Pirckheimer-Blog

Sa, 24.02.2024

"Mensch sein" – ein Plädoyer für das Menschliche.
Das Autorenduo: Kai Michel (li.) und Carel van Schaik.

Buch des Monats: „Mensch sein“

Gerade in diesen verfaulenden Zeiten, im Angesicht des heutigen erschreckenden Datums, ist jedes Zeichen der Hoffnung, das den Menschen in einem anderen möglichen Licht erscheinen lässt, wichtig, wenn nicht von höchster Bedeutung. Carel van Schaik und Kai Michel haben es wieder getan: Im nunmehr dritten Band ihrer als Tetralogie ausgelegten Erkundung des Menschen haben sie nun nach Das Tagebuch der Menschheit (2017) und Die Wahrheit über Eva (2020) in Mensch sein (Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 2023, Hardcover mit SchU und Lesebändchen, 384 Seiten, ISBN 978-3-49800-327-5, 24 Euro) dem sozialen Grundgerüst, dessen wir alle bedürfen, sich zugewandt. Der renommierte Anthropologe van Schaik, dessen Forschungen einerseits den drei Species der Orang-Utans und zum anderen den Wurzeln des Menschen gewidmet sind, und der Historiker und Literaturwissenschaftler Michel, der im Verbund mit Harald Meller auch drei archäologische Bestseller zur weltberühmten Himmelsscheibe von Nebra und zur Schamanin von Bad Dürrenberg vorlegte, sprechen in Mensch sein von unserer Sehnsucht nach den anderen, die jedem Menschen eingegeben ist und die bis in seine Uranfänge verfolgbar sind. Das Phänomen der Sesshaftigkeit, das neben vielen fortschrittlichen Aspekten auch dem Keimen von Krieg und Patriarchat hohe Ränke gibt, schält sich im Blick der bisher vorliegenden drei Bände einer tiefen religions- und archäosoziologischen Deutung des Menschlichen als Zentromer und als Drehpunkt heraus. Aber: Eben dies zu wissen und zu erkennen zeitigt auch die Möglichkeit, gegen diese Zwie- wie törichte Form der zivilisatorischen Barbarei vorzugehen! Denn nach wie vor besteht Hoffnung, auch dies erzählt dieses Buch: Wie kaum ein Wesen ist der Mensch erfinderisch im Bewältigen von Krisen, im Überwinden von Abgründen, nun, auch wenn es im Moment nicht danach aussieht. Die Autoren erläutern in ihrem zudem fulminant formulierten Text das Wechselspiel unserer ersten (Herkunft und Genetik) mit der zweiten (Kultur) und dritten Natur (Vernunft) und begründen die Notwendigkeit dieses. Es ist, so van Schaik und Michel der Schlüssel dazu, künftig miteinander in Eintracht zu leben und gewissermaßen auch ein Stückweit an die paradiesischen Strände des Anfangs anzuknüpfen. Von der Evolution für die Zukunft lernen – was für eine Vision. Es ist eine Frage der Kommunikation (im Sinne des Palaverns), Besinnung, letzthin Grund für Optimismus. Der bereits in Angriff genommene vierte Band der Folge soll sich dann der wohl dunkelsten Seite des Menschenwesens, dem Krieg, widmen ... hoffend, auch daraus Erkenntnis und, auch wenn die beiden Verfasser mit allem anderen als dem moralischen Zeigefinger, sondern vielmehr mit dem Suchen und Erläutern von Erklärungen arbeiten, Lehre zu ziehen. Zwei Autoren der Stunde, wert, dass ihre Bücher tausendfach die Herzen und Hirne der Menschen erreichen: So. Möge. Es. Sein. Denn darum geht es auch im Angesicht des momentanen Hangs zu Blut und Geschepper nach wie vor ... sich auf das Wesentliche, was dem Menschen nach dem Austritt aus dem Tierreich verfolgt, zeigt und zeichnet zugleich – Kultur und Mit-Menschlichkeit und, in die Natur gespiegelt der Mit-Wesenheit, wieder konzentrieren zu können; dann klappt es auch künftig mit dem Miteinander. Die Autoren sind momentan auf Lese- und Gesprächstour im deutschsprachigen Raum unterwegs. Das Buch darf mithin auch als Beispiel gelten, wie gute Recherche in passende Verpackung kommt: Das Cover ehrt mit Masse von Franz Wilhelm Seiwert einen von den Nazis verfemten Künstler – sein Gemälde steht für die Menschheit, also uns, die wir uns erblicken, im Spiegel unserer selbst.

(André Schinkel)

Fr, 23.02.2024

Das erste Walz-Stipendiaten-Alumniprojekt des Vereins für die Schwarze Kunst e. V. fand in Dohna und Maxen statt. Stolz wird am Ende das Resultat von den Teilnehmenden des Projekts präsentiert.

Walz-Alumni-Projekt 2020 · 2022: Farbe, Freude, Fleiß, Fraktur

CoroNo statt CoroNa (nach einem typografischen Sprachspiel von Erik Spiekermann im Nach-Gang aus der Lockdown-Zeit): Das erste Walz-Stipendiaten-Alumniprojekt unseres Vereins (Verein für die Schwarze Kunst e. V.) hörte sich ambitioniert, aber eigentlich auch überschaubar an: Ein Wiegendruck-Nachdruck im Handsatz mit gebrochenen Schriften in DIN A5, inhaltlich gekürzt auf 32 Seiten, zu drucken in der wunderschönen und auf Frakturschriften spezialisierten kleinen Buchdruckerei unseres Vereinsmitglieds, des Heimatvereins Dohna (inklusive Maxen) bei Dresden.

