Pirckheimer-Blog

Mo, 05.02.2024

"Die Kunst der Gestaltung" (Covermotiv) vereinigt die Beiträge einer Autoren-Begegnung in Großjena bei Naumburg, in der es u. a. um Buchkunst, Grafik, Sammelwut, Bibliophilie ging. | © Katharina Mälzer

März: „Die Kunst der Gestaltung“

Soeben ging sie in Druck, die Anthologie, die die Beiträge der Autorenbegegnung des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt e. V. dokumentiert: Unter dem Titel Die Kunst der Gestaltung wird sie zur Buchmesse im Mitteldeutschen Verlag erscheinen (144 Seiten, ISBN 978-3-96311-907-1, voraussichtlich 12 Euro). Die traditionelle Tagung in der Akademie Haus Sonneck oberhalb von Naumburg, einst unter der Ägide des DDR-Künstlerverbands und damit Willi Sitte stehende Preziose in den Weinbergen, hatte u. a. die Lust an Grafik und Buchkunst zum Thema, so referierten Karoline Schliemann vom Grassi-Museum in Leipzig und Aron Boks, der Urgroßneffe Sittes, gab es eine Lesung in der Landesschule Pforta und wurde das Klingerhaus auf dem Nachbarberg besucht. Neben den Beiträgen der Teilnehmenden enthält sie einen Dokumentations- und Fototeil.

(André Schinkel)

So, 04.02.2024

Das Plakat zum 'Gilde'-Jubiläum schuf Frank Eißner.

1924–2024: 100 Jahre Büchergilde

Ein Holzschnitt eines Meisters seines Fachs zum 100. Geburtstag, das sollte wohl mehr als das richtige Begängnis für das Jubiläum sein, hat sich Wolfgang Grätz gedacht, um das Jubilate á la 2024 für die Büchergilde Gutenberg einzuläuten. Und hat einen ganz und gar Prädestinierten dafür gefunden: Aus Sachsen stammend, heute in Aschaffenburg wirkend, hat Frank Eißner dem mit einem neunfarbigen Holzschnitt in verlorener Form ganz und gar entsprechen können. Es bildet als Plakat gewissermaßen den Auftakt für die Feierlichkeiten zu 100 Jahre Büchergilde, deren bewegte Geschichte ein gesamtdeutsches Ereignis am bibliophilen Horizont darstellt, schart doch Grätz im Umfeld von Genossenschaft und Grafikbrief die besten Vertreterinnen und Vertreter der gegenwärtigen Grafikerschaft um sich und spielt neben Frankfurt (M.) mit Leipzig ein zweiter elementarer Buchort Deutschlands in dieser Historie eine wichtige Rolle. Und: Eißners Plakat ist mit einer Größe von 42 x 30 Zentimeter in einer 24er Auflage aufgelegt worden und zum Preis von 124 Euro bei der Büchergilde (direkter Link hier) zu bestellen und zu erwerben. Vom 05. Februar bis zum 06. April ist die Ausstellung zu 100 Jahre Büchergilde 1924–2024: Druckgrafik, Plakate, illustrierte Bücher im ehrwürdigen Frankfurt zu sehen (Büchergilde Buchhandlung & Galerie, An der Staufenmauer 9, 60311 Frankfurt am Main, direkt hinter der Konstabler Wache). Geöffnet ist die Schau Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 17 Uhr. Das dürfte nicht die letzte Feier dieser Art für die Gilde sein in diesem Jahr: Wohl dem ... und: Ehre, wem Ehre gebührt. Ja, Eißners Plakat gibt schon mal ein Vorgefühl dessen, Interessenten mögen sich beeilen.

(André Schinkel)

Sa, 03.02.2024

Friederike von Hellermann: "Black Hole II", eine der originalgrafischen Arbeiten, die den PG-Mitglieder-Heften der "Marginalien" (Ausgabe 251) beiliegen.

Marginalien im FISAE-Newsletter

Ein schönes Lob, ein schöner Hinweis auf die aktuelle Ausgabe der Marginalien, der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der Pirckheimer-Gesellschaft (Heft 251, 2023/4) findet sich im neuesten Newsletter der FISAE (Ausgabe 349)! Ausführlich widmet sich das Nachrichtenblatt, das sich an die Exlibrissammler und -sachkundigen dieser Welt richtet, dem Heft und bringt neben einer reichen Auswahl des Marginalien-Bildwerks das vollständige Inhaltsverzeichnis der Ausgabe und das Geleit von Chefredakteur Till Schröder in allen dem Newsletter zur Verfügung und zu Gebote stehenden Sprachen, und das sind nicht wenige, so etwa zehn dürften es sein. Auch wird die feine und die die Sammlerherzen bubbern machende Sechser-Folge der Zweifarblinolschnitte, die unter dem Titel Black Hole, erdacht, geschnitten und gedruckt von den Künstlerinnen des book art center Halle (b. a. c. H.: Annegret Frauenlob, Claudia Richter, Friederike von Hellermann, Magda Klemp, Rita Lass und Petra Reichenbach) in Einzelblättern als originalgrafische Beilage den Mitglieder-Exemplaren der Zeitschrift beiliegt, ausdrücklich gewürdigt. Der Herausgeber des Newsletters schreibt: „Wieder ist ein schönes Heft der Marginalien in meinen Händen, mit einem Inhalt, der Stunden des Lesens bedeutet, allseitig, informativ – einfach ein Vergnügen, es in den Händen zu haben.“ Dank an Klaus Rödel in Fredrikshavn in Dänemark! Über dessen Mail-Kontakt klaus@roedel.dk ist der Newsletter erhältlich, bzw. kann man sich in die Liste für die Nachrichten-Sendung via PDF der FISAE eintragen. Des Weiteren berichtet Klaus Rödel von der Exlibris Aboensis aus Finnland und gibt Vorabinformationen zum im Herbst 2024 anstehenden Internationalen Exlibris-Kongress auf Mallorca. Die nächste Ausgabe der Marginalien (Heft 252, 2024/1) ist übrigens momentan in Arbeit, sie erscheint pünktlich vor der Buchmesse in Leipzig.

