Die Landesbibliothek Oldenburg zeigt seit heute eine Retrospektive des bedeutenden Buchgestalters Otto Rohse.
Vielen Menschen ist Otto Rohse vor allem durch seine zahlreichen Sondermarken für die Deutsche Bundespost bekannt – besonders durch die Briefmarken-Dauerserie „Deutsche Bauten aus 12 Jahrhunderten“, die zwischen 1964 und 1969 erschien. Die Einbeziehung von Bauten im Gebiet der DDR bei der Bundespost der BRD war in den 60er Jahren ein Politikum.
Seine herausragende künstlerische Bedeutung entfaltete Rohse jedoch als Typograph und vor allem als Illustrator bibliophil gestalteter Bücher mit meisterhaften Holzstichen und Kupferstichen.
Ab 1948 studierte er in Hamburg an der Landeskunstschule Zeichnung, Typographie und Buchgestaltung. 1952 wurde er Assistent von Richhard von Sichowsky (1911 – 1975) und Mitarbeiter an dessen „Grillen-Presse“, bis er sich 1956 selbständig machte und zunächst Arbeiten für Verlage und Bibliophilengesellschaften ausführte, wie z.B. den Claassen Verlag, den Heinrich Ellermann Verlag, die Büchergilde Gutenberg oder die Maximilian-Gesellschaft.
1962 gründete Rohse eine eigene Presse - die „Otto Rohse Presse“ in Hamburg. Zwischen 1969 und 1999 gab er außerdem die Zeitschrift „Sigill. Blätter für Buch und Kunst“ heraus. Mit der Gründung einer eigenen Presse knüpfte Rohse an die große Tradition der bibliophilen Pressen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an. Die Pressendruckbewegung entstand Ende des 19. Jahrhunderts in England als künstlerischer Gegenentwurf zur massenhaften, industriellen Buchproduktion. Ziel war das ideale Buch, die vollkommene künstlerische Einheit von Inhalt (literarischem Text) und Form (Schrift, Satz, Illustration, Einband, Material) in perfekter handwerklicher Ausführung. Die 52 Bücher und Mappenwerke der Otto Rohse Presse, die zwischen 1963 und 2001 entstanden, wurden vom Künstler bis ins kleinste Detail durchkomponiert und bis auf wenige Ausnahmen von Rohse selbst illustriert, in seiner Druckwerkstatt gesetzt und in teilweise mehrstufigen Verfahren gedruckt.
Ausstellung 3. Mai - 30. Juni 2018
Landesbibliothek Oldenburg, Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg