Pirckheimer-Blog

Mi, 30.11.2022

Eine überaus besondere Ausstellung zeigt das Stabi Kukturwerk in der Staatsbibliothek ab dem 07.12.
Ein Beispiel für eine alte Azteken-Schrift: Blatt aus dem Codex Borbonicus, der in Paris verwahrt wird.

Manuscripta americana

Drehgras und Schlangenrachen: Was verraten indigene Bilderschriften über das Leben im kolonisierten Mexiko? Die Sonderausstellung Manuscripta americana – Den Azteken auf der Spur im Stabi Kulturwerk in der Staatsbibliothek zu Berlin (Unter den Linden 8, 10117 Berlin) erzählt von Alltag und Gesellschaft zur Blütezeit der Azteken (14. bis 16. Jahrhundert), die sich selbst Mexi’ca nannten, und beschreibt Ausbeutung und Widerstand gegen die spanischen Kolonisten.

Die gezeigten Bilderhandschriften sind Teil einer Sammlung, die dereinst schon Alexander von Humboldt (1769–1859) begründete. Das älteste Codex-Fragment ist etwa 500 Jahre alt und dokumentiert auf über vier Metern Länge, welche Abgaben die Azteken anderen Königreichen abforderten, bevor sie selbst zu Unterworfenen wurden. Die Sammlung Manuscripta americana ist heute auf zwei Verwahr-Standorte aufgeteilt: die Staatsbibliothek zu Berlin und die Biblioteka Jagiellońska in Kraków. Die Ausstellung ergänzt die Berliner Handschriften durch virtuelle Ansichten der Krakauer Handschriften und zeigt außerdem, wie naturwissenschaftliche Methoden bei der Entschlüsselung jahrhundertealter Bilderschriften helfen können.

Die Ausstellung ist in Berlin vom 07. Dezember 2022 bis zum 26. Februar 2023 zu sehen, die Bibliothek öffnet von Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag sogar bis 20 Uhr. Vom 27. bis 30.12. gelten Sonderöffnungszeiten von 8 bis 17 Uhr, an den Feiertagen (einschließlich des Heiligen Abends) bleibt die Einrichtung geschlossen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mo, 28.11.2022

Bis zum 21.01.2023 ist die Ausstellung zu sehen.
Leseland DDR: Sehnsucht nach raren Büchern.
Literatur in der und aus der DDR.
Aufhebung der "Sperr-Literatur" 1989/1990.

Ausstellung in Oldenburg: Leseland DDR

Eine kulturhistorische Zeitreise in das versunkene „Leseland DDR“ – vom 25.11.2022 bis zum 21.01.2023 präsentiert die Landesbibliothek Oldenburg (Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg) die gleichnamige Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Bei der Eröffnung am 24.11. führte der Zeithistoriker und Buchwissenschaftler Professor Dr. Siegfried Lokatis aus Leipzig in das Thema ein. Zu einer anschaulichen In-Augenschein-Nahme lädt die Schau der Bundesstiftung Besucher*innen mit ihren Tafeln, Texten, Bildern und Videos ein.

Die Deutsche Demokratische Republik: Ein Land, dessen Obrigkeit an die Macht des geschriebenen Wortes glaubte und es zugleich fürchtete. In dem das Lesen und Schreiben mit großem Aufwand gefördert wurde, während politisch unerwünschte Literatur in Bibliotheken nur mit einem Giftschein zugänglich war und Post und Reisende aus dem Westen nach Gedrucktem durchsucht wurden. Leseland DDR erzählt vom Eigensinn der Menschen, die sich ihre Lektüre nicht vorschreiben lassen wollten, die für rare Bücher Schlange standen und auf der Leipziger Buchmesse so manchen begehrten Titel westdeutscher Verlage heimlich in die Tasche steckten.

Die Ausstellung führt laut den Veranstaltern „auch in die Welt der Krimis, Märchen und Science-Fiction ein, sie berichtet von der Literatur aus der Sowjetunion, den schreibenden Arbeitern des sozialistischen Realismus und lässt die Besucherinnen und Besucher in alte Kochbücher blicken. Die Schau wirft Schlaglichter auf die grenzüberschreitende Kraft, die die deutsch-deutschen Schriftstellerkontakte, das Radio und Fernsehen, aber auch die Bücher entfalteten, die Weltreisen über die Mauern des Landes hinweg ermöglichten.“

Mit den Schriftstellerinnen und Schriftstellern in der Friedlichen Revolution und der DDR als Thema in der Gegenwartsliteratur endet die Zeitreise. Leseland DDR ist ein Beitrag zur Kulturgeschichte der SED-Diktatur. Die Ausstellung ist zugleich eine Anregung für Jung und Alt, nach ihrem Besuch die alten Bücher aufzuschlagen, um die Geschichte der DDR im Spiegel ihrer Literatur neu zu erkunden. Zur Ausstellung erschien der Begleitband Leseland DDR von Stefan Wolle (Metropol-Verlag, ISBN 978-3-86331-674-7, 12 Euro). Wolle wird in Oldenburg am 12.01. um 19 Uhr zum Thema Giftschrank, Zensur und Bückware – Bücher in der DDR sprechen. Die Schau ist Mo–Fr von 10–19 Uhr und Sa von 9–12 Uhr zu besichtigen, der Eintritt ist frei. An den Feiertagen sowie am 24. und 31.12. bleibt die Landesbibliothek geschlossen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 26.11.2022

E. T. A. Hoffmann um 1800, postumer Stich nach dem Selbstbildnis, von unbekannter Hand.

Unheimlich fantastisch

Seit 24.11.2022 und bis zum 12.02.2023 wird im Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt (Main) die Ausstellung Unheimlich fantastisch anlässlich des 200. Todestags (25.06.) von E. T. A. Hoffmann (1776–1822) gezeigt. Begleitet von einem umfangreichen Programm an Vortragsreihen, Lesungen und anderweitigen Veranstaltungen vor Ort wie in ganz Europa, widmet sich die Schau dem Wirken des großen Autors, Zeichners, Kritikers, Kapellmeisters und Komponisten Hoffmann, der in seiner Zeit anzuecken wusste und ein so umfangreiches wie prägendes literarisches Werk hinterließ. Sein Romanschaffen, seine in bis heute weltbekannten Zyklen (Fantasiestücke in Callots Manier, Nachtstücke, Die Serapionsbrüder) gesammelten Novellen und Erzählungen prägten die Geschichte der europäischen Literatur im 19. Jahrhundert auf eine Weise und Vehemenz, die erst mit dem Ruhm und Nachruhm der großen Erzähler der Moderne etwas abflaute. Die Ausstellung wurde kuratiert von Christina Schmitz, Bettina Wagner und Wolfgang Bunzel. „Entdecken Sie E. T. A. Hoffmanns unheimlich fantastische Welt und lernen Sie Hoffmann als scharfen Beobachter und Workaholic kennen, für den die Tage und Nächte nicht lang genug sein konnten. Erzählungen wie Der Sandmann begeistern immer aufs Neue. Aber wussten Sie auch, dass Hoffmann den Begriff der Romantischen Musik geprägt und den ersten deutschen Krimi geschrieben hat?“, so lädt das Romantik-Museum (Großer Hirschgraben 21, 60311 Frankfurt am Main) ein. Die Informationen zum umfangreichen europäischen Begleitprogramm zum Gedenktag finden sich, koordiniert von der Staatsbibliothek zu Berlin, auf der Projektwebsite www.etah2022.de.