Die Vorbereitungen für das geplante Druckwochenende im September 2020 waren hervorragend: Klaus Eberlein aus München hatte sich von dem Wiegendruck Ain nützlichs buochlin von der speis des menschen zu fünf Linolschnitten im Format 10,5 cm x 16 cm inspirieren lassen: Federvieh, Fische, Obst, Gemüse und Gewürze. Conny Hügelschäffer, gleichzeitig unser Papiersponsor, dem herrliches Munken-Werkdruckpapier in 130 g/m², das im Format DIN A4 und größer bei einem Standardauftrag seiner Druckerei als Abfall anfiel, druckte mit Heike Schnotale die Linolschnitte in fünf verschiedenen Farben vor. Willi Beck hatte die Rechte von der Bayerischen Staatsbibliothek besorgt, die das 1493 von Albrecht Kunne in Memmingen gedruckte Werk digitalisiert hatte: 

Er legte den Satzspiegel fest, inklusive eines Transparentpapieres zur Kontrolle. Seine Kontakte zu Gebr. Schabert führten zum Sponsoring unseres knallfarbenen Umschlagpapiers, eine Idee unserer Buchbindermeisterin und Walzerin Theresa Wedemeyer. Willi Beck setzte und druckte aus seiner Maximilian Gotisch in seiner Werkstatt in Dohna. Und: Anne König als Schatzmeisterin besorgte finanzielle Unterstützung durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und organisierte die Räumlichkeiten in Dohna und im nahegelegenen Maxen – damit alle Alumni mitsetzen konnten.

Eine ungeahnte Herausforderung war die Prüfung der vorhandenen Schriften. Annelie Ziegra, Schriftsetzerin aus Pirna, übernahm die Sichtung der Bestände der Alten Buchdruckerei Dohna, und wir kamen auf maximal vier nutzbare Kästen: Die Gilgengart, die Post-Fraktur ... – und in zwei Kästen die Peter-Jessen-Schrift. Das reichte nicht an Brotschrift für zehn fleißige Setzerinnen und drei Drucker! Und so entstand eine Kastenreise: Aus Berlin reiste die Manuskript Gotisch der Berliner Hochschule für Technik an. Die Grafikwerkstatt Dresden brachte die Schwabacher mit nach Dohna. Die weiteste Reise hatte die Renata aus der Offizin Alpirsbach im Schwarzwald. Das waren zwar immer noch zu wenige – aber es gab ja auch noch einiges anderes zu tun ... 

Und vor allem: Nach dem Wochenende arbeitete das Team Dohna unermüdlich weiter, sodass wir – Corona erzwang dann doch eine längere Unterbrechung – 2022 endlich die Bücher binden konnten. Das Ergebnis: Definitiv wissen jetzt alle, wie mit dem Lang- und dem Rund-S zu verfahren ist. Die aus Not geborene Schriftmischung in der Broschur regt dazu an, sich intensiv mit den vielen Varianten gebrochener Schriften zu beschäftigen. Das Wissen unserer Vorfahren zum Umgang mit Speisen enthält aber ziemlich viel Unsinn – da ist die Menschheit inzwischen schlauer. Aber witzig, was man damals als gesichert glaubte. Abschließend zitieren wir aus dem Nachwort: 

„Von Fehlern: Ort, Werk, Schriften, Personal und Geld waren da. Es fehlte an Zeit. Ligaturen und Ausschluss wurden knapp. Wie unser Meister Gutenberg mussten wir zwischendurch ablegen. Nicht alle Fehler wurden im Prozess gesehen. Der Weg war unser Ziel. Und auch das Ergebnis macht uns stolz und inspiriert zu mehr. Jeder von uns sieht jetzt gebrochene Schriften und alte Texte mit neuen Augen.“ Unser erstes Alumni-Buch ist für 20 Euro an den Ständen des Vereins für die Schwarze Kunst erhältlich – und wird für 25 Euro gegen Rechnung (Mail an: akoenig@verein-fuer-die-schwarze-kunst.de) oder per Vorkasse auf das Vereinskonto bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, DE80 8505 0300 0221 0680 66 – Postanschrift im Betreff angeben – versandt.

(Heike Schnotale/Anne König/Verein für die Schwarze Kunst e. V.)

Do, 22.02.2024

"Fantasie und Wirklichkeit: Karl May in Amerika": die Sonderausstellung Karl-May-Haus ab 24.02.2024.

„Karl May in Amerika – Fantasie und Wirklichkeit“ ab 24.02.24

In seiner Fantasie erlebte der gebürtige Ernstthaler Karl May (1842–1912) alias Old Shatterhand in zahlreichen Büchern Abenteuer im Wilden Westen Amerikas. Die notwendigen Kenntnisse und Hintergrundinformationen dazu bezog er aus Reisebeschreibungen, die in seiner umfangreichen Bibliothek standen. Aber erst im Jahre 1908 bereiste May, 66-jährig, mit seiner zweiten Frau Klara die USA. Ihr Aufenthalt beschränkte sich auf Bundesstaaten an der Ostküste und dauerte nur knapp sechs Wochen – von Abenteuern keine Spur. Das Ehepaar übernachtete in komfortablen Hotels, fuhr auf dem Hudson stromaufwärts von New York nach Albany mit einem luxuriösen Dampfer und bevorzugte für die Wege von Stadt zu Stadt bequeme Eisenbahnwagen der Pullman Palace Car Co. Um sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden, diente dem Autor May der Baedeker Nordamerika aus dem Jahr 1904 als Hilfe. Das Buch befindet sich heute im Bibliotheksraum der Villa Shatterhand in Radebeul. Beim Blättern darin stellt man fest, dass May zahlreiche Stellen angestrichen hat, seine Markierungen beziehen sich ausschließlich auf Stationen der Reise von 1908. In der vom 24.02.2024 bis zum 16.02.2025 stattfindenden Sonderausstellung im Karl-May-Haus in Hohenstein-Ernstthal mit dem Thema Karl May in Amerika – Fantasie und Wirklichkeit wird erstmalig die Reise des Schriftstellers mit seiner Frau umfassend in Wort und Bild vorgestellt. Die begleitende Broschüre von Kurator Hartmut Schmidt bietet einen guten Überblick über den damaligen Verlauf. Das Haus findet sich in der Karl-May-Straße 54 in 09337 Hohenstein-Ernstthal.

(Robert Grieger)

Mi, 21.02.2024

Famos: Erich Schmitt würde 2024 hundert Jahre alt.

