Pirckheimer-Blog

Do, 01.03.2018

Hubert Wilm für Frank Wedekind

Hubert Wilm (1887–1953) für Frank Wedekind (1864–1918), Radierung mit Remarquen, 1913

Das bekannteste Theaterstück Frank Wedekinds trägt den Titel „Frühlings Erwachen“, und es kommt einem in diesen Tagen Ende Februar gelegentlich in den Sinn, wenn man genug von der Dunkelheit und Kälte des Winters hat. Im März wird uns das klimatische „Frühlings Erwachen“ hoffentlich häufig in den Wetterberichten erfreuen, aber ganz sicher wird uns ein literarisches „Frühlings Erwachen“ auf den Feuilletonseiten der Zeitungen begegnen. Denn am 9. März wird des 100. Todestags des Verfassers dieser tragisch endenden „Kindertragödie“, in der der Titel sich symbolisch auf die erwachende Sexualität junger Menschen bezieht, gedacht.

Hubert Wilm hat für Wedekind ein wunderschönes, ernstes, fast weihevolles Blatt radiert; dem tun auch die etwas heitereren Remarquen keinen Abbruch. Das Blatt eröffnet allerdings keinen direkten Zugang zu dem Dichter-Kabarettisten, der zum Beispiel dadurch berühmt wurde, dass er in einem Lied erzählt, wie er seine Tante geschlachtet hat. Warum Wilm, der Wedekind ja auch persönlich und aus beruflichen Zusammenhängen kannte, auf einen individuelleren zugespitzten Blick auf den Schriftsteller verzichtet hat, ist mir nicht bekannt. Aber ich finde es ein wenig schade...

(Ulrike Ladnar)

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