(André Schinkel)

Do, 24.11.2022

Rudolf II. war der erste bekannte Besitzer des geheimnisvollen Voynich-Manuskripts.
Doppelseite aus dem Voynich-Manuskript.

Neues zum Voynich-Manuskript

Es gilt als die am meisten untersuchte Handschrift der Welt, denn die darin verwendete Geheim-Schrift in Verbindung mit enigmatischen Illustrationen hat seit ihrer Wiederentdeckung 1912 fasziniert: das Voynich-Manuskript. Kein Jahr vergeht, in dem nicht neue Theorien über den Inhalt der botanisch-astrologischen Sammelhandschrift auftauchen – jedoch hat sich das Manuskript bisher jeglichen Entschlüsselungsversuchen widersetzt. Zudem blieb dabei die Erforschung der nicht minder spannenden Besitzgeschichte des Codex zumeist im Hintergrund.

Der Vortrag Kaiser Rudolf II. und das „väßl mitt allerlai selzamen büchern“. Neue Erkenntnisse zur älteren Besitzgeschichte des Voynich-Manuskriptes am 14. Dezember im Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin (Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin) untersucht die Bucherwerbspolitik des römisch-deutschen Kaisers Rudolf II. (1552–1612), der als der erste bekannte Besitzer des Voynich-Manuskriptes gilt. Stefan Guzy stellt hier erstmalig bisher unbekannte Archivquellen vor, die es ermöglichen, eine plausible Herkunftsgeschichte des mysteriösen Bandes zu erzählen. Denn der von raren, wertvollen und vor allem alchemistischen Preziosen begeisterte Herrscher griff 1598/1599 zu, als sich ihm die Gelegenheit zu einer ganz besonderen Bucherwerbung bot.

Der weltberühmte und geheimnisumwitterte Text, der heute zum Bestand der Beinecke Rare Book and Manuscript Library (BRBL) der Yale University in New Haven (USA) gehört, ist in mehrere thematische Abteilungen gegliedert, die angebliche Entzifferung wird mit schöner Regelmäßigkeit gemeldet, ist aber bis heute nicht gelungen. Stefan Guzy ist als Typograf und Diplom-Designer tätig und betreibt in Berlin das Designbüro Zwölf und einen Verlag. Als Gastprofessor und Lehrbeauftragter für Typografie und Druckgrafik unterrichtete er an diversen Kunsthochschulen. Der Vortrag in der Staatsbibliothek beginnt um 18.15 Uhr, um Anmeldung unter der Mail christian.mathieu@sbb.spk-berlin.de wird gebeten.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 22.11.2022

Uzannes "Das Ende der Bücher", Berlin 2021.
Der Bestand (oben) für die "Zukunft" (unten):
Steph von Reiswitz illustrierte das Buch.

Bibliophiles des Monats: Octave Uzannes „Das Ende der Bücher“

1894 versuchte der prominente französische Bibliophile und Schriftsteller Octave Uzanne (1851–1931), die Zukunft des Büchersammelns inmitten des rasanten technischen Fortschritts neu zu überdenken. Angesichts der „vollendeten Gegenwart“ kann man nicht sagen, dass seine Vorhersagen überhaupt nicht eingetreten sind. Dennoch hat die Bibliophilie ihre traditionelle Form beibehalten.

„Die Bibliotheken werden zu Phonographotheken oder zu Phonostereotheken. Ihre Regale werden kleine Fächer haben, die etikettierte Zylinder sämtlicher Werke des menschlichen Schöpfergeistes enthalten. Begehrt sind dann die autophonographierten Ausgaben der gerade besonders beliebten Sprachkünstler. Beispielweise wird der Molière in der Fassung von Coquelin in aller Munde sein, der Shakespeare von Irving, der Dante von Salvini, der jüngere Dumas von Eleonora Duse, der Victor Hugo von Sarah Bernhardt, der Balzac von Mounet-Sully, so wie auch Goethe, Milton, Byron, Dickens, Emerson, Tennyson, Musset und andere durch ausgewählte Sprecher auf Zylindern zum Klingen gebracht werden.

Bibliophile werden zu Phonographophilen, die rare Aufnahmen sammeln. Sie werden ihre Zylinder, wie ehedem Bücher, in goldverzierte Lederetuis mit symbolischen Ornamenten binden lassen. Auf den Etuis sind die Titel zu lesen, und die kostbarsten Exemplare sind Zylinder mit einmaligen Aufnahmen der Stimme eines Meisters der Theater-, Dicht- oder Tonkunst oder mit unerwarteten oder unveröffentlichten Varianten eines berühmten Werkes.“

Jochen Hörisch, Professor für Neuere Germanistik und Medienanalyse in Düsseldorf und Mannheim, schlug eine Übersetzung des Essays vom Octave Uzanne aus dem Buch Contes pour les Bibliophiles (Par Octave Uzanne et Albert Robida, 1895) vor. Die Auflage der französischen Erstausgabe betrug 1.000 Exemplare auf Pergamentpapier und 30 Sonderdrucke auf Papier Japon de luxe (I-XXX). Die Neuausgabe wurde von der Londoner Künstlerin Steph von Reiswitz gestaltet und illustriert. Sie ist Mitglied des Londoner Künstlerkollektivs Le Gun und hat zahlreiche Ausstellungen im Vereinigten Königreich, im übrigen Europa, den USA, in Japan und China absolviert. Der Text von Octave Uzanne ist von einem umfangreichen Nachwort von Jochen Hörisch begleitet. Neben der Normal- erschienen zwei Vorzugsaugaben.

Octave Uzanne: Das Ende
der Bücher. Aus den Geschichten
für Bibliophile
(1894), mit 26
Illustrationen von Steph von Reiswitz.
Berlin: Favoriten Presse 2021
17 x 17 cm, 48 Seiten, 15 Euro,
Vorzugsausgaben jeweils 68 Euro,
ISBN 978-3-96849-001-4.

(Maria Bogdanovich)

So, 20.11.2022

Arno Nadels Radierung "Hölderlin" von 1923.
Christoph Prignitz samt seiner Publikation und den Entdeckungen zu Arno Nadels Werk.

