter von Mereles, in dem, wie auch in Werken zeitgenössischer Künstler der Ausstellung, aktuelle Themen, wie Atomgefahr, Dominanz des Großkapitals und Umweltzerstörung, angesprochen werden. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (48 Seiten, 74 Abbildungen, 8 Euro). Die Ausstellung ist in der Cranach-Stiftung Wittenberg (Markt 4, 06886 Lutherstadt Wittenberg) bis zum 11.12.2022 zu sehen, danach bis zum 31.01.2023 ohne die Werke Dürers und Beckmanns.

Neben dieser Exhibition unterstützte Gerd Gruber auch die Ausstellung Paul Busch. Zeichenlehrer und Künstler der Städtischen Sammlungen Cottbus mit Leihgaben. Paul Busch, nur wenigen Kunstfreunden bekannt, hatte enge Kontakte zu Herwarth Waldens Sturm in Berlin. Er war über Jahre hinweg in den Sturm-Ausstellungen vertreten, und der als Sonderheft 2022 der Cottbuser Blätter erschienene Ausstellungskatalog (124 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Regia-Verlag, 14,90 Euro) ist die erste recherchierte Veröffentlichung über diesen Künstler.

(Gerd Gruber/Pressemitteilung)

Di, 04.10.2022

Lino Salini: Porträt Moriz Sondheim.
Lino Salini: Porträt Paul Hirsch.

Frankfurter Bibliophilen-Gesellschaft 100 Jahre

Im Sommerheft 1922 der Zeitschrift für Bücherfreunde erschien die Ankündigung zur Stiftung einer neuen Gesellschaft – der Frankfurter Bibliophilen-Gesellschaft, gegründet am 25. Februar 1922, welche sich zum Ziel setzte, die Tradition der Buchkunst zu pflegen und „ein an Inhalt und Formen vorbildliches Druckwerk regelmäßig – etwa jährlich – den Mitgliedern vorlegen zu können“. Bis 1933 wurden mehr als 70 Drucke veröffentlicht, darunter Saint-Beuve von Stefan Zweig (1923), Richard de Bury. Ein Beitrag zur Psychologie des Büchersammelns von Moriz Sondheim (1926), Die Illuminierten Handschriften und Einzelminiaturen des Mittelalters und der Renaissance in Frankfurter Besitz von Georg Swarzenski (1928) – dieses Buch wurde von der Jury der Deutschen Buchkunststiftung zu einem der 50 schönsten Bücher des Jahres 1929 erklärt.

Zum Zeitpunkt der Gründung wurde die Gesellschaft vom Direktor der Stadtbibliothek Friedrich Ernst Ebrard (1850–1935) als Ehrenvorsitzendem geleitet. Der Besitzer einer der hervorragenden privaten Musikbibliotheken Europas Paul Hirsch (1881–1951) trat als erster geschäftsführender Vorsitzender an. Kunsthistoriker Rudolf Kautzsch (1868–1945) war der zweite Vorsitzende, gefolgt vom Begründer des Offenbacher Schriftmuseums Karl Klingspor (1868–1950). Der Leiter des Goethehauses Ernst Beutler (1885–1960) und Maria Gräfin Lanckoronska (1896–1978), die Historikerin des illustrierten Buches, beteiligten sich als Schriftführer; Georg Swarzenski (1876–1957), Direktor des Städelschen Kunstinstituts und der Städtischen Galerie, als Beisitzer. Zum wichtigen und aktiven Mitglied der Gesellschaft avancierte der Antiquar Moritz Sondheim (1860–1944), Mitarbeiter, Mitbesitzer und schließlich Seniorchef des Antiquariatshauses S. L. Baer in Frankfurt am Main.

Die Mitgliederzahl war an sich auf 150 limitiert, die Gesellschaft zählte aber am 1. Januar 1930 166 Mitglieder, darunter 16 Bibliotheken. Bis 1930 wurden einige Ausstellungen organisiert, wie zum Beispiel Drucke berühmter Offizinen von Aldus Manutius bis Bodoni und Frankfurter Drucke der Renaissance und Barockzeit von Moriz Sondheim. Die letzte Ausstellung fand 1933 statt. Sie war der Buchkunst der Jahre 1922 bis 1932 gewidmet. Die Drucke bibliophiler Gesellschaften und einzelner Liebhaber, die Hausdrucke großer Schriftgießereien und die Erzeugnisse berühmter Pressen wurden ausgestellt. Zahlreiche Mitglieder der Gesellschaft wurden porträtiert von Lino Salini, dokumentiert unter anderem in: Frankfurter Bibliophilen-Gesichter: Zur Jahres-Versammlung der Frankfurter Bibliophilen-Gesellschaft am Sonntag, den 23. Februar 1930. Von zwei Mitgliedern gewidmet. Gezeichnet von Lino Salini (Frankfurt am Main 1930).

