Pirckheimer-Blog

Miniatur von Albrecht Dürer in Aristoteles’ „Opera“, Bd. 1. Venedig: Aldus Manutius, 1495. Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover. ǀ © GWLB
Miniatur von Albrecht Dürer in Polydeukes’ „Onomastikón“. Venedig: Aldus Manutius, 1502. Landesbibliothek Oldenburg. ǀ © Frauke Proschek
Dr. Christof Metzger, Chef-Kurator der Albertina Wien. ǀ © Albertina Wien
Do, 15.09.2022

Dürer-Miniaturen in Oldenburg

„Dürer, Pirckheimer, Manutius und die Liebe zum Buch“ – die Landesbibliothek Oldenburg zeigt erstmals zwei Buchmalereien in einer Ausstellung, die Dürer zugeschrieben werden. Vor kurzem wurde in der Landesbibliothek ein Buch mit einer Miniatur entdeckt, die wahrscheinlich von Albrecht Dürer (1471–1528) eigenhändig gemalt wurde. Der spektakuläre Fund sorgte international für Aufsehen. Die Miniatur gehört zu einer kleinen Gruppe von Buchmalereien, die Dürer für seinen Freund, den Humanisten Willibald Pirckheimer (1470–1515), gestaltete. Die Oldenburger Miniatur ist vom 16.09. bis zum 29.10.22 in der Tresorvitrine der Landesbibliothek zu sehen – gemeinsam mit einer zweiten Miniatur Dürers aus der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover.

Besucher haben so erstmals die Chance, die beiden Buchmalereien unmittelbar im Original zu vergleichen. Alle anderen bekannten Dürer-Miniaturen befinden sich im europäischen Ausland und in den USA. Rund um diese beiden Spitzenwerke präsentiert die Landesbibliothek Oldenburg bis Ende Oktober ein hochkarätiges Vortragsprogramm. Experten verschiedener Fachrichtungen beleuchten die Beziehungen der drei großen Renaissance-Persönlichkeiten und ihre Leidenschaft für Bücher. Zu sehen ist auch die Kabinettausstellung „Bücherschätze der venezianischen Renaissance aus der Offizin des Aldus Manutius“.

Den Eröffnungsvortrag Schöner lesen. Albrecht Dürer und das Buch als Kunstwerk am heutigen Donnerstag, den 15.09., um 19 Uhr hält Dr. Christof Metzger. Er ist Chef-Kurator der Albertina Wien, einer der größten und bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt, und international anerkannter Dürer-Experte. „Die jüngst in der Landesbibliothek Oldenburg entdeckte Buchrarität, das 1502 in Venedig gedruckte Onomastikón des Polydeukes, ist ein (kunst-)historisches Dokument von allererstem Rang“, so Metzger. Auf dem ersten Blatt finden sich in delikater Deckfarbenmalerei auf Delphinen balancierende Putten, die das Wappen eines der wichtigsten deutschen Büchersammler des Humanismus begleiten: Willibald Pirckheimer. Es fügt sich in eine Gruppe von 19 ähnlich opulent ausgestatteten Klassikerausgaben, als deren Gestalter Pirckheimers Freund und Vertrauter Albrecht Dürer in der Diskussion steht. Der Vortrag beleuchtet den historischen Hintergrund dieses hochbedeutenden bibliophilen Projekts und versucht auf die Frage aller Fragen – „Hat Dürer es selbst gemalt?“ – die Antwort zu geben.

Weitere Veranstaltungen im Rahmen von Ausstellung und Kabinettausstellung, die ebenfalls bis zum 29.10. gezeigt wird, sind Druckerschwärze und antiker Geist. Die Rolle der italienischen Offizinen im Humanismus mit Professor Dr. Detlef Haberland (Bonn) am 12.10. und Willibald Pirckheimer, Albrecht Dürer und die Griechen mit Professor Dr. Niklas Holzberg (München) am 18.10. Auch diese Veranstaltungen beginnen jeweils um 19 Uhr, der Eintritt zu allen drei Vorträgen ist frei. Eine Anmeldung zu den Vorträgen wird wegen der begrenzten Plätze empfohlen – dies ist via Mail (lbo@lb-oldenburg.de) wie per Telefon: (0441) 50 50 18 20, möglich. Die Bibliothek befindet sich in Oldenburg am Pferdemarkt 15 und ist Montag bis Freitag von 10–19, Samstag von 9–12 Uhr geöffnet.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

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