Pirckheimer-Blog

Exlibris des Monats

Di, 06.01.2026

DEG-Exlibris des Monats: P. F. 2026

Das Exlibris des Monats im Januar ist traditionell das PF, das die DEG bei einer Künstlerin oder einem Künstler für das beginnende Jahr in Auftrag gibt und das dem DEG-Magazin beigelegt wird. Da ein Mitgliederbeschluss festgelegt hat, dass die DEG aus Kostenersparnisgründen keines mehr in Auftrag geben soll, wäre ein solches PF eigentlich nicht mehr entstanden. Doch der Präsident der DEG – Utz Benkel – fand im Verbund mit der Enkelin des bekannten Exlibriskünstlers Hubert Rockenberger, der in Norwegen lebenden Annika Rockenberger, eine feine Lösung. „Um diese schöne Tradition für all unsere Mitglieder beizubehalten, habe ich unser Mitglied, den Holzstecher Horst Brandenburg aus Vorpommern beauftragt, ein PF zu gestalten und zu drucken. Das Honorar für diese Arbeit wurde von unserem Mitglied aus Norwegen Annika Rockenberger […] und von mir selbst aufgebracht. Thema des Blattes ist die weltpolitische Situation. Schnell hat er einen Entwurf vorgelegt, der sich – obwohl die Lage bekanntermaßen düster und problematisch ist – auf humoristische Weise diesem Thema annimmt.“ Auch vom Holzstecher selbst, Horst Brandenburg, gibt es ein berührendes Statement, in dem er auf das Motiv und seine Quelle blickt, dann in einem zweiten Absatz auf Die Axt Gottes von Simon Brett eingeht und seine Conclusio daraus verweist („Wir sollten es darstellen, das Leid der Welt, es bewegt die Menschen.“) und schließlich – noch ein paar Worte zu Technik, Druck und Ausführung, seiner Werkzeugausstattung und schließlich seinem Umgang mit dem Resultat verliert. Die Verse sind übrigens im Bleisatz gedruckt. Am Ende gibt es gute Wünsche des DEG-Präsidenten für alle Exlibris-Freunde. Und alle Informationen dazu – hier.

(André Schinkel/Pressemiteilung)

Mi, 03.12.2025

Exlibris des Monats im Dezember

Das DEG-Exlibris des Monats Dezember stammt von Alberto Martini (1876–1954) und entstand für Gianni Mantero (1897–1985). In einer berührenden und eingehenden Besprechung des Blattes begründet die Rezensentin Ulrike Ladnar die Wahl des Kunstwerks für den Dezember, der an sich eine Zeit der Besinnung und der Einkehr sein möge. Handelt es sich doch um ein Kriegsblatt, das die beiden großen Weltkriege und deren mit ihnen in Verbindung stehende Verheerung aller Dinge zum Gegenstand hat. Und geht der Tod als Schnitter, nach allen Seiten „Guerra“ brüllend, durch die Verwüstung – und damit zipfelt das Blatt, das dem ehemaligen FISAE-Präsident Gianni Mantero zugeeignet ist, dunkel in die Gegenwart. Nichtsdestotrotz ist die Besprechung mit dem Wunsch Ulrike Ladnars verbunden, da möge eine Aussicht sein und sich die Taube mit dem Ölzweig wieder erheben können: „Allen Mitgliedern wünschen wir auch in diesen schwierigen Zeiten oder besser: trotz dieser schwierigen Zeiten ein schönes Weihnachtsfest mit Familie und oder Freunden und ein gutes und vor allem friedvolles Neues Jahr. Vielleicht kann das leider traurig stimmende Exlibris, das aber der Exlibriskultur künstlerisch und inhaltlich große Ehre macht, bei allen Betrachtern den Friedenswunsch verstärken.“ Und die Betrachterin verbindet das mit dem Wunsch, das Dezember-Exlibris für 2026 möge mit einem hellen, nach den Maßgaben der Aufklärung guten Engel versehen sein, einem Engel des Lichts, wie es die Zeit verdient. Und dass die im Fußteil abgebildete, gerupfte Taube wieder Mut und Federn fasst, um den Erdkreis zu fliegen ... Der ganze Text findet sich hier. Super diruta construere heißt übrigens frei übersetzt ... Auf dem Zerstörten neu erbauen. Wohl dem.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 05.11.2025

