Pirckheimer-Blog

Fr, 01.04.2022

Bücherstaub hält jung

Unter Bücherfreunden war es eigentlich schon lange unbestritten: Bücherstaub hält jung.

Heute wurde von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina eine gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin durchgeführte Langzeitstudie veröffentlicht, welche diese, bislang nur als These existierende, Auffassung stützt.

Für eine Experimentalgruppe von 1422 Studenten, die kontrolliert mindestens 5 Bücher pro Woche ausliehen, kauften oder wenigstens zur Hand nahmen, konnte gegenüber einer Kontrollgruppe von 567 Probanden, die sich ausschließlich am PC weiterbildeten, über einen Zeitraum von 24 Monaten eine doppelt hohe Immunität nachgewiesen werden, gleichzeitig hatte die Gruppe der Leser gegenüber der Gruppe der PC-User einen um 78 % geringeren Krankenstand. Auch die Auswertung der Blut- und Vitalwerte der Gruppe von Bücherfreunden ließ den Schluss zu, dass bei diesen bei annähernd gleichem Konsum von Genussmitteln eine langsamere Zellalterung vonstattenging.
Ein stützendes Gutachten wurde jetzt bei der University of Oxford, sowie der Harvard University in Auftrag gegeben.

Um dieses Ergebnis mithilfe unserer Mitglieder verifizieren zu lassen ist die Leopoldina jetzt an die Pirckheimer-Gesellschaft herangetreten und bittet Freiwillige gegen eine Aufwandsentschädigung um Mitarbeit.

Näheres hier.

Emil Rudolf Weiß, Drei Monate in Spanien, Interimseinband, 1931

Bibliophiles des Monats: Emil Rudolf Weiß reist nach Spanien

Ein Mäzen ... finanziert 1923 einem Künstler, der in den Nachkriegsjahren tiefe Depression erfahren hat, eine dreimonatige Bildungsreise durch Spanien. ... Hegte wohl auch die Erwartung, dass Emil Rudolf Weiß auf diese Weise Lebensmut und künstlerische Schaffenskraft wiedergewinnen und dies möglicherweise zum Anlass für einen bibliophilen Reisebericht nehmen könne. ...

Der besondere Reiz dieses Buches im großen Format 38,2 x 28,0 cm, im Jahre 1931 nummeriert und signiert für die 300 Mitglieder der Maximilian-Gesellschaft herausgegeben, liegt in der einheitlichen Gestaltung des Textblockes durch den Autor, der als bedeutender Schriftgestalter, Graphiker und Maler bekannt ist. Weiß schildert hier nicht nur seine Reiseeindrücke in sehr persönlicher und informativer Weise, schmückt sie mit farblich getönten Landschaftsskizzen und Detailzeichnungen, eingefügt als kleine Lithographien in seinen Text, sondern er übernimmt auch die Gestaltung und die Überwachung des Druckes in den von ihm selbst entworfenen Schriften Weiß Antiqua und Weiß Kursiv. So entstand ein harmonischer künstlerischer Gesamteindruck.

Man hätte nun erwarten können, dass die Herausgeber auch einen schmuckvollen Bucheinband aus Weißscher Hand gewählt hätten, zumal er ja vielfach als Einbandkünstler, zum Beispiel für den Tempel-Verlag, in Erscheinung getreten war. Allerdings bestand in der exklusiven Mitgliedschaft der Gesellschaft damals wohl das Bedürfnis, sich die Buchpublikationen exklusiv in individuellen Einbandformen binden zu lassen. So lieferte man sie auch in einfachen Interimseinbänden aus, die dann entsprechend ersetzt werden konnten. Daher findet man heute ganz verschiedene Einbandvarianten des Buches. ...

(Christiane und Norbert Grewe)

... gesamten Beitrag lesen

Do, 31.03.2022

Das Büro des Verlegers um 1860

Otto Spamers Bücherfabrik – Sachbuchwelten für die Jugend

Heute vor 175 Jahren, am 31. März 1847, gab Otto Spamer per Rundschreiben die Gründung einer Verlagsbuchhandlung bekannt. Nach einem anfänglich noch gemischten Programm konzentrierte sich der ausgebildete Buchhändler schon bald auf die Wissensvermittlung an Groß und Klein. Der Verlag spezialisierte sich auf illustrierte Kinder- und Jugendbücher, die ihre Leser in ferne Länder entführten, Flora und Fauna in Nah und Fern erkundeten, den technischen Fortschritt beleuchteten und zum Experimentieren einluden. Spamer verkaufte seine Bücher millionenfach und zählte, was heute fast in Vergessenheit geraten ist, zu den größten Verlagen des Deutschen Kaiserreichs.

