Frank Eißner, der wunderbare, aus Leipzig stammende, ja, und heute in Aschaffenburg lebende und dort auch wirkende Holzschneider, dessen Spezialstrecke Farbholzschnitte, nicht selten in der hohen Ausübung der verlorenen Form, und nicht zuletzt zaubrig-dunkelbunte Exlibris sind, wird heute 65 Jahre alt. Einher geht das mit dem 35. Geburtstag auch seiner Handpresse, die eine Vielzahl Bögen, Plakate und Bücher und, wiederum last, but not least, Jahr für Jahr einen großformatigen Kalender voller Holzschnitte hervorbringt. Kalender sind das, die man gern an der Wand lässt, auch wenn das Jahr darauf schon verflossen ist ... und so blickt auch mich das herrliche Rotkehlchen ganz auf weißem Grund aus der 2023er Ausgabe nach wie vor in meinem Domizil an. Kaum zu denken, ein gemeinsames Buch zu machen, aber: Es ist passiert, eine Reihe Farbholzschnitte zu fünf Texten, dem Fluss gewidmet, der uns beide beschäftigt: der Mulde. Voraus gingen dem Adaptionen zu den Hymnen an die Nacht von Novalis, biblischen Texten und dem Gedichtzyklus erde und feuer des Schönebecker Dichters und existentialistischen Essayisten und Briefeschreibers Holger Benkel ... Ein Highlight dürften die bisher drei Kollaborationen in Buch- und Mappenform mit der Kollegin und engen Freundin seit einer Reihe von Jahren, Susanne Theumer, sein: Zuletzt widmeten sich die beiden der Sommernacht-Ode eines Großmeisters der Empfindsamkeit, Friedrich Gottlieb Klopstock. Frank Eißners Ausdruck, der in seiner Expressivität und Farbigkeit die Faszination für den Jugendstil und die altägyptische Kunst nicht leugnet, ist dabei als einzigartig in seiner Gattung zu bezeichnen. Zur Zeit sind Eißners Arbeiten in der Papiermühle Homburg zu sehen, dort stellt er bis Mitte Oktober gemeinsam mit Urte von Maltzahn-Lietz aus (der Blog berichtete). Es bleibt, dem Virtuosen in Schnitt und Gegenschnitt zu seinem heutigen Ehrentag alles Gute zu wünschen!
(André Schinkel)