Sensationelle Kunst in Hamburg: Die gebürtige Dresdnerin Elfriede Lohse-Wächtler (1899–1940) zählt zu den wichtigen künstlerischen Stimmen des frühen 20. Jahrhunderts. Ihre dynamische und von Empathie getragene Bildsprache ist in der Kunst der Neuen Sachlichkeit ohne Vergleich. Ihr Werk wird noch bis zum 09. Februar 2025 im Ernst Barlach Haus im Jenischpark (Stiftung Hermann F. Reemtsma, Baron-Voght-Straße 50a, 22609 Hamburg) in der Freien und Hansestadt gezeigt. Bereits mit 16 Jahren verlässt sie ihr Elternhaus und ist ab 1917 Dresdner Avantgardekreisen aktiv; zu den Freunden der Eigensinnigen gehören Künstler wie Otto Dix, Conrad Felixmüller, Otto Griebel, Rudolf Adrian Dietrich und Johannes Baader. Von 1925 bis 1931 erlebt Lohse-Wächtler in Hamburg eine persönlich belastende, künstlerisch jedoch höchst produktive Zeit. Die Lebensumstände führen zu psychischen Problemen und 1929 zu einem ersten Klinikaufenthalt. Ihrer labilen Verfassung trotzt die Künstlerin kraftvolle Werke ab. Selbstbewusst dringt sie dabei auch in Männerwelten und Sperrbezirke vor, malt im Hafen und auf St. Pauli. In rascher Folge entstehen Bordell- und Kneipenszenen, Typenporträts und eindringliche Selbstbildnisse. Elfriede Lohse-Wächtlers Geschichte endet mit Zwangshospitalisierung und Auslöschung: 1940 wird sie im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde („Aktion T4“) in Pirna getötet. Zum 125. Geburtstag am 04. Dezember widmet das Haus der Ausnahmekünstlerin eine Retrospektive mit annähernd 100 Werken aus 25 öffentlichen und privaten Sammlungen. Zudem erscheint ein Katalog bei Kettler (224 Seiten, 19,50 Euro) und findet ein umfangreiches Begleitprogramm statt.
(André Schinkel/Ernst Barlach Haus/Pressemitteilung)