Die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin wendet sich mit der Online-Ausstellung einem der bedeutendsten Verlage für Kinder- und Jugendsachliteratur des 19. Jahrhunderts zu. Sie führt in das Leben und Schaffen Otto Spamers ein und betrachtet die wechselhafte Geschichte des gleichnamigen Verlages. Vor allem aber macht sie auf dessen beachtliches, seinerzeit überaus innovatives Kinder- und Jugendbuchprogramm aufmerksam und lädt zum virtuellen Blättern und Stöbern in der umfangreichen digitalen Sammlung der Staatsbibliothek ein. Die interaktive Schau, die auf der gleichnamigen 2021 im Leipziger Schulmuseum präsentierten Ausstellung basiert, gibt Einblicke in die „Bücherfabrik“, die massenhaft industriell Literatur für jedermann fertigte, Wert auf Veranschaulichung in Wort und Bild legte und durch eine geschickt arbeitende Werbemaschinerie für eine rege Rezeption sorgte.

Heinrich XI.

Heinrich XI. zum 300. Geburtstag

Die aktuelle Ausstellung im Sommerpalais Greiz ist dem Erbauer gewidmet. Heinrich XI. Reuß älterer Linie wurde am 18. März 1722 geboren. 1778 gelang ihm die Rangerhöhung zum Reichsfürsten durch ein kaiserliches Privileg.

Schon am Ende der 1760er Jahre verlebte er erstmals den Sommer in seinem neuen Palais, das er als „Maison de belle Retraite“ – seinen schönen Rückzugsort bezeichnete. Immer wieder verbrachte auch der alternde Herrscher von nun an die Zeit von Mai bis Oktober im Sommerpalais. Hier empfing er Gäste, brach zu kleineren und größeren Reisen auf, veranstaltete Jagden, beobachtete akribisch das Wetter und verfolgte die Weltpolitik – inmitten von Blumen und Orangenbäumen des umgebenden Parks.

Die laufende Ausstellung zeigt Facetten des höfischen Lebens im Fürstentum auf – von den Haustieren im Sommerpalais bis zu seidenen Strümpfen und Zipfelmütze.
An Stelle einer Vernissage werden an den ersten beiden Ausstellungstagen jeweils um 14.30 Uhr Führungen durch die Ausstellung angeboten.

Ausstellung: 19. März - 12. Juni 2022

Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz
SATIRICUM des Sommerpalais Greiz
Fürstlich Greizer Park, 07973 Greiz

Mi, 30.03.2022

Klaus Ensikat, Ill. zu Gogol: Der Mantel, The Bear Press 2022

Einladung zur Subskription

DER MANTEL

Nicolaj Gogols großartige groteske Novelle aus dem Jahr 1842 erscheint im Sommer 2022 mit einem Nachwort von Vladimir Nabokov in einer einmaligen limitierten Auflage von 120 Exemplaren. Das vom Pirckheimer Wolfram Benda herausgegebene, mit der Hand gesetzte und auf handgeschöpftes Bütten gedruckte Buch wird auch von Hand geheftet und gebunden. Klaus Ensikat schuf dazu 14 kongeniale Radierungen, die in das Buch eingedruckt sind.

Die Edition de Tete umfasst 83 handgebundene Exemplare in grünem Oasenziegenhalbleder. - Die Vorzugsausgabe, die auf nur 25 Exemplare beschränkt und in Pergament gebunden ist, enthält eine zusätzliche Radierung.
Für die Luxusausgabe (12 Exemplare) in hellgrünem Maroquin hat der Künstler alle 15 Radierungen koloriert.
10 Exemplare mit 15 einzeln signierten, großformatigen Radierungen werden in einer beigen Leinenkassette als Suitenausgabe verwahrt.