(André Schinkel)

Fr, 02.02.2024

Eines der Themen im neuen "Hamburger Bothen": das "Fünfzig-Balladen"-Buch von Klaus Waschk.

Hamburger Bothe 20 erschienen

Ganz frisch mit Monatsbeginn auf den Displays bzw. auf dem Lesepult ist der Hamburger Bothe in seiner 20., der Februar-Ausgabe. Darin findet sich unter anderem der Hinweis auf das in Kürze anstehende Pirckheimer-Treffen in der Schnittke-Akademie in Hamburg-Altona am 25.02. (der Blog berichtete mehrfach) sowie auf das neueste Buch des Verlags Angeli & Engel, in dem Klaus Waschk fünfzig Balladen der deutschsprachigen Literatur von den Anfängen der Gattung bis in die Gegenwart bildnerisch begleitet und adaptiert. Weitere Themen der Ausgabe sind: Fritz Jüttner, Meine bibliophile Empfehlung zum Klopstock-Jahr, Alex Rübel, Die Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft, Jonis Hartmanns Fortsetzung von Serendipity – Magie, Wirkung und Bedeutung eines eigenartigen Wortes und die Würdigung zu 75 Jahre Fränkische Bibliophilengesellschaft durch Klaus Staffel. Die Ausgabe endet mit einem Offenen Brief eines der Herausgeber an Giovanni di Lorenzo. Der Hamburger Bothe ist über die Mailadresse Rudolf_Angeli@web.de bestellbar und erhältlich. Nach zwanzig Ausgaben, kann man sagen, hat sich das in der Corona-Zeit letztlich aus der Not der Vereinzelung begründete Informationsblatt der nördlichen Pirckheimer, zumal es nunmehr in den gesamten Wirkraum der Pirckheimer-Gesellschaft hineinstrahlt, mehr als etabliert.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 01.02.2024

Eine Auswahl der Einbände vom 22. Internationalen Bucheinbandwettbewerb für Azubis. | © BDBI
Weitere Beispiele aus dem Buchbindewettbewerb. | © bei F. Proschek, Landesbibliothek Oldenburg

Einbände vom 22. Internationalen Wettbewerb für Auszubildende

Hohe Zeit für die Buchkunst: Ab dem 09. Februar zeigt die Landesbibliothek Oldenburg am Pferdemarkt 15 in 26121 Oldenburg bis zum 23. März des Jahres die Ausstellung Beeindruckende Einbände vom 22. Internationalen Wettbewerb für Auszubildende in der Buchbinderei. Bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstag, den 08. Februar, um 19 Uhr führt Buchbin­demeisterin Christine Merkel-Köppchen in das Thema ein. Nachdem die Landesbibliothek Oldenburg im vergangenen Jahr den Fokus auf Bucheinbände der Meister der Einbandkunst (MDE) gelegt hat, eröffnet sie jetzt dem Buchbindernachwuchs die Möglichkeit, seine eindrucksvollen Arbeiten der Öffentlichkeit zeigen zu können. Das Haus bildet selbst seit 2022 eine Buchbinderin in der hauseigenen Werkstatt aus. Der internationale Wettbewerb für Auszubildende wurde vor knapp 25 Jahren von Österreich, der Schweiz und Deutschland ins Leben gerufen, um jungen Menschen im Buchbinder­handwerk die Möglichkeit eines Leistungsvergleiches zu geben. Die Prämierungen in festlichem Rahmen finden jahresweise reihum in Österreich, der Schweiz und in Deutschland statt und geben den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen. Die Schau hat folgende Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10–19 Uhr und Samstag von 09–12 Uhr. Der Eintritt zur Exposition ist frei. Christine Merkel-Köppchen wird bei der Ausstellungseröffnung am 08.02. einen einführenden Vortrag zum Wettbewerb, zu den eingereichten Einbänden und den Bewertungen halten. Frau Merkel-Köppchen ist Buchbindemeisterin mit eigener Werkstatt in Gau-Odernheim (Rheinhessen) seit mehr als 25 Jahren. Dort bildet sie selbst junge Menschen in dem Handwerk aus und ist außerdem im Vorstand des Bundes Deutscher Buchbinder e. V. aktiv.

(André Schinkel/LBO/Pressemitteilung)

Mi, 31.01.2024

"Fantômas": ein modernes Phänomen in 42 Büchern.

Fantômas: Vom Phänomen einer Roman-Gestalt der Moderne

Neues aus Roberts kleiner Bücherecke

Als die Buchreihe Fantômas von Pierre Souvestre (1874–1914) und Marcel Allain (1885–1969) vor über hundert Jahren startete, hätte niemand gedacht, dass die Reihenfolge irgendwann 42 Teile umfassen würde. Manche hiervon erschienen zeitweise Schlag auf Schlag innerhalb eines Jahres. Ihren Ursprung hat die Reihe bereits im Jahre 1911. Im Jahr 1963 kam dann der vorerst letzte Band heraus. Die Serie wird mit dem Buch Ein Zug verschwindet eingeleitet. Zu diesem Teil sollte zum Einstieg gegriffen werden, wenn man sämtliche Bücher in ihrer Chronologie lesen will. 

