Pirckheimer-Blog

Geburtstagsglückwunsch

Do, 29.01.2026

70 Jahre Pirckheimer-Gesellschaft e. V., das sind 70 Jahre Arbeit für das und Liebe zum schönen Buch ... So ist der 29. Januar 2026 ein ganz besonderer Tag.

Ein ganz besonderer Tag: 70 Jahre Pirckheimer-Gesellschaft e. V.

Bücher – Nein, ich bitte Sie inständig:
Nicht mehr fragen! Laß dich doch belehren!
Bücher, auch wenn sie nicht eigenhändig
Handsigniert sind, soll man hoch verehren.

Joachim Ringelnatz.

29. Januar 2026 – was für ein Datum. Wir feiern 70 Jahre Pirckheimer-Gesellschaft. Viele haben bereits über ihre Geschichte geschrieben: Horst Kunze und Carsten Wurm, Wolfram Körner, Herbert Kästner, Hartmut Pätzke oder Till Schröder; in den Marginalien, den Jubelrufen oder auch auf unserer Webseite. „Am 29. Januar treffen sich im Café Budapest, Berlin, Stalinallee 165, etwa 80 Bücherfreunde, um die Pirckheimer-Gesellschaft in aller Form aus der Taufe zu heben. Das Präsidium besteht im wesentlichen aus dem Initiativkomitee, Kaiser, Löwenthal, Lange, Kaemmel und Klemke. Bruno Kaiser umreißt die Ziele und die Arbeitsaufgaben. Neben dem Bewahren des Bucherbes sieht er im Fördern des neuen Buches eine gleichrangige Aufgabe. Gewählt wird ein Geschäftsführender Vorstand, dem die Mitglieder des Initiativkomitees und Walter Berger, Ausstattungsleiter des Verlages Rütten & Loening, angehören, und ein 18 Personen umfassender Gesamtvorstand.“ So fing es an vor 70 Jahren. Mehr dazu auch auf unserer Webseite. 70 Jahre voller Wandel für das Buch und die Gesellschaft. 70 Jahre voller Arbeit für das Buch – mit Hochs und Tiefs. Digitalisierung, demografischer Wandel, verändertes Leseverhalten, die Begrifflichkeit der Bibliophilie an die nächsten Generationen tragen, alles Themen, mit denen sich die Gesellschaft auseinandersetzen muss. Bibliophile und literarische Gesellschaften haben es schwer in der jetzigen Zeit. Einige haben aufgeben müssen im Verlauf der Jahrzehnte. Um so wichtiger ist es, jetzt ein Zeichen zu setzen und mit Aktivität und Kreativität gegen diesen Trend zu arbeiten. Alle Mitglieder können hierbei helfen. Vor 20 Jahren fand zum 50-jährigem Jubiläum das Jahrestreffen in Berlin statt, mit reichhaltigem Programm. In diesem Jahr findet das Jubiläumstreffen in der Stadt unseres Namensgebers Willibald Pirckheimer in Nürnberg statt. Auch dort dürfen wir uns auf ein tolles Programm freuen (Näheres u. a. in unserer Rubrik Veranstaltungen auf unserer Webseite). Gleichzeitig stehen in diesem Jahr auch die ein oder andere Veranstaltung, Beiträge in den Marginalien und auch im Blog unter dem Thema 70 Jahre Pirckheimer. Wir dürfen gespannt sein. Also: Lasst uns mit diesem Jubiläum einen positiven Blick in die Zukunft werfen und alles für unsere Gesellschaft und unsere Herzensthemen rund um Buch und Grafik in Angriff nehmen.