Schau zu 100 Jahre Erich Schmitt

Bekannte Zeichner und bekennende Liebhaber würdigen Erich Schmitt direkt zu seinem 100. Geburtstag mit persönlichen Zeichnungen im cafeimpuls (Breite Straße 49, 13187 Berlin-Pankow) am 14. März 2024. Und Reiner Böhme spricht dafür die einleitenden Worte. Musikalisch wird die Veranstaltung von der legendären Band MTS begleitet, die sich dem kabarettistischen Liedgut verschrieben hat. Der Initiator der Schau, Thomas Möller (Comicmuseum Neubrandenburg), wird ebenfalls einige Worte sagen. „Wissen Sie noch, wer der Ritter Kuno Wimmerzahn, wer Schwester Monika, Nixi, Ede der Tierparklehrling, Kollege Blech oder Adam und Evchen waren? Der Berliner Zeichner Erich Schmitt (1924–1984) erschuf diese und weitere Figuren. Am 14. März 1924 wurde er als Sohn eines Postschaffners geboren. Schon als Kind begann er zu zeichnen. Mit Berliner Herz und Schnauze schuf er später Bildserien, die bis heute beliebt und berühmt sind. Erich Schmitt war als ‚Berliner Original‘ auf vielen Veranstaltungen zu erleben und trat auch im Fernsehen auf.“ Seine große Liebe zum Tier ließ ihn zum Freund und Förderer des Berliner Tierparks werden. Ja, auch den Weltraum eroberte Schmitt. Und: Vom 15. bis 17.03.2024 ist die Schau bei der Leipziger Buchmesse und vom 30.05. bis 02.06. beim 21. Internatio­nalen Comic-Salon in Erlangen zu sehen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 20.02.2024

Sarah Pschorn sowie ATAK laden nach Hamburg ein.

ATAK: „Birds Don’t Cry“ in Hamburg

Der Berliner Künstler ATAK, der als Professor für Illustration an der halleschen Kunsthochschule lehrt, lädt zur Vernissage seiner Gemeinschaftsausstellung mit der Leipziger Keramikerin und Visual Artista Sarah Pschorn nach Hamburg in die legendäre Galerie Feinkunst Krüger (Kohlhöfen 8, 20355 Hamburg) ein. Die Eröffnung der Exposition unter dem anspielungsreichen Titel Birds Don’t Cry findet am 02.03. um 20 Uhr statt, die Ausstellung ist bis zum 23.03. zu sehen. Gezeigt werden aktuelle großformatige Stillleben-Bilder ATAKs in einem spannenden Dialog mit den Keramiken Sarah Pschorns. Alle weiteren Informationen zur Exhibition finden sich in Kürze auf der Webseite der Galerie Feinkunst Krüger. Eine Arbeit von ATAK samt Porträt seiner Kunst war auch schon als Originalgrafik-Beilage in der Zeitschrift der Pirckheimer-Gesellschaft, den Marginalien, zu finden. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 19.02.2024

Die Büchergilde Gutenberg in Berlin feierte ihren 25.

Jubiläum am Wittenbergplatz: Büchergilde Buchhandlung in Berlin feierte ihr 25-Jähriges

Nein, in diesem Jahr feiert nicht nur die Frankfurter Büchergilde Gutenberg am Main ihren 100. Geburtstag, am 17.02.2024 fand auch in Berlin ein Büchergilde-Jubiläum statt. Die Büchergilde Buchhandlung am Wittenbergplatz GmbH feierte an dem Samstag ihr 25-jähriges Bestehen. Es war dafür festlich dekoriert, und die Gratulanten kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Kunden, Kollegen, Freunde und Mitarbeiter der Büchergilde gehörten zu den Gästen. Und als Moderatorin der Festlichkeit wurde die Schriftstellerin Shelley Kupferberg (vgl. die Abbildung 2, rechts) gewonnen. Diese führte mit kleinen Interviews mit den Gästen durch den entspannten Nachmittag. Es gab nicht nur Rückblicke zu den Anfängen der Buchhandlung, sondern zugleich auch Gespräche mit den Kunden und Informationen über die Büchergilde durch den Vertriebsleiter derselben. Leider musste auch ein etwas wehmütiger Ausblick getan werden: Ende März 2024 geht Johanna Binger (vgl. Abbildung 2, links) in ihren wohlverdienten Ruhestand. Nun, aber vielleicht findet sie dann ab und zu etwas mehr Zeit für einige Veranstaltungen der Pirckheimer-Gesellschaft.

Büchergilde Buchhandlung
am Wittenbergplatz
Welserstraße 28
10777 Berlin
Tel.: (030) 2 18 17 50
Fax: (030) 2 11 17 93
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 10–19 Uhr
Samstag 10–18 Uhr


Im Netz unter: www.buchhandlung-binger.de

 

(Robert Grieger)

So, 18.02.2024

Der 15. März ist auch 2024 der "Tag der Druckkunst".

15.03.2024: Tag der Druckkunst

Der Tag der Druckkunst findet am 15. März 2024 statt! Bald ist es wieder so weit: Rund um den 15. März können Künstlerinnen, Künstler, Druckwerkstätten, Museen, Hochschulen, Kunstvereine und andere Akteure zeigen, wie lebendig die Druckkunst ist: von den traditionellen Techniken bis zur experimentellen Druckkunst. Veranstaltungen wie Symposien, Kurse, Ausstellungen, Workshops, Vorführungen und vieles andere können hier eingetragen/angemeldet werden. Hintergrund zum Event: Am 15. März 2018 wurden die traditionellen Drucktechniken in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen. Nun findet deshalb immer am 15. März der Tag der Druckkunst statt. In einer Vielzahl von geöffneten Ateliers, Museen, Veranstaltungen und Vorführungen wird rund um diesen Tag bundesweit bis weithin ins benachbarte europäische Ausland eindrucksvoll bewiesen, wie lebendig dieses Kulturerbe ist! „Sie interessieren sich für Druckkunst und möchten eine Veranstaltung besuchen? Dann stöbern Sie auf der interaktiven Deutschlandkarte der Webseite des Tages der Druckkunst und finden Sie das für sich Passende in Ihrer Nähe.“ Der Tag wird koordiniert von der BBK-Bundesgeschäftsstelle, gefördert von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, unterstützt von Druck + Logistik.

(BBK/André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 17.02.2024

Die Art Karlsruhe lädt nach Baden-Württemberg ein.