Direkt nach dem Einstieg 1911 ließ der zweite Band nicht lange auf sich warten und erschien noch im gleichen Jahr mit dem Titel Juve contre Fantômas. Über fünfzig Jahre hinweg kamen so vierzig neue Bücher zur Reihenfolge hinzu bis einschließlich Teil 42 Fantômas Mène le Bal (1963). Die Fantômas-Figur ist ein skrupelloser und zugleich genialer Schurke. Seine Verbrechen zeichnen sich durch Brutalität und Einfallsreichtum aus. Und dass es keine Groschenhefte waren, sondern richtige, nur spottbillige Romane, war auch eine Attacke auf Kulturbetrieb und -dünkel. 

Die Surrealisten waren begeistert, der Schurke mit den vielen Masken wurde Künstleridol und Symbol für anarchistischen Groll hinter den Kulissen einer von kapitalistischem Aufschwung und technologischer Innovation berauschten Welt. Die eigentliche Reihe hat ihren Ursprung außerhalb Deutschlands. Der erste Band hat beispielsweise im Original den Titel Fantômas. Bis jetzt wurden die Bücher für den deutschen Markt nur teilweise in die deutsche Sprache übersetzt und sind eine Seltenheit. Nur zwei Bücher wurden in den letzten Jahren neu aufgelegt.

Die Fantômas-Romane von Souvestre und Allain haben, mit einigen anderen parallelen Romanen der 1910er Jahre, eine kulturgeschichtliche Lawine losgetreten. Surrealisten, Expressionisten, Revolutionäre und Schwärmer gerieten in den Bann der Figur und seines weiblichen Pendants – Irma Vep. Beide waren zugleich gefürchtet und geliebt. Das Phänomen Fantômas bedient die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Kern der Faszination ist die kindliche Allmachtsfantasie, die auch gesunde Erwachsene bei glücklich misslungener Sozialisation nie ganz loslässt. Und (s. u.) Thomas Brandlmeier untersucht in seinem Buch die Wirkung dieses begeistert gefeierten Verbrechers ...

Literaturtipp zum Weiterlesen:
Thomas Brandlmeier,
Fantômas. Beiträge zur Panik
des 20. Jahrhunderts,
Berlin: Verbrecher Verlag 2007,
Broschur, 174 Seiten, ISBN 
978-3-935843-372-0, 14 Euro.

(Robert Grieger)

Di, 30.01.2024

In der Universitätsbibliothek Augsburg werden die Schätze der Sammlungen Salzmann und Klaus und Ilsedore Jonas verwahrt. | © Universität Augsburg
Impressionen und Bildzeugnisse aus der Geschichte der Sammlung Salzmann. | © Universität Augsburg

Die Pirckheimer in Bayern auf Bücherschau in Augsburg

Am 18. Januar 2024 trafen sich sechs Pirckheimer und vier Gäste in der Universitätsbibliothek in Augsburg. Andrea Voß, Fachreferentin Germanistik, präsentierte an dem Tag Hintergründe und herausragende Einzelstücke aus zwei der bedeutenden Sondersammlungen der Unibibliothek Augsburg: zum einen die Sammlung Salzmann – Die Bibliothek der verbrannten Bücher, und zum anderen die Sammlung Klaus W. und Ilsedore B. Jonas

In ihrem Aufsatz Der Sammler Georg P. Salzmann im Sammelband Die Bibliothek der verbrannten Bücher (Allitera: München 2019) schreibt Voß: „Ende der 1970er Jahre beginnt Georg Salzmann, Antiquariate und Flohmärkte nach Erstausgaben von Lion Feuchtwanger, Vicki Baum, Ernst Toller, Leonhard Frank, Stefan Zweig und vielen weiteren zu durchsuchen. Zehn Jahre später ist sein privates Dokumentations- und Forschungsarchiv 10. Mai 1933 – Deutsche Literatur auf dem Scheiterhaufen auf mehrere Tausend Bände angewachsen. Salzmanns Ziel: Das Gesamtwerk von rund 70 der seit 1933 geächteten deutschsprachigen Autorinnen und Autoren in Erstausgaben zu archivieren. Gegen das Vergessen. Für die Erinnerung.

Georg Salzmann ist weder Literatur- noch Zeithistoriker. Er ist Finanzkaufmann. Zeitzeuge des Nationalsozialismus und schon als Junge literarisch interessiert. Eine gerade Linie von der Kindheit im NS-Staat hin zum akribischen Sammlertum im Alter lässt sich jedoch nicht ziehen. 1929 im thüringischen Waltershausen geboren, ist Georg Salzmann gerade vier Jahre alt, als am 10. Mai 1933 [...] die Bücher brennen.“ Die weltweit einmalige Sammlung, die um die 12.000 Titel umfasste (darunter über 3.000 Doubletten), ist seit Juli 2009 im Besitz der Universitätsbibliothek der Stadt am Lech, wo sie auch zum überwiegenden Teil frei zugänglich ist. Außerdem kann jedermann eine virtuelle Dauerausstellung (unter diesem Link erreichbar) des Sammelbestands besichtigen.

Nach ihren ausführlichen Erläuterungen präsentierte Voß die mitgebrachten Schätze seltener Erstausgaben und limitierter und signierter Drucke. Sie konnten in die Hand genommen und durchgeblättert werden, etwa Stefan Zweigs Schachnovelle in der deutschen Erstausgabe, erschienen posthum im Dezember 1942 im Pigmalion Verlag Buenos Aires, in einer limitierten Auflage von 300 Exemplaren, und Anna Seghers’ Das siebte Kreuz, ebenfalls in der deutschen Erstausgabe (Verlag „El Libro Libre“: Mexiko 1942) – beide aus der Salzmann-Bibliothek.