Nicolaj Gogol, Der Mantel,
Ill. Klaus Ensikat
Mediaeval-Antiqua, 64 S., 19 x 28 cm
The Bear Press
Dr. Wolfram Benda
Schleiermacherstraße 7 • 9 5447 Bayreuth

Subskriptionspreis bis 30.09.2022:
Edition de Tete: € 800, danach € 900
Vorzugsausgabe: € 1200, danach € 1400
Luxusausgabe: Preis nach Anfrage
Suitenausgabe: € 1200, danach € 1400

Di, 29.03.2022

miley: Abel und Petrus, bearbeitete Fotografie 2022

artbook nachlese

Der Pirckheimer miley ist künstlerisch in verschiedenen graphischen Techniken unterwegs, u.a. auch mit digital nachbearbeiteten Fotos.

Hier eine derartige Graphik nach einem Foto, welches miley von Abel Doering, der die Präsentation der Pirckheimer-Gesellschaft betreute und dessen Standnachbarn Petrus Akkordeon vor wenigen Tagen auf der artbook.berlin nord machte.

Diti Ronen, Figuren, Ill. Gilead Tadmor, Corvinus Presse

Figuren

"Auf Einladung des georgischen Buchzentrums war ich 2017 in Tiflis und lernte dort die Autorin Diti Ronen im Goethe-Institut kennen. Daraus entstand später die Idee eines Buches in der Corvinus Presse. Einige Texte hatte die Übersetzerin Anne Birkenhauer übersetzt, weitere übersetzte der in Berlin lebende Johannes Schwarz, welcher mit der Familie der Autorin befreundet ist. Dazu kam Gilead Tadmor als Grafiker, der schon in einigen Ausgaben der originalgrafischen Künstlerzeitschrift Body & Soul teilgenommen hatte.
Zusammen mit meinem zu früh verstorbenen Freund und Maler
Zoppe Voskuhl hatten wir die Idee seine Werke in einer Ausstellung in Berlin zu zeigen. Corona machte einen Strich durch unsere Pläne."

(Hendrik Liersch)

Lesung: 8. April 2022, 19 Uhr, Diti Ronen in Hebräisch, Johannes Schwarz in Deutsch, Musik: Suzanna und Karsten Troyke

Moving Poets Berlin
Hasselwerderstraße 22, 12439 Berlin

Mo, 28.03.2022

AUS DEM ANTIQUARIAT 1/2022

Fast die Hälfte der aktuellen Zeitschrift "Aus dem Antiquariat" enthält unter dem Titel Das Erbe Adenauers eine Darstellung von Klaus Körner des Dr. Heinrich Seewald Verlags (1956 - 1983), ein zweiter Beitrag von Hans Altenhein untersucht die Geschichte und Gegenwart der Hörbücher.

In der Rubrik "Antiquariat" findet sich ein Gespräch mit dem Münchner Antiquar Bernhard Kitzinger über den ersten Umzug des Geschäfts nach 129 Jahren, Camilla Blechen berichtet über die Auflösung der Sammlung Seeliger und von Friedrich C. Heller gibt es persönliche Notizen über Bibliophile und Antiquare in Wien.

So, 27.03.2022

Michael Bensman, Nussknacker und Mäusekönig
Fotos © ad

Nussknacker und Mäusekönig

Bei Michael Bensman konnte man in diesem Jahr auf der artbook.berlin nord ein besonderes Buchobjekt entdecken: E.T.A. Hoffmanns "Nussknacker und Mäusekönig".

In einer alten Holzschatulle wird eine Schriftrolle von zwei Glaszylindern flankiert, links mit dem Mäusekönig, ein präparierter und mumifizierter Mäusekadaver mit Krone und Zepter, rechts der Nussknacker als hölzernes "Präparat".

Die Schriftrolle enthält den Text von E.T.A. Hoffmann, gedruckt auf einem Blatt mit den Markierungen von Löchern, wie sie auf den Folien von Musikautomaten ausgestanzt waren mit der Ouvertüre des Märchen-Balletts von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, was jetzt als herabrieselnder Schnee zwischen Schattenrissen von Mäusen und anderen Abbildungen und Symbolen im Text gesehen werden kann.

Sa, 26.03.2022

John Gerard (rechts) präsentiert auf der artbook.berlin nord 2022 das Gedenkbuch "der gipfel" (Foto © ad)

„der gipfel"

Als Würdigung aller Opfer der Covid-19-Pandemie, darunter auch der langjährige Kölner Galeristin Elisabeth Broel (1957-2020), die in der Buchkunstszene als Organisatorin der Kölner Künstlerbuchmesse „Editionale" wohlbekannt und hoch geschätzt war, ist ein Gedenkbuch entstanden.

Hierfür hat John Gerard (The Paperstudio) Papiere aus getragener Kleidung der Toten von Hand geschöpft. Stellvertretend für alle Corona-Verstorbenen soll dieses Objekt Angehörigen die Gelegenheit geben, sich von geliebten Menschen zu verabschieden und ihrer Seelen zu gedenken.

Einerseits wird sowohl der Gedanke der Transzendenz durch die Transformation der Textilien zu Papier betont, als auch die Fragilität des Lebens, indem eine besondere klebstofffreie Bindung die einzelnen Seiten des Buches miteinander verbindet. 

Von Gernot Cepl, Elisabeth Broels Ehemann, hat der Künstler einige ihrer Kleidungsstücke erhalten, die sich zur Papierherstellung eignen, schöpfte Bogen aus bunt zusammengewürfelten Mischungen. Diese Bogen versteht er als Träger von Seelenteilen der Verstorbenen, als „Seelenpapiere".

Begleitet von ebenfalls handgeschöpften, aber neutralen weißen Papieren „ohne Vorgeschichte", die man im Kontext dieses Werkes auch als „Leichentücher" verstehen kann und auf die Albert Ostermaiers zutiefst berührendes Gedicht „der gipfel" gedruckt ist, bilden diese die Seiten des Gedenkbuches.

Um diese Einzelblätter miteinander zu verbinden, entwickelte der Künstler eine Heftung von Elizabeth Steiner mit zwei ineinander gesteckten Ketten weiter, die an zwei DNA-Kettenstränge im Genom einer menschlichen Zelle denken lassen. Intuitiv assoziiert man die zusammengefügten Ketten aus handgeschöpften Bluejeans-Papieren mit einem abstrahierten Coronavirus, die mintgrünen „SpikeProteine" aus Hadernpapier erinnern an OP-Textilien und die Atmosphäre im Krankenhaus.

Im Verständnis des Künstlers ist Elisabeth Broels Seele durch ihre Kleidung immer noch in den „Seelenpapieren" präsent. Solange sie lebte, wurde ihre Seele durch ihren Körper und ihre Kleidung geschützt. Ihr toter Körper wurde durch ein reales Leichentuch geschützt, das im Gedenkbuch seine Analogie in den neutralen weißen Papieren findet. Jedes „Seelenpapier" kann als ein Persönlichkeitsmerkmal der Verstorbenen verstanden werden, symbolisiert durch die unterschiedlichen Farben der Bogen. Durch die Transformation der ehemaligen äußeren Hülle zu neuem Material wurde der Aspekt der Transzendenz begreifbar gemacht.

Fr, 25.03.2022

Stand der Pirckheimer-Gesellschaft
Tamara Ivanova und Michael Bensman (die Maske fiel nur fürs Foto!)
Rainer Ehrt, Foto © ad

artbook.berlin nord

Nach zwei Jahren Corona-Pause heute endlich wieder ein Neustart der artbook.berlin, zurückgekehrt zu den Wurzeln in die Galerie Nord, diesmal mit 30 Ausstellern noch etwas kleiner, selbst die 1. artbook.berlin vor 10 Jahren war mit 45 Ausstellern größer, aber auch 2022 zeigte sich die Künstlerbuchmesse wieder mit gewachsener Qualität.

In der Begrüßungstüte für die Aussteller diesmal neben dem traditionellen Schoko-Buchstaben eine FFP2-Ma..., aber die Lust an der Begegnung von Buchkünstlern mit Sammlern und die Wunsch der Besucher an Gesprächen mit den Buchkünstlern war ungebrochen. Wie auch die Freude an kollegialen Begegnungen. Übrigens auch mit Mitgliedern der Pirckheimer-Gesellschaft.

Unter den Ausstellern finden sich alte Bekannte, wie Barbara Beisinghoff, Julienne Jattiot, Sabine Golde, Tamara Ivanova und Michael Bensman, Claudia Berg, Petrus Akkordeon, Peter Rensch, auch Pirckheimer, wie Hanfried Wendland, Rainer Ehrt, das Klingspor-Museum, Uta Schneider und Ulrike Stoltz (hier können nicht alle genannt werden).

Am Stand der Pirckheimer-Gesellschaft konnte man einen ersten Blick in die Marginalien (244. Heft) werfen. Es enthält für Mitglieder, die das Heft am Montag im Briefkasten haben werden, den signierten Holzschnitt von Uwe Pfeifer "HIN UND HER".

Die Messe ist noch am Sonnabend von 14 bis 20 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Galerie Nord/ Kunstverein Tiergarten Berlin-Moabit
Turmstraße 75, 10551 Berlin

Do, 24.03.2022

Harald Kretzschmar, Brecht-Karikaturen, Postkarten

5 Karikaturen von Harald Kretzschmar im Brecht-Shop

Fünf Karikaturen von Bertolt Brecht und seinem Umfeld des Pirckheimers Harald Kretzschmar sind seit Januar exklusiv in der Buchhandlung am Obstmarkt in Augsburg erhältlich.
Kurt Idrizovic, ebenfalls Pirckheimer, entdeckte eine der Karikaturen in den „Marginalien“ (Typografische Beilage in Heft 241: "Harald Kretzschmar: Über das Porträtieren") und kam rasch mit dem Zeichner überein, diese bekannten Porträt-Karikaturen im Brecht-Shop als Postkarten anzubieten.

Volkmar Häußler, passionierter Sammler von Graphiken zu Brecht, berichtet darüber im „Dreigroschenheft“ 2/2022.

Harald Kretzschmar, 1931 in Berlin geboren, wuchs in Dresden auf und studierte von 1950 bis 1955 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Danach arbeitete er freischaffend, u.a. bis 1991 beim „Eulenspiegel“. 1975 war er Mitbegründer des „SATIRICUM“ in der Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz, die als Nationale Karikaturensammlung der DDR (und nach der Wende ganz Deutschlands) mit mehr als 10.000 Blatt einen hervorragenden satirischen Bilderfundus zur Zeitgeschichte darstellt.

Weißt Du, was der Frieden ist?, Künstler für den Frieden 1981
Aufbrüche ins Ungewisse, edition progris, Berlin 2021

Genug! Frieden!

Zwei Bücher haben mich in der letzten Zeit besonders beschäftigt.

Zuerst im Januar der 2021 bei edition progris (Berlin) von Dr. Wolfgang Knop herausgegebene Titel „Aufbrüche ins Ungewisse“. Er sammelt illustrierte Künstlerpost und hat von den sechs Ausgewählten Lutz Gode, Renate Herfurth, Karl-Georg Hirsch, Günter Lerch, Werner Wolfgang Neumann und Werner Schinko, die sich in Wort und Bild an Flucht und Vertreibung erinnern, Briefe veröffentlicht und sich zu diesen geäußert. Es wurde über die Vergangenheit geschrieben, die jetzt aber leider im Zusammenhang mit der Ukraine wieder aktuell ist.

Um gegen den Krieg in der Ukraine zu protestieren, stellte die Kunstsammlung Gera in kürzester Zeit eine Sonderausstellung mit dem Titel „GENUG! FRIEDEN!“ aus eigenen Beständen, u. a. aus einer bis 1989 zusammengetragenen „Sammlung Handzeichnungen der DDR“, zusammen. Zu lesen ist: „Gezeigt werden unter anderem sechs Radierungen aus dem Zyklus „Der Krieg“ von Otto Dix, die neben den Kriegsgräueln an der Front auch die Panik der Zivilbevölkerung thematisieren. Eine Mappe über den Krieg schuf auch Bernhard Heisig, der seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg in Illustrationen zum Roman „Krieg“ von Ludwig Renn verarbeitete, der sich wiederum um den Ersten Weltkrieg dreht. Ein Blickfang und Kontrast ist das großformatige Gemälde „1525 – Deutschland in Erwartung“ von Horst Sakulowski, von dem weitere surreale Arbeiten in der Schau zu sehen sind. Sein großes Werk im Eingangsbereich gibt den Hoffnungsschimmer mit, der sich durch die Schau verstärkt, etwa in Variationen der Friedenstaube. Die gezeigten Arbeiten stammen neben den Genannten von Eberhard Dietzsch, Theo Balden, Erich Drechsler, Karl-Georg Hirsch – von ihm ist auch das titelgebende Werk – Lutz Ketscher, Hans Theo Richter“.
Das titelgebende Werk „GENUG! FRIEDEN!“ kannte ich aus einem Buch aus dem Jahr 1981, das ich mir, durch den Titel inspiriert, wieder einmal ansah. „Weißt Du, was der Frieden ist?“ ist ein Lese-Bilder-Noten-Buch für den Frieden, das in Berlin (West) herausgegeben wurde von der Initiative Künstler für den Frieden. 90 Künstler der Literatur, der Bildenden Künste und der Musik aus damals Ost und West haben sich z. T. in Erstveröffentlichungen zum Frieden geäußert. Eine Auswahl soll genannt werden: Literatur: Ingeborg Drewitz, Ute Erb, Erich Fried, Peter Härtling, Heinz Kahlau, Gisela Kraft, Christa Wolf. Bildende Kunst: Helmut Goettl, Karl-Georg Hirsch, Kurt Mühlenhaupt, Ronald Paris, Nuria Quevedo, Monika Sieverking, Hanefi Yeter. Musik: Hans Werner Henze, Siegfried Matthus, Ruth Zechlin, Grete von Zieritz.
Ein bemerkenswertes Buch, das in der Auflage von 4 Tausend sicherlich auch noch in Antiquariaten zu finden ist.