22. bis 25.02.2024: Art Karlsruhe

Vom 22. bis zum 25. Februar ist es wieder soweit: Die art Karlsruhe lädt nach Baden-Württemberg ein. Die große Kunstschau findet wieder auf der Messe Karlsruhe (Karlsruher Messe- und Kongress GmbH, Festplatz 9, 76137 Karlsruhe) statt und bietet im Rahmen der dortigen Gegebenheit wieder Feinstes in Sachen Kunst und Kunsthandel, was sich allein aus der illustren Liste der ausstellenden Galerien, Künstlerinnen und Künstler erlesen lässt, die sich im Verzeichnis der Art Karlsruhe finden (alle Informationen dazu auf der Webseite der Kunstmesse). „Schwebende Decken, Weite, wohin das Auge reicht – und überall ist Kunst. Die art Karlsruhe gibt der Kunstszene vier Tage im Jahr live die Chance, sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Vier Hallen, ein großes Entree und ein begrünter Innenhof geben Raum für kleinste Grafiken bis hin zu raumgreifenden Skulpturen. Von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst. Treten Sie näher“ – so laden die Veranstalter in die ehemalige badische Residenzstadt ein. Baden-Württemberg kann wohl als das Kunstland per se in der Bundesrepublik gelten: Wie wohl in keinem weiteren Gliedstaat Deutschlands scheint hier die notwendige Mischkalkulation aus Wirtschaftlichkeit, Förderung, Laissez faire und Liebeswillen zur Kunst selbstverständlich ausgeprägt, was sich in dieser großen Exposition, Messe und Schau zugleich, ausdrückt. Natürlich sind es die sogenannten großen Artikulierungen von Kunst, die die meiste Aufmerksamkeit erzeugen dürften, aber auch die grafischen Künste haben ihren Auftritt. Aus der Vielzahl der Ausstellenden seien die Galerie Schwind aus Frankfurt und Leipzig, die sich den Leipziger Schulen widmet, oder die Galerie Bausmann aus Halle, die einige Weltgrößen zeigt und unter anderem die bedeutende Radiererin und neuerdings Malerin Claudia Berg vertritt, genannt.

(André Schinkel)

Fr, 16.02.2024

Charles Darwin in seinem Bibliotheks- und Arbeits-Heiligtum in Down House, Down (Kent), nach einem Gemälde Victor Eustaphieffs. | © Alpha Galileo/dpa

Inhalt von Charles Darwins Bibliothek rekonstruiert

In den letzten Tagen ging es mehrfach über die Ticker der Nachrichten-, Kunst- und Bücher-Welt: Der Inhalt der Bibliothek des britischen Naturforschers Charles Darwin (1809–1882) ist nun erstmals vollständig rekonstruiert und online öffentlich verfügbar gemacht worden. „Die erstellte 300 Seiten lange Liste enthält 7.400 Titel mit insgesamt 13.000 Bänden einschließlich Büchern, Schriften und Magazinen, teilte die National University of Singapore (NUS) am Montag mit. Zudem sei sie mit 9.300 Links versehen, die zu kostenlos verfügbaren Kopien der Werke führten“, heißt es etwa auf Weltkunst News, sich auf die Meldung der Nachrichtenagentur dpa berufend. Die Verantwortung für das Projekt lag in den Händen von John van Wyhe, als Wissenschaftshistoriker am Institut für Biowissenschaften an der NUS tätig, der sich seit langem intensiv mit Leben und Werk Charles Darwins befasst. Neben natur- und landwirtschaftswissenschaftlichen Werken enthält die Bibliothek auch Schriften zu Philosophie, Literatur, Kunst und Philologie und bietet so einen einzigartigen Einblick in das Wirken eines Menschen in seiner Zeit und eines Netzwerkers wie Solitärs zugleich. Das Verzeichnis ist für jeden frei unter diesem Link einsehbar. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 15.02.2024

Aufwartung bei Edvard Munch: Die "Bücherkinder" im Barberini. | © Armin Schubert · Henry Günther

Die „Bücherkinder“ im Barberini

Aufwartung bei Edvard Munch – die Bücherkinder aus Brandenburg besuchten das Museum Barberini in Potsdam, sie waren zu einem Kunstgespräch und einer Führung in das renommierte Kunsthaus in der brandenburgischen Hauptstadt und ehemaligen preußischen Königsstadt (Ort des Museums: Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam) gereist, auch, um sich, wie Bücherkinder-Mentor und Pirckheimer-Freund Armin Schubert berichtet, für das neue Arche-Noah-Buch Anregungen und kreative Impulse zu holen. Seit dem 18. November 2023 und noch bis zum 01. April 2024 zeigt das Museum die spektakuläre Exposition mit Werken des großen norwegischen Vorläufers von Fauvismus und Expressionismus Munch (1863–1944), dessen Schrei neben vielen anderen seiner Gemälde (insgesamt sind es 1.700, daneben zudem ein umfangreiches grafisches und zeichnerisches Œuvre) weltberühmt wurde und in seinem Existentialismus bis heute geblieben ist. Die Kinder, so Schubert weiter, gerieten vor den Bildern auch ins Schreiben, so vor einer Frühfassung des Schreis, ein Gemälde, das aus New York nach Deutschland an die Havel kam. „Welch ein Glücksfall!“, so der Mentor, der im Verbund mit Pirckheimer-Freund, Künstler und Beistand in gestalterischen Fragen Henry Günther die Bücherkinder begleitete. Und erläutert begeistert weiter: „Gelebte Bibliophilie mit dem Nachwuchs unserer Gesellschaft.“ Ein Beispiel, dem dringend, in diesen Zeiten zumal, anempfohlen wird, dass es viele Nachahmer findet. Die Brandenburger Bücherkinder werden seit Jahren von der Pirckheimer-Gesellschaft unterstützt und gefördert, zuletzt veröffentlichten sie mit Pax questuosa ein Buch zu Ehren von Anna Seghers (1900–1983) und auch Núria Quevedo (*1938) – und davor eines mit Texten und Zeichnungen zu den Kindheiten von Christa Wolf (1929–2011), Franz Fühmann (1922–1984), Günter Grass (1927–2015) und Jurek Becker (1937–1997), das sie bis nach Danzig, Günter Grassens Heimatstadt, führte – und ihnen die Anerkennung selbst des Bundeskanzlers Olaf Scholz einbrachte. So wird es auch mit dem neuen Buchprojekt segensreich und gut weitergehen, wohl dem, dient es doch der Sicherung der Zukunft, was vielleicht nicht jedem bewusst sein mag. Munch, auch wenn er der Schöpfer eines zunehmend dunklen Werkes war, würde sich dem Lob dafür wohl auch nicht verweigern. Die Ausstellung in Potsdam zeigt einen der größten Protagonisten der künstlerischen Moderne, der die Einsamkeit und „Geworfenheit des Menschen“ in berührenden und teils bedrückenden Bildern zum Ausdruck brachte. Das Barberini ist montags von 10 bis 19 Uhr und an allen anderen Tagen von 09 bis 19 Uhr zu sehen, der letzte Einlass erfolgt eine Dreiviertelstunde vor Schließung. Hingehen und es den Bücherkindern gleichtun! Der Eintritt beträgt 16 bzw. 18 (Sonnabend/Sonntag) und ermäßigt 10 Euro. Alle weiteren Infos hier.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 14.02.2024

