Pirckheimer-Blog

Ralf Wege

So, 22.01.2023

Beim Betrachten der Zeichnungen von Heinz Zander zu "Tristan und Isolde". | © Ralf Wege
Sigrid Wege, Vorsitzende der Magdeburger Pirckheimer, begrüßt die Gäste der Vernissage im Literaturhaus Magdeburg. | © Ralf Wege
Das Plakat zur Zander-Ausstellung in Magdeburg.

Heinz-Zander-Ausstellung in Magdeburg verlängert

„Puppenspiel mit Moralitäten“ noch bis 03.02. im Literaturhaus Magdeburg zu sehen

Eine Woche länger als ursprünglich geplant sind die Werke des Leipziger Altmeisters Heinz Zander im Magdeburger Literaturhaus zu sehen. Unter dem Thema Puppenspiel mit Moralitäten. Bilder zur Literatur zeigen die Magdeburger Pirckheimer rund 150 Werke Zanders, darunter großformatige Ölbilder ebenso wie kleinformatige Zeichnungen oder Druckgrafik. Eine bibliophile Schau mit einer beeindruckenden Vielfalt an Technik und Format aus einer Hand, aus dem speziellen Blickwinkel Bilder zur Literatur, aus sechs Jahrzehnten künstlerischen Schaffens. Eine Ausstellung der Magdeburger Pirckheimer in Zusammenarbeit mit der Galerie Thoms.

Zur Eröffnung der Ausstellung im November 2022 waren rund 60 Gäste gekommen. Zum Teil hatten sie dafür eine weite Anreise auf sich genommen wie einige Kunst- und Kulturfreunde aus Mannheim, Bad Frankenhausen, Chemnitz, Berlin oder Mühlhausen. Vor allem die Fülle an Zeichnungen hat viele Gäste begeistert. Da diese aus einer Privatsammlung stammen, bekommt man sie selbst in einem Museum oder einer Galerie nicht einfach mal so zu Gesicht. Dazu gehören unter anderem Zanders Zeichnungen zu Tristan und Isolde, König Lear oder Doktor Faustus.

Heinz Zander hat nicht nur „Bilder zur Literatur“ geschaffen, sondern ist selbst als Autor mehrerer literarischer Werke bekannt. Sein Vorteil: Er kann die eigenen Texte selbst illustrieren. So geschehen auch beim Roman Puppenspiel mit Moralitäten, der der Ausstellung den Titel gab. Natürlich ist der Roman im Literaturhaus zu sehen. Doch es wäre keine Ausstellung eines bibliophilen Vereins, wenn nicht noch mehr gezeigt würde. So sind alle Vorzeichnungen ausgestellt, dazu die Studien zum Umschlag sowie den Bildern, die die Innenseiten des Buchdeckels illustrieren.

Die Bandbreite der künstlerischen Auseinandersetzung Zanders mit Literatur spiegelt sich ebenso in den Pressedrucken wider. In Magdeburg zu sehen ist u. a. König Phineus und die Austreibung der Harpyien, erschienen als 11. Druck der Dürer-Presse: ein Originalhalblederband im Original-Halbleinenschuber mit einer nummerierten und signierten Originalradierung Harpyie mit Gelege und Orgelspieler (Blattgröße: 26,5 x 35 cm. Bildgröße: 24,5 x 17,5 cm).

Gehört der Dürer-Druck zu den großformatigen Druckwerken Zanders, sind seine Illustrationen des Erotikons Colberts Märchen nach der Mode, ein Beispiel dafür, dass er auch das kleine Format meisterhaft beherrscht. Davon können sich die Besucher der Ausstellung überzeugen. Gezeigt werden sowohl alle 60 Vorzeichnungen als auch der fertige Druck, erschienen 1988 bei Hinstorff (Buch- und Rückentitel in Goldprägung. Schuberformat: 10,5 x 7,5 Zentimeter, Ledereinband im Pappschuber) sowie eine Auswahl Blätter aus der zuvor erschienenen Grafikedition in Kassette.

Mit fünf Ölgemälden öffnet die Ausstellung den Blick weiter auf die Vielfalt Zanders in Technik und Format ... und das mit dem speziellen Blick auf Literatur. Blickfang ist das Bild Der Engel John Silver betritt den Strand zum Roman Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson. Mit dem Gemälde Theseus und Ariadne werden die Ausstellungsbesucher in die griechische Mythologie weitergeleitet und können darin zudem den Meister im Selbstporträt entdecken. An der Wand gegenüber gilt es, Homers Sireneninsel zu betreten oder Adelbert von Chamissos Peter Schlemihl bei seinem Flug zu begleiten.

Die Ausstellung bietet neben solchen „ins Auge fallenden“ Stücken wahre Kleinode, die nur auf ihre Entdeckung warten. So zum Beispiel die Diplomarbeit von Heinz Zander: Der Untergang des Hauses Usher von Edgar Allen Poe oder Adam Behringers Engel, eine Radierung mit eigenem Text, editiert vom Leipziger Bibliophilen-Abend. Dazu gehört auch die Möglichkeit für die Besucher, einen Bezug zur Radiertechnik des Künstlers zu bekommen. So sind nicht nur Blätter der Mappe Der Zauberberg. 15 Radierungen zu Thomas Mann zu sehen, sondern für das Blatt 2 Castorp im Gebirge (Blattgröße: 21,9 x 17,6 cm) auch die dazugehörige Druckplatte.

Heinz Zander: Puppenspiel mit Moralitäten – Bilder zur Literatur
Literaturhaus Magdeburg, Thiemstraße 7, 39104 Magdeburg
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10–12 Uhr und 14–16 Uhr 
sowie nach Vereinbarung bzw. zu den Abendveranstaltungen

(Sigrid und Ralf Wege)

Sa, 05.11.2022

Heinz Zander, "Der Engel John Silver betritt den Strand", 1990, Öl (zu R. L. Stevenson).
Heinz Zander: "Harpyie gebiert einen Engel", Zeichnung (zu König Phineus).
Heinz Zander, "Peter Schlemihl", Öl (zu Adelbert von Chamissos berühmtem Roman).

Vernissage: „Puppenspiel mit Moralitäten. Heinz Zander – Bilder zur Literatur“

Zur Eröffnung der Ausstellung Puppenspiel mit Moralitäten. Heinz Zander – Bilder zur Literatur am Sonnabend, 19. November 2022, laden die Magdeburger Pirckheimer zusammen mit der Galerie Thoms in das Literaturhaus Magdeburg ein. Beginn der Vernissage ist um 15 Uhr. Der Eintritt zur Eröffnung ist frei. Für die musikalische Umrahmung sorgen aus Magdeburg Gerd Becker und Stefano Riva. Die Ausstellung ist bis zum 28. Januar 2023 im Literaturhaus in der Thiemstraße 7 im Stadtteil Buckau der Elbestadt zu sehen.

Werke aus dem umfangreichen Œuvre des Leipziger Malers Heinz Zander, der 1939 in Wolfen geboren wurde, befinden sich unter anderem in Museen und Sammlungen in Berlin, Tokio, Dresden oder Leipzig. Ab dem 19. November werden rund 150 seiner Arbeiten im Magdeburger Literaturhaus gezeugt – darunter großformatige Ölbilder ebenso wie kleinformatige Zeichnungen oder Druckgrafik. Dazu kommen die Romane und Erzählungen, die er geschrieben und selbst illustriert hat, sowie künstlerische Arbeiten zur Weltliteratur.

In seinen sechs Jahrzehnten künstlerischen Wirkens hat Heinz Zander als Autor selbst Literatur geschaffen und sich als Zeichner und Maler auch umfangreich mit den Werken anderer Autoren (von Wolkenstein, Poe, Brecht, Hacks) auseinandergesetzt. Die Ausstellung im Literaturhaus vermittelt einen Blick in das Werk Zanders aus diesem speziellen Blickwinkel heraus. Der Kunsthistoriker Oliver Schwulst (Leipzig) wird die Gäste der Vernissage in dessen vielfältige Bilderwelt einführen. Ein Vorblick in die Worte des Laudators sei hier schon gewährt:

„Die Bildwelt Heinz Zanders ist umgeben von der Aura des Poetischen, die viel erzählt, doch mehr verschweigt. Sein gesamtes künstlerisches Schaffen ist durchzogen von zahlreichen Motiven aus abendländischen Märchen und antiken Sagen, aber auch der Weltliteratur der jüngeren Jahrhunderte. Die gleichnishaften Kompositionen spiegeln seine eigene Lese-Arten, die das ursprüngliche Wesen des Textes, hinter einem oft zugespitzten Charakter verbergen. Der Leipziger Künstler verdichtet dabei die literarischen Stoffe zu labyrinthischen Zeichen, wodurch Raum für eigenständiges Erkunden geöffnet wird.

Zanders Themen sind wahrhaft vielfältig. Vom geschichtlich-schicksalshaften Niedergang (Edgar Allen Poe, Der Untergang des Hauses Usher, 1839) über die doppelschneidige Eigendynamik des Erotischen (Daniel Defoe, Moll Flanders, 1722) hin zu nachdenklichen Tönen (Thomas Mann, Der Erwählte, 1951), meist dialektisch gewürzt mit deftig-derben Humor (Bertolt Brecht, Seeräuberballade, 1920er). 

Diese vielseitige, intensive Auseinandersetzung ergoss sich in ein eigenes ergiebiges literarisches Schaffen. Oft begegnet dem Leser und Betrachter eine Ironisierung der Ironie. Heinz Zanders Romane Stille Landfahrten (1981) oder Das sanfte Labyrinth (1984) gründen sich auf der Phantasie eines Insulaners der sich einer urtümlichen Ander-Welt zuwendet, die für aufmerksame Besucher so manches Wunder bereithält.“

(Sigrid und Ralf Wege/Pressemitteilung)

Sa, 08.10.2022

Der prunkvolle Saal des Schlosses war Anfangs- und Endpunkt des Jahrestreffens in Oldenburg. | © R. Wege
Marcus Kenzler begrüßte die Pirckheimer im Idyllenzimmer. Im Vordergrund die Studie Tischbeins "Die Stärke des Mannes" von 1790 (Aquarell, Feder und Blei auf Papier) | © R. Wege
Auf reges Interesse stieß bei den Pirckheimern das Konvolut handschriftlicher Blätter Tischbeins, das Kunsthistorikerin Tonia Eskuche (l.) mitgebracht hat. | © R. Wege
Museumsdirektor Rainer Stamm mit dem Gästebuch des Sammlers Ernst Beyersdorff, dessen erster Seite sich der Maler Franz Radziwill mit einem Aquarell geschmückt hat. | © R. Wege
Corinna Roeder (l.) begrüßte als Hausherrin die Pirckheimer in der Landesbibliothek Oldenburg. | © R. Wege
Aufmerksam verfolgen die Pirckheimer den Ausführungen des Auktionators Christian Hesse. | © R. Wege
Die Chance, in ausgewählten Büchern der Feenders-Sammlung zu blättern ließ sich kaum ein Pirckheimer entgehen. | © R. Wege
Anja Harms und Eberhard Müller-Fries zeigen Buchkunst zum Anfassen. | © R. Wege

Auf Entdeckungsreise: Die Pirckheimer in Oldenburg

Der große Saal im Oldenburger Schloss bildete die prunkvolle räumliche Klammer des Pirckheimer-Treffens 2022 vom 23. bis 25. September. Dort begrüßte Rainer Stamm als Hausherr des im Schloss angesiedelten Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg die Pirckheimer am Freitag zu ihrem 49. Jahrestreffen. Er versprach den rund 60 aus ganz Deutschland angereisten Buch- und Grafikliebhabern eine „Entdeckungsreise mit Blick hinter die Kulissen“.

Die ersten beiden Blicke fielen zum einen auf die Buchbestände aus dem Nachlass des Museumsgründers, Publizisten und Sammlers Walter Müller-Wulckow und des Gründers der Vereinigung für junge Kunst, Ernst Beyersdorff, sowie die verschollene Leihbücherei dieser Avantgarde-Vereinigung. Zum anderen nahmen die Pirckheimer Arbeiten auf Papier des Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751–1829) ins Visier. Tischbein war von 1808 bis 1829 als Hofmaler des Herzogs Peter Friedrich Ludwig in Oldenburg und Eutin tätig, weshalb sich heute zahlreiche seiner Werke im Landesmuseum befinden.

Rainer Stamm entführte die Pirckheimer in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts und präsentierte im Prinzenpalais die Sammlungen des Gründungsdirektors des Landesmuseums Walter Müller-Wulckow und Ernst Beyersdorff, Gründer der 1922 ins Leben gerufenen Vereinigung für junge Kunst in Oldenburg. Stamm stellte nicht nur Bücher aus den Sammlungen vor, auch die der ab 1933 verstreuten Mitgliederbibliothek des Vereins, sondern schilderte profund und anschaulich die historischen Hintergründe ihrer Entstehung, ging auf die Persönlichkeiten der beiden Sammler ein. Bei der Beyersdorffschen Sammlung sei hier besonders auf sein Gästebuch hingewiesen, mit Einträgen von unter anderem Karl-Schmidt Rottluff, Mary Wigman, Bruno Taut, Arnold Schönberg oder Bertolt Brecht. Gottfried Benns Eintrag war der letzte vor der selbstgewählten Auflösung der Vereinigung angesichts der drohenden Gleichschaltung: Er las am 30. Januar 1933 genau in dem Raum im Prinzenpalais, in dem sich die Pirckheimer gerade befanden, während damals, 1933, die Nationalsozialisten vor den Fenstern die sogenannte Machtergreifung mit einem Fackelzug zelebrierten. Die Einträge beginnen erst 1946 wieder.           

Bei der Sammlung Müller-Wulckow beeindruckten viele Pirckheimer vor allem die „weltweit gesuchten Ephemera zur klassischen Moderne“, wie es Stamm charakterisierte. Beispiele sind Kataloge der Kestner-Gesellschaft, darunter der „sehr seltene Katalog“ Schmidt-Rottluff – Negerkunst von 1920, Einladungen zu Ausstellungen von Otto Dix oder Lyonel Feininger, und der Katalog zur Kunstausstellung Erster deutscher Herbstsalon, die 1913 von Herwarth Walden (Galerie Sturm) organisiert worden war, sowie Einladungskarten der Galerie Neue Kunst Fides in Dresden.

Da die eigentliche Bearbeiterin der Tischbein-Sammlung erkrankt war, sprangen Marcus Kenzler und Tonia Carlotta Eskuche ein. Entsprechend verschoben sich die inhaltlichen Schwerpunkte weg von der wissenschaftlichen Tischbein-Forschung. Kenzler gab eine Einführung in seine Arbeit als Provenienzforscher. Bis heute habe er zahlreiche Sammlungsstücke als dringende Verdachtsfälle oder eindeutiges „NS-Raubgut“ identifizieren können. Die ersten Restitutionen erfolgten 2014. Unter anderem sei für ihn erwiesen, dass einige Stücke aus den Sammlungen des Museums für die sogenannte „Führersammlung“ in Linz bestimmt gewesen seien.

Dennoch rückten die Arbeiten Tischbeins auch in den Fokus: Aus dem Bestand hatten die Experten zwei Arbeiten ausgewählt: Das Aquarell Die Stärke des Mannes von 1790, das das Museum 1928 angekauft hatte, und die Gouache über Feder- und Kreidezeichnung Schornsteinfeger über Hamburger Dächern (1801/1806). Zusätzlich lag auf dem Tisch ein gebundenes Konvolut von handschriftlichen Blättern Tischbeins, das mit gebührendem Abstand von den Pirckheimern betrachtet werden durfte. Das alles erlebten die Pirckheimer im Idyllenzimmer und damit umgeben von Tischbeins Idyllenzyklus, der aus mehr als 40 Gemälden besteht und vollständig erhalten ist. Und das sogar in der von Tischbein veranlassten Original-Hängung, wie Kenzler betonte.

Corinna Roeder stellte am Samstag die Künstlerbuch-Sammlung von Onno Feenders mit über 1.000 kostbaren Büchern vor. Die Leiterin der Landesbibliothek Oldenburg hatte 40 von ihnen bereitgelegt. Feenders habe von Anfang an eine wichtige Regel für Sammler befolgt, wie sie der Bibliophile Leopold Hirschberg formulierte: „Zersplittere Dich nicht!“  Roeder: „Um Vollständigkeit in einem äußerlichen Sinn ist es Onno Feenders nie gegangen, wohl aber darum, signifikante und qualitätsvolle Beispiele für die wichtigsten Vertreter und Entwicklungen des Pressendrucks zu sammeln.“ Der Platz lässt an dieser Stelle lässt nur eine kleine Aufzählung zu: Kelmscott-Press: The Romance of Sir Degrevant (1896), Doves-Press: English Bible (fünf Bände, 1902–1905), Ernst-Ludwig-Presse: Stundenbücher (zehn Bände, 1920–1922), Cranach-Presse: Shakespeares Hamlet (1929), Raamin-Presse: Kafkas Betrachtung (1990), Otto Rohse Presse: Gryphius’ Sonette (1970), Burgart-Presse: Christa Wolfs Im Stein (1998).

Er hoffe sehr, dass die Landesbibliothek Oldenburg diese Sammlung fortsetzen kann, sagte Christian Hesse, der an die Worte von Bibliothekschefin Roeder anknüpfte.  Der Inhaber des Auktionshauses Christian Hesse Auktionen in Hamburg sprach über den Umgang mit Büchersammlungen, um die sich deren Gründer nicht mehr kümmern kann oder will. Immer wieder werde die Frage „Was passiert mal mit meiner Sammlung?“ an ihn herangetragen. Hesse: „Die Kinder sind oft ratlos, wenn sie eine Sammlung erben.“ Für ihn ist die komplette Übernahme einer Sammlung durch eine Institution eine Option, eine andere, die Objekte durch eine Auktion wieder in den Sammlerkreislauf zu bringen. So beispielsweise geschehen mit der Sammlung der Barbara Achilles-Stiftung, die er 2021 versteigert hat. Damit hört die Sammlung in physischem Sinne zwar auf zu existieren, jedoch kann sie in Form eines (fundierten und gut gestalteten) Katalogs fortbestehen. Ein Beispiel für diese Variante ist der Katalog Wege zum idealen Buch – Die Sammlung der Barbara Achilles-Stiftung, von dem Hesse für jeden Teilnehmer des Jahrestreffens ein Exemplar stiftete.

