Pirckheimer-Blog

Elke Lang

Sa, 20.01.2024

Elke Lang (1942–2024) | © bei Marcel Gäding (MOZ)
Elke Lang, hier bei einem Galeriegespräch im April 2023 in Chemnitz, pflegte das Erbe von Lothar Lang und war u. a. als Autorin und Herausgeberin aktiv.

Grünheide: Trauer um Elke Lang

Unsere Pirckheimer-Freundin Elke Lang ist, wie die Märkische Oderzeitung gestern mitteilte, am 16. Januar im Alter von 81 Jahren gestorben. Mit Elke Lang (1942–2024) verliert die Pirckheimer-Gesellschaft eine engagierte Mitstreiterin und Sammlerin, die das Erbe ihres Mannes Lothar Lang (1928–2013) fürsorglich pflegte, aufarbeitete und bewahrte, sich zugleich einmischte als Essayistin und Rezensentin im Pirckheimer-Blog wie in den Marginalien, zu Sommerfesten in den idyllischen Künstlerort Grünheide bei Berlin einlud und so vielen Pirckheimern nah und vertraut war. Auch als Autorin der MOZ war sie beliebt und hoch geachtet. Die in Sachsen Geborene wurde und arbeitete zunächst als Lehrerin, ging mit der Berufung Lothar Langs nach Museum Schloss Burgk mit ihm ins Thüringische und war eine wichtige Zeitzeugin, was die Kulturgeschichte der letzten Jahrzehnte auch im Hinblick auf die Künstlerszene der DDR und ehemaligen DDR im Allgemeinen und der Gesellschaft im Speziellen bedeutet. In ihren späteren Jahren war sie immer wieder in die kulturellen Belange Brandenburg-Berlins involviert. Unter anderem gab sie die Erinnerungen Lothar Langs 2009 bei Faber und Faber in Leipzig und 2021 den Briefwechsel zwischen Carlfriedrich Claus und Lang heraus. In der kommenden, sich im Satz befindenden Ausgabe der Marginalien (Heft 252) ist sie mit ihren zwei jüngsten Texten vertreten. Der Tod dieser klugen und agilen Frau kommt für viele der Mit-Pirckheimer unerwartet und trifft die, die sie kannten und schätzten, schmerzlich.

(André Schinkel)

Mi, 13.12.2023

Petra Reichenbachs Blatt "Black Hole V". Insgesamt entstanden sechs Drucke für die Grafikbeilage.

Marginalien: Heft 251 erschienen

Das neue Heft der Marginalien ist da. Die 251. und Schlussausgabe für das zu Ende gehende Jahr wurde soeben an die Abonnenten wie die Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft versandt. Unter der Leitung von Till Schröder hat die sechsköpfige Redaktion der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der PG wieder 128 voll mit Aufsätzen, Artikeln, Primärtexten, Rezensionen sowie Nachrichten aus der Gesellschaft nebst Informationen für Bücher- und Grafikfreunde gepackt. Es wird zum Werk und Wirken Sascha Wiederholds (inklusive eines frühen Textes aus seiner Feder) eruiert, in der Rubrik Berühmte Bücher einem prächtigen Werk aus dem 17. Jahrhundert, der Botanik-Enzyklopädie Hortus Eystettensis, gehuldigt. Elke Lang schreibt über das Pirckheimer-Kabinett auf Schloss Burgk, Katrin Nitzschke über die verschwundene Privatbibliothek Martin Raschkes; und Ralf Wege lässt noch einmal das 50. Jahrestreffen der Pirckheimer im September in Gotha Revue passieren. Silvia Werfel huldigt Jürgen Seuss, der 2023 verstarb; Karl-Georg Hirsch und Thomas Glöß erinnern an den großen Typographen und Buchkünstler Gert Wunderlich, der mit seinem Vortrag Probleme einer adäquaten Typografie noch einmal selbst zu Wort kommt. Die Typografische Beilage wurde noch von Jürgen Engler besorgt, von dem sich die kulturaffine Welt ebenfalls verabschieden musste. Eine Exegese befasst sich dem Exlibris-Werk von Walther und Gertrud Caspari, und der Besuch im Atelier findet heuer bei der halleschen Künstlerinnen-Gruppe b.a.c.H. (steht für: book art center Halle) statt, die auch die originalgrafische Beilage des Heftes für die Mitglieder der Gesellschaft beisteuern: eine Sechser-Serie Black Hole, auf den gleichnamigen (und im Heft enthaltenen) Text von Nancy Campbell rekurrierend: Zweifarbige Linolschnitte von Claudia Richter und Friederike von Hellermann, Annegret Frauenlob, Rita Lass, Petra Reichenbach und Magda Klemp. Eine starke Frauenschaft, zwei Meisterinnen der Einbandkunst (MDE) darunter. Und damit ein starkes Marginalien-Heft zum Abschluss eines starken Jahrgangs.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 25.10.2023

