November ist der Monat, in dem wir am Totensonntag der Toten gedenken, ein Monat, der uns auch mit dem Vergehen in der Natur die Endlichkeit alles Lebendigen vor Augen führt. Für manchen Exlibrissammler ist die Erinnerung an diese Sterblichkeit, das Memento Mori zu einem Thema für sein Exlibris geworden oder gar ein Sammelschwerpunkt.
Die junge ukrainische Künstlerin Oleksandra Sysa hat auf ihrem Exlibris für mich das Thema in einer einfühlsamen Radierung poetisch-symbolisch dargestellt. Der menschliche Torso hinter der Brüstung presst mit der rechten Hand ein Bündel Pflanzen bewahrend gegen seinen oder ihren Körper, während der linken Hand, die über die Brüstung ragt, eine einzelne Pflanze zu entgleiten droht, um ins Nirgendwo jenseits der Mauerbrüstung zu fallen. Allein mit der Darstellung der Hände vermittelt Oleksandra Sysa unser Bemühen, Leben festhalten zu wollen.
Man wird beim Betrachten des Exlibris an die Stelle im Brahms-Requiem erinnert, in der es heißt:
Denn alles Fleisch
es ist wie Gras
und alle Herrlichkeit des Menschen
wie des Grases Blumen.
Das Gras ist verdorret
und die Blume abgefallen.
(Heinz Decker)