Mit dem Besuch der Kabinettausstellung Bücherschätze der venezianischen Renaissance aus der Offizin des Aldus Manutius der Landesbibliothek kehrten die Pirckheimer quasi an ihren Ursprung, zu ihrem Namensgeber, zurück. Denn als jüngst entdecktes Kleinod der Sammlung entpuppte sich ein Band aus der Bibliothek von Willibald Pirckheimer, der von seinem Freund Albrecht Dürer von Hand illustriert wurde. Dabei handelt es sich um das 1502 in Venedig von Manutius gedruckte Onomastikón des Polydeukes. Auf dem ersten Blatt finden sich in Deckfarbenmalerei auf Delfinen balancierende Putten, die das Wappen Willibald Pirckheimers darstellen. Es sei gelungen, den Band zweifelsfrei als eines von 14 Büchern zu identifizieren, die 1634 von den Erben Pirckheimers an einen holländischen Sammler verkauft wurden, erzählte Matthias Bley, Leiter Historische Bestände und landesbibliothekarische Aufgaben. An dieser Entdeckung ist die Pirckheimer-Gesellschaft nicht ganz unschuldig. Als sie ihren Besuch in Oldenburg plante, so Pirckheimer-Vorsitzender Ralph Aepler, seien die Mitarbeiter der Bibliothek im Rahmen der Vorbereitungen erst auf diesen Fund gestoßen, da man ja speziell etwas für die Pirckheimer-Gesellschaft zeigen wollte und sich der Pirckheimer-Bände bewusst war.

Mit dem Besuch der Ausstellung Wie ist doch alles weit ins Bild gerückt der Künstler Anja Harms (Buchkünstlerin) und Eberhard Müller-Fries (Bildhauer) im Erdgeschoss der Bibliothek verließen die Pirckheimer das Mittelalter und die Aldinen und wandten sich der Gegenwartskunst zu, Künstlerbüchern, raumgreifenden, lesbaren Buchskulpturen. Für Harms und Müller-Fries ist der Ausgangspunkt ihres kreativen Schaffens immer die Literatur. Texte von Schriftstellern wie Paul Celan, Rainer Maria Rilke, Friedrich Hölderlin, Ingeborg Bachmann, Johannes Bobrowski, Hugo Ball, Hans Arp oder Christian Morgenstern zeigen die Bandbreite, in der sich die Künstler bewegen. Fast zwingend fügten die Künstler mit ihrer Idee, die jeweiligen Texte durch die Kammerschauspielerin Elfi Hoppe während des Rundganges vortragen zu lassen, dem Gesamtkunstwerk neben der visuellen eine akustische Dimension hinzu.

Die Begegnung mit Harms und Müller-Fries und der Besuch ihrer Ausstellung besaß für die Pirckheimer noch den besonderen Charme, die Künstler kennenzulernen, die die Grafik des Jahrestreffens gestaltet haben: Farbradierung und Linolschnitt Denn nirgend bleibt er. Friedrich Hölderlins Fragment 38, gedruckt auf Hahnemühle-Kupferdruckbütten in einem Umschlag aus bedrucktem Transparentpapier, hergestellt im Handsatz, Buchdruck und Collage aus rotem Himalayapapier im Format 27 mal 39 Zentimeter.

Den Tag beschlossen am Abend der Schriftsteller Klaus Modick und Museumsdirektor Rainer Stamm. Beide sprachen über Bücher, deren Entstehung und deren Zukunft. Klaus Modick las zudem aus seinen Büchern. Anschließend ging es zum gemeinsamen Abendessen in den Ratskeller.

Die Mitgliederversammlung am Sonntag im großen Saal des Oldenburger Schlosses beendete das Jahrestreffen 2022. Damit schloss sich auch der Kreis, der sich mit der Begrüßung durch den Pirckheimer-Vorsitzenden Ralph Aepler und Museumsdirektor Rainer Stamm fast 48 Stunden zuvor an dieser Stelle geöffnet hatte. Oldenburg hatte viel zu bieten.

(Ralf Wege, der vollständige Bericht erscheint in den Marginalien 247)

Di, 16.08.2022

Dr. Reiner Haseloff und Sigrid Wege während des Rundganges durch die Ausstellung. | © R. Wege
Ralf Wege (r.) und Dr. Reiner Haseloff mit dem Palmbaum, dessen Umschlag Angela Hampel gestaltet hat. | © S. Wege
Sigrid Wege überreicht Dr. Reiner Haseloff das aktuelle Heft der Marginalien. © R. Wege
Am Ende des Besuches der Palmbaum-Ausstellung überreichte Dr. Reiner Haseloff Sigrid Wege die Medaille des Ministerpräsidenten als Dank für ihr ehrenamtliches Engagement. | © R. Wege

Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff besucht Pirckheimer-Ausstellung in Magdeburg