Till Sailer im anschließenden Gespräch, hier mit dem Lyriker Henry-Martin Klemt bei der Buchpremiere im Kleist-Museum Frankfurt an der Oder. | © Elke Lang

Buchpremiere mit Till Sailer

Mit einer sehr gut besuchten Premiere als literarisch-musikalische Inszenierung mit seiner Tochter Juliane Sailer am Piano hat Pirckheimer Till Sailer im Oktober im Kleist-Museum Frankfurt (Oder) sein neuestes, im Mitteldeutschen Verlag erschienenes Buch Der Krieg meines Vaters. Eine Annäherung der Öffentlichkeit vorgestellt. Es basiert auf Briefen, Tagebucheintragungen und Gedichten seines in den letzten Kriegstagen 1945 gefallenen Vaters Herbert Sailer (1912–1945), des Erziehers einer Nazi-Eliteschule und feingeistigen Lyrikers mit zahlreichen Veröffentlichungen schon zu Lebzeiten. Diese widersprüchliche Persönlichkeit, die bis zuletzt fest nicht nur der nationalsozialistischen Ideologie anhing, sondern sie auch der Jugend einimpfte, wirft viele Fragen auf, die auch in der anschließenden Diskussion angesprochen wurden. Psychologe Roland Kant dazu: „Till Sailers Buch greift auf die sehr persönlichen Dokumente aus dem Leben seines Vaters 1939 bis 1945 zurück. Er ergänzt die aus gutem Grund vielfältig beschriebene Opferperspektive um eine Täterperspektive. Und insofern beschreibt das Buch nicht nur einfach Vergangenheit. Es ist besonders wichtig für unsere gesellschaftliche Gegenwart und Zukunft. Kein Täter werden! Das bleibt eine menschliche Herausforderung. Und – wie vermitteln wir das einer Generation, die, zu unser aller Glück, ohne eigene Diktaturerfahrung aufgewachsen ist?“ Die nächste Buchvorstellung, bei der auch der Verleger Roman Pliske anwesend sein wird, findet am 16. November, 19 Uhr in der Gemeindebibliothek Bad Saarow statt. (Alle Infos zum Buch auf der Webseite des Verlags.)

(Elke Lang)

Fr, 11.08.2023

In Spreewerder. | © by Assenmacher (CC BY-SA 4.0)

Sommerfest in Spreewerder

Zum Sommerfest der Berlin-Brandenburger Pirckheimer laden am 20. August 2023 um 15 Uhr Elke Lang und Till Sailer nach Spreewerder (Spreeauer Str. 29, 15537 Grünheide-Spreewerder) ein. Auf der Themenliste der literarisch-musikalischen Nachmittags, zu dem auch Mitglieder des Berliner Bibliophilen Abends (BBA) eingeladen sind, stehen in diesem Jahr Künstlerbücher und Widmungsexemplare. Für das leibliche Wohl sorgen die Gastgeber ... auch für die musikalische Begleitung ist gesorgt. Anmeldungen bei Interesse an diesem Pirckheimer-Treffen sind noch heute und morgen (12.08.) unter der Mailadresse suckow@pirckheimer-gesellschaft.org möglich.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 12.07.2023

Kunsthistorikerin Brigitta Milde und Pianistin Juliane Sailer vor der Ausstellung zum Vortrag. | © Elke Lang
In der Ausstellung zum Vortrag: Tagebuchseite von Lothar Lang vom 24.05.1971 mit der Reflektion über ein Gespräch mit Carlfriedrich Claus. | © Elke Lang

Disparate Freunde: Lang · Claus

Aus Anlass des zehnten Todestags von Lothar Lang am 20. Juli fand am 5. Juli im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg als 53. Veranstaltung in der Reihe Aus dem deutschen Kunstarchiv ein Vortrag unter der Überschrift Disparate Freunde: Der Kunsthistoriker Lothar Lang und der Künstlerphilosoph Carlfriedrich Claus statt. Das Nürnberger Archiv beherbergt den schriftlichen Nachlass von Lothar Lang, zu dem die rund 250 Briefe gehören, die er von Carlfriedrich Claus erhielt und von denen eine Reihe in dem Buch Carlfriedrich Claus. Lothar Lang. Der Briefwechsel, herausgegeben 2021 durch Elke Lang im Verlag Faber & Faber in Leipzig, veröffentlicht ist.

