Er dürfte unter den deutschsprachigen Dichtern der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts einer der größten gewesen sein: Wolfgang Hilbig (1941–2007). In Meuselwitz geboren unter an sich den Künsten nicht unbedingt günstigen Sternen, entwickelte der über die Umwege Leipzig, Hanau, Nürnberg, Edenkoben schließlich nach Berlin gelangende, aber Zeit seines Lebens und Schreibens seiner sächsisch-ostthüringisch geprägten Geburtsstadt verbunden Bleibende, dessen Texte 2002 mit dem Peter-Huchel- und dem Georg-Büchner-Preis gekrönt wurden, ein fulminantes Werk. Gründend in der Lyrik, entstanden atemberaubende Erzählungen und Novellen, drei skurril-bedrückende Romane, auch Essays ... vor allem aber prägte Hilbigs Unbedingtheit und Hingabe an die Arbeit eine ganze Reihe ihn umgebende und ihm nachfolgende Dichter und Erzähler. Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft mit Sitz in Leipzig lädt nun zu einer Folge Veranstaltungen ein, die sich dem Meister widmen. Am 04. Juni wird es im Haus des Buches (Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig) um 19.30 Uhr ein Übersetzergespräch mit Bernard Banoun, der Professor an der Pariser Sorbonne ist und dessen Übertragung von Hilbigs Alter Abdeckerei im Frühling erschien ... sowie Tevfik Turan, der die Alte Abdeckerei ins Türkische übersetzte. Es moderiert Roberta Gado, auch sie Mitglied der WHG. Bereits am 02. Juni, dem Todestag des Dichters, trifft man sich um 14 Uhr zu einer poetischen Reverenz an Hilbigs Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin. Dazu spricht Michael Ostheimer. Und am 03. Juni führt Volker Hanisch die Gäste durch Wolfgang Hilbigs Meuselwitz. Dabei wird auch der japanische Hilbig-Spezialist Hiroshi Yamamoto, der an der Universität Tokyo lehrt, erwartet. Weiter geht es am 13. Juni, wiederum in Leipzig: Im HdB liest Wilhelm Bartsch aus seinen neuesten Gedichten, die mehrere Reminiszenzen an W. H. enthalten. Beide Dichter waren eng befreundet. Und auch dür die Traditions-Lesung am Vorabend des Hilbig-Geburtstags ist gesorgt: Am 30.08. geben sich dort Nico Bleutge und José F. A. Oliver die Ehre.
(André Schinkel/Pressemitteilung)