Pirckheimer-Blog

Do, 25.07.2024

17.08., Sondershausen: Lesung für Gerd Mackensen.

Ehrenlesung für Gerd Mackensen

Pirckheimer-Freund Jens-Fietje Dwars, dessen Verdienste als Herausgeber, leitender Redakteur des Palmbaum sowie Ausstellungs- und Filmemacher Legion sind, lädt zur Ehrenlesung für Gerd Mackensen (1949–2023), dessen Tod sich in diesem Sommer am 20. August zum ersten Mal jährt, nach Sondershausen ins Kunsthaus unter den Linden (Margaretenstr. 22a, 99706 Sondershausen) ein. Er schreibt: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Sommer des vergangenen Jahres riss ein Herzinfarkt Gerd Mackensen aus dem Leben – im Zenit seines Schaffens. Am Samstag, dem 17. August 2024, erinnert das Kunsthaus unter den Linden in Sondershausen an den Maler. Das Haus, in dem sich sein Atelier befand, steht mit einer kleinen Galerie seiner Arbeiten von 10 bis 18 Uhr offen. Da die Räumlichkeiten begrenzt sind, lese ich zweimal, um 11 und um 16 Uhr, aus zwei Büchern in Erinnerung an den Maler: aus den Ateliergesprächen, in denen ich 28 Bildermacher aus dem Osten porträtiert habe, und aus Goethes Erotica, zu denen Gerd Mackensen lebenspralle Farbzeichnungen schuf. Der Geheimrat ist nicht nur der meistzitierte Autor deutscher Sprache, er war fast hundert Jahre lang auch der meistzensierte. An den Wänden hängen die Arbeiten, die der Maler und Zeichner für das Buch zu Papier brachte. Die Lesung findet im Rahmen der Reihe Der besondere Ort des Thüringer Schriftstellerverbandes statt, gefördert vom Lese-Zeichen e. V. und der Thüringer Staatskanzlei. Bitte vormerken und an mögliche Interessenten weitersagen!“ Die genannten Bücher erschienen beide unter der Ägide von Jens-Fietje Dwars, der im quartus-Verlag insgesamt vier Buchreihen begründet hat, am bekanntesten wohl die Edition Ornament, die gute Texte in Symbiose mit bedeutender Kunst und hervorragender Gestaltung bringt. Ja, und auch die Marginalien, zu deren Redaktion Dwars gehört, werden mittlerweile bei quartus verlegt. Die Lesung zu Ehren von Gerd Mackensen findet am 17. August im Sondershäuser Kunsthaus statt. Hingehn!

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 24.07.2024

"Under the Neomoon" bei Curious Fox: Isabel Fargo Cole stellt ihre Hilbig-Übersetzungen in Berlin vor.

Neu: Hilbigs „Under the Neomoon“

Es war das insgesamt zweite Buch Wolfgangs Hilbigs (1941–2007), und es ging dem einzigen in der DDR erschienenen Band Stimme Stimme voraus, die Erzählsammlung Unterm Neomond, 1982 bei S. Fischer publiziert. Die Autorin und Übersetzerin Isabel Fargo Cole hat den frühen Prosa-Zyklus des Weltliteraten aus der mitteldeutschen Provinz nun ins Englische übertragen und stellt den Band am Donnerstag, den 25. Juli bei Curious Fox (Lausitzer Platz 17, 10997 Berlin) in Vortrag und im Gespräch mit Axel Wells vor. Der Eintritt für die Lesung in Englisch ist frei, sie beginnt 20 Uhr. Wolfgang Hilbigs literarisches Vermächtnis zählt zum bedeutendsten seiner Generation.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Di, 23.07.2024

Der "Hans Meid Preis" in der Kategorie "Hauptpreis" geht in diesem Jahr zu je gleichen Teilen an Petra Schuppenhauer ("Infantin am Boden") aus Leipzig und Jakob Hinrichs (aus "Traumnovelle") aus Berlin.

Hans-Meid-Preis: Hauptpreise für P. Schuppenhauer und J. Hinrichs

Die Jury der Hans Meid Stiftung hat in ihrer Sitzung am 27. April entschieden, den Hans Meid Preis für das Jahr 2024 in der Kategorie Hauptpreis zu gleichen Teilen der in Leipzig lebenden und arbeitenden Petra Schuppenhauer und Jakob Hinrichs aus Berlin zuzuerkennen. Dies ist der Pressemitteilung auf der Webseite der HMS samt einem Portfolio beider Geehrter zu entnehmen. 

Mit Petra Schuppenhauer, 1975 in Hamburg geboren, zeichnet die Hans Meid Stiftung eine der wohl bedeutendsten Holzschneiderinnen der Gegenwart aus. Ihre flirrenden, vielfarbigen und zum Teil gigantischen Holzschnitte in der verlorenen Form zeugen von einer hohen Kunst des Schneidens und Arrangierens auf den Platten, einem extrem sensiblen Farbgefühl und einer damit ganz eigenen unverwechselbaren Bildsprache. Immer wieder lässt sie sich auch zeichnerisch auf unterschiedlichste Literatur etwa von Hans Christian Andersen oder Kurt Tucholsky ein, wiederholt sich nicht und gibt damit jedem Text eine ganz eigene persönlich-gestalterische Aussage.