Die Kunsthistorikerin Brigitta Milde, die von 1999 bis 2021 als Leiterin des Claus-Archivs in den Kunstsammlungen Chemnitz tätig, hat sowohl den Kunsthistoriker als auch den Künstler persönlich gekannt und geschätzt und aus dem Archivbestand bisher unveröffentlichte Fotos und andere Dokumente herangezogen, um ein interessantes Bild von Leben und Schaffen beider zu bieten. Und die Pianistin Juliane Sailer, die künftige Nachlassverwalterin von Lothar Lang, verstärkte die Eindrücke durch eine Improvisation zu Carlfriedrich Claus’ beidseitiger Zeichnung auf Transparentpapier, Blickworte reflektierende Studie von 1962 und 1963, indem sie unter anderem Schichtungen musikalisch deutlich werden ließ. (Vgl. auch die Würdigung des Werks durch Matthias Zwarg in der Freien Presse Chemnitz vom 17.04.2020: Traum von der Brüderlichkeit.)

Gleichzeitig wurde in drei Vitrinen eine von der Archivleiterin Susanne Brogi gestaltete kleine Ausstellung mit Material aus dem Kunstarchiv zu dem Thema „Claus · Lang“ eröffnet. Diese wird ein Vierteljahr in der Archivabteilung zu sehen sein. Als ein besonderer Gast war Claus Pese mit Ehefrau erschienen. Er war seinerzeit, als das Deutsche Kunstarchiv noch Archiv für Bildende Kunst hießt, dessen Leiter und hatte damals den Vorlassvertrag mit Lothar Lang geschlossen. 

(Elke Lang)

Mo, 10.07.2023

Jutta Penndorf, Dr. Roland Krischke. | © Elke Lang
Führung im Garten von Altenbourg. | © Elke Lang

„Gerhard Altenbourgs Garten“

Zur Jahrestagung der Altenbourg-Gesellschaft am 17. und 18. Juni hatten deren Vorsitzende Jutta Penndorf sowie der Direktor des Lindenau-Museums und Vorsitzende der Stiftung Gerhard Altenbourg, Dr. Roland Krischke, in den Interimsstandort des Museums in der Kunstgasse sowie in den Garten Gerhard Altenbourgs in den Braugartenweg eingeladen. Während der Mitgliederversammlung mit rund 30 Anwesenden stellte Jutta Penndorf die von ihr inhaltlich gestaltete und seit Juli freigeschaltete Website der Gesellschaft vor. Diese beinhaltet unter anderem des Künstlers Biografie bis zum Tod der Schwester Anneliese Ströch im Jahr 2013, die Auflistung der Werkverzeichnisse, eine Auswahlbibliografie, die Satzung und die Editionen der Gesellschaft sowie die Veranstaltungen und Publikationen seit Gründung am 11. November 2018. 

Thematisch stand Gerhard Altenbourgs Garten. Gartendenkmalpflegerische Dokumentation und Restaurierungskonzept mit einem öffentlichen Vortrag von Petra Hübinger vom Büro für Gartendenkmalpflege und Landschaftsarchitektur Dr. Jacobs & Hübinger, ansässig in Berlin, auf der Tagesordnung. Dieses Unternehmen wird die behutsame Restaurierung des Gartens unter Berücksichtigung des Aufwuchses seit des Künstlers Tod vornehmen. Bei einer Führung durch den Garten erläuterte die Fachfrau die kommenden Arbeiten. Ein Orgelkonzert von Felix Friedrich an der Trost-Orgel der Schlosskirche rundete die Tagung ab. Die nächste Veranstaltung findet am 27.08. statt, ein Spaziergang mit Grit Martinez, Umwelthistorikerin, durch die Kleingartensiedlung hinter der Spinnbahn, welche von Altenbourg 1956 zeichnerisch dargestellt wurde. 

(Weitere Veranstaltungen im Herbst: 17.09. Ausflug nach Oßmannstedt, 04.10. Künstlergespräch mit Gerda Lepke und Professor Peter Schnürpel, 24.11. Vortrag mit Dr. Sören Fischer.)

(Elke Lang)

Sa, 08.07.2023

Versteigerung beim Sommerfest im Kleist-Museum in Frankfurt an der Oder. Rechts am Mikrofon: Hans-Jürgen Rehfeld, links Adrian Robanus. | © Elke Lang