Den Lockungen der Palme konnte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff nicht widerstehen. Er besuchte am Dienstag, 9. August, die Ausstellung Wort- und Bilderlust: Im Zeichen der Palme im Literaturhaus Magdeburg. „Eine sehr vielschichtige und interessante Ausstellung“, so sein Fazit am Ende des halbstündigen Rundgangs. Begleitet wurde er dabei von Sigrid Wege, Vorsitzende des Vereins der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e. V.  „Willibald Pirckheimer“, der die Ausstellung organisiert hat. Begrüßt wurde Reiner Haseloff zudem von Dr. Maik Hattenhorst, Mitglied des Vorstands des Literaturhausvereins sowie Ralf Wege, Pressesprecher der Pirckheimer-Gesellschaft.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Thüringer Literaturzeitschrift Palmbaum, herausgegeben von Dr. Jens-Fietje Dwars. Genauer gesagt dreht sich alles um die Einbände des Palmbaums. Diese werden seit 2005 von Künstlern aus Mitteldeutschland gestaltet. Zu sehen sind im Magdeburger Literaturhaus 34 signierte Andrucke und Originalgrafiken sowie ausgewählte Exemplare des Literaturjournals. So lässt sich anhand der ausgestellten Objekte der Weg vom Original über die Andrucke bis hin zum fertigen Buchumschlag nachvollziehen. Dabei kann man erleben, wie sich beispielsweise die Auswahl des Bildausschnitts oder die Abstimmung der typografischen Bausteine für die Titelgestaltung die Wirkung des Originals in seiner Verwandlung als Buchumschlag ändert. Der Reigen der beteiligten Künstler reicht unter anderem von Klaus Süß, Moritz Götze, Horst Hussel, Kay Voigtmann bis zu Susanne Theumer und Baldwin Zettl als Garant für Vielschichtigkeit an künstlerischer Handschrift und angewandter Technik wie Kupferstich, Kaltnadelradierung, Gouache, Collage oder Farbholzschnitt von der verlorenen Form.

Bei der Verabschiedung überreichte Sigrid Wege dem Ministerpräsidenten zur Erinnerung das aktuelle Heft der Marginalien, ein Plakat der Ausstellung und versprach, seiner Bitte nachzukommen, ihn künftig zu den Ausstellungen des Vereins einzuladen. Im Gegenzug überreichte Dr. Haseloff Sigrid Wege die Medaille des Ministerpräsidenten als Dank für ihr ehrenamtliches Engagement.

(Ralf Wege)

Mi, 27.04.2022

Wandelhalle Frühjahr 2022

Die von Silvia Werfel im Auftrag der Gesellschaft der Bibliophilen herausgegebene Wandelhalle für Bücherfreunde, welche bereits vor Ostern an deren Mitglieder verschickt wurde, enthält u.a. auch einen Bericht von Ralf Wege über das Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft 2021 in Hamburg.
Der Bericht kann hier nachgelesen werden.

Außerdem enthält dieses Heft Beiträge zur Forschungsbibliothek von Günter Gerhard Lange, zur Jahresgabe der Fränkischen Bibliophilen, ein Exlibris-Porträt: Mathilde Ade für Otto Julius und Gemma Bierbaum, einen Bericht über den Preis für junge Sammlerinnen und Sammler an Elisabeth Wittkowski, unter dem Titel «Mich schaudert dieses Krieges» zu Graphische Zyklen zum Ersten Weltkrieg und über den vor 100 Jahren geboren Celestino Piatti.

So, 30.01.2022

Abb. zu "Die Brüder Grimm und ihre Zeit": Die Märchenerzählerin erzählt Kindern Märchen unter einer Laube, in der sich Zwerge tummeln. Altkolorierter Kupferstich in: Deutsches Märchenbuch, hrsg. von Ludwig Bechstein, Leipzig 1874
Katalog "Märchen, Sagen und Symbole"
Wolpertinger, Abb. zu "Fabeln und Fabelwesen"

Märchen, Sagen und Symbole

1.530 Kilogramm schwer ist der Katalog „Märchen, Sagen und Symbole“. Doch dieses Gewicht ist nicht der Grund, um auf ihn im Pirckheimer-Blog hinzuweisen. Er bietet nicht nur, wie der Titel vermuten lässt, einen Überblick über Sagen, Märchen und Symbole, sondern hält auch mehrere Aspekte bereit, die den Buch- und Grafiksammler besonders interessieren dürften.
Erschienen ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des Liechtensteinischen LandesMuseums Vaduz, die am 31. März vergangenen Jahres eröffnet wurde. Dank einer Kooperation mit dem Winckelmann-Museum ist die Ausstellung „Märchen, Sagen und Symbole“ aktuell ebenfalls in Stendal (Altmark) zu sehen, noch bis zum 27. März 2022.

Der liechtensteinischen Museumsdirektors Prof. Dr. Rainer Vollkommer betont, dass die Publikation genau genommen kein Ausstellungskatalog ist, sondern ein Begleitbuch, das sich inhaltlich an die Ausstellung anlehnt und mit Beiträgen zur Thematik und einer Auswahl von in der Ausstellung gezeigten Objekten, Büchern und Dokumenten vertiefte Einblicke in einzelne Bereiche gibt. 15 Autorinnen und Autoren, nicht nur aus Liechtenstein haben daran mitgewirkt. Rund 632 teils ganzseitige Abbildungen illustrieren die Themen, angefangen von der Steinzeit bis zur Gegenwart.
In seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung sagte Rainer Vollkommer: „Es hat noch nie auf der Welt eine Ausstellung gegeben, wo man die Entwicklung von Sagen, Märchen, Mythen, Legenden und Fabeln von ihren Ursprüngen betrachtet bis in die heutige Zeit.“ Das spiegelt sich auch im Begleitbuch wider.