Jakob Hinrichs, Jahrgang 1977, überzeugte die Jury durch seine innovativen Übersetzungen literarischer Werke in gestalterisch anspruchsvolle Graphic Novels. Mit Traumnovelle von Arthur Schnitzler, Der Trinker von Hans Fallada und Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert hat Jakob Hinrichs Meisterwerke dieses Genres geschaffen. Durch kongeniale Zeichnungen sowie eine expressive Bildsprache mit starker Farbgebung, den kraftvollen Einsatz von Typographie und einer dynamischen visuellen Dramaturgie sind ihm beeindruckende Gesamtkunstwerke von Text, Illustration und Buchgestaltung gelungen. Die Hauptpreise sind je mit 10.000 Euro dotiert.

Vorstand und Kuratorium der Hans Meid Stiftung freuen sich, mit Petra Schuppenhauer und Jakob Hinrichs zwei ganz unterschiedliche Künstler auszeichnen zu können und damit die Bandbreite aktueller Illustrationskunst mit außergewöhnlicher illustratorischer Leistung vor Augen zu führen.

(André Schinkel/Hans Meid Stiftung/Pressemitteilung)

Mo, 22.07.2024

„Wort im Bild“-Wettbewerb 2024 ... die Preisträger wurden in Klagenfurt juriert, wo auch die Geehrten aus Jahr 2023 in einer Ausstellung gezeigt wurden.

„Wort im Bild“: Die Gewinner 2024

Unter dem Motto „Wir lesen, wir lesen oft. – Worte, – Texte, – Geschriebenes. Doch was ist mit der Bildsprache? – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ wurde der internationale Fotowettbewerb Wort im Bild für 2024 zum Thema Literatur zum 12. Mal von der Initiatorin und Fotokünstlerin Eva Asaad ausgeschrieben. Für diesen Wettbewerb waren Fotografinnen und Fotografen gesucht, die sich für ihre Arbeit von einer literarischen Vorlage inspirieren ließen. Welches Sujet (Lyrik, Epik, Dramatik) der Literatur gewählt wurde, war frei. Es durfte maximal eine Einsendung (im Umfang von maximal neun Megabyte) eingereicht werden. Die drei Jurymitglieder Gabriele Rothemann, Bernd Stiegler und Eva Asaad kürten die besten Fotoarbeiten zum Thema. Die drei Erstplatzierten erhielten ein Preisgeld von 800, 500 und 300 Euro, gesponsert von der Firma KELAG. Wort im Bild verbindet die Welt der Literatur mit der Welt der Fotografen und Fotografinnen, diese werden zu Bildpoeten und Bildpoetinnen. Die Jury wählte aus 691 Einsendungen aus 72 Ländern aus. Den ersten Platz gewann Antonio Perez mit seiner Fotoarbeit I’m looking at you, you’re looking at me, inspiriert von Virginia Woolfs epochalem Roman Orlando. Juror Bernd Stiegler schrieb dazu: „Eine gerade angesichts der Buchvorlage kluge ‚Found Footage‘-Arbeit“. Platz 2 belegte Rudolf Neuhold mit seiner Arbeit emotional – abstract, inspiriert von Aaron Willard Stoicism for the Modern Man: Mastering Life’s Challenges With Ancient Wisdom. Die Fotoarbeit Plastic Orphelia von Yasaman Biglari, inspiriert von William Shakespeares Hamlet, gewann den dritten Platz. Die Plätze 4 bis 10 sind: Manfred Krause, Hommage an Erwin Blumenfeld; Muhammad Ali Seyhoon, Voice of a Friend; Michael Grabmeier, The modern nothingness; Faraz Ahanin, Romeo and Juliet; Andrii Bulavka, Les cauchemars; Agata Emma, L’angoisse et l’inquietude und Khrystyna Fedorak, The Soil. Die Bilder sind zu sehen auf der Internetseite des Wettbewerbs. Die Gewinner des 2024er Wettbewerbs wurden zudem bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt in einer Ausstellung präsentiert.

(Manfred Krause)

So, 21.07.2024

Die "Aschebuch"-Ausstellung Hannes Möllers ist zur Zeit in der Landesvertretung Thüringens zu sehen.

Berlin: „Verlorene Bibliotheken“

Denkwürdig: Noch bis zum 15. August findet in der Thüringischen Landesvertretung in Berlin (Mohrenstraße 64, 10117 Berlin) Hannes Möllers Aschebuch-Ausstellung statt. Grundlage für die Arbeit des in Karben lebenden Künstlers sind die beim Brand von 2004 in der Weimarer Anna Amalia Bibliothek beschädigten und zerstörten Bücher. In einer Mixed-Media-Technik auf Basis von Aquarell- und Gouache-Malerei, in die Kohle, Rußpigmente und Asche der verbrannten Bücher eingearbeitet ist, entstanden etwa vierzig Arbeiten, von denen zwanzig in Berlin ausgestellt sind. Im Studienzentrum (auch als „Bücherkubus“ bekannt) der ehrwürdigen Bibliothek am Weimarer Platz der Demokratie hängen im Übrigen dauerhaft fünf große Bilder der Serie. „Der Zyklus ist ein Teil meines Bibliotheken-Projekts“, so schreibt Hannes Möller, „in dem ich mich schon seit 2007 künstlerisch mit Büchern beschäftige. Dabei geht es mir weniger um deren Inhalte. Die Geschichten, die meine ‚Bücher‘ erzählen, entstanden durch Spuren, die eine oft jahrhundertelange Nutzung hinterließen: Zerkratzte Buchrücken, abgerissene Buchdeckel, auseinandergebrochene Buchblöcke. Bände mit Brandspuren und gänzlich verbrannte Bücher ergänzen meine imaginäre Bibliothek.“ Das dreiteilige Projekt ergibt so eine Hommage an die verlorenen Bibliotheken. Der künstlerische Triptychon teilt sich dabei in die Segmente Aschebuch, eben Die verlorene Bibliothek und Solitaire. Der Brand in der Anna Amalia gehört zu den größten Kulturgut-Katastrophen der jüngeren Geschichte des Freistaats. Die Bemühung um die Rettung der Schätze ist begleitet von den fragilen Kunstwerken Möllers. Weiter heißt es: „Von Anfang September bis Ende Oktober findet in Norddeutschland im Emslandmuseum Clemenswerth eine Ausstellung statt, in der ich Arbeiten aus den drei Zyklen Solitaire, Die verlorene Bibliothek und Brandbücher | Aschebücher zeige.“ Alle wichtigen Informationen zur Arbeit von Hannes Möller finden sich auf seiner Website.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 20.07.2024

