NEUES AUS ROBERTS KLEINER BÜCHERECKE
Meine kleine Buchvorstellung dient als Teaser für meinen Vortrag am 07. Juni 2024 bei den Magdeburger Pirckheimern im Literaturhaus der Elbestadt (Thiemstraße 7, 39104 Magdeburg, Stadtteil Buckau). Er widmet sich Leben und Werk von Alexandre Dumas dem Älteren (1802–1870), der der meistgelesene Autor französischer Sprache in Deutschland ist. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Vortragssaal des Literaturhauses. Heute im Fokus: sein Kapitän Pamphile von 1839.
Alexandre Dumas:
Kapitän Pamphile.
Aus dem Französischen
von Jörg Trobitius.
Mit einem Nachwort
von Alex Capus.
München: Manesse 2007,
Bibliothek der Weltliteratur,
geb., 400 S., 13,45 Euro,
ISBN 978-3-71752-112-9.
Alexandre Dumas:
Kapitän Pamphile.
Jörg Trobitius (Übersetzer)
Sonderausgabe Büchergilde Gutenberg
Illustriert von Dorothea Huber
Nachwort von Alex Capus
Vorzugsausgabe mit 2 nummerierten
und signierten origiginalen Grafiken,
geb., 269 S., antiquarisch,
ISBN 978-3-76325-940-3.
Einer mildtätigen Anwandlung folgend, rettet er, „der Verfasser“, in einem Pariser Delikatessen-Geschäft eine Schildkröte vor ihrem sicheren Ende als Suppeneinlage. Doch bereits anderntags ist er des Tieres und seiner unappetitlichen Essgewohnheiten gründlich überdrüssig. Kurzerhand macht er es seinem Freund, dem Maler Decamps, zum Geschenk, dessen Atelier bereits einer kleinen Menagerie gleicht. Die meisten der anderen Tiere haben einen weit längeren Weg hinter sich als der Neuzugang: Kapitän Pamphile, einer der illustren Bekannten des Malers, hat sie von seinen abenteuerlichen Seereisen mitgebracht. Und von diesen Reisen wird erzählt, wann immer Decamps seinen bunten Freundeskreis um sich sammelt. So erfährt man nicht nur, wie die Tiere in Pamphiles Hände gerieten, sondern auch, was der geschäftstüchtige Kapitän unterwegs sonst an skrupellosen „Heldentaten“ vollbracht hat. Dumas’ Kunstgriff besteht darin, die haarsträubenden Episoden sämtlich im Ton ungerührter Selbstverständlichkeit zu erzählen, als handle es sich bei Pamphiles merkantilen Schurkenstücken um Geniestreiche an Mut und Geschicklichkeit. Und aus dieser Doppelbödigkeit, den scheinbar drollig erzählten, doch alles andere als harmlosen Tier- und Seegeschichten, gewinnt der Roman seine einzigartige, bitterböse Komik.
Alexandre Dumas:
Captain Pamphile.
Hrsg. v. Gunter Reski u. Marcus Weber
Philo Fine Arts 2011, 25 Euro,
240 Seiten, davon 192 in Farbe.
Mit Texten von Esther Buss u.
Hans-Jürgen Hafner,
deutsch und englisch,
ISBN 978-3-86572-026-9.
Das Buch erschien begleitend zur von Gunter Reski und Marcus Weber kuratierten Ausstellung in der Sammlung Falckenberg / Phoenix Kulturstiftung, Hamburg-Harburg. Ausgangspunkt ist auch hier Alexandre Dumas’ aberwitziger Roman Kapitän Pamphile. Obwohl 1839 erstmals veröffentlicht, entpuppt sich das Frühwerk von Dumas gerade heute wieder als treffsicherer Kommentar zum aktuellen Zeitgeschehen. In ihm beschreibt Dumas belustigt in sarkastischem Unterton die wilden rücksichtslosen Abenteuer des Piratenkapitäns Pamphile. In der Ausstellung wurden nun bildträchtige Schlüsselstellen des Romans von den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern interpretiert. Auf diese Weise entsteht eine Art Bildroman oder Pictorial Novel, welcher/welche prägnante Erzählpassagen der Vorlage annähernd erkennen lässt. Eine vielfältige Autorenschaft führt hier auch zu einem Hauch Gesamtkunstwerk. Zudem mischt sich die vermeintlich vordergründige Bebilderung einer skurrilen Geschichte gezielt mit Reflexionen über das eigene Metier.
(Robert Grieger)