Arno Nadel – Ein Hölderlin für die Landesbibliothek

Verfolgt vom NS-Regime, in Auschwitz ermordet: Arno Nadel (1878–1943) war Maler, Schriftsteller und Musikwissenschaftler. Seine Werke: zu großen Teilen zerstört. Nun schenkte der Oldenburger Literaturwissenschaftler und Sammler Christoph Prignitz der Landesbibliothek Oldenburg eine Originalradierung des jüdischen Künstlers: ein bisher weitgehend unbekanntes expressionistisches Porträt Friedrich Hölderlins (1770–1843), das in einem Pressendruck von 1923 enthalten ist. Bislang besaßen in Deutschland nur das Jüdische Museum in Berlin und die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar diesen Pressendruck – nun auch die Landesbibliothek Oldenburg.

Nadel arbeitete als Musikwissenschaftler zu jüdischen Volksliedern und zur Synagogenmusik und besaß eine große Sammlung von Musikalien. Bevor er und seine Frau nach Auschwitz deportiert wurden, überließ er seine Sammlung und Teile seiner eigenen Werke der bekannten Künstlerin Käthe Kollwitz. Sie wurden zusammen mit ihrem Atelier während des Krieges in Berlin zerstört. „Ganz zufällig habe ich in einem Berliner Antiquariat das Porträt entdeckt“, erzählt Christoph Prignitz, „der Name Arno Nadel war mir natürlich auch völlig unbekannt.“ Er erkundigte sich beim Jüdischen Museum in Berlin und beschäftigte sich genauer mit Nadels Werk. Daraus ist eine Publikation entstanden, die den Pressendruck in das Werk Arno Nadels einordnet.

Die expressionistische Originalradierung von 1923 verfremde das bekannte Porträt des jungen Hölderlins von Franz Carl Hiemer, erklärt Prignitz – die Gesichtszüge seien viel dunkler und illustrieren damit die im Pressendruck enthaltenen Gedichte aus der Wahnsinnszeit. Eine weitere Zeichnung mit dem Namen Hölderlin-Insel verarbeitet den zunehmenden Kulturverlust in der NS-Zeit, so Prignitz. Der Sammler möchte der Bibliothek noch weitere erhaltene Werke von Arno Nadel überlassen. Die Landesbibliothek erhält auf diese Weise eine kleine Spezialsammlung, die die jüdische Gemeinde in Oldenburg und die überregionale Wissenschaft interessieren dürfte.

Anlässlich des diesjährigen Erinnerungsgangs am 10. November wurde die Spezialsammlung zeitgleich mit der Ausstellung Das geht auch mich an! in der Landesbibliothek Oldenburg präsentiert. Die von Schüler*innen der IGS Helene-Lange-Schule entwickelte Ausstellung war vom 7. bis zum 19. November zu sehen. Prignitz’ Publikation zur Entdeckung erschien bei WVB.

Christoph Prignitz 
Hölderlin: Ein Porträt und eine Skizze
von Arno Nadel (1878–1943)
Berlin: WVB 2022
67 Seiten mit Ill., 19,80 Euro
ISBN 978-3-96138-324-5.

(André Schinkel/Landesbibliothek Oldenburg/Pressemitteilung)

Fr, 18.11.2022

Bernd und Hilla Becher "Wassertürme". München 1988.

Artpeers.de: Für Kunstliebhaber und Bibliophile!

Artpeers.de stellt seine neue Kategorie vor: Kunstbücher. Dem breiten Angebot an originalen Kunstgrafiken wie Holz- und Linolschnitten, Siebdrucken, Lithografien, Radierungen hat die Online-Auktionsplattform nun auch eine große Auswahl an Kunstbüchern hinzugefügt, die auf neugierige Interessenten warten. Hier finden unzählige besondere Drucke und Kunstbücher ein neues Zuhause: Eine wahre Fundgrube für den, der sucht, wie für den, der anbietet. Viele der schönen Exemplare wollen im Bücherschrank eines Kunstliebhabers eigentlich nicht fehlen: Gerhard Richter, Malerei, Hatje Cantz Verlag mit Texten von Robert Storr; Stephan Balkenhol, Sculptures and Drawings, Cantz Verlag, englischsprachige Ausgabe; oder Die Kunst von Gilbert & George von Wolf Jahn, erschienen bei Schirmer/Mosel in München. 

Auch ein handsigniertes Verzeichnis des druckgrafischen Werks 1969–1979 von Karl Korab, erschienen bei E. Hilger in Wien, wäre zu nennen. Eine besondere Kostbarkeit aus der neuen Rubrik ist etwa auch die Erstausgabe von Wassertürme des Künstlerduos Bernd und Hilla Becher, das von beiden Künstlern signiert wurde. Auf langen Reisen durch Mittel- und Westeuropa und die Vereinigten Staaten haben Bernd und Hilla Becher seit 1957 eine Fülle von Beispielen des industriellen Bautyps Wassertürme zusammengetragen. Obwohl es sich bei Wassertürmen um sogenannte Zweckbauten handelt, die in der Hierarchie der Baukunst keinen hohen Rang einnehmen, offenbaren die von den Bechers fotografierten, zwischen der vorletzten Jahrhundert-Wende und der Gegenwart entstandenen Bauwerke eine beispiellose Formenvielfalt, in der sich nationale Stilrichtungen und lokale Tradition ebenso widerspiegeln wie Fantasie, Temperament und Innovationsfreudigkeit ihrer Schöpfer. 

Dieses bei Schirmer/Mosel erschienene Kleinod soll wie die übrigen genannten schönen Bücher beispielhaft für den Reichtum der neuen Sparte bei Artpeers.de stehen. Weitere Informationen und eine Vielzahl weiterer Bücher und Kunstwerke finden sich bei www.artpeers.de.

(Angelika Groenendijk/Pressemitteilung)

Mi, 16.11.2022

Der Verlag Ernst Wasmuth feiert 150. Geburtstag.
Aus dem historischen Programm des Verlags.

150 Jahre Verlag Ernst Wasmuth

In diesem Jahr feiert der 1872 in Berlin gegründete Verlag Ernst Wasmuth sein 150-jähriges Jubiläum. Das über drei Generationen familiengeführte Unternehmen zählte mit seinen Büchern, Mappenwerken, Bildbänden, Schriftenreihen und Zeitschriften zu Architektur, Kunst, ArchäologieKunstgewerbe und Fotografie zu den führenden und international renommierten Fachverlagen Deutschlands. Die Entwicklung auf den jeweiligen Gebieten wurde nicht nur dokumentiert, sondern immer wieder auch durch neue Impulse bereichert. Das kulturelle Erbe der Vergangenheit prägte das Programm dabei ebenso wie die künstlerischen Ausdrucksformen der Gegenwart.

Blütezeiten erlebte der Verlag vor dem Ersten Weltkrieg und erneut in den 1920er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Wiederaufnahme der Verlagstätigkeit von Tübingen aus, während die Firma Wasmuth Buchhandlung und Antiquariat weiter in Berlin betrieb. Ab 1992 kamen noch einige Museumsshops hinzu. Seit 2019 wird der Verlag in der Hauptstadt als Wasmuth & Zohlen Verlag mit den bewährten Programm-Schwerpunkten fortgeführt. Anlässlich des Jubiläums tritt die Geschichte dieses Verlagsunternehmens wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein.