Exlibris des Monats im November

Das DEG-Exlibris des Monats für den November des Jahres – es stammt von Siegfried Otto Hüttengrund, einem renommierten und, nun ja, selbst ein bisschen geheimnisvollen Künstler aus Westsachsen, und wurde für Marina Stappen geschaffen. Und in der Tat: „In welchem Monat könnten diese Exlibris-Betrachtungen zu den altägyptischen Göttern Isis und Anubis besser passen als in den November“, so beschreibt es DEG-Rezensent Heinz Neumaier in seiner eingehenden Betrachtung des Blattes, das tief in die Geschichte der wohl erstaunlichsten Kultur dieser Welt lotet. Und: „Nicht nur Historiker sind seit Jahrhunderten von der ptolemäischen Königin Kleopatra VII. (69–30 v. Chr.) fasziniert. Wie kaum eine andere Potentatin ist ihre Person in der Kunst- und Filmwelt von herausragender Bedeutung. Als Frau an der Spitze eines Königreiches, in dem der Pharao(nen)-Titel im Normalfall lediglich Männern zugänglich war, gelang es ihr, sich selbst als Inkarnation der Göttin Isis zu inszenieren, um als Herrscherin politische Macht auszuüben, sowie den Isiskult und damit ihre eigene Person weit über die Grenzen ihres Königreiches in anderen Ländern zu etablieren.“ Weiter: „Für Marina Stappen schuf der Maler und Grafiker Siegfried Otto Hüttengrund (*1951) ein Exlibris mit der Darstellung Kleopatras als Isis-Göttin, an deren Seite der Totengott Anubis zu sehen ist.“ Und es verweist auf einen weiteren Großen: „Der Exlibriskünstler, der seine Werke häufig mit einem S.O.H.-Monogramm kennzeichnet, hat hier die Technik des Holzrisses angewandt, bei der er mit dem Radiergriffel feinste Linien in harte Holzflächen ritzt und darauf Abzüge im Hochdruckverfahren herstellt. Die Eignerin sammelt Blätter zum Gesamtwerk des englischen Schriftstellers William Shakespeare. So ist auch anzunehmen, dass dessen 1606/1607 fertiggestellte Tragödie Antonius und Cleopatra bei der Entstehung dieses Exlibris Pate gestanden ist.“ Und noch einiges Faszinierendes ist da zu lesen. Der ganze Text findet sich auf der DEG-Seite.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 02.10.2025

DEG-Kleingrafik des Monats: „Auf dem Land“ von Safiya Piskun

„Auf Tagungen ziehen Hunderte von Kleingrafiken am Blick des Betrachters vorüber. Einen großen Teil vergisst er, kaum dass er ihn gesehen hat. Bei einigen wird man jedoch spontan angesprochen, das Auge verweilt und die intensivere Beschäftigung mit dem Blatt kann beginnen. Sender und Empfänger haben offenbar die gleiche Frequenz. So ging es mir am 10. Mai mit der vorliegenden feinziselierten Strichätzungs-Radierung von 10 cm x 10 cm Plattengröße. Massiv und beunruhigend dominiert im Vordergrund die Silhouette eines Baumstamms, dessen Äste offenbar abgesägt wurden, die Szenerie. Auf den ersten Blick scheint er im Gegenlicht zu stehen ...“ Damit beginnt der Text von Andreas Raub, die Grafik des Monats bei der DEG betreffend: Auf dem Land von Safiya Piskun aus Belarus. Dem folgt eine so eingehende wie berührende Exegese des Blattes, das sich mit dem Natur und den Eingriffen der Menschen in sie, aber auch, im Symbol der beiden Störche, mit der Hoffnung befasst. Der ganze Text Andreas Raubs zum Blatt ist auf der Site der DEG zu lesen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 04.09.2025

