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Harald Kretzschmar

Pirckheimer-Blog

Harald Kretzschmar

Di, 14.07.2015

Marginalien 218

Eigentlich sollten es schon vor einem Monat bei den Abonnenten sein - jetzt dürfte das neueste Heft der Marginalien jedoch überall im Briefkasten vorliegen.
Es häuften sich allerdings wieder die nicht zustellbaren Sendungen, weshalb alle Empfänger gebeten werden, eventuelle Adressänderungen mitzuteilen. Aber auch bei mir ist das Heft trotz korrektem Adressaufkleber noch nicht eingetroffen, mitunter ist also Geduld gefragt.
Der Inhalt des aktuellen Heftes erfüllt wieder alle Erwartungen: Irmgard Heidler gibt Aus Anlass des 50. Todestages von F.H. Ehmcke ausführliche Einblicke in die Zusammenarbeit und Entwicklung von Strukturen, Harald Kretzschmar berichtet über Eduard Fuchs - Lichtbringer und Schattenmann und Robert Wolf referiert über Die Radierungen des Malers Hans Vent. Sehr interessant auch der Kommentar von Ralf Parkner zu einem Briefwechsel zwischen Karl-Heinz Jacobs und Erwin Strittmatter - Dieser Briefwechsel ist den Marginalien als typographische Beilage (Weidemann Book) beigegeben.

Mi, 20.05.2015

Premiere "Treffpunkt Erasmus"

Bei der Premiere des anlässlich der Jüdischen Filmwoche im Berliner Kino BABYLON vorgeführten Dokumentarfilms "TREFFPUNKT ERASMUS" von Annet Betsalel, der Nachkommin einer Holocaust-Überlebenden, über die Widerstandsarbeit des Grafikers, Illustrator und Gründungsmitglieds der Pirckheimer-Gesellschaft Werner Klemke als Soldat im besetzten Holland, fanden sich auch viele Pirckheimer ein.
Weitere Fotos im Facebook-Album des Pirckheimers Ralf Parkner.
Annet Betsalel | Klaus Höpcke
Christel und Roland Berger | Harald Kretzschmar
Ralf Parkner | Ronald Paris, Matthias Gubig
Matthias Haberzettl
Fotos: Ralf und Dagmar Parkner

Mi, 31.12.2014

Sa, 23.08.2014

Werner Klemke zum 20sten Todestag

Am 26. August 1994 verstarb das Gründungsmitglied der Pirckheimer-Gesellschaft Werner Klemke. Dieser Perrsönlichkeit widmen sich einige Beiträge, so u.a. vom Pirckheimer Harald Kretzschmar und dem Berliner Drucker Martin Z. Schröder.
 
Der Artikel von Harald Kretzschmar in der Wochenendausgabe des Neuen Deutschland unter der Überschrift Die Haltung des Zeichners widmet sich der Frage: Was zum frühen Werner Klemke dringend zu erinnern ist. Kretzschmar schildert die späte Erinnerung an die antifaschistische Vergangenheit von Werner Klemke. "Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will - dieser Sinnspruch ist recht vielseitig zu deuten. Wer dazu neigt, krumme Sachen zu machen, übt sich darin beizeiten, das ist eine mögliche Bedeutung. Die Generation des 1917 geborenen Berliner Zeichners Werner Klemke war auf fatale Weise dieser Verführung ausgesetzt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde sie schwerbewaffnet ausgesandt, in ...".