Büchnerpreis 2024: Oswald Egger. | © CC BY-SA 4.0

Georg-Büchner-Preis für Egger

Der Georg-Büchner-Preis des Jahres 2024 geht an Oswald Egger. Der aus Südtirol stammende Dichter, der die Staatsbürgerschaften Deutschlands, Österreichs und Italiens besitzt, wird zu Anfang November in der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt mit dem renommiertesten deutschen und mit 50.000 Euro hoch dotierten Literaturpreis geehrt. Die Akademie-Jury ehrt unter anderem den völlig eigenen Umgang Eggers in der Beschreibung der Natur und ihrer Prozesse, was ihn zu einem der führenden Vertreter des gegenwärtig beachteten Nature writing in der Lyrik. Der 1963 in Tscherms in der Nähe von Meran geborene Egger publiziert seine Werke vorwiegend beim Berliner Suhrkamp-Verlag, zahlreiche kleinere Verbünde und Zyklen seiner Texte erschienen auch bibliophil und in schönen Ausgaben in kleineren Editionshäusern. Die Kritik lobt dabei Oswald Eggers Changieren in der Sprache, die einen weiten Bogen zwischen Dichterpriestern wie Hölderlin und Rilke und zugleich Sprachneuerern wie Ernst Jandl oder Friederike Mayröcker aufspannt.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 19.07.2024

"Die Farben der Freude" vom 31.07. bis zum 30.09. im Ratshof Halle. Mit dabei: Künstler Axel Lisso ("Afrika in Bernburg") und auch Jürgen Junge ("Traumbild").

Kunst aus Neinstedt: „Die Farbe der Freude“ im Ratshof Halle

Am Mittwoch, dem 31. Juli 2024, wird die Ausstellung Die Farbe der Freude mit den Arbeiten der Gruppe „Malwerk“ im Ratshof zu Halle (Marktplatz 1, 06108 Halle an der Saale) eröffnet, wie die Evangelische Stiftung Neinstedt, gelegen am Nordostrand des Harzes in der Nähe von Thale, mitteilt. Bis zum 30. September können die Arbeiten im Foyer der ersten Etage des zentralen Gebäudes im Herzen der Saalestadt angesehen werden. Wöchentlich treffen sich Menschen zum Inklusionsprojekt „Malwerk“ in Wernigerode. Unter der künstlerischen Leitung von Maler, Zeichner und Lyriker Korvin Reich gestalten Bewohnerinnen und Bewohner mit Behinderung aus den Häusern des Guten Hirten, einem Bereich der Evangelischen Stiftung Neinstedt, und unter anderem Studierende der Hochschule Harz gemeinsam Werke zu verschiedenen Themen. Sich selbst in Form und Farbe auszudrücken, eine Idee oder Empfindung Gestalt werden zu lassen, miteinander in Austausch zu kommen, voneinander zu lernen und einfach eine gesellige Zeit der Teilhabe zu erfahren – all das ist gelebte Inklusion in diesem Projekt. Karsten Noack ist der verantwortliche Mitarbeiter der Evangelischen Stiftung Neinstedt für das Projekt. Er erläutert den Hintergrund des Projektes: „Für Menschen mit geistigen Einschränkungen ist es noch schwieriger, gesellschaftliche Teilhabe zu erfahren. Es gibt wenige Ereignisse in ihrem Leben, in denen sie öffentliche Würdigung oder Anerkennung erhalten. Dennoch sind sie aktiv, setzen sich ein, wirken und prägen ihr Umfeld mit.“ Axel Lisso ist einer der Künstler, der in Halle seine Bilder präsentiert. Er berichtet: „Es macht mir sehr viel Spaß, weil sich immer viele Menschen zum Malen treffen. Es ist mein Hobby, und alle sagen, dass ich ein richtiger Künstler bin.“ Besser kann man es nicht formulieren. Die Arbeit des mittlerweile überregionalen Projekts wird gefördert durch „Aktion Mensch“. Die Schau ist Mo und Mi 08 bis 16, Do von 09 bis 18, Fr von 09 bis 15 Uhr und Sa von 09 bis 12 Uhr geöffnet. Tipp!

(André Schinkel/Evangelische Stiftung Neinstedt)

Do, 18.07.2024

Oktober: "XL. FISAE-Kongress" in Palma de Mallorca.