(Robert Grieger, Pirckheimer mit ganzem Herzen)

Di, 27.01.2026

Ehrentage bei zwei Mitgliedern der Pirckheimer-Gesellschaft

Ganz kurz im Vorfeld und justament zum Geburtstag der Pirckheimer-Gesellschaft sind auch in den Reihen des Vereins und seinem Umkreis zwei illustre Ehrentage zu verzeichnen: So feiert Sigrid Wege, die langjährige und verdienstvolle Vorständin der Magdeburger Pirckheimer, am 27.01. ihren 65. Geburtstag; und Cornelius Brändle, wenn die Granden der Blogredaktion nicht vollends und vollkommen die Weisheit der Mathematik verlassen hat, just am 29.01. seinen 70., womit gesagt sein soll, Corn.elius, hochgeschätzter Künstler, Editor, Organisator der artbook.Berlin – und unsere geliebte Gesellschaft, sie sind Zwillinge! Da sage noch einer, dass das keine Punktlandungen sind. Es braucht gute Nachrichten und feine Wünsche in dieser Zeit. Von daher: Alles Liebe und Gute!

(André Schinkel)

So, 17.08.2025

Aufbau Verlag feiert Geburtstag

Am gestrigen 16. August jährte sich der Gründungs- und Geburtstag des Berliner Aufbau Verlags zum 80. Mal. Heute handelt es eigentlich um eine kleine Verlagsgruppe, denn neben dem seinerzeit größten Editionshaus der DDR gibt es im Trust noch die Imprints Aufbau Taschenbuch (atb), Rütten & Loening und Blumenbar sowie die Eigengewächse Die andere Bibliothek, More, Aufbau Audio, Aufbau Digital und Edition Braus. Seit 2019 gehört auch der Verlag von Pirckheimer-Freund Christoph Links zur Gruppe. Aufbau ist der Hausverlag von Theodor Fontane und Anna Seghers, Erwin und Eva Strittmatter, auch die aktuelle Nobelpreisträgerin Han Kang gehört zum Programm des Verlags. Heute beschäftigt die Gruppe 59 Mitarbeiter, und im Aufbau-Jubiläumsprogramm gibt es Neues von Gregor Gysi und Nachgereichtes von Gerti Tetzner zu entdecken. Von den beiden großen Literaturzeitschriften der ehemaligen DDR wird immerhin noch die Sinn und Form unter dem Dach des Verlags herausgegeben. Ein recht umfangreiches Buch- und Veranstaltungsprogramm begleitet das Jubiläumsjahr, sicherlich gekrönt von einem Event zum Jubiläum im Kulturquartier Neustrelitz (Schlossstraße 12/13, 17235 Neustrelitz): Carsten Gansel im Gespräch mit Aufbau-Lektorin Nele Holdack, am 01. September um 19 Uhr. Alle Aufbau-Veranstaltungsinfos gibt es hier.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Sa, 02.08.2025

Dr. Jens-Fietje Dwars wird 65. | © Sylwia Mierzynska

Jens-Fietje Dwars: 65. Geburtstag

Jens-Fietje Dwars, ein Freund der Künste, der Dichter, Erzähler, Zeichner, Grafiker – verdienter Pirckheimer-Freund zudem, Redaktionsleiter des Palmbaum seit langem und Redaktionsmitglied der Marginalien, feiert heute am 02. August seinen 65. Geburtstag. Der promovierte Philosoph und Germanist, der selbst als Autor, Ausstellungsmacher, Herausgeber, Filmemacher reüssiert, begeht den Ehrentag im Angesicht eines umfangreichen Werks: Zum halbrunden Geburtstag stehen zwei äußerst lesenswerte Bücher an, der Erzählband Wie ich den Kommunismus verlor ... die Essay-Kollektion Erfolg ist ein Irrtum. Dwars begründete gleich mehrere schöne Buchreihen, gefüllt mit Texten und Grafiken, viele der Beiträgerinnen und Beiträger gehören zur Creme ihrer Szene. Schön auch die Beinahe-Zwillingsschaft mit seinem bewunderten Freund Wilhelm Bartsch, der just heut seinen 75. begeht und von dem Jens-Fietje Dwars zwei Bände Gedichte herausgab. Für sein Werk ist Jens-Fietje Dwars mit dem Grimme-Preis und zuletzt mit dem Walter-Bauer-Preis geehrt worden – und es bleibt zu wünschen, dass seine Aufsätze und Porträts für die Marginalien den Pirckheimern noch viele Jahre erhalten bleiben. Lieber Jens-Fietje, von Herzen alles Gute ... bleiben wir unbeirrt!