September: Exlibris des Monats

Peter Barth aus Lüdinghausen bespricht für den September das Exlibris des Monats auf der Webseite der Deutschen Exlibris Gesellschaft e. V. – er tut dies mit einer poetischen ... tief lotenden Exegese für das feinstziselierte Blatt von Andreas Raub für die Dres. Monika und Peter Nölke.Wir sind nicht in der Zeit der Burgen und alten Gemäuer gefangen“, schreibt er, „seien sie auch noch so malerisch und von sich kräuselndem Wasser umhüllt.“ Und weiter heißt es: „Man mag dem Künstler vordergründig einen Hang zu Historisierung oder Romantisierung vorwerfen. Hier jedoch tritt er eindeutig den Gegenbeweis an. Er gibt uns zu sehen, was er nicht zeigt. Das scheinbar harmlose Oval hat es in sich.“ Die ganze Auslegung zum Blatt findet sich auf der Webseite der DEG.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 05.08.2025

DEG: Exlibris des Monats im August

Das DEG-Exlibris des Monats August 2025 stammt von Elfriede Weidenhaus und entstand für Anton Vetterle. DEG-Freund Heinz Neumaier würdigt das Blatt, das sich im Namen und Thema dem Monat, für den es gewählt wurde, geradezu synonym und passend verhält, in einer eingehenden Besprechung samt weiterführendem Fußnotenbereich. Lesen wir kurz hinein: „Kaum ein Exlibris ist für den Sommermonat August besser geeignet, als ein Bücherzeichen, das sich mit der Stadt Augsburg, der schwäbisch-bayerischen Metropole und seiner Geschichte beschäftigt. Schon der Name des Eigners lässt uns vermuten“, geht es im Text weiter, „dass die aus Berlin stammende Grafikerin und Aquarellmalerin Elfriede Weidenhaus (1931–2023) diese Radierung für einen Einheimischen geschaffen hat, der höchstwahrscheinlich den Namen der Stadt als ‚Augschburg‘ aussprechen wird. Diese typisch alemannische Eigenheit, mit manchen S-Lauten umzugehen, ist bis ins Allgäu hinein weit verbreitet. Auf seinem Exlibris sind einige der schönsten Gebäude der Altstadt abgebildet, die Augsburg als Renaissance-Stadt berühmt gemacht haben.“ Und im weiteren Verfolg heißt es am Schluss der Würdigung: „Vielleicht fühlt sich nun mancher Leser dieses Beitrags ein wenig angeregt, das von dem im August des Jahres 14 n. Chr. verstorbenen Kaiser Augustus vor über 2000 Jahren gegründete Augsburg mit seinen Sehenswürdigkeiten – eventuell im Monat August – zu besuchen.“ So sei es – der ganze Text Heinz Neumaiers findet sich hier. Schönes Blatt.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 01.07.2025

DEG: das Exlibris des Monats Juli von Bruder Notker.

DEG: Exlibris des Monats Juli 2025

Das DEG-Exlibris des Monats für Juli 2025Bruder Notker für Johann Georg von Sachsen, wurde heute auf der Webseite der Deutschen Exlibris-Gesellschaft e. V. vorgestellt. „Den Mönch Bruder Notker Becker OSB (1883–1978) aus Maria Laach braucht man in der DEG wohl kaum vorzustellen; er war der Onkel unseres langjährigen Ehrenpräsidenten Paul G. Becker († 01.01. 2024). Dieser hat jenem auch einen Beitrag im DEG-Jahrbuch von 1998 gewidmet, in dem er das Exlibris der Katharina Reuther und die zugehörigen Entwürfe vorstellt. Der Künstler Bruder Notker, der mit bürgerlichem Namen Heinrich hieß, wurde am 23. März 1883 in Mülheim an der Ruhr geboren und wuchs in Köln-Kalk auf ...“, so beginnt der eingehende Text von Professor Dr. Hans-Walter Stork, der das dem Bruder des letzten sächsischen Königs gewidmete Blatt würdigt. Dem folgt die Erörterung des Motivs (das christliche Ägypten) und des Exlibris selbst. Ein überaus aufschlussreicher Text, der auch Archäologen und Religionsforscher reizt. Der ganze Wortlaut hier

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 02.06.2025

Exlibris des Monats Juni bei der DEG: ein Kupferstich Norbert Salzwedels für Dr. Joachim Werner (2025).

