Pirckheimer-Blog

So, 27.08.2017

Schriller Dichterfürst

Der junge Gerhart Hauptmann in der Villa Lassen, eine gedruckte Fotografie, das Klischeeraster ist zu erkennen. So ist sie im Gerhart-Hauptmann- Museum Erkner zu sehen und nun bis 3. Oktober auch noch auf der Burg Beeskow in der Ausstellung „Gerhart Hauptmann und seine Bilderwelten“. Diese ist aus dem freien Künstler- Pleinair hier vor Ort mit vier deutschen und drei polnischen Künstlern im September 2016 hervorgegangen. So kennt man den Dichter: fliehende Stirn, darüber wie ein Heiligenschein im Halbkreis der Haarkranz, der sich zu der charakteristischen Mähne entwickeln wird, ernster, bedeutungsvoller Blick. Für den 1966 in Kamienna Gora (Polen) geborenen Fotografen Janusz Jaremen war dieses Bild in der Villa Lassen in Erkner die Inspiration und das Material für ein eigenes Kunstwerk. [ ... ] So wie Janusz Jaremen versucht sich auch der Leipziger Wolfgang Böttcher, Jahrgang 1948, mit „Der Dichterfürst“ als Denkmal auf einer teilweise vergoldeten Gouache direkt der Person zu nähern. Von Erika Stürmer- Alex, der 1938 geborenen und zwischen 1992 und 2015 vielfach mit Preisen geehrten „Grand Dame“ der brandenburgischen Künstlerschaft, ist eine mit leichter Hand ausgeführte, sensible Tuschzeichnung „Porträt G. Hauptmann 2“ zu sehen. Porträts finden sich weiterhin in Gemälden bei Marchin Znamienkiewicz, geboren 1972, in „Brief“, bei Janusz Jaremen in „The man with green glasses“ und bei Janusz Konecki, 1954 geboren, in „G. Hauptmann“. [ ... ] Die 1952 geborene Brigida Böttcher zum Beispiel wartet mit „Pippa“ und „Rose B“ auf, großformatigen, dekorativen Acrylbildern mit grazilen puppenhaften Gestalten, die in ihrer Eleganz ins Heute gerückt sind. Die Ausdrucksweisen der sieben Künstler reichen von dem skurril verfremdeten Realismus bei Brigida Böttcher bis zu vollständig abstrakten Darstellungen. Thematisch geht es ebenfalls von konkreten Bezügen bis zu Verallgemeinerungen, die Stimmungen oder Grundhaltungen wiedergeben. Ein besonders ausdrucksvolles Beispiel bietet die 1947 geborene Bildhauerin Sylvia Hagen, die zwei Mal den Brandenburgischen Kunstpreis erhielt. [ ... ]

Für Burgdirektorin Florentine Nadolni ist es ganz wichtig, dass auf der Burg Beeskow nicht nur Ausstellungen gezeigt werden, sondern dass hier seit den frühen 90er-Jahren auch Kunst entsteht. „Hier ist der Ort, von dem man sich inspirieren lassen kann, zu künstlerischer Arbeit, die in Gemeinschaft mit anderen Künstlern eine eigene Dynamik erfährt, welche sich dann in den Werken widerspiegelt.“

(Elke Lang in MOZ, 17.8.2017, S. 18)

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