Pirckheimer-Blog

So, 10.04.2022

Marginalien 244 mit Typografischer (Albrecht von Bodecker) und Graphischer Beilage (Uwe Pfeifer: Hin und her, Holzschnitt, sign.)

MARGINALIEN #244

Zur artbook.berlin nord konnten die Marginalien #244 bereits vorgestellt werden, am Montag darauf hatten sie die meisten Pirckheimer in ihrem Briefkasten. 

"Das seltene Finden. So betitelt Albrecht von Bodecker vor gut 35 Jahren seine Erfahrungen mit Antiquariaten. Er schreibt nicht: Das Seltene finden. Er stellt nicht die Trouvaille in den Mittelpunkt, sondern die Suche. Der Prozess ist ihm wichtiger als das Produkt. Auf dem Weg zum geliebten Fund wächst der eigentliche Schatz: Wissens- und Wahrnehmungserweiterung. Es hat schon etwas Zen-haftiges, dieses Stöbern nach schönen Büchern. Nachzulesen in unserer Typografischen Beilage, mit der wir dem Buchkünstler zu seinem 90. Geburtstag im April gratulieren.
Ums Suchen geht es auch in anderen Beiträgen unserer aktuellen Ausgabe. Die Suche nach angemessener Form zum Beispiel, von der Sabine Knopf berichtet. Sie porträtiert Friederike Pondelik, die langjährige Künstlerische Leiterin des Reclam-Verlags Leipzig.
[...]
Fast schon manisch suchte ein anderer Gestalter nach der idealen Form: Willy Wiegand und seine Bremer Presse wollten nichts mehr als das Buch an sich neu zu erfinden, landete bei klassizistischer Askese, was in einigen der schönsten Bücher des 20. Jahrhunderts gipfelte – aber auch im Konkurs, wie Helmut Steffens für uns erzählt. Auch Christof Kugler sucht: Alles zum Spanischen Bürgerkrieg. Christoph Links besuchte den Arzt aus Frankfurt am Main [...] Jens-Fietje Dwars spürt im Atelier von Uwe Pfeifer der »Magie der Sachlichkeit« nach, dem Suchen nach Gewissheiten hinter nüchterner Darstellung, [...]
Und schließlich erzählt Christiane Hoffrath von der Suche nach Wahrheit – nicht nur von der astronomischen Galileo Galileis, sondern auch von der über dessen erstes Buch, dem Sternenboten von 1610, ausgelöst durch eine spektakuläre Fälschung."

(Till Schröder, Editorial)

Sa, 09.04.2022

Beyond the Archive

Die Pirckheimer-Gesellschaft hatte auf der artbook.berlin nord vor wenigen Tagen ihren Stand unmittelbar neben dem erstmals an dieser Messe teilnehmendem Klingspor Museum. Und dort fiel neben anderen Publikationen des Hauses vor allem ein Titel ins Auge:

Typografiestudenten und -absolventen der Hochschule für Gestaltung Offenbach sind in einem Kurs der Geschichte der Schriftgießerei Gebr. Klingspor nachgegangen mit dem Ziel, im Klingspor Museum eine Ausstellung zum Archiv dieser Firma zu kuratieren. Begleitend dazu entstand die Publikation „Beyond the Archive“ als Bestandteil dieser Ausstellung.
Es wird sowohl die Geschichte des Schriftproben-Archivs als auch die Geschichte der Schriftgießerei, sowie der Zusammenhang von Typografie und Zeitgeschichte behandelt. Der Titel des Abschnitts von Julia MeerGestaltung ist Ausdruck ihrer Zeit, aber auch prägend für die Zukunft“ könnte dabei das Motto dieses Katalogs sein.
Der hervorragend gestaltete „Katalog“ (132 S., brosch.), welcher mit historischen Fotos von Angestellten und aus dem Buch „Aus dem Betriebe“ (128) illustriert ist, besticht vor allem auch durch die abgebildeten Schriftproben. Es ist in einer Auflage von 175 Exemplaren erschienen.

Fr, 08.04.2022

Udo Würtenberger, zweifarbiger Holzschnitt

Aurelius Vita und armenische Nachtigall

Holzschnitt- und Linolschittzyklen von Udo Würtenberger, Layout und Schriftsatz: Michael Ley.