Nach 1933 ging die aktive Tätigkeit der Gesellschaft zu Ende, das genaue Datum ihrer Auflösung ist nicht bekannt. Nicht wenige Mitglieder bekamen unter der Herrschaft der Nationalsozialisten Probleme, verloren Arbeit, Ansehen und Einfluss. Paul Hirsch, Vizepräsident der Frankfurter Industrie- und Handelskammer, einer jüdischen Kaufmannsfamilie enstammend, emigrierte 1936 nach Cambridge. Seine bibliophile und Musikalien-Sammlung gehört heute zum Bestand der British Library. Moriz Sondheim, ebenfalls jüdischer Herkunft, erhielt Berufsverbot und lebte zuletzt in einem Frankfurter „Judenhaus“. Er starb 1944 bei einem Luftangriff.

(Maria Bogdanovich)

So, 02.10.2022

Ulrich Wagner: "Borderline Berlin I", 2022, 32 x 245 cm, Leporello.
Die Galerie Druck & Buch in Wien.

Borderline in Wien

Die Betreiberin der Wiener Galerie Druck & Buch, Susanne Padberg, lädt für Donnerstag, den 6. Oktober 2022, um 19 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung Borderline von Ulrich Wagner ein. Der Künstler Ulrich Wagner aus Köln ist für seine Papierarbeiten, Rauminstallationen und vor allem seine Winkelbücher – in Auseinandersetzung mit den Zeichensystemen der Nationalsozialisten – bekannt. In seinem hier nun erstmals gezeigten Projekt Borderline befasst er sich mit den Extremformen von Grenzen: Grenzmauern. „Sie bilden eine radikale Trennung zwischen einander nahen Menschen, verunmöglichen Begegnung und Austausch, sind eine aggressive, Objekt gewordene Trennung. Ulrich Wagner zeigt die Berliner Mauer, die geplanten Mauer zwischen den USA und Mexiko und den Westwall in seinen zeichen- und planorientierten Unikatbüchern auf. Sein Material ist das handgeschöpfte Papier mit aufgegautschten Zeichen – in enormen Formaten und erkenntnisleitenden Faltungen.“ Die Exhibition ist bis zum 28. Oktober zu sehen. Die Galerie Druck & Buch findet sich in Wien in der Berggasse 21/2 in der unmittelbaren Nähe des Freud-Museums und ist von Montag bis Freitag 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Künstler wird zur Eröffnung der Ausstellung anwesend sein. 

(André Schinkel/ Pressemitteilung)

Fr, 30.09.2022

"Lost Playgrounds" ǀ © Susanne Theumer
"Am Gastronom", Kaltnadelradierung, 2021 ǀ © Susanne Theumer

Bibliophiles des Monats: Lost Playgrounds

Am Gastronom spielen zwei kleine Mädchen in der Vergangenheit; nur ein Betonmäuerchen blieb davon stehen. Wie kann man diesen Ort nennen, seinen Schlaf in den Epochen, von denen er, Rudiment nur noch, kündet? Ich sehe die Mädchen in den Elementen der Wand klettern und rufen, und ich sehe, daß sie sich dabei leis umsehen, als wollten sie diese, ihre Welt begreifen und aufnehmen in sich. Ich weiß nicht – wird es beiden gelingen und ihnen über ihre Kinderzeit hin wichtig bleiben? Einst, sagen die verschütteten und nun zwischen Ramschangeboten versteckten Legenden, gab es hier auch Wasser – dieser Stadtteil ist ganz gegen seinen Ruf seit jeher einer der Brunnen. Ob das die Legende meint, oder spricht sie noch davon, daß es eigentlich eine trockenliegende Senke ist, in die die Neustadt gebaut ist? Die kleinen Mädchen toben über den Platz, eine ernster, eine verschmitzter, im Wechsel vielleicht … das werde ich erst später erkennen. Vorerst sind sie ganz in das Spiel in ihrer Vergangenheit vertieft, die sich zwischen den Kanten und Rändern des Stadtteils, dem sie entstammen, noch eine Weile über den Grasflächen und Bäumen hält, ehe sie wie das Rufen der Kinder zwischen den Hausquadern verhallt und verlischt. In der Ferne rauschen die Brunnen der Zukunft. Es werden andere sein. Von der Zukunft, die die Geschichte verheißt, blieb nur dieses Mäuerchen stehn.

Susanne Theumer: Lost Playgrounds,
mit einem Gedicht von Rainer Maria Rilke und
vier Prosastücken von André Schinkel,
originalgrafische Mappe mit 9 Kaltnadelradierungen,
Handsatz, Handeinband mit Radierung bedruckt,
Bindung (Kassette): Claudia Richter,
45,5 x 55,5 cm, Auflage: 10 Exemplare.