Sommerfest im Kleist-Museum

Zum Sommerfest des Kleist-Museums, zusammen mit dem Förderkreis des Hauses Ende Juni, das (eingedenk der Corona-Pause) seit 2016 gefeiert wird, waren über 200 Gäste gekommen. Der Einladung durch Anke Pätsch, der Direktorin der Stiftung Kleist-Museum, und Wolfgang de Bruyn, dem Vorstandsvorsitzenden des Förderkreises Kleist-Museum, Frankfurt (Oder) e. V., waren mit dem Museum verbundene Institutionen und Vereine, die Förderer des Hauses (Bund, Land, Stadt) gefolgt sowie auch Gäste aus Frankfurt, Brandenburg und Berlin, die sich gerade zu einem Museumsbesuch im Haus befanden. Das Berliner Swingduo La grande Bouche mit Andreas Sommer und Charles Matuschewski, begleitet von Andreas Doormann aus dem Moka Efti Orchestra, sorgte für eine beschauliche Stimmung. Zum Programm gehörten ein kurze Führung durch die Sonderausstellung mit Adrian Robanus, eine Kinderrallye mit Leon Marziniak und eine Auktion mit Hans-Jürgen Rehfeld, assistiert durch Adrian Robanus auf der Bühne und hinter der Bühne durch die Bibliothekarinnen Grit Wellmer und Daniela Lehmann. Versteigert wurden vor allem Gegenstände, die dem Kleist-Museum gehörten, einige auch dem Förderkreis, etwa Doubletten von Gegenständen, signierte Bücher und ähnliches. Wie Anette Handke, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Frankfurter Kleist-Museum, sagt, wird das dabei eingenommene Geld für Neuerwerbungen für die Bibliothek und Sammlung des Hauses zur Verfügung gestellt. 

(Elke Lang)

Fr, 23.06.2023

Soeben erschienen: Heft 249 der "Marginalien", hier incl. der Grafik von K.-G. Hirsch. | © Till Schröder

Marginalien 249 erschienen

Aufbruch, Neuvorlage, Wiederholung: Das Beginnen, das Neuanfangen ... und der Umgang damit stehen, wie Chefredakteur Till Schröder bereits im Editorial der druckfrischen Ausgabe 249 der Marginalien hinweist, manchmal gewollt, zuweilen unfreiwillig als Motto und Tenor über vielen Aufsätzen, Rezensionen und sonstigen Beiträgen des 2023er Sommer-Heftes der Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophile der Pirckheimer-Gesellschaft. Ernst Falk untersucht den Werdegang der Petersburg Press, während Rainer Stamm den Spuren Kurt Freyers von Berlin nach Israel folgt und Renate Reschke Kunst und Verdienste Ruth Tesmars würdigt. Als Fundsache präsentiert Roland Jaeger die wechselvolle Historie des foto-auges, und Harald Kretzschmar schreibt im ABC der Druckkunst über seine Passion für den Siebdruck. Jens-Fietje Dwars beleuchtet in seinem Nachruf die große Wirkung und Nachwirkung der publizistischen Arbeit (Außer der Reihe, Janus Press) von Gerhard Wolf, der im Februar dieses Jahres starb. Auch der Rezensionsteil ist mit Norbert Grewe, Elke Lang, Ernst Braun, Jürgen Engler und Ekkehard Schulreich kenntnisvoll und hochkarätig besetzt. Es wird zum 50. Jahrestreffen der Pirckheimer, das vom 22. bis 24.09. unter der organisatorischen Obhut von Peter Arlt in Gotha stattfinden wird, geladen. Als originalgrafischer Bonus kommt der Holzschnitt Engel von Karl-Georg Hirsch zu den Mitgliedern der Gesellschaft. Mit Gerhard Rechlin ehrt ein jahrzehntelanger Sammer und Kenner den Meister Hirsch zudem zum 85. Geburtstag mit der Bibliografie des buchgrafischen Werks KGHs von 2008 bis 2022. Ja, und da das Faible für Hirschens Kunst ungebrochen groß ist, steht sie auch online auf dieser Seite allen Interessierten und den akribischen Sammlern und Freunden des Grafikers hier zur Verfügung.

(André Schinkel)

So, 02.04.2023

Das Galeriegespräch im Rahmen der Ausstellung fand mit Philipp Freytag, Elke Lang, Thomas Ranft und Brigitta Milde (v. l. n. r.) statt. | © Till Sailer

Elke Lang: Gespräch in Chemnitz

In der Galerie von Bernd Weise im Rosenhof 4 in Chemnitz fand am 30. März bei rund 30 Gästen während der Ausstellung von Thomas Ranft, Wish You Were Here. Unikate Radierungen und Carlfriedrich Claus, Starting Point. Sprachblätter ein Gesprächsabend mit Elke Lang, Thomas Ranft, Brigitta Milde und Philipp Freytag statt. Im Zentrum stand anlässlich des 95. Geburtstags und des zehnten Todestags von Lothar Lang das von Elke Lang 2021 im Verlag Faber & Faber in Leipzig herausgegebene Buch Carlfriedrich Claus und Lothar Lang. Der Briefwechsel (192 Seiten, ISBN 978-3-86730-220-3, 34 Euro). Mit dem Moderator Philipp Freytag, der von Brigitta Milde die Leitung des Claus-Archivs in Chemnitz übernommen hat, drehte sich das Gespräch unter Beteiligung der Zuhörer vor allem um die politische und künstlerische Anerkennung des Annaberger Künstler-Philosophen Claus sowie um Anekdoten aus den persönlichen Begegnungen heraus, die Brigitta Milde wie der Zeichner und Grafiker Ranft mit den Briefpartnern hatten. Die Kunsthistorikerin Brigitta Milde konnte außerdem viel zum Verständnis der Kunst von Carlfriedrich Claus beitragen. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. April in der Galerie Weise zu sehen. 