FISAE: 400. Newsletter erschienen

Soeben ist der 400. digitale Newsletter-Rundbrief der FISAE aus der Feder von Klaus Rödel erschienen, das Exlibris-Wesen in Europa, nein, an sich weltweit mit einer Reihe Schlaglichter auf Europa (schließlich ist die FISAE im Herzen des Kontinents beheimatet: Rödel, der Verfasser der Rundbriefs, ist im dänischen Frederikshavn, wo sich bis vor kurzem einer der größten Exlibris-Sammlungen befand, zu Hause) in allen Facetten beleuchtend. Standesgemäß wie überblicksbewusst ist die Ausgabe Nummer 400 des digitalen Infoblatts zu allen Belangen der Exlibris-Kunst und -Sammelleidenschaft und die nationalen Exlibris-Gesellschaften koordinierend und verbindend, ein Register aller Rundbriefe vom ersten bis in die unmittelbare Gegenwart. Es finden sich darin, namentlich in den jüngeren Ausgaben, auch immer wieder Würdigungen für die Marginalien, die Zeitschrift für Buchkunst, Bibliophile und Grafik der Pirckheimer-Gesellschaft, deren Heft 253 (2024/2) eben erschien, während die Redaktion bereits an Ausgabe 254, die wiederum, soviel sei verraten, wieder delikat gefüllt sein wird, baut und wirkt. In den seit 2021 erscheinenden und digital verschickten FISAE-Kompendien hat sich zugleich soviel Info-Content angefunden, dass auch das Register jeweils nur mit den wichtigsten Beiträgen des jeweiligen Rundbriefes hantieren kann. Mithin ein schöner Beweis, dass die Szene, bei allen Zumutungen der letzten Jahre wie der Jetztzeit, lebendig ist. Die nächste große Aktion ist der FISAE-Kongress in Palma de Mallorca im Herbst.

(André Schinkel)

Mi, 17.07.2024

Aus Anna Artakers KI-Zyklus "Conversation Pieces".

KI-Druckprojekte in Kunstmühle

Es ist zuweilen, auch in dieser wurstförmigen Zeit, nicht alles so derbe, dass man nicht auch dem Ablicht der digitalen Revolution doch das eine oder andere Gran Schönes entnehmen könnte. So berichten die Betreiber der Neuhauser Kunstmühle in ihrem neuesten Rundschreiben von ihren, im Verbund mit einigen ihrer Künstlerinnen und Künstler betriebenen, Versuchen, Druckgrafik und KI in eines zu bringen. Mit, in der Tat, auch wenn sich das Herze des dem Händischen Zugetanen noch eine Weile entgegenstemmen mag, faszinierenden Resultaten. Die Neuhauser Mühlenbetreiber Elisabeth und Nikolaus Topic-Matutin schreiben dazu: „… vor ein paar Tagen haben wir die ersten drei Editionen, die im Kontext unseres Digitalprojekts in Zusammenarbeit mit dem Verein DruckKunst entstanden sind, im Netz vorgestellt. Für solche Druckprojekte, die auf der Grundlage überlieferten Kunsthandwerks neue Wege suchen, haben wir in unserer Website eine eigene Kategorie eingerichtet: Hier finden Sie alle Bilder des fertigen Zyklus Conversation Pieces von Anna Artaker und eben auch die ersten drei Editionen von Markus Wintersberger. In diesen Blättern kreuzen sich viele Wege: Zwei -und dreidimensionale digitale Strukturen wurden mit dem Fine-Art-Printer verarbeitet, digital weiterentwickelt, vom Laser auf eine lithografische Zinkplatte übertragen und in herkömmlicher Weise als Flachdruck auf ein speziell geeignetes Büttenpapier gedruckt. Diese Elemente durchmischen sich wie in der klassischen Farblithografie. Handelt es sich hier um digitale Strukturen und Techniken des Flachdrucks, so werden sich in unseren nächsten Projekten klassische Handzeichnung und digitale Welten mischen und den Weg in den Tiefdruck und den Hoch- und Prägedruck erweitern. Einstweilen aber ist es Sommer. Genießen wir die Tage!“ Dem ist nur wenig hinzuzufügen. Die Resultate des Projekts finden sich hier. Man sehe und staune.

(André Schinkel)

Di, 16.07.2024

"Kafkas Hut" – Rainer Ehrt stellt in Magdeburg aus.

„Kafkas Hut“ in Magdeburg: Schau mit den Arbeiten von Rainer Ehrt

Es ist ein guter Ort, Rainer Ehrt auszustellen, das Fabularium in Magdeburg (Breiter Weg 10a, 39104 Magdeburg). Das Fachgeschäft für wohltemperierte Buchstaben (so der eloquent-schöne Seitentitel der Einrichtung) im Herzen der ehrwürdigen Ottostadt, die im September auch das 51. Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft beheimaten wird, zeigt unter der Sigle Kafkas Hut neue Arbeiten von Künstler und Pirckheimer-Freund Rainer Ehrt: Zeichnungen, Grafiken und Künstlerbücher. Die Titelei flankiert den Umstand, dass 2024 ein Franz-Kafka-Jahr ist, des großen Prager Erzählers (1883–1924), ohne den die Weltliteratur des zwanzigsten Jahrhunderts anders aussähe, Todestag jährt sich zum 100. Mal ... Die Ausstellungseröffnung im Geschäft in der Grünen Zitadelle zu Magdeburg findet am Freitag, 19. Juli 2024 um 19 Uhr statt, es spricht dazu Pirckheimer-Freundin Sigrid Wege, die zugleich der Schwestergesellschaft vor Ort, dem Verein der Bibliophilen und Grafikfreunde »W. Pirckheimer« e. V., vorsteht. Musikalisch begleitet wird die Vernissage von Carola Perlich am Akkordeon. Rainer Ehrt, der 1960 in Elbingerode im Oberharz geboren wurde und von 1981 bis 1988 an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale) studierte, ist in zweifacher Hinsicht ein Landeskind Sachsen-Anhalts; er lebt und arbeitet heute in Kleinmachnow südwestlich von Berlin, sein Werk wurde vielfach beachtet und geehrt, so mit dem Brandenburgischen und dem Kunstpreis der Stadt Wernigerode. Die Ausstellung im Fabularium ist von Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr und am Sonnabend von 10 bis 16 Uhr bis zum 18.09. zu sehn.