Aus der Sammlung Klaus W. und Ilsedore B. Jonas, die Autoren der klassischen Moderne umfasst wie Thomas MannGolo Mann sowie weitere Mitglieder der Familie Mann, zudem Rainer Maria RilkeHermann HesseHermann Broch und Gerhart Hauptmann, gab es Thomas Mann und Hesse zu sehen, so zum Beispiel die Buddenbrooks-Erstausgabe mit einem vierseitigen Autografen des Autors, oder die beiden Hesse-Bändchen Erwin (Erzählung, 1965 bei der Vereinigung Oltner Bücherfreunde erschienen) und Gedichte aus dem S. Fischer-Verlag mit einer Signatur des Sohnes Heiner Hesse – alle mit dem Exlibris des Sammlerehepaares Jonas versehen.

(Hans Rabenbauer/Matthias Haberzettl)

Mo, 29.01.2024

"Am Rand der Pfütze springt jede Katze anders": das Frontispiz, der Innentitel sowie zwei Vorzugsmotive des Buchs von Herta Müller und Axel Heller – 2023 erschienen bei Thomas Reche in Neumarkt i. d. OPf.

Buch des Monats: Herta Müller · Axel Heller „Am Rand der Pfütze springt jede Katze anders“

An einem Wintertag ging ich mit meiner Mutter drei Kilometer durch den Schnee ins Nachbardorf ein Fuchsfell kaufen für einen Mantelkragen. Der Pelzkragen sollte das Weihnachtsgeschenk meiner Mutter sein. Was für ein würdiges Buch des Monats! Fünf Texte der großen Erzählerin und vielfach geehrten Zeitzeugin Herta Müller: Essays, Notate und die fulminante Nobelpreisrede von 2009 selbst, flankiert von Fotografien Axel Hellers, erschienen als Ausgabe, die jeden bibliophilen Nerd zärtlich in die Träume verfolgt, im Verlag von Thomas Reche in Neumarkt in der Oberpfalz. Das Fell war ein ganzer Fuchs, und es glänzte kupferrot und wie Seide. Es hatte einen Kopf mit Ohren, eine getrocknete Schnauze und an den Füßen die schwarzen getrockneten Pölsterchen der Pfoten mit porzellanweißen Krallen und einen so bauschigen Schwanz, als wär noch der Wind drin. Der Fuchs lebte. Nicht mehr im Wald, aber in seiner konservierten Schönheit. Den in die Tiefe lotenden Exegesen von Herta Müller stehen 37 Fotografien Hellers zur Seite, die zwischen 2005 und 2014 im nordrumänischen Kreis Maramureș entstanden und mithin vom Leben auf dem Balkan wie der Herkunft Müllers berichten. Der Jäger hatte rote Haare wie der Fuchs. Das war mir unheimlich. Vielleicht fragte ich ihn deshalb, ob er ihn selbst geschossen hat. Er sagte, auf Füchse schießt man nicht, Füchse gehen in die Falle. Die Normalausgabe des herrlich-prächtigen Buches erschien in 400 Exemplaren und ist für 48 Euro (ISBN 978-3-947684-11-3) zu haben. Die gesamte Auflage ist signiert. Das alles sollte ein Mantelkragen werden. Ich ging noch zur Schule und wollte nicht wie alte Damen einen ganzen Fuchs mit Kopf und Pfoten am Hals, sondern nur ein Stückchen Fell als Kragen. Weiterhin erschien eine Vorzugsausgabe A (Nr. I bis XL), mit zwei signierten Original-Fotografien Auf dem Bauernhof und Straße im Winter, auf Barytpapier beiliegend zum Preis von 330 Euro (diese Ausgabe dürfte durch die Abonnements fast vergriffen sein, man eile ...). Aber zum Zerschneiden war der Fuchs zu schön. Darum begleitete er mich jahrelang und durfte überall, wo ich wohnte, wie ein Haustier auf dem Fußboden liegen. Eines Tages stieß ich im Vorbeigehen an das Fell, und der Schwanz rutschte weg. Er war abgeschnitten. Wochen später war der rechte hintere Fuß abgeschnitten, dann der linke. Ein paar Monate später nacheinander die vorderen Füße. Ferner sind noch die Vorzugsausgaben B und C in je 40 Exemplaren mit einem Original versehen, für jeweils 192 Euro zu bestellen. Der Geheimdienst kam und ging, wie er wollte. Er hinterließ Zeichen, wenn er wollte. Der Wohnungstür sah man nichts an. Ich sollte wissen, daß mir in meiner Wohnung dasselbe passieren kann wie dem Fuchs. Was für ein Buch, das Thomas Reche da wuchtig kredenzt!

(André Schinkel/kursivierte Zitate: Herta Müller)

So, 28.01.2024

Leipziger Buchmesse – vom 21. bis zum 24.03.2024.

März 2024: Leipziger Buchmesse

Vier Tage lang, vom 21. März bis zum 24. März, präsentieren sich in den Messehallen Autoren mit ihren Novitäten, Verlage und Dienstleister und die ganze Welt der Bücher. Diese Welt wäre aber unvollständig, wenn nicht auch die Buchkünstler, Illustratoren, Sammler all dieser schönen Dinge in Leipzig dabei sind. Traditionell sind dabei auch die Pirckheimer mit einem eigenen Stand vertreten. In diesem Jahr ist es der Stand E 505 in Halle 2 unter dem Dach von Buchkunst und Grafik. Bei den Pirckheimern ist die Vorfreude groß, da einzutauchen und den Blick der Besucher speziell auf Buchkunst und Bibliophilie zu lenken. Infos unter www.leipziger-buchmesse.de.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Sa, 27.01.2024

"Judging a Book by Its Cover: Bookbindings from the Collections of the Grolier Club, 1470s–2020."

Judging a Book by its Cover

Die Ausstellung Judging a Book by Its Cover: Bookbindings from the Collections of the Grolier Club, 1470s–2020 zeigt mehr als 100 Einbände, die dem Club im Laufe seiner 140-jährigen Geschichte von seinen Mitgliedern geschenkt wurden (oder die von Mitgliedern hergestellt wurden). Der älteste Einband stammt aus dem Jahr 1473 (Josephus Jewish Antiquities, The Jewish War und Ecclesiastical History (Latin). Augsburg: Johann Schüssler, 1470), einer der modernen Einbände stammt vom deutschen Buchbinder Ulrich Widmann und ziert das Buch von Svato Zapletal Ich bin nur Flamme: Gedichte des Expressionismus (Hamburg: Svato Verlag 1999).