(Till Sailer)

Mo, 20.03.2023

Vom Original zum Einband: Cover-Vorlage von Gerd Mackensen für den "Palmbaum" (Heft 2/2007).
Blick ins Pirckheimer-Kabinett I. | © Till Schröder
Blick ins Pirckheimer-Kabinett II. | © Till Schröder

Burgk II: Dada, „Palmbaum“ und eine Silbermann-Orgel

Auf Schloss Burgk bei Schleiz eröffnete am vorletzten Samstag, den 11.03., eine Ausstellung der Thüringer Literaturzeitschrift Palmbaum zum 30-jährigen Bestehen (siehe auch die detaillierte Ankündigung im Blog und den Artikel von Elke Lang vor einigen Tagen). Was kann eine solche Zeitschrift schon großartig zeigen?, fragt sich mancher. Textfahnen? Ausgedruckte E-Mails

Im Falle des Palmbaums allerhand Bildliches, denn seit 2005 zeichnet stets ein Künstler für den Umschlag des 1993 gegründeten Journals verantwortlich. Und dieser Prozess ist Kern der Schau: Man sieht die originalgrafischen Vorlagen gegenübergestellt mit dem endgültigen Umschlag, die Synthese aus Bild, Layout und Schrift. Es liegen Umschlag-Alternativen aus, Künstlerbriefe, Druckplatten, Künstlerbücher, Grafikzyklen, denn die Zeitschrift ist eng eingebunden in ein Netzwerk des Austauschs zwischen Literaten und bildenden Künstlern. Und so bietet sich ein kooperatives Panorama von Gerhard Altenbourg bis Reinhard Zabka, das in seiner Bandbreite beeindruckt. Man sieht ein Exemplar von Altenbourgs Wund-Denkmale, einen Autografen von Gottfried Benn, illustrierte Episteln von Karl-Georg Hirsch, konstruktivistische Pop-Art von Hans Ticha, feine Zeichnungen von Horst Sakulowski, Expressives von Angela Hampel und, und, und.

Bevor es aber in die geheizten Galerieräume ging, startete die Ausstellung mit einer Dada-Matinee in der kalten Schlosskapelle. In Erinnerung an den Dada-Kongress in Weimar und Jena von 1922 rezitierte Palmbaum-Chefredakteur Jens-Fietje Dwars Gedichte, spielte Michael von Hintzenstern auf der barocken Silbermann-Orgel Erik Satie und verführte die gut 50 Gäste zu einem Dada-Chor, die Schwitters-Ursonate skandierend. Eine heiße Show in kalten Gemäuern – genau das Richtige. Draußen lag teilweise noch Schnee, innen waren es knackige sieben Grad, was irgendwie auch zur schneidenden Lyrik von Kurt Schwitters und Hugo Ball passte.

Aus Pirckheimer-Sicht ist noch ein anderer Aspekt interessant: Im Pirckheimer-Kabinett, in den 1980ern von Lothar Lang begründet, um der reichhaltigen Exlibris- und Buchkunst-Sammlung des Schlosses einen Präsentationsort zu geben, wirft Dwars einen Blick auf die grafische Editions-Tätigkeit der Pirckheimer-Gesellschaft. Als Herausgeber der Edition Pirckheimer zeichnet er für zwei Grafik-Mappen der Gesellschaft mit Werken von Künstlern wie Baldwin Zettl, Claudia Berg, Dieter Goltzsche oder Max Uhlig verantwortlich. Außerdem sind alle grafischen Beilagen der Marginalien seit 2016 in den Vitrinen zu sehen, deren Redaktion Dwars ebenfalls angehört, eine Fülle künstlerischer Handschriften dokumentierend von Strawalde bis Ottographic.