Martin Z. Schröder stellt seinen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 22. August unter die Überschrift: Ein Held aus dem Antiquariat und untertitelt: Werner Klemke war der große DDR-Grafiker. Zuvor nutzte er seine Kunst, um Leben zu retten.
Er würdigt ausführlich die Bedeutung Klemkes in der Graphikszene der DDR und darüber hinaus: "Werner Klemke? Sein Ruhm schwappte kaum über die innerdeutsche Grenze. Wer heute von der Buchkultur in der DDR schwärmt, meint ... auch (die) nicht eben wenigen illustrierten Werke, die Kinderbücher, die schönen Klassikerausgaben. Und dann ist man auch schon bei Werner Klemke, dem ostdeutschen Großmeister des Buchentwurfs. ... Er beherrschte alle gebrauchsgrafischen Techniken - vom Holzstich bis zur Kreidezeichnung. Er arbeitete für den Trickfilm und die Presse, gestaltete Prospekte, malte Plakate, kalligrafierte, entwarf Bühnenbilder und Kostüme, Abziehbilder und Briefmarken, schuf Bleiverglasungen, Exlibris, Filmprogramme, Glasuntersetzer, Hausfassaden, Schallplattenhüllen, Postkarten, Signete, Wandschmuck, Glückwunschkarten - und vor allem Bücher. Über 800 Bücher. ...
Und Werner Klemke beeinflusste als Professor an der Berliner Kunsthochschule in Weißensee die Bildsprache dieses Landes. Dieser in der Buchgeschichte einmalig schaffende Künstler war wegen seiner über 35 Jahre lang stets mit einem kleinen Kater versehenen Titelzeichnungen der Zeitschrift Das Magazin so bekannt und beliebt, dass er sogar mit dem für seine Schlagfertigkeit und gefährlichen politischen Spitzen populären Conferencier 0. F. Weidling 1982 eine ganze Femsehshow mit unterhaltsamem Gespräch über Gebrauchsgrafik ausfüllen konnte.
" Im Folgenden geht Martin Z. Schröder wie auch Harald Kretzschmar auf die lange Zeit unbekannt gebliebene Kriegsgeschichte Klemkes in Nordholland ein: "Unter Fotos und Dokumenten aus der Besatzungszeit fand sich (2011) ein Aufsatz ..., der über deutschen Soldaten berichtet: Johannes Gerhardt und Werner Klemke." Es stellte sich heraus, "dass Klemke durch Fälschung von Dokumenten nicht-jüdische Abstammungen erfunden und somit Deportationen verhindert sowie zweimal versucht hatte zu desertieren. ... Offenbar stellte den Kontakt ein zweiter Soldat her, der Fotograf Johannes Gerhardt, der mit Klemke bei der Luftabwehr diente und den Mels de Jong im Antiquariat „Erasmus" in Amsterdam kennengelernt hatte. Diese Buchhandlung war von Abraham Horodisch, einem promovierten Wirtschaftswissenschaftler, bedeutenden Verleger, Büchersammler und Handpressendrucker, nach seiner Flucht aus Berlin im Juni 1933 gegründet worden. ... Die beiden jungen deutschen Soldaten, die so kühn die deutsche Mord- und Raublust verweigerten, sind nicht weniger Helden als die Offiziere des 20. Juli. Nur haben sie ihre Geschichte nie erzählt."

Ende des Jahres wird eine
Filmdokumentation von Annet Betsalel zu diesem Lebensabschnitt von Werner Klemke fertiggestellt sein, unterstützt auch von der Pirckheimer-Gesellschaft.

Do, 03.07.2014

60 Jahre Eulenspiegel Verlag

Lesung und Gespräch mit dem Meister der Porträtkarikatur und Eulenspiegel-Autor Harald Kretzschmar, bekannt für treffsichere Konterfeis und prägnante Kurzprosa anlässlich des 60. Jahrestags der Verlagsgründung

10. Juli 2014

HABBEMA – Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft
10405 Berlin
Mülhauser Straße 6 / Hofgebäude Ecke Prenzlauer Allee