Zu den Aspekten der Ausstellung gehören: die Geschichte der verzierten Einbände, der Einband als Gegenstand der dreidimensionalen Kunst sowie mithin die Besonderheiten des Einbands als Sammlerstück. Ein ganz besonderes Augenmerk wird auf die Geschichte der Entwicklung dieser dekorativen angewandten Kunst durch den Verein gelegt. Der Kurator der Ausstellung H. George Fletcher, ein Mitglied des Grolier Clubs, vorheriger Astor Director for Special Collections von The New York Public Library und vorheriger Kurator von The Morgan Library & Museum berichtet darüber im Vorwort des die Exhibition begleitenden Katalogs, verfasst und kompiliert von Fletcher, der im Januar 2024 bei der University of Chicago Press druckfrisch erschienen ist: 

„Bucheinbände üben seit jeher eine starke Anziehungskraft auf Bibliophile aus und stellen eine wichtige Gattung in Sammlungen von Handschriften und gedruckten Büchern dar. Dies gilt insbesondere für den Grolier Club. Unsere Gründungsmitglieder, die vor genau 140 Jahren, im Januar 1884, mit der Gründung des Clubs begannen, waren motiviert, den Club zu gründen und zu fördern, weil sie das Gefühl hatten, unter Gleichgesinnten bibliophile Gleichgesinnte zu finden. Aus den historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass ihnen die zeitgenössische Situation in Bezug auf die Bekleidung von Büchern besonders am Herzen lag. Die häusliche Szene war entmutigend: Bei den (...) Produktionen wurde säurehaltiges Papier verwendet, und die Einbände spiegelten nur zu gut den schwerfälligen Stil der damaligen Zeit wider. Der Umgang mit seltenen Büchern (...) war wesentlich schlimmer – der Stil überwog die Substanz, die Buchblöcke waren in Zwangsjacken verpackt, die von der Nutzung des Inhalts abhielten, und das Dekor war oft unsympathisch.“ 

Trotz der Möglichkeit, in Europa zu binden, waren die Sammler bestrebt, diese Kunst auch in der Neuen Welt zu entwickeln. Mehrere Clubgründer riefen die Club Bindery ins Leben und luden mehrere Meister aus Frankreich nach New York ein. Es wurden historische Exemplare gesammelt, Flüge organisiert und Ausstellungen veranstaltet. Zu den Glanzstücken der Ausstellung gehören Book of Hours mit Silberfiligran und Juwelen (1673), ein burgunderfarbener, vergoldeter Ziegenledereinband aus einer vatikanischen Buchbinderei, der Kardinal Basadonna geschenkt wurde (1674), und ein leuchtend grüner Seideneinband mit Blumenstickerei, der von May Morris (1862–1938), der Tochter von William Morris (1834–1896), entworfen wurde (etwa um 1888).

Die Abbildung 2 zeigt den Catalogue of Original and Early Editions of Some of the Poetical and Prose Works of English Writers from Langland to Wither, New York: The Grolier Club 1893. Irene Nichols schuf diesen Inbegriff des Englischen Gartens für Samuel Putnam Avery (1822–1904) und vollendete ihn im April 1895 in ihrem Atelier in Westminster. Avery bewahrte dieses Buch in seiner Hausbibliothek auf und vermachte es seiner Enkelin. Das Werk ist eine Schenkung von Amy Welcher aus dem Jahr 1992. Und als Beispiel aus der Gegenwart auf Abbildung 3: Svato Zapletal, Ich bin nur Flamme: Gedichte des Expressionismus, Hamburg: Svato Verlag 1999. Die Linolschnitt-Illustrationen des Autors im Buch inspirierten den Künstler-Buchbinder Ulrich Widmann zu dem anspielungsreichen Einband in seinem Atelier in Freiburg im Breisgau im Jahr 2019. Er ist in einem freien, in sich geschlossenen polychromen Muster über Gold gefärbtes und bemaltes Cuir-Cisele-Kalb. Es wurde 2020 angekauft über den Treuhandfonds von Lathrop Colgate Harper ... Die Ausstellung des The Grolier Club ist seit dem 17. Januar und noch bis zum 13. April 2024 zu sehen. Alle Exponate von Judging a Book by Its Cover sind hier über die Verlinkung einzusehen.

(Maria Bogdanovich)

Fr, 26.01.2024

Berlin: Vortrag mit Ninon Suckow. | © Robert Grieger

Berlin: „Impressum Magdeborch arte Simones Koch de Wylborch“

Am vorletzten Donnerstag, den 18.01.2024, hatten wir die Möglichkeit, bei einem tollen Vortrag von Ninon Suckow im Handschriftensaal der Berliner Staatsbibliothek dabei zu sein. Simon Koch druckte in den letzten zwanzig Jahren des 15. Jahrhunderts in Magdeburg. Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt vergleichsweise eine recht hohe Anzahl der seltenen Drucke, die an diesem Abend vorgestellt wurden. In ihrem Vortrag führte uns Ninon Suckow ein paar spannende Seiten dieser Drucke vor. Ihre Begeisterung für dieses Thema spürte man auch regelrecht in der Leidenschaft ihres Erzählens. Auch zeigte sie uns das Highlight einer Buchrestaurierung anlässlich ihres Ruhestandes. Ein tolle Geschichte ... Vielen Dank an Ninon! Es war ein interessanter Abend. Das Thema Buchpatenschaft hat durch ihre Präsentation einen ganz neuen Fokus bekommen.