Im ersten Teil setzen sich verschiedene Autoren vertiefend mit einzelnen Themen auseinander. Den Anfang macht Kurt Wehrberger mit einem Beitrag über den Löwenmensch vom Lonetal, eine fast 30 Zentimeter große Figur in menschlicher Haltung mit einem Tierkopf. Ihr Alter wird auf rund 40.000 Jahre geschätzt.
Dr. Wolfgang Wettengel, Ägyptologe und stellvertretender Kurator der Ausstellung, befasst sich in mehreren, umfassend bebilderten Beiträgen mit aus seiner Sicht drei internationalen Wurzeln: erstens den Mythen, zweitens den Sagen und drittens den Märchen. Insbesondere geht er auf die Brüder Grimm und ihre Zeit ein sowie auf Schloss Neuschwanstein und König Ludwig II., der oft als „Märchenkönig“ tituliert wird. Die Gegenwart spielt eine Rolle, wenn sich Wettengel den Märchen im 21. Jahrhundert widmet mit ihren „neuen Helden“ wie dem Zauberer Sauron aus Tolkiens „Herr der Ringe“, Harry Potter aus Joanne K. Rowlings Romanen oder Luke Skywalker als der „Lichtgestalt“ von „Star Wars“.
Vor allem für Sammler von Sagen- und Märchenbüchern unter den Pirckheimern könnte ein Beitrag besonderes Interesse wecken. Auf 22 Seiten beschäftigt sich der „Märchenpapst“ Heinz Rölleke speziell mit Liechtensteiner Sagen. „Eine solche wissenschaftliche Analyse“ habe es bisher noch nicht gegeben, so die Einschätzung von Rainer Vollkommer.
Nicht so speziell, aber doch insbesondere für den Bibliophilen von Interesse sind zwei Beiträge von Dr. Andreas Bode, der „Zur Illustration der Märchen der Brüder Grimm in Deutschland“ und über „Illustrationen zu anderen bedeutenden Märchensammlungen“ geschrieben hat.
Beim Thema Illustration haben sich die Ausstellungsmacher etwas Besonderes einfallen lassen. Sie haben die Künstlerin Eliane Schädler gewinnen können, zehn ausgewählte Liechtensteiner Sagen zu illustrieren. Gezeigt wird aber nicht nur das Ergebnis. Eliane Schädler lässt in ihrem Beitrag im Begleitbuch die Leser am Entstehungsprozess teilhaben. Angefangen von der Recherche zu vorhandener Literatur und Bildumsetzung über die eigen Ideenfindung und die wichtigsten Etappen in der Umsetzung. Eliane Schädler schreibt über ihre Annährung an die Aufgabe: „Die meisten der Liechtensteiner Sagen sind landschaftlich verortet, dafür sind die wenigsten zeitlich verankert. Der Ort lässt also nur begrenzten Interpretationsspielraum, die Zeit ist hingegen völlig offen. Obwohl das Jetzt, die Vergangenheit und die Gegenwart im selben Bild dargestellt werden können, fand ich für diese Illustrationen den Entscheid nötig, ein einigermaßen kohärentes Zeitbild zu erzeugen.“ Anhand ausgewählter Bildbeispiele zeigt sie den Weg von der Idee zur Skizze, weiter zur Farbskizze, zur verfeinerten Farbskizze und Linienzeichnung bis zur fertigen Illustration, einer Gouache.

Der zweite Teil des Begleitbuches – der klassische Katalogteil - zeigt eine Auswahl der ausgestellten Objekte, jeweils ergänzt mit kurzen Kommentaren. Er beginnt mit der Abbildung einer Götterliste aus Ton aus dem 26. Jh. vor Christus, die einen der frühesten Belege des Gilgamesch enthält und endet mit den bereits erwähnten zehn Illustrationen, die Eliane Schädler für die Ausstellung geschaffen hat. So lange, wie Märchen, Sagen und Symbole die Entwicklung des Menschen begleiten, so umfassend finden diese ihren Niederschlag in Kunst und Kultur, wovon der Katalogteil einen entsprechend breitgefächerten Eindruck vermittelt, von Tontafeln und Keramik über Waffen, Zeichnungen und Drucke, Aquarelle und Holzskulpturen, Blechschilder, einem Schachspiel und Handschriften bis hin zu Bronzen oder Schulwandbildern.

(Ralf Wege)

Rainer Vollkommer (Hrsg.), Märchen, Sagen und Symbole
Vaduz 2021
632 Abbildungen, 404 Seiten, dtsch./engl.
38 Euro
ISBN 978-3-9525059-3-9

Sa, 13.11.2021

Thomas Ranft in seinem Atelier | ® Ralf Wege
Plakat zur Ausstellung / © R. Wege

Thomas Ranft - Radierungen zu Hölderlins "Hyperion"

Mit eineinhalb Jahren coronabedingter Verzögerung wird am 17. November 2021 die Ausstellung mit Radierungen des Künstlers Thomas Ranft zu Friedrich Hölderlins Briefroman "Hyperion" in Magdeburg eröffnet. Der Künstler wird anwesend sein. In die Ausstellung führt die Kulturwissenschaftlerin Eva Reulecke ein. Musikalisch begleitet Frank Schöpke die Eröffnung.

Die Vernissage war ursprünglich für März 2020 geplant. Trotz der Verschiebung ist der Anlass der Schau geblieben: Zwei Jubiläen werden gewürdigt – der 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin und der 75. Geburtstag von Thomas Ranft. Eine Verbindung zwischen beiden knüpft mit »Hyperion« eines der bekanntesten Werke Hölderlins, dessen erster Band 1779 erschien. Thomas Ranft hat in Auseinandersetzung mit diesem Werk zwei Grafikmappen mit je elf Radierungen sowie 15 experimentellen Blättern geschaffen.

Die Kunsthistorikerin Hanneke Heinmann schreibt 2013 in ihrem Text "Thomas Ranft und Hölderlins Hyperion": »Thomas Ranft zeigt in Kunst und Handeln, dass der Wert des Individuums und der Kampf für ein höheres Ziel jenseits von routienemäßiger Bürgerpflichterfüllung bestimmende Leitlinien sind. Hier scheint er ein geistiger Bruder des Romanhelden Hyperion zu sein. … Zudem entdeckt Ranft mit feinem Gespür in Hölderlins Textpassagen eigene alte Bildfindungen, die er umdeutet und weiterbearbeitet. Er hält sich an seine Maxime, den Text als Anstoß für Reflexionen und freie Improvisationen über die vorgefundenen Themen zu nutzen.«

Die Ausstellung ist eine Veranstaltung des Vereins der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e.V. »Willibald Pirckheimer«, der Schwesterorganisation der Pirckheimer-Gesellschaft. Sie wird gefördert vom Land Sachsen-Anhalt, unterstützt durch das Kulturbüro der Landeshauptstadt Magdeburg und den Verein Literaturhaus Magdeburg e.V.