„Exlibris des Monats“ im Juni 2025

Siegfried Bresler von der Deutschen Exlibris Gesellschaft e. V. hat in der Exlibris-des-Monats-Rubrik der DEG eingehend über das abgebildete Blatt Norbert Salzwedel für Dr. Joachim Werner geschrieben und befunden: Das Exlibris des Monats kommt in seiner Exegese als raffiniertes Spiel mit Metaphern einerseits und Lebenswirklichkeiten des Sammlers und Auftragsgebers andererseits daher. „Das hier vorgestellte Exlibris des Berliner Künstlers Norbert Salzwedel“, heißt es auf der Webseite der DEG, „wurde beim DEG-Wettbewerb 2025 in der Kategorie Bester Künstler von einer Jury prämiert. Das Blatt ist als Kupferstich für den Eigner Dr. Joachim Werner gestaltet worden, der passionierter Sammler von Stühlen aus allen Epochen ist. Somit erklärt sich die Fülle von unterschiedlichen Stühlen in dieser Grafik, die ungeordnet durch das Bild fliegen.“ Und weiter: „Zentral ist die Figur eines Kardinals, der auf einem schräg gestellten Stuhl sitzt. Gezeigt ist der spanische Großinquisitor Fernando Niño de Guevara – geboren 1541 in Toledo, gestorben 1609 in Sevilla – so wie ihn der Maler El Greco um 1600 porträtiert hat. Das Gemälde, das für diese Abbildung als Vorlage diente, befindet sich heute im Metropolitan Museum of Art in New York.“ In seiner Auslegung führt Bresler sehr fein aus, wie sich das Alltägliche eines wackligen Stuhls mit dem Nimbus eines Inquisitors, dessen Hände mit Blut beträuft und sein Bestehen vor Gott deshalb auch fraglich ist, verbinden. Und führt dies beherzt ins Allgemeine zurück: „Beim nächsten Setzen auf einen Stuhl, welcher Art auch immer, sollte man prüfen, wie sicher der Sitzplatz ist.“ Wohl dem. Der ganze Text, der sich dem Exlibris des Monats widmet, findet sich auf der Webseite der DEG.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 22.12.2022

Zwei Exlibris von Žibuntas Mikšys (1923–2013).

Exlibris von Žibuntas Mikšys

Klaus Rödel teilt im jüngsten FISAE-Newsletter Interessantes über einen litauischen Exlibris-Künstler mit, dessen 100. Geburtstag im nächsten Jahr ansteht. Er schreibt: „Liebe Exlibrisfreunde, aus Litauen kommt ein Artikel über den Künstler Žibuntas Mikšys mit einer Auswahl seiner interessanten Exlibris. Es ist erfreulich, dass unsere Exlibrisfreunde in Litauen […] mit Material für den FISAE-Newsletter beitragen.“ Jonas Nekrašius, ein ausgewiesener Kenner des ganz eigenen, außergewöhnlichen Werks wie des Lebens von Mikšys, würdigt dessen Vermächtnis wie folgt:

„Die Exlibris von Žibuntas Mikšys (1923–2013) heben sich aus dem Universum der von zeitgenössischen litauischen Künstlern gestalteten Exlibris ab. Seine Exlibris sind einzigartig in ihrer Sensibilität, Transparenz, Klarheit der Botschaft, Eleganz und Plastizität. Inspiration für die Arbeit des Künstlers sind: der Mensch als Wesen, die Welt um ihn herum, Bilder der Natur, Fragmente der Stadt, architektonische Motive, Schriftzüge und Inschriften.

Wir glauben, dass der Künstler über 150 Exlibris entworfen hat, darunter einzigartige Collagen. Linolschnitt und Radierung, oft mit Aquatinta veredelt, sind seine bevorzugten Techniken zur Herstellung von Exlibris. Mikšys hat erwähnt, dass sein erstes Exlibris Ex libris Ž. Mikšys ein Linolschnitt aus dem Jahr 1940 war. Der Künstler signierte seine Exlibris nur selten und vertrat die Ansicht, dass Exlibris in mehreren Exemplaren gedruckt und in die Bücher gelegt werden sollten, um die Eigentümerschaft anzuzeigen. Seine Exlibris zeichnen sich durch ein organisches Bild aus – eine Mischung aus grafischen und linearen Strukturen des assoziativen Denkens.

