In memoriam Peter Demetz (1922–2024), too.
Diese Nachricht, auch wenn man sie befürchtete schon, erschüttert den literarischen Globus: Paul Auster (1947–2024) ist tot. Er starb am gestrigen 30. April in seiner Wahlheimatstadt New York, die auch für sein Werk, etwa 30 Bücher, die in 40 Sprachen übersetzt wurden, prägend war. Seinem Debüt 1982 unter seinem Klarnamen (er hatte zuvor bereits unter zwei Pseudonymen publiziert), das sich distanziert mit dem Tod seines Vaters auseinandersetzte, folgte von 1985 bis 1987 der Ruhm in Gestalt der Bände seiner New-York-Trilogie nicht ganz auf dem Fuß, Austers experimentelle Krimis waren zunächst 17-mal abgelehnt worden, erst ein kleines Publishing House erbarmte sich. Aber von da an war es nicht mehr aufzuhalten: Es folgten weitere Großwerke wie Leviathan (1992) und Mr. Vertigo (1994) bis hin zu Invisible (2009) und dem 1.250-Seiten-Klopfer 4 3 2 1 (2017) und seinem finalen Buch, dem schmalen und höchstgradig persönlichen, sprichwörtlich mit den letzten Dingen befassten Baumgartner (2023). Es zeigt den verlöschenden Erzähler noch einmal auf der Höhe seiner einzigartigen Gabe. Austers narrative und erwägende Motivik beschäftigt sich mit den Gegensätzen von natürlicher und symbolischer Ordnung, darin ist er als Romancier, Novellist und Dramatiker wie Essayist intentionell den Transzendentalisten (Thoreau und Hawthorne) des vorletzten Jahrhunderts ähnlich und transformiert diese Denk- und Interpretationsansätze in unsere Zeit. In zweiter Ehe war Paul Auster mit Siri Hustvedt (*1955) verheiratet, die selbst eine überaus erfolgreiche Romanautorin ist. Die Gegenwart verliert mit Paul Auster einen ihrer größten Erzähler.
(André Schinkel/Pressemitteilung)