In einer Ausstellung der Galerie Udo Würtenberger werden die "Vita Sancti Aurelii", die mittelalterliche Nacherzählung des Lebens und Wirkens des Heiligen Aurelius und "Die armenische Nachtigall", eine Sammlung von Liebesgedichten des armenischen Schriftstellers Nahabed Kutschak aus dem 16.Jahrhundert gezeigt.
Beide Werke wurden in Anlehnung an die mittelalterliche Buchmalerei mit farbigen Holz- und Linolschnitten versehen und als Buch-Unikate gestaltet.

Die ursprünglich für Mitte Dezember 2021 geplante Ausstellungseröffnung kann jetzt nachgeholt werden. 

Vernissage: 24. April 2022, 12 Uhr, musikalische Umrahmung: Quartett Leolino, Hamburg

Galerie Udo Würtenberger
Elberfelder Straße 10, 10555 Berlin

Do, 07.04.2022

Rainer Ehrt, Mann mit Hasenpanier

KRAFT - WERK - KUNST

Die erste Ausstellung der Potsdamer Galerie KUNST-KONTOR 2022 steht unter dem Motto "Gehauen & Gestochen - Gesägt & Geschnitten... KRAFT - WERK - KUNST"

Kunst herzustellen ist von seinem Ursprung her ein sinnlicher Akt. Es ist ein Akt, der ohne die Energie des Körpers schwer denkbar ist, der an die Kraft von Muskeln und Intellekt gebunden bleibt. Ohne das diffizile Zusammenspiel der Sinne, der Nerven mit der Hand und dem Körper bleibt die Idee ein Phantom. Das hatte schon Aristoteles in seiner POETIK erkannt. Erst im Dreiklang aus handwerklicher Fertigkeit, Denken und Phantasie hebt sich der wirkliche Künstler aus dem Kreis der Kunstschaffenden hervor.

Die vielseitig arbeitende Künstlerin Friederike Krusche präsentieren wir in der Galerie zum ersten Mal mit einer Anzahl von sensiblen, farbigen Mischtechniken, die in aufwendigen Arbeitsprozessen entstehen. Von Sibylle Prinzessin von Preußen sind einzigartige, feinsinnige CUTs und Scherenschnitte zu sehen. Der Pirckheimer Rainer Ehrt präsentiert u.a. neue großformatige Holzschnitte, die in der Technik der „Verlorenen Platte“ entstehen. Wie man in schwierigen Zeiten seinen hintergründigen Humor nicht verliert und gleichzeitig am Puls der Zeit ist, davon zeugen auch die neuen Holzskulpturen von Peer Oliver Nau. Und Richard Rabensaat kennt man in der Berliner Szene als vielseitigen und umtriebigen Künstler und Kurator. Nun ist er auch in der Brandenburger Metropole als Künstler angekommen.

Ausstellung: 7. April - 17. Mai 2022

Galerie Kunst-Kontor
Bertiniweg 1A, 14469 Potsdam

 

Mi, 06.04.2022

Dichtung in 3D

Wenngleich Texte vornehmlich zwischen zwei Buchdeckeln oder auf Bildschirmen gelesen werden, so gibt es doch zahlreiche weitere Formate und Materialien für die Präsentation von Texten. Die neue Ausstellung der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig wird unter dem Titel „Dichtung in 3D. Textskulpturen und Gedichtobjekte seit 1960“ mit einer großen Vielfalt gestalterischer Ausdrucksformen für Geschriebenes überraschen. Dabei sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt: Ob Konkrete oder Akustische Poesie, ob Textfilme, Papierarbeiten oder Beispiele früher digitaler Poesie - gezeigt werden radikale Ansätze renommierter Vertreter*innen der experimentellen Poesie, die die facettenreichen Verbindungen von linearem Text und raumgreifender Form zeigen. Dabei sind u.a. Exponate von John Cage, Carlfriedrich Claus, Peter Downsbrough, Valie Export, Carlos Ginzburg, Ferdinand Kriwet, Franz Mon, Ewa Partum, Octavio Paz, Timm Ulrichs und Peter Weibel. Mit überraschend moderner Haltung und klaren Statements zur Entgrenzung des Mediums bereichern die ca. 80 internationalen Arbeiten den aktuellen Feuilleton-Diskurs um das sogenannte „Ende des Buches“.