(André Schinkel) 

Mo, 15.07.2024

Heike Bogenberger stellt seit 13.07. Fotografien aus.

Heike Bogenberger: Im Augenblick

Am letzten Samstag, den 13. Juli 2024, wurde die Sonderausstellung im AugenBlick mit Fotografien der Regensburgerin Heike Bogenberger (die auf der Abbildung im Selbstporträt zu sehen ist) im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg e. V. (Rosenberger Str. 9, 92237 Sulzbach-Rosenberg), die noch bis zum 13. Dezember des Jahres zu sehen ist, eröffnet. Die Künstlerin porträtiert darin Schriftstellerinnen und Schriftstellern mit der analogen Kamera. Der Reiz des Augenblicks, das Unumkehrbare prägt ihre Arbeiten. Behutsam nähert sie sich den schreibenden Künstlern an, mal in Schwarzweiß, mal in Farbe. Quer durch die Literaturlandschaft bildet sie mit ihren fotografischen Begegnungen namhafte und weniger bekannte Autoren und Autorinnen ab. Im Zuge dieser Arbeit entstand ein so umfangreiches wie auch berührendes Archiv an Autorinnen und Autoren, die die Gegenwart auf die eine oder andere Weise prägten oder prägen. Auch einige bildende Künstler und Filmemacher, Kritiker und sonst kulturell Tätige finden sich in der umfassenden Bilderbank, die auch im Internet verfügbar ist. Die Ergebnisse sind nun in der Exposition zu sehen. Die Ausstellung ist von Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, am Sonntag von 14 bis 17 Uhr (mit Ausnahme von Feier- und Brückentagen) zu sehen. Ihre Liebe zur Fotografie entdeckte Heike Bogenberger (*1978) bereits als Jugendliche, während ihrer Studienzeit begann sie sich sehr intensiv damit zu befassen. Sie arbeitete unter anderem mit ihren Lehrern Michael Jochum und Katharina Sieverding an gemeinsamen Projekten. Ihre Arbeiten wurden mehrfach in Deutschland und Österreich präsentiert.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

So, 14.07.2024

Am letzten Schultag gab’s Geschenke für die Kinder.
Stolz präsentieren die "Bücherkinder" das Journal, in dem sich alle ihre Texte finden ... | © Armin Schubert

Ein „Argonautenschiff“ voll mit den Texten der Bücherkinder

Einen würdigen Abschluss des Schuljahrs und der begleitenden Bücherkinder-Saison vermeldet Pirckheimer-Freund Armin Schubert aus Brandenburg an der Havel. „Die Texte der Kinder zu Büchern von Anna Seghers haben den Vorstand der Anna Seghers Gesellschaft so begeistert, dass sie alle in das Jahresjournal Argonautenschiff für 2024 aufgenommen wurden. Jedes Kind hat nun diese Wertschätzung in der Hand. So geht Bibliophilie in die neue Generation über“, so der Mentor der kreativen Gruppe, die seit Jahren auch von der Pirckheimer-Gesellschaft unterstützt und gefördert wird. In einem Brief an die Anna Seghers Gesellschaft schreibt der Mentor, ja, und de facto Kreativdirektor der Bücherkinder zudem voll Dank: „… heute war der letzte Schreibtag vor den Sommerferien und am Ende gab es dann die Büchergeschenke. Auf den Tischen lagen wahlweise Texte oder Kopien zu Kant 300, zum Regenbogen mit Arche, zu Jurek Beckers Ein Baum, was ist das schon und von Maja Lunde Die Geschichte der Bienen. Bei der Hitze war es erstaunlich, dass die Kinder am Nachmittag sich solchen Themen noch genähert haben. (…) An die Anna Seghers Gesellschaft nun unseren Dank mit Fotos, denn am Ende gab es das Argonautenschiff. Juhu! Die anderen Kinder sind am Gymnasium, die werde ich nur noch privat sehen und ihnen das Journal schenken. Jedenfalls war die Freude groß, denn es hieß sofort: ‚Und wo ist mein Text?‘ Bitte sagen Sie allen unsern Dank, dass wir nun so geehrt wurden …“ Die Brandenburger Bücherkinder haben in einer Reihe von Jahren bisher sieben Bücher vorgelegt. Zuletzt ehrten sie mit dem Text-und-Bild-Band Pax questuosa Anna Seghers und Núria Quevedo. Auch die Pirckheimer unterstützen und fördern das Projekt, dem zu wünschen ist, dass es in diesen taumelnden Zeiten landesweit Schule machen möge, seit langem. Über den Sommer wird Armin Schubert die neu entstandenen Texte sichten und lektorieren, im kommenden Herbst wird dann entschieden, was an Bildern noch dafür gebraucht wird. Eine gute Nachricht gibt es schon im Voraus: der Berliner Künstler Helge Leiberg steuert ein originales Werk für die kommenden Unternehmungen der Bücherkinder bei. Wohl dem!

(André Schinkel) 

Sa, 13.07.2024

„... lebe in finsteren Zeiten“: Sandra del Pilar in Halle.