(André Schinkel)

Sa, 19.07.2025

Das Gedicht im Anschlag – Ernst Jandl. Luchterhand würdigte den Wiener Dichter zum 100. Geburtstag.

„Herz am Bandl“: Ernst Jandl 100

Auch wenn es in seinem Spätwerk konventioneller und, ja, vor allem melancholischer zuging, ist das Werk Ernst Jandls (1925–2000), dessen Wiegenfest sich am 01. August zum 100. Mal jährt, vor allem für seinen experimentellen Sprachwitz und bis ins Serielle und Visuelle aufgebrochenen Furor, der sich in vielen berühmt gewordenen Vorträgen und Platteneinspielungen niederschlug, bekannt geblieben. Bei allem Spiel blieb der Wiener zeit seines Lebens auch stets politisch unbestechlich und der Kunst hingegeben, darin seiner Lebensmenschin Friederike Mayröcker (1924–2021) ähnlich. Zum runden Geburtstag hat ihm nun sein Verlag eine besondere Anthologie gewidmet: zwanzig der Luchterhand-Autorinnen und -Autoren wählten ihr liebstes Jandl-Gedicht aus und schrieben je ein Statement dazu. Auch wenn man sich leise befragt, ob es jenseits des Kosmos dieses ehrwürdigen und verdienstreichen Verlagshauses keine Jandl-Fans gibt, ist das doch höchst reizvoll, kommen hier doch mit Kerstin Hensel, Angelika Overath und Terézia Mora, mit Franz Hohler, Jaroslav Rudiš, Saša Stanišić, Michael Stavarič u. a. eine Reihe Stimmen zu Wort, die den Diskurs bestimmen und, ganz offenbar, mit ihrem „Herz am Bandl“ von Ernst Jandl (so Stavarič) hängen. Auch Judith Keller, Marica Bodrožić und Norbert Hummelt widmen sich dem Grantler; mehr noch: für Martin Becker entzaubert sich sein frühes Künstler-Posing anhand von Jandl im Nachhinein. Auf der märchenspur würdigt Kerstin Hensel zugleich Franz Fühmann (1922–1984). Erinnerungen gibt es, Bekunden, auch eine dramatische Durchführung zu E. J.s séance ... insgesamt herrscht ein Ton der Dankbarkeit und Zärtlichkeit in diesem Buch: Ernst Jandl würde es gefreut haben. Und auch sein ikonisches, man liest es sicher zunehmend beklommen, Gedicht lichtung gibt es: „manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht / velwechsern. / werch ein illtum!“ Mögen da der Irrungen weniger werden. (Christof Bultmann, Regina Kammerer, Martina Klüwer und Miriam Spinrath (Hrsg.): Ernst Jandl zum 100. Lieblingsgedichte, ausgewählt und kommentiert von Luchterhand-AutorInnen. München: Luchterhand Literaturverlag 2025, geb. m. SchU, 176 Seiten, ISBN 978-3-630-87806-5, für 18 Euro.)

(André Schinkel)

Fr, 06.06.2025

Der große Erzähler Thomas Mann (1875–1955) würde heute 150 – und erfährt 2025 zahlreiche Ehrungen.

06. Juni: 150 Jahre Thomas Mann

Sein Romandebüt Die Buddenbrooks von 1901 war ein Paukenschlag und brachte ihm 1929 den Nobelpreis für Literatur ein; und bereits die ersten Proben seines Könnens in der ikonisch gewordenen Novellensammlung Der kleine Herr Friedemann samt seiner so ergreifenden wie hoch symptomatischen Titelstory waren ein Versprechen an die Welt: Als sie 1897 erschienen, stieg mit dem Spross einer Lübecker Kaufmannsfamilie nichts weniger als ein Stern am Kunsthimmel auf. Ja, Thomas Mann, dessen Geburtstag sich heute zum 150. Mal jährt, zählt bis heute zu den größten Erzählern der Moderne. Sein Weg vom Schilderer der Dekadenz des Fin de siècle bis zum Klassiker gegenwärtigen Erzählens ist atemberaubend und kurvenreich, die meisten seiner Bücher einem globalen Kanon eingeschrieben. Und dass da nicht nur Glück war, erklärt sich jedem, der Leben und Werk Manns kennt, von selbst. Viele Medien würdigen heute Mann, den großen Romancier und Novellisten, der auch ein bestechender Analyst und Rhetoriker war – und in dunkler Zeit das Radio-Gewissen des anderen Deutschland, dem man sich wie am besten nähert? Indem man ihn liest.