Eröffnung: 7. April 2022
Ausstellung: 8. April - 30. Oktober 2022

Deutsche Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Di, 05.04.2022

Joachim Pohl (Foto: ad)

Joachim Pohl (1947 - 2022)

Der Pirckheimer Joachim Pohl, von vielen als eine "Kunstinstitution in Pankow" bezeichnet, ist kurz nach seinem 75. Geburtstag nach langer Krankheit verstorben.

Joachim Pohl begann nach dem Abitur am Friedrich-List-Gymnasium und dem gleichzeitigen Abschluss einer Lehre als Betriebsschlosser 1966 ein Studium der Germanistik und Kunsterziehung an der Humboldt-Universität. Seit Mitte der 60er-Jahre war Pohl aber auch selbst künstlerisch tätig. Als Diplomfachlehrer für Kunsterziehung arbeitete er dann bis 1975 an der Wilhelm-Pieck-Oberschule, dem heutigen Rosa-Luxemburg-Gymnasium.

Es folgten zwei Jahre als freischaffender Kunstwissenschaftler, Kurator, Publizist und Maler. 1977 begann als Galerist zu arbeiten. Er wurde Leiter der Galerie am Prater in Prenzlauer Berg. In dieser Eigenschaft setzte er in der DDR-Hauptstadt Akzente.

In den Wendejahren war er Mitbegründer des Kunstvereins Pankow. Seine Galerie, die er seit Juni 1993 betrieb und in der auch die Berlin-Brandenburger Regionalgruppe einige ihrer bibliophilen Abende erlebte, wird seit dem März 2019 von Andreas Wolf und Archi Galentz weitergeführt.

Zuletzt erlebten wir ihn mit einem Vortrag zu seinem Sammelgebiet von Popart-Graphik, die er u.a. zum Jahreswechsel in einer Ausstellung in den Pankower Rathauspassagen zeigte.

Seine Beisetzung findet am 13. April statt.

© Ulrike Theusner

SURPRISE - Die Kunst der Monotypie

Unter diesem Titel widmet sich die Städtischen Galerie Wolfsburg dem Medium der Monotypie.

Seit der Erfindung Mitte des 17. Jahrhunderts durch den italienischen Barockkünstler Giovanni Benedetto Castiglione (1609-1664) hat sich die Monotypie zwischen den tradierten Kunstformen Malerei, Zeichnung und Grafik eine ganz spezielle Nische erobert. Im späten 19. Jahrhundert erlebte sie mit Edgar Degas und Paul Gauguin dann eine erste Blütezeit. Doch gerade auch in der zeitgenössischen Kunst wird diese besondere Drucktechnik, die in der Regel immer nur ein einziges, gültiges Exemplar hervorbringt, sowohl von den Ausführenden als auch von Sammlern zunehmend geschätzt.

Im deutschsprachigen Raum ist dies seit Langem die erste umfassendere institutionelle Ausstellung zu diesem Thema. Direktorin Prof. Dr. Susanne Pfleger hat die Schau in enger Zusammenarbeit mit dem Münchner Galeristen Matthias Kunz (Knust Kunz Gallery Editions) zusammengestellt.

Die Ausstellung versammelt mehr als ein Dutzend zeitgenössische Positionen. Die international zusammengesetzte Künstlerliste umfasst Protagonisten mehrerer Generationen. Sie reicht von Gerhard Richter, Per Kirkeby, Günther Förg und John Cage über Herbert Brandl und Shara Hughes bis hin zu Wolfgang Ellenrieder, Ulrike Theusner und David Mildner. Das Spektrum der gezeigten Arbeiten reicht dabei von Landschaftsdarstellungen, Stillleben und Porträts über eher abstrakt gehaltene Darstellungen bis hin zu experimentellen, seriellen und eher konzeptuell aufgefassten Monotypien.