Sandra del Pilar: Finstere Zeiten

Unter dem Brecht-Motto „Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten“ lädt vom 21. Juli bis zum 13. Oktober 2024 das Museum Stiftung Moritzburg (Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle) in das gern einmal unterschätzte, sich gern auch einmal selbst unterschätzende Metropölchen an der Saale, das sich zunehmend den ihm gebührenden Platz als Kunstort wagt zuzumessen, ein. Die Schau im restaurierten Flügel der jüngsten aller Saaleburgen zeigt Malerei von Sandra del Pilar. Mit dem Passus beginnt Bertolt Brechts im Exil veröffentlichtes Gedicht An die Nachgeborenen, das heute genauso aktuell ist wie vor knapp hundert Jahren. Vor dem Hintergrund unserer heutigen krisengeschüttelten Zeit, der politisch vielfach ausgerufenen Zeitenwende und dem wiederholt vermuteten Ende der Moderne stellt die Ausstellung die Frage nach der Bedeutung der Malerei. Dazu richtet sie ihr Augenmerk auf die Arbeit der deutsch-mexikanischen Malerin und Post-Konzeptkünstlerin Sandra del Pilar, die selbstsicher und ästhetisch präzise die Themen unserer Zeit ins Bild setzt und reflektiert. Die für die Ausstellung vorgesehene Auswahl aus den letzten zwanzig Jahren soll einen Beitrag dazu leisten, den Begriff der Malerei erneut zu hinterfragen und zu präzisieren. Sie soll die Frage aufwerfen, ob das, was uns Kunst heute zu sagen hat, tatsächlich so ungehört verhallen muss wie einst der mahnende Ruf der antiken Seherin Kassandra. Sandra del Pilars Schaffen wurde vielfach geehrt und weltweit ausgestellt. Die Künstlerin, die im Vorfeld der Ausstellung (Pressekonferenz am 19. Juli) auch in Halle sein wird, lebt in Soest und Cuernavaca.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Fr, 12.07.2024

Blackbox #14: PGH "Glühende Zukunft" bei Bröhans.

PGH Glühende Zukunft bei Bröhan

PGH Glühende Zukunft – Zeichnungen, Plakate, Eigensinn. Berlin 1989–1995, so cool, treffend wie auch originell heißt die Ausstellung, die seit 13. Juni und noch bis zum 08. September 2024 im Bröhan-Museum (Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus, Schlossstraße 1a, 14059 Berlin) in der großen Hauptstadt stattfindet. Unter der Sigle Blackbox #14 stellen eine Künstlerin und drei Künstler aus dem Cartoon- und Illustrationsbereich im erlauchten Berliner Stadtteil Charlottenburg aus. Satte Farben, eine bizarre Figurenwelt und aufmüpfiger Humor – konformistische Langeweile sieht anders aus. Das Grafikdesign dieser „Produktionsgenossenschaft des Handwerks“ der ehemaligen DDR, kurz PGH, strotzt vor energetischem Gestaltungswillen. Ihre Vision einer glühenden Zukunft schrieb sich die Ostberliner Künstlergruppe 1989 kurz vor dem Fall der Mauer selbst auf die wehende Fahne. Ihre Mitglieder Detlef Beck, Anke Feuchtenberger, Holger Fickelscherer und Henning Wagenbreth stehn für die kreative Aneignung des Wandels der Gesellschaft in der Wendezeit. Die Gründung der PGH für künstlerische Produktionen erfolgte 1988 durch Wagenbreth. Bei der Namenswahl stand die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft Blühende Zukunft Pate. In dem Zeitraum, in dem die PGH Glühende Zukunft gemeinsam aktiv war (bis 1995), entstand ein vielseitiges, sozial und politisch engagiertes Werk. Mit der Schau setzt das Bröhan-Museum seine Reihe zu bedeutendem Grafikdesign fort. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 100 Seiten und zahlreichen Abbildungen, er ist zum Preis von 13 Euro an der Kasse erhältlich. Jeden Freitag um 16 Uhr gibt es öffentliche Führungen. Auch drei Familiensonntage werden angeboten; und zur Langen Nacht der Museen (24.08.) ist das Museum ab 18 Uhr geöffnet.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 11.07.2024

Die Jubiläumsschau der Stiftung Schreiner ab 21.07.

Schau zu: 30 Jahre Grafikmuseum Stiftung Schreiner in Bad Steben

Eine ganz besondere Ausstellung wird im Kurhaus Bad Steben (Badstraße 30, 95138 Bad Steben) anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Grafikmuseums der Stiftung Schreiner in der Kurstadt im Oberfränkischen gezeigt. Unter dem Titel Magie der Symbole wird Malerei, Grafik, Skulptur, Installation und Mixed Media aus den mittel- und osteuropäischen Sammelgebieten der Stiftung, namentlich Deutschland, Tschechien, Polen, Rumänien und Bulgarien, gezeigt. Die Exposition ist vom 21. Juli bis zum 13. Oktober 2024 in Bad Steben im Kurhaus und im Foyer des Klenzebaus zu sehen. Kurator und Museumsleiter Dr. Tobias Ertel schreibt dazu: „2024 feiern wir ein doppeltes Jubiläum: 30 erfolgreiche Jahre Grafikmuseum Stiftung Schreiner in Bad Steben mit zahlreichen, vielbeachteten Ausstellungen regional, national und international renommierter Künstler im seit 35 Jahren vereinten Deutschland, die weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus strahlen.“ Weiter heißt es in der Einladung Ertels: „Unter dem Motto Nur Papier, und doch die ganze Welt. 30 Jahre Grafikmuseum Stiftung Schreiner Bad Steben besinnen wir uns einmal mehr auf Ostdeutschland und Osteuropa als die beiden Sammlungsschwerpunkte dieses in Deutschland einzigartigen Spezialmuseums. Als Sinnbilder deuten und ordnen Symbole die Wirklichkeit und werden damit zu einem für uns eminent wichtigen Kompass in einer immer diffuseren Welt, die schließlich lesbar wird. Dieser besonderen Magie spürt die internationale Schau zum 30. Jubiläum des Grafik-museums Stiftung Schreiner nach ...“ Die Vernissage zur Schau findet am 21.07. um 11 Uhr statt.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Mi, 10.07.2024

Die Trauerfeier für Harald Kretzschmar findet am 02.08. auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf statt.