(André Schinkel)

So, 13.04.2025

Sonntagskind: Susanne Theumer hat heut Ehrentag.

Susanne Theumer zum Geburtstag

Ein besonderer Tag sicher für ihre Bewunderer und Sammler: Die Grafikerin Susanne Theumer feiert heute ihren 50. Geburtstag. Die gebürtige Hallenserin, die unter der Ägide ihres Lehrers Thomas Rug an der halleschen Burg ihre Meisterschaft in der Kaltnadelradierung und der Kohle-Kreide-Zeichnung entwickelte, zählt heute zu den Künstlerinnen von wenigstens nationalem Rang in ihren Metiers. Ihr zu Ehren wird derzeit eine Auswahl ihrer Arbeiten in einer Kabinettschau bei der Büchergilde in Frankfurt (Main) gezeigt, im Frühherbst folgt eine große Retrospektive ihres Werks im Schloss Heringen in der Nähe von Nordhausen. Die Künstlerin setzt sich in ihrer Arbeit intensiv mit der Geschichte und der Literatur auseinander – ihre Webseite dokumentiert eine lange Liste originalgrafischer Bücher ... jüngst radierte sie zu Else Lasker-Schüler und Rajzel Zychlinski. Momentan setzt sie sich mit F. G. Klopstock, dem Großmeister der Empfindsamkeit, auseinander. 

(André Schinkel)

Mo, 20.01.2025

Dichter und Theoretiker Eugen Gomringer wird 100.

20.01.: 100 Jahre Eugen Gomringer

Von den Großmeistern der Konkreten Poesie ist er der letzte und Langüberlebende: Am heutigen Montag wird der bolivianisch-schweizerische Dichter und Literatur- und Kunsttheoretiker Eugen Gomringer sage und schreibe einhundert Jahre. Der neben den Generationsgenossen Ernst Jandl (1925–2000) und Franz Mon (1926–2022) bedeutendste und wohl unbestechlichste Vertreter der nicht von allen Literaturenthusiasten geliebten Zunft hat viele Jahrzehnte an seinen von ihm selbst als Konstellationen bezeichneten Texten gearbeitet, und auch wenn ihn mit seiner bolivianischen Geburt gar nicht allzuviel, da er im Kleinkindalter bereits in die Schweiz kam, verbindet, gilt er dort bis heute als großer und überaus verehrter Vertreter des konkreten Dichtens, das sich zuweilen nur aus einer kargen Idee speist, aber eben auch (als Paradebeispiel gelte sein Gedicht silencio, bei dem die Stille in der freigelassenen Mitte des Textblocks entsteht) überraschend und faszinierend sein kann. So gesehen, dürfte Gomringer unter den „Konkreten“ sicherlich der zeitloseste, ja, und mithin auch originellste sein. Zuletzt erschien 2018 eine Sammelausgabe seiner – konkreten – Sonette. Und da seine Texte immer auch eine grafische Komponente (vgl. Textbeispiel) haben, dürften sie zugleich auch ein Sammelgebiet bilden. Zuletzt gab es Wirbel um seinen Text avenidas, ein Umstand, der wohl für alle beteiligten Parteien nicht glücklich ausging: Wenn die Künstler nicht mehr die belebte Wesenheit bewundern dürfen, ist ihr Gebaren an sich obsolet. Es bleibt zu hoffen, dass heute Eugen Gomringer im Kreis seiner Kinder, darunter die gleichsam als Autorin, Interpretin und Slammerin berühmt gewordene Nora Gomringer, einen grandiosen Tag erlebt – herzlichen Glückwunsch!