(Sigrid Wege)

Ausstellungseröffnung: 17. November 2021, 19 Uhr, freier Eintritt
Ausstellung: 18. November 2021 - 11. Februar 2022

Literaturhaus Magdeburg und HOT Alte Bude Magdeburg

So, 26.09.2021

v.l.n.r.: Ralf Wege, Till Schröder, Ralph Aepler (hält den Rechenschaftsbericht), Armin Schubert, Foto: ad

Mitgliederversammlung 2021

Den Abschluss des 48. Jahrestreffens der Pirckheimer-Gesellschaft bildete die Mitgliederversammlung, eingeleitet durch einen aufschlussreichen Vortrag unseres Mitglieds Armin Schubert über die Herausforderungen der digitalen Welt für Leser und Freunde des gedruckten Wortes und Hürden und Erfolge der Arbeit mit den Bücherkindern Brandenburg. Der Vortrag ist hier nachzulesen.
Rechenschaftsberichte und Informationen aus den Regionalgesellschaften gaben einen Überblick über die stetig erfolgreiche Entwicklung der Pirckheimer-Gesellschaft.

Für das nächsten Jahrestreffen wurde Oldenburg (Oldb) vom 23. bis 25. September 2022 vorgesehen.

Mi, 11.11.2020

Pirckheimer-Jahrestreffen in der Wandelhalle

Die Gesellschaft der Bibliophilen wird in Ihrem Nachrichtenblatt Wandelhalle für Bücherfreunde #2020-2 in der Rubrik Aus anderen Gesellschaften einen Bericht über das Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft veröffentlichen, welches dieser Gesellschaft als einer der wenigen im schwierigen Jahr 2020 durchzuführen gelang.

Nachdem ein Bericht von Ralf Wege hier unter Aktuelles veröffentlicht wurde, wird von ihm auch in den Marginalien 239 eine Zusammenfassung des Jahrestreffens 2020 erscheinen - die kurze Information für die Wandelhalle, die hier nachzulesen ist, verfasste Abel Doering.

So, 01.11.2020

Ausgiebig blätterten die Magdeburger Bücherfreunde in den Einblattdrucken, die Dr. Wolfram Benda aus Bayreuth mitgebracht hatte. | © Ralf Wege
Dr. Wolfram Benda war zu Gast bei den Magdeburger Pirckheimern und stellte in der Galerie Grimm seine Bear Press vor. | © Ralf Wege

Alles aus einer Hand und doch mit vielen Händen

Vortrag von Dr. Wolfram Benda bei den Magdeburger Pirckheimern

Rund 20 Mitglieder unserer Schwestergesellschaft, des "Vereins der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt", haben sich am 24. Oktober zu ihrer Mitgliederversammlung in der Galerie Grimm getroffen.
Daran schloss sich im öffentlichen Teil ein Besuch von unserem Pirckheimer Dr. Wolfram Benda an, der seine Bear Press vorstellte.
Unter dem Motto „Die Liebe zum Buch“ plauderte Wolfram Benda faktenreich und sehr unterhaltsam aus vier Jahrzehnten als Verleger handgemachter Pressendrucke und Verfechter einer Bibliophilie, die "nicht nur für die Sinne gemacht, sondern auch wissenschaftlich fundiert ist". Begonnen hat alles mit Jean Pauls „Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch“, illustriert von Caspar Walter Rauh. Aktuell ist eine Ausgabe von Nikolaj GogolsDer Mantel“ mit Radierungen von Klaus Ensikat in Vorbereitung.

Lesen Sie den ausführlichen Bericht über die Veranstaltung der Magdeburger Pirckheimer "Alles aus einer Hand und doch mit vielen Händen".

(Ralf Wege)

So, 21.07.2019

Foto © Ulrich Goerdten

EDITION AUGENWEIDE in Dessau

Bücherfreunde und Bibliophile erlebten gestern in Dessau die Eröffnung einer Ausstellung, die zu Teilen schon in Halle gezeigt wurde -  "EDITION AUGENWEIDE, Jörg Kowalski und Ulrich Tarlatt, 30 Jahre Künstlerbücher-Almanach COMMON SENSE, 1989-2018", wir berichteten u.a. hier.

Der Pirckheimer Ralf Wege schrieb auf Facebook: "Kann die Ausstellung nur empfehlen. Unbedingt ansehen!!!!"
Und Ulrich Goerden machte mit dem Handy einige Fotos von der Vernissage, manche eventuell weniger gelungen, für die ich trotzdem dankbar bin. Für das nebenstehende allemal.

Die Ausstellung ist bis Mitte September in Dessau in der Orangerie der Anhaltischen Gemäldegalerie zu bewundern und zeigt einen Querschnitt der von den beiden Künstlern herausgegebenen 50 Künstlerbücher der edition augenweide, darunter 30 Almanache Common Sense.

Die Ausstellung wird weiterwandern, in die Universitäts- und Landesbibliothek Dresden und ins Romantikerhaus Jena.

(ad)

Do, 13.06.2019

Barbara Kindermann, Ralph Aepler, Klaus Ensikat
Armin Schubert
Fotos: Abel Doering

Culture for Future

In der Ev. Schule beim Dom zu Brandenburg fand gestern eine außergewöhnliche Lesung statt. Die Bücherkinder Brandenburg würdigten gemeinsam mit ihrem "Vater", dem Pirckheimer Armin Schubert, einen der Großen unter den gegenwärtigen Kinderbuchillustratoren, Klaus Ensikat, in einer Präsentation die Ergebnisse eines Jahres ihres aktuellen Projekts  "Ensikat unter der Lupe".

Die Pirckheimer-Gesellschaft unterstützt dieses Prejekt, wie schon die vorangegangenen zu Werner Klemke und Arno Mohr und ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Barbara Kindermann, die in ihrem Verlag die wunderbar von Ensikat illustrierten Bücher verlegt, an der Lesung mit den Vorstandsmitgliedern Jutta Osterhof, Ralph Aepler und Ralf Wege teilzunehmen. Die Präsentation wurde zwar stark beachtet, so durch den regionalen Fersehkanal SKB, der Märkischen Allgemeinen und von Buch Contact, eine Agentur, die sich der Öffentlichkeitsarbeit für das Buch verschrieben hat, leider findet jedoch die verdienstvolle Arbeit der Bücherkinder Brandenburg im Sinne ihres Mottos "Culture for Future" nicht die notwendige Beachtung und Unterstützung durch das Kulturminmisterium des Landes Brandenburg.

