Pirckheimer-Blog

"Nacht am Gebirgssee" (Lyrische Blätter X), Text von Stefan Zweig, Grafik: Klaus Raasch, Umschlag: Gerit Depping, edition sonblom 2024, Auflage: 30 numm. Exemplare: Das "Bibliophile des Monats" im Oktober.
Mo, 21.10.2024

Zweigs „Nacht am Gebirgssee“

Leise zieht mein Boot in blassen Wellen,

Die den Sternenreigen funkelnd spiegeln, 

Breite, duftumhüllte Silberquellen 

Rinnen von den mondbeglänzten Hügeln. 

 

Und der Nebel sinkt in faltenschweren 

Lichtgewanden müde um die Bäume, 

Dunkeltrotzig starren rings die Föhren 

Wie versteinte, sorgendüstre Träume. 

 

Und von wildzerzackten Felsenwänden 

Schwebt die Nacht behutsam durch die Stille 

Und sät Frieden aus mit leisen Händen … 

Lautlos zieht die blanke, schwanke Zille. 

 

Lautlos schmiegen sich die weichen, feuchten 

Bergseefluten an die helle Planke … 

Tiefe Ruh … Nur fern ein Wetterleuchten 

Wie ein wachgewordener Gedanke …

 

Stefan Zweigs (1881–1942) Gedicht erschien soeben als zehnte Ausgabe der Lyrischen Blätter in der Münsteraner edition sonblom mit einem Farbholzschnitt von Klaus Raasch. Das Kleinod, das die Herzen der Lyrik- wie auch der bibliophilen Freunde gleichermaßen höherschlagen lässt, ist in einer Zahl von 30 Exemplaren aufgelegt worden. Zu haben ist es für 130 (im Abo 110) Euro.

 

(André Schinkel)

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