(André Schinkel)

Mo, 16.09.2024

Farbholzschnitt "Mädchen mit Pfauenfeder" (2012) – 65 Jahre wird sein Schöpfer, Frank Eißner, heute alt.

Schnitt und Gegenschnitt: Frank Eißner zu seinem 65. Geburtstag

Frank Eißner, der wunderbare, aus Leipzig stammende, ja, und heute in Aschaffenburg lebende und dort auch wirkende Holzschneider, dessen Spezialstrecke Farbholzschnitte, nicht selten in der hohen Ausübung der verlorenen Form, und nicht zuletzt zaubrig-dunkelbunte Exlibris sind, wird heute 65 Jahre alt. Einher geht das mit dem 35. Geburtstag auch seiner Handpresse, die eine Vielzahl Bögen, Plakate und Bücher und, wiederum last, but not least, Jahr für Jahr einen großformatigen Kalender voller Holzschnitte hervorbringt. Kalender sind das, die man gern an der Wand lässt, auch wenn das Jahr darauf schon verflossen ist ... und so blickt auch mich das herrliche Rotkehlchen ganz auf weißem Grund aus der 2023er Ausgabe nach wie vor in meinem Domizil an. Kaum zu denken, ein gemeinsames Buch zu machen, aber: Es ist passiert, eine Reihe Farbholzschnitte zu fünf Texten, dem Fluss gewidmet, der uns beide beschäftigt: der Mulde. Voraus gingen dem Adaptionen zu den Hymnen an die Nacht von Novalis, biblischen Texten und dem Gedichtzyklus erde und feuer des Schönebecker Dichters und existentialistischen Essayisten und Briefeschreibers Holger Benkel ... Ein Highlight dürften die bisher drei Kollaborationen in Buch- und Mappenform mit der Kollegin und engen Freundin seit einer Reihe von Jahren, Susanne Theumer, sein: Zuletzt widmeten sich die beiden der Sommernacht-Ode eines Großmeisters der Empfindsamkeit, Friedrich Gottlieb Klopstock. Frank Eißners Ausdruck, der in seiner Expressivität und Farbigkeit die Faszination für den Jugendstil und die altägyptische Kunst nicht leugnet, ist dabei als einzigartig in seiner Gattung zu bezeichnen. Zur Zeit sind Eißners Arbeiten in der Papiermühle Homburg zu sehen, dort stellt er bis Mitte Oktober gemeinsam mit Urte von Maltzahn-Lietz aus (der Blog berichtete). Es bleibt, dem Virtuosen in Schnitt und Gegenschnitt zu seinem heutigen Ehrentag alles Gute zu wünschen!

(André Schinkel)

So, 15.09.2024

Heute 70 – Christoph Links. | © L. Willms (CC BY 3.0)

Christoph Links wird heute 70

Am letzten Tag der Jahrestagung der Pirckheimer-Gesellschaft gibt es ein besonderes Jubiläum zu feiern und zu würdigen: der Pirckheimer-Freund, Autor, Herausgeber, Gründer und Altverleger des nach ihm benannten Chr. Links Verlags, Christoph Links, wird am heutigen 15. September 70 Jahre alt. Der Sohn des Verlegers Roland Links (1931–2015), der die Kiepenheuer Verlagsgruppe leitete und nach der Wende auch den Insel-Verlag Leipzig, wurde durch seine eigene Gründung eines auf Sachbücher, die sich auf Politik und Zeitgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts konzentrieren, spezialisierten Verlags einer der ersten privaten Unternehmen in diesem Metier in der späten DDR. Eine Reihe von Standardwerken zur Historie der Deutschen Demokratischen Republik wurden bei ihm verlegt, seine Aktivitäten mehrfach hoch geehrt. Zuvor studierte Christoph Links Philosophie und Lateinamerikanistik in Berlin und Leipzig, war als Redakteur bei der Berliner Zeitung und als Assistent der Geschäftsführung bei Aufbau tätig. 2008 promovierte er zum Thema Das Schicksal der DDR-Verlage, bis heute eines seiner Spezialgebiete in Buch und Vortrag. Seit 2019 gehört der Chr. Links Verlag zur Aufbau Verlagsgruppe, 2020 stellte der Gründer seine verlegerische Tätigkeit ein. Links engagierte sich im Börsenverein des deutschen Buchhandels, im deutschen PEN-Zentrum, er war Verleger des Jahres (2019) und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Verdienstorden des Landes Berlin geehrt ... 2023 erhielt er die Rahel Varnhagen von Ense-Medaille. Auch die Pirckheimer kennen ihn von einer Vielzahl Vorträge und Aufsätze unter anderem in den Heften der Marginalien, der Zeitschrift der Gesellschaft, zu zeitgeschichtlichen und verlagshistorischen Themen. Die Vielzahl der Wissensgebiete, mit denen sich Links befasst, ist an den Titeln seiner Bücher und Herausgaben abzulesen. Es bleibt, dem gebürtigen Caputher weiterhin Glück und Licht für seine Arbeit zu wünschen! Und im Katalog seines Verlags, der den Namen behielt, zu blättern.