Im Rahmen des Ausstellungprojekts sind die verschiedensten praktischen Angebote in der Druckwerkstatt im Schloss Wolfsburg sowie in der Bürgerwerkstatt geplant. Freude am Experimentieren und das Entdecken der Technik sollen dabei im Vordergrund stehen. Daneben werden Künstlergespräche in der Druckwerkstatt angeboten, die sich an das Fachpublikum richten und in Zusammenarbeit mit der HBK Braunschweig sowie der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle organisiert werden. In der Druckwerkstatt wird begleitend zur Ausstellung eine Edition entstehen.

Ausstellung: 2.April - 14. August 20022

Städtische Galerie Wolfsburg
Schlossstraße 8, 38448 Wolfsburg

Mo, 04.04.2022

Werner Klemke, Liebeserklärung an Berlin, 1977/2021

eine Liebeserklärung

Vom Pirckheimer Matthias Haberzettl wurde in diesem Jahr als Publikation zu Werner Klemke, die an einige Interessierte und Freunde seit Jahren vom Klemke-Enthusiasten zum Jahreswechsel verschickt werden, jetzt eine Zusammenstellung von Graphiken versandt, die unser Gründungsmitglied für das DDR-Fernsehen schuf.

Diese Graphiken „nehmen im Werk Werner Klemkes einen nicht unbeträchtlichen Raum ein. Neben einzelnen Tafeln die zum Beginn des jeweiligen Programms eingeblendet wurden [...] bilden die hier vorliegenden Grafiken zu zu dem Dokumentarfilm »Liebeserklärung an Berlin« einen in meinen Augen besonderen Kristallisationspunkt dieses Teil-Œuvres“ .

(Matthias Haberzettl)

So, 03.04.2022

Hamburger Bothe 9

"[...] der Zeichner Klaus Waschk [kommt] zu Wort, der als Beilage zu seinem bei Angeli & Engel erschienenen Buch „Vor&NachBilder – Zeichnungen zur Literatur 1971-2021“ einen Linolschnitt zum berühmten „Kriegslied“ von Claudius gestaltet hat. Angesichts der fürchterlichen Bilder von Zerstörung und Elend aus der Ukraine erinnert sich der aus dem damaligen Insterburg in Ostpreußen stammende Künstler an seine Flucht vor der Roten Armee. Einen Hauptbeitrag dieser Ausgabe hat uns Wolfram Benda gestiftet, eine Darstellung seiner bedeutenden Bear Press, die Maßstäbe in der deutschsprachigen Bibliophilie gesetzt hat. Hervorgehoben seien auch die Gedichte von Steffen Brück, mit denen wir unsere Reihe mit Präsentationen von Gegenwartsautoren fortsetzen. Und auch ein Wort über das nächste Buch des Verlags Angeli & Engel darf in dieser Ausgabe nicht fehlen: Wir bringen bis zur Jahresmitte das Buch „Figur&Kontext“ des Künstlers und Autors Rainer Ehrt heraus, der in dem Band nachdrücklich darauf aufmerksam macht, dass er ebenso gewandt die Zeichen- wie die Schreibfeder zu führen versteht. Wir laden zur Vorbestellung des Buches ein, dem für die Vorzugsausgabe ein extra aus diesem Anlass geschaffenes Selbstbildnis beigegeben wird."

(Peter Engel, aus dem Editorial)

Hamburger Bothe Nr. 9 (pdf)
Post für bibliophile Leser und Sammler

Sa, 02.04.2022

Zeichnung von Hartmut Andryczuk (Vorzugsausgabe)

Quarantäne Updates Shanghai

Von Christian Y. Schmidt erscheint, herausgegeben von Hartmut Andryczuk im Hybriden-Verlag, "Quarantäne Updates Shanghai. Ein Feldforschungsbericht"

"Montag, den 8. November, Tag 1

10:12 Uhr. Nehme mir die Papiere vor, die ich gestern noch nicht gelesen habe, weil ich zu erschöpft war. Das wichtigste ist offenbar ein DIN-A-4-Blatt mit der Überschrift „Notice“, das zweiseitig bedruckt ist. Auf der ersten werden mehrere Gesetze zitiert, auf die man sich stützt. Dann kommt man zum fettgedruckten Punkt: „All those who have traveled to or lived in severly affected countries within the previous 14 days are required to have the body temperature checked upon the arrival and to take 14-day home quarantine or centralized quarantine observation.“ Anschliessend wird erklärt, dass die staatlichen Organe Zwangsmaßnahmen gegen die ergreifen können, die sich nicht an die angeordneten Maßnahmen halten. Zum Schluß wird es noch einmal fettgedruckt und sogar gesperrt: „LAST AND NOT LEAST, DO NOT leave your room without any permission. Otherwise, you will probably get prosecuted and fined, according to the Chinese legislation, for committing the crime of endagering public security.“ Verstanden, wenn ich das Zimmer verlassen, begehe ich ein Verbrechen.