(Gerhard Rechlin)

Ausstellung: 5. März - 24. April 2022

Kunstsammlung Gera -Orangerie
Orangerieplatz , 07548 Gera

Mi, 23.03.2022

Klaus Walther, Was soll man lesen?, Faber & Faber 2005

KLAUS WALTHER ZUM 85.

"Wer am Morgen des 15. September 2005 in eine Leipziger Straßenbahn einstieg, der konnte eine Überraschung erleben: Die Fahrgäste fanden auf den Plätzen Klaus Walthers Buch »Was soll man lesen?
Ein Leseverführer«. Der Leipziger Verlag Faber & Faber, das Leipziger Haus des Buches, die Buchmesse, die Leipziger Verkehrsbetriebe, die Leipziger Volkszeitung und MDR Figaro hatten diese gelungene Überraschung organisiert und unterstützt. Anlass war das 15. Gründungsjubiläum des Verlages Faber & Faber.

[...] 2005 fand sich eine Gesprächsrunde in der Leipziger Buchhandlung Hugendubel zusammen. Im sachkundigen Publikum waren viele bedeutende Autoren versammelt. [...]
Klaus Walther antwortete auf die Frage, warum er das Buch »Was soll man lesen?« geschrieben habe: »Weil ich selbst ein Leser bin und die richtigen Leser wollen anderen Menschen mitteilen, was sie gelesen haben«. Aber jeder Mensch habe einen anderen Lebenshintergrund. Deshalb habe er auch nicht nur über seine Lieblingsbücher geschrieben. Wer lese heute noch Wieland? Vielmehr habe er das Buch als Liebhaber von Büchern geschrieben, der mit Büchern lebe. Helmut Richter [... nannte als Vorzug des Buches], dass es nicht mit dem Gestus des »Kanons« daherkomme. Klaus Walther habe ein redliches Buch geschaffen.
Einerseits schwärme er von der Literatur. Andererseits dränge er niemandem ein Buch auf.
Michael Hametner antwortete: »Ich freue mich über jeden, der zum Lesen verführt wird«. Gleichzeitig sage er aber: [...] Vielleicht werde auch falsch argumentiert, wenn nur die Lust am Lesen hervorgehoben werde. Denn Lesen mache auch Mühe, man müsse Zeit investieren. Das sei oft nicht einfach. Viele heutige Leser wollten auch die aktuellen Bücher gar nicht lesen, sondern sie wollten mitreden können. Deshalb konzentrierten diese sich auf das Lesen von Buchbesprechungen. Elmar Faber warf hier ein, dass [...] Man [...] konstatieren [müsse], dass Lesen vielleicht doch eine elitäre Angelegenheit sei. Das schließe nicht aus, dass man selbst begeistert sei. Wenn er aufhören müsse zu lesen, dann werde er wahrscheinlich auch aufhören zu leben. Gleichzeitig müsse man auch sagen, dass Lesen selbstverständlich Mühe und Vergnügen gleichzeitig sei. Ein Vergnügen ohne Mühe sei keines. [...]"