Am Donnerstag, dem 24. November 2022, um 19 Uhr richtet die Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Unter den Linden 8, 10117 Berlin im Wilhelm-von-Humboldt-Saal eine Jubiläumsfeier aus, zu der herzlich eingeladen wird. Es sprechen zu Ehren von Verlag und Geburtstag: Achim Bonte, Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (Begrüßung), Ernst J. Wasmuth (Tübingen/Berlin), Senior Publisher (Grußwort) und Gerwin Zohlen, Wasmuth & Zohlen Verlag (Ausblick). Den Festvortrag zum Thema 150 Jahre Verlag Ernst Wasmuth. Architektur – Kunst – Fotografie hält der Architekturhistoriker Roland Jaeger (Hamburg/Berlin).

Anschließend findet ein Empfang statt und werden Dokumente aus der Verlagsgeschichte des Hauses präsentiert (vergleiche die das Sammlerherze bewegenden Exponate aus der Ernst-Wasmuth-Historie im unteren Bild). Interessenten werden gebeten, sich bis zum 21. November 2022 für die Feier und den Empfang anzumelden. Anmeldungen werden unter der E-Mail events@sbb.spk-berlin.de entgegengenommen.

150 Jahre Verlag 
Ernst Wasmuth
24.11.2022, 19 Uhr
Staatsbibliothek zu Berlin
Wilhelm-von-Humboldt-Saal
Haus Unter den Linden 8
10117 Berlin

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 15.11.2022

Marcel van Eeden ǀ © CC-BY-SA 4.0

Ehrung für Marcel van Eeden

Der Zeichner Marcel van Eeden aus Karlsruhe erhält den mit 25.000 Euro dotierten Hans-Thoma-Preis 2023 des Landes Baden-Württemberg. Die Auszeichnung soll nach Angaben des Landeskunstministeriums am 13. August 2023 in Bernau im Schwarzwald überreicht werden. Begleitet wird die Verleihung des Staatspreises von einer Ausstellung mit Werken des 56-Jährigen im Hans-Thoma-Kunstmuseum. Van Eeden ist Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Der Hans-Thoma-Preis wird alle zwei Jahre vergeben und zeichnet das Lebenswerk von Künstlern aus, die vorrangig in Baden-Württemberg tätig oder in dem Bundesland geboren sind. Er erinnert an den Maler und Akademie- und Galeriedirektor Hans Thoma (1839–1924). Van Eeden setzt sich grenzüberschreitend für die zeitgenössische Kunst und den künstlerischen Nachwuchs in Baden-Württemberg ein. Der Niederländer sei ein „Ausnahmekünstler mit internationaler Strahlkraft“, sagte der baden-württembergische Kunststaatssekretär Arne Braun. Der 1965 in Den Haag geborene Künstler studierte von 1989 bis 1993 in seiner Heimatstadt, bevor er als freischaffender Künstler lange in Berlin lebte und schließlich dem Ruf nach Karlsruhe folgte. Momentan sind seine Arbeiten, die typischerweise mit Kohle in Serien und -Zyklen u. a. zu Texten von Robert Walser entstehen, in fünf Ausstellungen in den Niederlanden, in Deutschland und Schweden gleichzeitig zu sehen.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 13.11.2022

Die 37. Leipziger Grafikbörse findet vom 13.11.22 bis zum 29.01.23 im Museum für Druckkunst statt.

Turbulenzen in Leipzig

„Turbulenzen“ ziehen mit der 37. Leipziger Grafikbörse in das Museum für Druckkunst ein. Zu diesem Thema haben 90 Künstlerinnen und Künstler grafische Arbeiten eingereicht, die vom 13.11.2022 bis zum 29.01.2023 zu sehen sind. Die Interpretationen sind vielfältig. Es geht um gesellschaftliche Themen wie Wetter, Klima, Politik oder Wirtschaft, aber auch private, zwischenmenschliche oder gedankliche Turbulenzen. Vieles wühlt auf, alles regt zum Nachdenken an. Dabei bedienen sich die Künstler*innen verschiedener druckgrafischer Techniken und experimentieren auch mit Mischformen. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt des zeitgenössischen druckgrafischen Schaffens in Leipzig und ganz Mitteldeutschland und ist ein Beitrag zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes Drucktechnik. Neben Künstler*innen aus Mitteldeutschland wie Stephanie Marx, Nadine Respondek, Katja Zwirnmann, Andrea Ackermann, Susanne Theumer und Ulrich Hachulla sind auch Arbeiten von Gästen wie Karin Brosa (Essen), Pablo Flaiszman (Paris) oder Olesya Dzhurayeva (Kiew) vertreten. Die Börse begleitend erscheint ein Katalog mit den Abbildungen aller ausgestellten Arbeiten – er ist im Museumsshop für15 Euro erhältlich. Alle gezeigten Arbeiten sind außerdem käuflich zu erwerben. Öffentliche Führungen finden jeweils sonntags um 12 Uhr statt am: 13.11., 04.12. sowie im Neuen Jahr am 29.01. Am Dienstag, den 22.11., 15 Uhr, gibt es eine Führung 60+ mit ermäßigtem Eintritt für Besucher ab 60. 

(André Schinkel)

Sa, 12.11.2022

Ursula Paschke und Esteban Fekete.
In der Edition Anonyma erschien auch Ursula Paschkes Verzeichnis der Werke Esteban Feketes.

Trauer um Ursula Paschke

Am heutigen 12. November findet in Augsburg die Trauerfeier für Ursula Paschke (1934–2022) statt, die am 5.11. im Stadtteil Inningen am Südrand der drittgrößten bayerischen Metropole verstarb. Die gebürtige Düsseldorferin betrieb mehrere Jahrzehnte (1971 bis 2008) die Edition Anonyma in Mülheim an der Ruhr, wo sie lange lebte. In der Edition betreute sie exklusiv einen Großteil des Werks von Esteban Fekete (1927–2009), mit dem sie bis zu seinem Tod eng befreundet war, auch dokumentierte sie seine Arbeit im Anlegen eines Werkverzeichnisses, von dem Ursula Paschke die Bände 2 bis 4 herausgab und mithin zur Zeugin des bewegten Lebens dieses bedeutenden Holzschneiders wurde. Aus den gegenseitigen Besuchen in Deutschland und Irland (in dem Fekete eine späte Herzens-Heimat fand) resultieren eine Reihe Bücher und Reiseberichte (For sale etwa), auch berichtet die Editorin immer wieder in Aufsätzen, Vor- und Nachworten sowie Vorträgen vom Werk und Treiben des Künstlers, hielt Kontakt zu seinen Sammlern und zur zur Wahrung seines Œuvres und Andenkens gegründeten Fekete Stiftung in Roßdorf bei Darmstadt. Ihre Angehörigen widmen sich der Verstorbenen mit einer berührenden Traueranzeige, die einen kleinen Einblick in das unermüdliche und fürsorgliche Schaffen Ursula Paschkes gibt. In einer der nächsten Ausgaben der Marginalien erscheint mit Erinnerungen an Fekete im Übrigen ein Aufsatz unserer Mitglieder Christiane und Norbert Grewe, in dem auch Ursula Paschke noch einmal die ihr gebührende Würdigung erfahren wird.