Kafka by R. Crumb. | © APA – Austria Presse Agentur

Kafka in Graphic Novel und Comic

Der 100. Todestag eines der wohl größten deutschsprachigen Erzähler wirft seine Schatten voraus und zeigt zugleich, wie sehr das Leben und Werk Franz Kafkas (1883–1924) bis heute die Herzen und Seelen bewegt. Die Höhe und Stringenz des kafkaesken Erzählwerks zeigt die Deutungsweite seines Œuvres, nun wird auch an neuen und wiederaufgelegten Comics und Graphic Novels die lange Nachwirkung seiner Beschreibung des „geworfenen Menschen in der Moderne“ deutlich. Am berühmtesten wohl die Interpretation von David Zane Mairowitz und Robert Crumb, die mit Kafka erstmals 1993 sich einem Lebensbericht zum Meister näherten. Das Buch, das neben der Tragödie K.s auch eine Portion Humor enthält, ist soeben bei Reprodukt wiederaufgelegt worden (176 Seiten, ISBN 978-3-95640-402-3, 10,20 Euro). Ähnlich wie Mairowitz und Crumb, den Fritz the Cat weltberühmt machte, nähert sich Danijel Žeželj in Wie ein Hund, eben im avant-verlag (104 Seiten, ISBN 978-3-96445-119-4, 22,70 Euro) erschienen, dem Phänomen sowohl in Berufung wie Werk auf der Spur: ausgehend von Forschungen eines Hundes, auch Stellen aus dem Proceß und aus Beim Bau der Chinesischen Mauer integrierend. Ein Sammel- und Forschungsgebiet, das durch den runden Todestag Franz Kafkas noch einiges an Bemerkenswerten hervorbringen dürfte.

(André Schinkel)

Di, 13.02.2024

Die Typographische Gesellschaft lädt zur neuen Reihe „Jumping Creativity: KI in Typografie und Gestaltung" ins Gasteig HP8 nach München ein.

München: „Jumping Creativity“

Die Typographische Gesellschaft München e. V. (Schumannstraße 9,  81679 München) lädt zu einem aufregenden neuen Vortragsprogramm ein. Andreas Sebastian Müller schreibt dazu aus der bayerischen Isar-Metropole: „Jumping Creativity – willkommen auf einer emotionalen und erkenntnisreichen Reise ins Reich der Künstlichen Intelligenz: KI in Typografie und Gestaltung im Jahr 2024. In sieben inspirierenden Hauptvorträgen lernen wir führende Gestalterinnen und Gestalter kennen, ihre Erfahrungen und Perspektiven. Junge begabte DesignStarter bereichern die Abende im Gasteig HP8 in München. (…) Wir freuen uns über Teilnahme, Multiplikation und Feedback.“ Die Reihe dürfte wieder ein Highlight im Jahresprogramm 2024 der TGM werden, alle Informationen dazu finden sich auf der Webseite der Gesellschaft ... Das HP8 befindet sich im Gasteig-Ausweichquartier (bis 2027) in der Hans-Preißinger-Straße 8 im Stadtteil Sendling.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 12.02.2024

TdoT: Neuhauser Kunstmühle lädt (17./24.02.) ein.

Neuhaus: Tage der offenen Tür

Zu gleich zwei Tagen der offenen Tür laden die Betreiber der Neuhauser KunstmühleElisabeth und Nikolaus Topic-Matutin, in die Obere Hauptstraße 1 in A-3192 Hohenberg in ihre Art-&-Print-Mühle nach Niederösterreich ein. Diese finden am 17. und am 24. Februar 2024 – und jeweils von 11 bis 17 Uhr – statt. „Wir freuen uns auf Ihren Besuch“, schreiben die beiden in ihrer offiziellen Einladung zur Erinnerung an die beiden Termine in der Kunstmühle. Die Neuhauser Kunstmühle bietet seit Jahr und Tag künstlerische Druckgrafik und Künstlerbücher in kleinen Auflagen und authentischer Technik sowie „Kunstvermittlung als Vernetzung zwischen Zeigen und Sehen“ an. Auch ist sie, unter dem Slogan „Glas ist geformtes Licht“, ein vermittelnder Hort für die Glaskunst der Gegenwart. Stöbern lohnt sich immer und ist möglich unter dem Weblink der Kunstmühle. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Hans Thill: "Neue Dörfer", Poetenladen-Verlag 2023.