Eine Linie, eine Zeichnung und virtuos eingebettete Schrifttexte, die in den Werken des Miniaturdrucks zu einer einzigen Struktur zusammenwachsen, bewahren nicht nur die Integrität und Dekorativität des künstlerischen Bildes, sondern wecken auch eine eigentümliche Spannung und eine Kette von Assoziationen, die uns dazu anregen, Symbole zu durchdringen und nach einem tieferen Sinn zu suchen. Er schuf solche Exlibris für die Schauspieler S. Pilka, L. Noreika, die Künstlerkollegen V. Antanavičius, V. Kisarauskas und A. Švažas, die Dichter S. Geda und M. Karčiauskas, den Publizisten J. Keliuotis, den Ethnografen V. Milius und andere. 

Der Künstler fertigte auch eine Reihe von Exlibris-Collagen an, in die er häufig Poststempel, handgeschriebene Texte, Drucke und andere Materialien einarbeitete. Zusammen mit dem deutschen Künstler Rainer Mordmüller entwarf er einen „Giganten“ – wie er es selbst nannte – ein Exlibris mit der Aufschrift Ex libris Rainer Gottlieb Mordmüller, das nicht dem für seine Drucke üblichen Maßstab entsprach. […] Die Exlibris […] wurden auf zahlreichen europäischen und nordamerikanischen Ausstellungen gezeigt, darunter auf Exlibris-Kongressen und anderen internationalen Wettbewerben. Diese Präsentation ist Teil des Projekts der litauischen Exlibris-Schöpfer für ein enzyklopädisches Nachschlagewerk, das vom litauischen Kulturrat und der Stadtverwaltung von Šiauliai finanziert wird.“

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 17.12.2021

letzte DEG-Mitteilungen

Gemäß einem Beschluss des DEG-Vorstandes wurde das letzte, wie seit 30 Jahren von Klaus Thoms herausgegebene, Heft der DEG-Mitteilungen ausgeliefert: "Die bisherigen Mitteilungen sollen neu konzipiert werden und ab 2022 unter einem neuen Titel einmal jährlich zum Jahresende erscheinen."
Darin unter anderem eine zeitgemäße Betrachtung des Exlibris zum Thema "Impfungen lassen die Menschen hoffen", zu "Christian Morgenstern - ein Meister der komischen Lyrik" und "Die Dreigroschenoper, ihre Liedtexte und ihre Musik" von Heinz Neumaier.

DEG-Mitglieder erhielten gemeinsam mit den Mitteilungen die 2021 bereits zum zweiten Mal erschienene, gut gestaltete, gedruckte Jahresübersicht über das "Exlibris des Monats" mit Beiträgen von Ulrike Ladnar und Henry Tauber, sowie, wie wir mit Trauer zur Kenntnis nehmen mussten, zum letzten Mal von Heinz Decker.
In großem A4-Format und mit umfangreichen Informationen werden die Miniaturen vorgestellt, traditionell beginnend mit der Graphik des PF im Januar (Katarzyna Handzlik) bis zum Exlibris des Monats Dezember (Oleksandra Sysa für Cees Lith). Alle Exlibris werden, einschließlich der Texte zu den Hintergründen der Bucheignerzeichen, auch auf der Homepage der Gesellschaft vorgestellt, siehe hier.

Di, 02.11.2021

Sergey Kirnitzkiy: Exlibris für Anneliese Ostermann, C4+C7, 2021

Sergey Kirnitzkiy

Die Geschichte des Exlibris ist ohne die Existenz von Büchern nicht denkbar. Exlibris und die Liebe, auch Leidenschaft zum Buch sind zumindest ursprünglich eng miteinander verbunden. Zu den berühmtesten Büchern der Weltliteratur gehört der Roman über die absurden Kämpfe des idealistischen Ritters von der traurigen Gestalt Don Quijote de la Mancha, geschrieben Anfang des 17. Jahrhunderts von Miguel de Cervantes.