(André Schinkel)

Fr, 11.11.2022

Heft 2022/2 der "Wandelhalle für Bücherfreunde" ist im Oktober erschienen.

Wandelhalle für Bücherfreunde

Auf den Punkt, kurz vor der Frankfurter Buchmesse, erschien das Herbstheft der Wandelhalle für Bücherfreunde der Gesellschaft der Bibliophilen e. V., der ältesten (gegründet 1899) Gesellung von Bücherfreunden und -sammlern in Deutschland. Das Heft, verantwortet von Silvia Werfel, gestaltet von Michael Hempel, verweist bereits im Editorial auf einen elementaren Termin im europäischen Geistesleben: den Eintritt Christoph Martin Wielands als Prinzenerzieher in den Weimarer Hof vor 250 Jahren. Damit, so Vereinsvorsitzende Annette Ludwig, tritt das seinerzeit „kleine Mokchen“ Weimar in den Vorabend der nach ihm benannten Klassik und damit in die Weltliteratur ein. Dazu passend folgt im Heft ein so ausführlicher wie einnehmender Bericht über das Jahrestreffen der GdB im mittelthüringischen Musentempel und lässt das bibliophile Herze angesichts der Ereignisse und vielen Weimarer Sichtungen und Besichtigungen höher schlagen, gefolgt von einem Rückblick auf die Frühjahrexkursion der Fränkischen Bibliophilen. Es gibt weiterhin bibliophile Notizen zu Maximilian Liebenwein, zur Sammlung Onno Feenders in der Landesbibliothek Oldenburg, Meldungen zum Mainzer Gutenberg- wie zum Breslauer Preis für Bibliografie sowie einen kleinen Strauß Rezensionen und Personalia, Meldungen aus der Bücherwelt, eine Betrachtung der Geschichte des Lesens und schließlich die Ankündigung der nächsten Jahrestagung, die im Juni 2023 in Wiesbaden stattfinden wird. Ein rundes und vom ersten bis zum letzten Wort lesenswertes Kompendium zum Stand der bibliophilen Dinge, handlich und im Jahresabo für 10 Euro zu haben. Auch der abschließende Bücher-Tipp ist abgestimmt und aufregend: Im empfohlenen Werk geht es um Goethe und die Geschichte seiner Bibliothek. Ein kleines und doch prallvolles Heft, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.

(André Schinkel)

Karl-Georg Hirsch: "Letzter Tanz. Für Gottfried B.", Holzschnitt mit Tonplatte im Irisdruck.
Sven Großkreutz: "Phoenix aus Aschersleben", Ätz-/ Kaltnadelradierung, Aquatinta, Aussprengtechnik.
Claudia Berg: "Haus bei Burano", Kaltnadelradierung.

Subskriptionsfrist für die Grafikmappe Edition Pirckheimer verlängert

Unserer Zeitschrift Marginalien liegt pro Ausgabe für jedes Mitglied eine Originalgrafik bei. War dies in der Vergangenheit nur in vereinzelten Heften der Fall, so etablierten wir vor fünf Jahren die regelmäßige Beilage mit jeder Ausgabe. Auch ein Grund für unser Mitgliederwachstum. Wir freuen uns, mit den preiswerten Blättern namhafter Künstler wie Max Uhlig, Dieter Goltzsche, ATAK, Volker Pfüller, Strawalde, Frank Eißner, Thomas Ranft und vielen mehr vor allem jüngeren Lesern den Aufbau einer eigenen Grafiksammlung zu ermöglichen. Trotzdem bleibt das paradoxe Problem: Je erfolgreicher die Zeitschrift, je höher ihre Auflage, desto mehr steigen die Kosten und sinkt der Sammlerwert der Grafiken.

Vor drei Jahren haben wir auf dieses Problem mit der Herausgabe einer exklusiven Edition Pirckheimer geantwortet: einer Grafikmappe in kleiner Auflage, die den Sammlern etwas Besonderes bietet und deren Ertrag dabei hilft, die Finanzierungslücke für qualitätsvolle Grafik-Beilagen der Marginalien auszugleichen. Kuratiert von Jens-Fietje Dwars, unter anderem auch Herausgeber der literarischen Edition Ornament im quartus-Verlag, starteten wir mit sieben A3-Blättern in 35er Auflage von den Künstlern Susanne Theumer, Hans Ticha, Klaus Süß, Moritz Götze, Kay Voigtmann, Strawalde und Baldwin Zettl. Mit der diesjährig gestarteten zweiten Mappe der Edition passten wir das Konzept leicht an: Auflage 50 Exemplare, und alle sieben Blätter liegen bereits vor, statt sukzessive ausgeliefert zu werden. Somit weiß jeder, was ihn erwartet, wenn er die Edition abonniert.

Karl-Georg Hirschs Holzschnitt Letzter Tanz krönt eine ganze Reihe oft skurriler Paare des Altmeisters, die weniger harmlos tänzeln, als vielmehr ihre Kräfte messen. Dieter Goltzsche trägt eine kleine Radierung namens Schaukelpferd bei. Max Uhlig gab uns für die Mappe eine radierte Frauenkopf-Studie aus dem Jahr 1978, von der bislang noch keine Auflage gedruckt wurde. Seine Malerkollegin im Geiste, Gerda Lepke, zeichnete in ihrer Algrafie mit bekannt freiem Strich ein geheimnisvolles Paar. Der Grafiker und Maler Gerd Mackensen zeigt mit seiner handkolorierten Radierung Nur Narr! Nur Dichter! einen Nietzsche jenseits verklärender Heroisierung. Als Vertreter nachwachsender Generationen konnten wir Sven Großkreutz gewinnen. Sein rätselhaftes Blatt Phönix aus Aschersleben ist aufwändig in Ätzradierung und Aquatinta, Kaltnadel und Aussprengtechnik gearbeitet. Und Claudia Berg beschließt die Mappe mit einem Blatt aus ihrem jüngsten Venedig-Zyklus: Haus bei Burano ist ein weiteres Zeugnis ihrer atmosphärisch dichten Radierkunst. Die Mappe wird erneut von Silke Steinhagen in Weimar gebunden, ein Beiblatt in Bleisatz von der Pavillon-Presse Weimar gedruckt.