11:27 Uhr. Immer noch deutlich zu kalt im Zimmer. Versuche, die Rezeption telefonisch zu erreichen, stelle mich aber zu dumm an. Ziehe meinen Mantel an. Kurze Befürchtung, ihn zwei Wochen lang zu tragen. ..."

Edition: 128 Seiten, gebunden. Mit fünf farbigen Abbildungen
Quarantäne-Video (DVD) von Christian Y. Schmidt
Beilage: Originalzeichnung "ROOM 5038" von Hartmut Andryczuk
Normalausgabe: 100 Exemplare, signiert und nummeriert
Auslieferung ab Montag 4. April 2022
100 €

Fr, 01.04.2022

Bücherstaub hält jung

Unter Bücherfreunden war es eigentlich schon lange unbestritten: Bücherstaub hält jung.

Heute wurde von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina eine gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin durchgeführte Langzeitstudie veröffentlicht, welche diese, bislang nur als These existierende, Auffassung stützt.

Für eine Experimentalgruppe von 1422 Studenten, die kontrolliert mindestens 5 Bücher pro Woche ausliehen, kauften oder wenigstens zur Hand nahmen, konnte gegenüber einer Kontrollgruppe von 567 Probanden, die sich ausschließlich am PC weiterbildeten, über einen Zeitraum von 24 Monaten eine doppelt hohe Immunität nachgewiesen werden, gleichzeitig hatte die Gruppe der Leser gegenüber der Gruppe der PC-User einen um 78 % geringeren Krankenstand. Auch die Auswertung der Blut- und Vitalwerte der Gruppe von Bücherfreunden ließ den Schluss zu, dass bei diesen bei annähernd gleichem Konsum von Genussmitteln eine langsamere Zellalterung vonstattenging.
Ein stützendes Gutachten wurde jetzt bei der University of Oxford, sowie der Harvard University in Auftrag gegeben.

Um dieses Ergebnis mithilfe unserer Mitglieder verifizieren zu lassen ist die Leopoldina jetzt an die Pirckheimer-Gesellschaft herangetreten und bittet Freiwillige gegen eine Aufwandsentschädigung um Mitarbeit.

Näheres hier.

Emil Rudolf Weiß, Drei Monate in Spanien, Interimseinband, 1931

Bibliophiles des Monats: Emil Rudolf Weiß reist nach Spanien

Ein Mäzen ... finanziert 1923 einem Künstler, der in den Nachkriegsjahren tiefe Depression erfahren hat, eine dreimonatige Bildungsreise durch Spanien. ... Hegte wohl auch die Erwartung, dass Emil Rudolf Weiß auf diese Weise Lebensmut und künstlerische Schaffenskraft wiedergewinnen und dies möglicherweise zum Anlass für einen bibliophilen Reisebericht nehmen könne. ...

Der besondere Reiz dieses Buches im großen Format 38,2 x 28,0 cm, im Jahre 1931 nummeriert und signiert für die 300 Mitglieder der Maximilian-Gesellschaft herausgegeben, liegt in der einheitlichen Gestaltung des Textblockes durch den Autor, der als bedeutender Schriftgestalter, Graphiker und Maler bekannt ist. Weiß schildert hier nicht nur seine Reiseeindrücke in sehr persönlicher und informativer Weise, schmückt sie mit farblich getönten Landschaftsskizzen und Detailzeichnungen, eingefügt als kleine Lithographien in seinen Text, sondern er übernimmt auch die Gestaltung und die Überwachung des Druckes in den von ihm selbst entworfenen Schriften Weiß Antiqua und Weiß Kursiv. So entstand ein harmonischer künstlerischer Gesamteindruck.