Schließlich lockt noch ein dritter Raum: Im Erotikkabinett dreht es sich um Zeichnungen von Gerd Mackensen für zwei illustrierte Anthologien des Menantes-Preises für erotische Dichtung und für Goethes Erotica, genauer um eine neu von Dwars edierte Fassung in der Edition Ornament. Die sinnlichen Originale entfalten an den Wänden noch einmal eine andere Wucht in voller Größe, gerade im Vergleich zur in der Vitrine ausgelegten Buchversion. – Drei Grafikwelten für den Preis von einer. Ein Besuch lohnt sich! Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Juni zu sehen. Ab 15. Juli öffnet sie dann im Romantikerhaus Jena

(Till Schröder)

Do, 16.03.2023

"Palmbaum"-Redakteur Jens-Fietje Dwars begrüßt die Ausstellungsgäste zur Vernissage. | © Elke Lang
V. l. n. r.: Gründungsredakteur Detlef Ignasiak, Jens-F. Dwars, Michael von Hintzenstern. | © Elke Lang

Burgk I: Im Zeichen der Palme

Knapp 40 Besucher hatten sich am Sonnabend, dem 11. März, nach Schloss Burgk in die Neue Galerie begeben, um dem Palmbaum zu huldigen, der Thüringer Literaturzeitschrift dieses Namens, die vor 30 Jahren von Detlef Ignasiak im quartus-Verlag Bucha b. Jena gegründet worden war. Spätestens seit 2005 hat sich mit Jens-Fietje Dwars als Redakteur dieses Journals auch der Philosophie und besonders der bildenden Kunst zugewandt. Ihm sind die 36 Einbände zu verdanken, die nach grafischen Vorlagen von Gegenwartskünstlern Mitteldeutschlands gestaltet sind. Darunter befinden sich Horst Hussel, Gerhard Altenbourg, Gerd Mackensen, Uwe Pfeifer, Max Uhlig, Baldwin Zettl und Kay Voigtmann. In der Jubiläumssonderschau sind unter anderem all diese Buchumschläge neben den Grafiken zu sehen, aus denen sie entwickelt wurden. Dieser Fundus an originaler Kunst ist für sich schon sehenswert. Das Besondere der Ausstellung besteht jedoch darin, dass der Besucher hier den Gestaltungsprozess bis hin zum Buchumschlag nachvollziehen kann. Weiterhin sind originale Künstlerbriefe von Karl-Georg Hirsch, Hans Ticha und Strawalde, Manuskripte von Volker Braun, Reiner Kunze und Wulf Kirsten sowie erstmals publizierte Autografen von Gottfried Benn, Gabriele Reuter und Paul Scheerbart zu besichtigen. Mit Grafik-Mappen und Marginalien-Beilagen der Pirckheimer-Gesellschaft im Pirckheimer-Kabinett und einer kleinen Erotika-Exposition sind um die 300 künstlerische Arbeiten ausgestellt. Museums-Direktorin Sabine Schemmrich freut sich, diese Ausstellung mit dem Titel Im Zeichen der Palme: Literatur und Grafik aus Mitteldeutschland in ihrem Hause präsentieren zu dürfen, ist doch Gegenwartskunst aus Mitteldeutschland für die 1981 eröffnete Neue Galerie bis heute festes Programm. Die Ausstellung ist bis zum 25. Juni zu sehen, das Schloss von Di bis So 10 bis 18 Uhr geöffnet. Alle Infos unter: www.schloss-burgk.de.

(Elke Lang)

Di, 02.11.2021

Wolfgang de Bruyn (l.) im Gespräch mit dem Pirckheimer und Schriftsteller Till Sailer (Foto: Elke Lang)

Eine Feier für Günter de Bruyn (1926 – 2020)

Punktgenau zum 95. Geburtstag am 1. November hatten die Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund, das Kleist-Museum Frankfurt (Oder) und die Günter-de-Bruyn-Stiftung in der Landesvertretung ausgerichtet. Der Sohn Wolfgang de Bruyn sprach über die Günter-de-Bruyn-Stiftung, die der Schriftsteller schon 2014 durch eine testamentarische Verfügung über den Grundstock von 50.000 Euro aus seinem Nachlass vorbereitet hatte, sowie über die Gründung des Fördervereins 2020 unter Vorsitz von Wolfgang de Bruyn als Träger der Stiftung. Diese hat den Zweck, Günter de Bruyns Lebenswerk zu erhalten und so aufzuarbeiten, dass es der Öffentlichkeit zugänglich ist. Eine erste Arbeit bestehe für den Förderverein darin, „die vielen laufenden Regalmeter Bibliothek“ des Schriftstellers zu katalogisieren“, so Wolfgang de Bruyn. Hannah Lotte Lund, die bei der Veranstaltung als Direktorin des Frankfurter Kleist-Museums verabschiedet wurde – die Interimsleitung übernimmt bis März nächsten Jahres Wolfgang de Bruyn –, lobte den Jubilar als „guten Historiker, der Günter de Bruyn für mich ist – und wenn dann noch gute Literatur herauskommt...“ Der Leiter des Brandenburgischen Literaturbüros Peter Walther zitierte in seinem Essay aus dem Gratulationsbrief Angela Merkels zu de Bruyns 80. Geburtstag, in dem es heißt, dass dieser „dem Denken der Herrschenden niemals die Herrschaft über das eigene Denken gegeben habe“.