Motive aus dem Don Quijote zählen bis heute zu den beliebtesten literarischen Sujets auf Exlibris. Zwei davon haben die Jury auf der DEG-Tagung im Oktober 2021 in Haltern am See so überzeugt, dass sie ihren Schöpfer, den ukrainischen Künstler Sergey Kirnitzkiy (* 1974), zum Sieger des DEG-Wettbewerbs gekürt hat. Der Sammler Tomas Ostermann hatte diese beiden Exlibris im Gedenken an seine Eltern, den Zahnarzt Dr. Kurt Ostermann und seine Frau Anneliese, in Auftrag gegeben. Als Anneliese Ostermann mit 51 Jahren verstarb, hinterließ sie ihrem Sohn eine Kollektion bibliophiler Bücher, darunter zahlreiche Erstdrucke und – Ausgaben von Cervantes. Zwar besaß das Ehepaar Ostermann keine Exlibris auf seinen eigenen Namen, aber Anneliese Ostermann hatte die Gewohnheit, ihre Bücher mit ihrer Signatur selbst zu personalisieren.

Der Auftrag an Kirnitzkiy schloss den Vorschlag ein, als Grundlage zwei herausragende Grafiken von Savva Brodsky (1923–1982) zu nehmen. „Als ich diese beiden wunderschönen Werke sah,“ so Kirnitzkiy selbst, „beeindruckten sie mich mit ihrer Einfachheit, Technik und Bedeutung! Ich gab sofort mein Einverständnis und begann mit der Arbeit an Skizzen, um den Text mit den Namen der Eltern und den Text mit dem Namen des Künstlers in die Komposition aufzunehmen. Beim Gravieren der Platte hatte ich die wunderbare Erfahrung, den Stil, die Technik und den Strich von Savva Brodsky genau zu vermitteln. Es dauerte eine lange Zeit.“ ...

(Henry Tauber)

Mi, 03.03.2021

Vladimír Suchánek für Ing. František Kyncl, 1976, Lithografie

Exlibris des Monats März

Das Exlibris des Monats März 2021 soll an eine bedeutende Persönlichkeit aus diesem Bereich erinnern, und zwar einen Künstler, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 150. Mal jährt. Er selbst hätte sich vielleicht eher Handwerker genannt, denn der hier gewürdigte 1796 in Boppard am Rhein geborene Sohn eines Gerbers entschied sich für den Tischlerberuf. [...]

1859 entstand der Stuhl Nr. 14: bis heute der Stuhl, an den jeder denkt, wenn er vom Thonet-Stuhl hört oder spricht. Das Patent der Thonet-Stühle beinhaltet [...] „Anfertigung von Sesseln und Tischfüssen aus gebogenem Holze, dessen Biegung durch Einwirkung von Wasserdämpfen oder siedenden Flüssigkeiten geschieht.“ [...] Der Stuhl Nr. 14 passte in ein schmales Paket, in dem 6 Holzteile, 10 Schrauben und 2 Muttern lagen. [...] Bis heute wird der lang haltbare Designklassiker in der damals erfundenen Form hergestellt und erfreut sich ungeschmälerter Wertschätzung. Die Frage, wer Michael Thonet ist, ist inzwischen längst beantwortet: Ein Handwerker, der ein Künstler war, ein Pionier des Möbeldesigns, [...] Suchánek anmailen könnte, um von ihm etwas über die Hintergründe des Exlibris‘ bzw. die spezielle Auftragsstellung des Eigners zu erfahren. Doch bevor es dazu gekommen ist, traf in der DEG die Mitteilung ein, dass der allseits geschätzte Künstler verstorben ist.

So nehme ich die Gelegenheit wahr, mich mit dem ausgewählten Exlibris auch bei Vladímir Suchánek für seinen großen Beitrag zur Entwicklung des Exlibris in der Gegenwart zu bedanken. – Meistens bevölkern schöne anmutige Damen Sucháneks lithografierte Exlibriswelt; wenn sie denn angezogen sind, dann zeigen sie sich gerne schön und geheimnisvoll im Stil und der Manier vergangener Zeiten, mit Bubikopf oder großen Hüten und mit Zigarettenspitzen und Sektflöten, auf alten bequemen Kanapees, elegant an Jugendstiltischchen gelehnt – und auch hinter dem Stuhl auf dem Exlibris für Ing. František Kyncl sähe man gerne eine von ihnen herbeischweben.