Am 02.08. Trauerfeier und letztes Geleit für Harald Kretzschmar

Mit dem Tod von Harald Kretzschmar (1931–2024) am 28.06.2024 (der Blog berichtete) ging ein großer Karikaturist, Grafiker und Feuilletonist von uns. Der gebürtige Berliner, der knapp siebzig Jahre in seiner Wahlheimat Kleinmachnow lebte und dort auch in seinem Haus starb, gehörte zu den aktivsten Künstlern in seinen Metiers, er wurde für seine Porträtkarikaturen beim Eulenspiegel wie auch die Begründung des Satiricum Greiz weithin bekannt. Seine engsten Angehörigen sowie Pirckheimer- und Künstlerfreund Rainer Ehrt und Frau haben nun die Traueranzeige veröffentlicht. Die Trauerfeier und das letzte Geleit für Harald Kretzschmar finden am 02. August 2024 um 13 Uhr auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf (Bahnhofsstraße 2, 14532 Stahnsdorf) statt. Allen, die an dem Tag nicht dabei sein können, bleibt, ihn im Anblick seiner Kunst, seiner Bücher zu ehren. 

(André Schinkel)

Di, 09.07.2024

Der Enkel wie auch Hüter des Nachlasses von Käthe Kollwitz, Dr. Arne Kollwitz ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am 25.06.24 gestorben. | © Armin Schubert

Berlin: Trauer um Arne Kollwitz

Der viele Jahre als Arzt in leitender Funktion am Franziskus-Krankenhaus in Berlin-Charlottenburg tätige Enkel und Hüter des Nachlasses von Käthe Kollwitz, Arne Kollwitz (1930–2024), ist, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 25. Juni im Alter von 94 Jahren gestorben. Mediziner wie sein Vater und Großvater, wurde er auch als vehementer Streiter für das Werk seiner Großmutter (1867–1945) bekannt, etwa, als es darum ging, ob ihr Werk auch in Berlin (West) weiter gewürdigt sein soll. „Meine Großmutter war eine wagemutige Frau“, so liest man es in einem seiner Interviews (2017) zur Thematik. Auch mit der Pirckheimer-Gesellschaft und den Bücherkindern Brandenburg war Kollwitz verbunden (vgl. die Abbildung, 2. v. r.): „Ich bin sehr traurig“, schreibt Pirckheimer-Freund Armin Schubert in seiner Traueradresse an das Kollwitz-Museum, „und danke ihm sehr für die Unterstützung bei einer Ausstellung und bei Aktionen der Jugendlichen, die an Käthe und Peter Kollwitz erinnerten.“ Arne Kollwitz hatte die Galerie Sonnensegel e. V. in Brandenburg an der Havel besucht und im Verbund mit dem Museum auch die Arbeit der Bücherkinder gefördert. 

(André Schinkel)

Mo, 08.07.2024

"Am Rand entlang", der jüngste Gedichtband von Harald Lindig fasst in vier Kapiteln ausgewählte und neueste Gedichte des Autors aus Manebach ganz in der Nähe der Goethestadt Ilmenau. Das Lyrik-Buch ist im Verlag von Harry Ziethen erschienen und mit sechs Kaltnadelradierungen von Frank Rothämel aus dem südthüringischen Zella-Mehlis ausgestattet.
Bei der Suhler Premiere des Buchs. | © Holger Uske

Lindigs lyrische Landschaften

Zum neuen Gedichtband „Am Rand entlang“ des Ilmenauer Autors Harald Lindig 

Harald Lindig ist seit Jahrzehnten eine markante Größe im literarischen Südthüringen. Mit seinen verspielten, phantasievollen und zumeist den gängigen Begriff gerade angesagter Literatur konterkarierenden Arbeiten stößt er immer wieder auf große Resonanz. So geschehen auch bei den Premieren seines neuen Gedichtbandes Am Rand entlang am 18. Juni 2024 in Ilmenau und am 19. Juni in Suhl. Wer Lindigs Auftritte kennt, weiß, dass er dabei nichts dem Zufall überlässt. Sein Vermögen, die Zuhörer auf seine poetischen Ausflüge mitzunehmen, ist beeindruckend und spiegelt sich in seinem im Oschersleber Dr. Ziethen Verlag erschienenen 96-seitigen neuen Band. Lindigs thematische Vielfalt reicht von den letzten Geheimnissen der ihn umgebenden Thüringer Landschaft – zuweilen gespickt mit Kindheitserinnerungen – über eingestandene Distanz zu kommunikativen Verzerrungen bis zu tief durchlittenen Erfahrungen. Wie sonst käme Wahrheit ins Gedicht? Mit dem Buch setzt der Autor einen weiteren Meilenstein auf seinem literarischen Weg. 