Man hätte nun erwarten können, dass die Herausgeber auch einen schmuckvollen Bucheinband aus Weißscher Hand gewählt hätten, zumal er ja vielfach als Einbandkünstler, zum Beispiel für den Tempel-Verlag, in Erscheinung getreten war. Allerdings bestand in der exklusiven Mitgliedschaft der Gesellschaft damals wohl das Bedürfnis, sich die Buchpublikationen exklusiv in individuellen Einbandformen binden zu lassen. So lieferte man sie auch in einfachen Interimseinbänden aus, die dann entsprechend ersetzt werden konnten. Daher findet man heute ganz verschiedene Einbandvarianten des Buches. ...

(Christiane und Norbert Grewe)

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Do, 31.03.2022

Das Büro des Verlegers um 1860

Otto Spamers Bücherfabrik – Sachbuchwelten für die Jugend

Heute vor 175 Jahren, am 31. März 1847, gab Otto Spamer per Rundschreiben die Gründung einer Verlagsbuchhandlung bekannt. Nach einem anfänglich noch gemischten Programm konzentrierte sich der ausgebildete Buchhändler schon bald auf die Wissensvermittlung an Groß und Klein. Der Verlag spezialisierte sich auf illustrierte Kinder- und Jugendbücher, die ihre Leser in ferne Länder entführten, Flora und Fauna in Nah und Fern erkundeten, den technischen Fortschritt beleuchteten und zum Experimentieren einluden. Spamer verkaufte seine Bücher millionenfach und zählte, was heute fast in Vergessenheit geraten ist, zu den größten Verlagen des Deutschen Kaiserreichs.

Die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin wendet sich mit der Online-Ausstellung einem der bedeutendsten Verlage für Kinder- und Jugendsachliteratur des 19. Jahrhunderts zu. Sie führt in das Leben und Schaffen Otto Spamers ein und betrachtet die wechselhafte Geschichte des gleichnamigen Verlages. Vor allem aber macht sie auf dessen beachtliches, seinerzeit überaus innovatives Kinder- und Jugendbuchprogramm aufmerksam und lädt zum virtuellen Blättern und Stöbern in der umfangreichen digitalen Sammlung der Staatsbibliothek ein. Die interaktive Schau, die auf der gleichnamigen 2021 im Leipziger Schulmuseum präsentierten Ausstellung basiert, gibt Einblicke in die „Bücherfabrik“, die massenhaft industriell Literatur für jedermann fertigte, Wert auf Veranschaulichung in Wort und Bild legte und durch eine geschickt arbeitende Werbemaschinerie für eine rege Rezeption sorgte.

Heinrich XI.

Heinrich XI. zum 300. Geburtstag

Die aktuelle Ausstellung im Sommerpalais Greiz ist dem Erbauer gewidmet. Heinrich XI. Reuß älterer Linie wurde am 18. März 1722 geboren. 1778 gelang ihm die Rangerhöhung zum Reichsfürsten durch ein kaiserliches Privileg.

Schon am Ende der 1760er Jahre verlebte er erstmals den Sommer in seinem neuen Palais, das er als „Maison de belle Retraite“ – seinen schönen Rückzugsort bezeichnete. Immer wieder verbrachte auch der alternde Herrscher von nun an die Zeit von Mai bis Oktober im Sommerpalais. Hier empfing er Gäste, brach zu kleineren und größeren Reisen auf, veranstaltete Jagden, beobachtete akribisch das Wetter und verfolgte die Weltpolitik – inmitten von Blumen und Orangenbäumen des umgebenden Parks.

Die laufende Ausstellung zeigt Facetten des höfischen Lebens im Fürstentum auf – von den Haustieren im Sommerpalais bis zu seidenen Strümpfen und Zipfelmütze.
An Stelle einer Vernissage werden an den ersten beiden Ausstellungstagen jeweils um 14.30 Uhr Führungen durch die Ausstellung angeboten.

