In einem bewegenden Statement nimmt das renommierte Gleimhaus in Halberstadt Abschied von einem der großen Söhne der Stadt – am 25. März 2026 war der große Autor, Filmemacher und intellektuelle Tausendsassa Alexander Kluge in seiner Wahlheimat München im Alter von 94 Jahren gestorben. Seine Herzens-Verbindung zu seiner „Vaterstadt“ hatte Alexander Kluge, der zu den bedeutendsten Denkern, Dokumentaristen und Schreibern der alten wie neuen Bundesrepublik zu zählen ist, nie verloren – 2017 bekam der vielfach, so auch mit dem Georg-Büchner-Preis und, ihn wohl besonders berührend, mit dem Klopstock-Preis des Landstrichs seiner Herkunft wie auch diversen Film- und Fernsehpreisen, Ausgezeichnete die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt, in der er 1932 als Sohn eines Arztes geboren wurde, verliehen. Mit dem Gleimhaus, seit vielen Jahren Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, hatte Kluge mehrere Projekte verwirklicht: „Das Gleimhaus realisierte in den vergangenen Jahren mehrere Ausstellungen zu und mit ihm. Eine dauerhafte Präsentation zu Alexander Kluges Leben und Werk ist für 2027 geplant. Das Gleimhaus verliert einen wichtigen Gesprächspartner und Freund. Wir sind traurig.“ Als Autor debütierte Kluge 1962 mit Lebensläufe. Er war Mitbegründer des Neuen deutschen Films. Sein Film Abschied von gestern (1966) mit seiner Schwester Alexandra in der Hauptrolle erhielt bei den Filmfestspielen in Venedig einen Silbernen Löwen. Eine Vielzahl Ehrungen und Auszeichnungen folgte dem nach, seine Stimme hatte international Gewicht. Seine Schilderung des Bombenangriffs auf Halberstadt am 08. April 1945 erschüttert. Am 28. Mai wird Kluge während der Jahrestagung der Akademie für Sprache und Dichtung während einer öffentlichen Veranstaltung im Großen Saal des Harztheaters seiner Vaterstadt (18.30 Uhr) noch einmal explizit geehrt; auch Ute Pott vom Gleimhaus wird dabei sein.
(André Schinkel)