Er gehört zu den zu Unrecht Vergessenen des letzten, kriegszerbrochenen Jahrhunderts: der Dichter Walter Bauer (1904–1976), dessen 50. Todestag 2026 in seiner Vaterstadt Merseburg mit einem Walter-Bauer-Jahr begangen wird ... und dessen Lebens- wie Autorenschicksal so symptomatisch wie auch eigen für das zwanzigste Centennium ist. Mit seinen beiden ersten Büchern Kameraden, zu euch spreche ich (1929) und mehr noch Stimme aus dem Leunawerk (1930) wurde Bauer quasi über Nacht berühmt. Dem folgten bewegte Jahre u. a. als Soldat im Weltkrieg und als Autor in der alten Bundesrepublik. Mit dem Geist der Restauration nicht glücklich, verlässt Bauer Europa und geht nach Kanada, wo er in Toronto landet, sich zunächst als Tellerwäscher und Packer durchschlägt, noch einmal studiert und schließlich – Lektor und Dozent für deutsche Sprache und Literatur wird. Um die Wiederentdeckung Walter Bauers hat sich Jürgen Jankofsky verdient gemacht. In der Auslese von Steffen Marciniak und Thomas Rackwitz erschien in der Lyrikedition NEUN nun eine Auswahl seiner Gedichte unter dem Titel Wachtfeuer. Pünklich zum Walter-Bauer-Jahr 2026, das seine Herkunftsstadt feiert, gibt es guten Einblick in das existentialistische, berührende Werk dieses Dichters, der zu Lebzeiten neunzig Bücher veröffentlichte und sich doch erst spät zum Schreiben in englischer Sprache entschloss. Anders wäre er womöglich, so sein Freund Henry Beissel, einer der elementaren kanadischen Dichter der Moderne geworden. Die Lektüre dieses Autors lohnt in jedem Fall – im Mitteldeutschen Verlag wird im Übrigen eine Reihe in seinem Namen ediert. Marciniaks wunderbare Edition erscheint im Verlag der 9 Reiche in Berlin, der Pirckheimer Steffen Büchner liefert die Linolschnitte für die 32-seitigen Bändchen, in ihr haben namhafte und zu entdeckende Dichterinnen wie Dichter v. a. der Gegenwart veröffentlicht: Jürgen Egyptien, Ingo Cesaro, Charlotte Ueckert, Thomas Böhme u. v. m. Vieles dreht sich in der Edition um die Zahl neun, so sind die Hefte für 9 Euro zu haben, die Vorzugsausgaben erscheinen in neun Exemplaren ... August-Sammel-Tipp!
(André Schinkel)