[Ex ungue leonem.]
Horus erscheint, der Stern an der Spitze des Himmels,
Jetzt, wo unser der Untergang ist. Das Mansfeld
Durchfurcht, durchspreizt von pharaonischen Schiffen
Aus Schutt oder Sonne; und die knurrigen Heiden
Ushebtis: die Pyramiden langsam zu glätten, die Spitzen
Zu richten mit Steinstaub aus Tura ... und: ihr Ge-
Heimnis fortan zu bewahren. Die raschelnde Hand
Neferirkares, die verschollene Büste des Cheops in einem
Papierkorb versteckt am Eisleber Meer. Zunächst aber
rollen
Die heiligen Loren durch die Mittleren Seen, in gläsernen
Röhren und Taucheranzügen; über die eisigen Gletscher
Der Alpen, um schließlich im Erzherz von Deutschland
Zu landen, vermeintlich geschützt, vor den Blicken
Derjenen, die wissen; ohne Halt ohne Rast, quer durch
Europa, es sei denn, an der Todesstation Glacier Similaun.
André Schinkels Buch Mondlabyrinth, enthaltend 92 neue Gedichte und Akrostichen in vier Kapiteln, erscheint im September in seinem Haus-, dem Mitteldeutschen Verlag. Broschiert, 160 Seiten, ISBN 978-3-96311-686-5, 20 Euro. Die Umschlagradierung für die Sammlung stammt von Susanne Theumer. Buchpremiere am 19. September, Literaturhaus Halle, Grüner Salon, 19 Uhr.
(Bert Blaubart)