Dieses Mal sind es zwei gute Nachrichten hintereinander: Nach der gestrigen Verkündung des Friedensnobelpreises braucht man das Ende der Aufklärung noch nicht mit dem Gedanken an jene gruselclownesken Einforderungen verbinden, die durch das Mediendickicht schipperten – noch nicht, wie gesagt. Und dass László Krasznahorkai, wie wir seit zwei Tagen wissen, den diesjährigen Literaturnobelpreis enthält, ist in gewisser Weise die Bestätigung eines in der Welt noch möglichen besseren Trends: Einen Ungarn hatte mancher in diesem Jahr sicher auf der Liste, aber womöglich nicht Krasznahorkai. Der aus Gyula an der Grenze zu Rumänien (aus dem auch der Vater Dürers nach Deutschland dereinst kam) stammende Autor hat seit Satanstango (1985) sein in der Tradition von Kafka und Bernhard gesehenes Werk konsequent vorangetrieben, zuletzt erschien von ihm auf deutsch die Erzähltrilogie Im Wahn der Anderen mit Zeichnungen von Max Neumann (S. Fischer 2023). Ein mehr als würdige Wahl, reiht sich doch der Erzähler damit endgültig in die Phalanx der großen ungarischen Erzähler, unter denen er nach Imre Kertész (2002) der zweite Nobelgeehrte ist, ein. Und ein Appell an die Leidenschaft in der Kunst und die Aufrichtigkeit in den Dingen. Gut.
(André Schinkel/Pressemitteilung)