(André Schinkel)

So, 08.09.2024

Eine 'Rosa Novalis' für Till Schröder, der heute seinen 50. Geburtstag feiert, mit Chapeau und Dankeschön.

Für Till Schröder zum Geburtstag

Einer der treibenden Motoren der Pirckheimer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und zugleich Chefredakteur des Zeitschriften-Aushängeschilds der Gesellschaft, der Marginalien, seit 2017 bzw. 2018, feiert heute einen besonderen Geburtstag: Till Schröder wird heute jugendliche 50. Es ist so: Büchernarretei und professioneller Journalismus gehen in seiner Arbeit eine glückliche Verbindung ein, die dem Wirken von Gesellschaft und Zeitschrift in vielfacher Weise zugutekommen. And by the way: Wir teilen nicht nur die Liebe zur Literatur und zu den schönen Büchern, nein, auch für die manchem Ohr kristallin und abstrus erscheinenden Klänge repetitiver elektronischer Musik ... – vor allem aber, lieber Till, will ich Dir von Herzen Glücke wünschen und danke sagen für die schöne Zusammenarbeit und nicht zuletzt auch daran die Aussicht binden, dass wir noch ein Stück Weg im Licht der flatternden Buchseiten und scheppernden Boxen gehen. Ich weiß, das ist im Sinne aller.

(André Schinkel)

Mi, 28.08.2024

Heute 275 geworden: Johann Wolfgang von Goethe. Sein Bildnis (1828) stammt von Joseph Karl Stieler.

J. W. von Goethe: 275.Geburtstag

Alles Vergängliche / Ist nur ein Gleichnis; / Das Unzulängliche, / Hier wird’s Ereignis; / Das Unbeschreibliche, / Hier ist’s getan; / Das Ewig-Weibliche / Zieht uns hinan.“ Wer kennt es nicht, das große Zitat, das Credo eines Strebens und Wirkens, wie es wohl auf dieser Seite der Großepoche einzigartig war: Mit den äußerst verknappten Versen greift Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) auf die ihm eigene und immer wieder frappierende Weise die Quintessenz seines Lebens wie seines Daseins als Dichter, Begnadeter und auf das Wissen und Begreifen Versessener auf ein stimmiges und letztlich alles eingreifendes Bild zusammen. Dabei war und bleibt der Meister nicht unumstritten seit jeher – unumstritten ist aber (bei Freund und Feind, Fan, Verehrer und Anzinker) die höchste Qualität seines Werks, das zum Bestand der Weltliteratur zählt – samt Bestsellern wie dem Werther, Dichtung und Wahrheit; Brandraketen wie Prometheus enthaltend oder jede Menge Unsterbliches (einige der schönsten Liebesgedichte des Abendlandes zählen dazu), den fulminanten Faust einmal als Solo-Kategorie gerechnet ... Kein einfacher Mensch war das Genie, dieser gern Ge- und Verkannte; aber eben das, in ein äußerlich gelingendes Leben, eine bestechende Gabe gesetzt, hat wohl die kritische Masse an Melange und Licht erzeugt, ihn so groß werden zu lassen in einer Zeit, die unserer in Wirrnis nicht nachstand. Drei Epochen gelang es ihm zu füllen, zu prägen: den Sturm und Drang, die Klassik ... und die Ära des späten Goethe, die wie ein eigener Kontinent wirkt. Wenige Dichter sind in diese Höhen gestiegen wie er, vom Thüringer Meer aus ... Es sei daran erinnert, dass dieser Johann Wolfgang von Goethe heute seinen 275. Geburtstag hat. Es steht uns gut, ihn zu begehen, in JWGs Texten zu lesen, darin eine Hoffnung zu hegen, dass, solange das noch möglich ist, auch die Sehnsucht nach Liebe, Schönheit und Vernunft ein Gefäß hat. Punktum.