(ad)

Sa, 27.04.2019

Heinz Zander (l.) im Gespräch mit Besuchern der Ausstellungseröffnung im Kulturhistorischen Museum Mühlhausen. | © Ralf Wege
Schwangeres Sommerengelchen in einem duftigen Sommerkleidchen mit einem oft gebrauchten Sommersonnensonnenschirm, 2017, Öl auf Hartfaser. Dieses Bild ist das Motiv für den Schutzumschlag des Kataloges. | © Heinz Zander
Blick in die Ausstellung | © Ralf Wege

„Schönheiten und Ungeheuer“ in Mühlhausen

Aus Anlass des 80. Geburtstages von Heinz Zander am 2. Oktober 2019 findet in Mühlhausen eine  Sonderausstellung  auf 180 Quadratmetern mit 68 Gemälde, 10 Zeichnungen sowie 3 Radierungen des Leipziger Malers und Graphikers statt.

Damit kehre Heinz Zander auch ein Stück in seine Vergangenheit zurück, sagte Mühlhausens Bürgermeisterin Beate Sill zur Eröffnung der Ausstellung am 14. April. 1980 hatte Heinz Zander bereits seine künstlerischen Spuren in Mühlhausen hinterlassen, als er für die dortige Kornmarktkirche den monumentalen Gemäldezyklus zum Deutschen Bauernkrieg schuf. Nun, 40 Jahre später, zeigt er im  Kulturhistorischen Museum vor allem Werke aus seiner jüngsten Schaffensperiode. Für die Ausstellung war Heinz Zander nicht nur bildlich nach Mühlhausen zurückgekehrt, sondern auch persönlich bei der Eröffnung anwesend. Nicht zuletzt, weil er über seine langjährige Bekanntschaft mit dem Mühlhäuser Peter Thoms auch eine persönliche Verbindung in die Region pflegt. Peter Thoms ist ganz allgemein ein Kunstliebhaber, im Besonderen jedoch ein Liebhaber der Werke von Heinz Zander, und das seit rund 30 Jahren. Heute präsentiert Peter Thoms in seiner Galerie dessen Werke und gab zur aktuellen Ausstellung den entscheidenden Anstoß.
Dem Besucher wird mit „Schönheiten und Ungeheuer“ in eine phantastisch-skurrile Welt geführt, in der Romanhelden und antike Götter auf schöne Frauen und fabelhafte Gestalten treffen. Immer wieder tauchten Themen wie Schönheit und Erotik sowie Vergänglichkeit und Verfall in den Werken auf, erläuterte zur Eröffnung Friedrich Staemmler, Kurator der Ausstellung. Jedes einzelne von Zanders Gemälden, stecke voll rätselhafter Symbolik und rege den Betrachter durch die einzigartigen Titel zu deren Entschlüsselung an. Staemmler: „Wie auch in seinem Werk „John Long Silver. Der Engel über den Meeren“ ist Zander selbst häufig Teil seiner Welt, präsentiert sich mit Hörrohr oder gebogener Brille und dabei stets mit einer gewissen Portion Ironie dem Beobachter.“
Bürgermeisterin Beate Sill stellte den Künstler als einen der wichtigsten Vertreter der „Leipziger Schule“ vor und in eine Reihe mit Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke und Bernhard Heisig. Friedrich Staemmler ordnete Zanders Formensprache dem fantastischen Realismus zu, inspiriert von Alten Meistern wie Matthias Grünewald, Lucas Cranach oder Hieronymus Bosch.

(Ralf Wege)

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 79 Abbildungen auf 112 Seitenmit Texten von Vanessa Heitland, Gerd Lindner, Oliver Schwulst und Friedrich Staemmler, sowie biografischen Angaben zum Künstler, eine Auswahl seiner Einzelausstellungen, eine Übersicht seiner Schriften und eine Auswahl neuerer Literatur über den Künstler. Zu beziehen über die Galerie Thoms in Mühlhausen, Preis 20 €.

Ausstellung: 14. April - 21. Juli 2019

Kulturhistorischen Museum Mühlhausen

Do, 11.04.2019

Würde, Stempel-, Moosgummidruck, Holzschnitt, 2016

Hinter verschlossenen Lidern

Der Name Andrea Lange ist vielen Pirckheimern vertraut. Nicht zuletzt seit Dr. Peter Labuhn über die Reihe LyrikHefte in den Marginalien (Heft 228) geschrieben hat. Diese Reihe wird seit 2005 gemeinsam von Bettina Haller und Andrea Lange in der Sonnenberg-Presse ediert.

Nächste Woche wird eine Ausstellung mit Grafiken von Andrea Lange in Magdeburg eröffnet. Dazu laden die Magdeburger Bibliophilen in das Literaturhaus ein. Zu sehen sind unter dem Titel „Hinter verschlossenen Lidern“ Drucke, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind: Holzschnitte, Farbholzschnitte, Radierungen und Kombinationen wie Holzschnitt und Radierung oder Holzschnitt mit Stempel-, Papp- und Materialdruck.
(Sigrid und Ralf Wege)

Vernissage: 17. April 2019, 19 Uhr, Andrea Lange wird anwesend sein.

Literaturhaus Magdeburg, Thiemstraße 7

Mi, 20.03.2019

Foto © Ralf Wege

Gert Heinrich Wollheim

Es wurde ein spannender Abend, zu dem die Magdeburger Bibliophilen- und Graphikfreunde unser Pirckheimer-Mitglied Jutta Osterhof in das Literaturhaus Magdeburg eingeladen hatten. Spannend, weil die Hauptperson des Abends, der Maler Gert Heinrich Wollheim (1894 - 1974) eine spannende Biografie vorweisen kann. Und spannend, weil Jutta Osterhof in ihrem Vortrag aus einem reichhaltigen Fundus von persönlichen Erinnerungen an den Künstler schöpfen konnte.

... weiterlesen