Ausstellung: 19. März - 12. Juni 2022

Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz
SATIRICUM des Sommerpalais Greiz
Fürstlich Greizer Park, 07973 Greiz

Mi, 30.03.2022

Klaus Ensikat, Ill. zu Gogol: Der Mantel, The Bear Press 2022

Einladung zur Subskription

DER MANTEL

Nicolaj Gogols großartige groteske Novelle aus dem Jahr 1842 erscheint im Sommer 2022 mit einem Nachwort von Vladimir Nabokov in einer einmaligen limitierten Auflage von 120 Exemplaren. Das vom Pirckheimer Wolfram Benda herausgegebene, mit der Hand gesetzte und auf handgeschöpftes Bütten gedruckte Buch wird auch von Hand geheftet und gebunden. Klaus Ensikat schuf dazu 14 kongeniale Radierungen, die in das Buch eingedruckt sind.

Die Edition de Tete umfasst 83 handgebundene Exemplare in grünem Oasenziegenhalbleder. - Die Vorzugsausgabe, die auf nur 25 Exemplare beschränkt und in Pergament gebunden ist, enthält eine zusätzliche Radierung.
Für die Luxusausgabe (12 Exemplare) in hellgrünem Maroquin hat der Künstler alle 15 Radierungen koloriert.
10 Exemplare mit 15 einzeln signierten, großformatigen Radierungen werden in einer beigen Leinenkassette als Suitenausgabe verwahrt.

Nicolaj Gogol, Der Mantel,
Ill. Klaus Ensikat
Mediaeval-Antiqua, 64 S., 19 x 28 cm
The Bear Press
Dr. Wolfram Benda
Schleiermacherstraße 7 • 9 5447 Bayreuth

Subskriptionspreis bis 30.09.2022:
Edition de Tete: € 800, danach € 900
Vorzugsausgabe: € 1200, danach € 1400
Luxusausgabe: Preis nach Anfrage
Suitenausgabe: € 1200, danach € 1400

Di, 29.03.2022

miley: Abel und Petrus, bearbeitete Fotografie 2022

artbook nachlese

Der Pirckheimer miley ist künstlerisch in verschiedenen graphischen Techniken unterwegs, u.a. auch mit digital nachbearbeiteten Fotos.

Hier eine derartige Graphik nach einem Foto, welches miley von Abel Doering, der die Präsentation der Pirckheimer-Gesellschaft betreute und dessen Standnachbarn Petrus Akkordeon vor wenigen Tagen auf der artbook.berlin nord machte.

Diti Ronen, Figuren, Ill. Gilead Tadmor, Corvinus Presse

Figuren

"Auf Einladung des georgischen Buchzentrums war ich 2017 in Tiflis und lernte dort die Autorin Diti Ronen im Goethe-Institut kennen. Daraus entstand später die Idee eines Buches in der Corvinus Presse. Einige Texte hatte die Übersetzerin Anne Birkenhauer übersetzt, weitere übersetzte der in Berlin lebende Johannes Schwarz, welcher mit der Familie der Autorin befreundet ist. Dazu kam Gilead Tadmor als Grafiker, der schon in einigen Ausgaben der originalgrafischen Künstlerzeitschrift Body & Soul teilgenommen hatte.
Zusammen mit meinem zu früh verstorbenen Freund und Maler
Zoppe Voskuhl hatten wir die Idee seine Werke in einer Ausstellung in Berlin zu zeigen. Corona machte einen Strich durch unsere Pläne."

(Hendrik Liersch)

Lesung: 8. April 2022, 19 Uhr, Diti Ronen in Hebräisch, Johannes Schwarz in Deutsch, Musik: Suzanna und Karsten Troyke

Moving Poets Berlin
Hasselwerderstraße 22, 12439 Berlin

Mo, 28.03.2022

AUS DEM ANTIQUARIAT 1/2022

Fast die Hälfte der aktuellen Zeitschrift "Aus dem Antiquariat" enthält unter dem Titel Das Erbe Adenauers eine Darstellung von Klaus Körner des Dr. Heinrich Seewald Verlags (1956 - 1983), ein zweiter Beitrag von Hans Altenhein untersucht die Geschichte und Gegenwart der Hörbücher.

In der Rubrik "Antiquariat" findet sich ein Gespräch mit dem Münchner Antiquar Bernhard Kitzinger über den ersten Umzug des Geschäfts nach 129 Jahren, Camilla Blechen berichtet über die Auflösung der Sammlung Seeliger und von Friedrich C. Heller gibt es persönliche Notizen über Bibliophile und Antiquare in Wien.