(Ulrike Ladnar)

So, 02.08.2020

Exlibris des Monats August 2020

Elena Kiseleva für Birgit Göbel-Stiegler, 2019, kol. Radierung
Thema: Der Mann im Mond, ein Gedicht von Mascha Kaléko

Mascha Kaléko: Der Mann im Mond

Der Mann im Mond hängt bunte Träume,
Die seine Mondfrau spinnt aus Licht,
Allnächtlich in die Abendbäume,
Mit einem Lächeln im Gesicht.

Da gibt es gelbe, rote, grüne
Und Träume ganz in Himmelblau.
Mit Gold durchwirkte, zarte, kühne,
Für Bub und Mädel, Mann und Frau.

Auch Träume, die auf Reisen führen
In Fernen, abenteuerlich.
- Da hängen sie an Silberschnüren!
Und einer davon ist für dich.

Die Verse der Lyrikerin Mascha Kaléko (1907–1975) sind bis heute bei vielen Menschen wegen ihres leichten und heiteren Tons, hinter dem immer wieder eine hintergründige Melancholie aufscheint, sehr beliebt.

Dabei war das Leben Mascha Kalékos nie wirklich leicht. Geboren als Tochter eines jüdisch-russischen Vaters und einer jüdisch-österreichischen Mutter in Galizien, hat sie schon früh erfahren müssen, was Fluchten sind. Auch in Deutschland, wo die Familie zum Schutz vor Pogromen eine neue Heimat suchte, war das Leben schwierig, da der Vater als „unerwünschter Ausländer“ galt. In den 30er Jahren erzielte Mascha Kaléko in Berlin erste Erfolge mit ihren Versen, 1933 gelang ihr mit ihrem Lyrischen Stenogrammheft der Durchbruch. Damals war den Nationalsozialisten noch nicht bekannt, dass sie Jüdin war. Doch bald wurden auch ihre Bücher verboten wie die vieler anderer Schriftsteller. 1938 floh sie mit Mann und Sohn nach Amerika. 1957 kehrte sie zurück nach Deutschland, doch wanderte sie bald mit ihrem Mann nach Jerusalem aus. – Das Gedicht von Mann im Mond entstand in den 50er Jahren in New York.

Zu diesem Gedicht hat Elena Kiseleva, eine in der Exlibrisszene bekannte und geschätzte russische Künstlerin, 2019 für Birgit Göbel-Stiegler ein Exlibris radiert, das eine genauso heitere und beglückende Atmosphäre erzeugt wie das Gedicht.

Ein bisschen erinnert der auf einer Perlenwurzel um den Mond schwebende Baum, an den Elena Kiselevas Mann im Mond Träume für uns hängt, an einen Traumfänger, ein aus der Kultur der indigenen Völker Nordamerikas stammendes Kultobjekt, das sich in den letzten Jahrzehnten auch bei uns sehr verbreitet hat, um vor schlechten Träumen zu schützen. Auch der fliegende Mann im Mond selbst und seine anmutige Mondfrau sehen fremd aus, sie könnten allen oder keiner der uns bekannten Kulturen entstammen, könnten früheren oder zukünftigen Zeiten angehören. Aber wer kann schon wissen, wie der Mann im Mond aussieht? Wichtiger ist es zu wissen, dass er uns mit Träumen beschenkt, und herauszufinden, welcher Traum es ist, der auf jeden von uns wartet.

Auf viele Menschen haben in diesem Jahr „Träume, die auf Reisen führen / In Fernen, abenteuerlich“ gewartet; die Erfüllung dieser Träume verzögert sich leider noch eine Weile. Aber immerhin hängen diese Träume bis dahin auf einer „Silberschnur“. Und während des Wartens können wir uns an dem Gedicht von Mascha Kaléko – das inzwischen sogar schon seinen festen Platz im Grundschulunterricht gefunden hat – und an dem Exlibris von Elena Kiseleva freuen und uns überlegen, warum Elena Kiselova uns keine „gelbe(n), rote(n), grüne(n)“ Träume gibt und uns stattdessen mit solchen in „himmelblau“ und rosa beglückt, Sei es, wie es wolle, für jeden von uns ist einer da, wenn man der letzten Gedichtzeile Glauben schenkt.