(Johannes Eichenthal)

kompletten Artikel lesen in der Litterata

© Ulrike Stoltz

Resonanzen & Gestrüpp

Als Buch des Monats stellt die renommierte Buchkünstlerin und Typografin Ulrike Stoltz im Klingspor Museum ihr Künstlerbuch „Caro Giordano. Resonanzen & Gestrüpp“ vor, welches 2020/21 im Rahmen des Künstlerbuchpreises der Herzog-August-Bibliothek entstand.
Aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähert sich die Künstlerin dem Leben und Werk des italienischen Renaissance-Philosophen und Astronomen Giordano Bruno. Dabei recherchiert sie nicht nur die historischen Fakten und deren wissenschaftliche Aufarbeitung, sondern beschreibt auch ihre ganz persönliche Beziehung zu Bruno. Bei dieser Arbeit stößt sie auf Resonanzen oder verirrt sich im Gestrüpp – Erfahrungen, die in der künstlerischen Umsetzung sichtbar werden und sich in vielfältigen Verknüpfungen zwischen Kunst, Philosophie und Spiritualität niederschlagen.

1. April 2022, 18 Uhr, Anmeldung erforderlich

Klingspor Museum
Herrnstr. 80, 63065 Offenbach

Di, 22.03.2022

1. Buchfenster Brandenburg

Am 2. April 2022 werden in elf Buchhandlungen der Region das erste Mal die "Buchfenster Brandenburg" präsentiert, Fenster, die dazu gedacht sind, besondere Bücher der regionalen Verlage ins Scheinwerferlicht zu rücken.
Diese erste Buchfenstersaison wird mit einer Ausstellung und Lesungen im Hugendubel Cottbus und einer Lesung im Rahmen der preisgekrönten Veranstaltungsreihe "Guten Morgen Eberswalde" im Stadtpark am Weidendamm eröffnet.

Trotz der nun schon seit zwei Jahren bedrückenden Rahmenbedingungen seit der ersten Brandenburger Buchmesse 2018 sind Verlage, verlegende Autorinnen und Autoren sowie Buchkünstlerinnen und -künstler zu eine etablierte, weiter wachsende Gemeinschaft geworden. Das wurde auch mit einer Einladung der Stadt- und Landesbibliothek gewürdigt, am 3. September im Rahmen der Festveranstaltungen zum Doppeljubiläum 100 Jahre Landesbibliothek und 30 Jahre Stadt- und Landesbibliothek die 4. Messe "Schöne Bücher aus Brandenburg" durchzuführen.

Mehr Informationen finden sich zu gegebener Zeit im Pirckheimer-Blog, sowie hier.

Mo, 21.03.2022

Rainer Ehrt, Zerstreute Sammlung (Foto und Montage: ad)

Preußen und andere Exoten

Der aktuelle Frankfurter Grafikbrief 242 verweist auf eine in Kürze in der Büchergilde Buchhandlung zu sehende Ausstellung mit Werken von Rainer Ehrt.

"Als ich im Februar Rainer Ehrts Atelier in Kleinmachnow südlich von Berlin betrete, arbeitet er an der Staffelei an einem Portrait von – Angela Merkel. Ich staune, und frage nach. „Das wird das offizielle Porträt für das Kanzleramt. Hat sie sich gewünscht. Ist eine Sensation: Unbekannter ostdeutscher Künstler bekommt den begehrtesten Porträt-Auftrag!"...

Ich schaue auf die tief heruntergezogenen Mundwinkel der Porträtierten, und vor allem auf die beiden Figuren, die im Hintergrund die Kanzlerin flankieren: Konrad Adenauer und Walter Ulbricht. Als ich zweifelnd auf den Künstler schaue, schüttelt der sich vor Lachen. Nein, die Sensation findet nicht statt, er arbeitet in eigenem Auftrag. „Konrad Adenauer hat sie als eines ihrer Vorbilder bezeichnet, und Walter Ulbrichts DDR hat ihre Jugend geprägt“. Mit künstlerischen Mitteln macht Ehrt Dimensionen der Persönlichkeit von Merkel sichtbar, die in Worte schwer zu fassen wären."

(Wolfgang Grätz)

Ausstellung: 28. März - 21. Mai 2022

Büchergilde Buchhandlung & Galerie Frankfurt/M.