So, 13.04.2014

Nordahl Griegs Bücher

- der Schriftsteller und der Antifaschist -

Hrsg.: Margarete Steffiin,
Odd Eidem, Henschel 1947
so ist eine Veranstaltung des Heimatvereins Kleinmachnow überschrieben, auf welcher Harald Kretzschmar mit einer Lesung von Passagen aus Büchern von Nordahl Grieg einen Vortrag über seine Bedeutung als Schriftsteller und als Antifaschist gerade in der heutigen Zeit verbinden wird. Der Seemann, der Patriot und der Deuter von Historie kommen zu Wort.
Neue Erkenntnisse lassen das tragische Schicksal des über dem Machnower See beim Absturz eines Bombenflugzeuges zu Tode gekommenen Autors in einem neuen Licht erscheinen.
Es geht um nichts weniger als den Nachweis, dass hier nicht nur ein auf den ersten Blick als Ultralinker erscheinender Dichter sozusagen für die norwegische Folklore steht, sondern wichtiger Teil einer kreativen antifaschistischen Einheitsfront der Intellektuellen in Europa war.
Auf diese Weise soll die Kenntnis über die Biografie dieses mit dem Gedenken an ihn schon oft geehrten Menschen vertieft werden - nicht ohne wichtige Schlussfolgerungen für die Gegenwart.

Lesung: Montag 14.April 2014, 19 Uhr

Heimatverein Kleinmachnow
Rathaussaal

So, 16.02.2014

Ralf Pakner

Harald Kretzschmar: Ralf Pakner, 2014

So, 02.02.2014

Vernissage "Kretzschmars Jahre"

Harald Kretzschmar, Foto © Ralf Parkner
Harald Kretzschmar, Karikaturist, kritischer Geist und scharfer Beobachter, wurde vor allem durch die Wochenzeitschrift Eulenspiegel als Karikaturist bekannt.
Heute wurde seine Ausstellung "Kretzschmars Jahre" mit Neujahrsgraphiken aus 50 Jahren eröffnet. 1963 bis 1994 war dies ein originalgrafischer Handabzug vom selbstgebastelten Siebdruckrahmen. Seitdem sind es Kopien von Handzeichnungen, mit Farbstiften handkoloriert. In dieser Ausstellung werden erstmalig alle diese Karten komplett gezeigt - und zwar parallel mit einem jeweils im selben Jahr entstandenen, gleichfalls zeitkritisch-satirischen größeren Blatt. Auf diese Weise entstandt in zeitlicher Abfolge ein Überblick über Lebenswerk und Weltsicht eines im Land Brandenburg beheimateten Künstlers, der immer noch aktuell kreativ unter uns wirkt.
Der Pirckheimer Ralf Parkner veröffentlichte einige Fotos von dieser Vernissage auf Facebook.

Mo, 27.01.2014

Kretzschmars Jahre

Neujahrs- & andere Grafik
Der Mensch ist gut - sei besser (Harald Kretzschmar 1992)
Mit Pauken und Kretzschmar beginnt die erste Ausstellung im noch unvollendeten Alten Rathaus Fürstenwalde.
 
Der 1931 in Berlin geborene und seit 1956 in Kleinmachnow bei Berlin ansässige, vor allem durch die Wochenzeitschrift „Eulenspiegel" bekannt gewordene Karikaturist ist ein in Leipzig von 1950 bis 1955 studierter Diplomgrafiker. Als solcher versendet er seit nunmehr fünfzig Jahren jedes Jahr eine persönliche Neujahrsgrafik.
1963 bis 1994 war dies ein originalgrafischer Handabzug vom selbstgebastelten Siebdruckrahmen. Seitdem sind es Kopien von Handzeichnungen, mit Farbstiften handkoloriert. In dieser Ausstellung werden erstmalig alle diese Karten komplett gezeigt - und zwar parallel mit einem jeweils im selben Jahr entstandenen, gleichfalls zeitkritisch-satirischen größeren Blatt. Auf diese Weise entsteht in zeitlicher Abfolge ein Überblick über Lebenswerk und Weltsicht eines im Land Brandenburg beheimateten Künstlers, der immer noch aktuell kreativ unter uns wirkt.
 