Sächsische Verlagspreise u. a. an Poetenladen-Verlag vergeben

Am 06. Februar wurden, wie das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr im Verbund mit der Kulturministerin Sachsens, Barbara Klepsch mitteilt, im Leipziger Buch- und Schriftmuseum (DBSM) die Sächsischen Verlagspreise verliehen. Die mit insgesamt 40.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde in vier Kategorien an fünf Verlage aus Chemnitz, Dresden und Leipzig vergeben. Zu den geehrten Editionshäusern gehört auch der Leipziger Poetenladen, der bereits 2023 mit dem Preis der Kurt-Wolff-Stiftung ausgezeichnet wurde. Der Verlag, der sich um ein so ambitioniertes wie auch im regulären Bereich bibliophil zu nennende Literaturprogramm seit Mitte der 2000er Jahre auflegt, erhielt die 10.000 Euro Preisgeld in der Kategorie Gestaltungs- und Produktionsansatz. Die Poetenladen-Bücher haben in ihrer farbfrohen wie eigenständigen Gestaltung einen hohen Wiederekennungs-Effekt; zum Autorenkanon des Verlags, der auch eine Zeitschrift und eine selbstständige Webseite betreibt, gehören unter anderem Andreas Altmann, Marie T. Martin, Elke Erb, Thomas Böhme und Hans Thill. Weitere Auszeichnungen gingen zu je 10.000 Euro in den Kategorien Verlagsprogramm und Wertschöpfungsbeziehungen an Hentrich & Hentrich und den Sandstein Verlag. Zwei mit je 5.000 Euro dotierte Ehrungen gingen in der Kategorie Sichtbarkeit des Verlagsstandorts an den Klett Kinderbuch Verlag sowie die Edition Wannenbuch samt dem Paperento Verlag. Die Auszeichnung beinhaltet auch eine Beteiligung der geehrten Verlagshäuser an der Kampagne So geht sächsisch. auf der Leipziger Buchmesse vom 21. bis 24. März und damit einem beträchtlichen Zugewinn an Öffentlichkeit im buchaffinen Sachsen-Land und weit darüber hinaus. Eine Sache, bundesweit zur Nachahmung empfohlen. Glückwunsch!

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 11.02.2024

Ausstellung zu "Die drei ???" ab 18.02. in Langenfeld.
Aiga Rasch erfand das Design der deutschen Folgen.
Der markante Schriftzug wurde zur Marke/Legende.

„Die drei ???“: Aiga Rasch und das Mysterium der Bilder (ab 18.02.)

Vom 18. Februar bis zum 19. Mai 2024 zeigt das Stadtmuseum Langenfeld Coverentwürfe und Illustrationen der Künstlerin Aiga Rasch. „Wir übernehmen jeden Fall“: Diesem Motto bleibt das Detektivtrio Justus, Peter und Bob seit sechzig Jahren treu. Kein Fall ist zu knifflig für die aus dem fiktiven Rocky Beach stammenden Jungs. Als Die drei ??? begeistern sie unzählige Fans und genießen längst Kultstatus. Mit über 220 gelösten Fällen und über 70 Millionen verkauften Büchern und Hörbüchern ist es die erfolgreichste Detektivreihe Deutschlands. Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch im Herzen jung gebliebene Erwachsene fiebern mit, wenn die drei Detektive es mit sprechenden Totenköpfen, flüsternden Mumien, grünen Geistern oder singenden Schlangen zu tun bekommen und Justus einen Auftrag zum spezialgelagerten Sonderfall erklärt.

Ihren Anfang nahm die Serie 1964 in den USA unter dem Namen The Three Investigators. Erfinder und Autor war Robert Arthur, der bereits nach 11 Folgen im Jahr 1969 verstarb. Seitdem wird die Serie von verschiedenen Autorinnen und Autoren weitergeschrieben. In Deutschland erschienen Die drei ??? erstmals 1968 unter der Schirmherrschaft von Alfred Hitchcock der anfangs als Erzähler und zuweilen als Auftraggeber auftrat, selbst jedoch nie einen Band verfasste. 1979 erschien die erste Hörspielfolge Die drei ??? und der Superpapagei, gesprochen von Oliver Rohrbeck sowie Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich. Bis heute verleihen die ausgezeichneten Synchronsprecher den Detektiven ihre Stimme. Auf Live-Touren füllen sie mittlerweile ganze Stadien. Nachdem die Serie 1990 mangels Erfolgs in den USA abgesetzt wurde, führen ausschließlich deutschsprachige Autorinnen und Autoren die Serie weiter. Ihren außergewöhnlichen Siegeszug verdanken Die drei ??? auch der Stuttgarter Illustratorin, Malerin und Grafikerin Aiga Rasch (1941–2009).

Nachdem die Serie nur mit recht mäßigem Erfolg in Deutschland gestartet war, stellte Rasch dem Kosmos Verlag ihren Coverentwurf vor: Prägnanter Schriftzug auf schwarzen Hintergrund mit einem farbstarken plakativen Coverbild. Ihr Design brach mit allen damaligen Konventionen für Kinder- und Jugendbücher und wurde zunächst mit Skepsis vom Verlag aufgenommen, doch das von ihr entwickelte Layout verhalf der Serie zum Erfolg. Von 1970 bis 1999 entwarf sie insgesamt 88 reguläre Folgen und diverse Sonderbände. Die Ausstellung im Stadtmuseum Langenfeld zeigt neben den originalen Coverzeichnungen auch Alternativentwürfe, Skizzen und Vorlagen für die von ihr verantworteten Ausgabengestaltungen. Den Besucherinnen und Besuchern der Schau bietet sich ein spannender Einblick in die Coverfindung und den Schaffensprozess der Künstlerin.

Das künstlerische und illustratorische Werk von Aiga Rasch beinhaltet weitaus mehr als das unverwechselbare Coverdesign von Die drei ??? – als freischaffende Grafikerin und Illustratorin war sie für etwa 50 Verlage tätig. Insgesamt entwarf sie mehr als 600 Buchcover und weiterhin 5.000 Illustrationen, vorwiegend für den Kinder- und Jugendbuchbereich, von denen die Ausstellung ebenfalls eine Auswahl präsentiert. Zu danken ist dem Nachlassverwalter Matthias Bogucki für die gute Zusammenarbeit und Bereitstellung der in der Ausstellung gezeigten Werke Aiga Raschs. Alle weiteren Informationen zum Mysterium der Bilder finden sich auf der Webseite des Museums.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Sa, 10.02.2024

Curt Blochs "Mein Dichten ist wie Dynamit" im JMB.