Herausgeber André Schinkel aus Halle, der seit langem der Südthüringer Szene zur Seite steht, sagt zu der neuen Publikation in seinem Nachsatz: „Harald Lindig hat ... über die Jahre eine ganz und gar eigene Stimme entwickelt und bewahrt – sein Gedicht ist scharf im Sinn und konkret wie poetisch in der Ansprache zugleich, changierend zwischen großer Sicherheit im Tritt und Aufbegehren für die Wahrheit in den Dingen.“ Dem studierten Physiker Lindig gelingt es in seinen Texten, seine überbordende Fantasie in ein Spannungsfeld zu setzen zur allzu oft scheinbar banalen Wirklichkeit. In Kopfbahnhof heißt es beispielsweise: „Treppen fluten Vorhallen, / Katzen jammern hinter den Türen / der Schließfächer, / in den Höhlen der Unterführungen / lauert das Vorübergehen.“ In Wildnis ist zu lesen: „Berge ballen / Permafrost-Fäuste.“ Der Leser ahnt das Verhängnis, das hinter diesen Zeilen wohnt, das scheinbar einfach Gesagte birgt auch die Gefährdungen unserer Welt. Der Dichter Harald Lindig spielt subtil mit Wahrnehmungsmustern wie einst der „Kleinen Hufeisennase“ (im Gedicht Bumerang), vermag aber ebenso die Schönheit des Augenblicks einzufangen wie in Nach Mitternacht, wo von einer weißen Katze „mit dem Halsband / aus Mondleuchten / unten am Gartentor“ die Rede ist. Ebenso verfremdet er Erlebtes – und kehrt dabei zum Eigenen zurück, wie in Durchs Moor zu lesen: „hinter den Feldern / tröste ich die Roggenmuhmen / die ermattet an den Böschungen / der Wege liegen // sie aber helfen mir / aus meiner alten Haut“.

Lindigs lyrische Landschaften sind oft leicht im Ton, fast immer hintergründig, in jedem Falle aber überraschend in den poetischen Wendungen. Ihnen sind fünf Tuschzeichnungen und Kaltnadelradierungen des Zella-Mehliser Künstlers Frank Rothämel zugesellt, die den Blick auf die Wege am Rand entlang erweitern. So zugewandt Lindig auch agieren mag, sein Vertrauen in das Funktionieren der Gesellschaft hat, auch aufgrund seiner 70-jährigen Lebenserfahrung, deutliche Risse erlitten. Im Titelgedicht Über den Rand heißt es zum Schluss: „im Sonnenwind / Glutnester treiben / sorgsam unbewacht / Farben wechseln // sich hüten / vor den Menschen“. Diese lyrische Stimme aus dem Ilmenauer Ortsteil Manebach sollte als Bereicherung der mitteldeutschen Literaturlandschaft unbedingt Gehör finden. (Harald Lindig: Am Rand entlang. Neue Gedichte. Mit Grafiken von Frank Rothämel. Ausgewählt von André Schinkel. Br., Oschersleben: dr. ziethen verlag 2024. 96 Seiten. ISBN 978-3-86289-237-2. 15 Euro.) 

(Holger Uske)

So, 07.07.2024

Neu bei Büchergilde und im aktuellen "Grafikbrief": Grafiker und Buchkünstler Marcel Mayer aus Basel.

Marcel Mayer bei der Büchergilde

Einem Schweizer Künstler, der einen weiten Bogen durch die Welt (so etwa Kanada, Frankreich und den Kaukasus) schlug, widmet sich die aktuelle personale Ausstellung in der Büchergilde Buchhandlung & Galerie in Frankfurt am Main (An der Staufenmauer 9, 60311 Frankfurt am Main), die seit dem 01. Juli und bis zum 31. August (Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–17 Uhr) zu sehen ist. Ausgestellt sind diverse Grafiken und originalgrafische Bücher des 1965 dort geborenen Künstlers Marcel Mayer, der sein Basiscamp in (sic!) Basel aufgeschlagen hat. Zu sehen sind unter anderem Impressionen aus der armenischen Hauptstadt Jerewan und auch die Ausgabe der Zeitschrift Xylon, die Marcel Mayer 2008 gewidmet wurde, ist dabei. Der Grafiker und Buchkünstler leitete eine Reihe Jahre das druckwerk in seiner Heimatstadt, bekleidet derzeit einen Lehrauftrag an der Schule für Gestaltung daselbst. Alle weiteren Informationen dazu gibt es im neuen Grafikbrief.

(Bert Blaubart)

Sa, 06.07.2024

"Burgis Bestiarium" wird online in Wien ausgestellt.

Online: Burgis Bestiarium in Wien

Susanne Padbergs Galerie Druck & Buch in Wien (Berggasse 21/2, A-1090 Wien) lädt zur Online-Ausstellung ein, die bis zum 01. September auf der Seite des Ausstellungsortes ganz in der Nähe des Sigmund-Freud-Hauses in der österreichischen Kapitale zu sehen ist. Ausgestellt werden laut Ankündigung: „Ausgewählte Unikatbücher von Burgi Kühnemann zu Fabeln von Jean de La Fontaine ... Und auch Goethe, die Brüder Grimm und Heinrich von Kleist sind dabei!“ Und weiter heißt es: „Burgi Kühnemann (*1935) belegt eine ganz eigene kraftvolle Position in der Buchkunst. Ihre Unikatbücher, Text und Bild wie organisch verbindend, sind mit spitzer Feder gezeichnet und mit entschlossenem Strich gemalt, fast 100 Fabeln von Jean de La Fontaine hat sie ins Bild gesetzt. Eine Auswahl ist nun hier über den Sommer zu sehen, zusammen mit ungewohnten ‚Lesarten‘ von Kleist, Goethe und den Brüdern Grimm.“ Diese reiche Reihung kann durch Anklicken angewählt werden, es sind die Bücher dann stets vollständig einsehbar. Sie finden sich alle unter diesem Link.

(André Schinkel/Pressemitteilung)