Weitere schöne Aussichten: Es gibt eine Finissage, mit einer Lesung von Harald Kretzschmar!
Satirische & andere Texte mit Ironie und Komik, Philosophie und Polemik in Kurztexten aus den in der Ausstellung betrachteten fünf Jahrzehnten. Dazu Stullen und Wein, am 7. März 2014 um 18 Uhr, Foyer Altes Rathaus Fürstenwalde. Unkostenbeitrag: 3,99 €
 
Vernissage: 1. Februar 2014 um 17 Uhr, Festsaal des Alten Rathauses Fürstenwalde
Musikalisches Donnerwetter: Harald Wenzek & Katrin Gehrke
Ausstellung: 2. Februar-7. März 2014

Kunstgalerie Altes Rathaus
Am Markt 1
15517 Fürstenwalde/Spree

So, 26.01.2014

Mi, 01.01.2014

Mi, 27.11.2013

Harald Kretzschmar

Im Berliner Club Dialog e.V. findet unter dem Titel "Russische Köpfe" eine Ausstellung mit Porträtkarikaturen 1960 - 1995 unseres Mitglieds Harald Kretzschmar statt.

Vernissage: 29. November 2013, 18:00 Uhr

Club Dialog e.V.
Friedrichstr. 176 - 179, 3. Etage Pressezentrum

10117 Berlin

Do, 18.07.2013

Im Holzstich gebändigte Energie

Karl-Georg Hirsch und Andreas Brylka. Faszination Holzstich und Buchillustration.
Elemente, 1992
Ist dieser bereits seit 13. Mai Fünfundsiebzigjährige nun der klassische disziplinierte Illustrator, oder doch eher der frei eigene Themen gestaltende Grafiker? Diese schwer zu beantwortende Frage erledigt sich bei dieser Ausstellung von selbst, da sie im Museum für Druckkunst Leipzig als Heimstatt gediegenen Buchdrucks stattfindet. Karl-Georg Hirsch wird hier ausschließlich als der mit hochstilisierter Holzstichakribie arbeitende Buchkünstler gezeigt. Zudem ist sein Ausstellungskomplex mit dem eines zweiten dem Buch verpflichteten Holzstechers verflochten, dem des einst ebenfalls an der Hochschule für Graphik und Buchkunst Leipzig ausgebildeten Hamburgers Andreas Brylka. So entsteht im Vergleich zweier ganz unterschiedlicher Temperamente eine umfassende Schau zur bildkünstlerischen Ausdeutung von Literatur.
Dazu muss man sagen - der Ort der Ausstellung hat es schon in sich. Krabbelt man mühsam zur dritten Etage mit den Ausstellungssälen hoch, absolviert man schon ein Programm des Kennenlernens aller Varianten herkömmlicher handwerklicher Buchherstellung. Beginnend im Hochparterre ist die technische Ausstattung einer Druckwerkstatt alten Stils komplett erhalten. Was in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts noch als Offizin Haag Drugulin und Offizin Andersen-Nexö firmierte, war eine gute Adresse für das Herstellen von Büchern, die häufig genug das auszeichnende Prädikat »schönste« erhielten.