Mit einer Auslieferung rechnen wir im November. Bis zum 31. Dezember kann die Mappe zum Subskriptionspreis von 1.300 Euro erworben werden. Danach kostet sie 1.600 Euro. Wir haben die ursprünglich in den Marginalien (Heft 246) angekündigte Frist verlängert, da die Marginalien bei einigen verspätetet ausgeliefert wurden. Für Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft sowie Sammler der ersten Mappe (auch wenn sie nicht den Pirckheimern angehören) wird ein weiterer Rabatt von 10 Prozent gewährt, sodass die Mappe dann 1.170 Euro zuzüglich Versand kostet. Die Bezahlung ist in drei Raten möglich. Die Verteilung der Nummern erfolgt in der Reihenfolge der Bestellungen. Subskriptions-Bestellungen können gerichtet werden an:

Pirckheimer-Gesellschaft e. V.
c/o Matthias Haberzettl
Ramsbergstr. 12, 86156 Augsburg
E-Mail: haberzettl@pirckheimer-gesellschaft.org

(Jens-Fietje Dwars)

Do, 10.11.2022

Peter Burschels Porträt der HAB erschien in der renommierten Insel-Bücherei.
"Le Chant des morts": Doppelseite aus dem Band.

Die Herzog August Bibliothek. Eine Geschichte in Büchern

Das Buch von Historiker Peter Burschel, seit 2016 Direktor der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, ist der Geschichte der Bibliothek gewidmet. Im Jahr 2022 feiert sie ihr 450-jähriges Bestehen. Die 1572 gegründete Bibliothek galt als die größte Bibliothek Europas, gemessen an der Zahl der gedruckten Bücher, und war und ist eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Handschriften. In lebendiger Sprache, mit vielen interessanten Details, unter Verwendung zahlreicher Primärquellen schildert der Autor die wichtigsten Veränderungen in der Geschichte der Bibliothek (Erstellung und Entwicklung des Katalogs, die Öffnung der Sammlungen für die Öffentlichkeit, Erwerb wertvoller Handschriften, Änderungen des rechtlichen Status der Einrichtung usw.).

Eine Reihe von Personen, welche die Geschichte der Bibliothek mitgestaltet haben, treten vor dem Leser auf: „Bibliothecarius“ Leonhard Schröter, der Bibliothekar des herzoglichen Bücherhauses Gotthold Ephraim Lessing, der Buch-Broker und Augsburger Kunsthändler Philipp Hainhofer, auch Bibliotheksdirektor Erhart Kästner und sein Nachfolger Paul Raabe. Von besonderem Interesse ist die Geschichte der Bibliothek im 20. Jahrhundert, der der Autor mehrere Seiten widmet: „Die Geschichte der Herzog August Bibliothek zwischen 1933 und 1945 ist ein Desiderat geblieben – und wird erst seit kurzer Zeit adäquat untersucht; ganz so wie auch die antiquarische Erwerbung der Bibliothek seit 1969 im Rahmen eines NS-Raubguts-Projekts, das vom ‚Deutschen Zentrum Kulturgutverluste‘ finanziert wird.“

Der Autor schlägt vor, „die Geschichte einer Bibliothek immer auch als Wissensgeschichte zu verstehen, die sehr viel mehr ist als die Geschichte einer Institution und ihrer Bestände, hat doch Wissensgeschichte nicht nur die Bücher und die Texte im Blick, die diese Bücher erhalten, sondern auch die Bedeutungszusammenhänge, die ihr Zusammentreffen hervorbringt. „Eine Geschichte in Büchern“ – das heißt vor diesem Hintergrund: eine Geschichte, die Bibliotheks-, Buch- und Wissensgeschichte verbindet, indem sie diese Zusammenhänge offenlegt.“ Das elegante, reich illustrierte Buch enthält fünf Essays sowie eine Quellen- und Literaturauswahl

Peter Burschel:
Die Herzog August Bibliothek.
Eine Geschichte in Büchern
Frankfurt am Main: Insel 2022
Insel-Bücherei Nr. 1496.
123 Seiten, 15,00 Euro
ISBN 978-3-458-19496-5.

(Maria Bogdanovich)

Mo, 07.11.2022

Die Ausstellung "Bibliomania" in der Villa Zander in Bergisch Gladbach nordöstlich von Köln ist noch bis zum 08.01.2023 zu sehen.

Bibliomania in Bergisch Gladbach

Die Villa Zanders in Bergisch Gladbach war einst Wohnsitz der Papier-Fabrikantenfamilie Zanders. Nach wechselvoller Geschichte beherbergt die Villa heute ein Kunstmuseum. Und was könnte geeigneter sein für die Villa ehemaliger Papierfabrikanten als die Präsentation von Kunst zu und aus Papier. Mit Bibliomania zeigt das Kunstmuseum in diesen Wochen auf zwei Etagen Kunst, die dem Buch gewidmet ist: Fotos, Gemälde, Collagen, Künstler-Bücher, eine Ornithologie der Bücher, gemalte Bücherwände voller erfundener Literatur und weitere eigenwillige Objekte, die der Beschäftigung mit dem Buch und seiner kreativen Würdigung gewidmet sind. 

Selbst eine „Bibliothek ungelesener Bücher“ präsentiert das Museum und erlaubt dem Besucher, zuzugreifen und für sich die Ungelesenen zu entdecken. Das ist bei den anderen Objekten der Ausstellung allerdings nicht erwünscht. Dennoch gibt es auch hier viel Bibliophiles, Wunderliches, Spannendes zum Thema „Buch in der Kunst“ in Augenschein zu nehmen. Ein angebotener Ausstellungskatalog zum Preis von 35 Euro informiert mit grundlegenden Artikeln der drei Kuratorinnen und stellt in oft ganzseitigen Fotografien die in der Ausstellung präsentierten Objekte vor. Weitere Informationen: www.villa-zanders.de/ausstellungen/bibliomania/

(Helmut Garritzmann)

Sa, 05.11.2022

Heinz Zander, "Der Engel John Silver betritt den Strand", 1990, Öl (zu R. L. Stevenson).
Heinz Zander: "Harpyie gebiert einen Engel", Zeichnung (zu König Phineus).
Heinz Zander, "Peter Schlemihl", Öl (zu Adelbert von Chamissos berühmtem Roman).

Vernissage: „Puppenspiel mit Moralitäten. Heinz Zander – Bilder zur Literatur“

Zur Eröffnung der Ausstellung Puppenspiel mit Moralitäten. Heinz Zander – Bilder zur Literatur am Sonnabend, 19. November 2022, laden die Magdeburger Pirckheimer zusammen mit der Galerie Thoms in das Literaturhaus Magdeburg ein. Beginn der Vernissage ist um 15 Uhr. Der Eintritt zur Eröffnung ist frei. Für die musikalische Umrahmung sorgen aus Magdeburg Gerd Becker und Stefano Riva. Die Ausstellung ist bis zum 28. Januar 2023 im Literaturhaus in der Thiemstraße 7 im Stadtteil Buckau der Elbestadt zu sehen.