Zu den Gästen gehörte auch der Pirckheimer André Förster, Mitglied des Fördervereins und Verleger. In dessen Quintus Verlag erschien von Christiane Barz / Wolfgang de Bruyn / Hannah Lotte Lund „Günter de Bruyn – Schreibwelten. Zwischen märkischer Kulturgeschichte und deutscher Gegenwart“, der Begleitband zu der noch vom Schriftsteller selbst mit konzipierten Wander-Ausstellung „Günter de Bruyn – Märkische Schreibwelten“. Sie ist vom 5. November bis 9. Januar 2022 nach Frankfurt und Beeskow im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam zu sehen.

Verbunden war die Feierlichkeit mit der Premiere des letzten, postum herausgebrachten Buchs von Günter de Bruyn, einer Nacherzählung von Friedrich de la Motte-Fouqués Zaubermärchen „Undine“ unter dem Titel „Die neue Undine“ (S. Fischer Verlag) mit einem ganz anderen, überraschenden Ausgang. Eindrucksvoll gelesen wurden die ersten beiden Kapitel durch den Schauspieler Hanns Zischler.

(Elke Lang)

Mi, 13.10.2021

Mit Familienbild aus dem Jahr 1944: Till Sailer, Foto: Elke Lang

Wohin nach Nazi-Deutschland?

Der Schriftsteller Till Sailer stellt in Frankfurt/O seinen neuen Roman vor.

Eine junge Frau, wohlbehütet aufgewachsen auf dem „Hypothekenhügel“ von Weimar, in Liebe gefesselt an eine Ehe mit drei Kindern, Jungs, steht nach Ende des Zweiten Weltkriegs wie unzählige andere deutsche Frauen als Witwe vor dem Nichts. Sie muss für sich und ihre Kinder eine neue Existenz suchen. Das Besondere an der Geschichte ist zum einen, dass sie noch immer in der Naziideologie verharrt, die durch ihren in den letzten Kriegstagen gefallenen Ehemann, einen leidenschaftlichen Erzieher in einer nationalsozialistischen Eliteschule, infiltriert worden war. Ihr liberaler Vater missbilligte diese Haltung. Er konnte ein hohes Amt in der Landesregierung antreten. Zum anderen ist die Grundlage dieses Romans mit dem Titel „Haus mit der Madonna“ ein Stück Familiengeschichte des Schriftstellers Till Sailer und ein Stück Zeitgeschichte.
Wo wohnen, wie mit einem abgebrochenen Studium und dem Makel einer völkischen Vergangenheit den Lebensunterhalt verdienen, wie mit den neuen politischen Umständen zurechtkommen, die sie ablehnt? Sie, die Mutter des Schriftstellers, versucht es im Osten, sie versucht es im Westen, und ihre Erlebnisse bewirken – auch unter dem Einfluss des Vaters – ein langsames politisches Umdenken. „Der arge Weg der Hanna Sewald“, so lautete anfangs Sailers Arbeitstitel, und mit dem Ende des Buches 1949, kurz vor der Gründung der DDR, ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt, der Weg noch lange nicht geebnet. Der 1942 geborene Sohn denkt schon über eine Fortsetzung nach bis in eine Zeit hinein, die er selbst intensiv miterleben konnte. Authentisch wurde der Roman dennoch durch Briefe, die Erzählungen der Mutter und anderer Zeitzeugen sowie die Erinnerungen der zwei älteren Brüder. „Zwei Kapiteln aber“, so Till Sailer, „‚Burg Neuhaus‘ und ‚Zwischen Deutschland und Deutschland‘ erzählen von Ereignissen, die ich im Alter von sieben Jahren ganz allein erlebt habe und die mir noch immer deutlich vor Augen stehen.“

Nun steht die Premiere des im Mitteldeutschen Verlag erschienenen Buches mit einer Lesung des Autors im Kleist-Museum an. Ein Gespräch mit Verlagsleiter Roman Pliske schließt sich an. Die musikalische Umrahmung gestaltet Till Sailers Tochter, die Pianistin Juliane Burbaum.