Da nun beide Künstler das im 19. Jahrhundert lediglich als schnöde Reproduktionstechnik verbreitete Stechen in Hirnholz (im Unterschied zum Schneiden in Langfaserholz) pflegen, sind sie hier gut aufgehoben. Und sie zeigen, welche ganz moderne Ausdrucksmöglichkeiten sich darin noch verbergen. Allerdings bleibt der sieben Jahre ältere Andreas Brylka in dem Punkt introvertiert bodenständiger. Sein Prä gilt in alter Kleinmeistertradition der Vignette. Verlässt er dieses ureigenste Terrain, wird er in größeren Formaten schnell mit anderen Meistern wie Werner Klemke oder Aristide Maillol verwechselbar.
Karl-Georg Hirsch dagegen hat nach einer Jugend mit Stukkateurberuf und Radrennsport seine enorme Energiepotenz erst mit der jahrzehntelangen Disziplinierung im akademischen Betrieb gezähmt. »Ich mag es, dass mir das Hirnholz so viel Kraft abnötigt«, meint er selbst dazu. Einerseits differenziert er meisterhaft die Grauwerte im Strichgespinst analog dem grafisch bewegten Schriftbild des von ihm illustrierten Buches. Andererseits birst die Welt seiner oft bizarren Menschengestalten oft geradezu im verqueren Zu- und Gegeneinander. Kontrovers jeder Idylle gegenüber reißt er kuriose bis dämonische Konfliktsituationen auf. Allein der feste Umriss der Buchseite begrenzt die unbändige Bewegungslust der Akteure seiner fast dramatisch zu nennenden Kompositionen.
All das lässt sich, anschaulich verteilt auf vielfältige Rahmungen und Arrangements von Buchbeispielen, in Vitrinen betrachten. Die immer wiederkehrende Anmerkung »Leihgabe Dr. Peter Labuhn« deutet an: Hier zeigt mit dem nun bereits im Ruhestandsalter angekommenen Arbeitsmediziner aus Stendal ein passionierter Sammler von Buchgrafik eine Auswahl aus seinen Beständen. Der enge Kontakt zu dem Künstler entstand, als dieser 1976 bis 2003 vom Dozenten und Werkstattleiter zum Professor und Prorektor der Leipziger Kunsthochschule wurde, und dennoch ununterbrochen selbst entwarf und zeichnete, stach und gestaltete. Allein 24 Exlibris entstanden in der Zeit für das Ehepaar Labuhn.
Mit hier gezeigten Entwurfsskizzen, unveröffentlichten Druckbögen und dem Briefwechsel rundet sich das Bild einer engen Beziehung. Jedes Mal unverwechselbar Hirsch, und immer im nuancenreichen Schwarz-Weiß klassischer Grafik. Welch kritisch-aufklärerischer Geist die für LUBOK, die edition burgart, die Büchergilde Gutenberg oder vor allem für die bibliophile Edition Zwiedruck geschaffenen brandaktuellen Blätter prägt, kommt allerdings hier kaum zum Ausdruck. Holzstich hat doch über alles Technische hinaus eine geistige Dimension.
(Harald Kretzschmar in Neues Deutschland, 17.7.2013)
 
