Als 9. Graphik erschien in der vom Pirckheimer Andreas Wessel herausgegebenen jW-Kunstedition nach krankheitsbedingter leichter Verzögerung der Beteiligten der Siebdruck »Abel erklärt Kain ein Martyrium« von Heidrun Hegewald.
Heidrun Hegewald, deren Buch »Ich bin, was mir geschieht« vor 10 Jahren hier (und in den Marginalien) besprochen wurde, zählt zu den bekanntesten Künstlern der DDR, einige der Bilder der Künstlerin, die Anfang der 1970er Meisterschülerin an der Akademie der Künste der DDR bei Werner Klemke war, gehörten in den 1970er und 1980er Jahren zu den meistdiskutierten Werken. Zwar befanden einige DDR-Kunstkritiker ihre Problembilder als zu »kopflastig«, aber das Publikum war anderer Meinung. Nach 1990 hatte ihr treues Publikum allerdings Schwierigkeiten, Werke der bewunderten Malerin zu finden.
"Heidrun Hegewald arbeitet mit ihrer Kunst für ein gebildetes Publikum. Allerdings nicht für ein westdeutsch-bildungsbürgerliches Publikum, das Kunst mit einem ikonographischen Handbuch zu entschlüsseln sucht und den Wert von Kunstwerken nach Auktionsergebnissen bemisst. Hegewald arbeitet für die »allseitig entwickelte Persönlichkeit mit einer (natur-)wissenschaftlichen Allgemeinbildung«, die kritisch, suchend, fragend, fordernd, aber auch vorbehaltlos an Kunstwerke und ihre Schöpfer herantritt. Natürlich war dieser Typus »sozialistische Persönlichkeit« auch in der DDR ein uneingelöstes Bildungsideal, aber die Erfolge von 40 Jahren Erziehungsarbeit sind noch spürbar. Es geht dabei gar nicht so sehr um reines Wissen, sondern um einen grundsätzlichen, wenn auch im Alltag nur subtil wirkenden Unterschied zwischen den Weltsichten: Die eine ist ein Herangehen an die Wirklichkeit und ihre Geschichte, als ob diese nach einem Schulbuch auswendig gelernt werden könnte, die Welt als Bildungskanon, die andere sucht die Welt mit kritischem Verstand deutend in ihrem Gesamtzusammenhang zu verstehen."
(Andreas Wessel, gesamter Artikel hier)