(Ulrike Ladnar)

So, 01.09.2019

Karl Bloßfeld: Exlibris für Dr. med. A. Bräuer, Radierung, 1950

Exlibris zum Tage

Am 1. September 2019 jährt sich zum 80. Mal der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen.
An diesem Tag wird in Deutschland der „Antikriegstag“ begangen, um der Opfer dieses und aller anderen Kriege zu gedenken. Leider ist sich die Welt wie in vielem andern auch nicht einig darüber, an welchem Tag international die Forderung nach Frieden vertreten werden sollte. Vor der Wiedervereinigung feierte bereits die DDR an diesem Tag viele Jahre lang den „Friedens-„ (auch „Weltfriedens-“) „Tag“, in der BRD wurde seit 1956 ein „Antikriegstag“ begangen. Die katholische Kirche begeht ihren „Weltfriedenstag“ am 1. Januar, die Vereinten Nationen haben ihren „International Day of Peace“ am 21. September auf dem Programm. Diesem Datum hat sich auch der Ökumenische Rat der Kirchen mit einem „Internationalen Tag des Gebets für den Frieden" angeschlossen, um alle Kräfte, die für den Frieden werben, zu unterstützen. – Trotz der vielen Gedenktage allerdings sind wir noch weit entfernt vom allgemeinen friedlichen Zusammenleben aller Menschen auf der Welt.
Gegen den Krieg und für Frieden wirbt auch das Exlibris, das der deutsche Exlibriskünstler Karl Bloßfeld (1892–1975) für den Großsammler Dr. Arthur Bräuer radiert hat. Über eine rurale Landschaft, in der sich Scharen von miteinander Kämpfenden tummeln, schreitet die monsterhafte Figur des Kriegs, die in der linken Hand eine Schar Menschlein zerdrückt. Wo das riesige affenartige Monster hintritt, hinterlässt es eine Spur der Zerstörung. Bei der Bildkomposition hat sich Bloßfeld vielleicht von der ersten direkt für den Film erfundenen Monsterfigur King Kong (1933) inspirieren lassen. Im Hintergrund sehen wir als Gegenbild im hellen Licht eines Strahlenkranzes einen antiken Frauenkopf als Symbol des Friedens. Das Motto „IN ARTE PAX“ (In der Kunst ist Frieden) verrät die Intention von Künstler und Auftraggeber.
(Heinz Decker, DEG)

Fr, 02.11.2018

Oleksandra Sysa für Heinz Decker, Radierung, 2018, 135 x 110 mm

Oleksandra Sysa - Heinz Decker

November ist der Monat, in dem wir am Totensonntag der Toten gedenken, ein Monat, der uns auch mit dem Vergehen in der Natur die Endlichkeit alles Lebendigen vor Augen führt. Für manchen Exlibrissammler ist die Erinnerung an diese Sterblichkeit, das Memento Mori zu einem Thema für sein Exlibris geworden oder gar ein Sammelschwerpunkt.
Die junge ukrainische Künstlerin Oleksandra Sysa hat auf ihrem Exlibris für mich das Thema in einer einfühlsamen Radierung poetisch-symbolisch dargestellt. Der menschliche Torso hinter der Brüstung presst mit der rechten Hand ein Bündel Pflanzen bewahrend gegen seinen oder ihren Körper, während der linken Hand, die über die Brüstung ragt, eine einzelne Pflanze zu entgleiten droht, um ins Nirgendwo jenseits der Mauerbrüstung zu fallen. Allein mit der Darstellung der Hände vermittelt Oleksandra Sysa unser Bemühen, Leben festhalten zu wollen.

Man wird beim Betrachten des Exlibris an die Stelle im Brahms-Requiem erinnert, in der es heißt:

Denn alles Fleisch
es ist wie Gras
und alle Herrlichkeit des Menschen
wie des Grases Blumen.
Das Gras ist verdorret
und die Blume abgefallen.

(Heinz Decker)