Ausstellung: 9. Juni bis 25. August 2013
 
Museum für Druckkunst Leipzig
Nonnenstraße 38


siehe auch: Karl-Georg Hirsch und Andreas Brylka

Sa, 27.04.2013

Zwischen Bedrängnis und Widerstand

Grafiken und Zeichnungen der Jahre 1933 bis 1945 aus der Sammlung Gerd Gruber

Seit seinem 15. Lebensjahr sammelt der promovierte Ingenieur Dr. Gerd Gruber auf Anregung von Lea Grundig antifaschistische Kunstwerke, die in der Zeit der Herrschaft und des Kampfes gegen den Faschismus entstanden. Die von Maria Michel kuratierte Ausstellung zeigt eine kleine Auswahl.

Ausstellungseröffnung:
10. Mai 2013, 17:00 Uhr
Zur Eröffnung führen unsere Mitglieder, der Karikaturist Harald Kretzschmar und der Sammler Dr. Gerd Gruber, ein Podiumsgespräch. (Unkostenbeitrag: Zwei Euro)
Ausstellung: 10. Mai bis 19. Juli 2013

GBM-Galerie
Weitlingsstr. 89
10317 Berlin

Mi, 13.02.2013

Kupferstichkabinett Berlin

Hermann Glöckner: Übereinander auf Rot, 1968
© SMB, Kupferstichkabinett
Die Neue Nationalgalerie am Berliner Kulturforum nahe dem Potsdamer Platz gibt seit über einem Jahr einen komplexen Überblick über ihre Sammlung zur Kunst von 1945 bis 1968: »Der Geteilte Himmel«. Einige wenige Quadratmeter sind dabei Zeichnung und Grafik aus dem Berliner Kupferstichkabinett zugebilligt worden. Dort ist seit Mitte Januar ein Wechsel zu verzeichnen. Wo vorher Arbeiten Gerhard Altenbourgs zu sehen waren, wird jetzt Druckgrafik von sechs Dresdener Meistern dieses Zeitabschnitts geboten.
Es geht also um die Nachkriegszeit. Eine Stimmung schimmert auf. Intime Druckgrafik tritt in Beziehung zur »Großen« Kunst. Insgesamt dreißig Blätter, nun gut. Im Vergleich zu den Großbildern ringsum halten diese kleinen Formate unbestreitbar stand. Die Namen Wilhelm Rudolph, Hermann Glöckner, Wilhelm Lachnit, Hans Theo Richter, Hans Körnig und Gerhard Kettner sind über jeden Zweifel erhaben. Die vorwiegend aus dunkeltonigen Aquatinten und Lithografien bestehenden Reihung vermittelt eine noble verhaltene Monotonie. Rudolphs Holzschnitte, immer wieder gezeigt als Paradebeispiele vom Trümmerchaos, wirken da geradezu licht. Glöckner gibt sich in diesen frühen Abstraktionen fast noch gehemmt. Lachnits grafische Stillleben ruhen so in sich, dass sie die Ausstrahlung seiner Ölbilder nicht erreichen. Zweimal Körnig ist zu wenig. Kettner war von Anfang an der sensible Zeichner - man spürt es hier kaum. Richter erfasst hier statisch die Faszination der Silhouetten von Frauen und Kindern - man kennt bewegtere Beispiele.
Die Künstler werden in einem kurzen Begleittext knapp beschrieben. Ohne politisch korrekte Wortwahl geht es offenbar nicht. Da wird stets die »jahrelange Diffamierung« Lachnits als alleiniges Erkennungsmerkmal wiederholt. Richter ist zu loben, weil er »eine von politischen Vorgaben unabhängige Sprache« pflegte. Sein Schüler Kettner »adaptierte« angeblich nur dessen Vorliebe für das Körperliche. Die im Dresdner Atelier zurückgelassenen Werke Körnigs, seit 1961 ganz unbeachtet im Westen lebend, »blieben bis zur Wiedervereinigung unter Verschluss«. Ja, wo denn sonst? Und den Vogel schießt man regelmäßig bei Glöckner ab: Er habe »abseits öffentlicher Wahrnehmung« gearbeitet, und erst »nach der Wende« sei er gewürdigt worden.
Warum diese offenkundige Lüge? Lothar Lang schrieb bereits 1969 über ihn, dass er »das Glück hat, von vielen Sammlern geschätzt zu werden: seine Werke hängen nicht nur in den Museen, sondern auch in Wohnungen in Dresden, Halle oder Berlin«. Spätestens seit 1977 gab es einen regelrechten Glöckner-Boom. Die großen Dresdner Ausstellungen feiern ihn: VIII. 5 Exponate, IX. 3 Exponate, X. 3 Exponate, jeweils keineswegs versteckt, eher als Blickfang, und mit farbigen Abbildungen in den Katalogen. 1979 Personalausstellung Altes Museum Berlin, 1984 Kunstsammlungen Dresden. 1983 Buch John Erpenbeck »Ein Patriarch der Moderne«. 1984 Nationalpreis und Film (Regisseur Jürgen Böttcher). Vehement erstritten, steht seitdem überlebensgroß sein »Mast mit zwei Faltungszonen« vor der TU Dresden.
