Die Galerie 100 in Berlin war gerammelt voll. Bis auf die Straße stand man, um der Eröffnungsrede von Hans-Eberhard Ernst zuzuhören – einer Eröffnung für Matthias Gubig. Der Typograf und Grafiker zeigt seit dem 19. Oktober Bilder & Bücher oder, wie er es im Untertitel nennt: „Zeitzeichen aus fünfzig Jahren“.
Eingestimmt durch die Kompositionen von Jasper Libuda, der mit Kontrabass und Loop-Station seine ganz eigene, melodische Form aus Drone und Kammermusik darbot, führte Ernst durch das Œuvre und Leben von Gubig, der seit acht Jahren auch die Marginalien für die Pirckheimer-Gesellschaft gestaltet.
Er erzählte vom ausgebombten Kind aus Dresden, das zum Professor für Typografie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee aufstieg, der unzählige Bücher gestaltet hat (auch als »schönste« ausgezeichnete), Grafiken und Typografiken schafft, mit Plakaten die Zeiten kommentiert, und als Typograf eben generell wisse, „wie man mit Umbrüchen“ umgehe. Das Publikum quittierte das Wortspiel lachend.
Von Holzstichmontagen aus den 1970ern über Buchgestaltungen und Plakate der 1980er und 1990er bis hin zu den Spätdrucken, in Eigenregie von Matthias Gubig geschaffenen Büchern der Jetztzeit, ist die Spannbreite und spielerische anregende Wirkung der ausgestellten Objekte in zwei Räumen groß. Noch bis zum 18. Dezember kann man sich in der Galerie 100 davon selbst überzeugen.
Matthias Gubig:
Bilder & Bücher.
Zeitzeichen aus fünfzig Jahren
Galerie 100
Konrad-Wolf-Str. 99
13055 Berlin
19.10.–18.12.2022
(Till Schröder)