So, 20.03.2022

Katja Spitzer, Queens, Siebdruck, 2022, unten: Matthias Frohl überreicht einen Blumengruß an eine "Königin der Illustration"

Studio Dreams mit KATJA SPITZER

Gestern wurde in Brandenburg a.d. Havel die Ausstellung „STUDIO DREAMS – Katja Spitzer – Grafik und Illustration“ eröffnet.

Die musikalische Umrahmung dieser Vernissage war mit Bedacht gewählt: der Cellist Jens Naumilkat hatte sich vom jüngsten Bucherfolg Katja Spitzers „Haare – Geschichten um Frisuren“ anregen lassen und mit drei Musikerkollegen ein kleines Medley aus dem Musical „Hair“ arrangiert. Was die Beteiligten bei der Vorbereitung noch nicht ahnten, war die Tatsache, dass die Botschaft dieses Meilensteins der Popkultur „Make love, not war“ auch als Kommentar zu den aktuellen Weltereignissen zu lesen ist.

Bezugnehmend auf den in der Ausstellung gezeigten Siebdruck „Queens“ erklärte der Galerieleiter die aus Berlin angereiste Katja Spitzer zu einer der „Königinnen der Illustrationskunst“ und passte deshalb bei der Übergabe eines reise- und transportfähigen Blumengrußes seine Körperhaltung der verbalen Klassifikation an.

Im Rahmen der Ausstellung liest Katja Spitzer im Mai aus ihrem Buch „Haare - Geschichten um Frisuren“. Zu dieser Lesung wird es auch nochmals eine Druckaktion zum 2. Brandenburger Bilderbogen geben.

Ausstellung: 19. März - 17. Juni 2022
Lesung: 5. Mai 2022, 15 Uhr

Galerie „Sonnensegel“
Brandenburg a.d. Havel, Gotthardtkirchplatz 4/5

Sa, 19.03.2022

1. artgrafik Ahrenshoop

Im dritten Anlauf soll die 1. artGRAFIK AHRENSHOOP Messe für zeitgenössische Druckgrafik , Fotografie, Zeichnung und BuchKunst stattfinden.

Damit findet im Künstlerort Ahrenshoop zum ersten Mal eine Messe für zeitgenössische Kunst statt, die Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet vereint.

Durch die künstlerische Praxis befindet sich die Druckkunst in einem stetigen Prozess. Neue künstlerische Ausdrucksformen werden durch immer neue technische Möglichkeiten präsentierbar. Die Tradition der künstlerischen Drucktechnik wird aktuell vor allem von Bildenden Künstlern gepflegt. Hoch-, Tief-, Flach- und Durchdruck und deren Mischformen ermöglichen grafische Werke von hoher Qualität.

Teilnehmer: Angelika-Christina Brzóska / Gerlinde Creutzburg / Rainer Ehrt / Tina Flau / Hans Götze / Henry Günther / Volkmar Herre / Linde Kauert / Rita Lass / Fred Lautsch / Urte von Maltzahn-Lietz / Britta Matthies / Thomas Offhaus / Klaus Raasch / Gudula Zientek / Katja Lang / Susann Hoch.

... siehe auch hier

Messe: 26. - 29. Mai 2022

Strandhalle Ahrenshoop
Dorfstraße 16 b, 18347 Ahrenshoop

Foto: Facebook o.A.

zur Absage der MMPM

Der 25. Branchentreff von Minipressen, Kleinverlagen, Handpressen, Buchkünstlern und Autoren hätte von 26. bis 29. Mai in der Mainzer Rheingoldhalle stattfinden sollen. Einen Monat davor hatte die Mainzer Kulturdezernentin die Veranstaltung mit der Begründung abgesagt, dass "ein reger Austausch von vielen Menschen in Innenräumen problematisch sei".

Gegen diese Entscheidung gibt es Widerstand. Verlegerin Annette Sievers (Peter Meyer Verlag) z.B. wendet in einem Brief an die Kulturdezernentin und den Oberbürgermeister ein, dass die Absage zu einer Zeit, in der alles wieder geöffnet wird, nicht nachzuvollziehen sei. Darin heißt es "Sicher gibt es noch mehr Raum rund um die Rheingoldhalle, den man bespielen könnte". Sie verweist auf Unstimmigkeiten bei der Begründung der Absage und liefert der Stadt gleichzeitig Alternativen, die ein Stattfinden der Mainzer Minipressen Messe ermöglichen würden.