Pirckheimer-Blog

Die Hallenser Künstlerin Susanne Theumer liebt die Auseinandersetzung mit der Literatur. Foto auf dem Ausriss: Marco Ehrhardt
Di, 04.06.2019

Dichterworte - Dichterorte

Susanne Theumer - Abdruck der Erinnerung

"[ ... ] Von dem in Tilsit geborenen Johannes Bobrowski bis zu Günter Kunert, W.G. Sebald und aktuell Peter Nadas reicht das Spektrum; und ihre Auseinandersetzung damit übersetzt Susanne Theuemer in soghafte Schwarzweiß-Bilder, ausschließlich im Kaltnadelverfahren geritzt: „Das hat eine Direktheit, die ich mag.“ Eine seltsam ungefähre, vielfädig aufgelöste Gestalt nimmt da Georg Büchners Lenz auf. Elias Canettis Masse Mensch hat sie in ihrer Diplomarbeit zu einem dunklen Knäuel verdichtet, dessen Schwärze sich zu materialisieren scheint.

[ ... ] die Bilderzyklen Ebene und Gelände [ ... ] im Untergeschoss der Uni-Bibliothek [ ... ] Großformatige Kohle-Kreidezeichnungen voller harter Kontraste und rauchiger Verwischungen, in denen sich die Linien verschieben, die Landschaft zu verflüchtigen scheint und die Geschichte wirkt wie ein Abdruck auf der Gegenwart. Die Versatzstücke von Realität, die sie bei ihren Sitzungen vor Ort sammelt, baut Susanne Theumer später im Kopf neu zusammen.
Düster hermetische Räume entstehen so, eine hohe Pappelallee oder die Gesichter der Silent Tale Tellers, die seltsam bekannt erscheinen mit dem schmerzlichen Ausdruck und den schwarzen Augenhöhlen. Ein Zustand wie zwischen Leben und Erinnerung. Auch ihre Heimatstadt Halle findet sich so wieder, Nahaufnahmen eines längst verschwundenen Straßenzugs oder eines Plattenbaus. „Schwarzweiß waren immer meine Farben“, sagt die 44-Jährige. „Und dazwischen gibt es unendlich viele Grautöne.“ Ihre Bilder lagern sie wie Schichten des Vergangenen übereinander und vermitteln einen lebhaften Eindruck davon.
"

(Ruth Bender Kölner Nachrichten 17.4.2019, S. 29)

Ausstellung: 17. April - 16. Juni 2019

Universitätsbibliothek Kiel
Foyer, Leibnizstraße 9

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