Werke aus dem umfangreichen Œuvre des Leipziger Malers Heinz Zander, der 1939 in Wolfen geboren wurde, befinden sich unter anderem in Museen und Sammlungen in Berlin, Tokio, Dresden oder Leipzig. Ab dem 19. November werden rund 150 seiner Arbeiten im Magdeburger Literaturhaus gezeugt – darunter großformatige Ölbilder ebenso wie kleinformatige Zeichnungen oder Druckgrafik. Dazu kommen die Romane und Erzählungen, die er geschrieben und selbst illustriert hat, sowie künstlerische Arbeiten zur Weltliteratur.

In seinen sechs Jahrzehnten künstlerischen Wirkens hat Heinz Zander als Autor selbst Literatur geschaffen und sich als Zeichner und Maler auch umfangreich mit den Werken anderer Autoren (von Wolkenstein, Poe, Brecht, Hacks) auseinandergesetzt. Die Ausstellung im Literaturhaus vermittelt einen Blick in das Werk Zanders aus diesem speziellen Blickwinkel heraus. Der Kunsthistoriker Oliver Schwulst (Leipzig) wird die Gäste der Vernissage in dessen vielfältige Bilderwelt einführen. Ein Vorblick in die Worte des Laudators sei hier schon gewährt:

„Die Bildwelt Heinz Zanders ist umgeben von der Aura des Poetischen, die viel erzählt, doch mehr verschweigt. Sein gesamtes künstlerisches Schaffen ist durchzogen von zahlreichen Motiven aus abendländischen Märchen und antiken Sagen, aber auch der Weltliteratur der jüngeren Jahrhunderte. Die gleichnishaften Kompositionen spiegeln seine eigene Lese-Arten, die das ursprüngliche Wesen des Textes, hinter einem oft zugespitzten Charakter verbergen. Der Leipziger Künstler verdichtet dabei die literarischen Stoffe zu labyrinthischen Zeichen, wodurch Raum für eigenständiges Erkunden geöffnet wird.

Zanders Themen sind wahrhaft vielfältig. Vom geschichtlich-schicksalshaften Niedergang (Edgar Allen Poe, Der Untergang des Hauses Usher, 1839) über die doppelschneidige Eigendynamik des Erotischen (Daniel Defoe, Moll Flanders, 1722) hin zu nachdenklichen Tönen (Thomas Mann, Der Erwählte, 1951), meist dialektisch gewürzt mit deftig-derben Humor (Bertolt Brecht, Seeräuberballade, 1920er). 

Diese vielseitige, intensive Auseinandersetzung ergoss sich in ein eigenes ergiebiges literarisches Schaffen. Oft begegnet dem Leser und Betrachter eine Ironisierung der Ironie. Heinz Zanders Romane Stille Landfahrten (1981) oder Das sanfte Labyrinth (1984) gründen sich auf der Phantasie eines Insulaners der sich einer urtümlichen Ander-Welt zuwendet, die für aufmerksame Besucher so manches Wunder bereithält.“

(Sigrid und Ralf Wege/Pressemitteilung)

Fr, 04.11.2022

Die artbook.berlin findet vom 18. bis 20.11. statt.
Die Kunst- und Literaturzeitschrift "Herzattacke" erscheint seit 1988/1989 in der Edition Maldoror.
Rita Lass, "Die hohen Tannen" (2020, zu einem Gedicht von R. M. Rilke) ǀ © Matthias Behne

artbook.berlin 2022

Endlich wieder Messe am Mariannenplatz! Nach zwei schweren Jahren für die Buchkunst öffnet die artbook.berlin im November wieder ihre Türen. Die zwölfte Ausgabe der Messe für Künstlerbücher und Editionen findet im Kunstquartier Bethanien am Mariannenplatz 2 in 10997 Berlin-Kreuzberg am 18. (18–21 Uhr), 19. (14–20 Uhr) und 20.11. (11–17 Uhr) statt. An diesen drei Tagen präsentieren etwa 100 internationale Buchkünstlerinnen und Buchkünstler, Editionen und bibliophile Gesellschaften ihre Werke und Produkte. Darüber hinaus findet ein abwechslungsreiches Programm von Vorträgen, Buchpräsentationen und Lesungen statt. Auch die Pirckheimer-Gesellschaft ist mit einem eigenen Stand vor Ort.

Die artbook.berlin wird auch 2022 organisiert von Corn.elius Brändle (Buchkünstler, Siebdrucker, Verleger) und Hanneke van der Hoeven (Zeichnerin, Buchkünstlerin und Autorin). „Als Menschen vom Fach wollen wir keine kommerzielle Buchmesse organisieren, sondern der Buchkunst eine Plattform bieten, ihre außergewöhnliche Qualität zu zeigen, mit Sammler*innen und Besucher*innen ins persönliche Gespräch zu kommen“, so die Veranstalter. Die Messe versteht sich zudem als Treffpunkt für Kolleginnen und Kollegen, Möglichkeit, sich kennenzulernen, Fachgespräche, Diskussionen führen, Inspirationen zu sammeln, Zusammenarbeiten zu verabreden und letztlich auch: „Aufmerksamkeit zu geben für diese Facette im Kunstbetrieb.“

Die Aufzählung ließe fortsetzen wie die große Zahl auch an renommierten Künstlern, Pressen und Editionen, die auf der Messe zu treffen sein werden: Matthias Gubig, Hanif Lehmann, Inka Grebner, Sven Märkisch, Jule Mahn (Verwandte Objekte), Rainer Ehrt (Edition Ehrt), Nadine Respondek, Edition Wasser im Turm, Papierwerkstatt Sifft und, und, und … Auch die hallesche Buchkünstlerin Rita Lass, eine ausgewiesene „Meisterin der Einbandkunst“, wird vor Ort sein, wie nicht zuletzt die Kunst- und Literaturzeitschrift Herzattacke, deren originalgrafische Ausgaben quartalsweise in der 1988 von Maximilian Barck und Markus Metke im seinerzeit noch Ostberliner Stadtteil Friedrichshain begründeten Edition Maldoror erscheinen.

„Das Künstlerbuch ist eine Sprache, in der Geschichten, Gefühle, Meinungen, Erfahrungen und Philosophien vermittelt werden“, so die Organisatoren weiter. „Auf der artbook.berlin sind aber nicht nur Künstlerbücher zu sehen, sondern auch Bilder, Drucke wie Radierungen, Lithografien, Serigrafien, auch Computerausdrucke und analoge wie digitale Fotografie.“ Die Bandbreite der gezeigten Werke ist so weitgefasst wie die Anzahl der Aussteller und Ausstellerinnen. Auch ist es ein Anliegen der Messe, junge Künstler und Künstlerinnen mit erfahrenen Kollegen zusammenzubringen, alte handwerkliche Techniken der Druckkunst und die vielfältigen Möglichkeiten modernster Technik der Buchkunst sehen zu lassen. Weitere Informationen zur Messe erhält man bei info@artbookberlin.de und www.artbookberlin.de.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 02.11.2022

Im Extrablatt des "Hamburger Bothen" lädt der Verlag Angeli & Engel für den 16.11. zur Präsentation mit Rainer Ehrt nach Hamburg ein.

