Pirckheimer-Blog

In der KHB zuhause: Henri Matisses Blattfolge "Jazz". In den gebundenen Fassungen, verlegt von Tériade 1947, gehört es zu den wichtigsten Künstlerbüchern des letzten Jahrhunderts. Einige der insgesamt 20 Blätter sind in Bremen bei "Kunst fühlen" zu sehen.
Das berühmte Kupferstichkabinett der Kunsthalle in Bremen beherbergt über 220.000 grafische Objekte, Vorlagezeit: stets am Di 10–16 Uhr. | © Marcus Meyer
Fr, 18.07.2025

Sommertipp: Kunsthalle Bremen

Für Christian von Hoffen, in Dankbarkeit und Freundschaft.

Wen es im Sommer in den Norden zieht, der möge einen Stopp in Bremen erwägen. Die lebhafte Metropole an der Weser ist eine stolze, ausgewiesene Kunststadt mit einer Reihe beeindruckender Sammlungen rund um das Welterbe-Ensemble (Altes Rathaus und Roland) am Markt. Dort gibt es unterhalb des Markts auch gleich eine Kulturattraktion hohen Ranges zu sehen, die Böttchergasse, die 1926 u. a. von Bernhard Hoetger (1874–1949) errichtet wurde, mithin ein seltenes Beispiel für den Backsteinexpressionismus abgibt und Museen für Paula Modersohn-Becker (1876–1907) und die Sammlung Roselius beherbergt. Der Kulturtipp schlechthin aber soll für die Kunsthalle Bremen am Wall 207, inmitten eben der Kulturmeile der Weserstadt gelten. Das Haus dürfte eine der schönsten Kunsthallen Deutschlands sein und das einzige große Kunstgebäude daselbst, das über den Kunstverein Bremen e. V. in bürgerschaftlicher Trägerschaft ist. Es beherbergt in seiner fixen Sammlung Werke aus sieben Jahrhunderten Kunstgeschichte, darunter Großwerke von Vincent van Gogh, Pablo Picasso (das Café im Foyer der Kunsthalle heißt nach einem seiner ausgestellten Gemälde Sybille), Edvard Munch, Käthe Kollwitz oder der Worpsweder Künstler und Künstlerinnen. Neben der wachsenden Hauptsammlung (in der seit kurzem auch die Audvideo-Installation Pixelwald Wisera von Pippilotti Rist einen eigenen Bereich füllt) richtet die Kunsthalle immer wieder thematische und Sonderausstellungen aus, in diesem Sommer und Herbst sind das Kunst fühlen: Wir. Alle. Zusammen (bis 07.09.) und Mis(s)treated: Mehr als deine Muse! (bis 03.08.), die besonders berühren: Outsider Art und Kunst im Spiegel vom Leben mit Behinderung und Krankheit einerseits und: die künstlerischen Statements starker Frauen – Margit Manz, Yoko Ono oder Gabriele Stötzer, die sich aus dem patriarchalen Staubzopf der Szene kühn wie vehement befrei(t)en. Beide Ausstellungen sind interaktiv samt Schreib- und Bastelstraße sowie einer Schule der Empathie. Noch bis zum 27.07. gibt es französische Zeichnungen von Watteau bis Corot zu sehen; und ein Edeltipp für die Pirckheimer ist das Kupferstichkabinett der Kunsthalle, das 220.000 Grafiken beherbergt. Vorlagezeit für die zarten Objekte der Sehnsucht ist immer Dienstag von 10 bis 16 Uhr. Auch fein: das Weserburg-Museum. Und ... der Bus nach Worpswede fährt 52 Minuten!

(André Schinkel)

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