Pirckheimer-Blog

Mi, 12.01.2022

Der Sammler auf Reisen: Rostock

Die Antiquariatsszene in Rostock ist seit meinem letzten Besuch arg geschrumpft, gerade einmal zwei Antiquariate existieren noch in der Stadt: das traditionsreiche Norddeutsche Antiquariat und das Antiquariat Wulff in der Rosa-Luxemburg-Straße 37.

Susanne Thorentz betreibt das 1955 gegründete Norddeutsche Antiquariat inzwischen in der unscheinbaren aber geschichtsträchtigen Buchbinderstraße in einem Eckhaus der von Rostockern und Touristen beliebten Kröpeliner Str. im Stadtzentrum. In dem Haus fand man früher die G.B. Leopold´s Universitätsbuchhandlung.
Mit einem Fahrstuhl ist das Antiquariat in zwei kleinen Räumen in der zweiten Etage erreichbar. Zu DDR-Zeiten war es um ein vielfaches besser gelegen und bot in größeren Räumen seine Bücher an, infolge der seitdem horrend gestiegenen Mieten in dieser stark frequentierten innerstädtischen Fußgängerzone mussten diese Räumlichkeiten jedoch aufgegeben werden. Kulturvermittlung ist halt brotlos und verlangt eine Portion Idealismus.
Schon nach kurzem Gespräch merkt man dieser Antiquarin ein fundiertes Fachwissen an und ihr Engagement zur Erhaltung dieser Nische von Kultur, Literatur und Bibliophilie. In diesem Antiquariat fand sich folgerichtig auch trotz des beengten Platzes eine gerahmte Zeitungsnotiz aus den 50ern über das Norddeutsche Antiquariat, welche sie stolz von der Wand nahm und vorzeigte.
Der Schwerpunkt des Antiquariats, von dem nur ein kleiner Teil in den engen, kleinen Räumen zu finden ist, liegt weniger bei den auch angebotenen teuren, von bibliophilen Sammlern gesuchten Stücken, sondern ist neben Belletristik und illustrierten Büchern Mecklenburgica, Geschichte, Orts- und Landeskunde, Technik, Schifffahrt ...
So z.B. attestierte Walter Kempowski dem Antiquariat, dort "eine jener Schwarten gefunden zu haben, nach denen [... er] in den sechziger und siebziger Jahren vergeblich Ausschau hielt. Jenes Material, das ich für meine Deutsche Chronik so dringend gebraucht hätte."

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