Traurig, aber wahr, wie schwer es die simpelste Wahrheit von gestern hat, heute wahrgenommen zu werden.
Überhaupt ergibt sich die große Frage: Was eigentlich ist an Zeichnung und Druckgrafik aus den 45 Jahren Kunstschaffen in Berlin und Umland, genannt SBZ und DDR, in diesem Haus gesammelt? Diese dreißig Dresdner Beispiele sind ein ganz kleiner Anfang. Da gibt es fraglos mehr zu entdecken. Von vielen offiziellen und halboffiziellen Ausstellungen wanderten Blätter in die grafische Vorzeigesammlung der DDR in Berlin. Kesse Privatinitiativen der Kuratorin des Mini-Kabinetts neben der Rotunde des Alten Museums brachten der Sammlung das junge Unangepasste. Jährliche Grafik-Wettbewerbe des Staatlichen Kunsthandels mit höchst modernem Anspruch sorgten mit Belegexemplaren für Nachschub.
Leider nie in einem Katalog komplett erfasst, wurde alles im Einigungsprozess mit den Westbeständen zusammengeführt. Diese waren unter der Ägide des ganz der Gegenwart zugewandten Alexander Dückers ebenfalls mustergültig sortiert. Was hätte näher gelegen, als in den letzten zwei Jahrzehnten darüber Rechenschaft abzulegen? Immerhin hat man die einzige paritätisch zwischen West und Ost ausbalancierte Kollektion in Deutschland. 1994 zog man in die prachtvoll für Magazinierung und Präsentation geeigneten Räume am Kulturforum. Projekte aber, die den zusammengeführten Bestand präsentiert hätten, ließen auf sich warten (um die Malerei und Plastik tobte der »Bilderstreit«). 2002 ging Dückers in Ruhestand. Nachfolger Heinrich Schulze Altcappenberg setzte dann Glanzlichter ferner Vergangenheit. Botticelli, Grünewald und (jetzt gerade abgelaufen) Schinkel. Höchst ehrbar. Aber wir leben heute. Wir sind Erben des gerade vergangenen Gestern.
Wann endlich wird dieser Fundus öffentlich zugänglich gemacht? Warum kann Berlins Kupferstichkabinett nicht leisten, was andere Kabinette in Deutschland und anderswo selbstverständlich bieten? Die Kunsthalle Hamburg etwa macht da einiges vor. Fantastische Räume stehen im verwöhnten Berlin zur Verfügung. 2010 ging die Kunstbibliothek voran, indem sie die aus eigenem Fundus bestrittene Schau »Schrift als Bild« mit »Welt aus Schrift« aus Kabinett-Beständen ganz prachtvoll ergänzte. Die Bibliothekarin Anita Kühnel hatte da mit dem Grafik-Spezialisten Michael Roth eine eindrucksvolle Übersicht inszeniert, sogar mit dem »Wagnis«, auch auf die sogenannten Ostkünstler zurückzugreifen.
Was nun? Die letzte einst aus dem Personalbestand Ost übernommene Expertin ist Anita Beloubek-Hammer. Zur Zeit bereitet sie die Übersicht über Zeichnung und Druckgrafik des Picasso-Bestandes der Sammlung vor. Ihr Forschungsprojekt des Grafikvergleichs aus beiden deutschen Staaten liegt noch auf Eis. 2015 erst soll das Tauwetter einsetzen. Da dürfen sich endlich beide Seiten in ihren besten Blättern begegnen: Horst Janssen Werner Tübke, Paul Wunderlich Peter Sylvester, Otto Pankok Arno Mohr, Hanne Darboven Herta Günther, Günter Fruhtrunk Michael Morgner. Und es wird ausnahmsweise einmal eine ganz besondere Sonne über dem Berliner Kulturforum aufgehen. Dürfen wir daran glauben?

(Harald Kretzschmar)

Die Studioausstellung »Dresdener Graphiker in der Nachkriegszeit« des Kupferstichkabinetts in der Neuen Nationalgalerie Berlin ist bis zum 28. April zu sehen.
 
© ND, Online-Ausgabe vom 11.2.201