(Robert Grieger)

Do, 25.01.2024

"Johnny & me – Eine Zeitreise mit John Heartfield", der animierte Film Katrin Rothes über den Künstler, läuft eben in den Kinos und auf den Festivals an.

„Johnny & me – Eine Zeitreise ...“

Im Januar und Februar läuft in diversen Kinos in Deutschland  Johnny & me – Eine Zeitreise mit John Heartfield, der animierte Film von Katrin Rothe. Darin wird das bewegte Leben des großen Künstlers auf einzigartige Weise erzählt, der den Nazis als einer der gefährlichsten Staatsfeinde gilt ... und sich auch später in der DDR nicht leichttut. „Die Grafikerin Stephanie, die von einer kreativen Schaffenskrise und Selbstzweifeln geplagt wird, ist fasziniert von John Heartfields Werk, das sie in einer Ausstellung entdeckt. Durch einen Zeittunnel landet sie in einem Atelier, wo der zur Trick-Figur gewordene Künstler sie auf eine Reise durch sein bewegtes Leben mitnimmt. Es entwickelt sich zwischen den beiden Kollegen eine liebevolle Freundschaft. Und Stephanie nimmt wieder Schere und Papier in die Hand.“ Die Laufzeiten in der jeweiligen Region (in der Regel ab 25.01.) sind bitte der Verlinkung zu entnehmen. Der Film ist zum Annecy International Animation Film Festival und zum Dokfest Leipzig eingeladen. Das richtige Werk womöglich zur richtigen Zeit.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 24.01.2024

Die große Dichterin Elke Erb ist gestorben. | © dpa

Berlin · Halle: Trauer um Elke Erb

Trotz ihres mehr als sechs Jahrzehnte währenden Werks und entgegen dem Gebaren so mancher, die es immer schon wussten, war Elke Erb (1938–2024) eine Spätentdeckte. Ihren ersten Literaturpreis erhielt sie im Alter von 50 Jahren und nicht in der DDR, in der sie unbeirrt und in einer Nische aus Widerborst und Gerechtigkeit erst an der Seite von Adolf Endler, dann allein ‚ihr Ding‘ machte ... Immerhin war es der Huchelpreis, den sie für Kastanienallee, 1987 bei Aufbau erschienen, bekam. Nach der Wende wählte sie den Weg über die kleinen und schönen Verlage, Urs Engeler etwa, den Poetenladen Verlag, in denen ihr umfängliches und ganz und gar eigenständiges Werk erschien. In den renommierten und angemessenen Suhrkamp-Verlag trat sie erst spät ein, 2021, mit Das ist hier der Fall, einer Auswahl für die BS – sicher auch der Vergabe des Büchnerpreises geschuldet, den sie dreißig Jahre zu spät, aber immerhin bekam. Und die es schon immer wussten, sie hatten ja auch recht. In der Lyrik- und alternativen Szene war die Erb immer eine Große, von Anfang an. Ihre launige Anwesenheit auf diesem sich vom Licht wegdrehenden Planeten wird fehlen, es bleiben uns ihre mit ihren Texten bekauzten Bücher, denen zu wünschen ist, dass man sie auch fürderhin sammelt und ehrt, auch das immerhin. Am 22. Januar starb Elke Erb, kurz vor ihrem 86. Geburtstag. 

(André Schinkel)

Andreas Kühne und Christoph Sorger lesen am 25. Januar aus "Strandgut am Acheron", das Gedichte und Geschichten, flankiert von Arbeiten u. a. Moritz Götzes – von Ekkeland Götze, Ulla Walter, Helge Leiberg, Thomas Helmbold und Werner Rataiczyk.

25.01.: „Strandgut am Acheron“

Einladung an einen Ort, dessen Besuch sich sowieso lohnt – seit Jahren ist die KunstHALLE des Kunstvereins Talstrasse eine edle Adresse für Ausstellungen, Konzerte, Vorträge und Lesungen. Am 25. Januar nun lesen Andreas Kühne und Christoph Sorger aus ihrem gemeinsamen Buch Strandgut am Acheron, das, im Heidelberger Morio-Verlag (einem Imprint des mdv) erschienen, fantastische und realistische Geschichten und Gedichte, flankiert von den künstlerischen Arbeiten Moritz Götzes etwa, weiterhin Ekkeland Götze, Ulla Walter, Helge Leiberg, Thomas Helmbold und Werner Rataiczyk, enthält. Die Autoren sind zugleich ausgewiesene Kenner und Förderer der Kunst: Der Abend lohnt sich für die Freunde des Buches wie der bildenden Künste. Beginn ist 19 Uhr. Und wenn man einmal da ist, unbedingt die aktuelle Ausstellung Die Kraft der Melancholie. Alexander Camaro und Seelenverwandte ansehn! Die Galerie findet sich am Kröllwitzer Ufer der Saalestadt: Talstraße 23, 06120 Halle (S.), in der Nähe des berühmten Krugs zum Grünen Kranze.