(André Schinkel)

Di, 02.07.2024

Friedrich Gottlieb Klopstocks "Der Messias" (1749).

Auf Flügeln des Gesangs: FGK 300

Mitten in dieser Versammlung der Sonnen erhebt sich der Himmel,
Rund, unermeßlich, das Urbild der Welten, die Fülle
Aller sichtbaren Schönheit, die sich, gleich flüchtigen Bächen,
Um ihn, durch den unendlichen Raum nachahmend, ergiesset.
Also dreht er sich, unter dem Ewigen, um sich selber.

Indem er wandelt, ertönen von ihm, auf Flügeln der Winde,
An die Gestade der Sonnen die sphärischen Harmonien
Hoch hinüber. Die Lieder der göttlichen Harfenspieler
Schallen mit Macht, wie beseelend, darein. Dieß vereinbarte Tönen
Führt vorm unsterblichen Hörer manch hohes Loblied vorüber.

Was für ein Auftakt, der sich in diesem ersten Gesang von Klopstocks Messias aus dem Lodern der Empfindsamkeit in die erhabene Größe der Aufklärung biegt! Nun, und man vermag es kaum zu fassen, dass dieses Epos um Christus zu den ungelesensten Texten der Weltliteratur zählt. Nun, es spricht nicht mehr mit unseren Lese- und, in dieser Zeit des Bröselns, Sichtgewohnheiten ... aber es ist auch wahr: Mit Klopstock beginnt alles. Ohne seine versfußbefreiende Vorarbeit, ohne die angenommene Würde des freien Schreibers und Sprechers wären die literarischen Großepochen der Klassik und Romantik, die bis heute nachwirken, nicht denkbar. Goethe und Schiller, Hölderlin und Novalis. Und: Bobrowski. Bis heute gibt es Ausgaben FGKs aus originaler Zeit zu erwerben. Vielleicht ist ein kleiner Wettbewerb anzudenken, wer das schönste, zaubrigste Exemplar einer alten Klopstock-Ausgabe auftreibt. Anlass, sich mit ihm zu befassen, ihn mit einem sanften Platz in seiner Sammlung zu würdigen. Am 02.07. vor 300 Jahren wurde Friedrich Gottlieb Klopstock geboren.

(André Schinkel)

So, 16.06.2024

Das Coverbild des Caroline-von-Humboldt-Porträts von Heidelore Kneffel schuf die, wie die Autorin in Nordhausen (Harz) lebende, Künstlerin Katrin Kisker.