(André Schinkel/Textbeispiel aus der Mappe)

Do, 29.09.2022

ver.di-Preisträger Till Sailer ǀ © Abel Doering
Der Preisträger (Mitte) nimmt die Ehrung von Jurorin Susanne Stumpenhusen und Juror Henning Kreitel entgegen ǀ © Abel Doering

ver.di-Literaturpreis für Till Sailer

Für seinen Roman Haus mit der Madonna, erschienen 2021 im Mitteldeutschen Verlag, erhielt unser Pirckheimer-Freund Till Sailer am 27. September den ver.di-Literaturpreis. Das Buch erzählt die Geschichte seiner nationalsozialistisch geprägten Mutter, die sich mit drei Söhnen in Weimar allein in das Leben nach dem Zweiten Weltkrieg einfinden und sich politisch umorientieren musste. In dieser Wendezeit durchlebt sie Not und zahlreiche Konflikte, die einen tiefen Einblick in die Psyche des Menschen sowie in die politischen Umstände in Ost wie West erlauben. Der Band kann als exzellentes Beispiel der Erzählkunst Till Sailers, den neben der zur Literatur und Geschichte eine tiefe Liebe zur (und Kenntnis der) Musik auszeichnet, gelten.

Der ver.di-Literaturpreis Berlin-Brandenburg des Verbands deutscher Schriftsteller wird jährlich in einer der Sparten Prosa, Lyrik sowie Kinder- und Jugendbuch vergeben – 2004 zum ersten Mal und zwar an Christoph Hein für Landnahme. 2008, drei Jahre vor ihrem Tod, erhielt ihn Eva Strittmatter für ihr Lebenswerk. Der Berliner Dichter und vielfach beachtete Übersetzer Richard Pietraß wurde 2009 mit ihm ausgezeichnet. Till Sailer, der aktuelle Preisträger, wurde 1942 in Weimar geboren und lebt in Bad Saarow. Sein vielgestaltiges Werk umfasst Hörspiele, Erzählungen, Sachbücher und Romane. Als Pirckheimer ist er vor allem mit dem Sammeln belletristischer Werke zu musikalischen Themen beschäftigt.

Die 65 für 2021 eingereichten Werke wurden juriert durch Susanne Stumpenhusen, viele Jahre Leiterin des ver.di-Landesbezirks Berlin-Brandenburg, Jana Weinert, Mitglied des Landesverbands Brandenburg und Laudatorin, sowie Henning Kreitel, Vorsitzender des VS-Landesverbands Berlin. Zu den prominenten Gästen der Feierlichkeit gehörte die Präsidentin des Landtags Brandenburg, Ulrike Liedtke (SPD), selbst Mitglied des Verbands und überdies auch schriftstellerisch tätig. Die Verleihung fand im Picasso-Saal der ver.di-Bundesverwaltung in Berlin statt. Die Pirckheimer-Gesellschaft gratuliert ihrem Mitglied von Herzen!

(Abel Doering/Elke Lang)

Di, 27.09.2022

Vom 08.10.22 bis 03.03.23 sind die Arbeiten von Olaf Wegewitz in Brandenburg a. d. Havel zu sehen.

Olaf Wegewitz in Brandenburg

Vom 8. Oktober bis zum 3. März des nächsten Jahres ist die Ausstellung Sedimente mit neuen Arbeiten – Grafik, Zeichnungen, Schreine – von Olaf Wegewitz in Brandenburg an der Havel zu sehen. Der vielfältige und vielfach ausgezeichnete Künstler, 1949 in Schönebeck (Elbe) geboren und über den Umweg Leipzig seit vielen Jahren in Huy-Neinstedt ansässig, hat Deutschland in seiner ganzen Länge und Breite durchquert. Nun macht er Station in Brandenburg und gewährt in der Galerie „Sonnensegel“ (Gotthardtkirchplatz 4/5, 14770 Brandenburg a. d. H.) einen kleinen, aber äußerst eindrucksvollen Einblick in sein künstlerisches Schaffen. Sedimente nennt Wegewitz seine Ausstellung. Der Titel löst Assoziationen mit Begriffen wie ‚Geschichtetes‘ oder ‚Bodensatz‘ aus. Bedeutungen, wie sich senken und sich setzen, lassen sich aus dem Wortstamm ableiten. Auch Erfahrenes, Gedankliches muss sich setzen, bevor es sich in der spontanen Zeichnergeste oder im filigran geplanten Kunstprojekt neu manifestiert. Die ausgestellten Blätter sind anschauliche Beispiele dieser Transformationen des Naturvorbilds in eine individuelle Kunstform. Die Schau wird am 08.10. um 16 Uhr eröffnet – durch die Unterstützung der Pirckheimer-Gesellschaft konnte Uwe Gellner, Sammlungskurator im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg, für die Rede zur Vernissage gewonnen werden. Wie immer ist der Druck des originalgrafischen Künstlerplakats Bestandteil der Ausstellungseröffnung.

(André Schinkel/Pressemitteilung)