Katharina Wagenbach-Wolff wurde am 19. Juli 1929 in Berlin geboren. Von 1983 bis 2017 betrieb sie die Friedenauer Presse im Alleingang, baute mit Geduld und Hingabe einen Verlag auf, der in der Verlagslandschaft bis heute seinesgleichen sucht. Sie hat die literarische Landschaft ihrer Zeit geprägt - und war ihr weit voraus als Verlegerin-Pionierin. Wir gratulieren Katharina Wagenbach-Wolff von Herzen zu ihrem 90. Geburtstag.
Katharina Wagenbach-Wolffs Urgroßvater, M. O. Wolff, war ein berühmter Verleger in Sankt Petersburg, ihr Vater Andreas Wolff gründete 1929 Wolffs Bücherei in Berlin und 1963 die Friedenauer Presse. Nach dem Studium in Lausanne absolvierte Katharina Wagenbach-Wolff eine Lehre bei den Frankfurter Heften, war ab 1964 Mitglied der Leitung des Verlags Klaus-Wagenbach, ab 1983 belebte sie die Friedenauer Presse wieder.
Die Bücher, die sie in den 35 Jahren von 1983 bis 2017 hier verlegte, waren von ihrer Hand verlesen. Sie schlossen Lücken in der Rezeption von klassischen Werken der russischen, französischen, italienischen Literatur, unterhielten auf höchst originelle Weise oder zeigten neue Wege auf in der ästhetischen Verarbeitung des zwanzigsten Jahrhunderts. Egal ob Winterbuch, Friedenauer Presse-Druck oder Wolffs Broschur, stets überzeugen die Bücher durch ihre hohe Qualität. Einige von ihnen haben Literaturgeschichte geschrieben.
Das Beglückende an Katharina Wagenbach-Wolffs Arbeit ist neben ihrem außergewöhnlichen literarischen Gespür ihre Unbeirrbarkeit. Mit Moden musste sich die Friedenauer Presse nie beschäftigen, der unabhängige Geist ihrer langjährigen Verlegerin blieb den eigenen Interessen und Vorlieben treu. Wir danken Katharina Wagenbach-Wolff für ihre Zustimmung und Ermunterung dazu, die Friedenauer Presse weiterzuführen, und hoffen, dass der Verlag in ihrem Geiste eine lange Zukunft haben wird.
(Friederike Jacob, Friedenauer Presse)