(André Schinkel)

Doppelseite aus Christoph Meckels Eremiten-Buch "Hotel für Schlafwandler" | © bei F. Proschek (LBO)

Christoph Meckel: Der Malerpoet und die Eremiten-Presse

Am Mittwoch, den 31. Januar um 19 Uhr, hält Adela Sophia Sabban einen Vortrag über Christoph Meckel (1935–2020) und die Eremiten-Presse (bis 2010) in der Landesbibliothek Oldenburg. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung „… heute Nacht fangen wir mit dem Drucken an.“ Der Verleger, Autor und Schlossherr V. O. Stomps statt, die noch bis einschließlich 26. Februar zu sehen ist. „Meckels faszinierende Eigenart ist es, daß er in singulärer Weise seine Dichtung und seine Graphik nebeneinanderstellt und ineinanderführt“, so hieß es in der Begründung der Jury, die den Antiquaria-Preis 2020 dem Schriftsteller, Grafiker und Zeichner verlieh. Weit über hundert Bücher hat Meckel veröffentlicht, viele davon stattete er mit eigenen Grafiken aus. Seine Bücher erschienen in verschiedenen Verlagen, doch die Zusammenarbeit mit einem Verlag sticht durch ihre Dauer heraus: die mit der Eremiten-Presse. Sie reicht von 1958, als V. O. Stomps Meckels zweiten Gedichtband druckte, bis zum Jahr 2000, in dem Meckels dort letzter Band bei Friedolin Reske und Jens Olsson erschien. Die Ausstellung in der Landesbibliothek Oldenburg zeigt mehrere der vielgestaltigen und schönen Bücher, die Meckel bei den ‚Eremiten‘ herausgab. Kurz vor seinem Tod schrieb Christoph Meckel noch das Vorwort zum ersten Band der Werkausgabe von Victor Otto Stomps, die 2020 im Frankfurter Dielmann Verlag erschienen ist. Gegliedert in fünf morgend­liche Begrüßungen an den Verleger und Schriftstellerkollegen Stomps beschreibt Christoph Meckel hier die langjährige Zusammenarbeit der beiden Künstler in der Eremiten-Presse. Die Ausstellung endet am Finissage-Tag mit einer Lesung des gleichsam legendären Verlegers Michael Krüger aus seinem aktuellen Buch Verabredung mit Dichtern. Erinnerungen und Begegnungen und einem Gespräch mit Stephan Müller-Doohm und Wolfgang Schopf. Weitere Infos: www.lb-oldenburg.de

 

(André Schinkel/Pressemitteilung) 

Di, 23.01.2024

Hamburg-Altona: "Pixi" wird 70. | © Carlsen Verlag

Pixi wird 70: Ausstellung ab 07.02.

Vom 07. Februar 2024 an ist im Altonaer Museum in Hamburg (zu finden in der Museumstraße 23 in 22765 Hamburg) Pixi – Die Ausstellung. 70 Jahre kleine Bücher zu sehen. Neben über 1.000 Pixi-Büchern aus sieben Jahrzehnten werden viele Illustrationen bekannter Zeichnerinnen und Zeichner gezeigt und Fakten wie Hintergrundinformationen aus 70 Jahren Pixi-Geschichte präsentiert. In einem Film erzählen Pixi-Autor*innen, -Illustrator*innen, Buchhändler*innen und Leser*innen, was die Pixi-Reihe für sie so besonders macht. Graphisch gestaltet und mitkuratiert wurde die Schau von der bekannten Illustratorin Regina Kehn. Ein umfassendes Veranstaltungs-Programm begleitet die Jubiläums-Ausstellung, die bis zum 18. August 2024 besucht werden kann.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Mo, 22.01.2024

"Die automatische Weltreise": der Kunstverein Gera am Markt 8/9 lädt zur Kunstbuch-Präsentation ein.

„Die automatische Weltreise“

Zur Lesung und Präsentation ihres gemeinsamen originalgrafischen Buches Die automatische Weltreise laden Pirckheimer-Freund Uwe Klos aus Cossengrün und Autor Hubert Schirneck aus Weimar in ihre Geburtsstadt Gera am 25. Januar des noch jungen Jahres ein. Der Kunstverein Gera, am Markt des ostthüringischen Metropölchens gelegen, schreibt: „Wir möchten Sie ganz herzlich einladen, eine der 8.784 Stunden, die das Schaltjahr 2024 zu bieten hat, bei uns und mit uns zu verbringen. Am 25. Januar präsentieren der Künstler Uwe Klos und der Dichter Hubert Schirneck ihr gemeinsames originalgrafisches Künstlerbuch Die automatische Weltreise. Eine Weltreise, für die kein Flugticket und kein Überseekoffer benötigt werden. Und wir versprechen auch, dass sich niemand in den Körperscanner stellen muss. Es wird eine entspannte, heitere Stunde mit Wein und guten Gesprächen.“ Durch den Abend, der 18 Uhr beginnt, und das Gespräch begleitend führt die „wahrhaft weltreisende“ Regina Scheler. Eine Leseprobe aus dem eigens für das Kunst-Projekt entstandenen Text Schirnecks, dessen Werk vielfach ausgezeichnet wurde: „und wir denken an berge / aber wir wohnen dort wo uns so lange noch bäche durchfließen / und wir wohnen in den tälern / im souterrain der landschaft / in dem wir unsere eigene ferne bewundern / das rot des meeres / und das blau der lippen / sieh an / der pergamentene himmel / dieser grandiose von regenwürmern durchpflügte himmel …“ Gemeinsam mit Uwe Klos, dessen Arbeiten sich in den großen Bibliothekssammlungen dieses Landes wiederfinden, haben sie, nicht das erste Unterfangen dieser Art in der edition duplici, ein schimmerndes Kunstwerk geschaffen, für dessen Würdigung dringender Zulauf in Geras Innenstadt angeordnet wird. Es ist auch, wie Klos mitteilt, eine „Volks-Ausgabe“ des Gemeinschaftswerks erschienen, deren Verkauf am Lesungs- und Gesprächsabend in Gera beginnt. Solange das und in diesem Glanz und dieser Schönheit geht, ist nichts verloren.

(André Schinkel)

So, 21.01.2024

"Whisky & Poetry" sind: eine gute kulturelle Liaison.
Qualität: das Logo der Scotch Malt Whisky Society.