Curt Bloch: „Mein Dichten ist wie Dynamit“ im Jüdischen Museum

Zwischen August 1943 und April 1945 schuf der bis dato wenig bekannte deutsch-jüdische Autor Curt Bloch in seinem Versteck in den Nieder­landen das Magazin Het Onderwater-Cabaret. Das Jüdische Museum Berlin widmet diesem einzig­artigen Werk kreativen Widerstands nun eine eigene Aus­stellung. Zu sehen sind alle 95 Original­ausgaben der Hefte mit satirischen Collagen und handgeschriebenen Gedichten, begleitet von Einblicken in die Herstellung der Titel­seiten, Audios ausge­wählter Texte und einer von der Schauspielerin Marina Frenk, den Schauspielern Richard Gonlag und Mathias Schäfer inszenierte Video­performance. Das gesamte Cabaret wird digital und in transkri­bierter Form zugäng­lich sein. Die Hefte wurden erst nach Blochs Tod 1975 gefunden, sie werden nun erstmals vollständig der Öffentlichkeit präsentiert. Zur Eröffnung am 08.02.24 im Glashof des Jüdischen Museums (Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin) sprachen Hetty Berg, die Direktorin des Jüdischen Museums, die Kuratorinnen Aubrey Pomerance und Ulrike Kuschel sowie Simone Bloch, die Tochter von Curt Bloch. Musikalisch wurde der Abend begleitet von Marina Frenk und Richard Gonlag. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 26. Mai. Das Museum ist täglich von 10 bis 19, ab 01. März von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Alle Informationen zur Ausstellung, zur Daueraustellung des Museums zum jüdischen Leben in Deutschland wie auch zu aktuellen und künftigen Aktionen (so ist im Lauf des Jahres auch eine Exhibition zum 100. Todestag des großen Prager Erzählers Frank Kafka geplant) sind auf der Webseite des Berliner Jüdischen Museums erhältlich. Der Eintritt in die Dauerausstellung ist kostenlos, und der Eintritt (bei freiem Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren) in die Sonderausstellung beträgt 10 (ermäßigt 4) Euro.

(Jüdisches Museum Berlin/André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 09.02.2024

Rathaus-Center Pankow | © by www.mvzpankow.de

Berlin: Rita Bellmann in Pankow

Bis zum 17. Februar bietet in der Zeit von 11 bis 19 Uhr Pirckheimer-Freund Thomas Döring im Rathaus-Center Pankow (Breite Straße 20, 13187 Berlin) antiquarische Bücher an. Am Samstag, den 10. Februar 2024, ist dort von 14 bis 16 Uhr die Fotografin und Grafikerin Rita Bellmann zu Gast, um von ihr Gestaltetes zu zeigen, zu verkaufen und zu signieren. An dem Bücherstand liegt immer das Programm der Berlin-Brandenburger Pirckheimer zum Mitnehmen aus. Und zudem kann man das aktuelle Heft der Marginalien (Ausgabe 251, 2023/4) am Stand Thomas Dörings erwerben.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 08.02.2024

Der LBA wird 120: Drei Beispiele für Exlibris für den Leipziger Bibliophilen-Abend seit 1904. | © LBA

120 Jahre: Leipziger Bibliophilen-Abend besteht seit Februar 1904

Vor 120 Jahren in Leipzig gegründet: Der erste deutsche bibliophile Ortsverein

Der LBA wurde 120: Am 04. Februar 1904 gründen achtzehn Leipziger Mitglieder der Weimarer Gesellschaft der Bibliophilen (GdB), die am 25. Januar eine Einladung wie alle 72 in Leipzig wohnhaften Mitglieder der Gesellschaft dazu erhalten haben, die erste Ortsvereinigung der Bibliophilen in Deutschland in Baarmann’s Lokal (Markt 6/Katharinenstraße 3) und vereinbaren, sich künftig in den Monaten Oktober bis Mai regelmäßig am ersten Dienstag des Monats zu treffen. Im Mai zählt der Verein bereits 50 ständige Mitglieder, und es treten noch mehr Interessenten ein. Die drei Leipziger weiblichen Mitglieder der Weimarer Gesellschaft, Frau Konsul Marie Nachod (Mitglied seit 1899), Frau Tanna Meyer (Mitglied seit 1902) und Fräulein Marianne Brockhaus (Mitglied seit 1903) treten in der Leipziger Ortsvereinigung allerdings nicht mehr in Erscheinung.

Im ersten Jahr lässt sich der Verein als „Leipziger Bibliophilen-Abend“ (LBA) mit den Rechten einer juristischen Person ins Vereinsregister eintragen. Ein Satzungsentwurf steht dann auf der Tagesordnung der Generalversammlung der GdB im Herbst 1905 in Leipzig. Die Begrenzung der Mitgliederanzahl ab 1905 hat dem LBA auch den Namen „Leipziger 99“ eingebracht. 

Zu den Höhepunkten des Vereinslebens gehören „Jahresessen“ und bibliophile Jahresgaben. Die erste Jahresgabe des LBA ist anlässlich des ersten Jahresessens am 25. Februar 1905 an die Vereinsmitglieder verteilt worden, eine Nachbildung der Singenden Muse an der Pleiße von Sperontes, Leipzig 1736. Zwar betrug die Anzahl der gleichzeitig zum Verein gehörenden Mitglieder stets 99, aber durch oftmaligen Wechsel im Laufe der Jahre und Nachrücken aus der langen Liste der „Vorgemerkten“ zählte der Verein von Anbeginn bis zu seinem letzten Tag 237 Mitglieder.

1933: Der vorerst letzte Tag

Dieser letzte Tag ist der 29. April 1933 – der Tag der Inthronisation der Nazi-Sieger im Leipziger Rathaus. Unter dem Druck der Ereignisse, gerade eben an diesem Tag, sieht sich der allseits beliebte jüdische Vorsitzende des LBA Gustav Kirstein zu einem Rundbrief an alle Vereinsmitglieder veranlasst, das vorgesehene Jahresessen auf den „Beginn des Wintersemesters“ zu verschieben. Es bleibt das letzte Dokument, man trifft sich offiziell nicht mehr, es ist für lange das Ende des LBA.

Die verlangte NS-Gleichschaltung stößt auf Ablehnung bei den Mitgliedern, man geht still auseinander, ohne sich juristisch aufzulösen. So bedurfte es auch 1991 nur einer Wiederbegründung des LBA mit den schon im einstigen Kulturbund der DDR wirkenden Leipziger Bibliophilen ... Dem damaligen Vorsitzenden des LBA – Herbert Kästner – ist es zu danken, dass es unter seiner langjährigen Leitung gelungen ist, alle bibliophilen Jahresgaben und Gaben der Mitglieder, die sie sich untereinander verehrt haben, zusammenzutragen. Sie haben inzwischen allesamt ihren Platz in der Deutschen Nationalbibliothek (Standort: Deutscher Platz 1 in 04103 Leipzig) gefunden.