(MOZ, 14.10.2021, S. 17)

Buchpremiere: 15.Oktober 2021 19 Uhr

Kleist-Museum Frankfurt

Fr, 17.09.2021

Blick in die Ausstellung, Foto: Elke Lang

Documenta. Politik und Kunst

Politik und Kunst“ stehen im Fokus einer umfangreichen Ausstellung über die documenta von ihrer erste Ausgabe 1955 bis 1997, das war die d10, im Deutschen Historischen Museum. Im nächsten Jahr wird die fünfzehnte stattfinden. Konzipiert wurde die documenta von Anfang an mit zwei politischen Zielen. Einmal ging es um die Aufarbeitung der nazistischen Vergangenheit mit ihrer Verdammung avantgardistischer Kunst, indem man sich ausschließlich der Moderne widmete. Zum anderen sollte die documenta ihre Rolle im Kalten Kriegs als Abgrenzung zur DDR und deren Sozialistischen Realismus lediglich das Kunstschaffen im „Westen“ einschließlich der USA zeigen. In der DDR lebende Künstler, wie Gerhard Altenbourg, traten unabhängig von ihrer Staats-Zugehörigkeit auf. Wie es in der Einleitung zu dem über 300 Seiten starken Katalog heißt, war die documenta „viel enger an das politische Programm der BRD gebunden, als es auf den ersten Blick scheint“.

Eine besondere Rolle spielte die d6 1977, denn aufgrund von innerdeutschen Staatsverträgen war erstmals eine Teilnahme der DDR möglich. Das ging nicht ohne Konflikte hinter den Kulissen vor sich und brachte dem Kurator Lothar Lang den zweifelhaften Ruf ein, mit der Staatssicherheit der DDR zu kooperieren. Diese hatte ihm eine kulturpolitische Einschätzung des DDR-Auftritts abverlangt. Dieser d6 ist ihrer Bedeutung gemäß in der Ausstellung, die nicht chronologisch, sondern nach Themen aufgebaut ist, ein größerer Platz als den anderen Abteilungen eingerichtet worden.

Es erscheint ein Katalog.

(Elke Lang)

Ausstellung: noch bis 9. Januar 2022

Deutsches Historisches Museum Berlin

So, 05.09.2021

Maximilian Oehlschläger (Vors. des Stiftungsrates), Max Uhlig, Thomas Lopau (Moderator) und Sonja Oehlschläger (Vors. des Stiftungsvorstandes), Foto © Elke Lang

Kunstpreis zu Ehren von Karl Schmidt-Rottluff Chemnitz an Max Uhlig

Nachdem der Dresdner Maler Max Uhlig am 20. November 2020 für sein Werk im kleinsten Kreis den mit 20.000 Euro dotierten Kunstpreis zu Ehren von Karl Schmidt-Rottluff erhalten hatte, konnte nun coronabedingt mit großer Verzögerung am 28. August durch die gleichnamige Stiftung im großen Rahmen im Chemnitzer Hof eine würdige Festveranstaltung mit einer Improvisation zu Uhligs Gemälde “Sommer bei Katharinenberg“ von dem Pianisten Jeffrey Goldberg durchgeführt werden. Grußworte entrichteten Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, sowie Sven Schulze, Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz, die Laudation hielt Wolfgang Holler, Generaldirektor der Museen der Klassikstiftung Weimar. Max Uhlig sprach trotz starker körperlicher Einschränkung selbst ausführliche Worte des Danks. Ein eindrucksvoller Kurzfilm zeigte den Künstler bei seiner Arbeit an den Fenstern für die Magdeburger Johanniskirche. Anschließend wurde eine Max-Uhlig-Ausstellung in der Galerie Weise im Rosenhof 4 eröffnet.

Es war der zweite Preis, der durch die 2015 gegründete Stiftung zu Ehren von Karl Schmidt-Rottluff Chemnitz vergeben wurde. Der erste Preis ging 2018 an den Chemnitzer Künstler Michael Morgner. Zu beiden Preisen ist eine splendide Festschrift herausgegeben worden. In ihr äußern sich 37 Wegbegleiter, Freunde und Sammler der Künstler. Unter ihnen befinden sich in dem Buch zu Uhlig so bekannte Persönlichkeiten wie Werner Schmidt, Klaus Werner, Lothar Lang, Michael Morgner, Dieter Goltzsche, Roland Jäger, Thomas Ranft, Peter Herrmann, Matthias Flügge und Hedwig Döbele.  Enthalten sind außerdem die Biografien sowie eine Auswahl an Preisen, Ehrungen, Werken in öffentlichen Sammlungen und Publikationen. Beide Schriften sind reich mit Abbildungen versehen.

Die Preisvergabe ist alle zwei Jahre vorgesehen. Sie richtet sich auf Künstler, deren Leistungen „außerhalb des Spektakels und des Marktes“ erreicht wurden, wie in der Festschrift steht. Wer den nächsten Preis erhält, stehe noch nicht fest, so Sonja Oehlschläger, die Vorsitzende des Stiftungsvorstandes. Es werde eine internationale Sicht angestrebt.

(Elke Lang)