Gelesen übers Jahr: Ein Porträt von Caroline von Humboldt

Der Einband des Buches zeigt eine Collage mit dem Antlitz der Caroline von Humboldt (1766–1829). Das berühmte Originalbild malte Gottlieb Schick (1776–1812) 1804 in Rom. Die Schöpferin dieser Kopie ist die Nordhäuser Künstlerin Karin Kisker, die eng mit Heidelore Kneffel, über viele Jahre die gute Seele des Sarah-Kirsch-Vereins, der in Limlingerode im Geburtshaus der Georg-Büchner-Preisträgerin über ein Vierteljahrhundert einen Reigen an Veranstaltungen und Aktionen entfesselte, zusammenarbeitete und -arbeitet. Heidelore Kneffel (*1944), die heute am Bloomsday einen runden Ehrentag feiert, die, wenn man den Fernmeldungen trauen darf, heute wandert und nicht erreichbar ist, ist eine Frau, auf die das Wort „taff“ im schönsten Sinne zutrifft – und der man, wenn sie es nicht längst bekommen hätte, am heutigen Tag das Bundesverdienstkreuz als Dank und Ehre antragen müsste, hat sich verdient um die Kultur ihres Heimatlandstrichs: als Lehrerin, als Beigeordnete, unbeugsame Streiterin für die gute Sache, nun, und als die „Heidelerche“, wie sie von Sarah Kirsch (1935–2013) zärtlich genannt wurde, ja, und eben als Forscherin, gemacht. Auch wenn die Begegnungsstätte heute aus trüben Gründen, die aus Gründen der Abgründigkeit in so einem Glückswünsch nicht diskutiert werden mögen, in Limlingerode nicht mehr existieren darf, arbeitet der Verein weiter, bespielt mit Erfolg Einrichtungen in Heidelore Kneffels Heimatstadt Nordhausen, in Bleicherode und Heringen mit Lesungen, Ausstellungen, Diskursen zu Kunst und Literatur. Und die „Heidelerche“, selbst Liebhaberin/Sammlerin, gibt sich der Erforschung der zu hebenden Schätze anheim, wie eben der Geschichte von Caroline von Humboldt, die, gebürtige Dacheröden und Frau von Wilhelm von Humboldt (1767–1835), als Verschwisterte in Sachen Kunst- und Literaturliebe über die Jahrhunderte hin zu gelten hat. Das dicht gepackte und tief recherchierte Buch leistet im besten Sinne Aufklärung, eine Tugend, wie sie dieser Zeit gut stünde. Und öffnet damit den Blick auf die Dinge, die eben auch seine Verfasserin treiben ... ja, wer sich darauf einlässt, hört hinter den Zeilen und Bildern die wissende und in alle Richtungen höchst informierte Stimme von Heidelore Kneffel sprechen. Und so soll es ja sein. Und schon, weiß man aus gut informierter Quelle, arbeitet die zu Bejubelnde an neuen Projekten. Liebe „Heidelerche“, dafür einen großen Lichtstern: Alles Gute zum Geburtstag! (Heidelore Kneffel: Ich habe mit den Kunstsachen ... aufs Vertrauteste gelebt. Caroline von Humboldt, geb. Dachenröden, und ihr Leben der Poesie. Atelier Veit: Nordhausen 2023, 240 Seiten, mit zahlr. Abbn. und Illn., ISBN 978-3-948269-05-0, 25 Euro.)

(André Schinkel)

Mi, 05.06.2024

Moritz Götze stellt seit 19.05.24 in Quedlinburg aus.

60: Moritz Götze in Quedlinburg

Einer der international renommierten Künstler Sachsen-Anhalts wird 60! Das ist Grund genug, 2024 eine Ausstellung zu Ehren Moritz Götzes zu zeigen. Die Werkschau gibt Einblick in über dreißig Jahre künstlerisches Schaffen eines Ausnahmekünstlers. Seine Kunstwerke werden von ihm selbst explizit als „Deutscher Pop“ bezeichnet. Dabei zeichnen sich darin auch Comicelemente ab. Obgleich er sich technisch in keine Schublade stecken lässt, ist Götzes Handschrift in seinen Gemälden, Papierarbeiten, Siebdrucken und anderen Grafiken, Emaillen, Mosaiken und Skulpturen unverkennbar. Inhaltlich verarbeitet er Kulturgeschichtliches und Kunsthistorisches mit besonderem Interesse an ostdeutscher Gesellschaftsgeschichte. Dabei lässt er Alltagsgegenstände und Erlebnisse aus seinem Leben Bildsujets durchdringen. Die Retrospektive im Museum Lyonel Feininger zeigt einen Querschnitt durch Moritz Götzes Œuvre – von seinen frühen Radierungen, den populären Serigrafien bis hin zu den späten Grafiken. Sie ist vom 19. Mai bis zum 26. August 2024 zu sehen, heißt nach einem seiner Bildnisse Westlöffel und Ostkaffe und ist Mi bis Mo 10 bis 18 Uhr geöffnet.

(André Schinkel/Pressemitteilung)