So, 27.03.2022

Michael Bensman, Nussknacker und Mäusekönig
Fotos © ad

Nussknacker und Mäusekönig

Bei Michael Bensman konnte man in diesem Jahr auf der artbook.berlin nord ein besonderes Buchobjekt entdecken: E.T.A. Hoffmanns "Nussknacker und Mäusekönig".

In einer alten Holzschatulle wird eine Schriftrolle von zwei Glaszylindern flankiert, links mit dem Mäusekönig, ein präparierter und mumifizierter Mäusekadaver mit Krone und Zepter, rechts der Nussknacker als hölzernes "Präparat".

Die Schriftrolle enthält den Text von E.T.A. Hoffmann, gedruckt auf einem Blatt mit den Markierungen von Löchern, wie sie auf den Folien von Musikautomaten ausgestanzt waren mit der Ouvertüre des Märchen-Balletts von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, was jetzt als herabrieselnder Schnee zwischen Schattenrissen von Mäusen und anderen Abbildungen und Symbolen im Text gesehen werden kann.

Sa, 26.03.2022

John Gerard (rechts) präsentiert auf der artbook.berlin nord 2022 das Gedenkbuch "der gipfel" (Foto © ad)

„der gipfel"

Als Würdigung aller Opfer der Covid-19-Pandemie, darunter auch der langjährige Kölner Galeristin Elisabeth Broel (1957-2020), die in der Buchkunstszene als Organisatorin der Kölner Künstlerbuchmesse „Editionale" wohlbekannt und hoch geschätzt war, ist ein Gedenkbuch entstanden.

Hierfür hat John Gerard (The Paperstudio) Papiere aus getragener Kleidung der Toten von Hand geschöpft. Stellvertretend für alle Corona-Verstorbenen soll dieses Objekt Angehörigen die Gelegenheit geben, sich von geliebten Menschen zu verabschieden und ihrer Seelen zu gedenken.

Einerseits wird sowohl der Gedanke der Transzendenz durch die Transformation der Textilien zu Papier betont, als auch die Fragilität des Lebens, indem eine besondere klebstofffreie Bindung die einzelnen Seiten des Buches miteinander verbindet. 

Von Gernot Cepl, Elisabeth Broels Ehemann, hat der Künstler einige ihrer Kleidungsstücke erhalten, die sich zur Papierherstellung eignen, schöpfte Bogen aus bunt zusammengewürfelten Mischungen. Diese Bogen versteht er als Träger von Seelenteilen der Verstorbenen, als „Seelenpapiere".

Begleitet von ebenfalls handgeschöpften, aber neutralen weißen Papieren „ohne Vorgeschichte", die man im Kontext dieses Werkes auch als „Leichentücher" verstehen kann und auf die Albert Ostermaiers zutiefst berührendes Gedicht „der gipfel" gedruckt ist, bilden diese die Seiten des Gedenkbuches.

Um diese Einzelblätter miteinander zu verbinden, entwickelte der Künstler eine Heftung von Elizabeth Steiner mit zwei ineinander gesteckten Ketten weiter, die an zwei DNA-Kettenstränge im Genom einer menschlichen Zelle denken lassen. Intuitiv assoziiert man die zusammengefügten Ketten aus handgeschöpften Bluejeans-Papieren mit einem abstrahierten Coronavirus, die mintgrünen „SpikeProteine" aus Hadernpapier erinnern an OP-Textilien und die Atmosphäre im Krankenhaus.

Im Verständnis des Künstlers ist Elisabeth Broels Seele durch ihre Kleidung immer noch in den „Seelenpapieren" präsent. Solange sie lebte, wurde ihre Seele durch ihren Körper und ihre Kleidung geschützt. Ihr toter Körper wurde durch ein reales Leichentuch geschützt, das im Gedenkbuch seine Analogie in den neutralen weißen Papieren findet. Jedes „Seelenpapier" kann als ein Persönlichkeitsmerkmal der Verstorbenen verstanden werden, symbolisiert durch die unterschiedlichen Farben der Bogen. Durch die Transformation der ehemaligen äußeren Hülle zu neuem Material wurde der Aspekt der Transzendenz begreifbar gemacht.