Hamburger Bothe: Extrablatt!

Ein Extrablatt des Hamburger Bothen im November? Ja, so ist es: Rudolf Angeli und Peter Engel laden damit zu einem besonderen Event ein. „Wir freuen uns, diese Sondernachricht zwischen unseren normalen Ausgabemonaten zu versenden. Damit laden wir zu einer Veranstaltung in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg ein! […] Liebe bibliophile Leser und Sammler, ladet eure Freunde ein und ‚stürmt‘ die StaBi am 16.11. Zeigt, dass der oft angeführte Niedergang der Bibliophilie eine Mär ist …“ Der Anlass dieser Einladung ist die Präsentation des zweiten Buchs Figur&Kontext – Zeichnungen, Druckgrafik & Künstlerbücher von Rainer Ehrt, die an besagtem Novemberabend um 19 Uhr im Vortragsraum der ehrwürdigen Hamburger Bibliothek (Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg) stattfindet. „Der Maler und Graphiker erweist sich darin als Doppelbegabung und steuert zu seinen Zeichnungen eigene Texte bei“, so die Einladenden weiter. Der Band mit Ehrt, der als vielfach geehrter Grafiker (und Autor) in Kleinmachnow in der Nähe Berlins lebt, ist bereits der zweite im noch jungen Verlag, ihm ging der überaus erfolgreiche Band Vor&Nachbilder – Zeichnungen zur Literatur 1971–2021 von Klaus Waschk voraus. Zum Programm heißt es: „Der Verlag Angeli & Engel widmet sich Publikationen zur Kunst mit bibliophilem Anspruch, Teilauflagen jeder Publikation werden mit Originalgraphiken ausgestattet. Im Frühjahr 2023 ist ein Gedichtband des Lyrikers und Übersetzers Urs Heftrich geplant.“ Zunächst aber ist das Buch Rainer Ehrts zu feiern – die Herausgeber laden herzlich ein! Die Ausgaben des „Hamburger Bothen“ sind über die Mailadresse Rudolf_Angeli@web.de anforderbar. Weitere Informationen finden sich unter www.angeliundengel.art.

(André Schinkel)

Mo, 31.10.2022

Florian Loschs Verse wurden von Andrea Lange ...
... die Texte Kito Lorenc' von Inka Grebner illustriert.

Bibliophiles des Monats: LyrikHefte 29 und 30

„Lyrik ist das beste Heilmittel gegen die nüchterne Unrast jeder Zeit“ – so formulierte es einer der größten Dichter der Moderne, Rainer Maria Rilke (1875–1926), und so steht es auch auf den Schubern, die die beiden Protagonistinnen, Erfinderinnen und Verwirklicherinnen der in Sammlerkreisen mittlerweile legendären LyrikHefte, Bettina Haller und Andrea Lange, anbieten. Mehr denn je scheint das so, und auch in der brennenden Unrast dieser Zeit, die aus womöglich gerechtem Zorn gern mal mit Kartoffelbrei auf Kunstwerke wirft und letztlich damit einen Verbündeten (die Kunst als sensible Maßgabe des Innehaltens, letztlich Humanen) trifft, wird es, bleibt zu erkennen, nicht ohne das lotende Gegengewicht der Kultur gehen. 

Die Rubrik „Bibliophiles des Monats“ wird deshalb im Oktober auch von den beiden jüngsten Veröffentlichungen von der LyrikHefte-Reihe, die in der gemeinsamen Sonnenberg-Presse der beiden Künstlerinnen aus Chemnitz und Kemberg erscheint, bespielt. Seit 2005 publizieren Bettina Haller und Andrea Lange die kleine fadengeheftete Kostbarkeit, die stets einem bekannten oder auch noch bekanntzumachenden Lyriker gewidmet ist, begleitet vom behutsamen Miteinander mit Grafik: Jede Veröffentlichung enthält eine exclusive und eigens fürs Heft geschaffene grafische Folge – Haller und Lange finden sich selbst darunter, aber auch eine Reihe weiterer Künstler*innen wie Inka Grebner, Uwe Pfeifer oder Cornelius Brändle.

Die Hefte 29 und 30, deren Einbände synchron zur übrigen Reihe in je einer gediegener Farbe, zurückhaltend edlen Schrift gehalten und das Faksimile eines Autographen des Verfassers, der Verfasserin tragen, sind dabei Florian Losch und dem großen sorbisch-deutschen Kito Lorenc (1938–2017) gewidmet, begleitet von den Illustrationen von Andrea Lange (Losch) und Inka Grebner (Lorenc). Auf zwanzig Seiten entfaltet sich so ein Kosmos en miniature, der sowohl die Stimme der Gedichte wie auch deren Gespräch mit der beigegebenen Grafik abbildet.

Die in einer Auflage von 200 Exemplaren im Format von 21,5 x 12,5 cm und signiert erscheinenden LyrikHefte können einzeln oder im Abo bezogen werden und wurden mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Von Taube Preis (Kategorie Künstlerbuch) und bei der Verleihung des Victor Otto Stomps-Preises in Mainz. Die wunderschönen Hefte mit dem bedruckten Kartonumschlägen sind für 28 Euro je Exemplar zu haben. Als nachfolgende Hefte sind angekündigt: Gedichte von Frank Maibier (Illustrationen: Lukas Maibier) sowie von Ulrike Draesner (Tina Flau). Eine vollständige Präsentation der Lyrik-Reihe vom ersten bis zum jüngsten Heft findet sich unter anderem hier: Lyrikheft – Bettina Haller (sonnenberg-presse.de).

(André Schinkel)

So, 30.10.2022

Frank Wahle: "Tattoo", Farblinolschnitt, 2022.

Hochdruckpartner & Gäste: Grafik-Kalender für 2023

Der Original Grafik Kalender 2023 – Hochdruckpartner & Gäste ist kürzlich in Leipzig erschienen und noch in einer kleinen Reihe Exemplare (gegenwärtig 18) für 200 Euro (zuzüglich Mwst. und Versand) erhältlich. Der Druck des Kalenders für 2023 wurde in der Werkstatt der Galerie und Werkstatt Hochdruckpartner auf Kniehebelpressen und im Museum für Druckkunst Leipzig an einer Andruckpresse von Hand ausgeführt. Er enthält Farbholzschnitte, Linol- und Farblinolschnitte sowie eine Typografik, die eigens für die Veröffentlichung entstanden, von Gabriele Sperlich, Stephanie Marx, Jacomijn den Engelsen, Anna Arnskötter, Nadine Respondek, Lothar Seruset, Frank Wahle, Hans Bote, Harald Alff, Stefan Knechtel, Susann Hoch und Andrea Lange. Der Kalender im Format von 46,5 x 29,7 cm erscheint in einer Auflage von 180 + 24 Künstler-Exemplaren. Weitere Info unter: www.hochdruckpartner.com.

(André Schinkel)