Aus den in den einzelnen Gaben enthaltenen Empfängerlisten konnten die Namen der Mitglieder und deren Verweildauer im historischen Verein rekonstruiert werden. Die Mitglieder gehörten in der Reihenfolge ihrer Anzahl folgenden Berufsgruppen an: 38 Verleger und Verlagsbuchhändler, 33 Wissenschaftler, 19 Buchhändler und Antiquare, 18 Rechtsanwälte und Juristen, 17 Bibliothekare, 15 Mediziner, 12 Lehrer an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe, 12 Prokuristen, 11 Druckereibetreiber, 9 Kaufleute, 8 Pädagogen, 7 Redakteure, Publizisten, 5 Rauchwarenvermarkter, 4 Komponisten und Musiker, 4 Kunsthändler und Kunstsammler, 4 Musikalienverleger bzw. -händler, 3 Militärs, 2 Buchbindereibetreiber, 2 Maler, Grafiker, 2 Regisseure, Dramaturgen, 2 Schriftsteller, 2 Geologen, 2 Oberbürgermeister, 2 Fabrikanten, 1 Bankier, 1 Buchhalter, 1 Finanzbeamter, 1 Gastwirt.

Die Liste der Mitglieder, für die ab 1933 eine Zeit begann, die sich mit dem Titel Gemaßregelt, verjagt, in den Tod getrieben fassen lässt, ist erschütternd lang, es finden sich eine Reihe großer Namen darunter, die aufs Engste mit der Geschichte der Stadt Leipzig verbunden sind: Adolf Aber, Moritz Wilhelm Breslauer,  Ernst Theodor von Brücke und Carl Goerdeler, Max Goldschmidt-Goepel, Henri Hinrichsen, Erwin Jacobi, Leo Jolowicz, Gustav Kirstein, Alwin Kronacher, Erich Anselm Marx, Hermann Michel, Rudolf Schick, Levin Ludwig Schücking, Georg Steindorff, Fritz Weigert, Martin Winkler, Georg Witkowski, Kurt August Paul Wolff und viele, viele andere.

(Peter Uhrbach/Leipziger Internet-Zeitung)

Mi, 07.02.2024

Helga Paris – hier porträtiert von Nobert Kaltwaßer (Serie "Fotografen vor ihren Bildern"), ist gestorben.

Berlin: Trauer um Helga Paris

Die Fotografin Helga Paris (1938–2024), bekannt geworden als eigensinnige und unbestechliche Dokumentaristin des Alltags in der DDR, ist am 05. Februar in ihrer Wahlheimatstadt Berlin, in der sie mehr als ein halbes Jahrhundert den Prenzlberg bewohnte, gestorben. Die gebürtige Pommerin, die 1961–1974 mit dem Maler Ronald Paris verheiratet war, hatte bereits vor Jahren ihren Vorlass, der 230.000 Negative umfasst, an die Berliner Akademie der Künste gegeben. Berühmt wurden ihre Porträts von Werktätigen, aber auch der alternativen und Punkszene in den 80ern sowie eine Serie Selbstbildnisse – nach dem anfänglichen Verbot einer Ausstellung mit Fotografien der dem Verfall preisgegebenen Stadt Halle avancierte das daraus resultierende Buch Diva in Grau, vermehrt um die Texte zahlreicher Autoren der Ära, in der Wendezeit zum Kultobjekt. Die Original-Ausgabe des Bands ist bis heute gesucht, Nachauflagen folgten 1993, 2000 und 2006. Helga Paris wurde 85 Jahre alt – ihre stille und zugleich große Künstlerschaft war legendär. 

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 06.02.2024

Berlin – Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft bittet um Unterstützung: Einige Beispiele für Stempel, Siglen und Signaturen der 1933 geplünderten und in Teilen bei der Bücherverbrennung zerstörten Bestände von Bibliothek und Archiv des Hirschfeld-Instituts.

Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft in Berlin bittet um Unterstützung

Das Magnus-Hirschfeld-Institut in der Kluckstraße 38, 10785 Berlin bittet um Mithilfe bei der Eruierung der noch erhaltenen Bestände von Bibliothek und Archiv, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Mai 1933 geplündert und großenteils bei der Bücherverbrennung zerstört wurden. Die Institution schreibt: „Sehr geehrte Damen und Herren, am 6. Mai 1933 wurde das Berliner Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld geplündert und am 10. Mai 1933 große Teile der Bibliothek und des Archivs auf dem Opernplatz verbrannt. Trotzdem tauchen bis heute erfreulicherweise immer wieder Einzelexemplare aus der ehemaligen Bibliothek auf, meist im Antiquariatshandel. Um einen Überblick zu erhalten, wollen wir eine Liste zusammenstellen, welche Exemplare noch existieren. Die Liste soll auf unserer Homepage und verschiedenen Lost-Art-Datenbanken veröffentlicht werden. Institutionen sollen namentlich genannt werden, Privatpersonen werden anonymisiert (‚Privatbesitz‘). Bitte unterstützen Sie dieses Vorhaben und teilen uns mit, ob und welche Exemplare aus dem ehemaligen Institut Sie besitzen. Leiten Sie diesen Brief gerne auch an Ihre Mitglieder oder andere Interessierte weiter. In der Institutsbibliothek wurden verschiedene Stempel verwendet (…), zusätzlich auch die Signatur als Buchstabenfolge und eine Zahl gestempelt. Uns interessieren auch diese verschiedenen Stempelungen. Ein Foto würde für uns sehr hilfreich sein. Diese Initiative findet statt im Rahmen des Provenienzprojektes Die Plünderung des Instituts für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld in der NS-Zeit, das Dr. Jens Dobler für die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft durchführt, unterstützt durch das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste.“ Hinweise werden erbeten an die Mailadressen mhg@magnus-hirschfeld.de und Jens.Dobler@gmx.de. Alle weiteren Infos finden sich auf der Webseite des Instituts. Einige Beispiele für Stempel, Siglen und Signaturen finden sich im Bildteil dieses Artikels.

(André Schinkel/Pressemitteilung)