Einladung zu „Whisky & Poetry“

Man kennt mich als Freund des schottischen Landweines (Whisky). Dies konnte ich vor einiger Zeit durch meinen Vortrag Whisky & Buch für die Berliner Pirckheimer darlegen und fand offene Ohren und ein interessiertes Publikum. Für Mitglieder der Scotch Malt Whisky Society (SMWS), aber auch für Nichtmitglieder bietet sich nun die Möglichkeit zu einer ähnlichen Veranstaltung, für die es noch Tickets gibt und sich dem Thema Whisky & Poetry gewidmet wird. Da dieses feine Thema ja auch weithin literarischen Anklang findet, muss ich dies einfach hier publik machen.

Der Whisky und die Dichtkunst pflegen mindestens seit Robert Burns (1759–1796) ein inniges und leidenschaftliches Verhältnis: Von vielen großen Autoren und Autorinnen ist überliefert, dass sie dem Wasser des Lebens zugeneigt waren – manche mehr, als medizinisch vertretbar war. Die SMWS möchte sich dem Thema an diesem Abend in anekdotischer Form nähern, mit amüsanten und teilweise auch abgründigen Geschichten über trinkende Dichter und die Rolle des Whiskys in der Literatur. Dazu werden am 31.01. wie immer die sechs neuen Single Cask Whiskys der Scotch Malt Whisky Society verkostet. Gastgeber des Abends ist – Society-Ambassador Peter Eichhorn.

Infos für den erfahrenen Whisky-Genießer: Whisky trinken wollen wir natürlich auch – euch erwarten sechs Abfüllungen aus unserem aktuellen Angebot. Da wären zum Beispiel zwei Whiskys aus Destillerie Nummer 64, einmal aus dem Sauternes-Fass und einmal ein Small Batch aus zwei Oloroso-Fässern. Spannend! Dann eine 16 Jahre alte Nummer 44, die erst in einem PX und dann in einem Oloroso-Fass reifte. Der Name: Chorizo Glow. Ebenfalls sehr spannend: Ein Teaninich aus dem Geschmacksprofil Oily & Coastal. Und das absolute Highlight: Ein 16 Jahre alter Ardbeg.

Tickets gibt es unter der Website der SMWS: www.smws.eu/whisky-poetry-berlin. Die Veranstaltung im Union Jack – The Whisky Pub in der Schlüterstraße in Berlin-Charlottenburg beginnt um 19.30 Uhr. Für alle Fragen zu dem Thema stehe ich natürlich gern zur Verfügung.

Whisky & Poetry
Union Jack – The Whisky Pub
31.01.2024, 19.30 Uhr
Schlüterstraße 15
10625 Berlin-Charlottenburg

(Robert Grieger)

Sa, 20.01.2024

Elke Lang (1942–2024) | © bei Marcel Gäding (MOZ)
Elke Lang, hier bei einem Galeriegespräch im April 2023 in Chemnitz, pflegte das Erbe von Lothar Lang und war u. a. als Autorin und Herausgeberin aktiv.

Grünheide: Trauer um Elke Lang

Unsere Pirckheimer-Freundin Elke Lang ist, wie die Märkische Oderzeitung gestern mitteilte, am 16. Januar im Alter von 81 Jahren gestorben. Mit Elke Lang (1942–2024) verliert die Pirckheimer-Gesellschaft eine engagierte Mitstreiterin und Sammlerin, die das Erbe ihres Mannes Lothar Lang (1928–2013) fürsorglich pflegte, aufarbeitete und bewahrte, sich zugleich einmischte als Essayistin und Rezensentin im Pirckheimer-Blog wie in den Marginalien, zu Sommerfesten in den idyllischen Künstlerort Grünheide bei Berlin einlud und so vielen Pirckheimern nah und vertraut war. Auch als Autorin der MOZ war sie beliebt und hoch geachtet. Die in Sachsen Geborene wurde und arbeitete zunächst als Lehrerin, ging mit der Berufung Lothar Langs nach Museum Schloss Burgk mit ihm ins Thüringische und war eine wichtige Zeitzeugin, was die Kulturgeschichte der letzten Jahrzehnte auch im Hinblick auf die Künstlerszene der DDR und ehemaligen DDR im Allgemeinen und der Gesellschaft im Speziellen bedeutet. In ihren späteren Jahren war sie immer wieder in die kulturellen Belange Brandenburg-Berlins involviert. Unter anderem gab sie die Erinnerungen Lothar Langs 2009 bei Faber und Faber in Leipzig und 2021 den Briefwechsel zwischen Carlfriedrich Claus und Lang heraus. In der kommenden, sich im Satz befindenden Ausgabe der Marginalien (Heft 252) ist sie mit ihren zwei jüngsten Texten vertreten. Der Tod dieser klugen und agilen Frau kommt für viele der Mit-Pirckheimer unerwartet und trifft die, die sie kannten und schätzten, schmerzlich.

(André Schinkel)

Bernd-Ingo Friedrich (2019) | © bei Hagen Schnauss

Bernd-Ingo Friedrich gestorben

Bereits am 09. Januar starb der Autor und Kulturhistoriker Bernd-Ingo Friedrich (1952–2024) in seiner Heimatstadt Weißwasser. Friedrich, der auf ein bewegtes, durch äußere Verwerfungen teils tragisches Leben zurückschaute, galt als ein streitbarer Intellektueller und Bibliophiler sowie als ausgewiesener Spezialist für die Epochen von Aufklärung und Biedermeier – seine Forschungen zu Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871), Leopold Schefer (1784–1862) und Heinrich Stieglitz (1801–1849) setzten Standards. Ein Teil seiner Exegesen zur Buchkunst erschien auch in Publikationen der Pirckheimer-Gesellschaft wie auch in den Marginalien (dort vorrangig in den ersten anderthalb Jahrzehnten des dritten Jahrtausends). Die Resultate seiner weitgefassten Kultur-Interessen erschienen in den unterschiedlichsten, inhaltlich zum Teil geradezu diametralen Medien.

(André Schinkel/Pressemeldung)